Christophobie

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 4097
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: BRD

Re: Christophobie

Beitragvon Antonius » So 17. Dez 2017, 14:21

Schlimm, einfach nur schlimm.
Die Täter mögen auf ewig in der Hölle schmoren.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
Benutzeravatar
Ein Terraner
Beiträge: 5943
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 18:48
Wohnort: München

Re: Christophobie

Beitragvon Ein Terraner » So 17. Dez 2017, 14:41

Antonius hat geschrieben:(17 Dec 2017, 14:21)

Die Täter mögen auf ewig in der Hölle schmoren.


Danke.
Licht und Dunkel

Artikel 13, Save the Internet Petition: https://www.change.org/p/stoppt-die-zen ... loadfilter
Was ist Artikel 13? https://www.youtube.com/watch?v=1DKk69J5pb4
Benutzeravatar
harry52
Beiträge: 1517
Registriert: Fr 30. Jan 2015, 09:35

Re: Christophobie

Beitragvon harry52 » So 24. Dez 2017, 23:04

Krabat hat geschrieben:Der Atheismus hat allein in Form des Kommunismus 100 Millionen Menschen weggerotzt.

Nein,
Stalin, Hitler und Mao wurden wie Götter angebetet und verehrt. Leute, die an unfehlbare Führer, Päpste und Monarchen glauben, sind eben keine Atheisten. Hitler ist dreimal sitzengeblieben und war nun wirklich nicht sehr intelligent. Wer so jemand zum absoluten Alleinherrscher der Exekutive, Legislative und Judikation, kann nicht selber nicht alle Tassen im Schrank haben und ist kein Atheist. Er glaubt an unfehlbare Führer, was nichts anderes wäre, als ein Gott in Menschengstalt.

Ich habe durch Naturwissenschaft und Sozialwissenschaften ein ganz anderes Weltbild

und eine wichtige Lehre daraus ist, dass wir Homo sapiens ein Produkt der Evolution sind und alles andere als perfekt sind. Menschen machen Fehler und sind auch nicht ehrlich, wie wir mittlerweile wissen. Menschen lügen sogar recht häufig und selbst die Nerds mit sehr hohem IQ machen Fehler und lügen.

Deswegen bin ich ein ganz großer Fan der Demokratie und Meinungsfreiheit,
denn es gibt ihn nicht, den allwissenden Führer, der alles richtig macht, den man das Schicksal eines Landes in die Hand geben sollte. so ein Führer wäre ein Gott und kein Homo sapiens. Götter gibt es aber nicht und wir müssen stets über den richtigen Weg diskutieren und nicht sklavisch einem Gott, Führer, oder einer heiligen Schrift folgen.

So denkt der wahre Atheist.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
Benutzeravatar
Mia2706
Beiträge: 88
Registriert: Sa 23. Dez 2017, 23:26

Re: Christophobie

Beitragvon Mia2706 » Mi 27. Dez 2017, 16:25

Nach allem, was man von historischen Jesus im Gegensatz zum Jesus des Glaubens zu wissen glaubt, galt Jesus als gottesfürchtiger, aber auch als eigenwilliger Jude. Der frauenfeindliche Paulus dagegen hat den Glauben Jesus in einen Christusglauben umfunktioniert und mit ihr viele Übersetzungsfehler und Interpretationsfehler in dem damals patriarchischen System.
In seinem Römerbrief schrieb Paulus, blindlings jeder Obrigkeit untertan zu sein, weil sie von Gott komme und damit in der Folge kapitaler Verbrechen, Leid und Elend gegen die Menschlichkeit verursacht hat.
Es ist leider so, wie du es beschrieben hast.

Anders als noch vor wenigen Jahrhunderten bestimmen heute die Menschenrechte, der Rechtsstaat und die Verfassung maßgeblich die Spielregeln, was zum erodierenden Christentum geführt hat und noch führt. .

Bei uns hat sich das Christentum als Religion weitgehend der Säkularisierung angepasst, weil erkannt wurde, dass die Bibel keine wortwörtlichen Wahrheiten verbreitet. Geblieben sind ethisch-moralische Grundsätze, die aus der sog. Bergpredigt und den Gleichnissen überliefert sind. Wenn die Kirche mit ihren Ritualen, Dogmen und mit ihrer hierarischen verbeamteten Institution nicht zu Erneuerungen kommt, dann wird sie weiter erodieren .

