Grundsatzdiskussion Islam

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rambam
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon rambam » Fr 3. Aug 2018, 00:50

think twice hat geschrieben:(02 Aug 2018, 22:35)

Aber man muss ja mit Gewalt irgendwas Negatives finden, wenn es um den Islam geht.

es scheint hier eine art wettbewerb zu geben. wer findet die hässlichste seite des islam und kann sie am abstoßesten präsentieren? wer hat den besten plan, dem islam den "garaus" zu machen? wie wird man die muslime am besten los? dabei versucht man sich dann so weit wie möglich gegenseitig zu übertrumpfen, um den anschein aufrechtzuerhalten, es handele sich noch um eine diskussion.

es macht mich traurig. ich habe hier so lange noch mitgelesen und mir dabei eingebildet, ich tue das wohl, weil ich offen bleiben wolle für andere meinungen, weil mein geist nicht nur um sich selbst kreisen sollte. das war eine selbstgefällige ausrede, die letztlich bloß meinen obszessiven hang zur selbstquälerei kaschiert. es gibt hier nichts mehr zu lernen. es gibt keinen dialog. jeder ist mit sich selbst zufrieden.

und auch diese worte sind letztlich an niemanden mehr gerichtet als mich selbst. manchmal wünsche ich mir, wir würden einfach alle miteinander verstummen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Bleibtreu » Fr 3. Aug 2018, 04:00

rambam hat geschrieben:(03 Aug 2018, 01:50)

es scheint hier eine art wettbewerb zu geben. wer findet die hässlichste seite des islam und kann sie am abstoßesten präsentieren? [...]

Da du Muslim bist, bitte ich dich diese einfache Frage ehrlich zu beantworten:

Ist diese Aussage
Ramadan is the ninth month of the Islamic calendar, and is observed by Muslims worldwide as a month of fasting (Sawm) to commemorate the first revelation of the Quran to Muhammad according to Islamic belief. [...]
von der englischen RamadanSeite auf Wikipedia, die Millionen von Muslime weltweit lesen koennen, dE zutreffend? ;)
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. // Moderatorin im Forum 2
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon TheManFromDownUnder » Fr 3. Aug 2018, 04:57

think twice hat geschrieben:(02 Aug 2018, 14:25)

Kennst du ueberhaupt Sinn und Zweck des Ramadans? Ich finde, er ist so ziemlich das Beste, was der Islam zu bieten hat. Er stärkt die Selbstdisziplin, soll ein Gefühl dafür vermitteln, wie es Menschen geht, die tatsächlich hungern müssen, zum abendlichen Fastenbrechen kommt eine Gemeinschaft zusammen und alle essen und trinken zusammen. Am Ende des Ramadans werden arme Menschen beschenkt. Dieses jährliche Ritual durchzuziehen, ist schon mal mehr als so mancher Christ zustande bringt, der am Heiligabend einmal im Jahr in die Kirche geht und als Lippenbekenntnis das Vaterunser betet.


Ich nehme an er kennt auch nicht den Sinn des christlichen Fasten

Ich empfand so den Ramadan in Malaysia. Nach Sonnenuntergang gingen die Leute auf die Strasse, die Gar Kuechen kochten fantastische Speisen. Freundliche Gesichter ueberall und fuer jeden.

Am Ende des Ramadan war ueberall offenes Haus. Das heisst jeder ist willkommen und bekommt Essen und Trinken. Wir gingen zu unseren Nachbarn, brachten eine Grusskarte zum Eid al-Fitr und fuer Kinder Suessigkeiten. Da 3 Tage Feiertag fuhren wir aufs Land und in den Kampongs (Doerfer) wurden wir immer eingeladen ins Haus zu kommen wo wir mit Essen und Trinken versorgt wurden.

Und unsere moslemische Nachbarn brachten uns auf Weihnachtskarte und wir offerierten Weihnachtsgebaeck und Getraenke.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon TheManFromDownUnder » Fr 3. Aug 2018, 05:02

Bleibtreu hat geschrieben:(02 Aug 2018, 18:54)

Richtig, die Art des Fastens ist in den Religionen unterschiedlich:

* Muslime essen & trinken waehrend des Ramadan (29 oder 30 Tage) tagsueber nichts, auch kein Sex + schlagen sich dann jeden Abend die Baeuche voll - das ist nicht gesundheitsfoerderlich, sondern eher das Gegenteil. Nicht wenige Muslime nehmen in dieser Zeit deswegen zu. Ramadan ist eine der 5 Saeulen des Islam. Seine Einhaltung steht im Quran, weil er in diesem Monat herab gesandt wurde. Der Quran soll in dieser Zeit auch einmal vollstaendig durch gelesen werden.

* Christen fasten durchgaengig 40 Tage, von AscherMittwoch bis Ostern. Heutzutage ist es in dieser Zeit ueblich auf GenussMittel wie Suessigkeiten, Rauchen, Wein, Sex und LuxusEssen zu verzichten. Das geht teilweise wie Frueher bis zu strengem Fasten, wo kaum oder gar keine Nahrung zu sich genommen wird, nur Wasser/Saft. Diese Art des Fastens hat tatsaechlich einen reinigenden/positiven Effekt. Gefastet wird im Christentum als Busse, zur Besinnung + Umkehr, als Vorbereitung auf das hohe OsterFest, die Auferstehung Jesu. Die WestKirche kennt noch eine weitere FastenZeit, die OstKirche noch 3 weitere lange.

Edit - einen ueberfluessigen Buchstaben entfernt


Hauptsache was Negatives ueber Islam! Ramadan ist ungesund! Ramadan macht fett! Ramadan ist Quatsch!
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon TheManFromDownUnder » Fr 3. Aug 2018, 05:03

rambam hat geschrieben:(03 Aug 2018, 01:50)

es scheint hier eine art wettbewerb zu geben. wer findet die hässlichste seite des islam und kann sie am abstoßesten präsentieren? wer hat den besten plan, dem islam den "garaus" zu machen? wie wird man die muslime am besten los? dabei versucht man sich dann so weit wie möglich gegenseitig zu übertrumpfen, um den anschein aufrechtzuerhalten, es handele sich noch um eine diskussion.



Das ist offensichtlich! Leider
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Misterfritz » Fr 3. Aug 2018, 05:35

Bleibtreu hat geschrieben:(02 Aug 2018, 18:54)
Diese Art des Fastens hat tatsaechlich einen reinigenden/positiven Effekt.
Was natürlich Quatsch ist.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Keoma » Fr 3. Aug 2018, 06:22

think twice hat geschrieben:(02 Aug 2018, 22:35)

Auch Muslime fasten zur Besinnung. Und es ist völlig egal, ob sie sich abends die Bäuche vollhauen oder 40 Tage durchgängig fasten. Aber man muss ja mit Gewalt irgendwas Negatives finden, wenn es um den Islam geht.


Wenn du den Unterschied nicht erkennst, ist das schon ein Jammer, im übrigen kann man im Islam völlig ohne Gewalt etwas Negatives finden.
Umgekehrt wird es schon schwieriger.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Senexx » Fr 3. Aug 2018, 06:36

rambam hat geschrieben:(03 Aug 2018, 01:50)

es scheint hier eine art wettbewerb zu geben. wer findet die hässlichste seite des islam und kann sie am abstoßesten präsentieren? wer hat den besten plan, dem islam den "garaus" zu machen? wie wird man die muslime am besten los? dabei versucht man sich dann so weit wie möglich gegenseitig zu übertrumpfen, um den anschein aufrechtzuerhalten, es handele sich noch um eine diskussion.


Wenden Sie sich besser an die hiesigen Vertreter Ihrer Glaubensrichtung und deren Sympathisanten. Es ist nämlich genau anders herum: Diese vergiften das Klima mit ihrer Unterstützung des blutrünstigen Dikatators Erdogan oder für den palästinensischen Terror und mit ihrem abgrundtiefen Hass auf unsere westlichen Werte und unsere Freiheit. Mit ihrer Intoleranz und Verachtung, dies sie uns entgegenbringen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Senexx » Fr 3. Aug 2018, 06:37

Misterfritz hat geschrieben:(03 Aug 2018, 06:35)

Was natürlich Quatsch ist.


Was daran ist Quatsch?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon think twice » Fr 3. Aug 2018, 07:29

Keoma hat geschrieben:(03 Aug 2018, 07:22)

Wenn du den Unterschied nicht erkennst, ist das schon ein Jammer, im übrigen kann man im Islam völlig ohne Gewalt etwas Negatives finden.
Umgekehrt wird es schon schwieriger.

Was ist der Unterschied? Dass die einen durchgehend fasten und die anderen nach Sonnenuntergang essen? Das ist der Grund, warum das eine Scheisse ist und das andere nicht? Die einen reinigen sich, die anderen werden fett? Man kann ja durchaus über Sinn und Zweck des religioesen Fastens diskutieren, aber das Argumentent "Ramadan macht fett im Gegensatz zum christlichen Fasten" ist offensichtliche, gezielte Diskreditierung gläubiger Muslime.

Und wenn man nicht weiter kommt, bleiben ja immer noch die bewährten Totschlagargumente:
Schau dir Erdogan an, das Schwein.
Du findest es wohl toll, wenn Muslime Frauen vergewaltigen?

Ihr seid so arm.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon think twice » Fr 3. Aug 2018, 07:33

Senexx hat geschrieben:(03 Aug 2018, 07:36)

Wenden Sie sich besser an die hiesigen Vertreter Ihrer Glaubensrichtung und deren Sympathisanten. Es ist nämlich genau anders herum: Diese vergiften das Klima mit ihrer Unterstützung des blutrünstigen Dikatators Erdogan oder für den palästinensischen Terror und mit ihrem abgrundtiefen Hass auf unsere westlichen Werte und unsere Freiheit. Mit ihrer Intoleranz und Verachtung, dies sie uns entgegenbringen.

Und du willst mich als Hetzerin bezeichnen? :D
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Keoma » Fr 3. Aug 2018, 07:36

think twice hat geschrieben:(03 Aug 2018, 08:29)

Was ist der Unterschied? Dass die einen durchgehend fasten und die anderen nach Sonnenuntergang essen? Das ist der Grund, warum das eine Scheisse ist und das andere nicht? Die einen reinigen sich, die anderen werden fett? Man kann ja durchaus über Sinn und Zweck des religioesen Fastens diskutieren, aber das Argumentent "Ramadan macht fett im Gegensatz zum christlichen Fasten" ist offensichtliche, gezielte Diskreditierung gläubiger Muslime.

Und wenn man nicht weiter kommt, bleiben ja immer noch die bewährten Totschlagargumente:
Schau dir Erdogan an, das Schwein.
Du findest es wohl toll, wenn Muslime Frauen vergewaltigen?

Ihr seid so arm.


Nun, arm würde ich Menschen nennen, die irgendeinen Unsinn machen, weil sie glauben, damit ihrem unsichtbaren Freund einen Gefallen zu tun.
Und noch einmal - wenn du den Unterschied nicht erkennst, ist das wirklich ein Jammer.
Fakten zu benennen kann keine Diskreditierung sein, wenn man Blödsinn treibt, diskreditiert man sich schon selber.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Aug 2018, 07:44

Progressiver hat geschrieben:(02 Aug 2018, 22:26)
Was Deutschland betrifft, so halte ich die Gesellschaft für derart arbeitsteilig organisiert und hochentwickelt, dass sie das baldige Absterben der Religionen gut verkraften kann. ...

Das setzt du etwas als bereits faktisch, was es so noch gar nicht ist. Und äußerst dich im weiteren dann zu Folgen und Konsequenzen einer Entwicklung, die überhaupt noch nicht absehbar ist. In einem genau zu diesem Thema passenden aktuellen Vortrag in der Reihe "swr2 wissen aula" (https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/die-evolution-der-religioesitaet/-/id=660374/did=21765466/nid=660374/1ntn129/index.html) weist der Religionswissenschaftler Michael Blume zurecht darauf hin, dass um 1900 herum mit Persönlichkeiten wie dem Wissenschaftler und Freidenker Ernst Haeckel und seiner Monismus-Lehre zumindest unter den "Gebildeten der Religionsverächter" völlig abgemachte Sache sein musste und eigentlich unhinterfragbar war, dass das Ende der Religionen unmittelbar bevor stand. Dass aber heute, auch unter Studenten gleich welcher Richtung so gut wie niemand mehr etwas mit dem Begriff "Monismus", dem "Deutschen Monistenbund" oder Haeckels Titel "Monistenpapst" etwas anfangen kann. Mit Begriffen wie "Christentum" oder "Islam" aber schon. Das soll überhaupt kein Plädoyer für Religionen oder gegen Säkularisierung sondern eher für Realismus sein.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Senexx » Fr 3. Aug 2018, 07:59

think twice hat geschrieben:(03 Aug 2018, 08:33)

Und du willst mich als Hetzerin bezeichnen? :D

Mit meinen obigen Statement habe ich genau Hetzer wie Sie gemeint. Ich sprach von den "hiesigen". Es bezieht auf die hier im Forum Anwesenden. Sie konnten es oben nicht unterlassen gegen das Christentum zu hetzen. Sie säen generell Hass. Hass auf alle Andersdenkende.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Senexx » Fr 3. Aug 2018, 08:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Aug 2018, 08:44)

Das setzt du etwas als bereits faktisch, was es so noch gar nicht ist. Und äußerst dich im weiteren dann zu Folgen und Konsequenzen einer Entwicklung, die überhaupt noch nicht absehbar ist. In einem genau zu diesem Thema passenden aktuellen Vortrag in der Reihe "swr2 wissen aula" (https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/die-evolution-der-religioesitaet/-/id=660374/did=21765466/nid=660374/1ntn129/index.html) weist der Religionswissenschaftler Michael Blume zurecht darauf hin, dass um 1900 herum mit Persönlichkeiten wie dem Wissenschaftler und Freidenker Ernst Haeckel und seiner Monismus-Lehre zumindest unter den "Gebildeten der Religionsverächter" völlig abgemachte Sache sein musste und eigentlich unhinterfragbar war,

So, so. Ersnt Haeckel, einen Vertreter der eugenischen Rassenlehre, erwähnen Sie.

Machen Sie nur weiter so. Lassen Sie die Maske endgültig fallen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Aug 2018, 08:07

Progressiver hat geschrieben:(02 Aug 2018, 22:26)
Wieso die Religionen wieder wider besseres Wissen ein Revival erleben, erschließt sich mir auch nicht. Aber vielleicht sind es die gleiche Art von Leuten, die religiös rechts werden, die auch die ganzen Trumps, Orbans, Erdogans, die polnische PIS und andere schlimme Parteien wählen?

Das ist viel viel zu einfach gedacht.

Es gibt - wie hier schon mehrfach richtig geschrieben wurde - offensichtlich ein grundsätzliches menschliches Bedürfnis nach Transzendenz, Überschreitung, Metaphysik, Erstbegründungen, Welterklärungen, nach Zusammenhangsherstellungen zwischen dem ganz persönlichen Ich und dem Universum usw. Das wird weder durch moderne Naturwissenschaft noch durch Technologie oder arbeitsteilige Produktion anulliert. Dann gibt es das Bedürfnis nach einem sozialen WIr, einer sozialen Gemeinschaft. Und dann gibt es die politische Instrumentalisierung dieser Bedürfnisse. Im Islam wie in den anderen Religionen. Und alles greift ineinander.

Wenn in Ungarn oder sonstwo in Osteuropa, besonders im ländlichen Raum, die Leute wieder zu annähernd 100 Prozent in Sonntagskleidung in die Kirche zum Sonntagsgottesdienst gehen ... wie früher mal ... dann rate ich zur Vorsicht vor scheinbar naheliegenden Denunziationen. Zum Beispiel der, dass diese Leute nicht wirklich gläubig sind, Religion nicht wirklich selbstlos und tief empfinden. Oder dass sie einfach nur dumm sind. Sie glauben in der Mehrzahl wirklich. Und es sind ebenso Ingenieure, Lehrer, Programmierer wie Leute aus einfachen Berufen. Und genauso ist dieser wiederentdeckte Traditionalismus Teil einer als Stabilisierung sozialer Gemeinschaftlichkeit empfundenen Entwicklung. Und genauso wird die Institution Kirche und ihre Symbole politisch in Ländern wie Ungarn oder Russland oder in Bundesländern wie Bayern politisch instrumentalisiert. Die Dinge sind ineinander verschränkt.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Aug 2018, 08:15

Senexx hat geschrieben:(03 Aug 2018, 09:01)
So, so. Ersnt Haeckel, einen Vertreter der eugenischen Rassenlehre, erwähnen Sie.

Ja sicher. Und wies darauf hin, dass seine Auffassungen zu bestimmten Themen (zurecht) inzwischen vergessen sind. Sollte man zum Verständnis historischer Zusammenhänge nicht auch ab und zu an Personen wie Hitler, Mao oder Stalin erinnern?

Gerade das Thema Eugenik belegt, welches Misstrauen man gegen eine allzu simplifizierte Religionskritik haben sollte. Eugenik war nicht umsonst in einem ziemlich säkularen Land wie Schweden auch noch lange in der Nachkriegszeit eine verbreitete Ideologie unter sich sozialdemokratisch verstehenden Menschen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Aug 2018, 08:33

Progressiver hat geschrieben:(02 Aug 2018, 22:26)
Gesamtgesellschaftlich betrachtet halte ich eine Erneuerung bzw. Fortentwicklung hin zu einem säkularen Humanismus dringend geboten. Denn sonst kommen aus den Tiefen der Geschichte die Religionen, Nationalismen und andere tribalistischen Ansätze wieder hervor, die den Menschen versprechen, dass sie ihnen wieder Identität und Zusammenhalt geben wollen.

Man sollte gar nicht glauben, was es an Aufklärerischem und Humanistischem in den "Tiefen der Geschichte" so gibt. Der arabisch-muslimische Philosoph Ibn RUshd alias Averroës im 12. Jahrhundert kann als die zentrale Figur einer Art von Voraufklärung gelten. Mit der Bezugnahme auf das Weltbild der Antike, insbesondere von Aristoteles, nach der das Universum besteht, immer schon bestand und immer bestehen wird stellt sich seine Philosophie direkt quer zu allen religiösen Weltbildern, die immer auch irgendeine Art von Schöpfungsmythos enthalten. Folgerichtig wird Ibn Rushd im Islam - nach einer kurzzeitigen Blüte - vergessen, von aufklärerischen Geistern im christlichen Bereich begeistert aufgenommen und von der christlichen Kirche als Ketzer angesehen.

Ibn Rushd ist in gewisser Hinsicht das Bindeglied zwischen Aristoteles und Newton. Newton brachte die unglaublich erfolgreiche und bis heute wirksame Vorstellung von einem absoluten Raum und einer absoluten Zeit. Ähnlich wie das immer schon bestehende Universum des Aristoteles.

Was nun in jüngerer Zeit passiert ist: Die Vorstellung vom absoluten Raum und einer absoluten Zeit erwiesen sich als Irrtum. Und mit dem Urknall-Modell etablierte sich die Vorstellung von einem Weltanfang. Auch wenn all diese Erkenntnisse absolut wissenschaftlich formuliert und bewiesen sind und es dabei nicht im Mindesten irgendeiner Gottesanwesenheit bedarf, ist damit vermutlich eines des kultursoziologischen Fundamente unserer westlichen Säkulargläubigkeit beschädigt. Irgendein Papst sprach von glaube ich vom Urknall als "Gottes-Beweis". Und nicht umsonst wird das kürzlich nachgewiesene Higgs-Boson zuweilen als "Gottes-Teilchen" bezeichnet. Ob diese naturwissenschaftlichen Umwälzungen tatsächlich irgendeine religionssoziologische Relevanz haben ... weiß ich nicht. Häufig wird jedoch zumindest darauf hingewiesen, dass gerade unter modernen Physikern der Anteill gläubiger Menschen überdurchschnittlich hoch ist.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Keoma » Fr 3. Aug 2018, 08:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Aug 2018, 09:33)

