Was ist links ...

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Re: Was ist links ...

Beitragvon JJazzGold » Mo 26. Nov 2018, 16:31

PeterK hat geschrieben:(26 Nov 2018, 16:08)

Dann wäre Kohl links (53 % Spitzensteuersatz), Pleite-Lindner nicht liberal und Scholz konservativ? ;)


Ich bin in der Lage global zu betrachten, noch dazu, ohne eine Wertung vorzunehmen, wie ihr Vertreter der “positiv vs negativ“ Betrachtung sicherlich bemerkt habt. ;)
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imp
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Re: Was ist links ...

Beitragvon imp » Mo 26. Nov 2018, 16:39

JJazzGold hat geschrieben:(26 Nov 2018, 09:23)

Links ist das was Geld kostet, liberal ist das was das Geld produziert und konservativ ist das was die Kasse verwaltet.

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Re: Was ist links ...

Beitragvon Progressiver » Mo 26. Nov 2018, 20:38

Die Grundfrage des Threads verstehe ich so, was heute links ist. Einige Kommentare hier versuchen anscheinend das Linkssein dadurch zu definieren, was es einmal war oder aber nicht. Was mich betrifft, interessieren mich die Debatten und Kämpfe der Vergangenheit nur wenig. Kein Mensch wünscht sich den real existierenden Sozialismus zurück. Der entfesselte Kapitalismus dagegen ist gerade wieder dabei, eine neue Krise auszubrüten. Die neoliberalen "Experten" meinen natürlich, dass es so etwas wie Krisen nicht gäbe. Und wenn, dann wären sie etwas gutes. Die Krisen sind aber in der Wirklichkeit systemimmanent im real existierenden Kapitalismus. Die letzte Finanzkrise hat gezeigt, dass in solch einer Lage Gewinne privatisiert, Verluste aber sozialisiert werden. Als links stehender Mensch und Wähler finde ich, dass das umgekehrt sein sollte. "Nie wieder Bankstersozialismus", sollte die Devise lauten.

Und wie ich schon schrieb: Den Steuerbehörden alleine in den EU-Staaten entgehen durch Steuerflucht hunderte von Milliarden Euros jährlich. Die neoliberalen Eliten wetteifern zudem darum, wer den Konzernen die niedrigsten Dumpingsteuersätze anbieten kann. Links zu sein bedeutet, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Wie viele Kindergärten, Schulen, Sozialwohnungen etc. könnte man bauen, wenn man sowohl den Steuerverbrechern das Handwerk legen als auch die Steuersätze für Firmen wenigstens auf europäischer Ebene gleich hoch machen könnte? Und auch die kommende Klimakatastrophe sollte man auf dem Schirm haben. Die Neoliberalen meinen, dass ihre Gottheit, nämlich der totale Markt, dieses Problem schon lösen werde. Die Ultrarechten wiederum bezweifeln sogar, dass der Klimawandel menschengemacht sei.

Als politisch links stehender Mensch will ich die Demokratie und den Sozialstaat auch in eigenem Interesse verteidigen, damit nicht der totale Markt unser aller Leben bestimmt. Menschenrecht vor scheinbar übernatürlichen Marktgesetzen! Gemeinschaftliches Leben anstatt monadenhafte Vereinzelung, Isolation und Vereinsamung im neoliberalen Spätkapitalismus! Weiterhin brauchen wir ein neues faktenbasiertes Zeitalter der Aufklärung anstatt rechter Fake News. Und die Zukunft wird entweder ökologischer sein als heute. Oder die Menschheit schaufelt sich ihr eigenes Grab. Die Rechten bieten nichts in all den genannten Fragestellungen. Die Neoliberalen auch nicht. Es bleibt einem heutzutage also gar nichts anders übrig, als politisch links zu stehen.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon MäckIntaier » Mo 26. Nov 2018, 22:09

Selina hat geschrieben:(26 Nov 2018, 15:45)

Im Forum wird der Begriff "Kollektivismus" meist als Vorstufe bzw. sogar Bestandteil des so genannten Totalitarismus verwendet. Die Gesellschaft habe quasi den Vorrang vor dem Individuum, was zum Beispiel den "real existierenden Sozialismus" ausgemacht habe. So wird es von Ihnen und anderen Rechtskonservativen ja ständig diskutiert. Und ich entgegnete, dass die Linke inzwischen aus ihren Fehlern gelernt hat und dem Individualismus und dem Individuum einen höheren Stellenwert einräumt als zu früheren Zeiten. Was völlig in Ordnung ist. Das bedeutet heute zum Beispiel, solche Bedingungen zu schaffen, wo der Einzelne Chancengleichheit und Gerechtigkeit erfahren kann. Das ist eine Rückkehr zur Marx-Aussage, wo "der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, 1843/44).