Im Gegensatz zur Religion als Herrschaftsform mit ihrer Bevormundung ist der Glaube eine ureigene persönliche Spiritualität. Allerdings mit der Gefahr zu Gunsten von Aberglauben, Mystik, Wunderglauben, Hellseher und sonstiger Scharlatanerien.
Die Menschen stellen sich wie seit jeher immer noch die gleichen Fragen und finden sich nicht damit ab,
dass es keine Unsterblichkeit gibt und die Seele eine biologischen Körperfunktion ist.

Das wäre schade, weil doch der Islam im Gegensatz dazu sehr stark als Privatsache gilt und dort die Befreiung der Bevormundungen als notwendige Reform noch bevorsteht und durch Indoktrinierung wohl noch lange auf sich warten lässt.

Anders als das erodierende Christentum ist der Islam mehr als nur eine Privatangelegenheit. Der vorgibt, wie Menschen sich zu verhalten haben. Das hat die Kirche bei uns weitgehend hinter sich, obwohl sie immer noch Ballast mit sich herumschleppt. .

3Bei uns hat sich das Christentum als Religion weitgehend der Säkularisierung angepasst, weil erkannt wurde, dass die Bibel keine wortwörtlichen Wahrheiten verbreitet. Im Islam ist diese Auseinandersetzung voll im Gange, weil dort die Religion immer noch stark als Privatsache gilt und die Befreiung der Bevormundung als notwendige Reform noch bevorsteht.
Ein Siebtel unseres Lebens verbringen wir an Samstagen.
jellobiafra
Beiträge: 1153
Registriert: Sa 20. Sep 2008, 18:42

Re: Christophobie

Beitragvon jellobiafra » Sa 30. Dez 2017, 08:51

https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article172030764/Mehrere-Tote-bei-Angriff-auf-koptische-Kirche-in-Aegypten.html

Im vergangenen Jahr starben bei Anschlägen auf koptische Christen in Ägypten Dutzende Menschen. Jetzt gibt es erneut einen Zwischenfall. Mehrere Menschen sterben.

Kairo (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf eine koptische Kirche in Ägypten für sich reklamiert. IS-Kämpfer hätten die Kirche Mar Mina in Helwan rund 25 Kilometer südlich von Kairo attackiert, teilte die Terrormiliz über ihr Sprachrohr Amak mit.

Ein Attentäter hatte sich der Kirche auf einem Motorrad genähert und das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet, wie das ägyptische Innenministerium mitteilte. Bei dem Vorfall waren demnach sieben Menschen getötet worden, darunter ein Polizist.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2752
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Christophobie

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 6. Jan 2018, 08:14

Antonius hat geschrieben:(17 Dec 2017, 14:21)
Die Täter mögen auf ewig in der Hölle schmoren.

Niemand sollte auf "Ewig in der Hölle schmoren". Hat eigentlich schonmal jemand darüber nachgedacht, was das für eine absurde Form der Bestrafung ist? Unendliche Folter auf ewig? Selbst bei jemandem wie Hitler hätte ich da noch meine Schwierigkeiten. Diese Art von Bestrafung ermöglicht keinerlei nachträglichen Lernprozess und ist, konsequent zuendegedacht - wir reden hier schließlich von unendlichen Schmerzen in unbegrenzter Zeit (unbegrenzt! nicht 100 Jahre, nicht 1000, nicht 100000000000...) - im Prinzip für keine irdische Form von Gräueltat angemessen. Und selbst, wenn man es für angemessen hielte - wozu? Eine Todesstrafe ist nichts dagegen..

Ich halte die Forderung, jemand solle "auf Ewig in der Hölle schmoren", für fundamental menschenverachtend und dem Prinzip der Menschenwürde entgegenstehend.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 13814
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Christophobie

Beitragvon Billie Holiday » Sa 6. Jan 2018, 08:21

harry52 hat geschrieben:(24 Dec 2017, 23:04)

Nein,
Stalin, Hitler und Mao wurden wie Götter angebetet und verehrt. Leute, die an unfehlbare Führer, Päpste und Monarchen glauben, sind eben keine Atheisten. Hitler ist dreimal sitzengeblieben und war nun wirklich nicht sehr intelligent. Wer so jemand zum absoluten Alleinherrscher der Exekutive, Legislative und Judikation, kann nicht selber nicht alle Tassen im Schrank haben und ist kein Atheist. Er glaubt an unfehlbare Führer, was nichts anderes wäre, als ein Gott in Menschengstalt.

Ich habe durch Naturwissenschaft und Sozialwissenschaften ein ganz anderes Weltbild

und eine wichtige Lehre daraus ist, dass wir Homo sapiens ein Produkt der Evolution sind und alles andere als perfekt sind. Menschen machen Fehler und sind auch nicht ehrlich, wie wir mittlerweile wissen. Menschen lügen sogar recht häufig und selbst die Nerds mit sehr hohem IQ machen Fehler und lügen.

