Religion versus Sexualität

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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Flat » Di 16. Aug 2016, 07:07

Billie Holiday hat geschrieben:(16 Aug 2016, 07:56)

Will sagen, es gibt keine Garantien und keinen Zwang mehr, etwas Liebloses aufrecht zu erhalten. Wir haben heute die Freiheit, eine Ehe freiwillig aufrecht zu erhalten, wenn es sich lohnt.

Ich freu mich für Dich. :)

Allerdings freue ich mich auch für meine Schwägerin, die nach 33 Jahren ging und jetzt einen 8 Jahre jüngeren Mann hat, mit dem sie mehr geredet und gelacht hat in kurzer Zeit als in den Jahren zuvor mit meinem Schwager.


Moin,

Dankeschön. :)

Ich denke, man sollte um eine Ehe schon kämpfen (außer bei Gewalt; das wäre für mich ein no go), aber wenn's wirklich nicht mehr passt, bin ich deiner Meinung.

Ich kann auch nicht voraussehen, ob wir in weiteren 25 Jahren noch verheiratet sind (sofern wir so alt werden), aber ich hoffe es.

Nur wird für mich heute oft viel zu schnell das Handtuch geworfen. Eben weil es heute relativ leicht geht.

Auch habe ich den Eindruck, dass Scheidungskinder oft ebenfalls oft geschieden werden (Eindruck aus meinem Arbeitsumfeld), während Ehepartner, wo die Eltern nicht geschieden sind, oft ebenfalls lange verheiratet sind (Eindruck aus meinem Freundeskreis). Ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist.

Ich für mich kann auch nur sagen, dass es wohl auch daran hängt, wie man sein Eheleben führt. Ordnet sich einer (meist ja die Frau) völlig unter und hat kein eigenes Leben, so wird es sicher irgendwann für beide langweilig. Genauso, wenn immer alles zusammen gemacht wird. Ehe heißt ja nicht, sein eigenes Leben aufzugeben sondern zusammen als individuelle Personen zu leben.

Meine Frau und ich haben viele Gemeinsamkeiten, aber wir sind auch sehr verschieden, haben verschiedene Hobbys, unterschiedliche Berufe und, da wir hier ja bei Religion sind, auch einen unterschiedlichen Glauben. Ich finde das toll, es ist nichts trennendes sondern etwas ergänzendes.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Hyde » Di 16. Aug 2016, 15:04

Flat hat geschrieben:(16 Aug 2016, 07:51)

Moin,

bei der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit führten viele Kinder eigentlich nicht zu einer Bevölkerungsexplosion sondern waren notwendig, damit überhaupt 2-3 bis zum Erwachsenenalter kamen.

Zumal die Sterblichkeit von Müttern gerade bei und nach der Geburt auch sehr hoch war.


Dazu fehlt mir das geschichtliche Detailwissen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Kindersterblichkeit im Mittelalter bereits nicht mehr so hoch war wie in antiken oder in Steinzeit-Zeiten, und vielleicht deswegen die Sexualität im Mittelalter besonders negativ gesehen wurde.

Von einem bin ich aber überzeugt: wenn in allen großen, sich unabhängig voneinander entwickelten menschlichen Zivilisationen die Sexualität ein negatives Stigma hatte, dann ist das kein Zufall, sondern liegt daran, dass genau diese Haltung gegenüber Sexualität den menschlichen Zivilisationen irgendeine Art von evolutionären Vorteil brachte.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Jekyll » Di 16. Aug 2016, 16:36

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:04)

Dazu fehlt mir das geschichtliche Detailwissen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Kindersterblichkeit im Mittelalter bereits nicht mehr so hoch war wie in antiken oder in Steinzeit-Zeiten, und vielleicht deswegen die Sexualität im Mittelalter besonders negativ gesehen wurde.

