Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon streicher » So 21. Okt 2018, 17:16

In Brasilien, in welcher der rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Bolsonario im Wahlkampf wild um sich schießt zeigt sich ebenfalls, wie Begriffe der Sexualität kunterbunt zusammengeworfen werden und damit auch irregeführt wird. Dort bahnt sich eine Hexenjagd von konservativen Katholiken und Freikirchlern auf Andersdenkende und Andersorientierte an.
Es ist nicht das erste Mal, dass in Brasilien gegen Gegenwartskunst gewettert wird. Zwei Wochen vor dem Shitstorm in São Paulo hatte in Porto Alegre die Ausstellung „Queermuseum – Kartografien der Differenz in der Kunst Brasiliens“ vorzeitig schließen müssen, nach Protesten im Internet. Von Pädophilie, Sodomie und Blasphemie war die Rede. Die Erzdiözese von Porto Alegre sah den katholischen Glauben diffamiert „und die menschliche Sexualität, die ein Geschenk Gottes ist“.


[Gegen Homosexualität]
Eine wichtige Rolle spielen dabei reaktionäre Kräfte wie die sogenannten Pfingstkirchen. Ihnen gehört in dem einst rein katholischen Land mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung an. Die Bewegung verspricht Erlösung im Hier und Jetzt. Noch stärker als die Katholiken verquicken die Evangelikalen Religion und Politik, hetzen offen gegen Andersgläubige wie die Anhänger der afrobrasilianischen Religion Candomblé, gegen Homosexualität und alles, was ihrem Weltbild nicht entspricht. Gerade unter den Armen in den Favelas haben sie massiven Zulauf, aber auch Eliten bekennen sich zu ihnen.
Wie christliche Eiferer die Kunstfreiheit bedrohen
Wer Homosexualität verurteilen möchte, kann in der Bibel auf einschlägige Textstellen zugreifen. Deswegen ist der Versuch, den Kindesmissbrauch ursächlich auf Homosexualität zurückzuführen, besonders perfide. Ebenso aber auch, Darstellungen als Übergriffe darzustellen, um die Möglichkeit zu Hetzjagden zu eröffnen. Wie schon gesagt: die Bibel kennt keine Textstelle, in welcher Kindesmissbrauch explizit verurteilt wird. Scheinbar wird dieser blinde Fleck von christlichen Eiferern auch schamlos ausgenutzt anstatt tatsächlich an Vorbeugung und Aufklärung zu arbeiten und sauber zu differenzieren oder sich mal glaubwürdig mit diesem blinden Fleck zu beschäftigen.
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firlefanz11
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon firlefanz11 » Mi 24. Okt 2018, 10:17

Zur Abwechslung mal was über eine andere Form von Kindesmissbrauch in der RKK:
Der merkwürdige Fund einer Historikerin führt in Irland zu einer systematischen Ausgrabung auf einem Grundstück der katholischen Kirche: Denn über Jahrzehnte sollen dort Hunderte Kinder wie Sklaven gehalten worden und daran gestorben sein.

https://www.n-tv.de/panorama/Suche-nach ... 84896.html

Das Leben in der RKK scheint so belastend zu sein, dass die Pfaffen, Nonnen etc. so übel psychisch geschädigt o. zumindest deprimiert werden, dass sie es an wehrlosen Kindern auslassen müssen... :dead:
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon streicher » Do 25. Okt 2018, 08:12

In der Einrichtung Tuam wurden unverheiratete Frauen mit Kindern eingeliefert, die, wie am Ende der Meldung vermerkt, als "gefallene Frauen" angesehen wurden (und somit die Kinder als "minderwärtig"). Man fragt sich ja, woher es rührt, dass die Frauenschaft einer Einrichtung zu solchen Taten fähig ist. Milgram lässt grüßen.
Einerseits war es eine "von Gott und Kirche abgesegnete" Institution, die man nicht in Frage zu stellen hat. Andererseits waren die eingelieferten Frauen durch ihr "Unverheiratetsein" per se degradiert: die Nonnen handelten aus einer Überlegenheit heraus, die sie als abgesegnet sahen. Mütter und Kinder mussten bestraft werden. Die Nonnen mussten sich durch Bibel und Kirche in ihrem psychopathischem Handeln bestätigt gesehen haben.
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon Wolverine » Do 25. Okt 2018, 09:08

firlefanz11 hat geschrieben:(24 Oct 2018, 11:17)

Zur Abwechslung mal was über eine andere Form von Kindesmissbrauch in der RKK:

https://www.n-tv.de/panorama/Suche-nach ... 84896.html

Das Leben in der RKK scheint so belastend zu sein, dass die Pfaffen, Nonnen etc. so übel psychisch geschädigt o. zumindest deprimiert werden, dass sie es an wehrlosen Kindern auslassen müssen... :dead:


Mich wundert, dass eine Gesellschaft, die massiv gegen Kindesmissbrauch vorgeht, hohe Strafen fordert und keine Gnade kennt, für Pfaffen ein dermaßen groteskes Verständnis aufbringt, dass sie sich mit ein paar Gulden abspeisen lassen und auf Strafverfolgung verzichten. Kindesmissbrauch ist Kindesmissbrauch, durch einen Pfaffen noch viel schlimmer, denn dem vertrauen die Eltern besonders.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass dem Staatsanwalt die Hände gebunden sind, wenn die Kirche die Informationen unter Verschluss hält. Was ist das für eine Gesellschaft?
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon firlefanz11 » Do 25. Okt 2018, 10:00

Wolverine hat geschrieben:(25 Oct 2018, 10:08)
Was ist das für eine Gesellschaft?