Deswegen bin ich ein ganz großer Fan der Demokratie und Meinungsfreiheit,
denn es gibt ihn nicht, den allwissenden Führer, der alles richtig macht, den man das Schicksal eines Landes in die Hand geben sollte. so ein Führer wäre ein Gott und kein Homo sapiens. Götter gibt es aber nicht und wir müssen stets über den richtigen Weg diskutieren und nicht sklavisch einem Gott, Führer, oder einer heiligen Schrift folgen.

So denkt der wahre Atheist.


Perfekt erklärt! :thumbup:
Der echte Atheist huldigt niemandem.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2752
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Christophobie

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 6. Jan 2018, 08:48

Billie Holiday hat geschrieben:(06 Jan 2018, 08:21)

Perfekt erklärt! :thumbup:
Der echte Atheist huldigt niemandem.

Ich bin zwar selbst ein vergleichsweise radikaler Religionskritiker und Befürworter einer mutigen Naturwissenschaft, aber ich finde, damit macht man sich ein bisschen zu leicht. Während ich ganz klar einen säkularen Staat befürworte, halte ich es für gefährlich, den Umkehrschluss einzukaufen, dass nicht auch Atheisten wahnwitzigen Ideologien anhängen könnten. Es ist sicherlich so, dass Atheismus oftmals mit einer gewissen Offengeistigkeit korreliert, aber der Rückschluss, dass Anhänger von Massenmörder-Ideologien keine Atheisten sein können, ist mir ehrlich gesagt doch ein wenig zu einfach.

Etwas pauschalisiert gesagt: Religion ist nur eine von vielen möglichen Ideologien, die unsere Vernunft vernebeln können. Ihr zu entsagen, macht uns allein noch nicht gegen jegliche Form von Dogmatismus immun.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 13814
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Christophobie

Beitragvon Billie Holiday » Sa 6. Jan 2018, 09:08

Watchful_Eye hat geschrieben:(06 Jan 2018, 08:48)

Ich bin zwar selbst ein vergleichsweise radikaler Religionskritiker und Befürworter einer mutigen Naturwissenschaft, aber ich finde, damit macht man sich ein bisschen zu leicht. Während ich ganz klar einen säkularen Staat befürworte, halte ich es für gefährlich, den Umkehrschluss einzukaufen, dass nicht auch Atheisten wahnwitzigen Ideologien anhängen könnten. Es ist sicherlich so, dass Atheismus oftmals mit einer gewissen Offengeistigkeit korreliert, aber der Rückschluss, dass Anhänger von Massenmörder-Ideologien keine Atheisten sein können, ist mir ehrlich gesagt doch ein wenig zu einfach.

Etwas pauschalisiert gesagt: Religion ist nur eine von vielen möglichen Ideologien, die unsere Vernunft vernebeln können. Ihr zu entsagen, macht uns allein noch nicht gegen jegliche Form von Dogmatismus immun.


Ich finde, Harry hat schon recht. Anhänger einer Massenmörder-Ideologie haben Gott gegen einen Menschen getauscht und folgen diesem hirnlos. Viele tun es, um sich vor Repressalien zu schützen. Es ist nicht einfach, gegen die Masse allein zu stehen. Insofern dürfte der echte Atheist eher rar gesäht sein.
Ich betrachte mich als Atheistin, weil mir jeder Glaube an höhere Wesen fremd ist und ich jeden Personenkult hasse. Ich küsse weder einem Papst die Hand noch knickse ich vor Elisabeth, noch will ich Autogramme von irgendeinem Star.
In z.B. Nordkorea lebend, könnte ich nicht ausschließen, falsche Begeisterung zu heucheln, um meine Familie zu schützen, bin keine Superheldin sondern ein Mensch mit Fehlern und Macken.
Ich glaub, das ist der falsche Strang. :s
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Christophobie

Beitragvon Woppadaq » Sa 6. Jan 2018, 09:20

Watchful_Eye hat geschrieben:(06 Jan 2018, 08:48)

Etwas pauschalisiert gesagt: Religion ist nur eine von vielen möglichen Ideologien, die unsere Vernunft vernebeln können. Ihr zu entsagen, macht uns allein noch nicht gegen jegliche Form von Dogmatismus immun.