Soso, so wird es von "mir und anderen Rechtskonservativen" also diskutiert. Und schon hat man als ins Feindbild Zwangseingemeindeter ein Etikett an der Stirn pappen und sollte nun vors eröffnete Tribunal treten und beschwören, man sei ja nicht und so weiter. Ja, so funktioniert - nein, nicht linke Rhetorik, sondern die Rhetorik ALLER, die sich im Besitz der Macht befinden, glauben oder erst zu gelangen trachten oder die zumindest die absolute sprachliche Deutungshoheit und schubladerische Einordnungskompetenz beanspruchen. Das heißt im Klartext: Es wird von all denjenigen so diskutiert, die in der Zwangsjacke ihrer Ideologien festgezurrt sitzen. Genau darin unterscheidet sich der demokratische Sozialist halt nicht vom demokratischen Faschisten, der neue Linke nicht vom neuen Rechten: ohne diese Schubladen würden sie stürzen.

Zum Marx-Zitat. Auch eines der schönen Zitate aus der Feder des großen Utopisten. Damit der Mensch das höchste Wesen des Menschen sei, lesen wir hier, sei die Maxime aller Politik, sämtliche Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes usw. Es weiß keiner, wann und wie ein Mensch das höchste Wesen des Menschen sei, aber es klingt so pastoral-human. Je weiter eine Utopie, so hat Ludwig Marcuse mal in einem Aufsatz über Utopien geschrieben, vom Ist-Zustand der Gegenwart entfernt sei, desto vager auch die Angaben darüber, wie das von wem zu bewerkstelligen sei. Und die Marx-Trunkenen haben dann in der Tat am Menschen gearbeitet. Trotzki zum Beispiel hat auch philosophiert darüber:

Das Leben, selbst das rein psychische, wird zu einem kollektiv experimentellen werden. Das Menschengeschlecht, der erstarrte Homo sapiens, wird erneut radikal umgearbeitet und - unter seinen eigenen Händen - zum Objekt kompliziertester Methoden der künstlichen Auslese und des psychophysischen Trainigs werden. (aus: Literatur und Revolution)


Nur damit einmal klar wird, dass ein demokratischer Sozialismus schon auch ein bisschen mehr Leichen im Keller liegen hat als es ihm lieb ist. Das Zitierte hätte auch im Gründungsdokument der Napola stehen können.

Chancengleichheit oder Gerechtigkeit, das hat noch jeder im Programm, daran ist nichts links. Es ist auch keine Rückkehr zu Marx. Was Sie tun müssten, das wäre: die Bedingungen benennen, die dafür geschaffen werden müssen, und zwar ganz konkret, nicht in allgemeinen blumigen Worten. Aber daran scheitert ja selbst Wagenknecht, die im Grunde auch keinen Plan hat und die wirkt, als wolle sie der Linken jetzt doch Mouffes Konzept eines linken Populismus antragen. Aber das ist die Kehrseite des allzu positiv konnotierten Begriffes links: Der Rebellionsgeist zündet nur rechts so richtig. Die Linke stößt hier einfach mit dem Kopf an die Decke. Nur Feinde zu haben nützt halt nichts.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Selina » Mo 26. Nov 2018, 23:06

MäckIntaier hat geschrieben:(26 Nov 2018, 22:09)

Soso, so wird es von "mir und anderen Rechtskonservativen" also diskutiert. Und schon hat man als ins Feindbild Zwangseingemeindeter ein Etikett an der Stirn pappen und sollte nun vors eröffnete Tribunal treten und beschwören, man sei ja nicht und so weiter. Ja, so funktioniert - nein, nicht linke Rhetorik, sondern die Rhetorik ALLER, die sich im Besitz der Macht befinden, glauben oder erst zu gelangen trachten oder die zumindest die absolute sprachliche Deutungshoheit und schubladerische Einordnungskompetenz beanspruchen. Das heißt im Klartext: Es wird von all denjenigen so diskutiert, die in der Zwangsjacke ihrer Ideologien festgezurrt sitzen. Genau darin unterscheidet sich der demokratische Sozialist halt nicht vom demokratischen Faschisten, der neue Linke nicht vom neuen Rechten: ohne diese Schubladen würden sie stürzen.

Zum Marx-Zitat. Auch eines der schönen Zitate aus der Feder des großen Utopisten. Damit der Mensch das höchste Wesen des Menschen sei, lesen wir hier, sei die Maxime aller Politik, sämtliche Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes usw. Es weiß keiner, wann und wie ein Mensch das höchste Wesen des Menschen sei, aber es klingt so pastoral-human. Je weiter eine Utopie, so hat Ludwig Marcuse mal in einem Aufsatz über Utopien geschrieben, vom Ist-Zustand der Gegenwart entfernt sei, desto vager auch die Angaben darüber, wie das von wem zu bewerkstelligen sei. Und die Marx-Trunkenen haben dann in der Tat am Menschen gearbeitet. Trotzki zum Beispiel hat auch philosophiert darüber:



Nur damit einmal klar wird, dass ein demokratischer Sozialismus schon auch ein bisschen mehr Leichen im Keller liegen hat als es ihm lieb ist. Das Zitierte hätte auch im Gründungsdokument der Napola stehen können.

Chancengleichheit oder Gerechtigkeit, das hat noch jeder im Programm, daran ist nichts links. Es ist auch keine Rückkehr zu Marx. Was Sie tun müssten, das wäre: die Bedingungen benennen, die dafür geschaffen werden müssen, und zwar ganz konkret, nicht in allgemeinen blumigen Worten. Aber daran scheitert ja selbst Wagenknecht, die im Grunde auch keinen Plan hat und die wirkt, als wolle sie der Linken jetzt doch Mouffes Konzept eines linken Populismus antragen. Aber das ist die Kehrseite des allzu positiv konnotierten Begriffes links: Der Rebellionsgeist zündet nur rechts so richtig. Die Linke stößt hier einfach mit dem Kopf an die Decke. Nur Feinde zu haben nützt halt nichts.


Was ist denn ein "demokratischer Faschist"? Mehr als eine contradictio in adiecto ist darin nicht zu erkennen. Noch kurioser wirds dann in der hochtrabenden Phrase "Der Rebellionsgeist zündet nur rechts so richtig". Wahnsinn! Klingt nach "Institut für Staatspolitik".
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Progressiver » Mo 26. Nov 2018, 23:08

MäckIntaier hat geschrieben:(26 Nov 2018, 22:09)

Chancengleichheit oder Gerechtigkeit, das hat noch jeder im Programm, daran ist nichts links.


Das stimmt so nicht. Bitte Beweise oder Belege dieser Aussage bringen! Wo bitte schön finden sich Aussagen bei rechten Parteien in Deutschland, die sich für die Gleichstellung beispielsweise von Frauen, Behinderten, materiell Armen oder sonstwie Unterprivilegierter einsetzen?

Es ist auch keine Rückkehr zu Marx. Was Sie tun müssten, das wäre: die Bedingungen benennen, die dafür geschaffen werden müssen, und zwar ganz konkret, nicht in allgemeinen blumigen Worten. Aber daran scheitert ja selbst Wagenknecht, die im Grunde auch keinen Plan hat und die wirkt, als wolle sie der Linken jetzt doch Mouffes Konzept eines linken Populismus antragen. Aber das ist die Kehrseite des allzu positiv konnotierten Begriffes links: Der Rebellionsgeist zündet nur rechts so richtig. Die Linke stößt hier einfach mit dem Kopf an die Decke. Nur Feinde zu haben nützt halt nichts.


Es geht nicht darum, Feinde zu haben. Es geht darum, dass die Nöte vieler Menschen gelindert werden. Warum sollen Multimillionäre und Milliardäre mehr Rechte und Privilegien haben als der Rest der Menschheit? Und nein: Das Geld dieser Welt ist bei diesen nicht gut angelegt. Sie spekulieren nicht nur mit Wohnraum, sondern das "Immer-Mehr" des Kapitalismus bedroht unser aller Lebensgrundlage. Wir haben halt nur eine einzige Erde. Wenn irgendwelche Rechte, die ein Brett vor dem Kopf haben, die Moderne als rotes Tuch sehen und Menschen jagen wollen, dann ist das auch ein Problem. Aber auch der Punkt, dass der Reichtum dieser Welt in irgendwelchen Steueroasen versickert, während viele Staaten kaputtgespart werden, ist wichtig. Natürlich braucht es Widerstand gegen die derzeitigen Zustände. Aber auch reflexives Denken.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon MäckIntaier » Di 27. Nov 2018, 08:44

Progressiver hat geschrieben:(26 Nov 2018, 23:08)

Das stimmt so nicht. Bitte Beweise oder Belege dieser Aussage bringen! Wo bitte schön finden sich Aussagen bei rechten Parteien in Deutschland, die sich für die Gleichstellung beispielsweise von Frauen, Behinderten, materiell Armen oder sonstwie Unterprivilegierter einsetzen?


Sie hatten nicht nur Rechte aufgezählt. Und von der FDP über die Grünen, die CDU bis hin zur SPD haben alle irgendeine Form von Gerechtigkeit auf der Agenda, obwohl alle nach Ihren Maßstäben mehr oder weniger stark ins Neoliberale verstrickt sind. Gleichstellung von Frauen, Behinderten etc. ist nun wirklich kein linkes Allein-Hobby mehr.

Progressiver hat geschrieben:(26 Nov 2018, 23:08)
Es geht nicht darum, Feinde zu haben. Es geht darum, dass die Nöte vieler Menschen gelindert werden. Warum sollen Multimillionäre und Milliardäre mehr Rechte und Privilegien haben als der Rest der Menschheit? Und nein: Das Geld dieser Welt ist bei diesen nicht gut angelegt. Sie spekulieren nicht nur mit Wohnraum, sondern das "Immer-Mehr" des Kapitalismus bedroht unser aller Lebensgrundlage. Wir haben halt nur eine einzige Erde. Wenn irgendwelche Rechte, die ein Brett vor dem Kopf haben, die Moderne als rotes Tuch sehen und Menschen jagen wollen, dann ist das auch ein Problem. Aber auch der Punkt, dass der Reichtum dieser Welt in irgendwelchen Steueroasen versickert, während viele Staaten kaputtgespart werden, ist wichtig. Natürlich braucht es Widerstand gegen die derzeitigen Zustände. Aber auch reflexives Denken.


Wer Politik macht und das, was Sie hier aufzählen, auch ändern, und nicht nur in dramatischen Sonntagsreden beschwören will, der hat oder macht sich Feinde und er braucht Macht, um konkret etwas an den Verhältnissen zu ändern. Diejenigen, die Sie hier aufzählen, sind mächtig, und wer das ändern will, sollte mächtiger sein. Wer Macht anstrebt, muss sich die Finger schmutzig machen, Denken allein erzeugt hübsche Sonntagspredigten. Links zu sein, rechts zu sein, regieren zu wollen, handeln zu können: alles eine Frage von Macht. Und der Machtkampf beginnt ab dem Augenblick, in dem Sie bloß in den Diskurs eintreten. Was glauben Sie, woher die ganzen rhetorischen Schlammschlachten rühren?

Eine Frage sollte man getrennt beantworten: "Warum sollen Multimillionäre und Milliardäre mehr Rechte und Privilegien haben als der Rest der Menschheit?" Das ist einfach: Sie sollen vielleicht nicht, aber da sie es können, heben sie alles Sollen auf. Sie haben die Macht, das durchzusetzen. Und das müssen Sie erst einmal toppen. Denken Sie einmal über die Machtverhältnisse und über die konkreten Möglichkeiten dieser Menschen nach - dann können Sie ermessen, welche drastischen Mittel Sie dem entgegensetzen müssen. Gerechtigkeit? Ja - aber WIE GENAU stellen Sie die her? Ohne Feindbilder? Nur mit Moral? Das ist mit Steinschleudern gegen Panzer gekämpft.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon JJazzGold » Di 27. Nov 2018, 08:54

imp hat geschrieben:(26 Nov 2018, 16:39)

Der massive Personalaufwuchs bei Bundeswehr und Geheimdiensten ist demnach "links"?


