Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 22:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:09)
Aber die Verluste sollen sozialisiert werden? Nee, das geht nicht. Wenn die Eltern Gewinn aus den Kindern ziehen sollen, dann müssen sie auch für den evtl. entstehenden Schaden aufkommen.

Falsch, Verluste werden schon auf vielfältige Weise bei den Eltern privatisiert. Glaubst Du irgendwelche Eltern lassen ihr Kind im Elend verkommen wenn es gesellschaftlich abrutscht. Da sind es doch auch wieder die Eltern die in erster Linie ihr letztes Hemd geben.

Aus dem Beispiel mit dem Anteil von 33% an den Einkommenssteuern kann man auch leicht ablesen, dass die Steuern die an den Staat gehen viel zu niedrig sind um als Maß für den volkswirtschaftlichen Wert des Kindes zu gelten. Wenn wir also dazu übergehen würden ALLE Erträge des Staates zu 100% an die Eltern zu überweisen, dann könnte ich mir auch ein noch größeren Anteil an Verantwortung der Eltern vorstellen. Dann reden wir aber über andere Summen als 133€ im Monat - das liegt WEIT unter dem volkswirtschaftlichen Wert eines Menschen.
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 5219
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Misterfritz » Mo 12. Nov 2018, 22:36

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:28)

Falsch, Verluste werden schon auf vielfältige Weise bei den Eltern privatisiert. Glaubst Du irgendwelche Eltern lassen ihr Kind im Elend verkommen wenn es gesellschaftlich abrutscht. Da sind es doch auch wieder die Eltern die in erster Linie ihr letztes Hemd geben.

Aus dem Beispiel mit dem Anteil von 33% an den Einkommenssteuern kann man auch leicht ablesen, dass die Steuern die an den Staat gehen viel zu niedrig sind um als Maß für den volkswirtschaftlichen Wert des Kindes zu gelten. Wenn wir also dazu übergehen würden ALLE Erträge des Staates zu 100% an die Eltern zu überweisen, dann könnte ich mir auch ein noch größeren Anteil an Verantwortung der Eltern vorstellen. Dann reden wir aber über andere Summen als 133€ im Monat - das liegt WEIT unter dem volkswirtschaftlichen Wert eines Menschen.

Ich finde diesen Ansatz einfach zu materiell. Wenn man Eltern fragt, warum sie Kinder haben, dann sind da bestimmt nicht die Gedanken, dass man dem Staat "Kinder schenkt" - wir leben schliesslich nicht mehr im 3. Reich.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 22:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:13)
Naja, wenn wir Familie und Kinder schon in einen marktwirtschaftlichen Kontext setzen, dann müssen wir auch solche "stillen Reserven" aktivieren und sie damit monetär bewerten.

Kinder und Familie stehen grundsätzlich in einem marktwirtschaftlichen Kontext, weil die Wirtschaft nicht ohne die Gesellschaft, und die Gesellschaft nicht ohne die Wirtschaft existieren kann. Du hast sicher verstanden worauf ich hinaus wollte.

Es ist eine beliebte Strategie der Nutzniesser der Leistung anderer, den Leistungserbringern ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn diese ihre Leistung angemessen vergütet bekommen wollen. Dann entdecken sie selber die edelsten Motive die der Gründung einer Familie zugrunde liegen sollten, die sie SELBER aber niemals gegründet haben.

Fakt ist, dass es nicht um die Beweggründe für die Gründung einer Familie geht, genauso wie es nicht darum geht, dass Kinder für die Eltern primär einen monetären Nutzen darstellen. Es geht allerdings darum marktwirtschaftliche Prinzipien für die Regulierung auch gesellschaftspolitischer Fragestellungen einzusetzen.
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 5219
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Misterfritz » Mo 12. Nov 2018, 22:59

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:50)

Kinder und Familie stehen grundsätzlich in einem marktwirtschaftlichen Kontext, weil die Wirtschaft nicht ohne die Gesellschaft, und die Gesellschaft nicht ohne die Wirtschaft existieren kann. Du hast sicher verstanden worauf ich hinaus wollte.

