Deus caritas est

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Sir Porthos
Beiträge: 8574
Registriert: Di 24. Jan 2012, 23:55
Benutzertitel: Fidei Defensor
Wohnort: Hamburg

Deus caritas est

Beitragvon Sir Porthos » So 1. Apr 2012, 18:01

Moin liebe Gemeinde,

im Jahre 2006 hat der Papst Benedikt XVI seine erste Enzyklika veröffentlicht.

Sie eröffnet mit einem Zitat: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1 Joh 4, 16).

Ich bin Lutheraner und kein Katholik. Dennoch habe ich diese Enzyklia damals wahrlich "verschlungen". Sie hat mir aus der Seele gesprochen.

Hier ist der Text:

http://www.vatican.va/holy_father/bened ... st_ge.html

Was haltet Ihr davon ?

Ich kann nur sagen, dass ich dem heiligen Vater noch viele Jahre des Lebens und der Lehre wünsche. Sein Wirken ist eine Bereicherung für jeden Christen.

Gott schütze ihn !
Zuletzt geändert von Sir Porthos am So 1. Apr 2012, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point.

Wunderschön: https://www.youtube.com/watch?v=PO17DIeI7Ec
Benutzeravatar
Liegestuhl
Beiträge: 34298
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 11:04
Benutzertitel: Herzls Helfer
Wohnort: אולדנבורג

Re: Deus caritas est

Beitragvon Liegestuhl » So 1. Apr 2012, 18:13

Ich bin ebenfalls ein Nichtkatholik, der diese Enzyklika gelesen hat. ich war auch hellauf begeistert von den klaren und präzisen Worten des Papstes. Er ist ein herausragender Theologe.

Deus Caritas est ist für mich die zentrale Aussage des Christentums:

viewtopic.php?p=1073598#p1073598
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
Benutzeravatar
Sir Porthos
Beiträge: 8574
Registriert: Di 24. Jan 2012, 23:55
Benutzertitel: Fidei Defensor
Wohnort: Hamburg

Re: Deus caritas est

Beitragvon Sir Porthos » So 1. Apr 2012, 18:19

Liegestuhl » So 1. Apr 2012, 18:13 hat geschrieben:Ich bin ebenfalls ein Nichtkatholik, der diese Enzyklika gelesen hat. ich war auch hellauf begeistert von den klaren und präzisen Worten des Papstes. Er ist ein herausragender Theologe.

Deus Caritas est ist für mich die zentrale Aussage des Christentums:

http://www.politik-forum.eu/viewtopic.p ... 8#p1073598



Genau das ist es, lieber Liegestuhl.

In dieser Enzyklia ist die christliche Lehre universell zusammengefasst. Unabhängig von jeglicher Konfession.

Papst Benedikt XVI ist für mich eine intellektuelle Lichtgestalt, vor der ich mich als "ketzerischer Lutheraner" nur verneigen kann.
Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point.

Wunderschön: https://www.youtube.com/watch?v=PO17DIeI7Ec
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 3740
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: München

Re: Deus caritas est

Beitragvon Antonius » Di 3. Apr 2012, 09:03

Sir Porthos » So 1. Apr 2012, 18:01 hat geschrieben:Moin liebe Gemeinde,
im Jahre 2006 hat der Papst Benedikt XVI seine erste Enzyklika veröffentlicht.
Sie eröffnet mit einem Zitat: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1 Joh 4, 16).
Ich bin Lutheraner und kein Katholik. Dennoch habe ich diese Enzyklia damals wahrlich "verschlungen". Sie hat mir aus der Seele gesprochen.

Hier ist der Text:
http://www.vatican.va/holy_father/bened ... st_ge.html
Was haltet Ihr davon ?

Ich kann nur sagen, dass ich dem heiligen Vater noch viele Jahre des Lebens und der Lehre wünsche. Sein Wirken ist eine Bereicherung für jeden Christen.
Gott schütze ihn !
Danke, Sir Porthos, für den Hinweis auf diese Enzyklika.
Auch ich halte sie für eine der bedeutensten, da sie die Quintessenz des Christlichen Glaubens wiedergibt.
Sie ist aus meiner Sicht von allen Enzykliken am leichtesten lesbar, und die Thesen sind unmittelbar einsichtig.

Verschiedentlich habe ich bereits daraus zitiert, z.B. aus Kapitel 17:
    In der Liturgie der Kirche, in ihrem Beten, in der lebendigen Gemeinschaft der Gläubigen erfahren wir die Liebe Gottes,
    nehmen wir ihn wahr und lernen so auch, seine Gegenwart in unserem Alltag zu erkennen.
    Er hat uns zuerst geliebt und liebt uns zuerst; deswegen können auch wir mit Liebe antworten.
    Gott schreibt uns nicht ein Gefühl vor, das wir nicht herbeirufen können.
    Er liebt uns, läßt uns seine Liebe sehen und spüren, und aus diesem ,,Zuerst’’ Gottes kann als Antwort auch in uns die Liebe aufkeimen.



