Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

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Milady de Winter
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon Milady de Winter » Mo 10. Dez 2018, 20:21

In meinen Augen sollte jeder selbst entscheiden dürfen, ob er leben oder sterben möchte. Auch im Gefängnis. Auf der enen Seite gegen die Todesstrafe zu argumentieren, weil sie inhuman ist, aber gleichzeitig den Häftling mit "Leben hinter Gittern" bestrafen zu wollen, ist meiner Meinung nach Heuchlerei und Doppelmoral.
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JJazzGold
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon JJazzGold » Di 11. Dez 2018, 10:48

MäckIntaier hat geschrieben:(10 Dec 2018, 14:35)

Manchmal ist die Zivilisationsdecke nicht nur dünn, sondern auch ziemlich löchrig.


In der Tat. Wobei wir beachten sollten, dass ein vorwiegend auf Rache und nicht auf Wiedergutmachung beruhendes Rechtssystem dem Vorschub leistet. Um zu erklären, was ich meine, nur zwei Fragen.

Was hat eine Familie, deren ggfls einziger, Ernährer davon, wenn der mordende Täter jahrelang u.a. auf Kosten eben dieser Familie Jahre- oder jahrzehntelang untätig in einer Zelle weggeschlossen sitzt?
Was hat eine Familie davon, wenn die Mutter plötzlich fehlt und sich der Vater damit quälen muss, diese Familie neben der Erwerbstätigkeit angemessen zu betreuen, während der Täter untätig und von eben diesem jetzt doppelt belasteten Familienvater versorgt der Zelle schmort?
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon Tom Bombadil » Di 11. Dez 2018, 11:13

JJazzGold hat geschrieben:(11 Dec 2018, 10:48)

Um zu erklären, was ich meine, nur zwei Fragen.

Das Opfer bzw. die Gesellschaft hat keine wirtschaftlichen Vorteile, wenn Täter weggesperrt werden, dadurch entstehen nur Kosten. Allerdings haben die Opfer die Gewissheit, dass dieser Täter zwar lebt, im Gefängnis aber sicherlich keine so besonders tolle Zeit verlebt und sie haben die Gewissheit, dass der Täter nicht erneut über sie herfallen kann. Zudem werden potentielle Opfer dem Zugriff dieses Täters entzogen, das sorgt für Sicherheit und hat imho mit Rache nichts zu tun.

Wie könnte ein Täter denn einen Mord oder eine Vergewaltigung wieder gut machen? Indem der Staat Hilfe zum Selbstmord anbietet?
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon JJazzGold » Di 11. Dez 2018, 11:48

Tom Bombadil hat geschrieben:(11 Dec 2018, 11:13)

Das Opfer bzw. die Gesellschaft hat keine wirtschaftlichen Vorteile, wenn Täter weggesperrt werden, dadurch entstehen nur Kosten. Allerdings haben die Opfer die Gewissheit, dass dieser Täter zwar lebt, im Gefängnis aber sicherlich keine so besonders tolle Zeit verlebt und sie haben die Gewissheit, dass der Täter nicht erneut über sie herfallen kann. Zudem werden potentielle Opfer dem Zugriff dieses Täters entzogen, das sorgt für Sicherheit und hat imho mit Rache nichts zu tun.

Wie könnte ein Täter denn einen Mord oder eine Vergewaltigung wieder gut machen? Indem der Staat Hilfe zum Selbstmord anbietet?


Von wirtschaftlichen Vorteil ist gar nicht die Rede, sondern von gerechtem Ersatz, auch wenn dieser nur noch in monetärer Form geleistet werden kann, aber doch zumindest hilft, das jetzt deutlich eingeschränkte Leben zu erleichtern.

Es ist allerdings in der Tat fraglich, welcher Arbeitgeber einen solchen Täter beschäftigen würde, selbst wenn durch Elektronik gesichert werden könnte, dass dieser nicht erneut gewalttätig werden kann.
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon Tom Bombadil » Di 11. Dez 2018, 13:12

JJazzGold hat geschrieben:(11 Dec 2018, 11:48)

Von wirtschaftlichen Vorteil ist gar nicht die Rede, sondern von gerechtem Ersatz, auch wenn dieser nur noch in monetärer Form geleistet werden kann, aber doch zumindest hilft, das jetzt deutlich eingeschränkte Leben zu erleichtern.

Dass der Staat bzw. die Gesellschaft viel mehr tun müsste, um den Opfern von Kriminalität zu helfen, da rennst du bei mir offene Türen ein.

Es ist allerdings in der Tat fraglich, welcher Arbeitgeber einen solchen Täter beschäftigen würde, selbst wenn durch Elektronik gesichert werden könnte, dass dieser nicht erneut gewalttätig werden kann.

Arbeitgeber brauchen motivierte Arbeitnehmer, mit solchen Typen kann kein Unternehmer etwas anfangen. Wie stellst du dir das denn konkret vor? Normales Leben, nur mit Zwangsarbeit?
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon JJazzGold » Di 11. Dez 2018, 13:37

Tom Bombadil hat geschrieben:(11 Dec 2018, 13:12)

Dass der Staat bzw. die Gesellschaft viel mehr tun müsste, um den Opfern von Kriminalität zu helfen, da rennst du bei mir offene Türen ein.


Arbeitgeber brauchen motivierte Arbeitnehmer, mit solchen Typen kann kein Unternehmer etwas anfangen. Wie stellst du dir das denn konkret vor? Normales Leben, nur mit Zwangsarbeit?



So in etwa, zumindest muss dabei eine langfristige Entschädigung heraus kommen. Allerdings würde ich das nicht als Zwangsarbeit betrachten, sondern als gerechtfertigte Unterstützung.

Mal so als Nebengedanke, vielleicht würde der eine oder andere Straftäter diese Form der Wiedergutmachung positiv bewerten, statt sich mit Gedanken an Sterbehilfe in den endlos vor ihm ihr vorliegenden Zellenjahren zu beschäftigen. Solche Gedanken zeugen meines Erachtens von erwarteter Auswegslosigkeit.
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Re: Sterbehilfe im Gefängnis (Ethik)

Beitragvon Tom Bombadil » Di 11. Dez 2018, 13:57

Damit es eine finanzielle Entschädigung der Opfer durch den Täter geben kann, muss dieser aber arbeiten. Will er das nicht, musst du ihn zur Arbeit zwingen, denn sonst gibt es ja keine Entschädigung. Klar, das könnte eine Perspektive für Straftäter sein, aber wie genau stellst du dir das vor? Macht der einen normalen 40 Wochenstundenjob und muss nur einen Teil seines Einkommens abgeben, kann für den Rest der Zeit aber so leben, als hätte er nie eine schwere Straftat begangen? Und was ist bei mehreren Opfern, wenn der Täter gar nicht so viel Geld ranschaffen kann?
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