Es ist eine beliebte Strategie der Nutzniesser der Leistung anderer, den Leistungserbringern ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn diese ihre Leistung angemessen vergütet bekommen wollen. Dann entdecken sie selber die edelsten Motive die der Gründung einer Familie zugrunde liegen sollten, die sie SELBER aber niemals gegründet haben.

Fakt ist, dass es nicht um die Beweggründe für die Gründung einer Familie geht, genauso wie es nicht darum geht, dass Kinder für die Eltern primär einen monetären Nutzen darstellen. Es geht allerdings darum marktwirtschaftliche Prinzipien für die Regulierung auch gesellschaftspolitischer Fragestellungen einzusetzen.
Mag ja alles sein,
aber wenn ich meine Mutter fragen würde, ob sie ihre Kinder aus gesellschaftlichen Gründen oder für den marktwirtschaftlichen Nutzen bekommen hat, würde ich wahrscheinlich Ärger bekommen :D
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 23:01

Misterfritz hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:36)
Ich finde diesen Ansatz einfach zu materiell. Wenn man Eltern fragt, warum sie Kinder haben, dann sind da bestimmt nicht die Gedanken, dass man dem Staat "Kinder schenkt" - wir leben schliesslich nicht mehr im 3. Reich.

Das bedeutet also der Staat darf auf seinen materiellen Vorteil bedacht sein, die Familien dagegen sind kaltherzig, wenn sie ihre Erziehungsleistung vermarkten? Das ist eben genau die rosa Plüschecke mit der man die Familien aktuell abspeist. Man suggeriert den Eltern mangelnde Liebe für ihre Kinder, wenn sie darauf bestehen, dass ihre Leistungen angemessen von der Gesellschaft gewürdigt wird (… und bitte nicht mit dem goldenen Mutterverdienstkreuz, sondern mit was BRAUCHBAREM).

Nochmal zum Vergleich: In archaischer Zeit hatten die Eltern alle Kosten aber auch allen Nutzen der Kinder. Da hättest Du mal jemandem erzählen sollen, dass das Kind doch an die Allgemeinheit abgeben solle - Wieso denn? Es ist doch unser Kind und nicht das der Allgemeinheit!

Nun wird ein kleiner Teil der Erziehungskosten vom Staat übernommen, aber der volle volkswirtschaftliche Wert wird sozialisiert. Wie im Eingangsbeitrag beschrieben, wird das zu erheblichen Spannungen führen, weil hier Leute um den Wert ihrer Leistungen gebracht werden - vollkommen unabhängig davon, dass sie natürlich ihre Kinder lieben!
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 23:10

Misterfritz hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:59)
Mag ja alles sein,
aber wenn ich meine Mutter fragen würde, ob sie ihre Kinder aus gesellschaftlichen Gründen oder für den marktwirtschaftlichen Nutzen bekommen hat, würde ich wahrscheinlich Ärger bekommen :D

Dann frag mal Deine Mutter was ihr lieber ist: Der abfällige Blick des egomanen Nachbarn der ohne Kinder deutlich mehr Rente für sich selber erwirtschaften konnte, oder ob sie stattdessen diesem Nachbarn durch eine Zusatzeinnahme die durch ihren Sohn erwirtschaftet wird, ebenbürtig ist.

Nochmal: Es geht nicht um die Beweggründe WARUM jemand eine Familie hat. Es geht darum den positiven Beitrag dieser Familien mit fairen Mitteln zu bewerten. Und am fairsten sehe ich immernoch die am Markt orientierten Mittel, auch wenn das vordergründig die Kinder zum Wirtschaftsfaktor macht - letztendlich sind sie das aber für die Gesellschaft.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 34628
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 12. Nov 2018, 23:40

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:28)

Falsch, Verluste werden schon auf vielfältige Weise bei den Eltern privatisiert.