Also mit etwas mehr Freigeist und etwas weniger Dogmatismus allein schon in diesem Forum könnte man mal darauf hinweisen, dass Religion per se noch nicht mal einen Gott braucht. Religion kommt vom lateinischen "religio", was soviel wie "Sorgfalt" bedeutet, genaugenommen ist mit Religion "die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften" gemeint. Es ist nur so, dass sich das früher ohne Gott nicht rechtfertigen und damit auch nicht durchsetzen liess. Wenn man verstehen will, warum gewisse Leute heute immer noch in die Kirche gehen, obwohl doch eigentlich bewiesen ist, dass es Gott gar nicht gibt, dann liegt es daran, dass die Sorgfalt und die ihr inne liegenden moralischen Grundsätze für viele Leute heute immer noch dieselbe lebensverbessernde Wirkung haben wie damals.

Und Religion ist etwas mehr als eine Ideologie. Viele Ideologien speisen sich aus Religionen. Und Dogmatismus ist wie Terrorismus, Fundamentalismus oder Authoritarismus: es sind Vorgehensweisen, der sich grundsätzlich jede Ideologie bedienen kann, solange sie diese nicht explizit ablehnt.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Christophobie

Beitragvon Woppadaq » Sa 6. Jan 2018, 09:25

Billie Holiday hat geschrieben:(06 Jan 2018, 09:08)

Ich finde, Harry hat schon recht. Anhänger einer Massenmörder-Ideologie haben Gott gegen einen Menschen getauscht und folgen diesem hirnlos.


Seh ich nicht ganz so. Ja, sie haben Gott gegen einen Menschen getauscht, aber im wesentlichen, weil dieser Mensch ihnen die gnadelose Auslebung ihres Egoismus erlaubt und gerechtfertigt hat. Jedenfalls trifft das auf jene zu, die Hitler gewählt haben. Die wesentlichste innere Stütze eines brutalen Regimes ist deshalb auch nicht die Angst ihrer Miglieder, sondern ihr Egoismus.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2752
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Christophobie

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 6. Jan 2018, 09:38

Billie Holiday hat geschrieben:(06 Jan 2018, 09:08)
Ich finde, Harry hat schon recht. Anhänger einer Massenmörder-Ideologie haben Gott gegen einen Menschen getauscht und folgen diesem hirnlos.[...]

Ich halte es für richtiger, zu sagen, dass diese Anhänger Atheisten sind, die Gott durch eine gottesähnliche Ideologie ausgetauscht haben. Und diese Gefahr des Atheismus, dass Menschen die durch Gott entstandene Lücke durch anderweitige Ideologien füllen wollen, existiert nunmal. Ich finde es zu einfach, alle Gefahren des Atheismus auszuklammern und zu sagen "Echte Atheisten machen sowas nicht". Man kann sich doch durchaus dieses Problems bewusst sein und trotzdem zu seiner Sache stehen. :) Eine grundsätzliche Ablehnung von Dogmatismus ist in dem Begriff "Atheismus" schlicht nicht enthalten.

Woppadaq hat geschrieben:(06 Jan 2018, 09:20)
Religion kommt vom lateinischen "religio", was soviel wie "Sorgfalt" bedeutet, genaugenommen ist mit Religion "die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften" gemeint. Es ist nur so, dass sich das früher ohne Gott nicht rechtfertigen und damit auch nicht durchsetzen liess.

Es mag sein, dass den Begriff die alten Römer ursprünglich verwendet haben. Aber dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Paradigma entspricht diese Definition meines Wissens nach nicht.

Ich hab mich beispielsweise im Rahmen meines Studiums mit der Frage beschäftigt, ob es sich bei dem Konfuzianismus um eine Religion handelt. Nach dieser Definition wäre das eindeutig der Fall - und das vorherrschende Paradigma ist in der Frage ganz klar ein anderes. Es gibt zwar tatsächlich eine Minderheit, die den Konfuzianismus "religiös" leben will - aber diejenigen, die das wollen, wollen eben gerade wieder derlei kultische/"ideologische" Elemente wie einen Personenkult bzgl. Konfuzius einbringen.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Christophobie

Beitragvon Woppadaq » Sa 6. Jan 2018, 10:07

Watchful_Eye hat geschrieben:(06 Jan 2018, 09:38)

Ich halte es für richtiger, zu sagen, dass diese Anhänger Atheisten sind, die Gott durch eine gottesähnliche Ideologie ausgetauscht haben. Und diese Gefahr des Atheismus, dass Menschen die durch Gott entstandene Lücke durch anderweitige Ideologien füllen wollen, existiert nunmal. Ich finde es zu einfach, alle Gefahren des Atheismus auszuklammern und zu sagen "Echte Atheisten machen sowas nicht". Man kann sich doch durchaus dieses Problems bewusst sein und trotzdem zu seiner Sache stehen. :) Eine grundsätzliche Ablehnung von Dogmatismus ist in dem Begriff "Atheismus" schlicht nicht enthalten.


Kommt drauf an, wie eng man den Atheisten-Begriff sehen will. Wenn Atheismus nur bedeutet, auf Gott oder jede andere transzendente Erfahrung als Rechtfertigung der eigenen Taten zu verzichten, dann hast du sicherlich Recht. Wenn der Atheist aber nicht nur Gott, sondern gänzlich jedes religiöse Gehabe, ob mit oder ohne Gott, ablehnt, dann kann man schon sagen, dass er auch Dogmatismus ablehnt, da er diesen ja nicht mehr rechtfertigen kann.

Es mag sein, dass den Begriff die alten Römer ursprünglich verwendet haben. Aber dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Paradigma entspricht diese Definition meines Wissens nach nicht.


Je nach dem, wie wissenschaftlich man gedenkt vorzugehen, wird Religion heutzutage nicht ohne Gott oder einer gottgleich gesetzten Person verstanden, weil es eine bekennende Religion, die auf so etwas verzichtet, bisher nicht gegeben hat und wir uns derzeit auch keine vorstellen können, die sich ohne sie rechtfertigt. Ich behaupte aber, dass das nicht unmöglich ist, ja dass es langfristig sogar sehr nötig sein wird.

Ich hab mich beispielsweise im Rahmen meines Studiums mit der Frage beschäftigt, ob es sich bei dem Konfuzianismus um eine Religion handelt. Nach dieser Definition wäre das eindeutig der Fall - und das vorherrschende Paradigma ist in der Frage ganz klar ein anderes. Es gibt zwar tatsächlich eine Minderheit, die den Konfuzianismus "religiös" leben will - aber diejenigen, die das wollen, wollen eben gerade wieder derlei kultische/"ideologische" Elemente wie einen Personenkult bzgl. Konfuzius einbringen.


Ich selbst nenne so etwas alt-religiöses Verhalten. Der derzeit noch vorherrschende Religionsbegriff ist für die meisten nicht ohne alt-religiöses Verhalten vorstellbar. Im Grunde ist die höchste Form von Sorgfalt und Hingabe ohne Kult um irgendetwas nicht nur kaum vorstellbar, sondern bringt auch nicht das befriedigende Gefühl des Gebens, welches die Religion ja wie nichts anderes sonst strukturiert.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2752
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Christophobie

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 6. Jan 2018, 10:19

Woppadaq hat geschrieben:(06 Jan 2018, 10:07)
[...] Wenn der Atheist aber nicht nur Gott, sondern gänzlich jedes religiöse Gehabe, ob mit oder ohne Gott, ablehnt, dann kann man schon sagen, dass er auch Dogmatismus ablehnt, da er diesen ja nicht mehr rechtfertigen kann.

Das würde ich als Überinterpretation des Begriffs ansehen. Atheismus ist meiner Ansicht nach erst einmal nur als Abwesenheit von "Theismus" zu verstehen, mehr steckt in dem Begriff nicht drin. Der Schluss, Dogmatismus abzulehnen, mag uns daraus abgeleitet zwar naheliegend erscheinen, aber er ist es leider nicht zwangsläufig.

Woppadaq hat geschrieben:(06 Jan 2018, 10:07)
Ich behaupte aber, dass das nicht unmöglich ist, ja dass es langfristig sogar sehr nötig sein wird. Ich selbst nenne so etwas alt-religiöses Verhalten.

Was wird nötig und für wen? Magst du das einmal näher ausführen?

(Edit: Wenn ich lieber siezen soll, einfach bescheid sagen, da hat jeder seine Präferenzen :) )
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Christophobie

Beitragvon Woppadaq » Sa 6. Jan 2018, 11:07

Watchful_Eye hat geschrieben:(06 Jan 2018, 10:19)

Das würde ich als Überinterpretation des Begriffs ansehen. Atheismus ist meiner Ansicht nach erst einmal nur als Abwesenheit von "Theismus" zu verstehen, mehr steckt in dem Begriff nicht drin. Der Schluss, Dogmatismus abzulehnen, mag uns daraus abgeleitet zwar naheliegend erscheinen, aber er ist es leider nicht zwangsläufig.