Leider eine mit Doppelstandards bei allem u. jedem...
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon Wolverine » Do 25. Okt 2018, 11:30

firlefanz11 hat geschrieben:(25 Oct 2018, 11:00)

Leider eine mit Doppelstandards bei allem u. jedem...


Ich bin zum Glück niemals dazu gezwungen worden, irgendwelche Märchen zu glauben, die religiöser Herkunft waren. In der Beziehung bin ich absolut frei erzogen worden. Priester, die Kinder missbrauchen sind Straftäter wie alle anderen die das ebenfalls tun, auch.
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon firlefanz11 » Do 25. Okt 2018, 12:23

Wolverine hat geschrieben:(25 Oct 2018, 12:30)
Ich bin zum Glück niemals dazu gezwungen worden, irgendwelche Märchen zu glauben, die religiöser Herkunft waren. In der Beziehung bin ich absolut frei erzogen worden.

Ich zum Glück auch...

Priester, die Kinder missbrauchen sind Straftäter wie alle anderen die das ebenfalls tun, auch.

Ja, nur sind sie für die lokale Justiz u. Exekutive nicht greifbar wie auch z. B. Diplomaten. Viele regen sich wenn auch in Teilen zurecht über Parallelgesellschaften u. -justiz bei den Moslems auf aber die eigentliche grosse Parallelgesellschaft mit eigener "Justiz" ist die RKK...
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon Fliege » Do 25. Okt 2018, 15:24

Ein Terraner hat geschrieben:(06 Feb 2017, 20:59)
Die katholische Kirche hat sich in Deutschland ja schon von einem Gericht die Bezeichnung "Kinderficker Sekte" bestätigen lassen. Jetzt geht es in Australien weiter, Ich frag mich nur ab wann darf hier von einem System zum Kindesmissbrauch gesprochen werden?

Tausende Fälle von Kindesmissbrauch in Australien

Beim Gendern oder Gender-Mainstreamen kommt halt heraus, was heraus kommt. Die katholische Kirche sozial-konstruiert sich ihre Geschlechterrolle und füllt diese Rolle nach Kräften aus. Für Genderologen dürfte es da kein Problem geben - oder?
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon Fliege » Do 25. Okt 2018, 22:02

Wolverine hat geschrieben:(09 Oct 2018, 12:11)
Gibt es vergleichbare Fälle im evangelischen Bereich? Wo die Ehe erlaubt ist. Das Zölibat, welches aus grauer Kirchenzeit stammt ist wohl ein Teil des Problems, aber ich sträube mich dagegen, Verzicht auf körperlichen Sex und Kindesmissbrauch als Ursache und Wirkung zu betrachten.

Ich kenne keine Fallhäufung von Pädophilie bei den Evangelischen.
Ich denke, dass Zölibat (Geilheit ohne P2P-Sex) ursächlich ist für Übergriffe auf Schwächere, was früher wohl auch Nonnen zu spüren bekamen und heute eben vorwiegend Kinder. Homo-Geistliche, die zueinander oder zu anderen Homos gefunden haben, sehe ich nicht als besondere Risikogruppe.
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon streicher » Mo 29. Okt 2018, 10:30

Fliege hat geschrieben:(25 Oct 2018, 23:02)

Ich kenne keine Fallhäufung von Pädophilie bei den Evangelischen.
Ich denke, dass Zölibat (Geilheit ohne P2P-Sex) ursächlich ist für Übergriffe auf Schwächere, was früher wohl auch Nonnen zu spüren bekamen und heute eben vorwiegend Kinder. Homo-Geistliche, die zueinander oder zu anderen Homos gefunden haben, sehe ich nicht als besondere Risikogruppe.
Solche großen Fallhäufungen scheinen wohl nicht zu existieren, aber vereinzelt doch, obwohl Pastoren in festen Beziehungen lebten. chrismon berichtet Anfang 2015:
Das hatte sich bis 2010 niemand vorstellen können: dass evangelische Pastoren Kinder und Jugend­liche missbrauchen. Undenkbar. Sexueller Missbrauch sei doch ein Problem der katholischen Kirche, wegen des Zölibats, aber evangelische Pastoren lebten meist in festen Beziehungen, könnten ihre Sexualität also leben. Und natürlich nahmen die evangelischen Kirchenmitglieder an, dass ihre Pastoren leben, was sie lehren.

Aber dann, 2010, als die Medien voll ­waren von Berichten über die Missbrauchs­skandale in Internaten, nahm eine Frau all ihren Mut zusammen und sagte öffentlich, dass ein Pastor der nordelbischen Kirche in den 70er und 80er Jahren sie und andere Jugendliche, die meisten im Konfirmandenalter, sexuell missbraucht habe.
Pastoren als Täter


Die evangelische Kirche zieht darauf Konsequenzen und schafft eine zentrale Anlaufstelle, um den Opfern Zugang zur Hilfe zu erleichtern: „Null Toleranz gegenüber Tätern und Mitwissern“.


In evangelisch freikirchlichen Gemeinden engagiert sich der Bochumer Pastor Christian Rommert für Aufklärung und Aufarbeitung.
Dort gebe es Bedingungen, etwa Gehorsam und konservative Sexualmoral, die es Tätern leicht machten, sagt er.


Weiter:
Rommert: „Also gerade im freikirchlichen Kontext vertraut erst einmal jeder jedem. Keiner traut dem anderen etwas Böses zu. Das Thema Sexualität ist immer noch etwas, was im kirchlichen Kontext immer noch ein Stück tabuisiert wird. Weil man da Angst mit verbindet, darüber nicht offen sprechen kann. Es gibt diese Frage des Gehorchens. Liebe Kinder sind Kinder, die gehorchen. Da steckt oft auch noch eine alte Pädagogik dahinter. Und es gibt leider auch noch Kirchen, in denen das Machtgefälle zwischen Mann und Frau kultiviert wird. Und solche Machtgefälle sind immer Unsicherheitsfaktoren.“
In der Vergangenheit sei jedoch oft, selbst nach Aufdeckung von Taten, nicht viel passiert, kritisiert Rommert:
„Im Windschatten der Vergebung konnten viele Täterinnen und Täter einfach die Gemeinde wechseln und dort ganz neu beginnen, ohne dass auf die Eignung geachtet wurde von diesen Menschen. Und wenn wir jetzt wissen, dass Täterinnen und Täter gezielt Orte aussuchen, in denen sie übergriffig sein können, in denen sie Grenzen ausloten und Menschen verführen können: ‚Das ist doch alles gar nicht so schlimm, was unterstellt ihr mir da ...‘ Dann wird plötzlich verständlich, dass Kirche, wenn es eben nicht Sicherheitsmaßnahmen gibt, dass Kirche dann eben ein sehr gefährdeterer Ort ist.“

Aus: Im Windschatten der Vergebung
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon Fliege » Mo 29. Okt 2018, 11:28

streicher hat geschrieben:(29 Oct 2018, 10:30)
Solche großen Fallhäufungen scheinen wohl nicht zu existieren, aber vereinzelt doch, obwohl Pastoren in festen Beziehungen lebten.
[...]

Dank an dich für die interessanten Informationen.
An einer Stelle heißt es: "Es gibt diese Frage des Gehorchens. Liebe Kinder sind Kinder, die gehorchen." Da liegt wohl der Hund begraben.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon streicher » Mo 29. Okt 2018, 20:25

Fliege hat geschrieben:(29 Oct 2018, 11:28)

Dank an dich für die interessanten Informationen.
An einer Stelle heißt es: "Es gibt diese Frage des Gehorchens. Liebe Kinder sind Kinder, die gehorchen." Da liegt wohl der Hund begraben.
Gerne.

An Kinderschutz wird in der Bibel nicht gedacht, an ihre "Züchtigung" schon.
Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn; aber wer ihn lieb hat, züchtigt ihn beizeiten.
Sprüche 13,24

Ehre Vater und Mutter.
Das vierte Gebot
Welches Kind wendet sich gegen seinen Vater oder seine Mutter, der oder die ihn schlägt oder anderweitig misshandelt, welche er jedoch ehren soll? Das engt die Kinder schon sehr ein. Wenn sie etwas sagen - wer schenkt ihnen dann Glauben?
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Re: Kindesmissbrauch in der katholischen kirche, ab wann wird es System?

Beitragvon streicher » So 4. Nov 2018, 20:41

Diesen Artikel halte ich für ziemlich lesenswert: Die Sünde der Homophobie
Daraus:
Der rechte Flügel der Hierarchie griff außerdem dreist auf seine alte - perfide - Strategie zurück, Homosexuelle angesichts der Abgründe an Klerikergewalt gegen Kinder und andere Schutzbefohlene zum Sündenbock zu machen. Zuletzt hat Erzbischof Carlo Maria Vigano, ehemaliger Nuntius in den USA, in seiner gegen Papst Franziskus gerichteten Briefkampagne vom August dieses Jahres pädosexuelle Verbrechen und Homosexualität wieder in einer Topf geworfen.
Nicht Homosexualität, sondern Homophobie begünstigt sexuelle Gewalt
Damit werden die Sachverhalte jedoch förmlich auf den Kopf gestellt. Nicht Homosexualität im Klerus, sondern kirchliche Homophobie begünstigt die sexuelle Gewalt.
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