Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 09:54

JJazzGold hat geschrieben:(05 Sep 2018, 09:00)

Der Weg über ein Register wäre ideal. Nur frage ich mich, wenn es heute nur wenige Menschen schaffen, einen von den Krankenkassen regelmäßig verschickten Din A7 (?) Format auszufüllen und diesen ins Portemonnaie zu stecken, würde sich eine größere Anzahl die Mühe machen, online ein Registrierungsformular auszufüllen?


Man muss ein Register nicht nur über einen Online-Antrag führen. Es ist ebenso möglich, auch analoge Anträge zu übernehmen.

Wichtig ist die Aufklärung und in diesem Zusammenhang kann dann auch eine Registrierung erfolgen, z.B. über die Ärzte, Verbände und Co
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 10:00

JJazzGold hat geschrieben:(05 Sep 2018, 09:00)


Ich fürchte nur, dass auch Spahn keine 100%ige Garantie gegen Missbrauch etablieren kann, egal wie präventiv restriktiv er die Kontrolle bei seinem angedachten zukünftigen Verfahren gestalten will.


Nein, eine 100% Garantie gibt es nur für den Tod.

Aber ein Register, das nur in fest definierten Fällen abgerufen werden darf und bei dem dies auch nachhaltig dokumentiert ist, wäre ein Schritt.

Spahn hat eine Diskussion vom Zaun gebrochen ohne ein konkretes Konzept. Das ist gefährlich und schadet der Diskussion, die er ja angeblich anschieben und fördern wollte.

Wenn der Staat aber seine Hausaufgaben nicht macht und weder strukturelle und gesetzliche Rahmenbedingungen noch ausreichende Aufklärung gewährleistet, sollte er nicht mit Forderungen nach Verpflichtung und Zwang ins Feld ziehen.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon JJazzGold » Mi 5. Sep 2018, 10:05

McKnee hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:00)

Nein, eine 100% Garantie gibt es nur für den Tod.

Aber ein Register, das nur in fest definierten Fällen abgerufen werden darf und bei dem dies auch nachhaltig dokumentiert ist, wäre ein Schritt.

Spahn hat eine Diskussion vom Zaun gebrochen ohne ein konkretes Konzept. Das ist gefährlich und schadet der Diskussion, die er ja angeblich anschieben und fördern wollte.

Wenn der Staat aber seine Hausaufgaben nicht macht und weder strukturelle und gesetzliche Rahmenbedingungen noch ausreichende Aufklärung gewährleistet, sollte er nicht mit Forderungen nach Verpflichtung und Zwang ins Feld ziehen.


Hatte Spahn nicht bereits einen Gesetzentwurf, den die SPD kritisierte und ablehnte? Ich meine etwas dazu gelesen zu haben.
Den will er anscheinend vorläufig in der Schublade lassen und das Thema vorerst zur offenen Diskussion stellen. Mutmaßlich, um ihn dann dem Ergebnis entsprechend zu modifizieren, oder ihn in der Schublade zu lassen.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon JJazzGold » Mi 5. Sep 2018, 10:08

McKnee hat geschrieben:(05 Sep 2018, 10:54)

Man muss ein Register nicht nur über einen Online-Antrag führen. Es ist ebenso möglich, auch analoge Anträge zu übernehmen.

Wichtig ist die Aufklärung und in diesem Zusammenhang kann dann auch eine Registrierung erfolgen, z.B. über die Ärzte, Verbände und Co


Das klingt akzeptabel, unter der Voraussetzung, dass sich Ärzte und Kassen bereit erklären, die Datenbank zu pflegen. Meinen Sie, die würden sich darauf einlassen?
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon X3Q » Mi 5. Sep 2018, 10:14

Grundsätzlich kann man keinen Menschen dazu zwingen, sich mit diesem Thema (eigener Tod und Organspende) auseinander zu setzen. Es gibt da durchaus den Anspruch auf Ignoranz. Aber diese Ignoranz verschiebt die Verantwortung für diese Frage im Fall der Fälle auf die Angehörigen. Die stehen dann vor einer Entscheidung, die der Tote (in den meisten Fällen) selber hätte treffen können. Dies sollte man bei allen Freiheitsrechten auch berücksichtigen.

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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Kritikaster » Mi 5. Sep 2018, 10:32

X3Q hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:14)

Grundsätzlich kann man keinen Menschen dazu zwingen, sich mit diesem Thema (eigener Tod und Organspende) auseinander zu setzen. Es gibt da durchaus den Anspruch auf Ignoranz. Aber diese Ignoranz verschiebt die Verantwortung für diese Frage im Fall der Fälle auf die Angehörigen. Die stehen dann vor einer Entscheidung, die der Tote (in den meisten Fällen) selber hätte treffen können. Dies sollte man bei allen Freiheitsrechten auch berücksichtigen.

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Ich halte es allerdings für fragwürdig, bei zuvor nicht erfolgter Einwilligungserklärung des Verstorbenen überhaupt Angehörige diese Entscheidung treffen zu lassen.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon X3Q » Mi 5. Sep 2018, 11:10

Kritikaster hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:32)

Ich halte es allerdings für fragwürdig, bei zuvor nicht erfolgter Einwilligungserklärung des Verstorbenen überhaupt Angehörige diese Entscheidung treffen zu lassen.

Hälst du auch eine med. Behandlung von nichteinwilligungsfähigen Person für fragwürdig?

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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 11:51

JJazzGold hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:05)

Hatte Spahn nicht bereits einen Gesetzentwurf, den die SPD kritisierte und ablehnte? Ich meine etwas dazu gelesen zu haben.
Den will er anscheinend vorläufig in der Schublade lassen und das Thema vorerst zur offenen Diskussion stellen. Mutmaßlich, um ihn dann dem Ergebnis entsprechend zu modifizieren, oder ihn in der Schublade zu lassen.


In Deutschland werden sehr wenige Organe gespendet - das liegt vor allem an strukturellen Problemen in Kliniken. Ein Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministerium soll gegensteuern.


Spahn sagte am Freitag: "Wir müssen alles versuchen, dass die Zahl der Organtransplantationen wieder steigt."


In Deutschland werden sehr wenige Organe gespendet - das liegt vor allem an strukturellen Problemen in Kliniken. Ein Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministerium soll gegensteuern.


Es spricht alles für eine Verantwortung von Kliniken und Politik, die NICHT zu Lasten der Rechte der Menschen, also Eingriffe in ihren höchstpersönlichen Lebensbereiche, gehen darf.

Die Kernpunkte des Entwurfs:

- Die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken sollen mehr Zeit für ihre Arbeit und intern eine stärkere Stellung erhalten.
- Krankenhäuser sollen für Organspenden und für das Vorhalten der dafür nötigen Infrastruktur besser bezahlt werden.
- Ein flächendeckendes Berichtssystem soll offenlegen, ob Kliniken die Chancen für Organspenden auch wahrnehmen.
- Auch kleine Krankenhäuser sollen Organe bei Verstorbenen entnehmen können. Bei der Hirntod-Diagnostik sollen sie dazu durch einen bundesweiten beratenden neurologischen Bereitschaftsdienst unterstützt werden.


Viele Aufgaben, die bisher wohl eher versäumt wurden. Kein Wort von einer Abkehr der bisherigen Praxis der eigenverantwortlichen und freiwilligen Organspende.

Ja, sie wird auch bei einer vom Staat mit der Geburt oder spätestens dem 15. Lebensjahr an geltenden und bestimmten Organspende bleiben. Es gibt aber keinen Grund dafür, da die Ursachen der derzeitigen Probleme anders gelagert sind, von demokratischen Prinzipien abzuweichen.

Es ist bezeichnend, dass Spahn erst in die Offensive ging, dann andere Ursachen eingestehen musste und nun gefühlt gar nicht mehr über die Abkehr von der freien und selbstbestimmten Entscheidung zur Organspende geredet wird.

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 25902.html

Ca. 30% der Menschen in Deutschland sind registrierte Organspender. Dagegen kommt es zu weniger als 800 (!) Organspenden jährlich. Dabei steht Deuschland im Vergleich mit anderen Ländern gar nicht so schlecht da, glaubt man Eurotransplant.

JJazzGold hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:05)

Hatte Spahn nicht bereits einen Gesetzentwurf, den die SPD kritisierte und ablehnte?


Doch vor einem Gesetzentwurf möchte Spahn erst eine Debatte im Bundestag. Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach kritisiert die Zögerlichkeit.


https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ ... g-100.html

Ich bleibe dabei. Das Widerspruchsverfahren sit ein massiver und unnötiger Eingriff in den Persönlichkeitsbereich der Menschen, der das Versagen des Gesundheitswesens und der Politik kompensieren und davon ablenken soll.

100% registrierte Organspender würden rein mathematisch ca. 2400 Oraganspenden ausmachen. Auch nur eine Deckung von 25% des Bedarfs.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 11:53

JJazzGold hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:08)

Meinen Sie, die würden sich darauf einlassen?


Ich sehe es als ihre Pflicht und Verantwortung an. Für die Verantwortlichen der Organspende ist es kein Wunschkonzert. Sie müssen sich so oder mit Alternativen beteiligen.

Als Polizist steht es mir auch nicht frei, Gesetze zu ignorieren, mit denen ich mich nicht anfreunden kann.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 11:55

X3Q hat geschrieben:(05 Sep 2018, 11:14)

....Aber diese Ignoranz verschiebt die Verantwortung für diese Frage im Fall der Fälle auf die Angehörigen. Die stehen dann vor einer Entscheidung, die der Tote (in den meisten Fällen) selber hätte treffen können. Dies sollte man bei allen Freiheitsrechten auch berücksichtigen.

--X


Nein, die Angehörigen sind nicht verpflichtet. Sie können die Entscheidung ablehnen.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Kritikaster » Mi 5. Sep 2018, 11:57

X3Q hat geschrieben:(05 Sep 2018, 12:10)

Hälst du auch eine med. Behandlung von nichteinwilligungsfähigen Person für fragwürdig?

--X

Während ich mich, beginnend in jungen Jahren, mein Leben lang für eine Zustimmung zur Organentnahme entscheiden KANN, stellt eine plötzlich eintretende Verhinderung, die Entscheidung für eine, das eigene Leben rettende Behandlung zu treffen, ein unvorhersehbares, nicht planbares Ereignis dar. Aber selbst hierfür ist es mir möglich, mittels einer Patientenverfügung bereits im Vorfeld die Grenzen festzulegen, innerhalb derer ich Behandlungen zu akzeptieren bereit bin.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon X3Q » Mi 5. Sep 2018, 12:24

McKnee hat geschrieben:(05 Sep 2018, 12:55)

Nein, die Angehörigen sind nicht verpflichtet. Sie können die Entscheidung ablehnen.

Eine abgelehnte Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Und ob sie nun Ja, Nein oder weiß nicht zur Organspende sagen, sie müssen sich genau in diesem Moment, da ein Angehöriger verstorben ist, mit diesem Thema befassen - unabhängig davon, zu was sie sich entscheiden.

--X
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon McKnee » Mi 5. Sep 2018, 12:38

X3Q hat geschrieben:(05 Sep 2018, 13:24)

Eine abgelehnte Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Und ob sie nun Ja, Nein oder weiß nicht zur Organspende sagen, sie müssen sich genau in diesem Moment, da ein Angehöriger verstorben ist, mit diesem Thema befassen - unabhängig davon, zu was sie sich entscheiden.

--X


Natürlich, aber das müssen sie in der Familie klären. Der Staat kann da nicht das Regulativ sein.

Wenn der Verstorbene zu Lebzeiten nicht ausdrücklich erklärt hat, dass er Organspender ist, muss von der Nichtzustimmung ausgegangen werden.

In der Umkehr die Frage, können sich Angehörige sicher sein, dass ein nicht erklärter Widerspruch nicht ebenso der Untätigkeit und Enscheidungsweigerung geschuldet ist! Hier ist es - vor der Frage des tatsächlichen Willens des Verstorbenen -für die Angehörigen noch schwerer. Die Frage bleibt, aber sie haben keine Entscheidungskompetenz. Notfalls müssen sie mit der Vermutung oder Gewissheit leben, dass die Entnahme von ORganen nicht mit Zustimmung des Verstorbenen geschieht. Möglicherweise haben sie vorher sogar wiederholt darüber gesprochen und der Verstorbene blieb untätig.

Ergebnis, die Angehörigen müssen sich dem Diktat der staatlichen Entscheidung unterwerfen.

Nach heutiger Regelung haben sie allerdings die Kompetenz, wenn der Verstorbene nicht ausdrücklich widersprochen hat. Aber auch die Wahl, sich nicht zu entscheiden.

Ich finde, dass das sehr viel mehr Rechte sind, als jetzt geplant.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Alana4 » Mi 5. Sep 2018, 12:41

Man sieht sehr schön, wie individuell dieses Thema von den unterschiedlichsten Menschen bedacht wird. Und jedwede Meinung dazu ist vollkommen richtig!
Als oller Atheist war es mir bis vor einiger Zeit vollkommen wurscht, was nach meinem Dahinscheiden mit mir passiert. von mir aus hätte man sich an allem bedienen können, was noch irgendwem brauchbar erschien. So ganz grundsätzlich habe ich auch heute noch nichts dagegen.
Ich habe aber irgendwann gemerkt- ich, ganz persönlich-, dass es ganz so einfach eben nicht ist. Denn ich erkannte auch aus eigenem Erleben, dass es nicht so sehr den Verstorbenen betrifft, was mit ihm geschieht, sondern viel viel mehr die Hinterbliebenen! Wenn Frau Y meint und auch verfügt hat, dass ihr alles entnommen werden darf im Fall der Fälle, dann ist es für den sie über alles liebenden, trauernden Ehemann (oder ihre Kinder) vielleicht unerträglich? ER möchte das nicht! Ihre Kinder können sich so gar nicht damit abfinden, dass Mama "ausgeweidet" wird. Es ist eben ganz und gar nicht eine Entscheidung, die jeder für sich allein treffen kann. Dem Verstorbenen ist es dann eh egal,der merkt nichts mehr- aber die Hinterbliebenen müssen damit zurecht kommen. DIE müssen es akzeptieren können.
Mir als Mutter war der Gedanke unerträglich, vielleicht meine Kinder vor so eine Situation zu stellen: Mama tot und jetzt soll sie noch.........
In der Konsequenz : Wir haben im FAmilienrat darüber geredet(altersangemessen bei den kids, die jetzt inzwischen erwachsen sind weitestgehend). Jeder weiß, dass ICH gegen Organspende- egal welches Organ- nichts einzuwenden habe, sogar dafür bin.
Aber: die Entscheidung ob oder ob nicht, sollen meine Hinterbliebenen treffen DÜRFEN (NICHT: müssen). Die dürfen sagen: ja, alles darf benutzt werden! Oder sie sagen: Nein, alles außer das Herz! Oder: nix wird entnommen!
Vielleicht wollen sie mich ja mal einbalsamieren, einfrieren oder sonstwie im Stück konservieren.
Können oder wollen die dereinst keine Entscheidung treffen, dann gilt, was ich verfügt habe, nämlich:alles raus, was Verwendung findet und dann ab zur Verbrennung!

Und deswegen habe ich keinen Organspendeausweis in der Tasche. Ich will, dass meine Angehörigen gefragt werden- und die wissen, wo meine entpr. Verfügungen griffbereit liegen.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon BlueMonday » Mi 5. Sep 2018, 13:13

Die Entwicklungsrichtung hier ist schon bemerkenswert, beginnend mit dem natürlichen Zustand, dass man über seine Organe frei verfügt, sie bspw. verkaufen kann, Verträge darüber schließt - damit hätte man schon ausreichend Anreize für ein ungleich höheres Angebot. Aber darf nicht sein. Die kostenlose Abgabe ist hingegen möglich. Aber man wundert sich wie ein naives Kind über das überschaubares Angebot infolge. Immerhin ist noch ein gewisser Grad an Zivilisiertheit im Spiel, man muss eben ausdrücklich zustimmen, ansonsten verbietet es sich. Dies soll nun evlt. aufgehoben werden. Man muss umkehrt die Ablehnung zum Ausdruck bringen, ansonsten wird auch ungewollt der eigene Körper zur Verfügungsmasse des Kollektivs.

Was steht wohl am absehbaren Ende dieser etatistischen Stoßrichtung? Die "Pflicht" (dt., euphemistisch für Zwang) zur Abgabe. Und das ist nicht sonderlich weit hergeholt, denn genau das ist ja der Modus Operandi des Etatismus.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Raskolnikof » Mi 5. Sep 2018, 13:20

@ Alana4
Deine Überlegungen kann ich voll und ganz nachvollziehen, aber:
Angenommen, du bist ein Unfallopfer und wirst ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose sieht sehr schlecht aus. Du wirst binnen der nächsten Stunden sterben. Evtl. bist du schon auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben oder unmittelbar nach der Einlieferung. Diese Situation kennen die Unfallaufnahmen in unseren Kliniken aus der täglichen Praxis. Die Frage, ob du als Organspender infrage kommst und eine Organspendebereitschaft überhaupt besteht darf erst nach diagnostiziertem Hirntod geklärt werden. Allerdings muss dann alles sehr schnell gehen, weil die künstliche Aufrechterhaltung des Kreislaufs und die damit verbundene Durchblutung der Organe durch intensivmedizinische Maßnahmen nur eine begrenzte Zeit fortgesetzt werden kann.
Wenn nun aber erst alle Familienangehörigen kontaktiert und über die Situation aufgeklärt werden sollen und dann der Familienrat eine Entscheidung über die Organentnahme treffen soll, wird es in den meisten Fällen wohl zu spät sein.
Bei allem Respekt Alana4, aber deine Überlegungen sind in der Praxis kaum umsetzbar. Denkbar wäre deine Überlegung allenfalls im Falle eines voraussichtlichen Todesfalles in absehbarer Zeit.

Meine Frau und ich haben einen Organspendeausweis. Unsere Kinder wissen das und wir haben darüber diskutiert. Sie finden unsere Entscheidung gut. Sie selbst haben auch einen Organspendeausweis. Allerdings muss ich gestehen, dass wir die Einwilligung zur Organentnahme auch gegeben hätten, wenn unsere Kinder sich dagegen ausgesprochen hätten.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Billie Holiday » Mi 5. Sep 2018, 13:43

Ich habe zweimal die Frage gestellt, ob Organspende ablehnende user für sich selbst im Notfall auch verzichten würden -was konsequent wäre- und habe keine Antwort bekommen.

Ansonsten -bei aller Liebe zu meinen Kindern und Angehörigen- wie lange sollen diese diskutieren, während meine Organe verrotten? Sie lieben mich als lebende Person, nicht meine Organe. Also bestimme ich alleine über meine Innereien, sie gehören ausschließlich mir, ich allein kann sie verschenken.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Kritikaster » Mi 5. Sep 2018, 15:29

Raskolnikof hat geschrieben:(05 Sep 2018, 14:20)

Meine Frau und ich haben einen Organspendeausweis. Unsere Kinder wissen das und wir haben darüber diskutiert. Sie finden unsere Entscheidung gut. Sie selbst haben auch einen Organspendeausweis. Allerdings muss ich gestehen, dass wir die Einwilligung zur Organentnahme auch gegeben hätten, wenn unsere Kinder sich dagegen ausgesprochen hätten.

Zunächst einmal ist es zu begrüßen, dass Ihr euch im Rahmen der Zustimmungslösung für die Bereitschaft zur Organspende entschieden habt. Angesichts Deines letzten Satzes stellt sich natürlich die Frage, welchen Wert Willenserklärungen zur Verfügung über den eigenen Körper haben, wenn die nach Gütdünken anderer folgenlos ignoriert werden können. Da zeigt sich m. E. ein schwerer Fehler im System.

Möglich, dass Du genau diese Diskussion anstossen wolltest.
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon Alana4 » Mi 5. Sep 2018, 15:32

Raskolnikof hat geschrieben:(05 Sep 2018, 14:20)

@ Alana4
Deine Überlegungen kann ich voll und ganz nachvollziehen, aber:
........


ALLE Eventualitäten kann und will ich gar nicht bedenken.
Ich stehe dazu: wenn irgend möglich, sollen meine Hinterbliebenen gefragt werden.
Aber......ich werde über den Fall "muss schnell gehen nach Unfall" nochmal nachdenken.
Wenn aber noch der Hauch eines Lebens in mir ist nach einem Unfall z.Bsp.- dann sollte doch von denen, die vor Ort sind (Rettungsdienst, Polizei....) in meiner Tasche das Zettelchen mit den "Notfall-Anruf-Nummern" meiner Lieben gefunden werden. Nach dem Organspendeausweis müsste ja auch erst gesucht werden. Und irgendeiner meiner Leute wird schon ans Handy gehen. ;)

Billie Holiday hat geschrieben:Ich habe zweimal die Frage gestellt, ob Organspende ablehnende user für sich selbst im Notfall auch verzichten würden -was konsequent wäre- und habe keine Antwort bekommen.

Warum sollte der Empfang eines Spenderorgans an eine solche Bedingung geknüpft sein? Dann könnte verdammt viel von Bedingungen abhängig gemacht werden. "Konsequenz" wenn es ums eigene Leben geht? Eher nicht.

Und....wenn du tot bist, gehört dir gar nichts mehr. ;)
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Re: Spenderorgan-Mangel: Vorstoss Widerspruchslösung

Beitragvon H2O » Mi 5. Sep 2018, 16:07

unity in diversity hat geschrieben:(05 Sep 2018, 10:45)

2017 sank die Zahl der Organspenden in Deutschland auf einen Tiefpunkt.
Das hat Ursachen, die man nicht mit populistischen Kopfständen und Panik in den Augen beseitigt.
Man muss ein Vertrauen wiederherstellen, wie es vor 2017 war.


Das ist überhaupt nicht möglich. Die Geschäftemacherei hat ja stattgefunden, und sie war kein Einzelfall. Auch hat es den Drang nach "Fallzahlen" gegeben, mit unnötigen Operationen, nur um eine bestimmte Anzahl von Operationen durchgeführt zu haben, was wohl wieder den Weg ebnet, weiter an diesem gut bezahlten Zweig der Heilkunst teilhaben zu dürfen. Sogar einen vermeidbaren Todesfall hat es dadurch gegeben. Aus meiner Sicht nicht verwerflich, wenn eine notwendige Operation mißlingt. Aber aus Gründen der Eitelkeit oder der Gewinnsucht, da hört der Spaß auf.

Wenn man diese Dinge alle bewußt zur Kenntnis nimmt, dann bleibt doch noch die Mitmenschlichkeit als Gegengewicht. Niemand kann Menschen wirklich frei von Habgier und Eitelkeit herstellen. Aber dennoch kann man das Bestmögliche tun, den Mitmenschen noch ein paar gute Lebensjahre zu schenken. Mir als Verstorbenem wird kein Schaden zugefügt, die allermeisten Ärzte sind gebildete Leute und biedere Familienväter, die nach allen Regeln ihrer Kunst den Kranken zu helfen versuchen, den Schwerkranken wird hoffentlich noch eine gute Zeit geschenkt. Und da soll ich wegen einiger schräger Geldschneider davon abraten, im eigenen Todesfall noch brauchbare Organe zu spenden? Nein, das wäre mir dann doch zu hartherzig!

Natürlich hoffe ich, daß ich wirklich einem Kranken mit meiner Organspende helfen konnte, hoffe ich, daß eine strenge Standesaufsicht darauf achtet, daß bekannter Mißbrauch unterbleibt. Aber mir ist klar, daß das nicht immer gelingen wird. Und dennoch!

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