Eben nicht, ab einem gewissen Alter haften die Eltern nicht mehr für die Kinder und den Schaden, den sie verursachen, sie sollen aber wohl davon profitieren, wenn ein Kind wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann. Von "im Elend verkommen" lassen kann in einem Sozialstaat auch keine Rede sein, ob sie dem Kind helfen ist dann die eigene freie Entscheidung, so wie vorher die Zeugung des Kindes die freie Entscheidung war.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Alpha Centauri
Beiträge: 3036
Registriert: Mo 19. Jun 2017, 09:49

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 12. Nov 2018, 23:47

Misterfritz hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:59)

Mag ja alles sein,
aber wenn ich meine Mutter fragen würde, ob sie ihre Kinder aus gesellschaftlichen Gründen oder für den marktwirtschaftlichen Nutzen bekommen hat, würde ich wahrscheinlich Ärger bekommen :D


Die Erde einzig mit der Brille eines Marktwirtschaftlers zu sehen ist schon sehr grenzwertig ( bisweilen lächerlich). Naja viele meinen ja auch die Erde sei Krumm wie eine Banane. :D
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 34628
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 12. Nov 2018, 23:50

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:50)

Du hast sicher verstanden worauf ich hinaus wollte.

Ja, du betreibst Rosinenpickerei, indem du erstens die freie Entscheidung, ein Kind in die Welt zu setzen als großartige Leistung für die Gesellschaft hinstellst und zweitens die Risiken, die so ein Kind auch für die Gesellschaft darstellen kann, auf eben diese Gesellschaft abwälzen willst.
Rein prinzipiell finde ich deine Idee innovativ, auch wenn ich weiterhin gegen Subventionen bin (was ein Vorschlag ja auch ist), nur muss dann eben auch klar sein, dass die Kosten für die Gesellschaft, die das Kind evtl. produziert, wenn es wirtschaftlich nicht erfolgreich wird, auch von den Eltern getragen werden müssen. Das wirkt sich vllt. auch motivierend auf die Erziehungsleistung aus.
Allerdings haben wir dann auch noch nicht über die Kosten gesprochen, die die Gesellschaft stemmt, damit der Nachwuchs überhaupt erst die bestmögliche Ausbildung bekommen kann, kinderlose Menschen bezahlen mit ihren Steuern ja auch die Bildungsinfrastruktur mit. Da müssten Eltern dann stärker zur Kasse gebeten werden.
Dein Vorschlag ist ein zweischneidiges Schwert, ich glaube, dass Eltern mit dem jetzigen System besser fahren.

Und bitte unterlasse doch dein dubioses Geraune, um deine Meinungsgegner in ein schlechtes Licht zu rücken.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 34628
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 12. Nov 2018, 23:56

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 23:01)

Das bedeutet also der Staat darf auf seinen materiellen Vorteil bedacht sein, die Familien dagegen sind kaltherzig, wenn sie ihre Erziehungsleistung vermarkten?

Das Kind profitiert in erster Linie von einer gelungenen Erziehungsleistung, weil es einen guten Job mit einem hohen Einkommen bekommt. Die Eltern werden schon jetzt mit bis zu 150 möglichen finanziellen Leistungen vom Staat unterstützt: https://www.focus.de/finanzen/steuern/1 ... 23792.html
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Di 13. Nov 2018, 00:12

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Nov 2018, 23:40)
Eben nicht, ab einem gewissen Alter haften die Eltern nicht mehr für die Kinder und den Schaden, den sie verursachen, sie sollen aber wohl davon profitieren, wenn ein Kind wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann. Von "im Elend verkommen" lassen kann in einem Sozialstaat auch keine Rede sein, ob sie dem Kind helfen ist dann die eigene freie Entscheidung, so wie vorher die Zeugung des Kindes die freie Entscheidung war.

