Polytheismus wieder in?

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Michi
Beiträge: 184
Registriert: Mo 17. Okt 2016, 16:57
Kontaktdaten:

Polytheismus wieder in?

Beitragvon Michi » Do 12. Jan 2017, 08:27

Zur Einstimmung ein paar Videos:

Hellenismos-Anhänger in Griechenland (griechisch, englische Untertitel)
Asatru in Dänemark (englisch)
Römisches Ritual (lateinisch, spanische Untertitel)

Und das sind nur ein paar Beispiele, auch die Religionen der Kelten, Slawen, Ägypter usw... werden heute wieder von manchen Gruppen praktiziert.

Was haltet ihr von der Wiederbelebung vorchristlicher, "heidnischer" Religionen? Ich persönlich kann ja mit Religion eher wenig anfangen, egal in welcher Form. Ich finde es aber gut, wenn die Monopolstellung des Christentums ein wenig in Frage gestellt wird. Sind polytheistische Religionen vielleicht auch toleranter als monotheistische, weil sie die Existenz anderer Götter nicht grundsätzlich ausschließen?
"When in doubt... C-4"
- Jamie Hyneman
Benutzeravatar
harry52
Beiträge: 1507
Registriert: Fr 30. Jan 2015, 09:35

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon harry52 » Do 12. Jan 2017, 08:38

Es gibt schon längst keine Monopolstellung der Christen mehr
und das ist auch gut so. Wir Atheisten sind auf dem Vormarsch und wir liberalen Athesten sind die Speerspitze der Modernen Zeiten, wo Frauen nicht mehr wie Vieh behandelt werden und Homosexuelle heiraten dürfen. Ich sehe nicht, wie alte Religionen uns auf unserem Weg zu mehr Toleranz, Freheit, Gleichheit und ener sozialen Demokrate helfen könnten.

Ein Blick in buddhistische Länder oder nach Indien zeigt nur,
dass es dort den Frauen deutlich schlechter geht. Gerade die vielen Götter in Indien sind alles andere als hilfreich. Das Kastensystem ist sogar teilweise schlimmer als das rassistische Arpartheid System, dass es mal in Südafrika gab.

Also besser mal weg mit allen Göttern, auch weg mt den roten und braunen Ersatzgöttern und Führern.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
Benutzeravatar
Provokateur
Moderator
Beiträge: 11766
Registriert: Sa 3. Jan 2015, 16:44
Benutzertitel: Alpha by choice&Liberalpatriot
Wohnort: जर्मनी

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Provokateur » Do 12. Jan 2017, 08:55

Im Hinduismus gab es schon immer Polytheismus. Der war also nie wirklich out, wenn ihn mindestens eine Weltreligion (Buddhismus ist da ja sehr ambivalent) praktiziert.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 7077
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Quatschki » Do 12. Jan 2017, 09:10

harry52 hat geschrieben:(12 Jan 2017, 08:38)

Es gibt schon längst keine Monopolstellung der Christen mehr
und das ist auch gut so. Wir Atheisten sind auf dem Vormarsch und wir liberalen Athesten sind die Speerspitze der Modernen Zeiten, wo Frauen nicht mehr wie Vieh behandelt werden und Homosexuelle heiraten dürfen.

Ich habe den Eindruck, dass der Atheismus seit 15 Jahren in der Defensive ist.
Die Fortschrittsgläubigkeit ist dahin. Immer mehr Menschen zweifeln, dass die weltlichen Segnungen der Moderne den Menschen Erfüllung bringen können. Immer mehr wenden sich esoterischen Spinnereien und unterschiedlichsten Pseudoreligionen zu.
Vormals streng atheistische Parteien wie SPD, Grüne und sogar die ganz Linken haben den Kulturkampf für Aufklärung und Vernunft weitestgehend eingestellt und engagieren sich für den Bau von Gotteshäusern fremder Religionen.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
Benutzeravatar
Boraiel
Beiträge: 3840
Registriert: Di 25. Feb 2014, 02:25
Benutzertitel: Let's rule the world.
Wohnort: Deutschland/Niederlande

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Boraiel » Do 12. Jan 2017, 17:58

