Pi...

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Agba2001
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Pi...

Beitragvon Agba2001 » Mi 16. Sep 2015, 12:54

Moin moin,

Kommenden Sonntag kommt auf den deutschsprachigen Sendern von Pro7 "Life of Pi - Schiffbruch mit Tieger" von Ang Lee ...
Den Leuten, die sich etwas für Theologie, Philosophie und deren Infragestellung, abenteuerlich umgesetzt, interressieren, möchte ich den Film etwas näher legen, um ggf. über den Inhalt etwas näher zu Sinnieren...
Ein Beispiel schonmal im Vorraus... Pis Konflikt mit Gott auf hoher See ähnelt sehr der Konfliktsituation von Ltd. Dan in "Forrest Gump", in deren Abklang Dan seinen Seelenfrieden wiedergefunden zu haben scheint...
Was wollten Spielgerg und Lee mit diesen Szenarien ausdrücken?! Eure Meinung würd mich da echt mal interressieren.
Ich habe in diesem Leben erkannt, dass wer sich in Sarkasmus, Ironie und destruktiver Kritik übt, meist insgeheim beipflichtet... ;)
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Fadamo
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Re: Pi...

Beitragvon Fadamo » Sa 17. Okt 2015, 22:51

Agba2001 » Mi 16. Sep 2015, 12:54 hat geschrieben:Moin moin,

Kommenden Sonntag kommt auf den deutschsprachigen Sendern von Pro7 "Life of Pi - Schiffbruch mit Tieger" von Ang Lee ...
Den Leuten, die sich etwas für Theologie, Philosophie und deren Infragestellung, abenteuerlich umgesetzt, interressieren, möchte ich den Film etwas näher legen, um ggf. über den Inhalt etwas näher zu Sinnieren...
Ein Beispiel schonmal im Vorraus... Pis Konflikt mit Gott auf hoher See ähnelt sehr der Konfliktsituation von Ltd. Dan in "Forrest Gump", in deren Abklang Dan seinen Seelenfrieden wiedergefunden zu haben scheint...
Was wollten Spielgerg und Lee mit diesen Szenarien ausdrücken?! Eure Meinung würd mich da echt mal interressieren.


Wie du siehst,hat kein user an theologie,philosophie interesse. :(
Politik ist wie eine Hure,die kann man nehmen wie man will
Jimmy-Rein-und-Raus

Re: Pi...

Beitragvon Jimmy-Rein-und-Raus » So 18. Okt 2015, 11:05

Fadamo » Sa 17. Okt 2015, 23:51 hat geschrieben:
Wie du siehst,hat kein user an theologie,philosophie interesse. :(

Nee, das stimmt nicht. Ich habe den Film gesehen und finde vor allem Pi's Erklärung über die beiden erzählten Geschichten fragwürdig. Als ob man tatsächlich die Wahl habe, wie man sein Leben sehen will. Bunt, schillernd und interessant mit Gott oder realistisch, trist und langweilig ohne Gott. Das hat eher was von Hirnwäsche. Erlebt ist erlebt. Und man kann sich auch nicht durch abstakte Verklärung aus dem Erlebten stehlen. Wäre es anders, hätten alle Religionskritiker Recht und Glaube bzw. Religion wäre eine Droge.

Und wie bei jeder Droge, muss man die Dosis ständig erhöhen, damit man ihre Wirkung überhaupt noch spürt. Das bedeutet, dass man in einem Teufelskreis ist. Weil man sich irgendwann ohnehin der Realität stellen muss. Und die wird ohne Droge dann umso brutaler wahrgenommen. Man erwacht also am anderen Morgen mit einem richtig fiesen und langen Kater. Letztendlich ist Selbstbenebelung in jeder Form ein Kredit, den man zurückzahlen muss. Wenn man das erst mal verinnerlicht hat, verliert jede Droge ihren Reiz.

Gott, Glaube oder Religion stellt für mich keinen positiven Reiz dar. Man ist zwar beim Betreten einer Kirche von ihrem Prunk und ihrer Größe überwältigt. Aber dafür verliert die einfache Wohnung an Reiz. Darum sehe ich es nicht wie Pi im Film. Man hat eigentlich keine Wahl. Man könnte genausogut freiwillig für ein Jahr in einen russischen Gulag gehen. Das hat denselben Effekt, nur eben anders herum. Das eigene Bett und eine heiße Dusche werden dann wieder für eine Weile zum kostbaren Luxus.
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Re: Pi...

Beitragvon firlefanz11 » Mo 19. Okt 2015, 09:42

Pi: 3,14159265359...
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Re: Pi...

Beitragvon Dingo » Di 20. Okt 2015, 17:33

Agba2001 » Mi 16. Sep 2015, 13:54 hat geschrieben:[...]
Was wollte[...] Lee mit diesen Szenarien ausdrücken?! Eure Meinung würd mich da echt mal interressieren.

Wieso Lee? Diese Idee stammt doch von Yann Martel, dem Autor des Buches Life of Pi.
Ich bin ein Flüchtlingskind.

Sollten weiterführende Links auf Seiten, die ich verlinke, zu Inhalten führen, die als Gewaltaufruf verstanden werden könnten, so mache ich mir diese ausdrücklich nicht zu eigen.
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Re: Pi...

Beitragvon Antonius » Fr 23. Okt 2015, 13:20

firlefanz11 » Mo 19. Okt 2015, 10:42 hat geschrieben:Pi: 3,14159265359...
Pi = 4. * arctan(1.) :cool:
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Re: Pi...

Beitragvon Nathan » Fr 23. Okt 2015, 13:36

Agba2001 » Mi 16. Sep 2015, 13:54 hat geschrieben:Moin moin,

Kommenden Sonntag kommt auf den deutschsprachigen Sendern von Pro7 "Life of Pi - Schiffbruch mit Tieger" von Ang Lee ...
Den Leuten, die sich etwas für Theologie, Philosophie und deren Infragestellung, abenteuerlich umgesetzt, interressieren, möchte ich den Film etwas näher legen, um ggf. über den Inhalt etwas näher zu Sinnieren...
Ein Beispiel schonmal im Vorraus... Pis Konflikt mit Gott auf hoher See ähnelt sehr der Konfliktsituation von Ltd. Dan in "Forrest Gump", in deren Abklang Dan seinen Seelenfrieden wiedergefunden zu haben scheint...
Was wollten Spielgerg und Lee mit diesen Szenarien ausdrücken?! Eure Meinung würd mich da echt mal interressieren.


Ausgesprochen schöner Film. Hat mich sehr beeindruckt. Die tatsächlich bedeutsame theologische Komponente werte ich als Kritik an Bigotterie und allzu festem Klammern an die Worte der Bibel, wodurch der eigentliche, urweltliche Sinn hinter der Religion verloren geht. Das gilt ganz aktuell auch für den Koran und seinen absurden, amateurhaften Auslegungen durch die selbsternannten rechtsextremen Koranforscher. Die Religion ist einfach die bessere Geschichte, das reale Elend die schlechtere. Genau daraus speisen sich alle Religionen dieser Erde
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Re: Pi...

Beitragvon Progressiver » Fr 23. Okt 2015, 18:46

Nathan » Fr 23. Okt 2015, 14:36 hat geschrieben:Die Religion ist einfach die bessere Geschichte, das reale Elend die schlechtere. Genau daraus speisen sich alle Religionen dieser Erde


"Religion ist Opium für das Volk." (Karl Marx)

Dem stimme ich zu. Religion ist etwas für Eskapisten, die vor dem Leben in all seinen Facetten flüchten wollen. Durch diese Flucht versäumen die Religiösen es, ihr Leben im Hier und Jetzt aktiv zu verbessern. So nehmen sie einerseits die seelischen Schmerzen, die das Leben bietet, nur unter der "Droge Religion" wahr. Andererseits sind sie aber auch nicht fähig, die schönen Dinge des Lebens pur zu genießen. Dies trübt ihnen alles nicht nur die Wahrnehmung, sondern wirkt kontraproduktiv in der Frage, wie man sein Leben praktisch verbessern kann.

Ich lebe jedenfalls lieber drogenfrei. :)
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Re: Pi...

Beitragvon Perdedor » Fr 23. Okt 2015, 18:57

Jimmy-Rein-und-Raus hat geschrieben:Bunt, schillernd und interessant mit Gott oder realistisch, trist und langweilig ohne Gott.


So hatte ich das gar nicht verstanden.
Märchen leben ja i.A. von einer Reduktion der Komplexität. In der erfundenen Geschichte mit dem Tiger ist alles viel simpler. Es gibt eine klare Moral, ein Happy End (im Rahmen), es entspricht einer klassischen Fabel, die im Grunde auf drei Seiten erzählt ist.
Die Realität ist viel komplexer, beeindruckender und faszinierender: Die Psychologie des Zusammenspiels von Menschen in Extremsituationen ermöglicht es oft gar nicht klar zu sagen, warum jemand auf eine bestimmte Weise gehandelt hat.
Insofern ist doch eher die erfundene Geschichte "trist und langweilig", eine allzumenschliche Fabel, wie sie immer wieder erzählt wird. Sie ist allerdings auch bequemer, weniger beunruhigend, einem altbekannten Schema entsprechend.
So interpretiert sagt der Film eben nicht, dass Religion interessant wäre, sondern eben nur bequem; eine allzumenschliche Erfindung zur Realitätsflucht und zur Vermeidung von Widersprüchen in der Erfahrung.
Keine Ahnung, wie der Autor es gemeint hat.
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Re: Pi...

Beitragvon Antonius » Fr 27. Mai 2016, 09:10

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Re: Pi...

Beitragvon Ein Terraner » Fr 27. Mai 2016, 09:35

Es ist zwar schon länger her das ich den Film gesehen habe, aber soweit ich mich erinnern kann zeigt er sehr gut die Realitätsflucht im Glauben. Der Kannibalismus war das Tier in ihm und er selbst war das Opfer das von seinem inneren Tier bedroht wurde. Hier wäre interessant was ein Psychiater dazu sagen würde.


P.S. Im übrigen ist die Geschichte komplett von Poe´s "Die denkwürdigen Abenteuer der Arthur Gordon Pym" abgeleitet das mit seinem offenen Ende den anstoß zum Cthulhu Mythos gab.
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Re: Pi...

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 27. Mai 2016, 10:44

Aus meiner, freilich sehr persönlichen Sicht kann ein Film mit einem Budget von 120 Millionen Dollar nur schlecht werden ...
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Re: Pi...

Beitragvon Simon » Di 18. Sep 2018, 20:36

Wäre ein viel besserer Film ohne die Verteidigung des Glaubens. Noch besser wenn er zeigen würde, wie der Protagonist seine Schwierigkeiten ohne Aberglaube und Unterwürfigkeit meistert.
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Antonius
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Re: Pi...

Beitragvon Antonius » Mi 19. Sep 2018, 15:35

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