Also um das dann mal klar zu formulieren: Es geht hier um die Beteiligung der Eltern am volkswirtschaftlichen Erfolg der Kinder. Es geht nicht darum, dass die Kinder den Eltern gehören, oder aber auf diesem Wege die Sippenhaft wieder eingeführt wird.

Die Steuerleistung ist nunmal ein ausschließlich positiver Wert - der kennt keine von Dir gewünschte "Bestrafung". Wenn Du eine bessere Bewertungsgrundlage für den volkswirtschaftlichen Erfolg hast, dann schlage die gerne vor.

Wenn Du, wie in Deinem letzten Post, die Infrastruktur auf die Eltern umlegen möchtest, dann muss der Staat natürlich für das ihm mit viel Aufwand bereitgestellte "Erziehungsprodukt" umso mehr in die Tasche greifen müssen (klarer kaufmännischer Grundsatz). Ich wäre nicht überrascht, wenn die wahren Kosten der Erziehungsleistung die Steuereinnahmen durch das Kind sogar überschreiten würden. Das wäre dann nach meiner Modellvorstellung die Grenze. Wenn Du aber den volkswirtschaftlichen Wert des Menschen als solches zugrundelegst, dann ist natürlich noch Luft nach oben. Der liegt nämlich sicherlich deutlich höher als die Summe der Steuereinnahmen. Wenn man das machen wollte, dann wäre das in der Tat eine radikale Entsolidarisierung in der Gesellschaft, in beiderseitigem Sinne.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Di 13. Nov 2018, 00:24

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Nov 2018, 23:56)
Das Kind profitiert in erster Linie von einer gelungenen Erziehungsleistung, weil es einen guten Job mit einem hohen Einkommen bekommt. Die Eltern werden schon jetzt mit bis zu 150 möglichen finanziellen Leistungen vom Staat unterstützt: https://www.focus.de/finanzen/steuern/1 ... 23792.html

Kinder profitieren hauptsächlich davon, dass Eltern in sie investieren, mit Geld (gute Schulen, Nachhilfe, ... ), Zeit und Zuneigung. Es besteht aber für die Verantwortlichen für den Erfolg kein kausaler Zusammenhang zum eigenen wirtschaftlichen Erfolg - teilweise ist die Beziehung sogar umgekehrt. Eltern können sich ruinieren um dem Kind ein erfolgreiches Leben zu ermöglichen.

Die Sahne schöpft dann der Staat ab - DAS ist das Problem. In einem marktwirtschaftlichen Umfeld sollte die Investition auch für den Investor lohnen, nicht nur der Infrastruktur nützen.

Die 150 Querfinanzierungen kannst Du Dir schenken. Ich denke dass wenn Eltern die Wahl zwischen der Beteiligung am Erfolg ihrer Kinder haben, oder stattdessen Kostendeckung für ihre Aufwände wählen könnten, dann würden die meisten über den Erfolg der Kinder bezahlt werden wollen. Das ist wohl auch besser für die Kinder selber.
Benutzeravatar
Calvadorius
Beiträge: 283
Registriert: So 22. Apr 2012, 22:36

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Calvadorius » Di 13. Nov 2018, 00:25

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:02)

Es ging mir bei meinem Satz nicht um Individualismus, sondern darum klarzustellen, dass die familiäre Geborgenheit nichts mit der Diskussion um die sinnvolle Anrechnung der Erziehungsinvestition der Eltern für den Staat zu tun hat, den Eltern aktuell der Gesellschaft zu einem Dumpingpreis zur Verfügung stellen.

In der Gesellschaft sehe ich die Kinder eben als von den Eltern geschaffen. Die Gesellschaft steht somit in der Schuld der Eltern für das was diese Kinder für den Staat erwirtschaften.

Und bevor Du nun von der Individualgesellschaft anfängst: Die Gesellschaft erinnert sich durchaus an Familienbande, wenn es darum geht Lasten zu verteilen. DA ist dann nix mit Individualgesellschaft - Finanzierungsverpflichtungen für Altenpflege lassen grüßen. Ist aber das Kind erfolgreich, dann entdeckt der Staat das Individuum, welches nur dem Staat gegenüber am Erfolg beteiligen muss.