Ich streite nicht ab, dass es bekennende Atheisten gibt, die trotzdem dogmatisch sein können. Mir ist nur nicht ganz klar, ob der Atheismus tatsächlich nur den Glauben an Gott ablehnt, oder das Glauben an sich. Zugegeben, man kann letzteres auch dogmatisch tun, aber wie will man diesen Dogmatismus rechtfertigen? Für mich wäre dann der dogmatische Atheist ein theoretisches Paradoxon.

Was wird nötig und für wen? Magst du das einmal näher ausführen?


Der Sinn einer Religion ist es m. E. dem einzelnen Menschen Halt zu geben. Wenn die gott-zentrierte Religion aber Dogmatismus geradezu zwangsläufig hervorruft, vielleicht ohne ihn gar nicht überlebensfähig ist, und damit nur einen Halt in sich selbst garantiert, aber nicht mehr in der Gesellschaft, dann wird es nötig sein, eine nicht nur gott- sondern generell eine fetischlose Religion zu erschaffen, die besagte Sorgfalt und Hingabe mit nichts anderem als sich selbst, seiner eigenen Individualität, rechtfertigt.

Im Grunde funktioniert unsere Gesellschaft zu weiten Teilen schon so - und das völlig ohne Druck von irgendeiner Weltanschauung her.
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1738
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Christophobie

Beitragvon Progressiver » So 7. Jan 2018, 20:25

Woppadaq hat geschrieben:(06 Jan 2018, 11:07)
Der Sinn einer Religion ist es m. E. dem einzelnen Menschen Halt zu geben. Wenn die gott-zentrierte Religion aber Dogmatismus geradezu zwangsläufig hervorruft, vielleicht ohne ihn gar nicht überlebensfähig ist, und damit nur einen Halt in sich selbst garantiert, aber nicht mehr in der Gesellschaft, dann wird es nötig sein, eine nicht nur gott- sondern generell eine fetischlose Religion zu erschaffen, die besagte Sorgfalt und Hingabe mit nichts anderem als sich selbst, seiner eigenen Individualität, rechtfertigt.

Im Grunde funktioniert unsere Gesellschaft zu weiten Teilen schon so - und das völlig ohne Druck von irgendeiner Weltanschauung her.


Du schreibst, dass der Sinn einer Religion es sei, dem einzelnen Menschen Halt zu geben. Aber was soll ein moderner und aufgeklärter Mensch mit solch einem vorsintflutlichen Konstrukt anfangen können? Im Übrigen kann ich mir eine dogmenfreie und fetischlose Religion nicht vorstellen, auch wenn es das sicher geben mag.

Und meine eigentliche Frage: Wieso soll der einzelne Mensch nicht imstande sein, sich seinen Halt in der Philosophie zu suchen? Gut, diese hat auch nicht auf alle Fragen Antworten parat. Aber warum sollte man nicht im Augenblick des Staunens über die Welt und die Kürze des Lebens verharren können und die sich ergebenden Spannungen (der Ungewissheit) bzw. Ängste (vor dem Tod etc. ) aushalten können? Warum sollte der einzelne sich folglich immer mit Religion und ihren Scheinantworten zudröhnen, obwohl er doch eigentlich wissen sollte, dass diese auch nur Scheinlösungen bringt?
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 3946
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Christophobie

Beitragvon Misterfritz » So 7. Jan 2018, 21:07

Progressiver hat geschrieben:(07 Jan 2018, 20:25)Und meine eigentliche Frage: Wieso soll der einzelne Mensch nicht imstande sein, sich seinen Halt in der Philosophie zu suchen?
Weil Philosophie keine einfachen Antworten bietet, keine Verheissungen in petto hat. Und, sie ist nicht gemeinschaftsstiftend, wie z.B. Kirchen mit Gottesdiensten und gemeindlicher Arbeit.
Woppadaq
Beiträge: 2798
Registriert: So 8. Apr 2012, 10:29

Re: Christophobie

Beitragvon Woppadaq » So 7. Jan 2018, 21:30

Progressiver hat geschrieben:(07 Jan 2018, 20:25)

Du schreibst, dass der Sinn einer Religion es sei, dem einzelnen Menschen Halt zu geben. Aber was soll ein moderner und aufgeklärter Mensch mit solch einem vorsintflutlichen Konstrukt anfangen können?


Ich frag mich das ja auch, aber eigentlich braucht man dieses Konstrukt nicht für die eigene Religiösität. Was eine Religion ausmacht, sind zum einen ihre Prinzipien, zum anderen die pure Mitgiederzahl. Ein grosser Teil der heutigen Katholiken ist weniger wegen Gott, sondern eher wegen der 10 Gebote Katholik, und ein ganz grosser Teil ist es nur, weil es noch so viele Katholiken gibt. Diese beiden Dinge sind es auch, die einen religiös veranlagten Menschen einen gewissen Halt geben können. Wenn du als moderner Mensch das nicht brauchst, ist das OK, aber es gibt noch sehr viele, die sich ohne Kirche desorientiert, wertlos oder entwurzelt fühlen würden.

