Identitätswirrwarr

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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Betrachter » Do 13. Sep 2018, 12:43

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 13:13)

Ach so hattest du es gemeint. Ja, stimmt. Mir ist die martialische Marschiererei und Brüllerei auf der Straße ("Ihr seid hier nicht willkommen", "Das ist unsere Stadt", "Ausländer raus" uswusf) in höchstem Maße suspekt. Ein Rückfall in die Steinzeit. Oder ein Wirrwarr der viel zitierten "Identitäten" ;)


Die da so herumbrüllen, das sind schwer enttäuschte Nationalisten. Während die Nationalisten, welche es noch einigermaßen gut geht, stramme Demokraten sind, Bürger eben, die im Falle des "sozialen Abstiegs" auch gern auf dumme Gedanken kommen. Die meisten wohl. Die Klügeren erklären sich ihre falsche Identifikation mit der Nation. Sogar Kommunisten sind schon auf diese Art entstanden.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Do 13. Sep 2018, 12:49

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 13:05)

Da erhebt sich die alte Frage, was zuerst da war, das Ei oder das Huhn. Denn bevor ich mal was zur so genannten "kulturellen Identität" sage, sind hier schon ellenlange leidenschaftliche (Leidenschaft erkennt man in der schriftlichen Kommunikation an häufigen Fettungen, Großschreibungen und Unterstreichungen) Abhandlungen zum Stichwort geschrieben worden. Leider mit keinem Argument bisher, das mich überzeugen konnte, dass es sich beim Begriff "kulturelle Identität" um eine Sache voller Wichtigkeit und Priorität in der politischen Debatte handeln könnte. Aber ich verspreche dir, ich rufe laut "hier", wenn ich etwas entdecke, das mich in meinen Überlegungen ein kleines Stück voranbringt :D

Tja - DIESE Frage leite ich an DICH weiter, denn DU bist diejenige, die a) den Begriff vor längerer Zeit überhaupt ins Gespräch gebracht und einen Thread dazu eröffnet hat, b) den Begriff politisch ideologisch aufgeladen hat, indem sie sich an einer Bewegung, die sich "identitär" nennt, aufgeilt, c) "die Sache (als solche)" mit der ideologischen Instrumentalisierung der Sache gleichsetzt und d) diejenige bist, die unterstellt "die Sache (als solche)" habe besondere Wichtigkeit und Priorität in der politischen Debatte.
DU bist diejenige, die die Tatsache dass gesellschaftliches und soziales Umfeld sowie die Kultur und deren Wertekanon in dem ein Individuum aufwächst, auch Einfluss auf die individuelle Identitätsentwicklung hat, diese mit prägt, leugnet bzw politisiert. (Prägung siehe zitierte Quelle)
Kulturelle Identität ist schlicht und ergreifend Teil der individuellen Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Nicht mehr und nicht weniger!
Es ist halt so, da denkt niemand darüber nach, weder permanent noch überhaupt.
Also musst du DICH schon selber fragen, warum DU "die Sache" dermaßen politisch auflädst und ihr eine derartige Wichtigkeit beimisst.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Do 13. Sep 2018, 13:03

Nö. Ich wurde aufgefordert dazu, einen Extra-Thread zur kulturellen Identität zu eröffnen, weil jemand (weiß nicht mehr, wer) die spezielle Diskussion aus einem anderen Strang ausklammern wollte. Was ich daraufhin tat. Und nein, ich leugne keine kulturellen Prägungen. Ich weiß nur immer noch nicht, warum das Thema "kulturelle Identität" so wichtig sein soll. Diese Frage stellte ich im Laufe der letzten Monate schon mindestens dreimal, erhielt aber keine Antwort darauf. Ich selbst weiß es schon, warum es seit einigen Jahren wieder schick ist, die eigene "kulturelle Identität" so prononciert hervorzuheben, wollte die Antwort aber gerne mal von anderen Usern hören, um möglicherweise neue Aspekte der Debatte sehen zu können. Aber es gibt nichts Neues. Und es ist auch alles gesagt worden dazu. "Wertekanon", auch so ein hübscher Begriff. "Heinrich, mir grauts vor dir".
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Do 13. Sep 2018, 13:29

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 14:03)

Nö. Ich wurde aufgefordert dazu, einen Extra-Thread zur kulturellen Identität zu eröffnen, weil jemand (weiß nicht mehr, wer) die spezielle Diskussion aus einem anderen Strang ausklammern wollte. Was ich daraufhin tat. Und nein, ich leugne keine kulturellen Prägungen. Ich weiß nur immer noch nicht, warum das Thema "kulturelle Identität" so wichtig sein soll. Diese Frage stellte ich im Laufe der letzten Monate schon mindestens dreimal, erhielt aber keine Antwort darauf. Ich selbst weiß es schon, warum es seit einigen Jahren wieder schick ist, die eigene "kulturelle Identität" so prononciert hervorzuheben, wollte die Antwort aber gerne mal von anderen Usern hören, um möglicherweise neue Aspekte der Debatte sehen zu können. Aber es gibt nichts Neues. Und es ist auch alles gesagt worden dazu. "Wertekanon", auch so ein hübscher Begriff. "Heinrich, mir grauts vor dir".

Ach ja? Und wer den Begriff "kulturelle Identität" überhaupt ins Gespräch gebracht und sich daran festgebissen hat, blendest du aus. Wer den Begriff politisch aufgeladen hat und permanent mit der "Identitären Bewegung" gebracht hat und bringt, blendest du ebenfall aus.
Nach deinen Motoven, warum kulturelle Identität für DICH so wichtig ist, warum alles, was mit der eigenen Kultur zusammenhängt, bei die zwanghaft räächts ist, das musst du dich schon selbst fragen.
ICH kann dir diese Frage nämlich NICHT beantworten!
Für MICH ist kulturelle Identität, als Teil meiner individuellen Identität nur in dem Zusammenhang wichtig, wie Humanismus, die Universalität der Menschenrechte, Aufklärung etc, als immanente Werte unserer Kultur, (sehr) wichtig sind.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Do 13. Sep 2018, 13:53

Dark Angel hat geschrieben:(13 Sep 2018, 14:29)

Ach ja? Und wer den Begriff "kulturelle Identität" überhaupt ins Gespräch gebracht und sich daran festgebissen hat, blendest du aus. Wer den Begriff politisch aufgeladen hat und permanent mit der "Identitären Bewegung" gebracht hat und bringt, blendest du ebenfall aus.
Nach deinen Motoven, warum kulturelle Identität für DICH so wichtig ist, warum alles, was mit der eigenen Kultur zusammenhängt, bei die zwanghaft räächts ist, das musst du dich schon selbst fragen.
ICH kann dir diese Frage nämlich NICHT beantworten!
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Bei mir ist nichts "zwanghaft räächts", was mit der "eigenen Kultur" zusammenhängt. Ich weiß nur nicht, was du mit "eigener Kultur" eigentlich genau meinst. Da gibt es nichts Einheitliches. Einer wächst zweisprachig auf und besucht den internationalen Kindergarten, der nächste macht Karriere an einer ausländischen Hochschule und wieder einer inszeniert als Lateinamerikaner einen deutschen Klassiker in Berlin. Ich schaue mir Goethe im Theater genauso interessiert an wie Dario Fo, verehre James Baldwin genauso wie Gustave Flaubert. Meine "eigene Kultur" ist ganz sicher nicht identisch mit deiner "eigenen Kultur", um mal dieses merkwürdige Konstrukt zu gebrauchen.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Joka » Do 13. Sep 2018, 17:48

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 14:53)

Bei mir ist nichts "zwanghaft räächts", was mit der "eigenen Kultur" zusammenhängt. Ich weiß nur nicht, was du mit "eigener Kultur" eigentlich genau meinst. Da gibt es nichts Einheitliches. Einer wächst zweisprachig auf und besucht den internationalen Kindergarten, der nächste macht Karriere an einer ausländischen Hochschule und wieder einer inszeniert als Lateinamerikaner einen deutschen Klassiker in Berlin. Ich schaue mir Goethe im Theater genauso interessiert an wie Dario Fo, verehre James Baldwin genauso wie Gustave Flaubert. Meine "eigene Kultur" ist ganz sicher nicht identisch mit deiner "eigenen Kultur", um mal dieses merkwürdige Konstrukt zu gebrauchen.


Mit Kultur gemeint ist wohl unsere christlich abendländische gemeint. Heute kann man in dem Wirrwarr tatsächlich wenig noch davon erahnen. Tatsache ist: heute eher selten früher aber die Regel ist mit Kultur vor allem die Werte gemeint die man seinen Kindern früher noch mitgegeben hat. Stärke, treue, pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft, Respekt vor dem Alter, der Oma über die Straße helfen, im Zug Aufstehen, sonntags in die Kirche, essen alle zusammen etc etc. Die eigenen Wurzeln kennen, Loyalität, Vater und Mutter ehren. Führe diese Liste beliebig fort.