Das ist eben genau die Philosophie, die ich schon im Eröffnungsbeitrag im verlinkten Artikel zitiert hatte. Unsere Gesellschaft neigt dazu Lasten zu privatisieren und Werte zu sozialisieren - jedenfalls wenn es sich um den Steuerzahler handelt. Bei Banken gelten bekanntermaßen andere Regeln …

Von mir aus kannst Du alle Lebensbereiche rein ökonomisch betrachten.
Diese Quantifizierbarkeit ist tatsächlich kein neuer Wahn, die hast Du nicht erfunden.
Aber die nützt auch Niemandem etwas.
Die Qualität,
Skeptiker hat geschrieben:familiäre Geborgenheit
, geht dabei bloß flöten.
Die wäre ja auch nicht mehr als den monatlichen Scheck wert, den die "Gesellschaft" als "Entlohnung" schickt.
So ne Art "Mutterkreuz" der Ökonomie.
Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die in jedem Fall tödlich endet.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 34628
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 13. Nov 2018, 00:28

Skeptiker hat geschrieben:(13 Nov 2018, 00:12)

Also um das dann mal klar zu formulieren: Es geht hier um die Beteiligung der Eltern am volkswirtschaftlichen Erfolg der Kinder.

Richtig, nur von der zweiten Seite der Medaille willst du nichts wissen.

Wenn Du, wie in Deinem letzten Post, die Infrastruktur auf die Eltern umlegen möchtest, dann muss der Staat natürlich für das ihm mit viel Aufwand bereitgestellte "Erziehungsprodukt" umso mehr in die Tasche greifen müssen (klarer kaufmännischer Grundsatz).

Warum sollte er für ein "Erziehungsgprodukt" überhaupt in die Tasche greifen? Er wird dem "Erziehungsprodukt" allerdings deutlich weniger Steuerlast abverlangen, weil er viel geringere Kosten für die "Erziehungsprodukte" hat, die werden dann ja von den Eltern getragen.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 34628
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 13. Nov 2018, 00:32

Skeptiker hat geschrieben:(13 Nov 2018, 00:24)

Die Sahne schöpft dann der Staat ab - DAS ist das Problem.

Inwiefern? Indem das "Erzeihungsprodukt" irgendwann auch mal Steuern und Abgaben leistet? Das ist für dich schon "Sahne" abschöpfen? Was ist dann mit den Arbeitgebern, die von der Arbeitskraft des "Erziehungsproduktes" profitieren?

In einem marktwirtschaftlichen Umfeld sollte die Investition auch für den Investor lohnen, nicht nur der Infrastruktur nützen.

Das muss sich der Investor nunmal vorher überlegen, ob sich ein Investment lohnt oder nicht. Geht er damit baden, trägt er allerdings auch die Kosten, anders als du es vorhast, wo die Gesellschaft die Kosten des Scheiterns tragen soll.

Die 150 Querfinanzierungen kannst Du Dir schenken.

Warum stören dich diese Fakten?

Ich denke dass wenn Eltern die Wahl zwischen der Beteiligung am Erfolg ihrer Kinder haben, oder stattdessen Kostendeckung für ihre Aufwände wählen könnten, dann würden die meisten über den Erfolg der Kinder bezahlt werden wollen.

Und wenn das Kind nicht für die Eltern bezahlen will?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 16092
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 13. Nov 2018, 08:55

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:15)

Dann lese es Dir vielleicht nochmal durch. Nicht das Kind zahlt zusätzliche Steuern an die Eltern sondern das Kind zahlt die selben Steuern an den Staat, aber der Staat beteiligt die Eltern am steuerlichen Erfolg der Kinder. DAFÜR aber Entfall des Kindergeldes (im gewählten Beispiel).