Man sollte gar nicht glauben, was es an Aufklärerischem und Humanistischem in den "Tiefen der Geschichte" so gibt. Der arabisch-muslimische Philosoph Ibn RUshd alias Averroës im 12. Jahrhundert kann als die zentrale Figur einer Art von Voraufklärung gelten. Mit der Bezugnahme auf das Weltbild der Antike, insbesondere von Aristoteles, nach der das Universum besteht, immer schon bestand und immer bestehen wird stellt sich seine Philosophie direkt quer zu allen religiösen Weltbildern, die immer auch irgendeine Art von Schöpfungsmythos enthalten. Folgerichtig wird Ibn Rushd im Islam - nach einer kurzzeitigen Blüte - vergessen, von aufklärerischen Geistern im christlichen Bereich begeistert aufgenommen und von der christlichen Kirche als Ketzer angesehen.

Ibn Rushd ist in gewisser Hinsicht das Bindeglied zwischen Aristoteles und Newton. Newton brachte die unglaublich erfolgreiche und bis heute wirksame Vorstellung von einem absoluten Raum und einer absoluten Zeit. Ähnlich wie das immer schon bestehende Universum des Aristoteles.

Was nun in jüngerer Zeit passiert ist: Die Vorstellung vom absoluten Raum und einer absoluten Zeit erwiesen sich als Irrtum. Und mit dem Urknall-Modell etablierte sich die Vorstellung von einem Weltanfang. Auch wenn all diese Erkenntnisse absolut wissenschaftlich formuliert und bewiesen sind und es dabei nicht im Mindesten irgendeiner Gottesanwesenheit bedarf, ist damit vermutlich eines des kultursoziologischen Fundamente unserer westlichen Säkulargläubigkeit beschädigt. Irgendein Papst sprach von glaube ich vom Urknall als "Gottes-Beweis". Und nicht umsonst wird das kürzlich nachgewiesene Higgs-Boson zuweilen als "Gottes-Teilchen" bezeichnet. Ob diese naturwissenschaftlichen Umwälzungen tatsächlich irgendeine religionssoziologische Relevanz haben ... weiß ich nicht. Häufig wird jedoch zumindest darauf hingewiesen, dass gerade unter modernen Physikern der Anteill gläubiger Menschen überdurchschnittlich hoch ist.



Das Higgs-Boson als "Gottesteilchen" zu bezeichnen, war die Idee des Verlegers von Leon Lederman, um ein trockenes Physikbuch besser verkaufen zu können.
Es selbst nannte das verzweifelt gesuchte Higgs-Boson als "goddamn particle".
Higgs ist übrigens Atheist und Stephen Hawking hat 100 Pfund darauf gewettet, dass das Higgs-Teilchen nie gefunden wird.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Aug 2018, 09:06

Keoma hat geschrieben:(03 Aug 2018, 09:39)

Das Higgs-Boson als "Gottesteilchen" zu bezeichnen, war die Idee des Verlegers von Leon Lederman, um ein trockenes Physikbuch besser verkaufen zu können.

Ja, Verkäufer wissen natürlicherweise besser als Wissenschaftler, wie allgemeine Stimmungen so einzuschätzen sind ... Ich schrieb ja: Weder für die wichtigen Erkenntnisse der Relativitätstheorie noch der Quantenphysik noch für das Urknall-Modell bedarf es irgendwelcher religiöser Faktoren. Und sie setzen auch keine bestehenden Grundlagen wie Logik, Energieerhaltung oder das Prinzip der kleinsten Wirkung außer Kraft. Dennoch: Kultursoziologisch (falls der Begriff hier richtig ist) gab es einen Bruch. Die Vorstellung einer absoluten Zeit, eines absoluten Raums, einer grundsätzlich deterministischen Welt, eines homogenen unendlichen immer schon bestehenden "ungeschöpften" Universums ist offenbar nicht haltbar. Die Erklärungen für die Existenz des Higgs-Teilchens oder für die Vorgänge unmittelbar nach dem Urknall sind für 99,99 Prozent der menschen nicht nachvollziehbar. Der Platz in der menschlichen Psyche, der für ein "Bild von der Welt" vorgesehen ist, ist irgendwie leer. Seh' ich das so falsch?
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