Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

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Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 17:21

Im Strang "Jens Spahn und die Kinderlosen" wird ja sehr schön über die gesellschaftliche Bewertung der Elternschaft und Erziehungsleistung diskutiert. Das Meinungsbild geht dabei von "sollen die doch alles selber bezahlen und wenn es nicht reicht schiesst der Staat zu" bis zu "Familien müssen deutlich mehr gefördert werden"

Ich fand die Diskussion teilweise erschreckend, weil mein Eindruck dabei ist, dass sich die Gesellschaft vollkommen daran gewöhnt zu haben scheint, dass Eltern dieser Gesellschaft die Kinder quasi zum Dumpingpreis zur Verfügung stellen.

Nur mal einen Blick zurück um zu verstehen was ich meine:
In archaischer Zeit hatten Eltern alle Aufwände des Aufziehens der Kinder. Im Alter allerdings hatten sie auch den vollen Ertrag, weil die Kinder hauptsächlich für sich und die Familie - also auch die Eltern - gewirtschaftet haben. Wer keine Kinder hatte, stand entsprechend schlecht da.
In heutiger Zeit liegt ein Großteil der Aufwände weiter bei den Eltern. Die Erträge werden aber hauptsächlich sozialisiert, weil jedes Individuum in erster Linie Steuerzahler an den Staat ist.
Keine der Parteien, die seit Jahrzehnten politische Verantwortung tragen, kann ein Interesse daran haben, den Eltern, die die nächste Generation von Beitragszahlern großgezogen haben, zu erklären: Eure eigene Rente wird nicht zum Leben reichen, weil es im von uns zu verantwortenden System ökonomisch vernünftiger ist, keine Kinder zu haben und durch die Kinder anderer abgesichert zu sein, weil wir, wie Garsoffky und Sembach schreiben, „ den Wert von Kindern sozialisiert, die Kosten für sie aber privatisiert haben.“

https://www.wiwo.de/politik/deutschland ... 88776.html

Wie leben also im Kapitalismus, gehen aber selbstverständlich davon aus, dass die "Produzenten" des Humankapitals keinerlei Rendite auf ihre erheblichen Investitionen monetärer und privater Natur zu erwarten haben. Was bei jeglichen Produktionsgut undenkbar wäre, bei Menschen ist es normal - eine vollkommene Sozialisation des Wertes des Menschen, also ein Absprechen jedes monetären Anspruches der Eltern am volkswirtschaftlichen Ertrag ihrer Elternschaft und Erziehungsleistung.

Dabei sind alle unzufrieden: Die Eltern die sehen, dass sie aufgrund ihrer Erziehungsleistungen und resultierenden Einschränkungen im Beruf im Rentenalter benachteiligt sind, aber auch viele Kinderlose, die oft die volkswirtschaftlichen Früchte ALLEINE als durch Betriebe erwirtschaftet interpretieren und sie somit Transferleistungen als ärgerliche Finanzierung des Lebensstiles anderer bewerten.

Könnte man sich nicht an der freien Wirtschaft ein Beispiel nehmen und alle glücklich machen? Ich stelle mir das so vor:
- Streichung ALLER Subventionstatbestände an Familien!
- Im Gegenzug werden die Eltern am volkswirtschaftlichen Nutzen direkt beteiligt, indem von der Steuerleistung der Kinder ein gewisser Betrag nicht an den Staat, sondern an die Eltern gezahlt wird

Das würde ich Erziehungsdividende nennen, weil das klarstellt, dass es nicht ein Almosen ist. Vielmehr ist die faire Rendite, die jemand von seiner Investition erwarten darf.

Was würde das verändern? Zunächst einmal wäre vieles einfacher! Da es aber zu einer Auszahlung von Ansprüchen aus den Steuereinnahmen des (erwachsenen) Kindes an die Eltern kommt, würden die Steuereinahmen einbrechen, was durch Anhebung der Steuersätze (für alle) kompensiert werden würde. In dem Sinne ist es eine Bereinigung, weil es eben nur eine Stelle gibt, an der die Erziehungsleistung berücksichtigt würde.
Es würde auch einiges am Rentensystem erleichtern, weil insbesondere dann die Gegenleistung einsetzt, wenn die Eltern alt werden und die Kinder wirtschaftlich erstarken.