Und meine eigentliche Frage: Wieso soll der einzelne Mensch nicht imstande sein, sich seinen Halt in der Philosophie zu suchen? Gut, diese hat auch nicht auf alle Fragen Antworten parat. Aber warum sollte man nicht im Augenblick des Staunens über die Welt und die Kürze des Lebens verharren können und die sich ergebenden Spannungen (der Ungewissheit) bzw. Ängste (vor dem Tod etc. ) aushalten können? Warum sollte der einzelne sich folglich immer mit Religion und ihren Scheinantworten zudröhnen, obwohl er doch eigentlich wissen sollte, dass diese auch nur Scheinlösungen bringt?


Der einzelne muss gar nichts, eine Religion ist auch nur ein Produkt. Manchen gefällts, bei manchen wirkts, bei manchen nicht. Und Philosophie hat die Tendenz, sich in zu elitären Höhen zu verlieren, wo manch nur Mittelbegabter oft nicht hinterherkommt. Ganz zu schweigen davon, dass mir recht oft die emotionale Komponente fehlt, die die Religionen dann wieder zu Genüge bedienen.
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1738
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Christophobie

Beitragvon Progressiver » So 7. Jan 2018, 22:38

Woppadaq hat geschrieben:(07 Jan 2018, 21:30)

Ich frag mich das ja auch, aber eigentlich braucht man dieses Konstrukt nicht für die eigene Religiösität. Was eine Religion ausmacht, sind zum einen ihre Prinzipien, zum anderen die pure Mitgiederzahl. Ein grosser Teil der heutigen Katholiken ist weniger wegen Gott, sondern eher wegen der 10 Gebote Katholik, und ein ganz grosser Teil ist es nur, weil es noch so viele Katholiken gibt. Diese beiden Dinge sind es auch, die einen religiös veranlagten Menschen einen gewissen Halt geben können. Wenn du als moderner Mensch das nicht brauchst, ist das OK, aber es gibt noch sehr viele, die sich ohne Kirche desorientiert, wertlos oder entwurzelt fühlen würden.


Ich fühle mich auch entwurzelt. Und ich habe mich lange gefragt, ob ich zu einer Minderheit gehöre. Da ist zum einen der räumliche Aspekt. Ich bin als sogenannter "Donauschwabe" in Rumänien geboren. Als Kind kam ich dann nach Deutschland. Zu Rumänien habe ich keinen Bezug mehr. Ich kann ja nicht einmal deren Sprache. Aber hier ist es doch etwas anderes so zu leben als wenn man hier geboren wurde. Zudem darf man nicht vergessen: Viele Gewissheiten von früher gelten nichts mehr, da sie durch den technologischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt überholt sind. Wie damit umgehen? Es gibt da natürlich die Verbände, in denen sich die sogenannten Landsmannschaften organisieren und die alte Zeit in Rumänien wach halten wollen. Natürlich halten diese auch noch am katholischen Glauben fest. Ich für meinen Teil jedoch bin jederzeit bereit, den Schritt ins Ungewisse zu gehen. Ich bin schon mehrmals innerhalb Baden-Württembergs umgezogen. Ich bin mit neunzehn aus der katholischen Kirche ausgetreten. Usw. usw.

Bin ich aber ein Einzelfall, weil ich mich entwurzelt fühle? Ich denke, es kommt auch darauf an, wie man es anpackt. Wenn man aktiv einen mutigen Schritt nach vorne macht, weil man es für das Richtige hält, dann behält man die Kontrolle über sein Leben. Das heißt aber noch lange nicht, dass man seine Vergangenheit komplett verraten muss. Aber im Falle eines Umzugs in ein anderes Land oder eine andere Stadt ist es oftmals nötig, neue Wege zu gehen, weil sich neue Chancen eröffnen. Ebenso bei dem Punkt, dass man nicht mehr Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein will, weil man nicht mehr an die Inhalte glauben will oder kann. Auf jeden Fall kann ich als vorwärts denkender Mensch auch die Chancen sehen, sein Weltbild zu verbessern. Trotz Zweifeln kann man zudem in anderen Städten oder Ländern ja auch neue Freunde finden, die einem eine emotionale Stütze sein können.

Ganz anders jedoch ist es, wenn jemand von außen dazu gedrängt wird, sich entwurzelt zu fühlen. Ich weiß nicht, wie es beispielsweise den syrischen Flüchtlingen geht, die zumindest räumlich entwurzelt wurden und fliehen mussten. Aber auch viele Deutsche fühlen sich meiner Beobachtung nach entwurzelt, da der gesellschaftliche, technologische und wissenschaftliche Fortschritt so rasant vonstatten geht, dass sie nicht mehr mitkommen. Aber wenn man sich nicht immer wieder von alleine verändert, dann fühlt man sich eben als Opfer von Veränderungen.

Mittlerweile habe ich jedenfalls keine große Hemmung, mich als entwurzelt zu outen. So trägt mich doch die Gewissheit, dass der rasante Fortschritt oder räumliche Umzüge vermutlich einem Großteil der heutigen Menschheit ein Gefühl von Entwurzelung geben. Und nur die Einstellung dazu macht den Unterschied. Man kann dies alles bejahen und sich anderswo neue Freunde suchen bzw. neue Wurzeln schlagen. Oder man jammert, fühlt sich als Opfer und wird möglichweise sogar gewalttätig, um ein "Goldenes Zeitalter" der Vergangenheit wiederherzustellen.


Der einzelne muss gar nichts, eine Religion ist auch nur ein Produkt. Manchen gefällts, bei manchen wirkts, bei manchen nicht. Und Philosophie hat die Tendenz, sich in zu elitären Höhen zu verlieren, wo manch nur Mittelbegabter oft nicht hinterherkommt. Ganz zu schweigen davon, dass mir recht oft die emotionale Komponente fehlt, die die Religionen dann wieder zu Genüge bedienen.


Die Primärliteratur sehr vieler Philosophen ist wirklich schwer verdauliche Kost. Aber man kann es ja auch mit Sekundärliteratur versuchen, um dort erklärt zu bekommen, was die Autoren überhaupt gemeint haben. ;) :thumbup:
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
Antonius
Beiträge: 4097
Registriert: Mo 9. Jun 2008, 22:57
Benutzertitel: SURSUM CORDA
Wohnort: BRD

Re: Christophobie

Beitragvon Antonius » Di 9. Jan 2018, 10:52

Watchful_Eye hat geschrieben:(06 Jan 2018, 08:14)
Niemand sollte auf "Ewig in der Hölle schmoren". Hat eigentlich schonmal jemand darüber nachgedacht, was das für eine absurde Form der Bestrafung ist? Unendliche Folter auf ewig? Selbst bei jemandem wie Hitler hätte ich da noch meine Schwierigkeiten. Diese Art von Bestrafung ermöglicht keinerlei nachträglichen Lernprozess und ist, konsequent zuendegedacht - wir reden hier schließlich von unendlichen Schmerzen in unbegrenzter Zeit (unbegrenzt! nicht 100 Jahre, nicht 1000, nicht 100000000000...) - im Prinzip für keine irdische Form von Gräueltat angemessen. Und selbst, wenn man es für angemessen hielte - wozu? Eine Todesstrafe ist nichts dagegen..

Ich halte die Forderung, jemand solle "auf Ewig in der Hölle schmoren", für fundamental menschenverachtend und dem Prinzip der Menschenwürde entgegenstehend.
Ich sehe den Tatbestand völlig anders.
Ich sehe die vielen unschuldigen Opfer, die Frauen, Kinder und Männer; es ist eine gewissenlose Tat aus ideologischen Gründen.
Die Täter handelt "fundamental menschenverachtend und dem Prinzip der Menschenwürde entgegenstehend".

Theologisch gesehen, ist die Tat eines Selbstmordattentäters absolut unmoralisch, sie ist in höchsten Maße moralisch verwerflich, sie ist das absolute Böse.
Der Selbstmordattentäter ist die Inkarnation des absolut Bösen.
Wer unschuldige Menschen ermordet und/oder verwundet, um ein ideologisches Ziel zu erreichen, ist auf der alleruntersten moralischen Stufe angekommen.
Die Strafe der ewigen Verdammnis erscheint angesichts der monströsen Tat eher als viel zu milde, um Gerechtigkeit herstellen zu können.

Ich bleibe bei meiner Aussage: "Der Täter möge auf ewig in der Hölle schmoren".

Juristisch gesehen ist das Selbstmordattentat vielfacher Mord aus niedrigen Beweggründen an unschuldigen Menschen.
Als angemessene Strafe erscheint, wenn der Täter noch habhaft zu machen ist, die Einkerkerung lebenslänglich.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)

Zurück zu „81. Religion“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast