Grundsatzdiskussion Islam

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unity in diversity
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon unity in diversity » Di 10. Apr 2018, 02:50

relativ hat geschrieben:(10 Apr 2018, 00:32)

Glaube steht für dich also fürs Aufgeben, sagt alles über deine Einstellung zum Glauben an sich. Hoffentlich ruscht dir dabei nicht so Ausrufe wie" Um Gottes willen" oder "Oh mein Gott" herraus. :D

Jemanden im Glauben lassen, macht man, wenn man nicht will, daß er es genauer weiß.
Die weltliche Variante geht so:
"Manchmal ist es besser, jemanden in dem Glauben zu lassen, er hätte gewonnen, bis er irgendwann merkt, dass er verloren hat."
So verschafft man sich einen zeitlichen Vorsprung.
Glauben hat demnach etwas von austrixender Übertölpelung, man bremst potenzielle Konkurrenz aus, indem man das Wissen nicht teilt.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Roady66 » Di 10. Apr 2018, 06:18

Progressiver hat geschrieben:(09 Apr 2018, 21:57)

Die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, hat vor nichts und niemandem mehr Respekt. Alles wird hinterfragt. Wäre die Wissenschaft noch unter den Fittichen der katholischen Kirche, dann wäre wohl ein Großteil der modernen Fachbücher auf dem Index. Fortschritt und geistige Freiheit wären in dieser Form niemals möglich gewesen! Gerade diese ist aber nötig, um in einer offenen Gesellschaft und einem demokratischen Staat zu leben. Religionen -egal welcher Art-, sei es der Islam oder aber irgendeine christliche Heilslehre, bieten dagegen nur geschlossene Weltbilder an. Im Katholizismus durften früher die Unfehlbarkeit des Papstes sowie das Gottesgnadentum nicht hinterfragt werden. Sie wurden hinweggefegt. Im Islam darf der Koran, Mohammed und die Existenz des dort beschriebenen Allahs nicht hinterfragt oder kritisiert werden. Wer es dennoch tun, wird wie im christlichen Mittelalter mit dem Tode bestraft. Dies ist nicht nur tödlich für geistig freie Menschen. Ohne diese Geistesfreiheit bleiben die islamischen Gesellschaften auch in ihrer Untertanenkultur stecken. Fortschritt ist Fehlanzeige! Gesellschaftlich sind viele islamsische Länder im Mittelalter stecken geblieben. Und auch die modernen Technologien -Computer, moderne Waffen, medizinische Geräte etc. etc. müssen alle importiert werden. So wird das aber nichts mit der Aufholjagd gegenüber dem Westen.


Dem ist zuzustimmen. Erwähnt werden darf noch etwas. Das Grundverständnis des Islam als Gedankenbeherrschungsinstrument fehlt die Dualität im Gedankengebäude. Simpel an der Sentenz festgemacht, gebt dem Kaiser , was des Kaisers ist, Gott, was...uvm.
Hat der Islam verpasst den Anforderungen an die Emanzipation des Menschen von der Beherrschung einen Anpassungsprozess zu betreiben. Darf in jeder Debatte mit dem Isam nicht fehlen der Hinweis.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Roady66 » Di 10. Apr 2018, 06:24

unity in diversity hat geschrieben:(10 Apr 2018, 03:50)

Jemanden im Glauben lassen, macht man, wenn man nicht will, daß er es genauer weiß.
Die weltliche Variante geht so:
"Manchmal ist es besser, jemanden in dem Glauben zu lassen, er hätte gewonnen, bis er irgendwann merkt, dass er verloren hat."
So verschafft man sich einen zeitlichen Vorsprung.
Glauben hat demnach etwas von austrixender Übertölpelung, man bremst potenzielle Konkurrenz aus, indem man das Wissen nicht teilt.


Glauben hat viel mit Sozialisation und einiges mit den Synapsen zu tun.

Glauben an etwas ist nie schädlich. Ohne geht es nicht. Die größte Errungenschaft der Aufklärung ist die Versöhnung von Fides und Ratio. Die Protagonisten Habermas und Ratzinger haben das aus ihrer jeweiligen Warte heraus sehr gut dem Menschen hier verklickern können.

Fehlt dem Islam bis heute diese Versöhnung. Man fängt langsam an damit.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Di 10. Apr 2018, 09:29

Progressiver hat geschrieben:(09 Apr 2018, 21:57)

Die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, hat vor nichts und niemandem mehr Respekt. Alles wird hinterfragt. Wäre die Wissenschaft noch unter den Fittichen der katholischen Kirche, dann wäre wohl ein Großteil der modernen Fachbücher auf dem Index. Fortschritt und geistige Freiheit wären in dieser Form niemals möglich gewesen! Gerade diese ist aber nötig, um in einer offenen Gesellschaft und einem demokratischen Staat zu leben. Religionen -egal welcher Art-, sei es der Islam oder aber irgendeine christliche Heilslehre, bieten dagegen nur geschlossene Weltbilder an. Im Katholizismus durften früher die Unfehlbarkeit des Papstes sowie das Gottesgnadentum nicht hinterfragt werden. Sie wurden hinweggefegt. Im Islam darf der Koran, Mohammed und die Existenz des dort beschriebenen Allahs nicht hinterfragt oder kritisiert werden. Wer es dennoch tun, wird wie im christlichen Mittelalter mit dem Tode bestraft. Dies ist nicht nur tödlich für geistig freie Menschen. Ohne diese Geistesfreiheit bleiben die islamischen Gesellschaften auch in ihrer Untertanenkultur stecken. Fortschritt ist Fehlanzeige! Gesellschaftlich sind viele islamsische Länder im Mittelalter stecken geblieben. Und auch die modernen Technologien -Computer, moderne Waffen, medizinische Geräte etc. etc. müssen alle importiert werden. So wird das aber nichts mit der Aufholjagd gegenüber dem Westen.

Nunja das Buch über die Wahrheit des Fortschritts und der ungehemmten Ausbeutung des Planten ist noch nicht zuende geschrieben. Mal schauen welche Generation das Ende des Buches noch miterlebt.
Was Religion und Wissenschaft angeht, halte ich es mit Albert Einstein.
"Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind."
Zuletzt geändert von relativ am Di 10. Apr 2018, 13:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Di 10. Apr 2018, 09:42

unity in diversity hat geschrieben:(10 Apr 2018, 03:50)

Jemanden im Glauben lassen, macht man, wenn man nicht will, daß er es genauer weiß.
Die weltliche Variante geht so:
"Manchmal ist es besser, jemanden in dem Glauben zu lassen, er hätte gewonnen, bis er irgendwann merkt, dass er verloren hat."
So verschafft man sich einen zeitlichen Vorsprung.
Glauben hat demnach etwas von austrixender Übertölpelung, man bremst potenzielle Konkurrenz aus, indem man das Wissen nicht teilt.

Solange Glauben Privatsache bleibt, kann sich jeder selber austricksen wie es ihm beliebt.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Di 10. Apr 2018, 16:04

relativ hat geschrieben:(10 Apr 2018, 10:29)
Was Religion und Wissenschaft angeht, halte ich es mit Albert Einstein.

"Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind."

Ich mit Max Planck:
"Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln".
:thumbup:
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Orbiter1 » Fr 13. Apr 2018, 08:45

Was es nicht alles gibt. Die Queen ist offenbar mit dem Propheten Mohammed verwandt.

"Britische Stammbaum-Forscher wollen herausgefunden haben, dass Queen Elizabeth II. über 43 Generationen mit dem Propheten und Religionsgründer Mohammed verwandt ist. ... Alles in dieser Geschichte hängt von Prinzessin Zaida ab. Diese floh im 11. Jahrhundert aus ihrer Heimatstadt Sevilla im damals arabisch beherrschten Andalusien vor einem Angriff der Berber und fand Zuflucht am Hofe von Alfonso VI. von Kastilien. Dort nannte sie sich fortan Isabella, konvertierte zum Christentum und gebar Alfonso einen Sohn. Eine von dessen weiblichen Nachkommen soll später den Herzog von Cambridge geheiratet haben. Über Zaidas eigene Vorfahren gibt es widersprüchliche Angaben. Laut einer davon war sie die Tochter eines Kalifen, der vom Propheten und Religionsgründer Mohammed abstammte." Quelle: https://www.nzz.ch/international/der-pr ... ld.1376928

Vielleicht kann ja die Queen bei diesen Wurzeln eine Erneuerung des Islam anstossen. :)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Liegestuhl » Fr 13. Apr 2018, 09:09

Vielleicht könnte sie dann noch Kalifin werden.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Ammianus » Fr 13. Apr 2018, 11:14

Na ja, dass mit der Abstammung vom Propheten ist so eine Sache. Wer die "belegen" kann führt Sayyid als Ehrentitel mit in seinem Namen. Das gab und gibt Prestige. Geht man davon aus, dass in der Anfangszeit des Kalifats und auch später natürlich ein großes Interesse bestand das im Namen zu führen und wir gerade über das erste Jahrhundert des Islam eigentlich kaum etwas wissen - nach Maßstäben von Historikern - dann kann man sich vorstellen, dass da so gut wie jeder aus den damaligen Eliten an seinem Stammbaum gebastelt hat.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Dark Angel » Fr 13. Apr 2018, 14:23

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)

Ja das wäre genau die Form von Aufklärung, die ich für unangebracht hielte. Besonders wenn man bedenkt, unter den Fittichen welches Glaubens das Konzept der experimentellen Wissenschaft, Unschuldsvermutung, des multikulturellen+multireligiösen Zusammenenlebens und einiges mehr entstanden ist. Der Islam stand im Gegensatz zu vielen historischen Kapiteln der Katholischen Kirche niemals der Wissenschaft und Aufklärung (wie ich sie verstehe) im Weg.

Der Islam steht Aufklärung und Wissenschaft seit mindestens 500 Jahren im Weg.
Bis auf eine relativ kurze Zeit der Hochblüte, basierend auf den erbeuteten Schriften, die das Wissen und die Erkenntnisse unterjochter Völker aus voran gegangenen Jahrhunderten enthielten, hat der Islam/haben islamische Staaten Null-Komma-Nix zum wissenschaftlichen Fortschritt und zur Aufklärung beigetragen.
Wo sind denn die islamischen Gallileis, und Kopernikus' und Newton, Keplers Pasteurs, Darwins und Einseins?
Wo sind denn die islamischen Petrarcas, Mendelssohns, Humes, Kants, Voltaires usw?
Wo denn?

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)Natürlich kann man sagen das war alles im Mittelalter und spielt heute keine Rolle mehr, doch würde man dann verkennen was der Auslöser für die europäische Aufklärung und damit einhergehende schrittweise Säkularisierung gewesen ist, und zwar dass man etliche Denker und der Wissenschaft verschriebene Geister wie Galileo bei lebendigem Leibe verbrannt hat, weil der Papst der Auffassung war, dass seine persönliche Autorität und damit auch Macht schwinden würde, wenn seine Unfehlbarkeit zunehmend in Frage gestellt wird.

Gallilei wurde NICHT verbrannt! Galilei wurde lediglich für die Dauer seines Inquisitions-Prozesses unter Hausarrest gestellt.
Der Prozess endete kontrovers und Galilei wurde nie verurteilt.
Hinzu kommt, dass Galileis Arbeiten zu keiner Zeit verboten waren - ganz im Gegenteil, sie bilden die Grundlage moderner Astronomie und Physik.

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)Im Islam gibt es (bis auf vereinzelte Gruppen und Abspaltungen) auch keine Denkschule die der Auffassung ist, dass Mitmenschen eine absolute Unfehlbarkeit und nicht zu hinterfragende Autorität zusteht. Diese Unfehlbarkeit haben Muslime ausschließlich bei dem Koran und authentischen Überlieferungen Muhammads saws.

In einer aufgeklärten Gesellschaft kommt kein einziger Mensch auf die Idee, dass Menschen unfehlbar sein könnten - ganz im Gegenteil - Menschen hinterfragen ihre Erkenntnisse immer wieder. Nur so gelangt man zu neuen Erkenntnissen.
(aufgestellte) Theorien müssen in sich widerspruchsfrei sein, sie müssen nachvollziehbar, an und in der Realität überprüfbar und sie müssen falsifizierbar sein. Das hat so absolut gar nichts mit "absoluter Unfehlbarkeit" des Menschen zu tun.

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)Wie auch immer, am Islam scheint es ja nicht zu liegen, hat ja ziemlich lange ziemlich gut geklappt und Gründe weshalb es heutzutage nicht klappen kann müsste man mir wohl präsentieren, da ich mir keinen einleuchtenden aus den Fingern saugen könnte.
Über die Muslime mag ich hier lieber nicht reden, hat ja auch nur peripher etwas mit dem eigentlichen Thread Titel zutun und mit dem Glaubensgrundsätzen der Religion eigentlich gar nix am Hut.

Doch es liegt am Islam - es liegt daran, dass diese Religion/Ideologie in ihrem Rechtsverständnis, ihrem Menschenbild immer noch auf dem Stand einer Nomadenkultur/eines Nomadenvolkes vor 1300 Jahren hängen geblieben ist.
Und genau DAS ist das Problem!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Julian » Fr 13. Apr 2018, 22:20

Nach den Berichten des Journalisten Konstantin Schreiber über die Hasspredigten in deutschen Moscheen, gibt es nun auch ein Video dazu, wie Kinder dort auch zum Hass aufgestachelt und militärisch im Sinne des türkischen Nationalismus geschult werden.

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/mo ... -1.7512340

Wen wundert das noch? Aber ich bin mir sicher, dass man solche Umtriebe in Deutschland weiterhin dulden wird, alles andere wäre ja auch ein Eingriff in die Freiheit des Bekenntnisses. Dahinter steht ein Missverständnis, nämlich dasjenige, dass der Islam lediglich eine Religion, und keine Herrschaftsideologie darstelle.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Watchful_Eye » Fr 13. Apr 2018, 22:21

Julian hat geschrieben:(13 Apr 2018, 23:20)
Wen wundert das noch? Aber ich bin mir sicher, dass man solche Umtriebe in Deutschland weiterhin dulden wird, alles andere wäre ja auch ein Eingriff in die Freiheit des Bekenntnisses. Dahinter steht ein Missverständnis, nämlich dasjenige, dass der Islam lediglich eine Religion, und keine Herrschaftsideologie darstelle.

Dieses militärische Bekenntnis richtet sich an Erdogan und die Türkei, nicht an "den Islam". Und ja, der Militarismus und überbordernde Patriotismus der Türkei ist ein Problem.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Julian » Fr 13. Apr 2018, 22:43

Watchful_Eye hat geschrieben:(13 Apr 2018, 23:21)

Dieses militärische Bekenntnis richtet sich an Erdogan und die Türkei, nicht an "den Islam". Und ja, der Militarismus und überbordernde Patriotismus der Türkei ist ein Problem.


Islamismus und der neue Erdogan-Nationalismus sind eng miteinander verwoben. Das Ritual fand ja auch in einer Moschee statt. Der Islam ist schon immer Religion und politische Herrschaftsideologie.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Watchful_Eye » Fr 13. Apr 2018, 22:58

Julian hat geschrieben:(13 Apr 2018, 23:43)

Islamismus und der neue Erdogan-Nationalismus sind eng miteinander verwoben. Das Ritual fand ja auch in einer Moschee statt. Der Islam ist schon immer Religion und politische Herrschaftsideologie.

Wenn Menschen in muslimischen Ländern faschistisch agieren, ist das deshalb nicht gleich ein religiöser Faschismus. Sicherlich will Erdogan nebenbei auch den Islam pushen, aber primär ist er ein Nationalist.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Roady66 » Sa 14. Apr 2018, 08:12

Watchful_Eye hat geschrieben:(13 Apr 2018, 23:58)

Wenn Menschen in muslimischen Ländern faschistisch agieren, ist das deshalb nicht gleich ein religiöser Faschismus. Sicherlich will Erdogan nebenbei auch den Islam pushen, aber primär ist er ein Nationalist.


So ist das.

Autokraten und Nationalchauvinisten wie Erdogan, Putin, balkanesische Minipotentaten brauchen die religiöse Verbrämung ihrer Ideenwelt um eine Rückversicherung und Bestärkung ihrer Ideen in der Gedankenwelt ihrer Anhänger zu pfanzen. Das deus vult erzeugt für die Typen auch heute noch magische Momente bei ihrem Volk. Daraus können auch Rückschlüsse auf das Volk gezogen werden, über das die Autokraten herrschen. Wer braucht son Volk überhaupt ?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Sa 14. Apr 2018, 21:21

relativ hat geschrieben:(10 Apr 2018, 00:32)

Glaube steht für dich also fürs Aufgeben, sagt alles über deine Einstellung zum Glauben an sich. Hoffentlich ruscht dir dabei nicht so Ausrufe wie" Um Gottes willen" oder "Oh mein Gott" herraus. :D


Es stimmt: Ich besaß in der Vergangenheit kein allzu großes Urvertrauen. Einerseits. Aber wenn ich stattdessen in einer aussichtslosen Situation anfangen würde, zu beten oder irgendwelche Außerirdische oder das Universum anzurufen, nur weil das irgendwelche Leute auch so tun, dann wäre das für mich in etwa so, wie wenn ich zustimmen müsste, wenn die Religionen quasi behaupten, dass Eins und Eins gleich Drei ergibt. Und wer lässt sich schon freiwillig brechen?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon van Kessel » Fr 20. Apr 2018, 11:36

Es ist mit Sicherheit hier schon diskutiert worden, dass wir ohne den Islam noch mit römischen Symbolen rechnen, oder die Wissenschaften von Chemie (Al-chemie), Mathematik (Al-Gebra) schlicht nicht in unserem Genpool hätten.
Auch die Erkenntnisse griechischer Philosophen hätten keinen Weg ins Abendland gefunden und mit der Medizinwissenschaft sähe es arg aus.

So basiert die europäische 'Aufklärung' zu großen Teilen auf den Erkenntnissen arabischer (moslemischer) Menschen. Wenn man sich allerdings nur auf den expansiven Islam 'aufregt', findet man reichlich Munition für seine Xenophobie (um mal den Unsinn-begriff von Rassismus zu verhindern).

Lange genug unter und mit Moslems gelebt, um zu bestätigen, dass die Menschen mit diesem Glauben keinem etwas Böses wollen. Wie auch der westliche Mensch keinem Moslem an die Gurgel will, wenn all diese Menschen nicht von einer 'öffentlichen' Meinung perforiert wären. Es gibt immer wieder 'Führer' welche eine Religion als Transportmittel ihrer Ideologie benutzen (Erdoğan ist so ein Mensch). Der normale Mensch aber, hat die gleichen Ängste vor der Zukunft wie auch der westliche Mensch.

Der Glaube an etwas 'außermenschliches' ist der Preis für die 'Menschwerdung'. Die Ablösung all der vielen kleinen, lokalen Gottheiten (Idole) durch den einen Gott, schuf leider die Auseinandersetzung über den Primat von Göttern. Btw. wären wir mit einem 'Heidentum' besser gefahren; aber es kam bekanntlich anders.

Man muss nun nicht gleich wieder Lessings Nathan bemühen, um die eigentliche Gleichheit von Religionen zu bestätigen. Die eigentliche Aufgabe ist es, den Leadern dieser Welt, ihre religiöse Maske vom Gesicht zu reißen. Sitten und Handlungen, welche religiös begründet sind (und nicht im Widerspruch zu unvermeidlichen Gesetzen stehen) sind zu tolerieren.

Als bei einer muslimischen Taufe eine Rasierklinge zum Einsatz kam, wollte ich einschreiten. Habe es aber wohlweislich unterlassen, denn wie sich herausstellte, wurde sie benutzt, um die feinen Härchen des Täuflings an der Schläfe zu entfernen, damit es dort gesalbt werden konnte. So sind Sitten und Gebräuche oft unverständlich und 'fremd'. Moslems werden sich aber darüber wundern, wieso ein getrocknetes Stückchen Brot, einen ganzen Gott repräsentieren sollte.

Es ist der Büchner' Satz vom Frieden für die Hütten und des Krieges für die Paläste, neu zu interpretieren. Man sollten den 'Kaisers' die religiös verbrämten Mäntelchen ausziehen.

Dass es etwas gibt, was außerhalb des menschlichen Auffassungsvermögens steht - und Glaube genannt wird - ist nun nicht eine so neue Erfahrung. Die Idee hinter unserer Existenz kann geleugnet werden. Seltsam ist nur, dass alle Menschen diese 'Idee' in sich tragen und mit verschiedenen 'Religionen' verstehen wollen. Selbst das Leugnen dieser Idee, verursacht schon erhebliche, gedankliche Anstrengungen, als ob man dadurch die Matrize Mensch würde ändern können?

Da der Glaube universal scheint - sobald eine gewisse Stufe von atomarer Konzentration erreicht ist - ist es dumm die Menschen dafür zu verurteilen, dass sie nicht alle das Eine glauben, sondern sich in Gedankenmodellen zerfasert haben.

Ich wurde von einem 'Moslem' überfallen, welcher an meine Barschaft wollte. Andere 'Moslems', welche in die Moschee wollten (es war freitags um Mittag) sprangen aus ihrem Auto und wollten mir beistehen (obwohl der Bengel schon das Weite gesucht hatte). Mit dieser Story will ich sagen, dass der Glaube unerheblich (weil ureigene Sache) ist, sondern nur die Taten von Menschen relevant sind.

Wenn irgendwelche Menschen meinen, einen Gottesnamen guttural (wie ein Araber) auszusprechen, so ist dies albern, denn der größte Teil der Muslime spricht ihn entsprechend ihrer Landessprache aus. Dies ist schon der Versuch, einen Glauben zu instrumentalisieren; dann beginnt schon die Gehirnwäsche.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Fr 20. Apr 2018, 12:54

Julian hat geschrieben:(13 Apr 2018, 23:43)

Islamismus und der neue Erdogan-Nationalismus sind eng miteinander verwoben. Das Ritual fand ja auch in einer Moschee statt. Der Islam ist schon immer Religion und politische Herrschaftsideologie.

Hättest du geschrieben, der Islam wurde schon immer von den Herrschern instrumentalisiert und benutzt, dann hätte ich dir zustimmen können.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Fr 20. Apr 2018, 23:42

van Kessel hat geschrieben:(20 Apr 2018, 12:36)

Es ist mit Sicherheit hier schon diskutiert worden, dass wir ohne den Islam noch mit römischen Symbolen rechnen, oder die Wissenschaften von Chemie (Al-chemie), Mathematik (Al-Gebra) schlicht nicht in unserem Genpool hätten.
Auch die Erkenntnisse griechischer Philosophen hätten keinen Weg ins Abendland gefunden und mit der Medizinwissenschaft sähe es arg aus.

So basiert die europäische 'Aufklärung' zu großen Teilen auf den Erkenntnissen arabischer (moslemischer) Menschen. Wenn man sich allerdings nur auf den expansiven Islam 'aufregt', findet man reichlich Munition für seine Xenophobie (um mal den Unsinn-begriff von Rassismus zu verhindern).


Es gab aber bei den antiken griechischen Philosophen solche, die dem Atheismus anhingen. Die europäische Aufklärung hat diesen wieder entdeckt. Von den Muslimen kam zweifelsfrei einiges zu uns herüber. Der Atheismus hingegen nicht. Und auch die alten Römer kannten bekanntlich ihren Lukrez.

Wenn also das westliche Europa irgendwo ein Alleinstellungsmerkmal hat, dann in der Hinsicht, dass es hier so etwas wie wissenschaftlichen Fortschritt, Demokratie und Meinungsfreiheit gibt. Das alte, feudalistische Europa kannte dies nicht. Dies kann aber genau so für so gut wie alle anderen menschlichen Gesellschaften gelten.

Wenn es also eine realistische Art zu leben geben kann, dann ist das die sogenannte offene Gesellschaft. Wenn die Leute dann noch materialistisch eingestellt und sich somit ihrer eigenen Sterblichkeit bzw. Endlichkeit bewusst sind, ist das eine gute Basis. Natürlich fehlt uns irgendwie eine ideologische Basis fürs Gemeinsame. Aber geschlossene totalitäre Denksysteme wie sie die Religionen anbieten, sind da keine Alternative. Unsere offene Gesellschaft hat bewusst keinen Gründungsmythos, auf den sie sich stützen kann. Das braucht es aber auch nicht.

Dass es etwas gibt, was außerhalb des menschlichen Auffassungsvermögens steht - und Glaube genannt wird - ist nun nicht eine so neue Erfahrung. Die Idee hinter unserer Existenz kann geleugnet werden. Seltsam ist nur, dass alle Menschen diese 'Idee' in sich tragen und mit verschiedenen 'Religionen' verstehen wollen. Selbst das Leugnen dieser Idee, verursacht schon erhebliche, gedankliche Anstrengungen, als ob man dadurch die Matrize Mensch würde ändern können?


Nein, Skeptizismus ist ganz einfach. Die Religionen wollten vielleicht ursprünglich mal eine komplexe Welt einfach darstellen und ihr einen allumfassenden Sinn geben. Diesen Sinn gibt es aber nicht. Es gibt keinen allgemeinen Sinn des Lebens. Jeder muss sich seinen eigenen suchen. Dafür braucht es aber keine Religion.

Da der Glaube universal scheint - sobald eine gewisse Stufe von atomarer Konzentration erreicht ist - ist es dumm die Menschen dafür zu verurteilen, dass sie nicht alle das Eine glauben, sondern sich in Gedankenmodellen zerfasert haben.


Wie ich schon schrieb: "das Eine", der eine allumfassende Sinn halte ich für eine Selbsttäuschung des menschlichen Gehirns. Wenn es etwas gibt, dann ist es die menschliche Neugier und das Staunen über die Welt bzw. das Universum. Dies muss der Mensch aber aushalten können, dass dieser Zustand nicht erklärt werden kann. Religionen dagegen liefern sofort eine Welterklärung nach. Dies bietet zwar eine scheinbare Sicherheit. Aber die Neugier und das Staunen werden quasi getötet. Das Ergebnis sind Welterklärungsmodelle, die eine klaustrophobische Enge bieten. Gesellschaftliche Dynamik bzw. Fortschritt ist so unmöglich. Die Menschen bleiben geistig in ihren total geschlossenen Denksystemen gefangen.
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