Kosten soziale Ausgleichszahlungen Geld, ja oder nein?
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Re: Was ist links ...

Beitragvon MäckIntaier » Di 27. Nov 2018, 09:09

Selina hat geschrieben:(26 Nov 2018, 23:06)

Wahnsinn! Klingt nach "Institut für Staatspolitik".


Sehen Sie, genau das ist der Grund, weshalb ich über das Beobachten und Verstehen hinaus keinerlei Interesse an der Teilnahme an praktischer Politik habe und auch in keiner irgendwie gearteten Form daran teilnehme. Links sein, rechts sein: Genau das kommt dabei raus. Beides ist nicht nur eine Gesinnung, eine Weltanschauung, es ist auch eine Methode. Eine üble Methode, alternativlos. Wenn die Alternativlosgkeit beim Einzelnen auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten eintritt. Nichts gelernt aus der Geschichte halt.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Alpha Centauri » Di 27. Nov 2018, 12:48

MäckIntaier hat geschrieben:(27 Nov 2018, 08:44)

Sie hatten nicht nur Rechte aufgezählt. Und von der FDP über die Grünen, die CDU bis hin zur SPD haben alle irgendeine Form von Gerechtigkeit auf der Agenda, obwohl alle nach Ihren Maßstäben mehr oder weniger stark ins Neoliberale verstrickt sind. Gleichstellung von Frauen, Behinderten etc. ist nun wirklich kein linkes Allein-Hobby mehr.



Wer Politik macht und das, was Sie hier aufzählen, auch ändern, und nicht nur in dramatischen Sonntagsreden beschwören will, der hat oder macht sich Feinde und er braucht Macht, um konkret etwas an den Verhältnissen zu ändern. Diejenigen, die Sie hier aufzählen, sind mächtig, und wer das ändern will, sollte mächtiger sein. Wer Macht anstrebt, muss sich die Finger schmutzig machen, Denken allein erzeugt hübsche Sonntagspredigten. Links zu sein, rechts zu sein, regieren zu wollen, handeln zu können: alles eine Frage von Macht. Und der Machtkampf beginnt ab dem Augenblick, in dem Sie bloß in den Diskurs eintreten. Was glauben Sie, woher die ganzen rhetorischen Schlammschlachten rühren?

Eine Frage sollte man getrennt beantworten: "Warum sollen Multimillionäre und Milliardäre mehr Rechte und Privilegien haben als der Rest der Menschheit?" Das ist einfach: Sie sollen vielleicht nicht, aber da sie es können, heben sie alles Sollen auf. Sie haben die Macht, das durchzusetzen. Und das müssen Sie erst einmal toppen. Denken Sie einmal über die Machtverhältnisse und über die konkreten Möglichkeiten dieser Menschen nach - dann können Sie ermessen, welche drastischen Mittel Sie dem entgegensetzen müssen. Gerechtigkeit? Ja - aber WIE GENAU stellen Sie die her? Ohne Feindbilder? Nur mit Moral? Das ist mit Steinschleudern gegen Panzer gekämpft.


Naja aber genau dieses Grundprobleme dass die Leute mit Einfluss und Geld politische Entscheidungsprozesse manipulieren und an Gesetzen oft ( nicht zum Allgemeinwohl sondern aus nacktem.partikularen Interessen) mitschreiben ( das umstrittene Thema Lobbyismus) und die anderen ohne entsprechende Mittel eben nicht ( Automanager vs Hartz4 wer wird wohl mit seinen Anliegen und Interessen eher Gehör finden in der Politik???) ist ein Grundproblem mit grundsätzlich potenzieller Sprengsatzgefahr für dass jeweilige politische System. Es macht keinen.Unterschied ob Diktatur oder Demokratie dass von mir beschriebene Grundproblem betrifft beide.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon MäckIntaier » Di 27. Nov 2018, 13:17

Alpha Centauri hat geschrieben:(27 Nov 2018, 12:48)

Naja aber genau dieses Grundprobleme dass die Leute mit Einfluss und Geld politische Entscheidungsprozesse manipulieren und an Gesetzen oft ( nicht zum Allgemeinwohl sondern aus nacktem.partikularen Interessen) mitschreiben ( das umstrittene Thema Lobbyismus) und die anderen ohne entsprechende Mittel eben nicht ( Automanager vs Hartz4 wer wird wohl mit seinen Anliegen und Interessen eher Gehör finden in der Politik???) ist ein Grundproblem mit grundsätzlich potenzieller Sprengsatzgefahr für dass jeweilige politische System. Es macht keinen.Unterschied ob Diktatur oder Demokratie dass von mir beschriebene Grundproblem betrifft beide.


Ja, das ist so - und es war so ab dem Moment, in dem Privateigentum das Licht der Welt erblickte. Spätestens ab diesem Moment fallen die sonstigen Unterschiede der Menschen so richtig ins Gewicht, weil zum überlegenen bzw. fehlenden Vermögen auch noch das Einfluss bildende mehr oder weniger Haben hinzukommt. Doch eine Welt ohne Privateigentum, die Voraussetzung für eine (völlig ausgeschlossene) Rückkehr zu einer etwas gerechteren oder gleicheren Welt wäre, wird es nicht geben. Geschlossene Gesellschaften können zu offenen werden, offene nur zu Totalitären. Und genau dort haben bisher alle sozialistischen ersuche geendet. Außer Norwegen kenne ich kein Land, in dem so ein halbsozialistisches Experiment gelungen wäre - wobei bei denen sicher auch noch andere gesellschaftliche Faktoren hinzukommen, dass sie ihren Reichtum aus dem Öl nicht sinnlos verpulvert haben. Deshalb muss in Deutschland, wer wirklich links im sozailen und antikapitalistischen Sinne ist, schweres Geschütz auffahren, das nicht mehr demokratiekonform wäre. (Jedenfalls nach meiner Meinung.)
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Maltrino » Di 27. Nov 2018, 15:46

Narrative hat geschrieben:(25 Nov 2018, 18:52)

Mir sei erlaubt eine Frage in den öffentlichen Raum zu stellen.

Was sind die Unterscheidungsmerkmale resp. die grundlegenden Prädikate einer linken "Haltung"?

[*]


Also eine linke Haltung drückt sich zum Beispiel so aus:
https://punk.de/dateien/2/produkte/-pun ... faf469.jpg

Eine rechte dagegen so:
https://images.gutefrage.net/media/frag ... 4127018801

Ich denke, das sind eindeutige Merkmale! Bitteschön.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon imp » Mi 28. Nov 2018, 06:58

JJazzGold hat geschrieben:(27 Nov 2018, 08:54)

Kosten soziale Ausgleichszahlungen Geld, ja oder nein?

Zahlungen kosten immer erst mal Geld. Oft wendet man mit ihnen weitere Kosten ab.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon JJazzGold » Mi 28. Nov 2018, 08:19

imp hat geschrieben:(28 Nov 2018, 06:58)

Zahlungen kosten immer erst mal Geld. Oft wendet man mit ihnen weitere Kosten ab.


Weshalb tickt “links“ eigentlich immer gleich aus, wenn der Begriff “Geld“ fällt“?
Statt dessen hätte ich auch Hirse oder Emmer schreiben können.
Ist es das latent vorhandene schlechte Gewissen, weil für links der Begriff “Geld“ bedeutet etwas auszugeben, was nicht selbst erwirtschaftet wurde?

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Re: Was ist links ...

Beitragvon MäckIntaier » Mi 28. Nov 2018, 08:28

JJazzGold hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:19)

Weshalb tickt “links“ eigentlich immer gleich aus, wenn der Begriff “Geld“ fällt“?
Statt dessen hätte ich auch Hirse oder Emmer schreiben können.
Ist es das latent vorhandene schlechte Gewissen, weil für links der Begriff “Geld“ bedeutet etwas auszugeben, was nicht selbst erwirtschaftet wurde?



Mhm, da würde ich, wäre ich Linker, jetzt aber sagen, dass man sich über den Begriff "erwirtschaften" durchaus unterhalten könnte. Der goldene Löffel im Mund ist durchaus keine Eigenleistung sondern resultiert aus einer gewissen Kontingenz.