Heute ist das alles nicht mehr gegeben. Und wird durch den ganzen Kultur mischmasch nur verwässert und verfälscht.

Religion ist auch ein ganz wichtiger Faktor. Auch wenn meiner Meinung nach Religion verboten gehört. ( ja schon gut, schon gut, ist MEINE Meinung). Aber ich denke es wird damit so viel schobdluder getrieben und in einer modernen Welt ist für aufgeklärte Menschen kein Platz für Phantasie.

Nun alles was mit unserer Kultur zusammenhängt wird tatsächlich oft als rechts empfunden. Das hängt damit zusammen da die viel gepriesenen Deutschen Tugenden früher hochgehalten und gefördert worden.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Do 13. Sep 2018, 19:49

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 14:53)

Bei mir ist nichts "zwanghaft räächts", was mit der "eigenen Kultur" zusammenhängt. Ich weiß nur nicht, was du mit "eigener Kultur" eigentlich genau meinst. Da gibt es nichts Einheitliches. Einer wächst zweisprachig auf und besucht den internationalen Kindergarten, der nächste macht Karriere an einer ausländischen Hochschule und wieder einer inszeniert als Lateinamerikaner einen deutschen Klassiker in Berlin. Ich schaue mir Goethe im Theater genauso interessiert an wie Dario Fo, verehre James Baldwin genauso wie Gustave Flaubert. Meine "eigene Kultur" ist ganz sicher nicht identisch mit deiner "eigenen Kultur", um mal dieses merkwürdige Konstrukt zu gebrauchen.

Sorry, aber den Kulturbegriff, wie ich ihn gebrauche, habe ich nun schon so oft erläutert, dass das selbst bei dir inzwischen angekommen sein müsste, aber ich wiederhole es extra für dich nochmal:
Der Begriff Kultur ist a) ein Erklärungsmodell für gesellschaftlich und historisch gewachsene Prozesse und b) (das Komplexe Ganze) die Gesamtheit der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Überzeugungen die Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, durch soziales Lernen erworben hat.
Und auch was ich mit "eigener Kultur" meine, habe ich bereits mehrfach dargelegt - nämlich unsere westliche/europäische Kultur, die ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Antike hat.
Und JA - MEIN Kulturbegriff ist sehr viel weiter gesteckt, als deine enge, kleinkarierte Sichtweise!
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Joka » Do 13. Sep 2018, 19:53

Dark Angel hat geschrieben:(13 Sep 2018, 20:49)

Sorry, aber den Kulturbegriff, wie ich ihn gebrauche, habe ich nun schon so oft erläutert, dass das selbst bei dir inzwischen angekommen sein müsste, aber ich wiederhole es extra für dich nochmal:
Der Begriff Kultur ist a) ein Erklärungsmodell für gesellschaftlich und historisch gewachsene Prozesse und b) (das Komplexe Ganze) die Gesamtheit der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Überzeugungen die Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, durch soziales Lernen erworben hat.
Und auch was ich mit "eigener Kultur" meine, habe ich bereits mehrfach dargelegt - nämlich unsere westliche/europäische Kultur, die ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Antike hat.
Und JA - MEIN Kulturbegriff ist sehr viel weiter gesteckt, als deine enge, kleinkarierte Sichtweise!



Dem ist nichts hinzuzufügen. Das hätte man nicht besser beschreiben können.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Do 13. Sep 2018, 20:26

Dark Angel hat geschrieben:(13 Sep 2018, 20:49)

Sorry, aber den Kulturbegriff, wie ich ihn gebrauche, habe ich nun schon so oft erläutert, dass das selbst bei dir inzwischen angekommen sein müsste, aber ich wiederhole es extra für dich nochmal:
Der Begriff Kultur ist a) ein Erklärungsmodell für gesellschaftlich und historisch gewachsene Prozesse und b) (das Komplexe Ganze) die Gesamtheit der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Überzeugungen die Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, durch soziales Lernen erworben hat.
Und auch was ich mit "eigener Kultur" meine, habe ich bereits mehrfach dargelegt - nämlich unsere westliche/europäische Kultur, die ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Antike hat.
Und JA - MEIN Kulturbegriff ist sehr viel weiter gesteckt, als deine enge, kleinkarierte Sichtweise!


