Die Baha'i

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Re: Die Baha'i

Beitragvon PublicEye » Mo 26. Aug 2013, 15:35

Ferit » Mo 26. Aug 2013, 13:07 hat geschrieben:Und die Zeugen Jehovas werden von Christen als Christen angesehen? Die Gruppierungen, die von Christen als Christen anerkannt werden, erkennen alle die Göttlichkeit Jesu an. Die Trinitarier haben sich durchgesetzt, da bringt der Link zur Spätantike auch nichts.

Ferit, du machst hier den Fehler, die einen über die anderen zu befragen.
Aus der Sicht eines jeden ist der andere Glaube eines anderen immer irgendwie falsch.
Fragst du Katholiken über Lutheraner, dann wirst du auch unterschiedliche Sichtweisen hören, aber die allgemeine Antwort sticht dann hervor.
Fragst du Zeugen Jehovas über evangelikale Christen, oder Baptisten, so werden sie dir einiges auflisten, was die falsch machen.

So ist es ähnlich ja auch im Islam.
Die vielen Splitterungen zeugen von den Unterschieden, die jeweils für die anderen etwas zwischen anders und falsch sind.

So kommt man aus diesem Dilemma nicht heraus.

Im Christentum gibt es eine externe Richtline, die unabhängig von einer jeweiligen Sichtweise ist und das ist die biblische Lehre.
An der muss sich jedes Christentum messen.
Sämtliche Schriften, sämtliche Sichtweisen, sämtliche Interpretationen, alles muss sich an der gesamten biblischen Lehre messen lassen.

Würden die verschiedenen Sichtweisen dies anerkennen und sich selbst auch gegebenfalls durch die biblische Lehre korrigieren lassen, gäbe es viel weniger Splitterungen und Sekten.

Im Islam gibt es so etwas wie eine Massgabe nicht, weswegen ich ja auch von einem Gummiislam spreche. Je nach dem, mit welcher islamischen Sichtweise man durch sein Gegenüber konfrontiert ist, wird Islam auch unterschiedlich interpretiert.
Den einen reicht der Koran nicht, hadite gelten als ebenso heilig. Und selbst da gibt es Unterschiede, die einen akzeptieren nur einen Teil der hadite und andere lehnen sie mit irgendwelchen Begründungen ab.

So darfst du als Moslem nicht diese Problematik eins zu eins auf das Christentum übertragen, denn nur die gesamte biblische Lehre, also AT und NT, sind für die Beurteilung eines Christenseins relevant.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon PublicEye » Mo 26. Aug 2013, 15:49

Ferit » Mo 26. Aug 2013, 13:16 hat geschrieben:
An Jesus Christus zu glauben, ohne dass er der Sohn Gottes ist, ist sinnlos, denn darauf basiert der christliche Glaube. :rolleyes: Und dieser Glaube hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun, sodass es ein ziemlicher Unsinn ist den Islam als eine christliche Sekte brandmarken zu wollen.

Nein, das ist mMn kein Unsinn sondern sogar treffend.
Der Islam ist durchaus eine christliche Sekte, denn Mohammed entnahm sowohl aus dem Judentum, dem Christentum, gnostischen Richtungen und anderen, z.B. heidnischen Eindrücken und formte daraus den Islam.

Der direkte Bezug auf die jüdischen Patriarchen, gar auf die alten Patriarchen zu Noahs Zeiten, der monotheistische Gott, das Prophetenamt, die Gesetzlichkeit im alten Bund, Essvorschriften, die klare Ablehnung der Gottessohnschaft von Jesus und Sein Tod am Kreuz, in all diesen Dinge lehnt sich der Islam an die jüdisch-christliche Lehre an.

Und durch diese Verflechtund ist der Islam eine Spielart christlicher Sekten und gehört, da die Gottessohnschaft und Kreuzestod abgelehnt wird, zu den antichristlichen Sekten.