Die griechische und römische Götterwelt begleitet uns seit Jahrhunderten, ich denke nicht, dass die Beschäftigung damit aktuell einen Höhepunkt findet. Andere polytheiste "Kulte" tauchen immer mal wieder auf, sind aber von äußerst geinger Relevanz. In den letzten Jahrzehnten sehen wir einen erheblichen Machtzuwachs des Islams, vor allem aufgrund eines immensen Reichtums an fossilen Rohstoffen in einigen islamischen Ländern. Der Islam ist eine monotheistische Religion und wenn man sich an der Trinität im Christentum etwas stört, vielleicht sogar die monotheistische Religion.
Libertatis veritatisque.
Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html
Benutzeravatar
Provokateur
Moderator
Beiträge: 11766
Registriert: Sa 3. Jan 2015, 16:44
Benutzertitel: Alpha by choice&Liberalpatriot
Wohnort: जर्मनी

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Provokateur » Do 12. Jan 2017, 18:14

Boraiel hat geschrieben:(12 Jan 2017, 17:58)
Der Islam ist eine monotheistische Religion und wenn man sich an der Trinität im Christentum etwas stört, vielleicht sogar die monotheistische Religion.


Was ist mit dem Judentum? Klar, konvertieren ist schwierig, aber doch möglich, wenn man es wirklich ernst meint.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
Benutzeravatar
Boraiel
Beiträge: 3840
Registriert: Di 25. Feb 2014, 02:25
Benutzertitel: Let's rule the world.
Wohnort: Deutschland/Niederlande

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Boraiel » Do 12. Jan 2017, 18:22

Provokateur hat geschrieben:(12 Jan 2017, 18:14)

Was ist mit dem Judentum? Klar, konvertieren ist schwierig, aber doch möglich, wenn man es wirklich ernst meint.

Ist natürlich auch eine monotheistische Religion, fällt aber aufgrund der Zahl seiner Anhänger in der Bedeutung deutlich zurück.
Mir kommt gerade die Frage in den Sinn, ob das Judentum einen "Wirt", eine andere vorherrschende Religion im gleichen Gebiet braucht, um dauerhaft gedeihen zu können. Was hältst du/ihr von dieser These?

Vielleicht könnte man die christlich-jüdische Beziehung schon eine symbotische Beziehung nennen.
Libertatis veritatisque.
Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 23233
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Adam Smith » Do 12. Jan 2017, 18:35

Michi hat geschrieben:(12 Jan 2017, 08:27)

Sind polytheistische Religionen vielleicht auch toleranter als monotheistische, weil sie die Existenz anderer Götter nicht grundsätzlich ausschließen?


Es gibt keine moderate oder nicht-moderate Religion. Religion ist Religion und damit hat es sich.

1959 besuchte Anna Louise Strong eine Ausstellung von Folterwerkzeugen, die von den Herrschenden in Tibet benutzt worden waren. Es fanden sich Handschellen aller Größen, Kindergrößen eingeschlossen. Es gab Instrumente für das Abschneiden von Nasen und Ohren, für das Augenausreißen, für das Abbrechen von Händen und das Durchtrennen der Sehnen in den Kniekehlen. Es gab Brandeisen, Peitschen, und Spezialwerkzeug für Ausweidungen. Die Ausstellung präsentierte Fotos und Zeugnisse von Opfern, die geblendet oder verkrüppelt worden waren, weil sie gestohlen hatten. Da war der Schafhirte, der auf eine Rückzahlung in Geld und Weizen durch seinen Herrn Anspruch hatte, aber der Herr weigerte sich zu zahlen. Der Hirte stahl eine Kuh seines Herrn, aus diesem Grund wurden ihm die Hände abgehackt. Einem anderen Hirten, der sich dagegen widersetzte, dass sein Herr ihm seine Frau wegnahm, wurden die Hände weggerissen. Es gab Bilder von kommunistischen Aktivisten, denen die Nasen und Oberlippen abgeschnitten worden waren, und von einer Frau, die zuerst vergewaltigt worden war, und der man dann die Nase abgeschnitten hatte.(23)


http://marcus-hammerschmitt.de/styled-8/parenti.html

Und wenn man die Religion fördert oder Reformen möchte dann endet dass in zig Morden.
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1546
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 12. Jan 2017, 19:00

