Grundsatzdiskussion Islam

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Antonius
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Fr 20. Jul 2018, 00:25

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Jul 2018, 11:31)
Bin mal gespannt welche konservativen Islamverbände dann überhaupt noch zur Islamkonferenz kommen. Die tun sich ja teilweise etwas schwer damit wenn liberalere Vorstellungen zum Islam geäußert werden.
Das mag sein.
Aber es ist offensichtlich, daß die Islamverbände hierzulande die Verpflichtung haben, die überfälligen Reformen in ihrem Bereich in die Wege zu leiten.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Mo 23. Jul 2018, 11:17

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Jul 2018, 11:05)

Innenminister Seehofer möchte die Islamkonferenz auf neue Beine stellen. Er will neben den konservativen Islamverbänden auch wieder Einzelpersonen zulassen. Es geht um die Frage ob es einen "deutschen Islam" geben kann.

"Die Frage sei, ob es einen "deutschen Islam" geben könne, der auf den rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Deutschland basiere, sagte der für den Themenbereich "Heimat" zuständige Staatssekretär. Die Antwort könnten nur deutsche Muslime geben. "Der Staat kann dafür nur Rahmenbedingungen schaffen", sagte Kerber. "Fest steht: Es gibt einen deutschen Katholizismus, es gibt einen deutschen Protestantismus, und es gibt ein deutsches Judentum. Und wenn es einen Islam geben soll, der zu Deutschland gehört, dann müssen die deutschen Muslime ihn als 'deutschen Islam' definieren - und zwar auf dem Boden unserer Verfassung." Das werde die Aufgabe der nächsten Islamkonferenz sein, sagte der Staatssekretär." Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/islamkonferenz-117.html

Wird bei 4 bis 5 Mio Moslems in Deutschland auch allerhöchste Zeit diese Frage zu klären.


Die Vorstellung es sollte einen deutschen Islam geben ist ebenso befremdlich wie realitätsfern wenn man sich in Erinnerung ruft, dass es keinen bengalischen, türkischen oder senegalesischen Islam etc. gibt. Klingt für mich eher wie eine Show die der Seehofer abzieht um potentielle Wähler anzuziehen, dass das ganze (vermutlich) nicht klappen wird spielt ihm am Ende nur noch in die Arme.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Mo 23. Jul 2018, 11:17

Antonius hat geschrieben:(20 Jul 2018, 01:25)

Das mag sein.
Aber es ist offensichtlich, daß die Islamverbände hierzulande die Verpflichtung haben, die überfälligen Reformen in ihrem Bereich in die Wege zu leiten.


Was genau ist denn daran so offensichtlich?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Mo 23. Jul 2018, 20:36

keinproblem hat geschrieben:(23 Jul 2018, 12:17)

Die Vorstellung es sollte einen deutschen Islam geben ist ebenso befremdlich wie realitätsfern wenn man sich in Erinnerung ruft, dass es keinen bengalischen, türkischen oder senegalesischen Islam etc. gibt. Klingt für mich eher wie eine Show die der Seehofer abzieht um potentielle Wähler anzuziehen, dass das ganze (vermutlich) nicht klappen wird spielt ihm am Ende nur noch in die Arme.


Du scheinst da etwas nicht zu verstehen. "In Rom lebe, wie es die Römer tun." Schon Bassam Tibi forderte einen "Euro-Islam", der sich meines Wissens an westlicher Demokratie und Menschenrechten orientieren sollte. Und genau das wird auch hier gefordert: Gewaltfreiheit, Treue zum Grundgesetz als oberste Instanz des Zusammenlebens etc. Wem das nicht passt, der kriegt logischerweise Ärger mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und/oder dem Verfassungsschutz.

Was Bassam Tibi betrifft, so zieht er es jedenfalls vor, in Europa zu leben, wo er den Frieden genießen kann, während die Muslime im Nahen Osten und insbesondere in seiner Heimat Syrien sich gegenseitig abschlachten. Und warum sind denn in der Vergangenheit so viele Syrer ausgerechnet ins gottlose Deutschland geflüchtet anstatt ins superislamische Saudi-Arabien? Vermutlich, weil es hier besser ist, oder? Sollte es da nicht Pflicht sein, sich nun ebenfalls an die gesellschaftlichen Regeln zu halten, die den Frieden garantieren?

Zurück zu Horst Seehofer und seinen Kumpanen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Einhaltung des Grundgesetzes allzu laut einfordern wird, wenn er nicht einseitig blind ist. Das Grundgesetz -der beste Gesetzestext und Rechtekatalog, den Deutschland je hervorgebracht hat- fordert nämlich auch, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Keiner darf aufgrund seines Geschlechtes, seiner Herkunft usw. benachteiligt werden. Genau dies geschieht aber 1. in dem Männerbund CSU und 2. in der katholischen Kirche, bei der es nicht einmal Priesterinnen geben darf. Und ja: Auch Deutsche haben manchmal ein grundsätzliches Problem mit unserer Verfassung. Weswegen es auch den NSU-Komplex gab und gibt. Und auch hier scheint der Verfassungsschutz und die deutsche Politik blind zu sein. Aber das wird sicher schon in anderen Threads diskutiert und gehört nicht in das Religionsunterforum.

Es ist also nicht alles gut in Deutschland und Europa. Trotzdem ist das Grundgesetz nicht eine Handlungsempfehlung, der man sich anschließen kann, oder auch nicht. Nein, es ist die Basis unserer aller Zusammenlebens. Und wer sich hierzulande nicht an die Spielregeln hält, dem droht eben gesellschaftlicher Ausschluss oder aber, wenn er kriminell wird, der Knast. Dies gilt im Übrigen für jeden und jede, egal ob er oder sie hier geboren wurde oder nicht.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Mo 23. Jul 2018, 21:51

Progressiver hat geschrieben:(23 Jul 2018, 21:36)

Du scheinst da etwas nicht zu verstehen. "In Rom lebe, wie es die Römer tun." Schon Bassam Tibi forderte einen "Euro-Islam", der sich meines Wissens an westlicher Demokratie und Menschenrechten orientieren sollte. Und genau das wird auch hier gefordert: Gewaltfreiheit, Treue zum Grundgesetz als oberste Instanz des Zusammenlebens etc. Wem das nicht passt, der kriegt logischerweise Ärger mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und/oder dem Verfassungsschutz.

Dass der "staatenlose Islam" bereits ein einhalten von Regeln und Gesetzen anderer Länder in denen man lebt vorschreibt ist vielen leider unbekannt, wo es die Debatte doch um ein vielfaches erleichtern könnte.

Was Bassam Tibi betrifft, so zieht er es jedenfalls vor, in Europa zu leben, wo er den Frieden genießen kann, während die Muslime im Nahen Osten und insbesondere in seiner Heimat Syrien sich gegenseitig abschlachten. Und warum sind denn in der Vergangenheit so viele Syrer ausgerechnet ins gottlose Deutschland geflüchtet anstatt ins superislamische Saudi-Arabien? Vermutlich, weil es hier besser ist, oder? Sollte es da nicht Pflicht sein, sich nun ebenfalls an die gesellschaftlichen Regeln zu halten, die den Frieden garantieren?

Das "superislamische" Saudi-Arabien ist eine Monarchie, was schon der alleinigen Kernessenz eines islamischen Staates antagonistisch gegenüber steht. Weshalb Saudi Arabien oder der Iran nicht "superislamisch" sind wurde in diesem Strang schon oft genug durch die Mangel genommen.



Zurück zu Horst Seehofer und seinen Kumpanen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Einhaltung des Grundgesetzes allzu laut einfordern wird, wenn er nicht einseitig blind ist. Das Grundgesetz -der beste Gesetzestext und Rechtekatalog, den Deutschland je hervorgebracht hat- fordert nämlich auch, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Keiner darf aufgrund seines Geschlechtes, seiner Herkunft usw. benachteiligt werden. Genau dies geschieht aber 1. in dem Männerbund CSU und 2. in der katholischen Kirche, bei der es nicht einmal Priesterinnen geben darf. Und ja: Auch Deutsche haben manchmal ein grundsätzliches Problem mit unserer Verfassung. Weswegen es auch den NSU-Komplex gab und gibt. Und auch hier scheint der Verfassungsschutz und die deutsche Politik blind zu sein. Aber das wird sicher schon in anderen Threads diskutiert und gehört nicht in das Religionsunterforum.

Dass es keine Priesterinnen gibt findest du ernsthaft diskriminierend? Das ist ja die Höhe.

Es ist also nicht alles gut in Deutschland und Europa. Trotzdem ist das Grundgesetz nicht eine Handlungsempfehlung, der man sich anschließen kann, oder auch nicht. Nein, es ist die Basis unserer aller Zusammenlebens. Und wer sich hierzulande nicht an die Spielregeln hält, dem droht eben gesellschaftlicher Ausschluss oder aber, wenn er kriminell wird, der Knast. Dies gilt im Übrigen für jeden und jede, egal ob er oder sie hier geboren wurde oder nicht.

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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Mo 23. Jul 2018, 23:26

keinproblem hat geschrieben:(23 Jul 2018, 12:17)

Was genau ist denn daran so offensichtlich?

Nun, offensichtlich sind vor allem die politischen und ethischen Defizite in der Religions-Ideologie des Islam.
Eine Religion sollte aber vor allem durch die Qualität ihrer Theologie und Spiritualität glänzen.
Das ist beim Islam leider nicht der Fall; politische Begriffe wie Sharia und Dschihad spielen offenbar eine wichtige Rolle.

Jedes System - und Religionen sind auch Systeme - benötigt im Laufe der Zeit immer wieder reformatorische Schritte, um die Daseinberechtigung zu erhalten.
Und daß Reformen in Religionen möglich sind, haben beispielsweise sowohl das Judentum als auch das Christentum im Laufe ihrer Geschichte gezeigt.
ECCLESIA SEMPER REFORMANDA - (Reformfähigkeit und -notwendigkeit sind immer notwendig).
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Di 24. Jul 2018, 00:01

Antonius hat geschrieben:(24 Jul 2018, 00:26)

Nun, offensichtlich sind vor allem die politischen und ethischen Defizite in der Religions-Ideologie des Islam.
Eine Religion sollte aber vor allem durch die Qualität ihrer Theologie und Spiritualität glänzen.
Das ist beim Islam leider nicht der Fall; politische Begriffe wie Sharia und Dschihad spielen offenbar eine wichtige Rolle.

Jedes System - und Religionen sind auch Systeme - benötigt im Laufe der Zeit immer wieder reformatorische Schritte, um die Daseinberechtigung zu erhalten.
Und daß Reformen in Religionen möglich sind, haben beispielsweise sowohl das Judentum als auch das Christentum im Laufe ihrer Geschichte gezeigt.
ECCLESIA SEMPER REFORMANDA - (Reformfähigkeit und -notwendigkeit sind immer notwendig).


Es soll Forscher geben, die behaupten, dass der Islam aus einer syrisch-aramäisch sprechenden jüdisch-christlichen Sekte entstand. Und zumindest bei den Christen des Nahen Ostens, trat er dabei offene Türen ein, weil sich die Ägypter usw. eine Wesensgleichheit von Jesus und seinem Gottvater sowieso nicht vorstellen konnten

Was das Christentum betrifft: Ich zweifele weiterhin, dass es irgendwann einmal eine Päbstin geben wird. Soweit zum Thema Reformfähigkeit.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Di 24. Jul 2018, 21:27

Antonius hat geschrieben:(24 Jul 2018, 00:26)

Nun, offensichtlich sind vor allem die politischen und ethischen Defizite in der Religions-Ideologie des Islam.
Eine Religion sollte aber vor allem durch die Qualität ihrer Theologie und Spiritualität glänzen.

Ein paar Sachen aufzählen und sie als offensichtlich brandmarken ist jetzt irgendwie keine konkrete Antwort auf meine Frage, meinst du nicht?
Das ist beim Islam leider nicht der Fall; politische Begriffe wie Sharia und Dschihad spielen offenbar eine wichtige Rolle.

Ich habe die leise Vermutung, dass du nicht weißt was diese beiden Begriffe bedeuten und du sie einige Male in einer erschreckenden Schlagzeile des Focus gelesen hast.


Jedes System - und Religionen sind auch Systeme - benötigt im Laufe der Zeit immer wieder reformatorische Schritte, um die Daseinberechtigung zu erhalten.
Und daß Reformen in Religionen möglich sind, haben beispielsweise sowohl das Judentum als auch das Christentum im Laufe ihrer Geschichte gezeigt.
ECCLESIA SEMPER REFORMANDA - (Reformfähigkeit und -notwendigkeit sind immer notwendig).

Eines verstehe ich nicht ganz und habe ich mich schon öfter gefragt Antonius, wenn christliche Reformer wie du ja einer zu seien scheinst der Meinung sind, dass es Gott gibt und er euch Propheten mit Schriften gesandt hat, warum ist man dann der Meinung diese als Mensch zu reformieren?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Do 26. Jul 2018, 18:35

keinproblem hat geschrieben:(24 Jul 2018, 22:27)
Ein paar Sachen aufzählen und sie als offensichtlich brandmarken ist jetzt irgendwie keine konkrete Antwort auf meine Frage, meinst du nicht?
Ich habe die leise Vermutung, dass du nicht weißt was diese beiden Begriffe bedeuten und du sie einige Male in einer erschreckenden Schlagzeile des Focus gelesen hast.
Ich habe die genannten Begriffe in der wissenschaftlichen Literatur kennengelernt.
Die Islamwissenschaftlerinnen Dr. Christine Schirrmacher und Dr. Ursula Spuler-Stegemann haben sich u.a. mit dem Thema "sharia" (*) befaßt:

(*) Christine Schirrmacher, Ursula Spuler-Stegemann, Die Frauen und die Scharia, Hugendubel Verlag, München 2004.
Siehe auch:
https://www.perlentaucher.de/buch/chris ... haria.html

Es gibt jedoch weitere Wissenschaftler und Publizisten, die sich mit den Themen "sharia" und "dschihad" auseinandergesetzt haben (und die ich zu studieren das Vergnügen hatte).

keinproblem hat geschrieben:[url=http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=4258857#p4258857] (24 Jul 2018, 22:27)[/url
Eines verstehe ich nicht ganz und habe ich mich schon öfter gefragt Antonius, wenn christliche Reformer wie du ja einer zu seien scheinst der Meinung sind, dass es Gott gibt und er euch Propheten mit Schriften gesandt hat, warum ist man dann der Meinung diese als Mensch zu reformieren?
Das sollte eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein. Der Mensch ist verantwortlich für das, wie er sich im täglichen Leben entscheidet.
Die christlichen Grundglaubenswahrheiten, wie beispielsweise die Hl. Dreifaltigkeit, sind davon nicht berührt.

Papst Benedikt XVI. sagt dazu in seinem ersten Jesus-Buch (**) u.a.:
Das politische, wirtschaftliche und soziale System ist aus der Sakralität entlassen,
der Christ ist also frei, in diesen Bereichen aus eigener Erkenntnis und Verantwortung zu entscheiden.


(**) Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder Verlag, Freiburg, 2006.

PS.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Do 26. Jul 2018, 19:23

Antonius hat geschrieben:(26 Jul 2018, 19:35)

Ich habe die genannten Begriffe in der wissenschaftlichen Literatur kennengelernt.
Die Islamwissenschaftlerinnen Dr. Christine Schirrmacher und Dr. Ursula Spuler-Stegemann haben sich u.a. mit dem Thema "sharia" (*) befaßt:

(*) Christine Schirrmacher, Ursula Spuler-Stegemann, Die Frauen und die Scharia, Hugendubel Verlag, München 2004.
Siehe auch:
https://www.perlentaucher.de/buch/chris ... haria.html

Es gibt jedoch weitere Wissenschaftler und Publizisten, die sich mit den Themen "sharia" und "dschihad" auseinandergesetzt haben (und die ich studiert habe).


Nun ich habe mir jetzt nur den Klappentext von diesem Machwerk durchgelesen und ehrlich gesagt nicht den Eindruck gewonnen, dass sich die Autorin um Neutralität oder gar Sachlichkeit bemüht hat (auch in Anbetracht der Tatsache, dass Zusammenfassungen in der Regel prekärer formuliert sind als das Werk).
Aber kannst du selber etwas mit den zwei Begriffen anfangen bzw. sie mit eigenen Worten erklären, oder kennst du nur Publizisten die darüber mal geschrieben haben?


PS.
Was bedeutet der Name Al-Ayyubi? Welche Bedeutung hat er?


Al-Ayyubi bedeutet jemand der dem Propheten Ayub/Hiob ähnlich ist.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Ammianus » Do 26. Jul 2018, 20:12

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen z.B. Koran und Texten der Bibel. Diese sind, wenigstens nach protestantischer Auffassung von Menschen geschrieben, die von Gott verschieden stark inspiriert waren. Es ist nicht 1 zu 1 Gottes Wort. Und damit sind verschiedene Auslegungen und eben auch Reformen durchaus möglich und haben ja such stattgefunden. Und genau dies ist einer der wesentlichen historischen Momente, die dazu geführt haben, dass jetzt Wasser unter der Oberfläche des Mars entdeckt wurde.

Noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts war die islamische Welt gerade einmal dabei, sich damit abzufinden, dass die Erde wohl doch eine Kugel ist. Aber das unser Planet dann auch noch die Sonne umkreist und nicht umgekehrt, hielt man dann doch für eine typische Spinnerei der Franken, die auch Leute, die keine Theologen waren als Gelehrte ansahen oder ihre Frauen überall in der Öffentlichkeit rumlaufen ließen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Do 26. Jul 2018, 22:54

Ammianus hat geschrieben:(26 Jul 2018, 21:12)
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen z.B. Koran und Texten der Bibel. Diese sind, wenigstens nach protestantischer Auffassung von Menschen geschrieben, die von Gott verschieden stark inspiriert waren. Es ist nicht 1 zu 1 Gottes Wort. Und damit sind verschiedene Auslegungen und eben auch Reformen durchaus möglich und haben ja such stattgefunden. Und genau dies ist einer der wesentlichen historischen Momente, die dazu geführt haben, dass jetzt Wasser unter der Oberfläche des Mars entdeckt wurde.(...)

Die katholische Kirche sieht es genau so; die Bibel wurde "von Menschen geschrieben, die von Gott verschieden stark inspiriert waren."
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Zunder » Fr 27. Jul 2018, 00:43

keinproblem hat geschrieben:(23 Jul 2018, 22:51)
Dass es keine Priesterinnen gibt findest du ernsthaft diskriminierend?

Du nicht?

Klar, es gibt ja auch keine Imamin. Jedenfalls nicht für Islamfundis. Und wenn doch, wird sie mit Todesdrohungen beglückt, nicht wahr?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Senexx » Fr 27. Jul 2018, 05:13

keinproblem hat geschrieben:(24 Jul 2018, 22:27)


Eines verstehe ich nicht ganz und habe ich mich schon öfter gefragt Antonius, wenn christliche Reformer wie du ja einer zu seien scheinst der Meinung sind, dass es Gott gibt und er euch Propheten mit Schriften gesandt hat, warum ist man dann der Meinung diese als Mensch zu reformieren?

Das steht doch schon und der Bibel: Geht hin und macht euch die Erde untertan.

Das ist die Aufforderung, das Leben und auch dessen Regeln selbst zu gestalten. Und zugleich eine scharfe Warnung vor der Grünen-Ideologie, die den Menschen als Quantité negligeable ansieht und ihn dem Feldhamster unterordnet.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Fr 27. Jul 2018, 09:52

Ammianus hat geschrieben:(26 Jul 2018, 21:12)
...Noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts war die islamische Welt gerade einmal dabei, sich damit abzufinden, dass die Erde wohl doch eine Kugel ist. Aber das unser Planet dann auch noch die Sonne umkreist und nicht umgekehrt, hielt man dann doch für eine typische Spinnerei der Franken,..

Dein Kommentar zur "islamischen" Welt ist allerdings nur nicht OT, wenn es bei den Gelehrten jener Zeit eine klare unmissverständliche Primärquelle gibt, auf die sie sich stützen. Zumindest unter "Grundsatzdiskussion Islam" könnte man ja eigentlich erwarten, dass es um die Religion und nicht die vermeintlich hinterwäldlerischen Anhänger geht.

Zunder hat geschrieben:(27 Jul 2018, 01:43)

Du nicht?

Klar, es gibt ja auch keine Imamin. Jedenfalls nicht für Islamfundis. Und wenn doch, wird sie mit Todesdrohungen beglückt, nicht wahr?


Natürlich ist das nicht diskriminierend. Es ist Konsens, dass Frauen das Gemeinschaftsgebet hinter den Männern verrichten. Wenn du dann daraus schlussfolgern möchtest, dass die Frau in der Religion deswegen weniger wert ist, dann ist das dein Bier. Der Imam (Vorbeter) ist vor der Gemeinschaft beim Gebet und führt es an, erkennst du den Widerspruch?
Anders als in anderen Weltreligionen gab es schon seit jeher weibliche Gelehrte im Islam, eine Berufung die mehr wiegt als die des Imams.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Ammianus » Fr 27. Jul 2018, 10:41

keinproblem hat geschrieben:(27 Jul 2018, 10:52)

Dein Kommentar zur "islamischen" Welt ist allerdings nur nicht OT, wenn es bei den Gelehrten jener Zeit eine klare unmissverständliche Primärquelle gibt, auf die sie sich stützen. Zumindest unter "Grundsatzdiskussion Islam" könnte man ja eigentlich erwarten, dass es um die Religion und nicht die vermeintlich hinterwäldlerischen Anhänger geht.

...



Ein Hinterwäldler?

https://de.wikipedia.org/wiki/Rifa%E2%80%99a_at-Tahtawi

Ich empfehle jedem Interessierten dessen Buch über das von ihm erlebte Europa zu lesen. Selbst war ich erstaunt. Gab es doch in der 1. Hälfte des 2. Jahrtausends sehr wohl auch Gelehrte in der islamischen Welt, die von der Kugelgestalt der Erde ausgingen. Doch durchgesetzt haben sich die Konservativen und nicht die potentiellen Reformer. Und damit waren Stagnation und Abstieg bis in die heutige Zeit vorprogrammiert.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Zunder » Fr 27. Jul 2018, 12:44

keinproblem hat geschrieben:(27 Jul 2018, 10:52)

Natürlich ist das nicht diskriminierend. Es ist Konsens, dass Frauen das Gemeinschaftsgebet hinter den Männern verrichten. Wenn du dann daraus schlussfolgern möchtest, dass die Frau in der Religion deswegen weniger wert ist, dann ist das dein Bier. Der Imam (Vorbeter) ist vor der Gemeinschaft beim Gebet und führt es an, erkennst du den Widerspruch?
Anders als in anderen Weltreligionen gab es schon seit jeher weibliche Gelehrte im Islam, eine Berufung die mehr wiegt als die des Imams.