Natürlich gibt es auch Leute, die schon unbedingt während der Kindererziehung Mittel benötigen, dafür könnte man dieses Modell in einer Art und Weise anbieten, dass Eltern wählen können entweder sofort aber gem. statistischem Schnitt Auszahlungen zu erhalten, oder eben ganz individuell am persönlichen Erfolg des Kindes beteiligt werden - jedwede prozentuale Abstufung wäre da möglich. Das wäre also auch nicht als Grund dagegen aufzuführen.

Wäre das Modell also tatsächlich etwas mit dem alle sich besser zufriedengeben können? Was wären Nachteile eines solchen Systems oder wäre es sogar ungerecht?
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Milady de Winter » So 11. Nov 2018, 17:32

Ich halte es für nicht sinnvoll. Zum einen benötigen meines Erachtens Eltern gerade in der Erziehungsphase, also von der Geburt bis zur Volljährig- bzw. Selbständigkeit des Kindes, Unterstützung - die sie durch das gegenwärtige System, in das alle einzahlen, auch Kinderlose, auch erhalten - und zum anderen kann den Eltern kein Mensch - auch nicht ihre eigenen Kinder - garantieren, dass sie nach Volljährigkeit auch (dauerhaft) in der Lage sind, die Eltern zu versorgen bzw. das von Dir angedachte "Soll" zu erwirtschaften.

Ergo: kein gangbarer Weg für mich. Wäre mir als Elternteil auch zu riskant, das sag ich jetzt mal unter dem rein wirtschaftlichen Aspekt, um den es hier ja auch gemäß Deines Vorstoßes primär geht.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 17:40

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Nov 2018, 17:32)
Ich halte es für nicht sinnvoll. Zum einen benötigen meines Erachtens Eltern gerade in der Erziehungsphase, also von der Geburt bis zur Volljährig- bzw. Selbständigkeit des Kindes, Unterstützung - die sie durch das gegenwärtige System, in das alle einzahlen, auch Kinderlose, auch erhalten - und zum anderen kann den Eltern kein Mensch - auch nicht ihre eigenen Kinder - garantieren, dass sie nach Volljährigkeit auch (dauerhaft) in der Lage sind, die Eltern zu versorgen bzw. das von Dir angedachte "Soll" zu erwirtschaften.

Ergo: kein gangbarer Weg für mich. Wäre mir als Elternteil auch zu riskant, das sag ich jetzt mal unter dem rein wirtschaftlichen Aspekt, um den es hier ja auch gemäß Deines Vorstoßes primär geht.

Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass dieses System, aus eben diesem Grunde, auch in abgestufter Form existieren müsse. Hieße also, dass Eltern sich entscheiden müssen sofort anteilig am Statistischen Mittel Auszahlungen zu erhalten - dann sind sie später natürlich nicht mehr direkt am persönlichen Erfolg ihrer Sprösslinge beteiligt.
Da niemand voll auf Sicherheit oder voll auf Risiko gehen würde, könnte man sich auch jedwede prozentuale Abstufung vorstellen. Insofern sehe ich den Punkt als berücksichtigt.

Übrigens: Dieses Risiko sind Eltern seit Anbeginn der Zeit eingegangen (in Afrika bis heute). Wir sind nur gewöhnt, dass der Staat abfedert. Warum aber nicht den Menschen die Wahl lassen?
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Milady de Winter » So 11. Nov 2018, 18:04

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 17:40)

Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass dieses System, aus eben diesem Grunde, auch in abgestufter Form existieren müsse. Hieße also, dass Eltern sich entscheiden müssen sofort anteilig am Statistischen Mittel Auszahlungen zu erhalten - dann sind sie später natürlich nicht mehr direkt am persönlichen Erfolg ihrer Sprösslinge beteiligt.
Da niemand voll auf Sicherheit oder voll auf Risiko gehen würde, könnte man sich auch jedwede prozentuale Abstufung vorstellen. Insofern sehe ich den Punkt als berücksichtigt.

Übrigens: Dieses Risiko sind Eltern seit Anbeginn der Zeit eingegangen (in Afrika bis heute). Wir sind nur gewöhnt, dass der Staat abfedert. Warum aber nicht den Menschen die Wahl lassen?

Was ist, wenn Eltern voll auf Risiko gehen, alles von Anfang an abgreifen, und dann im Alter unversorgt sind? Verhungern lassen? Oder staatlich unterstützen? Wovon, wenn zu der Zeit dann alle anderen jungen Eltern ebenfalls schon die Mittel voll abgreifen, was ja dann u.U. bedeutet, im Topf fehlen diverse Mittel für die alten Eltern. Oder stellst Du Dir in dem Zusammenhang dann wieder so etwas wie eine Grundversorgung vor, wie wir sie jetzt schon haben?

Ich bleibe dabei. Ich halte das System für nicht tragfähig.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 18:15

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Nov 2018, 18:04)

Was ist, wenn Eltern voll auf Risiko gehen, alles von Anfang an abgreifen, und dann im Alter unversorgt sind? Verhungern lassen? Oder staatlich unterstützen? Wovon, wenn zu der Zeit dann alle anderen jungen Eltern ebenfalls schon die Mittel voll abgreifen, was ja dann u.U. bedeutet, im Topf fehlen diverse Mittel für die alten Eltern. Oder stellst Du Dir in dem Zusammenhang dann wieder so etwas wie eine Grundversorgung vor, wie wir sie jetzt schon haben?

Ich bleibe dabei. Ich halte das System für nicht tragfähig.

Ich sehe wir missverstehen uns. Kann ich heute später Abends aufklären muss aber bis dahin in Erziehungsvorleistung gehen … ;)
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Milady de Winter » So 11. Nov 2018, 18:23

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 18:15)

Ich sehe wir missverstehen uns. Kann ich heute später Abends aufklären muss aber bis dahin in Erziehungsvorleistung gehen … ;)

Ok, vielleicht missverstehe ich Dich wirklich. Kläre mich gerne auf, wenn Du dazu kommst. Erziehungsvorleistung geht vor.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » So 11. Nov 2018, 18:28

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 17:21)

- Im Gegenzug werden die Eltern am volkswirtschaftlichen Nutzen direkt beteiligt, indem von der Steuerleistung der Kinder ein gewisser Betrag nicht an den Staat, sondern an die Eltern gezahlt wird

Was ist eigentlich, wenn das Kind später beruflich scheitert? Oder chronisch krank ist und nicht arbeiten kann? Oder kriminell wird? Tragen die Eltern dann auch den finanziellen Schaden, den das Kind, der Volkswirtschaft zufügt?
Eltern als "Produzenten von Humankapitel" zu bezeichnen, die ihre Kinder als "Investition" ansehen, ist schon arg technokratisch und weicht von der Lebensrealität doch stark ab.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Quatschki » So 11. Nov 2018, 18:54

Man kann auch das deutsche Sozialsystem so absurd gestalten, dass die Wähler freiwillig seine Abschaffung fordern.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon imp » So 11. Nov 2018, 21:07

Jeder ist Kind von irgendwem. Dem Staat entgingen somit Einnahmen von der Mehrheit der Zahler. Keine gute Basis.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 22:44

Ich sehe, dass ich das mit etwas konkreteren Daten unterfüttern muss, weil es sonst nicht verstanden wird.

Der Gedanke ist also, dass Eltern am wirtschaftlichen Erfolg, bemessen an den Steuereinnahmen, teilhaben. Salopp könnte man es als Lizenzgebühr für Humankapital nennen ;-)

Dabei gäbe es zwei Ansätze zwischen denen beliebige Abstufungen zu wählen sind:
1. Risikostrategie: Die Eltern erhalten (z.B) 30% der Steuerabgaben des erwachsenen Kindes, solange sie selber und das Kind leben. Stirbt jemand früh - Pech gehabt. Wird mein Kind Industrieboss - Glück gehabt (bescheisst es den Staat in die Steuereinnahmen - doch wieder Pech gehabt … ;) ). Solange das Kind keine Steuern erwirtschaftet, gibt es logischerweise auch nichts für die Eltern. Ist also eher etwas für bessergestellte, die viel in ihr Kind investieren können - und sollten - um viel langfristig herauszuholen
2. Vollkaskostrategie: Es gibt aus statistischen Berechnungen ein mittleres Steueraufkommen pro Person. Man weiss auch wie lange Eltern und Kinder typischerweise gemeinsam auf der Welt sind. Daraus läßt sich errechnen, wie groß nach der Risikostrategie die Einnahmen der Eltern DURCHSCHNITTLICH sein müßten. Dieser mittlere Betrag, abzüglich Abschlägen für die Sicherheitsstrategie sowie Abschlägen für Vorschussleistungen, werden in einer monatlichen Rate ab Geburt des Kindes gezahlt (solange die Eltern und das Kind leben). Natürlich fallen dadurch die Einnahmen aus der Risikostrategie weg, weil man sich für das sichere, aber weniger ertragreiche Modell entschieden hat - welches einem aber schon sofort zur Verfügung steht.
3. Mittelwege aus beidem: Je nachdem wie wohlhabend und risikobereit eine Familie ist, kann jeder sich bei Geburt des Kindes für die Risikostrategie, Vollkaskostrategie oder Kompromisse aus beidem entscheiden. Wenn ich also auf 50% gehe, dann bekomme ich 50% der Vollkaskoeinnahmen, aber auch nur 50% der Einnahmen über die Risikostrategie (also aus dem Steueraufkommen).