Mir geht es auch so: Ich finde deine Sichtweise ebenfalls sehr kleinkariert. Schon, wie du über Kopftuch tragende muslimische Frauen redest, über Gender Studies, Leitkultur und Gleichstellung (siehe frühere Diskussionen), das klingt alles sehr eng und sehr bieder. Passend zum ständig erhobenen Zeigefinger. Nichts, was ich spannend oder anregend finden könnte. Wirklich interessant sind die internationalen Verflechtungen in Wissenschaft und Forschung, in Kunst und Literatur, im Alltagsleben, die unaufhaltsamen Prozesse der Internationalisierung.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Do 13. Sep 2018, 20:39

Noch etwas, was nicht als Polemik oder als Antwort auf irgendeinen Kommentar hier gedacht ist, sondern nur als kleine Ergänzung: Dringend hinterfragt werden sollte diese ständige Betonung des "Wir"-Gefühls, der "eigenen Kultur", der "kulturellen Identität". Ohne Inhalt sind das leere propagandistische Begriffe. Kultur ist etwas Belebendes, Prozesshaftes, Bewegtes und Bewegendes, ständig von Einflüssen aus aller Welt durchdrungen, ständig in Bewegung, im Fluss. Da gibt es nichts Ewiges, Unantastbares, Heiliges, Götzenhaftes. Und schon gar nichts, was eine Kultur besser oder gar "wertvoller" als eine andere macht.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Joka » Do 13. Sep 2018, 20:54

Da bin ich anderer Meinung Kultur ist beständig.
Und Kultur ist Wertvoll sonst ist nichts mehr da was uns von Tieren unterscheidet.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Do 13. Sep 2018, 22:42

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 21:26)

Mir geht es auch so: Ich finde deine Sichtweise ebenfalls sehr kleinkariert. Schon, wie du über Kopftuch tragende muslimische Frauen redest, über Gender Studies, Leitkultur und Gleichstellung (siehe frühere Diskussionen), das klingt alles sehr eng und sehr bieder. Passend zum ständig erhobenen Zeigefinger. Nichts, was ich spannend oder anregend finden könnte. Wirklich interessant sind die internationalen Verflechtungen in Wissenschaft und Forschung, in Kunst und Literatur, im Alltagsleben, die unaufhaltsamen Prozesse der Internationalisierung.

Meine Sichtweise kleinkariert?
Sorry Selina, aber im Gegensatz zu dir, kann ich meine Aussagen/Sichtweisen auch begründen. Ich kann nämlich selber denken und denke auch selbst und dazu gehört, dass ich bestimmte Dinge hinterfrage, ihnen "auf den Grund" gehe und nicht unreflektiert nachplappere, was mir "vorgebetet" wird. Argumente, mit denen du meine Aussagen widerlegen könntest, hast du keine, hast noch nie welche gehabt.
Kleinkariert ist DEINE Sichtweise, wie du anhand des Kulturbegriffs wieder sehr eindrücklich demonstriert hast.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Do 13. Sep 2018, 22:51

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 21:39)

Noch etwas, was nicht als Polemik oder als Antwort auf irgendeinen Kommentar hier gedacht ist, sondern nur als kleine Ergänzung: Dringend hinterfragt werden sollte diese ständige Betonung des "Wir"-Gefühls, der "eigenen Kultur", der "kulturellen Identität". Ohne Inhalt sind das leere propagandistische Begriffe. Kultur ist etwas Belebendes, Prozesshaftes, Bewegtes und Bewegendes, ständig von Einflüssen aus aller Welt durchdrungen, ständig in Bewegung, im Fluss. Da gibt es nichts Ewiges, Unantastbares, Heiliges, Götzenhaftes. Und schon gar nichts, was eine Kultur besser oder gar "wertvoller" als eine andere macht.

Und warum sollte das "dringend hinterfragt" werden?
Weil DU mit einem "Wir-Gefühl" nichts anfangen kannst, weil kulturelle Identität für DICH nur ein leerer Begriff ist?
Nicht Kultur ist ..., sondern Kulturen sind ... Es gibt nämlich mehr als nur eine Kultur und alle Kulturen unterscheiden sich, sie unterscheiden sich auch im Grand ihrer Entwicklung/in ihrem Entwicklungsstand.
Es stimmt, Kulturen beeinflussen sich gegenseitig, es werden aber immer nur die Einflüsse aufgenommen (assimiliert), die mit der jeweiligen Kultur kompatibel sind und die immer nur freiwillig!
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon imp » Do 13. Sep 2018, 23:03