Es war bewusst etwas überspitzt ausgedrückt, läuft aber im Ergebnis genau darauf hinaus.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 16092
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 13. Nov 2018, 09:09

Skeptiker hat geschrieben:(13 Nov 2018, 00:12)

Wenn Du aber den volkswirtschaftlichen Wert des Menschen als solches zugrundelegst,


Schon dieser Ansatz ist meiner Meinung nach falsch. Es gibt keinen wie auch immer gearteten volkswirtschaftlichen Wert des Menschen. Es gibt kein anonymes Etwas, wie eine "Volkswirtschaft" oder ein "Staat" oder eine "Gesellschaft" die vom "volkswirtschaftlichen Wert" eines Menschen profitiert, es gibt auch keine Nichtkinder von Nichteltern, die irgendwie davon profitieren könnten. Vielmehr ist es der Mensch selbst und seine Bedürfnisse und die begrenzten Ressourcen, die überhaupt erst das Wirtschaften notwendig machen.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Milady de Winter
Beiträge: 13646
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Milady de Winter » Di 13. Nov 2018, 09:10

Skeptiker hat geschrieben:(13 Nov 2018, 00:24)

Kinder profitieren hauptsächlich davon, dass Eltern in sie investieren, mit Geld (gute Schulen, Nachhilfe, ... ), Zeit und Zuneigung.

Wovon ein Teil auf jden Fall durch Steuern subventioniert wird, die von ALLEN Steuerzahlern entrichtet werden.

Ich denke dass wenn Eltern die Wahl zwischen der Beteiligung am Erfolg ihrer Kinder haben, oder stattdessen Kostendeckung für ihre Aufwände wählen könnten, dann würden die meisten über den Erfolg der Kinder bezahlt werden wollen. Das ist wohl auch besser für die Kinder selber.

Da wette ich völlig überzeugt dagegen.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 8544
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Man On The Silver Mountain

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon imp » Di 13. Nov 2018, 11:17

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 23:04)
Was passiert eigentlich heute wenn Selbstständige nicht vorsorgen und im Alter ohne einen Cent dastehen?

Grundsicherung im Alter, ähnlich Hartz.
It's only words
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 1314
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Di 13. Nov 2018, 22:26

Calvadorius hat geschrieben:(13 Nov 2018, 00:25)
Von mir aus kannst Du alle Lebensbereiche rein ökonomisch betrachten.
Diese Quantifizierbarkeit ist tatsächlich kein neuer Wahn, die hast Du nicht erfunden.
Aber die nützt auch Niemandem etwas.
Die Qualität, , geht dabei bloß flöten.
Die wäre ja auch nicht mehr als den monatlichen Scheck wert, den die "Gesellschaft" als "Entlohnung" schickt.
So ne Art "Mutterkreuz" der Ökonomie.

Seit wann ist die ökonomische Bewertung der Familienleistung denn etwas Neues? Meinst Du die Höhe des Kindergeldes denkt man sich einfach aus? Und meinst Du der Wechsel von einem Modell der Bezuschussung und Kostenbeteiligung zu einem Modell der Ertragsbeteiligung würde emotional in den Familien etwas ändern? Bei dem Vollkaskomodell wäre ja noch nicht einmal der persönliche Erfolg des Kindes relevant. Wie abstrakt glaubst Du denken Familien?

Ich wage mal die steile These, dass die Familien umso mehr Entspannung und Geborgenheit geben können, je weniger sie damit befasst sind der Armutsgrenze zu entkommen. Im Gegensatz zu Alleinstehenden verkonsumieren die meisten Familien ihre Mittel größtenteils. Geld spielt damit im Schnitt für Familien eine existenziellere Rolle als für Alleinstehende. Den Luxus des schöneren Gefühles wegen auf Gelder zu verzichten ist wohl ein Gedanke, der eher wenigen Familien kommen würde. Zeig mir die Mutter die statt Zusatzrente lieber einen Verdienstorden hätte.

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste