Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

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Demolit

Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Demolit » Do 3. Mär 2016, 09:49

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Mar 2016, 19:56)

Darf eigentlich eine muslimische Anwältin vor Gericht Kopftuch tragen?


Ja, persönliches Zeichen....wie ein Kettchen mit Kreuz um den Hals zu sehen. Ist gut so...nur ist ein Kettchen um den Hals schöner anzuschauen, als nen Lappen um den Kopf ;) ...

echt ;)
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon William » Do 3. Mär 2016, 10:51

H2O, daran sollte es nicht scheitern, immerhin hat der Vatikan genug Geld.

Wenn schon Multikulti, dann auch komplette Trennung Staat von Religion (Kirche), mit allem was dazu gehört.
Nicht nur bei der Gehaltsabrechnung und im Gerichtssaal sondern auch in Schulen. 1 Schulstunde Ethik pro Woche sollte genügen.
Für ein friedliches Miteinander im Zeichen des GG braucht es keine Religion, erst recht nicht in der Öffentlichkeit.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Flat » Do 3. Mär 2016, 10:56

William hat geschrieben:(03 Mar 2016, 09:16)

Was der Einzelne am Körper trägt bleibt ihm selbst überlassen.
Wenn nun aber in einem (ehemals) christlichen Land religiöse Zeichen, so auch die Kruzifixe aus sämtlichen öffentlichen Gebäuden entfernt werden müssen, der Staat somit 100% von der Religion getrennt wird, dann muss auch die Kirchensteuer konsequent abgeschafft werden.


Moin,

oder der Einzug von Mitgliedsgebühren durch den Staat kostendeckend (plus etwas Gewinn) für alle Vereine und Organisationen offen stehen.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Flat » Do 3. Mär 2016, 10:58

H2O hat geschrieben:(03 Mar 2016, 09:22)

Das ist doch eine Dienstleistung des Staats
für Kirchenmitglieder. Dazu hat er Kircheneigentum
übernommen, das Kirchen in Jahrhunderten über
Erbschaften und Vermächtnisse erworben hatten.
Konsequenterweise müsste dieser Eigentums-
übergang dann auch rückabgewickelt werden.


Moin,

die Rückzahlung ist in der Höhe schon längst geschehen. Sollte schon laut Weimarer Verfassung abgewickelt werden.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 11:07

Flat hat geschrieben:(03 Mar 2016, 10:58)

Moin,

die Rückzahlung ist in der Höhe schon längst geschehen. Sollte schon laut Weimarer Verfassung abgewickelt werden.


Mag ja sein; das habe ich im Konfirmandenunterricht
vor über 60 Jahren noch so vermittelt bekommen, daß
deshalb der Staat Kirchensteuer von Kirchenmitgliedern
eintreibt.

Das mag auch einmal ganz logisch gewesen sein, als
die Wohnbevölkerung ganz überwiegend noch den
christlichen Kirchen angehörte. Aber heute müsste diese
Steuer als Zins für überlassenes Eigentum
eigentlich von allen Staatsbürgern und Steuerzahlern
erhoben werden.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Flat » Do 3. Mär 2016, 11:12

H2O hat geschrieben:(03 Mar 2016, 11:07)

Aber heute müsste diese
Steuer als Zins für überlassenes Eigentum
eigentlich von allen Staatsbürgern und Steuerzahlern
erhoben werden.


Moin,

welche andere Organisation wird eigentlich heute noch durch Enteignungen von vor über 200 Jahren (die Enteignungen geschahen 1803) entschädigt?

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 55649.html

Und es wird von allen Bürgern erhoben, egal ob Christ oder nicht. Es handelt sich um Steuergelder.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Der Neandertaler » Do 3. Mär 2016, 11:17

Hallo Tom.
Tom Bombadil hat geschrieben:Darf eigentlich eine muslimische Anwältin vor Gericht Kopftuch tragen?
Antwort: JEIN!

In Berlin erschien 2013 eine Anwältin mit Kopftuch vor Gericht. Daraufhin hat ein Verkehrsrichter sich geweigert, den Prozeß zu eröffnen. Er hatte sein Verbot damit gerechtfertigt, daß auch Anwälte ein "Organ der Rechtspflege" seien. Somit seien auch sie an das Neutralitätsgebot der Justiz gebunden.
Der Vorsitzende des Anwaltsvereins, Ulrich Schellenberg, sagte dazu:
    "Ich persönlich bin der Überzeugung, daß Anwältinnen und Anwälte im Gerichtssaal auf demonstrative Zeichen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung verzichten sollten, um der Würde des Gerichts Rechnung zu tragen."
Obwohl, aus seiner Sicht "die Anwältin aller Voraussicht nach recht bekommen" würde.

Nach Angaben des Präsident der Berliner Rechtsanwaltskammer, Marcus Mollnau, der sich übrigens auch für das Tragen eines Kopftuches ausspricht, gehe es nicht darum, das Tragen religiöser Symbole im Gerichtssaal zu verteidigen, sondern die Juristin in der Ausübung ihres freien Berufes zu unterstützen "und vor verfassungswidriger Diskriminierung zu schützen".

Selbst der Rechtsausschuß befaßte sich mit dem Thema - allerdings ist dessen Einflußnahme begrenzt - etwa durch disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen die Richter ... davor schreckt er zurück.
    "Das wäre eine Überwindung der Gewaltenteilung, die ich für falsch halte"
, so der Tenor. Trotzdem waren sich alle einig, daß eine solche Zurückweisung durch ein Gericht nicht akzeptabel ist, weil es dafür keine Rechtsgrundlage gibt.

Fazit:
    Ledglich über das Hausrecht könnte eventuell solch eine "Kleiderordnung" vorgeschrieben werden ... etwa: um "die Würde des Gerichts zu wahren"!
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 11:23

Flat hat geschrieben:(03 Mar 2016, 11:12)

Moin,

welche andere Organisation wird eigentlich heute noch durch Enteignungen von vor über 200 Jahren (die Enteignungen geschahen 1803) entschädigt?

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 55649.html

Und es wird von allen Bürgern erhoben, egal ob Christ oder nicht. Es handelt sich um Steuergelder.


So weit ich das noch richtig in Erinnerung habe,
handelt es sich nicht um eine Enteignung, sondern
um einen Staatsvertrag zwischen dem Reich und
den Kirchen. Beide juristische Personen gibt es
noch in Rechtsnachfolgern; dann wird auch der
Staatsvertrag weiterhin gelten.

Ich weiß es nicht besser: Die Kirchensteuer war und ist
für viele der Kirche entfremdete Mitbürger ein Grund,
aus der Kirche aus zu treten. Wenn sich das also nicht
im Geldbeutel bemerkbar machte, dann unterbliebe doch
dieser Grund, aus der Kirche aus zu treten....
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Flat » Do 3. Mär 2016, 11:28

H2O hat geschrieben:(03 Mar 2016, 11:23)

So weit ich das noch richtig in Erinnerung habe,
handelt es sich nicht um eine Enteignung, sondern
um einen Staatsvertrag zwischen dem Reich und
den Kirchen. Beide juristische Personen gibt es
noch in Rechtsnachfolgern; dann wird auch der
Staatsvertrag weiterhin gelten.


Moin,

kennst Du einen anderen solchen Vertrag, der 2 Weltkriege, eine Diktatur und mehrere grundlegende Staatsumwälzungen überstanden hat?

Dieser Vertrag sollte schon nach der Weimarer verfassung beendet werden. Da aber die Politiker ebenfalls Christen waren, ist das nicht geschehen.

Solche In-sich-Geschäfte zu ungunsten Dritter sind normalerweise verboten.
_______
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon H2O » Do 3. Mär 2016, 11:38

Flat hat geschrieben:(03 Mar 2016, 11:28)

Moin,

kennst Du einen anderen solchen Vertrag, der 2 Weltkriege, eine Diktatur und mehrere grundlegende Staatsumwälzungen überstanden hat?

Dieser Vertrag sollte schon nach der Weimarer verfassung beendet werden. Da aber die Politiker ebenfalls Christen waren, ist das nicht geschehen.

Solche In-sich-Geschäfte zu ungunsten Dritter sind normalerweise verboten.


Das mag Ihre Auffasssung sein; man könnte
diesen unhaltbaren Zustand ja abstellen, indem
man den Vertrag rückabwickelt.

So ganz verwerflich ist es doch aber nicht, wenn
Politiker auch Christen sind und der Organisation
ihrer Glaubensgemeinschaft nicht vorsätzlich
schaden wollen... oder?
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Demolit » Do 3. Mär 2016, 12:21

Flat hat geschrieben:(03 Mar 2016, 11:28)

Moin,

kennst Du einen anderen solchen Vertrag, der 2 Weltkriege, eine Diktatur und mehrere grundlegende Staatsumwälzungen überstanden hat?

Dieser Vertrag sollte schon nach der Weimarer verfassung beendet werden. Da aber die Politiker ebenfalls Christen waren, ist das nicht geschehen.

Solche In-sich-Geschäfte zu ungunsten Dritter sind normalerweise verboten.


Kannst du mal aufzeigen, warum es sich um ein "In Sich Geschäft" handeln soll ?
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Flat » Do 3. Mär 2016, 17:13

Demolit hat geschrieben:(03 Mar 2016, 12:21)

Kannst du mal aufzeigen, warum es sich um ein "In Sich Geschäft" handeln soll ?


Moin,

ich hätte auch schreiben können, sie waren befangen.

Die Vereinbarung wäre schon nach der Weimarer Verfassung aufzulösen gewesen. Dann hat ein Bundestag, in dem bekennende Christen die große Mehrheit haben, diese für die Bundesrepublik nachteilige Vereinbarung bis heute weiter geführt. Sie haben das also ihrer eigenen kirchlichen Organisation zugeschustert.

Wären die Kirchen Bauunternehmen und die Abgeordneten Anteilseigner, würden wir hier über Korruption und Steuermittelmissbrauch nicht streiten.

Aber es geht ja um Kirchen.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Antonius » Fr 4. Mär 2016, 10:05

Lomond hat geschrieben:(02 Mar 2016, 18:11)

Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal
(...)
Mehr dazu: http://www.focus.de/regional/saarbrueck ... 29309.html

Und wie ist eure Meinung dazu?

Selber bin ich eher un-entschieden.
Aus meiner Sicht ist ein Kreuz im Gerichtssaal nicht erforderlich.
Dennoch sollte jeder Mensch die Bedeutung des Kreuz-Symboles kennen.

Es gibt im Forum bereit einen Strang, in dem dieses Thema diskutiert wird:
viewtopic.php?f=21&t=36410&hilit=antonius+kreuz+christliche+symbol

Das Kreuz ist ein uraltes Symbol, das die gesamte menschliche Geistesgeschichte durchzieht
und wohl das älteste und einfachste aller Heilszeichen der Religionen ist.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Keoma » Fr 4. Mär 2016, 10:10

Antonius hat geschrieben:(04 Mar 2016, 10:05)

Aus meiner Sicht ist ein Kreuz im Gerichtssaal nicht erforderlich.
Dennoch sollte jeder Mensch die Bedeutung des Kreuz-Symboles kennen.

Es gibt im Forum bereit einen Strang, in dem dieses Thema diskutiert wird:
viewtopic.php?f=21&t=36410&hilit=antonius+kreuz+christliche+symbol

Das Kreuz ist ein uraltes Symbol, das die gesamte menschliche Geistesgeschichte durchzieht
und wohl das älteste und einfachste aller Heilszeichen der Religionen ist.


Das Swastika ist älter.
Moralische Entrüstung ist Eifersucht mit einem Heiligenschein.
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Re: Debatte um Kruzifix im Gerichtssaal

Beitragvon Antonius » Fr 4. Mär 2016, 14:31

Keoma hat geschrieben:(04 Mar 2016, 10:10)

Das Swastika ist älter.
Mag sein.
Es war aber nie - mit einer kurzen Ausnahme von 12 Jahren - Teil einer Staatsflagge. :cool:

Dagegen ist das Kreuz-Symbol in den Flaggen verschiedener Länder vielfach integriert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz_%28 ... und_Wappen
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