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 21:39)

Noch etwas, was nicht als Polemik oder als Antwort auf irgendeinen Kommentar hier gedacht ist, sondern nur als kleine Ergänzung: Dringend hinterfragt werden sollte diese ständige Betonung des "Wir"-Gefühls, der "eigenen Kultur", der "kulturellen Identität". Ohne Inhalt sind das leere propagandistische Begriffe. Kultur ist etwas Belebendes, Prozesshaftes, Bewegtes und Bewegendes, ständig von Einflüssen aus aller Welt durchdrungen, ständig in Bewegung, im Fluss. Da gibt es nichts Ewiges, Unantastbares, Heiliges, Götzenhaftes. Und schon gar nichts, was eine Kultur besser oder gar "wertvoller" als eine andere macht.

Ja, man sollte sich öfter mal fragen, was man eigentlich mit den Leuten zu tun hat, mit denen man "wir" ist. Was tun sie für dich, wozu brauchst du sie? Gefallen die dir? Wozu benutzen sie dich?
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Do 13. Sep 2018, 23:56

Dark Angel hat geschrieben:(13 Sep 2018, 23:42)

Meine Sichtweise kleinkariert?
Sorry Selina, aber im Gegensatz zu dir, kann ich meine Aussagen/Sichtweisen auch begründen. Ich kann nämlich selber denken und denke auch selbst und dazu gehört, dass ich bestimmte Dinge hinterfrage, ihnen "auf den Grund" gehe und nicht unreflektiert nachplappere, was mir "vorgebetet" wird. Argumente, mit denen du meine Aussagen widerlegen könntest, hast du keine, hast noch nie welche gehabt.
Kleinkariert ist DEINE Sichtweise, wie du anhand des Kulturbegriffs wieder sehr eindrücklich demonstriert hast.


Du kannst also selber denken, gehst den Dingen auf den Grund, hinterfragst sie und plapperst nichts unreflektiert nach, sagst du. Wie schön, dass es hier im Forum jemanden wie dich gibt. Das ist eine echte Bereicherung :D

Nee, mal im Ernst: Sowas von sich selbst zu sagen, hat schon ein Gschmäckle. Und ich lese hier Beiträge von etlichen Usern wahrlich mit größerem Interesse als deine. Vor allem sind das Beiträge, in denen nie der gegenseitige Respekt fehlt, bei aller Unterschiedlichkeit der Ansichten. Die Art von dir ist dagegen immer nur die Intention des Niedermachens des anderen, des Sich-Erhebens und des Zeigefinger-Schwingens. Dieser Sache solltest du mal "auf den Grund gehen". Stoff zur Reflexion.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon ThorsHamar » Fr 14. Sep 2018, 00:02

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 21:39)

... Dringend hinterfragt werden sollte diese ständige Betonung des "Wir"-Gefühls, der "eigenen Kultur", der "kulturellen Identität". Ohne Inhalt sind das leere propagandistische Begriffe. ...


Was bedeutet für Dich denn der Inhalt "Sozialstaat" als Ausdruck einer "Solidargemeinschaft"?
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Selina » Fr 14. Sep 2018, 00:13

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(14 Sep 2018, 00:03)

Ja, man sollte sich öfter mal fragen, was man eigentlich mit den Leuten zu tun hat, mit denen man "wir" ist. Was tun sie für dich, wozu brauchst du sie? Gefallen die dir? Wozu benutzen sie dich?


Stimmt. Es gibt schon Situationen, wo das Wir zeitweilig einen Sinn hat und auch Freude machen kann: Beim gemeinsamen Kunst produzieren etwa, beim Mannschaftssport, bei einer Spendengala für einen guten Zweck, bei einer bunten weltoffenen Demo, beim Arbeiten an einem gemeinsamen Projekt, beim Meinungsstreit, bei einem Abendessen mit Freunden. Einige brauchen das Wir aber ständig und überall... wie eine Droge, um sich stark, anerkannt und gebraucht zu fühlen. Alleine jedoch, ganz auf sich selbst geworfen, versagen sie, sind sie klein und mutlos und frustriert. In der Gruppe - möglicherweise noch ähnlich gekleidet - fühlen sie sich mächtig und treten zusammen auch schon mal zu... im übertragenen Sinne oder auch wörtlich gemeint.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Neandertaler » Fr 14. Sep 2018, 06:35

Selina hat geschrieben:(13 Sep 2018, 14:53)

Bei mir ist nichts "zwanghaft räächts", was mit der "eigenen Kultur" zusammenhängt. Ich weiß nur nicht, was du mit "eigener Kultur" eigentlich genau meinst. Da gibt es nichts Einheitliches.

Mann kann denn Wald auch vor lauter Bäumen nicht sehen. Würde dieses, wir sind doch alle Induvidien ich sehe da nichts gemeinsames, zutreffen so wären auch Begriffe wie interkulturelle Kompetenz und kulturellen Bereicherurng und Reiseführer die über Land und Leute aufklären unsinning.
Wenn du und ein beliebiger anderer Deutsche euch mit zwei Papa neugenianern austauscht werdet ihr zweifellos zwischen euch viel mehr kulturelle Gemeinsamkeiten finden, auch solche die euch gar nicht bewusst waren, als mit euren gegenüber von der Insel.
Und das gleiche Experiment wird auch mit zwei Amerikaner funktionieren warscheinlich sogar mit zwei Schweizern.
Ist eigentlich jeden bewusst sein der nur eine Zeitlang im Ausland war oder mit Menschen einer anderen Kultur länger zu tun hatte.

Obwohl der Bergriffs der Kultur fliessennd und komolex ist, es natürlich induviduelle (und regionale etc.) Unterschiede gibt sollte man eigentlich nicht mit der indentifizierung der eigenen Kultur überfordert sein.
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Neandertaler » Fr 14. Sep 2018, 06:40

Selina hat geschrieben:(14 Sep 2018, 01:13)
Einige brauchen das Wir aber ständig und überall... wie eine Droge, um sich stark, anerkannt und gebraucht zu fühlen.

Es gibt wohl keine Gesellschaft die so wenig Wir kennt wie die jetzige westliche.
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Re: Identitätswirrwarr

Beitragvon Dark Angel » Fr 14. Sep 2018, 08:55

Selina hat geschrieben:(14 Sep 2018, 00:56)

Du kannst also selber denken, gehst den Dingen auf den Grund, hinterfragst sie und plapperst nichts unreflektiert nach, sagst du. Wie schön, dass es hier im Forum jemanden wie dich gibt. Das ist eine echte Bereicherung :D

Nee, mal im Ernst: Sowas von sich selbst zu sagen, hat schon ein Gschmäckle. Und ich lese hier Beiträge von etlichen Usern wahrlich mit größerem Interesse als deine. Vor allem sind das Beiträge, in denen nie der gegenseitige Respekt fehlt, bei aller Unterschiedlichkeit der Ansichten. Die Art von dir ist dagegen immer nur die Intention des Niedermachens des anderen, des Sich-Erhebens und des Zeigefinger-Schwingens. Dieser Sache solltest du mal "auf den Grund gehen". Stoff zur Reflexion.

Tut mir leid Selina, wenn du mit/bei meinen Beiträgen überfordert bist, aber das ist wahrlich nicht mein Problem.
Wie du selbst immer wieder betonst, ist das hier ein politisches Forum und da geht es weniger darum, ob Beiräge interessant sind oder nicht, sondern um Meinungen/Sichtweisen und um die inhaltliche Auseinandersetzung mit denselben. Es geht um Argumente. Da ist bei dir allerdings Fehlanzeige - du hast keine. Bei dir kommt das immer gleiche Mantra, der immer gleiche Psalm.
Wenn du den (wiederholten) Verweis darauf, dass dir Argumente fehlen, schon als "Niedermachen" betrachtest - auch dein Problem.

Und ganz nebenbei - die Einordnung der Gender Studies als Ideologie ist das Ergebnis recht intensiver Beschäftigung mit dem Thema, mit seinen Ursprüngen, worauf das ganze basiert und auch mit Publikationen der Gender-Studies selbst.
Tut mir schrecklich leid, aber wenn im Zusammenhang mit Schwangerschaft von "Teilnehmern an der Schwangerschaft", vom "Hervorbringen der Schwangerschaft durch die Teilnehmer", von "sozialer Schwangerschaft", von "geschlechtlicher Arbeitsteilung, die das Schwangersein den Frauen zuschreibt oder gar die "Verflechtung von Frausein und Schwangersein analytisch auflösen" will und von "Frauisierung der Schwangerschaft" schwadroniert und das auch noch in eine so genannten Dissertation zu Gender Studies, der hat jeglichen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit verwirkt.
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