Egal für welchen Weg man sich entscheidet, er muss natürlich lebenslang gültig sein. Ein Spurwechsel wäre wohl schwierig.

Beispiel (fiktive Werte):
Die durchschnittlichen Gesamtsteuereinahmen während sowohl Eltern als auch Kind leben, mögen 300000Euro betragen (30 Berufsjahre x 10000€ durchschnittlicher Steuerlast pro Jahr). Sagen wir mal, die Erziehungsdividende beträgt 33% der Steuereinnahmen, dann wären das 100000€/50 gemeinsame Lebensjahre, also 2000€ pro Jahr, oder 167€ pro Monat. Wenn wir einen Sicherheitsabschlag von 20% rechnen würden, dann kämen wir auf 133€. Das wäre die Rate bei Vollkaskostrategie (jetzt mal einfach gerechnet, ohne Zinseffekte oder Teuerung).

Aktuell liegt das Kindergelt bei 194€, allerdings begrenzt auf die Zeit der Kindheit und Ausbildung - nicht auf die gemeinsame Lebenszeit. Klingt für mich also nach einem von der Größenordnung brauchbaren Ansatz für zumindest den Ersatz des Kindergeldes.

Natürlich muss das gegenfinanziert werden. Wenn ich mal davon ausgehe, dass etwa 70% der Arbeitnehmer in der Erwerbszeit Eltern haben, dann gehen dem Staat 23% der Einnahmen aus der Einkommensteuer verloren, was direkt durch eine Erhöhung der Steuersätze zu kompensieren wäre. Wenn aber die eine Transferleistung entfällt - hier das Kindergeld - und durch diese Maßnahme ersetzt wird, dann sollte das vom Ansatz her kaum etwas ausmachen.

Es ändert aber die Stellung der Familien ungemein. Aktuell sind sie subventionierte Erzieher, dann wären sie Produzenten von Humankapital, die ihren Ertrag sogar steigern können, indem Sie besonders viel in die Kinder investieren. Niemand könnte behaupten Familien würden sich ihren Lebenswandel von anderen "bezahlen" lassen. Man kann halt entscheiden worin man investiert, in Windmühlen, oder in Kinder.

Mir ist klar, dass nun der Hinweis kommt, dass man Kinder doch bitte nicht monetär bewerten solle. Natürlich nicht! Nicht die Kinder, wohl aber deren Leistung für die Gesellschaft.

Ich hoffe das klärt einige Fragen. Man kann also nicht am Anfang das Geld abgreifen - mit dem Tod des Kindes endet auch die Zahlung an die Eltern (… so wie halt auch beim Kindergeld). Da sich die Erträge an den Steuereinnahmen bemessen gibt es auch keine negativen Erträge - also nix mit Zahlungen an den Staat für Menschen die es nicht zu Steuereinnahmen bringen, oder dem Staat zur Last fallen. Das lässt auch unser Steuersystem nicht kollabieren, weil schlaue Leute sicherstellen werden, dass es eher ein Verschiebebahnhof wäre.

Vielleicht ist es nun etwas plastischer.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 23:04

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Nov 2018, 18:04)
Was ist, wenn Eltern voll auf Risiko gehen, alles von Anfang an abgreifen, und dann im Alter unversorgt sind? Verhungern lassen? Oder staatlich unterstützen? Wovon, wenn zu der Zeit dann alle anderen jungen Eltern ebenfalls schon die Mittel voll abgreifen, was ja dann u.U. bedeutet, im Topf fehlen diverse Mittel für die alten Eltern. Oder stellst Du Dir in dem Zusammenhang dann wieder so etwas wie eine Grundversorgung vor, wie wir sie jetzt schon haben?

Ich bleibe dabei. Ich halte das System für nicht tragfähig.

Das ist KEIN System zur Abschaffung der Rente. Selbstverständlich erhalten auch Eltern die Rente die sie erarbeitet haben. Zusätzlich aber auch einen Teil der Erträge aus der Leistung ihrer Kinder.

Was passiert eigentlich heute wenn Selbstständige nicht vorsorgen und im Alter ohne einen Cent dastehen? Durch dieses System können Eltern selber entscheiden wieviel Risiko sie eingehen - ganz wie Selbstständige diese Freiheit auch haben. Warum sollten Eltern schlechter gestellt sein?
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » So 11. Nov 2018, 23:19

Tom Bombadil hat geschrieben:(11 Nov 2018, 18:28)
Was ist eigentlich, wenn das Kind später beruflich scheitert? Oder chronisch krank ist und nicht arbeiten kann? Oder kriminell wird? Tragen die Eltern dann auch den finanziellen Schaden, den das Kind, der Volkswirtschaft zufügt?
Eltern als "Produzenten von Humankapitel" zu bezeichnen, die ihre Kinder als "Investition" ansehen, ist schon arg technokratisch und weicht von der Lebensrealität doch stark ab.

Keine Steuereinnahmen, kein Ertrag für die Eltern - bei Risikostrategie.

Was in der Familie abläuft, das geht niemanden etwas an. Jeder liebt seine Kinder und niemand setzt sie nur die die Firmen in die Welt. Wenn aber Firmen auf neue Mitarbeiter schauen, dann sehen sie das Humankapital. Mein Eindruck ist, dass es sehr billig für die Gesellschaft ist, Eltern in der rosa Plüschecke abzustellen. Es muss sich in den Familien ein Bewusstsein für die erbrachte Leistung einstellen. Ohne dem wird man mit Almosen abgespeist und darf noch darum kämpfen.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Calvadorius » Mo 12. Nov 2018, 00:05

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 23:19)


Was in der Familie abläuft, das geht niemanden etwas an. [...] Es muss sich in den Familien ein Bewusstsein für die erbrachte Leistung einstellen.[...]

Das ist ein Widerspruch.
Freilich kannst Du alle möglichen familiären Leistungen (Pflege, Erziehung) in das BIP einbauen, bloß schwindet dann genau dieser Individualismus (...geht niemanden etwas an).
In dem Maße, in dem diese Leistungen auf die Gesellschaft übertragen (bzw. von dieser finanziert) werden, schwinden Verantwortung und individuelle Rechtfertigung.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Teeernte » Mo 12. Nov 2018, 00:36

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 23:19)

Keine Steuereinnahmen, kein Ertrag für die Eltern - bei Risikostrategie.

Was in der Familie abläuft, das geht niemanden etwas an. Jeder liebt seine Kinder und niemand setzt sie nur die die Firmen in die Welt. Wenn aber Firmen auf neue Mitarbeiter schauen, dann sehen sie das Humankapital. Mein Eindruck ist, dass es sehr billig für die Gesellschaft ist, Eltern in der rosa Plüschecke abzustellen. Es muss sich in den Familien ein Bewusstsein für die erbrachte Leistung einstellen. Ohne dem wird man mit Almosen abgespeist und darf noch darum kämpfen.


Also NUR für "Studierte" Eltern ein PLUS....

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Richtig "Fettlebe" nur für BMW Enkel... ??
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 12. Nov 2018, 08:47

Der Staat soll also ein Gesetz beschließen, das Kinder dazu verpflichtet neben den Steuern, die sie bezahlen auch noch einen Teil ihres Einkommens an die Eltern zu zahlen. Ich halte das für etwas befremdlich.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 22:02

Calvadorius hat geschrieben:(12 Nov 2018, 00:05)
Das ist ein Widerspruch.
Freilich kannst Du alle möglichen familiären Leistungen (Pflege, Erziehung) in das BIP einbauen, bloß schwindet dann genau dieser Individualismus (...geht niemanden etwas an).
In dem Maße, in dem diese Leistungen auf die Gesellschaft übertragen (bzw. von dieser finanziert) werden, schwinden Verantwortung und individuelle Rechtfertigung.

Es ging mir bei meinem Satz nicht um Individualismus, sondern darum klarzustellen, dass die familiäre Geborgenheit nichts mit der Diskussion um die sinnvolle Anrechnung der Erziehungsinvestition der Eltern für den Staat zu tun hat, den Eltern aktuell der Gesellschaft zu einem Dumpingpreis zur Verfügung stellen.

In der Gesellschaft sehe ich die Kinder eben als von den Eltern geschaffen. Die Gesellschaft steht somit in der Schuld der Eltern für das was diese Kinder für den Staat erwirtschaften.

Und bevor Du nun von der Individualgesellschaft anfängst: Die Gesellschaft erinnert sich durchaus an Familienbande, wenn es darum geht Lasten zu verteilen. DA ist dann nix mit Individualgesellschaft - Finanzierungsverpflichtungen für Altenpflege lassen grüßen. Ist aber das Kind erfolgreich, dann entdeckt der Staat das Individuum, welches nur dem Staat gegenüber am Erfolg beteiligen muss.

Das ist eben genau die Philosophie, die ich schon im Eröffnungsbeitrag im verlinkten Artikel zitiert hatte. Unsere Gesellschaft neigt dazu Lasten zu privatisieren und Werte zu sozialisieren - jedenfalls wenn es sich um den Steuerzahler handelt. Bei Banken gelten bekanntermaßen andere Regeln …
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 12. Nov 2018, 22:09

Skeptiker hat geschrieben:(11 Nov 2018, 23:19)

Keine Steuereinnahmen, kein Ertrag für die Eltern - bei Risikostrategie.

Aber die Verluste sollen sozialisiert werden? Nee, das geht nicht. Wenn die Eltern Gewinn aus den Kindern ziehen sollen, dann müssen sie auch für den evtl. entstehenden Schaden aufkommen.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 22:12

Teeernte hat geschrieben:(12 Nov 2018, 00:36)
Also NUR für "Studierte" Eltern ein PLUS....

Leute die fürs Frühstücksbrot der Kinder nicht aufstehen....wollen - sich an der Weiteren Entwicklung nicht oder nur "halb" beteiligen....

Richtig "Fettlebe" nur für BMW Enkel... ??

Falsch, gerade ärmere Schichten würden von dieser Regelung profitieren. Alleine die Vollkaskoregelung würde bei einer Familie mit drei Kindern zu ca. 400€ Zusatzrente führen. Heute werden die mit Kindergeld zur Erziehungszeit abgespeist. Danach sind Rentenansprüche durch die Privatinvestition geringer - heute aufgefangen durch drei Jahre Anrechnung auf Rentenzeiten (zu Durchschnittseinkommen).

Bedeutet, die Früchte ihrer Erziehungsarbeit erntet die Gesellschaft und im Alter schauen die Eltern in die Röhre, während die kinderlosen sich von den Kindern der anderen die umso höhere Rente auszahlen lassen.

Ja, reiche Menschen können über die Risikostrategie tatsächlich mehr rausholen. Die laufen dabei aber auch das Risiko durch einen Schicksalsschlag nicht nur einen geliebten Menschen, sondern auch den Lohn ihrer Erziehungsarbeit zu verlieren. Das selbe Risiko übrigens welches Menschen in armen Regionen der Welt tagtäglich eingehen - also furchtbar aus unserer Sicht, aber historisch eher Normalität.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 12. Nov 2018, 22:13

Skeptiker hat geschrieben:(12 Nov 2018, 22:02)

Es ging mir bei meinem Satz nicht um Individualismus, sondern darum klarzustellen, dass die familiäre Geborgenheit nichts mit der Diskussion um die sinnvolle Anrechnung der Erziehungsinvestition der Eltern für den Staat zu tun hat, den Eltern aktuell der Gesellschaft zu einem Dumpingpreis zur Verfügung stellen.

Naja, wenn wir Familie und Kinder schon in einen marktwirtschaftlichen Kontext setzen, dann müssen wir auch solche "stillen Reserven" aktivieren und sie damit monetär bewerten.
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Re: Erziehungsdividende - Privatisierung des Wertes der Erziehungsleistung

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Nov 2018, 22:15

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 Nov 2018, 08:47)
Der Staat soll also ein Gesetz beschließen, das Kinder dazu verpflichtet neben den Steuern, die sie bezahlen auch noch einen Teil ihres Einkommens an die Eltern zu zahlen. Ich halte das für etwas befremdlich.

Dann lese es Dir vielleicht nochmal durch. Nicht das Kind zahlt zusätzliche Steuern an die Eltern sondern das Kind zahlt die selben Steuern an den Staat, aber der Staat beteiligt die Eltern am steuerlichen Erfolg der Kinder. DAFÜR aber Entfall des Kindergeldes (im gewählten Beispiel).

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