Du hast recht, es macht keinen Sinn für einen Christen, nicht an Jesus als Sohn Gottes und Heiland, als den einzigen von Gott vorgegebenen Weg zu Gott, zu glauben.

Du siehst, hier nimmst du die biblische Lehre als Grundlage zur Bemessung des Christseins und das ist korrekt so! :thumbup:
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Platon » Mo 26. Aug 2013, 16:38

Dionysos » Mo 26. Aug 2013, 13:35 hat geschrieben:Kann ich bestätigen, das wird Dir jeder Religionswissenschaftler bestätigen (wenn auch nicht so polemisch).

Die aussagen, die der Koran über das Christentum (und teilweise über das Christentum macht), kann man nachprüfen und als Ergebnis hat die Wissenschaft genau das geliefert.

Der Islam hat all die Eigenschaften, die auch viele christliche Sekten haben: es bezieht seinen Ursprung aus der Bibel (Schöpfungsgeschichte, Patriarchen, Eingottglaube); es hat zusätzlich noch eine Offenbarungsquelle, die es als maßgeblich ansieht; es wirft anderen Gruppierungen vor, den wahren Glauben aufgegeben zu haben. Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten.

Dass der Islam als eigene Religion definiert wird, hängt damit zusammen, dass es Jesus Christus nicht als maßgeblich für den Glauben ansieht, wie es christliche Gruppen tun, sonst aber gilt das und wenn der Islam eine Splittergruppe geblieben wäre, würde man es vielleicht als christliche Sekte ansehen.

Also das der Islam Anleihen an Religionen gemacht hat, welche zur Zeit seiner Entstehung auf der arabischen Halbinsel präsent waren, ist ja allgemein bekannt. Aber der letzte Absatz deines Beitrags ist schon ziemlich grotesk. Der Islam ist nicht aus dem Christentum hervorgegangen sondern ist eine eigenständige Entwicklung, welche neben einer ganzen Reihe von Einflüssen auch christliche und jüdische Traditionen aufgenommen und beide Religionen in den eigenen religiösen Mythos aufgenommen hat. Es kamen ja dann weitere Einflüsse hinzu, während der Islam sich ausbreitete.

Die Behauptung der Islam sei ja eigentlich eine christliche Häresie ist ohnehin ein Argument, welches mir eher als Verleumdung als als wirkliches Argument begegnet ist.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Platon » Mo 26. Aug 2013, 16:51

Ferit » Mo 26. Aug 2013, 13:48 hat geschrieben:Die Schiiten hängen nicht einer Irrlehre an. Sie missverstehen nur einiges, aber daraus können wir nicht folgern, dass sie keine Muslime sind (ganz im Gegensatz zu den Aleviten).

Ich habe in der letzten Zeit einiges zur Schia gelesen und werde demnächst in meinem Strang dazu, mal ein paar Beiträge zu diesem Thema schreiben. Da können wir ja dann mal ausdiskutieren, ob es wirklich nur ein "Sie missverstehen nur einiges" ist.

PS
Zu deinen Fragen im dortigen Strang übrigens: Die 12er-Schiiten fasten natürlich auch, sie fasten aber glaube ich länger, also nicht bis zum Beginn des Sonnenuntergang sondern Fastenbrechen ist erst, wenn die Sonne ganz weg ist. Beim Beten gibt es einige ganz kleine Unterschiede in den Bewegungen. Wie das mit dem Heiraten ist, weiß ich nicht und wüsste auch nicht, wo ich das nachschlagen sollte. Dieses Buch ist das einzige wirklich brauchbare Übersichtsbuch, wenn es um solche Sachen geht.
Zuletzt geändert von Platon am Mo 26. Aug 2013, 16:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon aleph » Di 27. Aug 2013, 07:52

Platon » Mo 26. Aug 2013, 17:38 hat geschrieben:Also das der Islam Anleihen an Religionen gemacht hat, welche zur Zeit seiner Entstehung auf der arabischen Halbinsel präsent waren, ist ja allgemein bekannt. Aber der letzte Absatz deines Beitrags ist schon ziemlich grotesk. Der Islam ist nicht aus dem Christentum hervorgegangen sondern ist eine eigenständige Entwicklung, welche neben einer ganzen Reihe von Einflüssen auch christliche und jüdische Traditionen aufgenommen und beide Religionen in den eigenen religiösen Mythos aufgenommen hat. Es kamen ja dann weitere Einflüsse hinzu, während der Islam sich ausbreitete.

Die Behauptung der Islam sei ja eigentlich eine christliche Häresie ist ohnehin ein Argument, welches mir eher als Verleumdung als als wirkliches Argument begegnet ist.


Übe mal Dein Leseverständnis. Eine Frage: Hast Du schon mal das Thomasevangelium gelesen, das man in Ägypten gefunden hat? Danach reden wir weiter. Im Übrigen wurde auch das Christentum mal eine jüdische Sekte genannt, also darüber wüßrde ich mich mal nicht so aufregen. Im Christentum kommen auch viele Dinge vor, die dem Judentum völlig fremd sind. Dass der Teufel quasi der Gegenspieler Gottes ist und die Welt beherrscht und dass Jesus die Welt vom Satan befreien muss, dürfte dem Judentum ziemlich fremd sein und entstammt nach meiner Vermutung eher aus dem Iran, was denkst Du?
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Do 12. Sep 2013, 13:20

Antonius » Mo 26. Aug 2013, 09:04 hat geschrieben:Ich möchte nochmals zum Thema der Bahai-Religion zurückkehren.

Die Bahai-Religion ist m.W. die einzige Reformbewegung, die aus dem Islam hervorgegangen ist, sie könnte also als ein Beispiel für die notwendigen und überfälligen Reformen im Islam dienen.
Bemerkenswert sind die "Zwölf ethischen Grundsätze der Bahai", wie sie in der Erklärung von 1912 von Baha’u’llah herausgestellt wurden,
ein außerordentlicher Fortschritt auf dem Gebiet der Ethik, verglichen mit den Grundsätzen der Shia-Sekte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf ... _der_Bahai

Vor allem der Grundsatz No.6 hat meine volle Sympathie: "Mann und Frau haben gleiche Rechte."
Es ist ein Schritt hin zu den Grundsätzen der universalen Menschenrechte von 1948.
Ferit » Mo 26. Aug 2013, 11:14 hat geschrieben:Quatsch. Die Bahai hängen einer Irrlehre nach. Das hat mit dem Islam nichts mehr zu tun.
Mit einem solchen Urteil ist nichts gesagt.
Ist nicht der Islam selbst die Irrlehre par excellence? :p
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Mo 30. Dez 2013, 09:55

Keoma » Mo 26. Aug 2013, 12:58 hat geschrieben:...Schon der Ausdruck islamophob ist ein ziemlicher Blödsinn. Phhobie ist eine Angst.
Wahrscheinlich hat niemand, der als Islamophobiker bezeichnet wird, Angst vor dem Islam.
Allerdings gibt es eben Menschen, die den Islam als Ideologie und/oder Religion einfach ablehnen.
Oder dämlich finden.
Ja, das ist sicherlich richtig.
Der Islam ist eine vormoderne Herrschaftsideologie, die vor allem der politischen Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen dient.

Um so bemerkenswerter ist der Reformansatz in der Bahai-Religion, der im Iran entwickelt wurde, als dort die großen Defizite im Islam nicht mehr zu übersehen waren.

    Die mit mehreren Millionen Anhängern weltweit verbreitete Religion der Bahá’í ist eine monotheistische Offenbarungsreligion in der Reihe der Hochreligionen. In ihrem Ursprungsland, der heutigen Islamischen Republik Iran, bilden die Bahá’í die größte nicht-islamische religiöse Minderheit. Die Verfolgungsgeschichte der Bahá’í in Iran beginnt bereits mit den Anfängen ihrer Religion in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit der Islamischen Revolution 1979 werden Bahá’í systematisch verfolgt. Der iranische Staat formulierte 1991 gar eine eigene Staatsdoktrin mit dem Ziel, die Bahá’í als lebensfähige Gemeinschaft in Iran auszuschalten.

Die UNO-Vollversammlung spricht am 20.12.2013 in einer Resolution erneut von ihrer “tiefen Sorge über ernstzunehmende, andauernde und wiederkehrende Menschenrechtsverletzungen“ im Iran.
Damit zeigt die internationale Gemeinschaft, daß sie sich nicht durch bloße Versprechungen der iranischen Führung einlullen lässt.

http://iran.bahai.de/2013/12/20/vereint ... letzungen/
Zuletzt geändert von Antonius am Mo 30. Dez 2013, 09:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Sa 24. Mai 2014, 14:30

Antonius » Mo 30. Dez 2013, 10:55 hat geschrieben:Die UNO-Vollversammlung spricht am 20.12.2013 in einer Resolution erneut von ihrer “tiefen Sorge über ernstzunehmende, andauernde und wiederkehrende Menschenrechtsverletzungen“ im Iran.
Damit zeigt die internationale Gemeinschaft, daß sie sich nicht durch bloße Versprechungen der iranischen Führung einlullen lässt.

Die Verfolgungen der Bahá’í gehen im Iran offenbar unvermindert weiter.
Die sogenannte iranische Revolutionsgarde fährt fort, einen historischen Bahá’í-Friedhof in Schiras zu zerstören.
Die Bahá’í fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, weiterhin ihre Stimme gegen dieses illegale Vorgehen zu erheben.

Die Revolutionsgarde hatte das Gelände des Friedhofs in Schiras, auf dem rund eintausend Bahá’í begraben liegen,
vor drei Jahren in Besitz genommen und angekündigt, dort den Bau eines neuen Kultur- und Sportzentrums voranzutreiben.
Bani Dugal, die Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in New York, meinte daraufhin:
"Vor dem Hintergrund der historischen Bedeutung dieses Stücks Land, auf dem etwa 950 Bahá’í begraben sind – darunter zehn Frauen,
die 1983 durch Erhängen hingerichtet wurden –, ist dieses Vorgehen nicht nur illegal, sondern moralisch äußerst verwerflich."

http://iran.bahai.de/category/meldungen/
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Do 5. Jun 2014, 14:44

In einer beispiellosen Demonstration von Solidarität versammelten sich in dieser Woche in Teheran
einflussreiche iranische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Menschenrechtsaktivisten, Journalisten
und prominente religiöse Führer, um des sechsten Jahrestages der Inhaftierung der sieben Mitglieder
der iranischen Bahá’í-Führung zu gedenken. Meldungen über das Treffen breiten sich schnell im Internet
und den sozialen Netzwerken aus.

Im Mittelpunkt der Meldungen aus Teheran steht ein Foto der Beteiligten, die sich um ein vergrößertes Portrait der sieben inhaftierten Bahá’í gruppieren.
Sie wurden 2010 nach zweijähriger Untersuchungshaft jeweils zu einer zwanzigjährigen Haftstrafe verurteilt.
Es handelt sich dabei um die längste Haftstrafe für Gefangene aus Gewissensgründen im Iran.
In diesem Monat ist der sechste Jahrestag ihrer Inhaftierung, woran sich Isolationshaft, menschenunwürdige Behandlung
und Unterbringung sowie ein unfaires Gerichtsverfahren anschlossen.

http://iran.bahai.de/
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Lomond » Do 5. Jun 2014, 15:29

Antonius » Do 1. Aug 2013, 19:32 hat geschrieben:Die Weltreligion des Baha'i ist als Reformbewegung aus dem Islam hervorgegangen, als dort die großen Defizite, vor allem in ethischer Hinsicht, sichtbar wurden.
Es ist eine monotheistische Religion, in deren Mittelpunkt eine transzendente Gottheit steht.
Aus Sicht des Bahai steht der Mensch von allen Schöpfungswerken Gott am nächsten, da er mit einem freien Willen, mit Vernunft, einer unsterblichen Seele
und der Fähigkeit ausgestattet wurde, Gott zu erkennen und einen Bund mit ihm einzugehen.
Ein zentraler Grundsatz der Bahai ist, daß Religion nicht der Vernunft und der Wissenschaft widersprechen dürfe.
Als wichtigstes Element der Religion bezeichnete Abdul-Baha die Nächstenliebe.
Religion, die zu Zwietracht führt, verfehle ihren Zweck, und es sei besser, ohne sie zu leben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahai

Übrigens, die Bahai-Gemeinde ist in Deutschland eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts.


Und die Baha'i sind sehr OK! :thumbup:
Non enim propter gloriam, divicias aut honores pugnamus set propter libertatem solummodo quam Nemo bonus nisi simul cum vita amittit.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Do 12. Jun 2014, 11:08

Wenn diese Meldung aus dem Iran stimmt, dann wäre das zumindest ein hoffnungsvolles Zeichen:

    Solidarität mit den Bahá'í nimmt im Iran zu.
    "Es ist ein großes Zeichen der Hoffnung.
    Wir wussten schon immer, dass es überall auf der Welt, insbesondere im Iran,
    Menschen gibt, die das, was den Bahá'í angetan wird, als schlimme Ungerechtigkeit empfinden.
    In letzter Zeit haben sich mehr und mehr prominente Persönlichkeiten mutig dazu entschieden,
    sich öffentlich zu äußern und diese Verfolgung zu kritisieren."(...)

http://www.deutschlandfunk.de/baha-i-re ... _id=288825
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Selaht » Mo 16. Jun 2014, 18:15

Ferit » Mo 26. Aug 2013, 12:14 hat geschrieben:
Antonius » Mo 26. Aug 2013, 09:04 hat geschrieben:Quatsch. Die Bahai hängen einer Irrlehre nach. Das hat mit dem Islam nichts mehr zu tun.

Es gibt zu viele wahre Religionen und zu wenig gute Religionen. Gleich gute Religionen könnte es nämlich mehrere geben. Ein einzig wahrer Gott passt da aber schlecht ins Konzept.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Fr 4. Jul 2014, 10:05

Selaht » Mo 16. Jun 2014, 19:15 hat geschrieben:Es gibt zu viele wahre Religionen und zu wenig gute Religionen. Gleich gute Religionen könnte es nämlich mehrere geben. Ein einzig wahrer Gott passt da aber schlecht ins Konzept.
In einem gebe ich Dir Recht: Es "gibt zu wenig gute Religionen".
Die theologischen Vorstellungen der Baha'i sind sicherlich bei den guten Religionen einzuordnen,
ihre philosophischen, politischen, ethischen Prinzipien sind für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen prädestiniert.
Zuletzt geändert von Antonius am Fr 4. Jul 2014, 10:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Platon » Mo 25. Aug 2014, 10:54

BBC Persia-Doku (größtenteils auf Persisch aber mit deutschen Untertiteln) über die Bahai. Hauptsächlich über ihre Situation im Iran, aber auch über das Zentrum in Haifa, die Geschichte der Bewegung im Iran, von den Anfängen unter dem Bab, über die Entstehung der eigentlichen Bahai-Religion mit Baha'ullah als neuen Propheten, bis zur Islamischen Republik.

Sie werden dabei als immerzu verfolgte Bewegung dargestellt, wenngleich das für die Vorgänger-Bewegung der Baha'i, die Babis, nur eine Seite der Medaille ist. So hatten die Babis in mehreren Aufständen und getragen vom Jihad-Gedanken versucht Babi-Theokratien errichtet und sich so als Todfeind nicht nur der etablierten religiösen Gelehrten der 12er-Schia sondern auch als Feinde der Herrschaft der Qajaren positioniert. Die Aufstände fanden in einer Phase des Übergangs von Mohammed Shah Qajar zu Naser ad-Din Schah statt und wurden nachdem dieser den Thron bestiegen hatte, zusammen mit anderen Revolten in den Provinzen blutig nieder geschlagen. Der Bab wurde dann exekutiert, die eigentliche Verfolgung, setzte aber erst dann ein als eine Gruppe der stark geschwächten Babi-Bewegung versuchte Naser ad-Din Schah zu ermorden, weil unter seiner Ägide der Bab getötet wurde. Daraufhin wurde die Bewegung massiv verfolgt und praktisch die gesamte Führungsriege ermordet. Auch der spätere Baha'i-Prophet Baha'ullah wurde eingekerkert, wurde aber durch seine persönlichen Verbindungen zum ersten Minister des Schahs von der Todesstrafe verschont und in den Irak exiliert. Dort entwickelte er sich zum Führer der Bewegung, rief einen neuen Prophetenzyklus aus und propagierte nach den Erfahrungen der Babi-Bewegung, deren Versuche Herrschaften zu errichten um ein Haar zur vollständigen Vernichtung der Bewegung geführt hatte, eine streng apolitische Lehre. In diesem Sinne wäre ich vorsichtig von einem kontinuierlichen Opferstatus der Bewegung durch seine gesamte Geschichte zu reden. Am Anfang ist das keineswegs so eindeutig, erst mit Baha'ullah und dem Entstehen der eigentlichen Baha'i-Religion ist das der Fall.

Zuletzt geändert von Platon am Mo 25. Aug 2014, 11:51, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Marie-Luise » Mo 25. Aug 2014, 12:21

Gutmensch » Fr 2. Aug 2013, 15:40

Die Bahai werden von Muslimen bekämpft und unterdrückt, sie sind zu fortschrittlich und friedlich.


Zu fortschrittlich für den Mullah-Staat

Von der Zeit nach der Islamischen Revolution, als der schiitische Klerus an die Macht kam, sprechen viele Bahai heute nur als "Tage des Terrors": Heilige Orte der Bahai wurden zerstört, Gläubige, die nicht zum Islam konvertieren wollten, gehängt. Auf Kreuzungen in der Hauptstadt Teheran sollen die Särge gestapelt worden sein. Insgesamt wurden bis heute mehr als 200 Bahai hingerichtet.


http://www.sueddeutsche.de/politik/verf ... -1.1617577


Mein Gefühl sagt mir, dass sich der Islam nur mit Terror über die 1400 Jahre halten konnte.

Die Baha'i werden im Iran verfolgt von der dortigen Mullahschaft.

Trotzdem wäre ich auch bei dieser Religion vorsichtig. Ich hörte, dass sie etwas sektierisch sei, was vielleicht von der Verfolgung im Iran her stammt.



P.S.: Die islamischen Organisation, die der Schura in Hamburg angehören, hatten sich lange Zeit geweigert, die Baha'i in den Interreligiösen Dialog aufzunehmen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 83542.html

Meine persönliche Meinung zum "Interreligiösen Dialog" ist, dass das alles nichts bringt und vom Islam her eher als "Dialüg" bezeichnet werden kann.
Zuletzt geändert von Marie-Luise am Mo 25. Aug 2014, 12:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Platon » Mo 25. Aug 2014, 15:10

Marie-Luise » Mo 25. Aug 2014, 13:21 hat geschrieben:Mein Gefühl sagt mir, dass sich der Islam nur mit Terror über die 1400 Jahre halten konnte.

Dann schlage ich vor sich mal ein wenig über die islamische Religionsgeschichte zu informieren.
Die Baha'i werden im Iran verfolgt von der dortigen Mullahschaft.

Trotzdem wäre ich auch bei dieser Religion vorsichtig. Ich hörte, dass sie etwas sektierisch sei, was vielleicht von der Verfolgung im Iran her stammt.

Jede Weltanschauungsgruppe insbesondere religiöser Natur weist letztlich Merkmale auf die man gemeinhin mit einer Sekte verbindet. Bei den Baha'i ist das natürlich auch so, auch wenn es sich weitgehend um eine "Wohlfühl"-Gruppe für westiche Beobachter handelt, ist es natürlich eine monotheistische Religion, mit Propheten, Gebeten, Ritualen und allem drum und dran und halt eben kein aus dem Islam entstandener Protestantismus.
P.S.: Die islamischen Organisation, die der Schura in Hamburg angehören, hatten sich lange Zeit geweigert, die Baha'i in den Interreligiösen Dialog aufzunehmen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 83542.html

Meine persönliche Meinung zum "Interreligiösen Dialog" ist, dass das alles nichts bringt und vom Islam her eher als "Dialüg" bezeichnet werden kann.

Das Hamburger Islamische Zentrum ist ja auch gewissermaßen eine Außenstelle der Islamische Republik. Selbst vor (Beheschti 1965-70) und während der Revolution (Khatami 1978-80) haben Leute dort das Ruder in der Hand gehabt die einige Jahre später in der IRI wichtige Rollen gespielt.

Dazu neigen Baha'i dazu im Interreligiösen Dialog eben gar nicht so die Wohlfühlgruppe zu sein, wie man das vielleicht am Anfang glaubt, weil man den nämlich in Angriff nimmt im eigenen Selbstverständnis, die anderen Religionen würden früheren Prophetenzirkeln angehören. Das ist aber ein Problem, dass dem interreligiösen Dialog insgesamt anhaftet.

Der verlinkte Fall ist in erster Linie ein Produkt der IRI-nahen Hamburger Schiitenmoschee.
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Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Sa 3. Jan 2015, 14:40

UN-Resolution spiegelt weltweite Sorge über Menschenrechtsverletzungen im Iran wider

Am 18. Dezember 2014 brachte die UN-Generalversammlung in einer Resolution ihre Sorge
über die fortwährenden Menschenrechtsverletzungen im Iran sehr deutlich zum Ausdruck.
Derweil geht die systematische Diskriminierung der iranischen Baha'i unvermindert weiter.
Die Internationale Baha'i-Gemeinde sorgt sich über die hasserfüllte Aussagen religiöser Führer gegenüber ihren Glaubensbrüdern im Iran.

Die Resolution wurde mit 83 zu 35 Stimmen und 68 Enthaltungen verabschiedet und thematisiert die „tiefe Sorge über anhaltende und wiederkehrende Menschenrechtsverletzungen“ im Iran.

Die Abstimmung bestätigt die des Dritten Ausschusses über die gleiche Resolution im November.
Sie folgt den deutlich formulierten Berichten des UN-Generalssekretärs Ban Ki-Moon und des Sonderberichterstatters für Menschenrechte im Iran, Dr. Ahmed Shaheed, die beide ihre Besorgnis über breit gefächerte und anhaltende Menschenrechtsverletzungen im Iran zum Ausdruck gebracht hatten.

„Wie diese Resolution leider zeigt, sind Iraner selbst grundlegender Menschenrechte beraubt, wie die Gewährleistung der Versammlungsfreiheit oder der Religionsfreiheit und es ist die eigene Regierung, die der eigentliche Menschenrechtsverletzer ist“, sagte Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Baha’i-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in New York....

http://www.bahai.de/artikel/datum/2014/ ... wider.html
Zuletzt geändert von Antonius am So 4. Jan 2015, 14:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Sa 21. Feb 2015, 18:35

Gemeinsame Erklärung vom 15. Januar 2015: Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland die verurteilt die Terrroranschläge in Paris.

http://www.bahai.de/artikel/datum/2015/ ... hebdo.html

"Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland teilt das allgemeine Erschrecken über die religiös verblendeten Terroristen in Frankreich gegen die Redaktion der Zeitschrift und gegen die Besucher des jüdischen Supermarktes Hyper Cacher. Er verurteilt Hass und Gewalt, ausdrücklich auch dann, wenn sie im Namen der Religion ausgeübt werden. Wer kaltblütig mordet und sich dabei auf Gott bezieht, beleidigt in Wahrheit Gott und alle an ihn glaubenden Menschen.

Wir sprechen den Opfern der Angriffe und ihren Familien unser tiefstes Mitgefühl aus.

Wir erinnern aber auch daran, dass terroristische Bewegungen in vielen Teilen der Welt das Zusammenleben der Religionen torpedieren. Ebenso treten wir mit Entschiedenheit auch den Kräften gegenüber, die die Religionsfreiheit für Muslime in Europa bestreiten. Wir unterstützen deshalb Kundgebungen und Initiativen, die für das friedliche Zusammenleben von Menschen eintreten, die verschiedenen Religionen angehören.

Der Runde Tisch wird weiter für die Einheit und die Verständigung unter den Religionen in Deutschland arbeiten. Verständnis und Dialogbereitschaft müssen das Anliegen der Religionen in Deutschland bleiben."

Dr. Franz Brendle, Geschäftsführer

Zum Hintergrund
Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland versteht sich als ein eigenständiges Gremium aus Repräsentanten der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland. Seit 1998 ist die Baha'i-Gemeinde am Runden Tisch der Religionen in Deutschland vertreten.
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » Fr 17. Apr 2015, 10:30

Neujahrsgrüße nach Teheran

Mit einem Flashmob am 21. März machte die Baha’i-Gemeinde in Köln zusammen mit zahlreichen Unterstützern
auf der Kölner Domplatte auf die Verfolgung der Baha’i im Iran aufmerksam.
Unter Präsident Rohani habe sich die Menschenrechtslage der größten religiösen Minderheit im Iran verschärft, so die Initiatoren der Aktion.
Anlässlich des Neujahrsfestes „Naw-Rúz“ appellierten die Mitglieder der Religionsgemeinschaft an die iranische Regierung
in einem offenen Brief, dem „Kölner Naw-Rúz-Appell 2015“, die inhaftierten Führungsmitglieder der Baha‘i-Gemeinde freizulassen.

Namhafte Unterstützer der Initiative sind Lale Akgün, Günther Wallraf, Mehran Barati, Monsignore Robert Kleine und Hannelore Bartscherer,
zusammen mit zahlreichen Kölner Bürgerinnen und Bürgern.
(....)

http://www.bahai.de/artikel/datum/2015/ ... heran.html
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Re: Die Baha'i

Beitragvon Antonius » So 21. Jun 2015, 22:54

Iranische Behörden schließen in großem Ausmaß Geschäfte der Baha‘i

Der Versuch, das wirtschaftliche Leben der Baha‘i-Gemeinde im Iran zu zerstören,
gehört schon seit der Islamischen Revolution 1979 zu den Facetten staatlicher Verfolgung der Baha‘i.
Damals entließ die Regierung alle Regierungsbediensteten, die der Baha‘i-Religion angehörten.
Dann ging sie dazu über, den Baha‘i im Bereich Privatwirtschaft die Geschäftslizenzen abzuerkennen.
Auf diese Art und Weise verloren Tausende von Baha‘i über die letzten dreißig Jahre ihre Arbeit und damit die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Nachdem in den neunziger Jahren der staatliche Druck etwas abnahm, hat die wirtschaftliche Strangulierung in jüngster Zeit jedoch wieder stark zugenommen.

http://www.bahai.de/artikel/datum/2015/ ... bahai.html
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)

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