Von einem bin ich aber überzeugt: wenn in allen großen, sich unabhängig voneinander entwickelten menschlichen Zivilisationen die Sexualität ein negatives Stigma hatte, dann ist das kein Zufall, sondern liegt daran, dass genau diese Haltung gegenüber Sexualität den menschlichen Zivilisationen irgendeine Art von evolutionären Vorteil brachte.
Dagegen spricht aber der Umstand, dass in allen diesen großen Zivilisationen das horizontale Gewerbe immer schon Hochkonjunktur hatte und noch hat. Dass da offenkundig etwas kompensiert werden musste spricht m. E. für eine Fehlentwicklung. Große und alte Zivilisationen neigen auch dazu, zu "überaltern" und zu sterben.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Progressiver » Di 16. Aug 2016, 18:46

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:04)

Dazu fehlt mir das geschichtliche Detailwissen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Kindersterblichkeit im Mittelalter bereits nicht mehr so hoch war wie in antiken oder in Steinzeit-Zeiten, und vielleicht deswegen die Sexualität im Mittelalter besonders negativ gesehen wurde.

Von einem bin ich aber überzeugt: wenn in allen großen, sich unabhängig voneinander entwickelten menschlichen Zivilisationen die Sexualität ein negatives Stigma hatte, dann ist das kein Zufall, sondern liegt daran, dass genau diese Haltung gegenüber Sexualität den menschlichen Zivilisationen irgendeine Art von evolutionären Vorteil brachte.


Das sehe ich anders.

Natürlich gab es einerseits im Mittelalter die Sitte, bei drohender Überbevölkerung einen Teil der Söhne und Töchter ins Kloster zu schicken. Aber andererseits sehe ich die Ursachen der Sexualitätsfeindlichkeit doch simpler. Wer sich die Bibel von vorne bis zum Schluss durchgelesen hatte, der war spätestens, wenn er das "Buch der Offenbarungen" -also die Johannesapokalypse- für das Wort irgendeines Gottes hielt, davon überzeugt, dass die Endzeit angebrochen sei. Der biblische Gott könnte darum schon zu der eigenen Lebenszeit mit Pauken und Trompeten kommen, die ganze sogenannte Schöpfung vernichten und nur ein paar wenige auserwählte "echte" Christen ins Paradies lassen. Zumindest die Christen strebten das eigene ewige Leben an, um es fortzuführen. Wer tot in der Erde liegt, kann ebenfalls nach diesem Glauben rematerialisiert werden und weiter leben.

Wenn ein neues Leben dagegen durch Sex entsteht, dann empfinden das meiner Beobachtung nach bibeltreue Christen als schmutzig. Überhaupt wird das ganze irdische Leben als sündhaft und schlecht wahrgenommen. Das wahre Leben sei demnach dasjenige, das nach dem Tod komme. Dieses Leben hingegen wäre der Tod.

Hier sieht man auch die Umwertung aller Werte. Gab es bei den heidnischen Fruchtbarkeitsreligionen meines Wissens einen ausgesprochen positiven Bezug zur Sexualität, änderte sich dies beim Christentum aufgrund der Jenseitsfixierung.

Auch der Islam ist meiner Beobachtung nach eine jenseitsfixierte Religion.

Wie das beim Judentum aussieht, weiß ich nicht. Aber in der biblischen Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments wird eigentlich auch beschrieben, wie Eva damit bestraft wurde, dass sie ihre Kinder unter Schmerzen zur Welt bringen solle.

Generell denke ich, dass die ganzen patriarchalischen Religionen ein riesiges Problem damit haben, dass das irdische Leben durch die Geburt aus dem Körper einer Frau kommt. Viele dieser Gurus haben dann die Idee entwickelt, dass dieses Leben hier schlecht sein müsse. Und Seelenreinheit nur abseits bzw. jenseits davon möglich sei. Soweit meine Beobachtung.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Billie Holiday » Di 16. Aug 2016, 19:03

Stimmt es, dass Sex nur dann keine Sünde ist, wenn es kaum Spaß macht?
Also im Dunkeln Nachthemd hoch und kurz rein und raus? :|

Gläubige mit vielen Kindern sind zu bewundern. :|
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Moses » Di 16. Aug 2016, 19:24

Billie Holiday hat geschrieben:(16 Aug 2016, 20:03)

Stimmt es, dass Sex nur dann keine Sünde ist, wenn es kaum Spaß macht?
Also im Dunkeln Nachthemd hoch und kurz rein und raus? :|

Gläubige mit vielen Kindern sind zu bewundern. :|

Ich bin ein Sünder :s
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Billie Holiday » Di 16. Aug 2016, 19:26

Moses hat geschrieben:(16 Aug 2016, 20:24)

Ich bin ein Sünder :s


In einem Film, der im Mittelalter spielt, sagt ein Vergewaltiger zu seinem Opfer, sie solle keine Sorge haben, Sünde sei es nur, wenn es Vergnügen bereite. :| :s
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Moses » Di 16. Aug 2016, 19:28

Billie Holiday hat geschrieben:(16 Aug 2016, 20:26)

In einem Film, der im Mittelalter spielt, sagt ein Vergewaltiger zu seinem Opfer, sie solle keine Sorge haben, Sünde sei es nur, wenn es Vergnügen bereite. :| :s


sprachlos.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon aleph » Di 16. Aug 2016, 20:54

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:04)

Dazu fehlt mir das geschichtliche Detailwissen.


Mhm, ja.

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:04)

Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Kindersterblichkeit im Mittelalter bereits nicht mehr so hoch war wie in antiken oder in Steinzeit-Zeiten


War höher wegen Seuchen im Spätmittelalter. In der Antike hatte man bessere Hygiene und Jäger/Sammler lebten allgemein besser, als Ackerbauer. Belege gibt es im Internet jede Menge. Ich habe auch etliche Daten abgespeichert, müsste ich jetzt heraussuchen.

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 16:04)

Mittelalter besonders negativ gesehen wurde.



Im Frühmittelalter war man recht freizügig, oft freizügiger als heute. Man darf nicht pauschalisieren.

Außerdem ist es falsch, Regulierungswut in Bezug auf Sexualität mit Sexfeindlichkeit gleichzustellen. Der Regulierungswunsch hat viele Ursachen. Eine ist, dass das Resultat von Sexualität die gesamte Gesellschaft betraf. Das ist heute anders. Homosexualität wurde früher z.B. bei Soldaten sehr oft toleriert (weil es eh keine Frauen in der Nähe vieler Schlachtfelder gab).
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon aleph » Di 16. Aug 2016, 21:00

Hyde hat geschrieben:(15 Aug 2016, 21:49)
Ich könnte mir das negative Image der Sexualität in ausnahmslos allen (vormodernen) Gesellschaften evtl so erklären: früher gab es ja keine (oder kaum) Verhütungsmittel, sodass viel Sex auch gleichbedeutend war mit "viele Kinder kriegen". Und zu viele Kinder bzw eine Bevölkerungsexplosion ist ja ein gesellschaftliches Risiko und kann zu gesellschaftlicher Instabilität führen.

Vielleicht wurde die Sexualität also deswegen immer bekämpft und als Sünde gesehen, weil man ausschweifende Sexualität als gesellschaftliches Risiko sah


Dieses Risiko gab es in Europa nie. Europa war bis zur Industrialisierung recht dünn besiedelt. Recht hast Du in Bezug auf begrenzte fruchtbare Oasen im Altertum und kleine Inseln in Ozeanien. Dort gab es öfters Überbevölkerung, weil die Ressourcen dort begrenzt waren. Da gab es aber kein Christentum oder Islam und es gab auch keine Stigmatisierung von Sexualität. Bevölkerungskontrolle wurde dort oft durch Infantiszid (Säuglingsmord) ausgeübt.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Hyde » Di 16. Aug 2016, 21:41

aleph hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:00)

Dieses Risiko gab es in Europa nie. Europa war bis zur Industrialisierung recht dünn besiedelt.


Geht ja auch nicht unbedingt darum, ob die Besiedlung dünn ist oder nicht, sondern um explosionsartiges Bevölkerungswachstum. Wenn z.B. theoretisch in einem Land Geburtenraten von 10-12 Kindern pro Frau vorlägen, dann hätte das die Gesellschaft überfordert und zerrissen, unabhängig von der Besiedlungsdichte. Vor allem natürlich, wenn das über tausende Jahre so gegangen wäre.

Jedenfalls, hätte es keine Moralvorstellungen wie "kein Sex vor der Ehe" gegeben und wäre Sexualität von der Gesellschaft positiv gesehen und aktiv gefördert worden, vermutlich hätte dann die Fruchtbarkeitsrate deutlich höher gelegen.

Denn dadurch, dass der Mensch ab den Zeiten der Hochkulturen im Vergleich z.B. zur Steinzeit mehr und mehr an der Spitze der Nahrungskette stand (also deutlich weniger von Fressfeinden getötet wurde) und aufgrund besserer medizinischer und technologischer Voraussetzungen älter wurde (= längere Zeitspanne, um Kinder gebären zu können), und generell in festen Besiedlungen sicherer war als zu Nomadenzeiten, hätte der Mensch sich ja bei gleichem Sexualverhalten wie in der Steinzeit dann in der Antike und dem Mittelalter deutlich schneller vermehrt - was aber in der Praxis nicht der Fall war, da die Bevölkerung in Europa über Jahrtausende nur leicht anwuchs. Daher meine Überlegung, ob die Stigmatisierung der Sexualität ein unbewusst gewähltes Mittel der damaligen Zivilisationen war, um ihre eigene (demographische) Stabilität zu erhalten.
Hätte im Mittelalter überspitzt gesagt ab dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife jeder mit jedem rumgerammelt (so wie es vielleicht in der primitiven Steinzeit der Fall war, oder wie es im Tierreich der Fall ist), dann hätte dieses offene Sexualverhalten vermutlich zu unkontrollierbaren demographischen Entwicklungen geführt.

Homosexualität wäre dann das andere Extrem. Also die Angst, dass Homosexualität um sich greifen könnte und die menschlichen Zivilisationen auslöschen könnte.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon schelm » Mi 17. Aug 2016, 00:01

Billie Holiday hat geschrieben:(16 Aug 2016, 20:03)

Stimmt es, dass Sex nur dann keine Sünde ist, wenn es kaum Spaß macht?
Also im Dunkeln Nachthemd hoch und kurz rein und raus? :|

Gläubige mit vielen Kindern sind zu bewundern. :|

In der Theologie des Christentum dient Sex der Fortpflanzung, der Trieb an sich bleibt unberücksichtigt. Im Islam wird der Sexualtrieb als solcher anerkannt, der wie Essen und Trinken befriedigt werden muss, aber ebenfalls an die Funktion der Reproduktion gekoppelt bleibt. Ich leg das so aus : Spass ja, aber zum Zweck der Fortpflanzung. Ob demzufolge Sex während einer Schwangerschaft bereits Haram wäre, kann ich nicht sagen, vermutlich nicht, weil man den Trieb unterdrücken müsste, was als unnatürlich eingeschätzt wird.

Bei beiden Religionen ist allerdings Sex außerhalb der Ehe verpönt, im Islam mit drakonischen Strafen belegt, im Christentum die " Wer frei ist von Sünde, der werfe den ersten Stein " Regel. Also niemand.
Denk ich an D in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, Heinrich Heine.
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon aleph » Mi 17. Aug 2016, 00:15

Warum haben die dann im Jenseits Sex? Zur Fortpflanzung?
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Flat » Mi 17. Aug 2016, 08:29

Progressiver hat geschrieben:(16 Aug 2016, 19:46)

Wie das beim Judentum aussieht, weiß ich nicht.


Moin,

klassisch gehört dort Sexualität in die Ehe, wird aber positiv gesehen. Zumal Sexualität ja im Tanach positiv beschrieben wird (Hohelied) und es auch eine göttliche Aufforderung zum Sex gibt (seid fruchtbar und mehret euch).


Hier eine Stellungnahme eines orthodoxen Rabbiners (also eine ehr strenge Sichtweise):

Der Geschlechtsverkehr dient im Judentum nicht lediglich der Kinderzeugung; die Freude daran ist wichtig für die körperliche, aber insbesondere auch für die seelische Gesundheit.

http://www.hagalil.com/judentum/rabbi/fh-0806-2.htm
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon JFK » Mi 17. Aug 2016, 09:07

aleph hat geschrieben:(17 Aug 2016, 01:15)

Warum haben die dann im Jenseits Sex? Zur Fortpflanzung?


Eine Sehr gute Frage :thumbup:
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon aleph » Mi 17. Aug 2016, 10:41

Flat hat geschrieben:(17 Aug 2016, 09:29)

Moin,

klassisch gehört dort Sexualität in die Ehe, wird aber positiv gesehen. Zumal Sexualität ja im Tanach positiv beschrieben wird (Hohelied) und es auch eine göttliche Aufforderung zum Sex gibt (seid fruchtbar und mehret euch).


Hier eine Stellungnahme eines orthodoxen Rabbiners (also eine ehr strenge Sichtweise):


http://www.hagalil.com/judentum/rabbi/fh-0806-2.htm


Gibts ja auch ein eigenes Buch darüber (das sich auch im christlichen Kanon befindet). Das Hohelied der Liebe. Es war wohl der unverheiratete Paulus und die Kirchenväter wie Augustinus, die mit Sex nichts anfangen konnten. Steht ja auch in einem der Paulusbriefe "unverheiratet sein ist besser".
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Bleibtreu » Mi 17. Aug 2016, 11:13

Das HoheLied der Liebe, das Lied der Lieder von Salomo, hatte ich hier schon auszugsweise zitiert, um eindrucksvoll die jüdische Einstellung zur Sexualität zu veranschaulichen:


Bleibtreu hat geschrieben:(16 Aug 2016, 00:29)

Kommt darauf an, was du unter romantisch versteht.
Salomos Hohes Lied der Liebe :thumbup:


1,1 Das Lied der Lieder, von Salomo. 1,2 Er küsse mich mit Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist köstlicher als Wein. 1,3 An Duft gar köstlich sind deine Salben; ausgegossenes Salböl ist dein Name. Darum lieben dich die Mädchen. 1,4 Zieh mich dir nach, laß uns eilen! Der König möge mich in seine Gemächer führen! Wir wollen jubeln und uns freuen an dir, wollen deine Liebe preisen mehr als Wein! Mit Recht liebt man dich. 1,5 Schwarz bin ich und doch anmutig, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte Kedars, wie die Zeltdecken Salomos. 1,6 Seht mich nicht an, weil ich schwärzlich bin, weil die Sonne mich gebräunt hat! Meiner Mutter Söhne fauchten mich an, setzten mich als Hüterin der Weinberge ein. Meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet. 1,7 `Erzähle mir, du, den meine Seele liebt, wo weidest du? Wo läßt du lagern am Mittag? Wozu denn sollte ich wie eine Verschleierte sein bei den Herden deiner Gefährten? 1,8 `Wenn du es nicht weißt, du Schönste unter den Frauen, so geh hinaus den Spuren der Herde nach und weide deine Zicklein bei den Wohnstätten der Hirten! 1,9 `Einer Stute an den Prachtwagen des Pharao vergleiche ich dich, meine Freundin. 1,10 Anmutig sind deine Wangen zwischen den Schmuckkettchen, dein Hals mit der Muschelkette. 1,11 Goldene Schmuckkettchen wollen wir dir machen mit Perlen aus Silber. 1,12 `Solange der König bei seiner Tafelrunde [weilt], gibt meine Narde ihren Duft. 1,13 Ein Myrrhenbeutelchen ist mir mein Geliebter, das zwischen meinen Brüsten ruht. 1,14 Eine [Blüten]traube vom Hennastrauch ist mir mein Geliebter, aus den Weinbergen von En-Gedi. 1,15 `Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön, deine Augen sind Tauben. 1,16 `Siehe, [auch] du bist schön, mein Geliebter, und hold, und unser Lager ist frisches Grün. 1,17 Die Balken unseres Hauses sind Zedern, unsere Dachsparren sind Wacholder. [...]


4,1 Siehe, schön bist du, meine Freundin. Siehe, du bist schön! Deine Augen [leuchten wie] Tauben hinter deinem Schleier hervor. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead hüpfen. 4,2 Deine Zähne sind wie eine Herde frisch geschorener [Schafe], die aus der Schwemme heraufkommen, jeder [Zahn] hat seinen Zwilling, keinem von ihnen fehlt er. 4,3 Wie eine karmesinrote Schnur sind deine Lippen, und dein Mund ist lieblich. Wie eine Granatapfelscheibe [schimmert] deine Schläfe hinter deinem Schleier hervor. 4,4 Dein Hals ist wie der Turm Davids, der rund gebaut ist. Tausend Schilde hängen daran, alles Schilde von Helden. 4,5 Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge der Gazelle, die in den Lilien weiden. - 4,6 Wenn der Tag verhaucht und die Schatten fliehen, will ich zum Myrrhenberg hingehen und zum Weihrauchhügel. - 4,7 Alles an dir ist schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir. 4,8 Mit mir vom Libanon, [meine] Braut, mit mir vom Libanon sollst du kommen, sollst herabsteigen vom Gipfel des Amana, vom Gipfel des Senir und Hermon, weg von den Lagerstätten der Löwen, von den Bergen der Leoparden. 4,9 Du hast mir das Herz geraubt, meine Schwester, [meine] Braut. Du hast mir das Herz geraubt mit einem einzigen [Blick] aus deinen Augen, mit einer einzigen Kette von deinem Halsschmuck. 4,10 Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, [meine] Braut! Wieviel köstlicher ist deine Liebe als Wein und der Duft deiner Salben als alle Balsamöle! 4,11 Honigseim träufeln deine Lippen, [meine] Braut. Honig und Milch ist unter deiner Zunge, und der Duft deiner Gewänder gleicht dem Duft des Libanon. 4,12 `Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, [meine] Braut, ein verschlossener Born, eine versiegelte Quelle. 4,13 Was dir entsprosst, ist ein Lustgarten von Granatapfelbäumen samt köstlichen Früchten, Hennasträuchern samt Narden, 4,14 Narde und Safran, Würzrohr und Zimt samt allerlei Weihrauchgewächsen, Myrrhe und Aloe samt allerbesten Balsamsträuchern. 4,15 Eine Gartenquelle [bist du], ein Brunnen mit fließendem Wasser und [Wasser], das vom Libanon strömt. 4,16 `Wach auf, Nordwind, und komm, Südwind! Laß duften meinen Garten, laß strömen seine Balsamöle! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine köstlichen Früchte! [...]

6,1 `Wohin ist dein Geliebter gegangen, du Schönste unter den Frauen? Wohin hat dein Geliebter sich gewandt, daß wir ihn mit dir suchen? 6,2 `Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen zu den Balsambeeten, um in den Gärten zu weiden und Lilien zu pflücken. 6,3 Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir, er, der in den Lilien weidet. 6,4 Schön bist du, meine Freundin, wie Tirza, anmutig wie Jerusalem, furchterregend wie Kriegsscharen. 6,5 Wende deine Augen von mir ab, denn sie verwirren mich! Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die von Gilead herunterhüpfen. 6,6 Deine Zähne sind wie eine Herde Mutterschafe, die aus der Schwemme heraufkommen, jeder [Zahn] hat seinen Zwilling, keinem von ihnen fehlt er. 6,7 Wie eine Granatapfelscheibe [schimmert] deine Schläfe hinter deinem Schleier hervor. 6,8 Sechzig Königinnen sind es und achtzig Nebenfrauen und Mädchen ohne Zahl. 6,9 Eine [nur] ist meine Taube, meine Vollkommene. Sie ist die einzige ihrer Mutter, sie ist die Auserkorene ihrer Gebärerin. Sähen sie die Töchter, sie priesen sie glücklich, die Königinnen und Nebenfrauen, sie rühmten sie: 6,10 Wer ist sie, die da hervorglänzt wie die Morgenröte, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, furchterregend wie Kriegsscharen? 6,11 In den Nußgarten ging ich hinab, um die jungen Triebe des Tales zu besehen, um zu sehen, ob der Weinstock treibt, ob die Granatapfelbäume blühen, 6,12 da setzte mich - [wie] weiß ich nicht - mein Verlangen [auf] die Prachtwagen meines edlen Volkes. [...]



Poesie - Liebe - Sinnlichkeit - Leidenschaft... :)


Sex ist im Judentum ausnehmend positiv besetzt, auch für die Frau, der nicht nur ein Recht auf Sex zugestanden wird, sondern sogar als Vorschrift:

Bleibtreu hat geschrieben:(29 May 2016, 14:13)

Das ist im Judentum nicht so. Da muss der Mann nicht nur um die Frau werben, wenn er mit ihr schlafen will, er braucht auch ihr Einverständnis und
er ist dazu verpflichtet, dass seine Frau auch ihren Spaß hat, resp. zum Orgasmus kommt. Der Sex soll auch nackt vollzogen werden.
Es gibt sogar Vorschriften, wie oft er mindestens, je nach Beruf, mit ihr Beischlaf halten sollte. :D :thumbup:

Nu, im Judentum ist Sex etwas sehr Positives, das mit sehr, sehr viel Spaß verbunden ist. Nichts Schmutziges oder Pfui. [...]


Das chrisliche HoheLied der Liebe aus dem KorintherBrief des Paulus bezieht sich auf die G'ttes- und die NächstenLiebe, nicht die zwischen Partnern, nicht auf Sex.
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. // Moderatorin im Forum 2
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 26. Aug 2016, 10:28

Zum Thema gibts übrigens aktuell einen Beitrag der Reihe "swr2 wissen" vom 6. August (http://www.swr.de/-/id=17674944/property=download/nid=660374/56t61r/swr2-wissen-20160806.pdf
Daraus:
Wunder [Michael Wunder, Leiter der Arbeitsgruppe "Inzestverbot" im Ethikrat]:
"Es ist nicht zu leugnen, dass Kinder aus Inzestbeziehungen ein höheres genetisches Risiko haben. Aber vergleichen Sie es bitte mit der Diskussion um Paare, die wissen, dass sie von Mukoviszidose betroffen sind, haben ein Anrecht auf Beratung, aber keinesfalls kann der Staat in irgendeiner Hinsicht ein Zeugungsverbot aussprechen. Das ist sozusagen das No-Go in jeder Pränataldiagnostik-Debatte und wir können nicht in der Inzestdebatte ein Argument wiederbeleben, was wir Gott sei Dank in der Humangenetik überwunden haben. Man kann nur sagen, dass man gucken muss, was ist noch ein positiver Grund für diesen Paragrafen, und das ist nur das Argument des Schutzes der Familie."
Sprecher: Wenn es aber – wie im Fall von Dirk und Petra – eine gemeinsame Herkunftsfamilie nie gegeben hat, dann gebe es keinen Grund, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung einzuschränken.

Dazu muss hinzugefügt werden, dass es in der Bundesrepublik keinen einzigen (bekannten) Fall von Geschwisterinzest unter Ganz-Geschwistern gibt. In allen bekannten Fällen handelt es sich um Halbgeschwister.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Dark Angel » So 4. Sep 2016, 22:22

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:41)

Geht ja auch nicht unbedingt darum, ob die Besiedlung dünn ist oder nicht, sondern um explosionsartiges Bevölkerungswachstum. Wenn z.B. theoretisch in einem Land Geburtenraten von 10-12 Kindern pro Frau vorlägen, dann hätte das die Gesellschaft überfordert und zerrissen, unabhängig von der Besiedlungsdichte. Vor allem natürlich, wenn das über tausende Jahre so gegangen wäre.

Es gab in der Frühgeschichte der Menschheit und in der Antike aber keine Geburtenraten von 10 bis 12 Kindern. Frauen hatten i.d.R nicht mehr als 4 Kinder.

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:41)
Jedenfalls, hätte es keine Moralvorstellungen wie "kein Sex vor der Ehe" gegeben und wäre Sexualität von der Gesellschaft positiv gesehen und aktiv gefördert worden, vermutlich hätte dann die Fruchtbarkeitsrate deutlich höher gelegen.

Diese Moralvorstellungen sind christlich! Bereits in der Antike waren natürliche Verhütungsmittel bekannt, Mittel die einen vorzeitigen Abort (Abtreibung) verursachten ebenso und die wurden angewendet.

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:41)Denn dadurch, dass der Mensch ab den Zeiten der Hochkulturen im Vergleich z.B. zur Steinzeit mehr und mehr an der Spitze der Nahrungskette stand (also deutlich weniger von Fressfeinden getötet wurde) und aufgrund besserer medizinischer und technologischer Voraussetzungen älter wurde (= längere Zeitspanne, um Kinder gebären zu können), und generell in festen Besiedlungen sicherer war als zu Nomadenzeiten, hätte der Mensch sich ja bei gleichem Sexualverhalten wie in der Steinzeit dann in der Antike und dem Mittelalter deutlich schneller vermehrt - was aber in der Praxis nicht der Fall war, da die Bevölkerung in Europa über Jahrtausende nur leicht anwuchs. Daher meine Überlegung, ob die Stigmatisierung der Sexualität ein unbewusst gewähltes Mittel der damaligen Zivilisationen war, um ihre eigene (demographische) Stabilität zu erhalten.

Das ist absoluter Unsinn. Ausnahmslos alle antiken Hochkulturen - einschließlich des Judentums - standen menschlicher Sexualität sehr positiv gegenüber. Sie wurde nicht stigmatisiert. Hygiene und medizinische Kenntnisse/Versorgung waren in der Antike sogar weiter entwickelt, als das im Mittelalter der Fall war.
Athen beispielweise hatte bereits im 5. Jh (offene) Kanalisation und Müllentsorgung. Epedemien, wie im Mittelalter waren unbekannt. Frauen bekamen weniger Kinder als im Mittelalter und sie konnten sogar über ihre Fruchtbarkeit selbst bestimmen ==> Verhütung/Abtreibung. Zudem wurden Kinder, bei denen absehbar war, dass sie das erste Jahr nicht überleben würden, ausgesetzt. Mag uns heute unmenschlich erscheinen, aber die Vorstellung, dass Mensch bereits ab Befruchtung ein Mensch ist, ist eine (relativ späte) christliche Vorstellung.
Die Sexualmoral, nach der Sex mit Sünde gleichgesetzt wurde und nur der Zeugung innrhalb der Ehe dienen soll, nicht der Erfüllung menschlicher Bedürfnisse und des Lustgewinns, ist christlich und geht auf Augustinus von Hippo (5. Jh) zurück.

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:41)Hätte im Mittelalter überspitzt gesagt ab dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife jeder mit jedem rumgerammelt (so wie es vielleicht in der primitiven Steinzeit der Fall war, oder wie es im Tierreich der Fall ist), dann hätte dieses offene Sexualverhalten vermutlich zu unkontrollierbaren demographischen Entwicklungen geführt.

Auch das ist absoluter Unsinn. Bereits im Palöolithikum kannten die Menschen Regeln, hatten Moralvorstellungen - sie waren eben NICHT primitiv!
Sorry - aber dir fehlt nicht nur detailwissen, dir fehlt jegliches Wissen über die Geschichte menschlicher Kultur und Gesellschaft!

Hyde hat geschrieben:(16 Aug 2016, 22:41)Homosexualität wäre dann das andere Extrem. Also die Angst, dass Homosexualität um sich greifen könnte und die menschlichen Zivilisationen auslöschen könnte.

Und noch mehr Unsinn! In der Antike war Homosexualität durchaus akzeptiert, wurde NICHT stigmatisiert oder als Sünde betrachtet - im Gegenteil!
Bestes Beispiel sind die "Heilige Schar" - eine Thebanische Elitetruppe, die ausschließlich aus homosexuellen Kriegern bestand. Liebende verlassen einander nicht, sie kämpfen und beschützen sich bis in den Tod. Gleiches gilt für die "Unzertrennlichen" - wie der Name bereits sagt, eine Elitetruppe homosexueller Krieger aus Sparta.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
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Adlerauge
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Re: Religion versus Sexualität

Beitragvon Adlerauge » So 4. Sep 2016, 23:36

Das Hohe Lied der Liebe

Salomon war ein Meister der Liebeskunst.
http://www.martinus.at/rust/fuer_gaeste ... 0Liebe.pdf
Recht muss Recht bleiben, dem Unrecht muss das Recht entzogen werden!

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