Für mich ist Polytheismus neben Animismus und Schamanismus ehrenwerter weil deutlich älter.
Im Vergleich zu ihnen ist sogar das Judentum neumodisches Zeug.
Ich finde eine polytheistische Renaissance super :thumbup:
Benutzeravatar
Misterfritz
Beiträge: 2536
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Wohnort: badisch sibirien

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Misterfritz » Do 12. Jan 2017, 20:20

watisdatdenn? hat geschrieben:(12 Jan 2017, 19:00)

Für mich ist Polytheismus neben Animismus und Schamanismus ehrenwerter weil deutlich älter.
Im Vergleich zu ihnen ist sogar das Judentum neumodisches Zeug.
Ich finde eine polytheistische Renaissance super :thumbup:
Ich nicht,
mir wäre es lieber, wenn sich die Vernunft weiter ausbreiten würde.
Benutzeravatar
Michi
Beiträge: 184
Registriert: Mo 17. Okt 2016, 16:57
Kontaktdaten:

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Michi » Do 12. Jan 2017, 20:42

watisdatdenn? hat geschrieben:(12 Jan 2017, 19:00)

Für mich ist Polytheismus neben Animismus und Schamanismus ehrenwerter weil deutlich älter.
Im Vergleich zu ihnen ist sogar das Judentum neumodisches Zeug.
Ich finde eine polytheistische Renaissance super :thumbup:

Da frag ich mal nach: Bist du denn Polytheist oder findest du ihn "nur" ehrenwert? Ich frage, weil ich selbst an der Geschichte der Antike interessiert bin und diese alten, vorchristlichen Religion schon ein wenig Interesse bei mir wecken. Ich könnte aber trotzdem nicht glauben, dass es diese Götter wirklich gibt, das passt einfach nicht zu meiner Denkweise. Trotzdem wüsst ich gerne, ob es in diesem Forum Polytheisten gibt, denn es ist mMn lehrreicher mit den Leuten zu diskutieren als über sie. ;)
"When in doubt... C-4"
- Jamie Hyneman
Benutzeravatar
harry52
Beiträge: 1507
Registriert: Fr 30. Jan 2015, 09:35

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon harry52 » Do 12. Jan 2017, 21:11

Quatschki hat geschrieben:Ich habe den Eindruck, dass der Atheismus seit 15 Jahren in der Defensive ist.

Nein. Es gibt immer weniger Kirchenmitglieder und die Anzahl der Atheisten steigt hingegen bei uns im Westen, was viele Umfragen in den westlichen Ländern zeigen.

Quatschki hat geschrieben:Die Fortschrittsgläubigkeit ist dahin. Immer mehr Menschen zweifeln, dass die weltlichen Segnungen der Moderne den Menschen Erfüllung bringen können.

Das ist eine andere Baustelle.
Angesichts von bald 10 milliarden Menschen auf dem Planeten und einer rasant ansteigender Anzahl an Menschen, die sich einen PKW und eine Flugreise leisten können, ist allen klugen Menschen klar, dass das sehr bald nicht mehr gut gehen kann.

Aber eins zeigen Umfragen auch,
im Moment steigt z.B. hier in Deutschland die Zufriedenheit und das sich glücklich fühlen, auch wenn die Heulsusen und Wutbürger auffälliger in den Medien sind. Mittlerweile sind aber über 85% der Deutschen zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Mit jedem Jahr Merkel wurden das mehr.

Was gefühlt wird, ist ziemlich bunt und keineswegs nur negativ. Aber eins stimmt auch, die Angst davor, dass Ausländer uns was wegnehmen könnten, oder uns gefährden, steigt. Zufrieden ist man, aber man hat Angst, dass das so bleibt. Die Angst der Besitzenden ist das.

Quatschki hat geschrieben:Immer mehr wenden sich esoterischen Spinnereien und unterschiedlichsten Pseudoreligionen zu.

Das ist halb richtig.
Auch da findet tatsächlich eine Individualisierung statt. An was alles so geglaubt wird, wird immer umfangreicher und bunter. Aber ich erinnere mich auch noch an die 70er, als millionen auf so armselige Betrüger wie Uri Geller, Erich von Däniken und dese Esotherik-Kacke von Holbe reinfielen. Heute sind das weniger, deutlich weniger.

Oder denke an die Hippies (inkl. der Beatles),
die zu den dämlichen alten Gurus gepilgert sind, die durch die indischen Dörfer ziehen, um den armen Dorftrotteln in Indien das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen. Heute sind das weniger, die auf so einen Schei.. reinfallen und viele wissen, was für Frauenverächter gerade diese alten Gurus sind und was für miese Betrüger se sind.

Quatschki hat geschrieben:Vormals streng atheistische Parteien wie SPD, Grüne

Da täuschst Du Dich.
Die waren nie atheistisch, weil das viel zu viele Stimmen gekostet hätte und sehr interessant ist, dass viele prominente Ossi-Grüne und Sozialdemokraten keine Atheisten waren. Nimm Thierse, oder Stolpe, .....

Die Grünen hatten immer schon eine sehr starke Esotherik Gruppe und religöse Gruppe. Auch bei der ersten Bundestagsfraktion waren ganz viele Religiöse dabei: Petra Kelly beispielsweise. Selbst die 68er waren oft religiös. Rudi Dutschke war kein Atheist.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 2062
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Ger9374 » Do 12. Jan 2017, 23:36

Von mir aus betet Bananen an , nur lässt andere ihr Leben friedlich führen. Meist sind aber die friedlichsten zum Untergang verurteilt, weil Opfer!
Der Mensch hat die geistige Grösse für diese religiöse Toleranz noch nicht erreicht!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1546
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 13. Jan 2017, 17:58

Michi hat geschrieben:(12 Jan 2017, 20:42)
Da frag ich mal nach: Bist du denn Polytheist oder findest du ihn "nur" ehrenwert?

Ich würde mich als zumindest halber Heide bezeichnen (es gibt keinen Heidenpabst der mir das verbieten kann :D)

Ich war mal etwas im eldaring aktiv, aber nur am Rande, wobei der "Herdfeuer" wirklich gute Lektüre ist.
Ich hab aber z.b. noch kein Ritual mitgemacht und war bis auf Stammtisch treffen und treffen mit einzelnen Mitgliedern in Münchner Raum vor einiger Zeit eher im Forum aktiv.

Ger9374 hat geschrieben:(12 Jan 2017, 23:36)
Der Mensch hat die geistige Grösse für diese religiöse Toleranz noch nicht erreicht!

Doch in der Antike war das schon so.
Erst das Christentum hat das neue Konzept von "Missionierung" mit durchschlagenden Erfolg eingeführt. Der Islam hat das durch systematische kriegerische Expansion (al harb, al islam) und Todesstrafe für Apostaten noch perfektioniert.

Schon mal einen klassischen Hindu, Heiden oder Taoisten getroffen der dich zu seiner Religion bekehren wollte?
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1546
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 13. Jan 2017, 20:09

cool finde ich vor allem beim germanischen heidentum diese runen.. die gefallen mir gut :thumbup:
ᚲᛟᛟᛚ ᚠᛁᚾᛞᛖ ᛁᚲᚺ ᚠᛟᚱ ᚨᛚᛚᛖᛗ ᛒᛇᛗ ᚷᛖᚱᛗᚨᚾᛁᛊᚺᛖᚾ ᚺᛇᛞᛖᚾᛏᚢᛗ ᛞᛁᛖᛊᛖ ᚱᚢᚾᛖᚾ.. ᛞᛁᛖ ᚷᛖᚠᚨᛚᛚᛖᚾ ᛗᛁᚱ ᚷᚢᛏ :thumbup:

auf die art und weise haben unsere ahnen schon vor 2000 jahren geschrieben, bevor sie lateinische buchstaben kannten..
ᚨᚢᚠ ᛞᛁᛖ ᚨᚱᛏ ᚢᚾᛞ ᚹᛇᛊᛖ ᚺᚨᛒᛖᚾ ᚢᚾᛊᛖᚱᛖ ᚨᚺᚾᛖᚾ ᛊᚺᛟᚾ ᚠᛟᚱ 2000 ᛃᚨᚺᚱᛖᚾ ᚷᛖᛊᚺᚱᛁᛖᛒᛖᚾ, ᛒᛖᚠᛟᚱ ᛊᛁᛖ ᛚᚨᛏᛇᚾᛁᛊᚺᛖ ᛒᚢᚲᚺᛊᛏᚨᛒᛖᚾ ᚲᚨᚾᚾᛏᛖᚾ..

das taugt einem natürlich vor allem auch als nerd :D
ᛞᚨᛊ ᛏᚨᚢᚷᛏ ᛇᚾᛖᛗ ᚾᚨᛏᚢᛖᚱᛚᛁᚲᚺ ᚠᛟᚱ ᚨᛚᛚᛖᛗ ᚨᚢᚲᚺ ᚨᛚᛊ ᚾᛖᚱᛞ :D
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1546
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 14. Jan 2017, 08:13

Hier noch ein kleiner Schwank aus dem Alltag:
natürlich kennen meine Kinder (nicht nur) die germanischen Götter.
Einmal fragte im Musikgarten die Lehrerin "Und was kommt mit dem Gewitter?" (gemeint war der regen)
und meine Tochter dann ganz stolz, weil sie die Antwort wusste: "Der Thor!" :D

wobei es durchaus reibereien mit meiner katholischen Frau gibt, wie weit die heidnische (neben der katholischen und aufklärerischen) erziehung unserer kinder gehen soll, da es ja durchaus recht exotisch in unserer gesellschaft ist und die meisten leute einfach nicht verstehen was meine Tochter meint, wenn sie z.B. von Hugin (gedanke) und Munin (erinnerung) spricht, oder ihnen den "Donner" im "Donnerstag" erklären will.
glücklicherweise enthält das katholische christentum sehr viele heidnische elemente, mit denen ich mich auch als heide identifizieren kann. dazu gehört z.B. die heiligenverehrung (teilweise fast direkte übernahme der alten götter.. z.B. hlg. petrus) oder natürlich weihnachten und ostern.

die evangelischen sind schon weiter von heidnischen vorstellungen entfernt und z.B. die zeugen jehowas lehnen die heidnischen elemente des christentums leider konsequent ab.
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1546
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 14. Jan 2017, 09:38

Michi hat geschrieben:(12 Jan 2017, 20:42)
Trotzdem wüsst ich gerne, ob es in diesem Forum Polytheisten gibt, denn es ist mMn lehrreicher mit den Leuten zu diskutieren als über sie. ;)

wenn du 2 Heiden zu ihren Glauben fragst, wirst du 3 verschiedene Antworten erhalten ;).
das kann sehr anstrengend (und auch frustrierend) sein, resultiert aber logisch aus dem fehlenden dogmatismus im gros des heidentums.

Michi hat geschrieben:(12 Jan 2017, 20:42)
Ich frage, weil ich selbst an der Geschichte der Antike interessiert bin und diese alten, vorchristlichen Religion schon ein wenig Interesse bei mir wecken. Ich könnte aber trotzdem nicht glauben, dass es diese Götter wirklich gibt, das passt einfach nicht zu meiner Denkweise.

ich erzähl mal etwas zu meiner denkweise.
ich bin im kern ein materialist. ich denke es gibt letztlich nur materie/energie und keine transzendenten wesen oder kräfte und diese materie ist einfach da ohne tieferen "sinn" (wir menschen definieren "sinn". z.B. aus der sicht eines steines macht das konzept "sinn" schon gar keinen sinn).
ABER (und jetzt muss ich etwas ausholen):

dem universum und evolutionären prozessen ist es egal, ob wir das universum richtig verstehen oder nicht.
letztendlich zählt langfristig was sich evolutionär durchsetzt.. wenn einer fälschlicherweise aber ernsthaft glaubt, dass wenn er nicht mindestens 10 Nachkommen hat, er von einer großen Kröte gefressen wird und sich deswegen fortpflanzt was das zeug hält (und diesen glauben an seine kinder weitergibt), dann wird sich dieser glauben und seine gene durchsetzen.
ein anderer der nicht an solche absonderlichkeiten glaubt und warscheinlich richtigerweise erkennt, dass das universum eh irgendwann kaputt geht und sich deswegen bewusst nicht fortpflanzt, spielt schon nach 100 jahren mit seinen überzeugungen und recht aufgeklärten sichtweise überhaupt keine rolle mehr.
dazu hat michael blume auch interessantes geschrieben: http://www.diesseits.de/perspektiven/13 ... rfolgreich

also -> glaube ist evolutionär sinnvoll. als jemand der auf der evolutionären gewinnerseite stehen will ist für mich dann kinderfreundlicher glauben eine evolutionär langfristig wirkende zweckdienliche sache.

ein anderer aspekt ist die sichtweise auf die welt:
ich denke auch gerne mal "romantisch" und finde die vorstellung schön wesenheiten in der natur zu erkennen (necker und nixen usw..). vor allem kinder springen auf diese sichtweise sehr schnell und gerne an, weil sie anschaulich ist. es bereichert das eigene erleben einfach mal diese phantasie so schweifen zu lassen.
im heidnischen gibt es eh immer auch eine abstrakte pantheistische denkweise. z.B. stehen die "Riesen" für (gefährliche) Naturgewalten oder die Götter für gesellschaftliche/menschliche Aspekte/Ordnungen.

Ich erkenn in einem Windkraftwerk mit "heidnischer brille" auch gerne einen mechanischen riesen den wir menschen mit göttlicher (bildung, physik.. geheimnisse odins) hilfe erschaffen haben um die wilden riesen (=wilde naturerscheinungen) für uns arbeiten zu lassen.


ich glaube also auch nicht an transzendente germanische götter (wobei es durchaus einige heiden gibt, die genau das tun), sondern ich erkenne die polytheistischen/heidnischen prinzipien in der materialistischen natur.
es ist für mich eine (tolle, inspirierende) gedankliche überlagerung über die umwelt.
Benutzeravatar
Michi
Beiträge: 184
Registriert: Mo 17. Okt 2016, 16:57
Kontaktdaten:

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Michi » Sa 14. Jan 2017, 17:01

Danke für die ausführliche Antwort.

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Jan 2017, 09:38)

ich erzähl mal etwas zu meiner denkweise.
ich bin im kern ein materialist. ich denke es gibt letztlich nur materie/energie und keine transzendenten wesen oder kräfte und diese materie ist einfach da ohne tieferen "sinn" (wir menschen definieren "sinn". z.B. aus der sicht eines steines macht das konzept "sinn" schon gar keinen sinn).

Da sind wir einer Meinung. :)

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Jan 2017, 09:38)

ABER (und jetzt muss ich etwas ausholen):

dem universum und evolutionären prozessen ist es egal, ob wir das universum richtig verstehen oder nicht.
letztendlich zählt langfristig was sich evolutionär durchsetzt.. wenn einer fälschlicherweise aber ernsthaft glaubt, dass wenn er nicht mindestens 10 Nachkommen hat, er von einer großen Kröte gefressen wird und sich deswegen fortpflanzt was das zeug hält (und diesen glauben an seine kinder weitergibt), dann wird sich dieser glauben und seine gene durchsetzen.
ein anderer der nicht an solche absonderlichkeiten glaubt und warscheinlich richtigerweise erkennt, dass das universum eh irgendwann kaputt geht und sich deswegen bewusst nicht fortpflanzt, spielt schon nach 100 jahren mit seinen überzeugungen und recht aufgeklärten sichtweise überhaupt keine rolle mehr.
dazu hat michael blume auch interessantes geschrieben: http://www.diesseits.de/perspektiven/13 ... rfolgreich

also -> glaube ist evolutionär sinnvoll. als jemand der auf der evolutionären gewinnerseite stehen will ist für mich dann kinderfreundlicher glauben eine evolutionär langfristig wirkende zweckdienliche sache.

Das geht in die Richtung einer Ansicht, die von manchen Atheisten vertreten wird: Dass Religion falsch aber nützlich sei.

Ich glaube aber, dass das zu einfach gedacht ist. Das Christentum hat sich ja auch nicht gegen das Heidentum durchgesetzt, weil die Christen mehr Kinder gehabt hätten und auch der Atheismus hat in der Neuzeit viele Fans dazugewonnen. Ich bin auch selbst jemand, der die Religion seiner Eltern nicht übernommen hat.

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Jan 2017, 09:38)

ein anderer aspekt ist die sichtweise auf die welt:
ich denke auch gerne mal "romantisch" und finde die vorstellung schön wesenheiten in der natur zu erkennen (necker und nixen usw..). vor allem kinder springen auf diese sichtweise sehr schnell und gerne an, weil sie anschaulich ist. es bereichert das eigene erleben einfach mal diese phantasie so schweifen zu lassen.
im heidnischen gibt es eh immer auch eine abstrakte pantheistische denkweise. z.B. stehen die "Riesen" für (gefährliche) Naturgewalten oder die Götter für gesellschaftliche/menschliche Aspekte/Ordnungen.

Ich erkenn in einem Windkraftwerk mit "heidnischer brille" auch gerne einen mechanischen riesen den wir menschen mit göttlicher (bildung, physik.. geheimnisse odins) hilfe erschaffen haben um die wilden riesen (=wilde naturerscheinungen) für uns arbeiten zu lassen.


ich glaube also auch nicht an transzendente germanische götter (wobei es durchaus einige heiden gibt, die genau das tun), sondern ich erkenne die polytheistischen/heidnischen prinzipien in der materialistischen natur.
es ist für mich eine (tolle, inspirierende) gedankliche überlagerung über die umwelt.

Erinnert mich an die Art wie Justitia heute noch als Symbol für Gerechtigkeit gilt, ohne dass man glaubt, dass es die Göttin Justitia wirklich gibt.
"When in doubt... C-4"
- Jamie Hyneman
Benutzeravatar
Michi
Beiträge: 184
Registriert: Mo 17. Okt 2016, 16:57
Kontaktdaten:

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Michi » Sa 14. Jan 2017, 19:59

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Jan 2017, 08:13)

glücklicherweise enthält das katholische christentum sehr viele heidnische elemente, mit denen ich mich auch als heide identifizieren kann. dazu gehört z.B. die heiligenverehrung (teilweise fast direkte übernahme der alten götter.. z.B. hlg. petrus) oder natürlich weihnachten und ostern.

Da sprichst du was interessantes an. So wie die Polytheisten Götter mit verschiedenen Zuständigkeitsbereichen hatten, haben die Katholiken Heilige mit verschiedenen Bereichen. De facto sind die Heiligen polytheistische Götter, man nennt sie nur nicht so. :D
Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Heiligenverehrung eingeführt worden ist um Heiden den Umstieg zu erleichtern.
"When in doubt... C-4"
- Jamie Hyneman
Benutzeravatar
Michi
Beiträge: 184
Registriert: Mo 17. Okt 2016, 16:57
Kontaktdaten:

Re: Polytheismus wieder in?

Beitragvon Michi » Sa 14. Jan 2017, 20:11

watisdatdenn? hat geschrieben:(13 Jan 2017, 17:58)

Doch in der Antike war das schon so.
Erst das Christentum hat das neue Konzept von "Missionierung" mit durchschlagenden Erfolg eingeführt. Der Islam hat das durch systematische kriegerische Expansion (al harb, al islam) und Todesstrafe für Apostaten noch perfektioniert.

Schon mal einen klassischen Hindu, Heiden oder Taoisten getroffen der dich zu seiner Religion bekehren wollte?

Das ist mMn ein wichtiger Unterschied zwischen Heiden- und Christentum. Im griechisch-römischen Bereich gab es ein Nebeneinander verschiedener religionsphilosophischer Schulen ohne dass es deswegen zu Spaltungen der Religion selbst gekommen wäre. Die polytheistischen Religionen konnten mit theologischem Pluralismus offenbar gut leben.
"When in doubt... C-4"
- Jamie Hyneman

Zurück zu „81. Religion“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: ryu1850 und 1 Gast