Aber vom Grundsatz her stimmt natürlich schon, dass vor allem das o.a. Linkssein immer verschärftes Anspruchsdenken gegen den Staat ist (so wie Liberalen umgekehrt schwer am Päckchen tragen, für nicht-staatliche Machtverhältnisse blind zu sein)
Zuletzt geändert von MäckIntaier am Mi 28. Nov 2018, 08:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Zinnamon » Mi 28. Nov 2018, 08:29

JJazzGold hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:19)

Weshalb tickt “links“ eigentlich immer gleich aus, wenn der Begriff “Geld“ fällt“?
Statt dessen hätte ich auch Hirse oder Emmer schreiben können.
Ist es das latent vorhandene schlechte Gewissen, weil für links der Begriff “Geld“ bedeutet etwas auszugeben, was nicht selbst erwirtschaftet wurde?



Du hättest schreiben können, was du scheinbar (deiner nächsten Einlassung nach jedenfalls) meinst: Transfairleistungen. Dass nur Linke Geld ausgeben wäre ja nun fix belegbar fakenews.

Aber es ist, wie andere schon schrieben, eben komplexer. Wenn Parteien zB engagiert und langfristig die Einführung eines Mindestlohns blockieren und damit unmittelbar zu einem erhöhten aufkommen von Transfairleistungen beitragen, dann würde ich das nicht per se links nennen.

;)
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Re: Was ist links ...

Beitragvon JJazzGold » Mi 28. Nov 2018, 08:43

Zinnamon hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:29)

Du hättest schreiben können, was du scheinbar (deiner nächsten Einlassung nach) meinst: Transfairleistungen. Dass nur Linke Geld ausgeben wäre ja nun fix belegbar fakenews. ;)


@Zinnamon und @MäckIntaier

Ich habe bewusst so schlicht formuliert, dass es Jeder*frau*mann frei steht, dies entweder auf Richtigkeit der Kernaussage hin zu überprüfen, oder frei zu interpretieren. Erstaunlich, dass die freie Interpretation ad hoc ein “auch die Anderen“, zudem noch spezifiziert auf Deutschland, generierte. Das scheint mir ein Pawlow zu sein, weshalb ich persönlich schätze, dass es der Begriff Geld ist, der dies auslöst. :)

Hätte es eine analoge Reaktion hervorgerufen, hätte ich Hirse genommen? :)
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Re: Was ist links ...

Beitragvon Zinnamon » Mi 28. Nov 2018, 08:47

JJazzGold hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:43)

@Zinnamon und @MäckIntaier

Ich habe bewusst so schlicht formuliert, dass es Jeder*frau*mann frei steht, dies entweder auf Richtigkeit der Kernaussage hin zu überprüfen, oder frei zu interpretieren. Erstaunlich, dass die freie Interpretation ad hoc ein “auch die Anderen“, zudem noch spezifiziert auf Deutschland, generierte. Das scheint mir ein Pawlow zu sein, weshalb ich persönlich schätze, dass es der Begriff Geld ist, der dies auslöst. :)

Hätte es eine analoge Reaktion hervorgerufen, hätte ich Hirse genommen? :)


Wenn in einer vergleichbaren, in ihrer Pauschalisierung durchaus auch provokant wirkenden, schlagwortartigen Aussage transportiert würde, möglicherweise schon! :p
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Re: Was ist links ...

Beitragvon imp » Mi 28. Nov 2018, 08:52

JJazzGold hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:19)

[color=#0000BF]Weshalb tickt “links“ eigentlich immer gleich aus, wenn der Begriff “Geld“ fällt“?

Der Zusammenhang zwischen deinen Beiträgen und den angeführten Zitaten ist mir in diesem Thread nicht so präsent. Evtl helfen ein paar zusätzliche Ausführungen?
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Re: Was ist links ...

Beitragvon JJazzGold » Mi 28. Nov 2018, 08:55

Zinnamon hat geschrieben:(28 Nov 2018, 08:47)

Wenn in einer vergleichbaren, in ihrer Pauschalisierung durchaus auch provokant wirkenden, schlagwortartigen Aussage transportiert würde, möglicherweise schon! :p


Meines Erachtens wäre es den “auch die Anderen“ Vertretern schwer gefallen, dies auf Rüstungsausgaben, Banken, Wirtschaft, was auf der ersten flüchtigen Blick scheinbar nichts mit “links“ zu tun hat, umzulegen. Um so frustrierender wäre die Erkenntnis gewesen, dass auch dies ein Bestandteil von links ist. :p
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