Zuletzt geändert von Antonius am Di 3. Apr 2012, 09:04, insgesamt 1-mal geändert.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 3740
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: München

Re: Deus caritas est

Beitragvon Antonius » Di 3. Apr 2012, 09:14

Liegestuhl » So 1. Apr 2012, 18:13 hat geschrieben:Ich bin ebenfalls ein Nichtkatholik, der diese Enzyklika gelesen hat. ich war auch hellauf begeistert von den klaren und präzisen Worten des Papstes. Er ist ein herausragender Theologe.

Deus Caritas est ist für mich die zentrale Aussage des Christentums:

viewtopic.php?p=1073598#p1073598
Dem stimme ich vollinhaltlich zu.

Auch Dein Text von damals ist ganz ausgezeichnet;
deshalb möchte ich ihn hier, mit Verlaub, noch einmal vollständig darstellen:

Liegestuhl hat geschrieben:Die christliche Botschaft zu verstehen, ist wirklich nicht sonderlich schwer. Selbst ungebildete Analphabeten im afrikanischen Busch haben damit keine Probleme. Was Jesus wollte und was er gepredigt hat, ist ziemlich unmissverständlich und man muss sich schon ziemlich anstrengen, um so schief zu denken, um daraus Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder sonstwas herauszulesen.

In der Bibel, wie im Koran auch, sind Verhaltensregeln kodifiziert, die auf eine vormoderne Gesellschaft angewendet werden sollten. Die Zeiten ändern sich und wer heutzutage mal einen Blick in eine christliche Gemeinde wirft, wird schnell merken, dass Frauen dort keineswegs die Klappe halten. Das Gesetz ist für den Menschen gemacht. Nicht der Mensch für das Gesetz. Und der liebe Gott hat uns die Fähigkeit mit auf den Weg gegeben, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Die christliche Botschaft der Nächstenliebe ist eindeutig. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Alles Andere lässt sich aus diesem Gebot ableiten. Deus Caritas Est: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.

Wer mit dem Unfug anfängt und aufgeregt meint, er hätte bei Paulus aber dies und im Alten Testament das entdeckt und deshalb das gesamte Christentum und die christliche Botschaft in Zweifel zu stellen, betrügt sich selber. Auch ein Christ verlernt das Denken nicht, nur weil er die Bibel für sich entdeckt hat. Wer dies annimmt, legt die gleichen intoleranten und unbeweglichen Denkstrukturen an den Tag, wie die Leute, die sie unentwegt kritisieren.
Zuletzt geändert von Antonius am Di 3. Apr 2012, 09:15, insgesamt 1-mal geändert.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 3740
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: München

Re: Deus caritas est

Beitragvon Antonius » Fr 5. Okt 2012, 10:40

Beim Blättern im Forum bin ich erneut auf den Strangtitel "Deus caritas est" gestoßen, der seinerzeit vom Foristen Sir Porthos hier eingestellt wurde.
Der Forist Liegestuhl hat dazu einen Kommentar geschrieben, der - aus meiner Sicht - in seiner Eindringlichkeit und logischen Stringenz einmalig ist.
Aus diesem Grunde möchte ich ihn hier, mit Verlaub, noch einmal zitieren:

Liegestuhl hat geschrieben:Die christliche Botschaft zu verstehen, ist wirklich nicht sonderlich schwer. Selbst ungebildete Analphabeten im afrikanischen Busch haben damit keine Probleme. Was Jesus wollte und was er gepredigt hat, ist ziemlich unmissverständlich und man muss sich schon ziemlich anstrengen, um so schief zu denken, um daraus Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder sonstwas herauszulesen.

In der Bibel, wie im Koran auch, sind Verhaltensregeln kodifiziert, die auf eine vormoderne Gesellschaft angewendet werden sollten. Die Zeiten ändern sich und wer heutzutage mal einen Blick in eine christliche Gemeinde wirft, wird schnell merken, dass Frauen dort keineswegs die Klappe halten. Das Gesetz ist für den Menschen gemacht. Nicht der Mensch für das Gesetz. Und der liebe Gott hat uns die Fähigkeit mit auf den Weg gegeben, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Die christliche Botschaft der Nächstenliebe ist eindeutig. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Alles Andere lässt sich aus diesem Gebot ableiten. Deus Caritas Est: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.

Wer mit dem Unfug anfängt und aufgeregt meint, er hätte bei Paulus aber dies und im Alten Testament das entdeckt und deshalb das gesamte Christentum und die christliche Botschaft in Zweifel zu stellen, betrügt sich selber. Auch ein Christ verlernt das Denken nicht, nur weil er die Bibel für sich entdeckt hat. Wer dies annimmt, legt die gleichen intoleranten und unbeweglichen Denkstrukturen an den Tag, wie die Leute, die sie unentwegt kritisieren.