Frauen von bestimmten Tätigkeiten auszuschließen, nur weil sie Frauen sind, kann nur dann als nicht diskriminierend angesehen werden, wenn die Frau ihrer biologischen Identität nach oder infolge des absoluten Willen Gottes als unqualifiziert bestimmt wird. Das ist purer Faschismus.

Der angebliche Konsens über die Stellung der Frau ist eine chauvinistische Lüge:

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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Fr 27. Jul 2018, 13:00

Zunder hat geschrieben:(27 Jul 2018, 13:44)

Frauen von bestimmten Tätigkeiten auszuschließen, nur weil sie Frauen sind, kann nur dann als nicht diskriminierend angesehen werden, wenn die Frau ihrer biologischen Identität nach oder infolge des absoluten Willen Gottes als unqualifiziert bestimmt wird. Das ist purer Faschismus.

Der angebliche Konsens über die Stellung der Frau ist eine chauvinistische Lüge:



Was, schickst du mir jetzt das phänomenale Trio Abdel, Broder und Ates um dein Argument zu festigen? Ich würde es vorziehen wenn du deine Behauptungen selbst begründest und dafür nicht 20minütige youtube Videos ranziehst.

Faschismus ist mittlerweile zu einem Kampfbegriff gegen alles, was nicht der FDGO entspricht geworden. Wenn es dir als nicht Muslim nicht passt, dass in meiner Religion theologischer Konsens darüber herrscht, dass die weiblichen Mitbeter hinter den männlichen Beten, dann ist das in Ordnung. Aber genau dieser neurotische Zwang, alles was du selber nicht gut heißen kannst nicht zu tolerieren ist fanatisch. Wenn der Islam deswegen so doof ist, warum treten dann nicht alle Frauen aus und machen sich eine viel bessere? Natürlich weil die Mehrheit dazu gezwungen wird, an diesem patriarchalischen Humbug festzuhalten, wäre ja ein Gag wenn diese beinahe Mrd Frauen aus Überzeugung Muslima sind....
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Zunder » Fr 27. Jul 2018, 13:07

Wenn in deiner Religion angeblicher Konsens über die Stellung der Frau herrscht, bedeutet das nichts anderes, als daß die Muslima Seyran Ateş deiner Religion nicht angehört. Die Todesdrohungen gegen Seyran Ateş werden übrigens u.a. mit Apostasie begründet.
Erhellend.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Fr 27. Jul 2018, 13:25

Zunder hat geschrieben:(27 Jul 2018, 14:07)

Wenn in deiner Religion angeblicher Konsens über die Stellung der Frau herrscht, bedeutet das nichts anderes, als daß die Muslima Seyran Ateş deiner Religion nicht angehört. Die Todesdrohungen gegen Seyran Ateş werden übrigens u.a. mit Apostasie begründet.
Erhellend.


Da herrscht wohl Missverständnis. Schiitische Muslime sind in bestimmten theologischen Fragen auch nicht im breiten Gelehrtenkonsens vertreten, trotzdem sind sie Muslime. Niemand kann eine Person, welche die erste Säule des Islams (Glaubensbekenntnis) hat davon absprechen Muslim zu sein (bis auf Khawarij), daher habe ich auch keine Schwierigkeiten damit zu sagen, dass Seyran Ates Muslima ist - auch wenn ich viele verschiedene Auffassungen habe. Jeder hat seinen eigenen vollständigen Verstand und es wäre frevelhaft Ates aus dem Islam auszuschließen oder schon zu sagen, dass sie weniger Ahnung von Theologie hat als ich. Ich habe ein Gehirn und geschlussfolgert, einiges was sie sagt ist falsch, sie hat ein Gehirn und geschlussfolgert, es ist wahr. no problem

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