Ich hoffe, daß ich auf diese Weise etwas tun konnte, diesen wertvollen Beitrag zu schützen und zu konservieren.
Wie denkt Ihr darüber?
Zuletzt geändert von Antonius am Fr 5. Okt 2012, 10:42, insgesamt 2-mal geändert.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
Benutzeravatar
ThorsHamar
Beiträge: 18680
Registriert: Di 19. Mai 2009, 21:53
Benutzertitel: Jury Jury
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deus caritas est

Beitragvon ThorsHamar » Fr 5. Okt 2012, 11:46

Antonius » Fr 5. Okt 2012, 10:40 hat geschrieben:Beim Blättern im Forum bin ich erneut auf den Strangtitel "Deus caritas est" gestoßen, der seinerzeit vom Foristen Sir Porthos hier eingestellt wurde.
Der Forist Liegestuhl hat dazu einen Kommentar geschrieben, der - aus meiner Sicht - in seiner Eindringlichkeit und logischen Stringenz einmalig ist.
Aus diesem Grunde möchte ich ihn hier, mit Verlaub, noch einmal zitieren:


Ich hoffe, daß ich auf diese Weise etwas tun konnte, diesen wertvollen Beitrag zu schützen und zu konservieren.
Wie denkt Ihr darüber?


Ich finde solche theoretischen Abhandlungen immer interessant, denn sie vermitteln ja dem Aussenstehenden Einblicke in die Denkweise und Gefühlswelt einer Gruppe, Sekte, Gemeinschaft usw.
Dass die Praxis völlig anders aussieht, steht ja auf einem anderen Blatt.
So habe ich z.B. im Text des Papstes diese Stelle gefunden: "... die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe."
Allein diese Stelle ist schon eine Bombe! :cool:
Aber, wie gesagt, ansonsten hübsche Poesie, also vom Papst und von Liegestuhl.
Von Israel zu lernen, heisst, siegen zu lernen ....
Lord Snow
Beiträge: 12
Registriert: Fr 24. Aug 2012, 13:53

Re: Deus caritas est

Beitragvon Lord Snow » Fr 5. Okt 2012, 14:04

Und der liebe Gott hat uns die Fähigkeit mit auf den Weg gegeben, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.


Das ist das was Kritiker am Christentum immer wieder vorwerfen, ich danke euch beiden, dies endlich mal von einem Christen lesen zu können, dieser Gott hat letztlich alles verbrochen, auf ihn als Anfangsursache, ist alles zurückzuführen und der Mensch wird trotzdem der Bibel nach mit der Verbannung aus Garten Eden und der Sterblichkeit bestraft! ;)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 7628
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deus caritas est

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 5. Okt 2012, 15:35

Das Bemerkenswerte an dieser Enzykla ist, dass es Lob und Bewunderung von vielen Nichtkatholiken dafür gab, während gerade die in katholischen Sozialeinrichtungen Tätigen verhaltene Kritik äußerten, weil sie sich mit ihren ganz praktischen Problemen in dieser luftig-göttlichen Poesie ein wenig allein gelassen sehen.

Im Hinblick auf die aktuelle Lage des deutschen Katholizismus lässt sich die Enzyklika vor allem auf zwei Problemstellungen beziehen: die Diskussion, ob sich die Kirchen in Zeiten knapper Kassen aus dem breiten Feld der sozialen Dienstleistungen zurückziehen und auf „rein religiöse“ Aufgaben konzentrieren sollten, sowie die Frage, inwiefern die Angestellten katholischer Wohlfahrtsverbände neben ihrer beruflichen Kompetenz auch über eine klare kirchliche Identität verfügen müssen. Während die Enzyklika zu diesen Fragen wertvolle Orientierungen beinhaltet, spart sie die Analyse struktureller Ursachen der Krise im Bereich sozialer Dienstleistungen vollständig aus und bleibt deshalb sozialethisch unbefriedigend.


aus: Nächstenliebe allein kann nicht genügen. Benedikts Antrittsenzyklika bricht zu früh ab. Institut für Christliche Sozialwissenschaften, Westfälische Wilhelms-Universitä Münster, 2006
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Bukowski
Beiträge: 8600
Registriert: Mi 19. Jan 2011, 18:35
Benutzertitel: Gretel, im Walde verlaufen.
Wohnort: Berlin

Re: Deus caritas est

Beitragvon Bukowski » Fr 5. Okt 2012, 16:25

schokoschendrezki » Fr 5. Okt 2012, 15:35 hat geschrieben:Das Bemerkenswerte an dieser Enzykla ist, dass es Lob und Bewunderung von vielen Nichtkatholiken dafür gab, während gerade die in katholischen Sozialeinrichtungen Tätigen verhaltene Kritik äußerten, weil sie sich mit ihren ganz praktischen Problemen in dieser luftig-göttlichen Poesie ein wenig allein gelassen sehen.





Soll der Papst vielleicht eine ökonomische analyse machen? das ist nicht sein Amt. - Der Kern der Religionen ist nicht weltlich. Religion ist keine Sozialarbeit, auch wenn diese eben ihren sozialethischen Ansprüchen entspricht.
Ein Mensch wollt immer recht behalten: So kams vom Haar - zum Schädelspalten.

"Die ganze Welt ist grün!" sagte die Erbse in ihrer Schote.
Benutzeravatar
PublicEye
Beiträge: 4019
Registriert: Di 13. Mär 2012, 23:57

Re: Deus caritas est

Beitragvon PublicEye » Fr 5. Okt 2012, 22:31

Lord Snow » Fr 5. Okt 2012, 14:04 hat geschrieben:
Das ist das was Kritiker am Christentum immer wieder vorwerfen, ich danke euch beiden, dies endlich mal von einem Christen lesen zu können, dieser Gott hat letztlich alles verbrochen, auf ihn als Anfangsursache, ist alles zurückzuführen und der Mensch wird trotzdem der Bibel nach mit der Verbannung aus Garten Eden und der Sterblichkeit bestraft! ;)

Jaja, das kommt vor lauter Kritikgeist dabei heraus.
Ich stell mir grad vor, wie du einmal vor deinem Schöpfer stehst und Gott dies vorwirfst.
Und dann wird dich Gott anschauen und sagen, du hattest die Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu entscheiden.

Es ist schon etwas kurz gedacht, denn Gott gab dem Menschen die Fähigkeit über sein Handeln zu reflektieren und auch das Wissen um die Auswirkung des Bösen.
Also keine Ausreden mehr am Schluss.
Benutzeravatar
PublicEye
Beiträge: 4019
Registriert: Di 13. Mär 2012, 23:57

Re: Deus caritas est

Beitragvon PublicEye » Fr 5. Okt 2012, 22:35

Antonius » Fr 5. Okt 2012, 10:40 hat geschrieben:Beim Blättern im Forum bin ich erneut auf den Strangtitel "Deus caritas est" gestoßen, der seinerzeit vom Foristen Sir Porthos hier eingestellt wurde.
Der Forist Liegestuhl hat dazu einen Kommentar geschrieben, der - aus meiner Sicht - in seiner Eindringlichkeit und logischen Stringenz einmalig ist.
Aus diesem Grunde möchte ich ihn hier, mit Verlaub, noch einmal zitieren:


Ich hoffe, daß ich auf diese Weise etwas tun konnte, diesen wertvollen Beitrag zu schützen und zu konservieren.
Wie denkt Ihr darüber?

Die Botschaft von der Liebe Gottes ist eine Botschaft mit ungeheurer Schlagkraft in der ansonsten kalten und lieblosen Welt.
Denkt man darüber nach und fängt an zu begreifen, was das bedeutet, dass Gott die Liebe in Person ist, dann bewirkt das eine Veränderung im Menschen.
Vielen Dank Antonius für das Hervorholen dieser wichtigen Botschaft an die Menschen.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 7628
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deus caritas est

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 6. Okt 2012, 09:36

Bukowski » Fr 5. Okt 2012, 17:25 hat geschrieben:
Soll der Papst vielleicht eine ökonomische analyse machen? das ist nicht sein Amt. - Der Kern der Religionen ist nicht weltlich. Religion ist keine Sozialarbeit, auch wenn diese eben ihren sozialethischen Ansprüchen entspricht.


Gerade wenn man sich als nicht konfessionell gebundener Mensch durchaus auch gedanklich auf eine transzendente, metaphysische Welt- und Sinnsuche einlassen kann, ist die Akzeptanz der Enthobenheit eines realen, lebenden Menschen mit Vater und Mutter aus den sozialen und ökonomischen Kreisläufen eine nicht überschreitbare Grenze.

Darüberhinaus ist auch 80 Jahre nach seiner Entstehung ein Stück wie Bertolt Brechts "Heilige Johanna der Schlachthöfe" ein Lehrstück darüber, wie eine rein religiös motivierte Liebe zu den Menschen und zu Gott realiter Elend und Hass noch verstärken können.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Lord Snow
Beiträge: 12
Registriert: Fr 24. Aug 2012, 13:53

Re: Deus caritas est

Beitragvon Lord Snow » Sa 6. Okt 2012, 17:37

PublicEye » Fr 5. Okt 2012, 23:31 hat geschrieben:Jaja, das kommt vor lauter Kritikgeist dabei heraus.
Ich stell mir grad vor, wie du einmal vor deinem Schöpfer stehst und Gott dies vorwirfst.
Und dann wird dich Gott anschauen und sagen, du hattest die Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu entscheiden.


Ich gebe dir Recht, würde dieser Gott tatsächlich existieren würde er mich bloß schief anschauen und dann mit dem Daumen zerquetschen oder was auch immer, da mache ich mir keine Illusionen, aber das tut ja hier nichts zur Sache, denn das ändert ja nichts an der Sachlage...

Es ist schon etwas kurz gedacht, denn Gott gab dem Menschen die Fähigkeit über sein Handeln zu reflektieren und auch das Wissen um die Auswirkung des Bösen.
Also keine Ausreden mehr am Schluss.


Ursache und Wirkung PublicEye, Ursache und Wirkung! ;)

Das wäre analog wie bei einem Programmierer, der ein fehlerhaftes Programm schreibt und sich dann anschließend über das Programm aufregt, dabei kann das Programm doch nur so funtionieren, wie es der Programmierer eben gemacht hat.
Benutzeravatar
Bukowski
Beiträge: 8600
Registriert: Mi 19. Jan 2011, 18:35
Benutzertitel: Gretel, im Walde verlaufen.
Wohnort: Berlin

Re: Deus caritas est

Beitragvon Bukowski » Sa 6. Okt 2012, 18:39

schokoschendrezki » Sa 6. Okt 2012, 09:36 hat geschrieben:
Gerade wenn man sich als nicht konfessionell gebundener Mensch durchaus auch gedanklich auf eine transzendente, metaphysische Welt- und Sinnsuche einlassen kann, ist die Akzeptanz der Enthobenheit eines realen, lebenden Menschen mit Vater und Mutter aus den sozialen und ökonomischen Kreisläufen eine nicht überschreitbare Grenze.

Darüberhinaus ist auch 80 Jahre nach seiner Entstehung ein Stück wie Bertolt Brechts "Heilige Johanna der Schlachthöfe" ein Lehrstück darüber, wie eine rein religiös motivierte Liebe zu den Menschen und zu Gott realiter Elend und Hass noch verstärken können.


Versteh ich nicht. - du wirfst dem Papst vor, er sei aus sozialen und ökonomischen Kreisläufen enthoben? :?
oder dem Text?
ja, dann darfst Du natürlich nur den stalinistischen Genossen-Verräter Brecht lesen ;)

Die Sicht dieses Lehrstückes hat ihre Wirklichkeit und Berechtigung, wie auch diese Rede. - ich habe sie nur über , aber sie ist schon bemerkenswert in ihrer Sicht. - Ich glaube ehrlich gesagt, die in katholischen Sozialeinrichtungen Tätigen sind etwas - eng in IHER Wirklichkeit. (bzw. sie haben ihn ihn nicht kapiert :cool: )

Er schreibt ja gleich am Anfang:

In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Haß und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung. Deswegen möchte ich in meiner ersten Enzyklika von der Liebe sprechen, mit der Gott uns beschenkt und die von uns weitergegeben werden soll. Damit sind bereits die beiden großen, eng miteinander verbundenen Teile dieses Schreibens vorgezeichnet. Der erste wird einen mehr spekulativen Charakter haben, da ich beabsichtige, darin — zu Beginn meines Pontifikats — einige wesentliche Punkte über die Liebe, die Gott dem Menschen in geheimnisvoller Weise und völlig vorleistungsfrei anbietet, zu klären und zugleich die innere Verbindung zwischen dieser Liebe Gottes und der Realität der menschlichen Liebe aufzuzeigen. Der zweite Teil wird konkreterer Natur sein, denn er soll die kirchliche praktische Umsetzung des Gebotes der Nächstenliebe behandeln. Das Thema erweist sich somit als sehr weitläufig; eine erschöpfende Behandlung übersteigt jedoch den Zweck dieser Enzyklika. Mein Wunsch ist es, auf einige grundlegende Elemente nachdrücklich einzugehen, um so in der Welt eine neue Lebendigkeit wachzurufen in der praktischen Antwort der Menschen auf die göttliche Liebe.

ERSTER TEIL
Auch da bringt er schon auch die gewünschten weltlichen Beispiele


,,Eros’’ und ,,Agape’’ – Unterschied und Einheit
Dieses sprachliche Beiseiteschieben von Eros und die neue Sicht der Liebe, die sich in dem Wort Agape ausdrückt, zeigt zweifellos etwas Wesentliches von der Neuheit des Christentums gerade im Verstehen der Liebe an. In der Kritik am Christentum, die sich seit der Aufklärung immer radikaler entfaltet hat, ist dieses Neue durchaus negativ gewertet worden. Das Christentum — meinte Friedrich Nietzsche — habe dem Eros Gift zu trinken gegeben; er sei zwar nicht daran gestorben, aber zum Laster entartet.[1] Damit drückte der deutsche Philosoph ein weit verbreitetes Empfinden aus: Vergällt uns die Kirche mit ihren Geboten und Verboten nicht das Schönste im Leben? Stellt sie nicht gerade da Verbotstafeln auf, wo uns die vom Schöpfer zugedachte Freude ein Glück anbietet, das uns etwas vom Geschmack des Göttlichen spüren läßt?

4. Aber ist es denn wirklich so? Hat das Christentum tatsächlich den Eros zerstört? Sehen wir in die vorchristliche Welt. Die Griechen — durchaus verwandt mit anderen Kulturen — haben im Eros zunächst den Rausch, die Übermächtigung der Vernunft durch eine ,,göttliche Raserei’’ gesehen, die den Menschen aus der Enge seines Daseins herausreißt und ihn in diesem Überwältigtwerden durch eine göttliche Macht die höchste Seligkeit erfahren läßt. Alle anderen Gewalten zwischen Himmel und Erde erscheinen so als zweiten Ranges: ,,Omnia vincit Amor’’, sagt Vergil in den Bucolica — ,,die Liebe besiegt alles’’. Und er fügt hinzu: ,,Et nos cedamus amori’’ — ,,weichen auch wir der Liebe’’.[2] In den Religionen hat sich diese Haltung in der Form der Fruchtbarkeitskulte niedergeschlagen, zu denen die ,,heilige’’ Prostitution gehört, die in vielen Tempeln blühte. Eros wurde so als göttliche Macht gefeiert, als Vereinigung mit dem Göttlichen.

Das Alte Testament hat sich dieser Art von Religion, die als übermächtige Versuchung dem Glauben an den einen Gott entgegenstand, mit aller Härte widersetzt, sie als Perversion des Religiösen bekämpft. Es hat damit aber gerade nicht dem Eros als solchem eine Absage erteilt, sondern seiner zerstörerischen Entstellung den Kampf angesagt. Denn die falsche Vergöttlichung des Eros, die hier geschieht, beraubt ihn seiner Würde, entmenschlicht ihn. Die Prostituierten im Tempel, die den Göttlichkeitsrausch schenken müssen, werden nämlich nicht als Menschen und Personen behandelt, sondern dienen nur als Objekte, um den ,,göttlichen Wahnsinn’’ herbeizuführen: Tatsächlich sind sie nicht Göttinnen, sondern mißbrauchte Menschen.

(Gibt nicht meine Haltung wieder - nur ein Beispiel für die soziale Komponente)


Dies liegt zunächst an der Verfaßtheit des Wesens Mensch, das aus Leib und Seele gefügt ist. Der Mensch wird dann ganz er selbst, wenn Leib und Seele zu innerer Einheit finden; die Herausforderung durch den Eros ist dann bestanden, wenn diese Einung gelungen ist. Wenn der Mensch nur Geist sein will und den Leib sozusagen als bloß animalisches Erbe abtun möchte, verlieren Geist und Leib ihre Würde. Und wenn er den Geist leugnet und so die Materie, den Körper, als alleinige Wirklichkeit ansieht, verliert er wiederum seine Größe.

Heute wird dem Christentum der Vergangenheit vielfach Leibfeindlichkeit vorgeworfen, und Tendenzen in dieser Richtung hat es auch immer gegeben. Aber die Art von Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist trügerisch. Der zum ,,Sex’’ degradierte Eros wird zur Ware, zur bloßen ,,Sache’’; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. In Wirklichkeit ist dies gerade nicht das große Ja des Menschen zu seinem Leib. Im Gegenteil: Er betrachtet nun den Leib und die Geschlechtlichkeit als das bloß Materielle an sich, das er kalkulierend einsetzt und ausnützt. Es erscheint nicht als Bereich seiner Freiheit, sondern als ein Etwas, das er auf seine Weise zugleich genußvoll und unschädlich zu machen versucht. In Wirklichkeit stehen wir dabei vor einer Entwürdigung des menschlichen Leibes, der nicht mehr ins Ganze der Freiheit unserer Existenz integriert, nicht mehr lebendiger Ausdruck der Ganzheit unseres Seins ist, sondern gleichsam ins bloß Biologische zurückgestoßen wird. Die scheinbare Verherrlichung des Leibes kann ganz schnell in Haß auf die Leiblichkeit umschlagen.

Und so fängt der zweite, konkrete Teil an:

Gerechtigkeit und Liebe

26. Gegen die kirchliche Liebestätigkeit erhebt sich seit dem 19. Jahrhundert ein Einwand, der dann vor allem vom marxistischen Denken nachdrücklich entwickelt wurde. Die Armen, heißt es, bräuchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Die Liebeswerke — die Almosen — seien in Wirklichkeit die Art und Weise, wie die Besitzenden sich an der Herstellung der Gerechtigkeit vorbeidrückten, ihr Gewissen beruhigten, ihre eigene Stellung festhielten und die Armen um ihr Recht betrügen würden. Statt mit einzelnen Liebeswerken an der Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse mitzuwirken, gelte es, eine Ordnung der Gerechtigkeit zu schaffen, in der alle ihren Anteil an den Gütern der Welt erhielten und daher der Liebeswerke nicht mehr bedürften. An diesem Argument ist zugegebenermaßen einiges richtig, aber vieles auch falsch. Richtig ist, daß das Grundprinzip des Staates die Verfolgung der Gerechtigkeit sein muß und daß es das Ziel einer gerechten Gesellschaftsordnung bildet, unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips jedem seinen Anteil an den Gütern der Gemeinschaft zu gewährleisten. Das ist auch von der christlichen Staats- und Soziallehre immer betont worden. Die Frage der gerechten Ordnung des Gemeinwesens ist — historisch betrachtet — mit der Ausbildung der Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert in eine neue Situation eingetreten. Das Entstehen der modernen Industrie hat die alten Gesellschaftsstrukturen aufgelöst und mit der Masse der lohnabhängigen Arbeiter eine radikale Veränderung im Aufbau der Gesellschaft bewirkt, in der das Verhältnis von Kapital und Arbeit zur bestimmenden Frage wurde, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hatte. Die Produktionsstrukturen und das Kapital waren nun die neue Macht, die, in die Hände weniger gelegt, zu einer Rechtlosigkeit der arbeitenden Massen führte, gegen die aufzustehen war....
Ein Mensch wollt immer recht behalten: So kams vom Haar - zum Schädelspalten.

"Die ganze Welt ist grün!" sagte die Erbse in ihrer Schote.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 7628
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deus caritas est

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 15. Okt 2012, 13:25

Bukowski » Sa 6. Okt 2012, 19:39 hat geschrieben:
Versteh ich nicht. - du wirfst dem Papst vor, er sei aus sozialen und ökonomischen Kreisläufen enthoben? :?
oder dem Text?


Weder noch. Eher schon den Katholiken. Ich werfe es ihnen auch nicht vor, ich kann es nur nicht nachvollziehen. Ich hätte mir auch zu Zeiten Karol Wojtyłas gut vorstellen können, in einem meiner Lieblingsländer (Polen) zu leben und hätte diese eine Ausnahme eines erlaubten Kritik-Ziels in der polnischen Gesellschaft akzeptiert. Aber nur nach außen.

ja, dann darfst Du natürlich nur den stalinistischen Genossen-Verräter Brecht lesen ;)


Ach je. Was soll solch eine Polemik 2012 bringen? Ebensowenig wie mich meine kritische Haltung zum Katholizismus davon abhält, dem Papst zuzuhören, hält mich meine Bewunderung für das eine oder andere Brecht-Stück davon ab, ein "stalinistisches Passionsspiel" wie "Die Maßnahme" von 1930 abzulehnen.
Und so fängt der zweite, konkrete Teil an:

Gerechtigkeit und Liebe

26. Gegen die kirchliche Liebestätigkeit erhebt sich seit dem 19. Jahrhundert ein Einwand, der dann vor allem vom marxistischen Denken nachdrücklich entwickelt wurde. Die Armen, heißt es, bräuchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Die Liebeswerke — die Almosen — seien in Wirklichkeit die Art und Weise, wie die Besitzenden sich an der Herstellung der Gerechtigkeit vorbeidrückten, ihr Gewissen beruhigten, ihre eigene Stellung festhielten und die Armen um ihr Recht betrügen würden. Statt mit einzelnen Liebeswerken an der Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse mitzuwirken, gelte es, eine Ordnung der Gerechtigkeit zu schaffen, in der alle ihren Anteil an den Gütern der Welt erhielten und daher der Liebeswerke nicht mehr bedürften.



Gottfried Wilhelm Leibniz formulierte bereits im 17. Jahrhundert seinen berühmten Satz "Die Gerechtigkeit ist nichts anderes als die Nächstenliebe der Weisen.". Und der letzte Halbsatz "... und daher der Liebeswerke nicht mehr bedürften" ist dem "marxistischen Denken" keineswegs immanent. Warum sollte aus der Forderung nach ökonomischer und sozialer Gerechtigkeit zwingend die Forderung nach Verzicht auf irgendeine Form oder Variante von "Liebe" (einschließlich Nächstenliebe) folgen?
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
PublicEye
Beiträge: 4019
Registriert: Di 13. Mär 2012, 23:57

Re: Deus caritas est

Beitragvon PublicEye » Mo 15. Okt 2012, 23:55

Lord Snow » Sa 6. Okt 2012, 17:37 hat geschrieben:Ursache und Wirkung PublicEye, Ursache und Wirkung! ;)

Das wäre analog wie bei einem Programmierer, der ein fehlerhaftes Programm schreibt und sich dann anschließend über das Programm aufregt, dabei kann das Programm doch nur so funtionieren, wie es der Programmierer eben gemacht hat.

Der Mensch wurde eben nicht als "Programm", als Roboter, erschaffen, sondern als ein Wesen mit der Fähigkeit über das eigene Handeln zu reflektieren, ausgestattet mit einem Gewissen, einer Art göttlichem Massstabs und der klaren vorgängigen Warnung des Schöpfers unter Aufzeigung der Konsequenzen.

Dieser Vergleich von Dir hinkt nicht nur, er ist sogar völlig unpassend.

Vor allem auch im Hinblick auf die Liebe Gottes zu den Menschen, der ihnen einen Ausweg anbietet.
Anbietet, nicht aufzwingt, was ein weiterer Hinweis auf die Fähigkeit zur freien Wahl des Menschen aufzeigt.
Tiefsinniger
Beiträge: 644
Registriert: Mo 11. Jul 2011, 14:52

Re: Deus caritas est

Beitragvon Tiefsinniger » Di 16. Okt 2012, 12:43

schokoschendrezki » Mo 15. Okt 2012, 14:25 hat geschrieben:



Gottfried Wilhelm Leibniz formulierte bereits im 17. Jahrhundert seinen berühmten Satz "Die Gerechtigkeit ist nichts anderes als die Nächstenliebe der Weisen.". Und der letzte Halbsatz "... und daher der Liebeswerke nicht mehr bedürften" ist dem "marxistischen Denken" keineswegs immanent. Warum sollte aus der Forderung nach ökonomischer und sozialer Gerechtigkeit zwingend die Forderung nach Verzicht auf irgendeine Form oder Variante von "Liebe" (einschließlich Nächstenliebe) folgen?


Es interessiert mich eine Frage sehr, ich wuerde fuer jede Antwort dankbar.

Ist der Sinn des Wortes "Gerechtigkeit" fuer einen Deutschen einig, oder versteht man es als ein Omonym, mit zwei Bedeutungen ?

Im Russischen steht ueberall, wo im Bibel die "Gerechtigkeit" geschrieben ist, als die Uebersetzung das Wort "prawednost". Das ist ein altes Wort, das man auf verschiedener Weise interpraetieren kann : z.B. jemand "mit den richtigen Sitten", jemand, der die Wahrheit liebt (Prawda = Wahrheit).

Aber im sonstigen Umgangslexikon bedeutet "die Gerechtigkeit" auf Russisch "sprawedliwost", z.B. "soziale Gerechtigkeit", eine gerechte Loesung einer Frage, usw.

Sind fuer einen Deutschen diese Bedeutungen einig, oder nicht? Ich frage nicht umsonst. Ich las im Artikel von einem Geistlichen, dass die Gerechtigkeit ... ein nicht-christliches Wort sei, und ein Christe braucht es nicht, sich um so was zu kuemmern ! Auf Deutsch steht das Wort "Gerechtigkeit", glaube ich, fasst in jedem Absatz des Neuen Testaments ?

Ich verstehe, es ist nicht so einfach. Die Gerechtigkeit vom Neuen Testament ist eine Sache, auf die kein Mensch "automatisch" verfuegt, er muss dafuer reine Seele haben. Oder wie versteht man das ?
Zuletzt geändert von Tiefsinniger am Di 16. Okt 2012, 12:45, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 3740
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: München

Re: Deus caritas est

Beitragvon Antonius » Fr 16. Nov 2012, 09:28

Tiefsinniger » Di 16. Okt 2012, 12:43 hat geschrieben:Es interessiert mich eine Frage sehr, ich wuerde fuer jede Antwort dankbar.

Ist der Sinn des Wortes "Gerechtigkeit" fuer einen Deutschen einig, oder versteht man es als ein Omonym, mit zwei Bedeutungen ?

Im Russischen steht ueberall, wo im Bibel die "Gerechtigkeit" geschrieben ist, als die Uebersetzung das Wort "prawednost". Das ist ein altes Wort, das man auf verschiedener Weise interpraetieren kann : z.B. jemand "mit den richtigen Sitten", jemand, der die Wahrheit liebt (Prawda = Wahrheit).

Aber im sonstigen Umgangslexikon bedeutet "die Gerechtigkeit" auf Russisch "sprawedliwost", z.B. "soziale Gerechtigkeit", eine gerechte Loesung einer Frage, usw.

Sind fuer einen Deutschen diese Bedeutungen einig, oder nicht? Ich frage nicht umsonst. Ich las im Artikel von einem Geistlichen, dass die Gerechtigkeit ... ein nicht-christliches Wort sei, und ein Christe braucht es nicht, sich um so was zu kuemmern ! Auf Deutsch steht das Wort "Gerechtigkeit", glaube ich, fasst in jedem Absatz des Neuen Testaments ?

Ich verstehe, es ist nicht so einfach. Die Gerechtigkeit vom Neuen Testament ist eine Sache, auf die kein Mensch "automatisch" verfuegt, er muss dafuer reine Seele haben. Oder wie versteht man das ?
Für einen Christen ist aus meiner Sicht der Begriff der Gerechtigkeit eindeutig.
Gerechtigkeit ist eine der Kardinaltugenden, die aus dem Hellenismus kommen.

Gerecht ist, wer sich darauf versteht, mit seinen Mitmenschen in echtem Frieden und wahrer Ordnung zu leben.
Zur Gerechtigkeit gehört die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen.
Zuletzt geändert von Antonius am Fr 16. Nov 2012, 09:28, insgesamt 1-mal geändert.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 3740
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: München

Re: Deus caritas est

Beitragvon Antonius » So 15. Dez 2013, 19:29

PublicEye » Mo 15. Okt 2012, 23:55 hat geschrieben:...Vor allem auch im Hinblick auf die Liebe Gottes zu den Menschen, der ihnen einen Ausweg anbietet.
Anbietet, nicht aufzwingt, was ein weiterer Hinweis auf die Fähigkeit zur freien Wahl des Menschen aufzeigt.
Ich habe diesen alten Strang, erstellt seinerzeit von Sir Porthos, wieder hervorgeholt.
Er enthält wesentliche Aussagen über das Wesen Gottes.

"Deus caritas est," / "Gott ist die Liebe."
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)

Zurück zu „81. Religion“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast