Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

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Ammianus
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Ammianus » Mo 20. Aug 2018, 15:23

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Simon
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Simon » Do 20. Sep 2018, 23:13

Hakenkreuze in Computerspielen zu zensieren zeigt doch nur, wie nah man den Faschisten gedanklich in der Tat ist. Nicht nur darf die Opposition nicht zu Wort kommen, nein sie darf noch nicht einmal sichtbar sein. Ihre Symbole bringen Unglück. Das Hakenkreuz scheint teil eines modernen Aberglaubens zu sein. Das verharmlost andere Ideologien und Symbole unter denen ebenso furchtbare Grausamkeiten begangen wurden.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 23. Sep 2018, 15:18

Simon hat geschrieben:(21 Sep 2018, 00:13)

Hakenkreuze in Computerspielen zu zensieren zeigt doch nur, wie nah man den Faschisten gedanklich in der Tat ist.

Es gab nie eine Zensur. Es gab lediglich eine andere Altersfreigabe. Wenn Nazis bei Hakenkreuzvermeidung einer abgeht, weil sie das für ihre eigene Ideologie missverstehen, sollte das niemanden aufhalten, Hakenkreuze weiter zu vermeiden.
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Calvadorius
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Calvadorius » So 23. Sep 2018, 22:59

Simon hat geschrieben:(21 Sep 2018, 00:13)

Hakenkreuze in Computerspielen zu zensieren zeigt doch nur, wie nah man den Faschisten gedanklich in der Tat ist. Nicht nur darf die Opposition nicht zu Wort kommen, nein sie darf noch nicht einmal sichtbar sein. Ihre Symbole bringen Unglück. Das Hakenkreuz scheint teil eines modernen Aberglaubens zu sein. Das verharmlost andere Ideologien und Symbole unter denen ebenso furchtbare Grausamkeiten begangen wurden.


Du verwechselst da was.
Das Hakenkreuz ist das Zeichen einer deutschen faschistischen Diktatur, die mehr als sechs millionen Menschen wegen ihres Glaubens sytematisch verfolgt und ermordet hat.
Diese kann gar nicht "Opposition" sein, sondern ist der natürliche Gegner unserer freiheitlich demokratischen Ordnung.

Es gibt natürlich geschichtsvergessene Deppen, die meinen, bloß ein "Symbol" zu sehen, also ganz "neutral"...
Oder Idioten, die versuchen, diese Gräueltaten zu relativieren.

Das sind in meinen Augen Fälle für den Verfassungsschutz, für staatsanwaltschafliche Ermittlungen.

Wofür in Spielen oder anderen Medien (außerhalb der Bildung, meinetwegen auch Kunst) das Hakenkreuz überhaupt dargestellt werden sollte, entzieht sich tatsächlich meiner Phantasie.
Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die in jedem Fall tödlich endet.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Occham » Mo 24. Sep 2018, 00:45

Calvadorius hat geschrieben:(23 Sep 2018, 23:59)

Du verwechselst da was.
Das Hakenkreuz ist das Zeichen einer deutschen faschistischen Diktatur, die mehr als sechs millionen Menschen wegen ihres Glaubens sytematisch verfolgt und ermordet hat.
Diese kann gar nicht "Opposition" sein, sondern ist der natürliche Gegner unserer freiheitlich demokratischen Ordnung.

Es gibt natürlich geschichtsvergessene Deppen, die meinen, bloß ein "Symbol" zu sehen, also ganz "neutral"...
Oder Idioten, die versuchen, diese Gräueltaten zu relativieren.

Das sind in meinen Augen Fälle für den Verfassungsschutz, für staatsanwaltschafliche Ermittlungen.

Wofür in Spielen oder anderen Medien (außerhalb der Bildung, meinetwegen auch Kunst) das Hakenkreuz überhaupt dargestellt werden sollte, entzieht sich tatsächlich meiner Phantasie.

Die Swastika ist in mehreren Kulturen vertreten. Stellt sich nun die Frage, wie sie Hitler in die Hände geraten ist.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 06:13

Occham hat geschrieben:(24 Sep 2018, 01:45)

Die Swastika ist in mehreren Kulturen vertreten. Stellt sich nun die Frage, wie sie Hitler in die Hände geraten ist.

Das ist gut dokumentiert.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Occham » Mo 24. Sep 2018, 09:36

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Sep 2018, 07:13)

Das ist gut dokumentiert.

Wo kann man denn die Dokumente nachlesen?
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Sep 2018, 09:52

Occham hat geschrieben:(24 Sep 2018, 10:36)

Wo kann man denn die Dokumente nachlesen?

Unter anderem kannst du "Mein Kampf" lesen, da berichtet Hitler aus erster Hand. Die völkisch-antisemitische Benutzung des Hakenkreuzes in Deutschland geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Es hatte bereits vor Hitler eine Bedeutung in Deutschland, die mit östlicher Religion nichts zu tun hat. Nach dem Krieg hatte die Thule-Gesellschaft in der völkisch-antisemitischen Szene große Bedeutung, prägte auch zahlreiche spätere NS-Größen wie Heß und Rosenberg. In der Legende der NSDAP hat Hitler selbst das Symbol mit hohem Wiedererkennungswert aktiv für die Partei vereinnahmt.

http://www.rulit.me/books/adolf-hitler-mein-kampf-band-1-und-2-855-auflage-1943-818-s-read-247935-132.html
Unsere bürgerlichen Politiker sollten es sich in das Gewissen rufen, daß, wer für den Staat die schwarzweißrote Flagge wünscht, einen Diebstahl an unserer Vergangenheit begeht. Die einstige Flagge paßte wirklich auch nur für das einstige Reich, genau so wie, Gott sei Lob und Dank, die Republik sich die für sie passende wählte.

Das war auch der Grund, weshalb wir Nationalsozialisten im Aufziehen der alten Fahne kein ausdrucksvolles Symbol unserer eigenen Tätigkeit hätten erblicken können. Denn wir wollen ja nicht das alte, an seinen eigenen Fehlern zugrunde gegangene Reich wieder vom Tode erwecken, sondern einen neuen Staat erbauen.

Die Bewegung, die heute in diesem Sinne mit dem Marxismus kämpft, muß damit auch in ihrer Fahne schon das Symbol des neuen Staates tragen.

Die Frage der neuen Flagge, d.h. ihr Aussehen, beschäftigte uns damals sehr stark. Es kamen von allen Seiten Vorschläge, die allerdings meist besser gemeint als gut gelungen waren. Denn die neue Fahne mußte ebensosehr ein Symbol unseres eigenen Kampfes sein, wie sie andererseits auch von großer plakatmäßiger Wirkung sein sollte. Wer sich selbst viel mit der Masse zu beschäftigen hat, wird in all diesen scheinbaren Kleinigkeiten doch sehr wichtige Angelegenheiten erkennen. Ein wirkungsvolles Abzeichen kann in Hunderttausenden von Fällen den ersten Anstoß zum Interesse an einer Bewegung geben.

Aus diesem Grunde mußten wir alle Vorschläge zurückweisen, unsere Bewegung durch eine weiße Fahne, wie dies von vielen Seiten vorgeschlagen wurde, mit dem alten Staat oder, richtiger, mit jenen schwächlichen Parteien zu identifizieren, deren einziges politisches Ziel die Wiederherstellung vergangener Zustände ist. Außerdem ist Weiß keine mitreißende Farbe. Sie paßt für keusche Jungfrauenvereinigungen, aber nicht für umwälzende Bewegungen einer revolutionären Zeit.

Auch Schwarz kam in Vorschlag: An sich passend für die heutige Zeit, war in ihr aber keine irgendwie zu deutende Darstellung des Wollens unserer Bewegung gegeben. Endlich wirkt diese Farbe auch nicht mitreißend genug.

Weiß-Blau schied aus, trotz der ästhetisch wundervollen Wirkung, als Farbe eines deutschen Einzelstaates und einer leider nicht im besten Rufe stehenden politischen Einstellung auf partikularistische Engherzigkeit. Im übrigen hätte man auch hier nur sehr schwer einen Hinweis auf unsere Bewegung finden können. Das gleiche galt für Schwarz-Weiß.

Schwarz-Rot-Gold kam an sich nicht in Frage.


Auch Schwarz-Weiß-Rot nicht, aus bereits erwähnten Gründen, jedenfalls nicht in der bisherigen Fassung. In der Wirkung steht diese Farbenzusammenstellung allerdings hoch über allen anderen erhaben. Es ist der strahlendste Akkord, den es gibt.

Ich selbst trat immer für die Beibehaltung der alten Farben ein, nicht nur weil sie mir als Soldat das Heiligste sind, das ich kenne, sondern weil sie auch in ihrer ästhetischen Wirkung meinem Gefühl weitaus am meisten entsprechen. Dennoch mußte ich die zahllosen Entwürfe, die damals aus den Kreisen der jungen Bewegung einliefen, und die meistens das Hakenkreuz in die alte Fahne hineingezeichnet hatten, ausnahmslos ablehnen. Ich selbst - als Führer - wollte nicht sofort mit meinem eigenen Entwurf an die Öffentlichkeit treten, da es ja möglich war, daß ein anderer einen ebenso guten oder vielleicht auch besseren bringen würde. Tatsächlich hat ein Zahnarzt aus Starnberg auch einen gar nicht schlechten Entwurf geliefert, der übrigens dem meinen ziemlich nahekam, nur den einen Fehler hatte, daß das Hakenkreuz mit gebogenen Haken in eine weiße Scheibe hineinkomponiert war.
[b]
Ich selbst hatte unterdes nach unzähligen Versuchen eine endgültige Form niedergelegt; eine Fahne aus rotem Grundtuch mit einer weißen Scheibe und in deren Mitte ein schwarzes Hakenkreuz.
[/b]Nach langen Versuchen fand ich auch ein bestimmtes Verhältnis zwischen der Größe der Fahne und der Größe der weißen Scheibe sowie der Form und Stärke des Hakenkreuzes.

Und dabei ist es dann geblieben.

In gleichem Sinne wurden nun sofort Armbinden für die Ordnungsmannschaften in Auftrag gegeben, und zwar eine rote Binde, auf der sich ebenfalls die weiße Scheibe mit schwarzem Hakenkreuz befindet.

Auch das Parteiabzeichen wurde nach gleichen Richtlinien entworfen: eine weiße Scheibe auf rotem Felde und in der Mitte das Hakenkreuz. Ein Münchner Goldschmied, Fuß, lieferte den ersten verwendbaren und dann auch beibehaltenen Entwurf.

Im Hochsommer 1920 kam zum ersten Male die neue Flagge vor die Öffentlichkeit. Sie paßte vorzüglich zu unserer jungen Bewegung. So wie diese jung und neu war, war sie es auch. Kein Mensch hatte sie vorher je gesehen; sie wirkte damals wie eine Brandfackel. Wir selber empfanden alle eine fast kindliche Freude, als eine treue Parteigenossin den Entwurf zum ersten Male ausgeführt und die Fahne abgeliefert hatte. Schon einige Monate später besaßen wir in München ein halbes Dutzend davon, und die immer mehr und mehr um sich greifende Ordnertruppe besonders trug dazu bei, das neue Symbol der Bewegung zu verbreiten.

Und ein Symbol ist dies wahrlich! Nicht nur, daß durch die einzigen, von uns allen heißgeliebten Farben, die einst dem deutschen Volke soviel Ehre errungen hatten, unsere Ehrfurcht vor der Vergangenheit bezeugt wird, sie war auch die beste Verkörperung des Wollens der Bewegung. Als nationale Sozialisten sehen wir in unserer Flagge unser Programm. Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.



Das Hakenkreuz hatte also bereits 1920 in Deutschland eine antisemitisch-völkische Bedeutung, die ohne weitere Erklärung verstanden wurde.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Calvadorius » Mo 24. Sep 2018, 22:51

Occham hat geschrieben:Die Swastika ist in mehreren Kulturen vertreten. Stellt sich nun die Frage, wie sie Hitler in die Hände geraten ist.

Ne, diese Frage ist absolut nebensächlich.
Es ist auch sehr egal, in welchen anderen Kulturen dieses Symbol (unter welchem Namen auch immer) verbreitet ist.

Hier in (für) Deutschland ist es DAS Symbol des Deutschen Faschismus.
Das kann hier nie neutral betrachtet werden.

Und ganz ehrlich: Das stört mich jetzt nicht außerordentlich

Ich weiß um diesen Teil der Geschichte unserer Nation.
Ich muß ihn nicht verdrängen oder bewältigen.
(Kann ich auch nicht.)

Es reicht IMHO, diese wirklich unvorstellbar grausame Vergangenheit unseres Landes anzuerkennen (mehr können wir nicht),
und alle (An-) "Zeichen" der Verharmlosung rechtzeitig zu erkennen (und zu bekämpfen).

ZB. die Verwendung dieses Symbols in Spielen.

Da gehört das nicht hin.

Kein Vergessen.
Keine Verharmlosung.
Keine Relativierung.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 25. Sep 2018, 01:35

Soweit ich weiß, gilt die Erlaubnis nur für Spiele, die unmissverständlich gegen Nazis gerichtet sind. Da finde ich das absolut ok.

Schwieriger wäre es bei einem Spiel, wo man die Wahl hat, welche Kriegspartei man spielt (also auch auf Seiten der Nazis). Das wäre schon schwieriger. Aber grundsätzlich bin ich für Meinungsfreiheit.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Occham » Di 25. Sep 2018, 07:21

Calvadorius hat geschrieben:(24 Sep 2018, 23:51)

Ne, diese Frage ist absolut nebensächlich.
Es ist auch sehr egal, in welchen anderen Kulturen dieses Symbol (unter welchem Namen auch immer) verbreitet ist.

Hier in (für) Deutschland ist es DAS Symbol des Deutschen Faschismus.
Das kann hier nie neutral betrachtet werden.

Und ganz ehrlich: Das stört mich jetzt nicht außerordentlich

Ich weiß um diesen Teil der Geschichte unserer Nation.
Ich muß ihn nicht verdrängen oder bewältigen.
(Kann ich auch nicht.)

Es reicht IMHO, diese wirklich unvorstellbar grausame Vergangenheit unseres Landes anzuerkennen (mehr können wir nicht),
und alle (An-) "Zeichen" der Verharmlosung rechtzeitig zu erkennen (und zu bekämpfen).

ZB. die Verwendung dieses Symbols in Spielen.

Da gehört das nicht hin.

Kein Vergessen.
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Naja, ohne Geschichtserforschung läufts hald auch nicht.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 25. Sep 2018, 07:44

@Sole.survivor: Du musst, was Computerspiele anbelangt, davon ausgehen, dass diese für eine nicht unbeträchtliche Menge von Menschen in einem solchen Maße sich in einer fremden Lebenswelt abspielen, dass diese praktisch nicht existiert und sie die Eingangsfrage weder mit ja noch mit nein sondern nur mit einem ratlosen Schulterzucken beantworten können.

Auf der anderen Seite: Filme wie etwa "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von 2005, und das Beispiel ist einfach nur aufs Gratewohl aus dem Gedächtnis herausgeholt, zeigen sehr wohl volle Pulle Nazisymbole. Selbst schon auf dem Cover der DVD-Ausgabe. (https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51Fyc1JXCPL.jpg). Ich weiß absolut nicht, wovon überhaupt die Rede ist ...
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 25. Sep 2018, 08:06

Calvadorius hat geschrieben:(24 Sep 2018, 23:51)

Ne, diese Frage ist absolut nebensächlich.
Es ist auch sehr egal, in welchen anderen Kulturen dieses Symbol (unter welchem Namen auch immer) verbreitet ist.

Hier in (für) Deutschland ist es DAS Symbol des Deutschen Faschismus.
Das kann hier nie neutral betrachtet werden.

Das ist meiner Meinung nach entscheidend. Wir reden von der kulturellen Rezeption in Deutschland. Bereits in den 20ern, vor Hitler, war es ein eingeführtes antisemitisches Symbol völkischer Gruppen. Mit dem Aufstieg der NSDAP und spätestens mit Kriegsende ist das Hakenkreuz, vor allem kombiniert mit weißer Scheibe auf rotem Hintergrund, in Europa das Nazisymbol schlechthin. Es ist auch Vorlage für verwandte Symbole in nahen Ländern, etwa die Fahne der Pfeilkreuzler - was nun ausgemachte Antisemiten von ziemlich genau derselben Sorte sind.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... nt.svg.png

Man kann argumentieren, dass man das Hakenkreuz unbedingt erlauben sollte - aber die Argumentation, es sei hier in Deutschland nicht zuallererst mit den Nazis verknüpft, ist einfach nicht korrekt.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Simon » Di 25. Sep 2018, 23:32

Calvadorius hat geschrieben:(23 Sep 2018, 23:59)

Du verwechselst da was.
Das Hakenkreuz ist das Zeichen einer deutschen faschistischen Diktatur, die mehr als sechs millionen Menschen wegen ihres Glaubens sytematisch verfolgt und ermordet hat.
Diese kann gar nicht "Opposition" sein, sondern ist der natürliche Gegner unserer freiheitlich demokratischen Ordnung.

Es gibt natürlich geschichtsvergessene Deppen, die meinen, bloß ein "Symbol" zu sehen, also ganz "neutral"...
Oder Idioten, die versuchen, diese Gräueltaten zu relativieren.

Das sind in meinen Augen Fälle für den Verfassungsschutz, für staatsanwaltschafliche Ermittlungen.

Wofür in Spielen oder anderen Medien (außerhalb der Bildung, meinetwegen auch Kunst) das Hakenkreuz überhaupt dargestellt werden sollte, entzieht sich tatsächlich meiner Phantasie.


Dann fehlt es dir wohl an Fantasie. Viele Spiele handeln vom zweiten Weltkrieg und haben die Nazis als Antagonisten. Da ist es schon seltsam, wenn keiner von denen ein Hakenkreuz trägt. Geschichtsvergessen sind diejenigen, die meinen, dass Nazideutschland auf irgendeine Weise einmalig böse gewesen sei. Wenn wir anfangen alle Symbole von menschenverachtenden Ideologien aus Videospielen zu entfernen, dann sollten wir doch mit dem normalen Kreuz anfangen. Oder vielleicht der Shahada. Aber nein - natürlich sind das Problem nur diejenigen menschenverachtenden Ideologien, die sowieso schon von allen abgelehnt werden. Übrigens haben die Nazis Juden wegen ihrer Abstammung verfolgt, nicht wegen ihrem Glauben. Ungläubige Juden haben einen großen Teil der Deutschen Kulturszene ausgemacht - und diese fortschrittlichen, atheistischen, cosmopolitischen Juden waren von den Nazis am allermeisten verhasst.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Calvadorius » Di 25. Sep 2018, 23:44

Mich ödet diese Diskussion eigentlich bloß noch an.
Wie unempfindlich kann man nur sein?

Ist es die zeitliche Distanz?
Macht das die Gräuel weniger?
Oder die mindert dieser zeitliche Abstand die Verantwortung unserer Nation, in derem Namen und Auftrag dieses unvorstellbare Grauen durchgeführt wurde?

Ich hab´ keine Ahnung.

Lest!

Lest Klemperer, lest Langbein, lest Kertész....

Macht Eure Augen nicht zu.
Macht Euren Kopf nicht zu.
Und lauft nicht den Deppen nach, die Euch erzählen wollen, das sei bloß ein "Fliegenschiss".

Das ist unsere Vergangenheit, unsere Verantwortung.
Der wir uns zu stellen, und die wir in den vergangenen Jahrzehnten auch respektvoll angenommen haben.

Das ist kein Büßerhemd, sondern die Anerkenung der eigenen nationalen Schande, die uns letztendlich zu Respekt verholfen hat.
Diese Verantwortung müssen wir pflegen, das Gedächtnis, und wir dürfen es nicht verwässern lassen, indem die Symbole dieses Grauens in belanglosem Zeugs beliebig werden.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Quatschki » Mi 26. Sep 2018, 08:00

Calvadorius hat geschrieben:(26 Sep 2018, 00:44)

Das ist kein Büßerhemd, sondern die Anerkenung der eigenen nationalen Schande, die uns letztendlich zu Respekt verholfen hat.
Diese Verantwortung müssen wir pflegen, das Gedächtnis, und wir dürfen es nicht verwässern lassen, indem die Symbole dieses Grauens in belanglosem Zeugs beliebig werden.

Ich denke, wir wollen die Nation und alles, was sie verkörpert, überwinden?
Wenn es aber kein deutsches Volk mehr gibt, sondern eine bunte Bevölkerung von Individuen in einer multikulturellen europäischen Bundesrepublik, dann ist das Label der Corporate Identity des Dritten Reiches nur noch ein historisches heraldisches Symbol.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 26. Sep 2018, 09:36

Calvadorius hat geschrieben:(26 Sep 2018, 00:44)

Mich ödet diese Diskussion eigentlich bloß noch an.
Wie unempfindlich kann man nur sein?

Ist es die zeitliche Distanz?
Macht das die Gräuel weniger?
Oder die mindert dieser zeitliche Abstand die Verantwortung unserer Nation, in derem Namen und Auftrag dieses unvorstellbare Grauen durchgeführt wurde?

Ich hab´ keine Ahnung.

Nee. Du verwechselst da was. Es gibt sowohl in seriösen Reportagen als auch in anspruchsvollen Filmen auch nicht die allermindeste Zurücknahme oder Verbergung faschistischer Symbole. Überhaupt nicht! Die Theater-Aufführung der Shoah-Groteske "Der Nazi und der Friseur" etwa geht bis zur äußersten Grenze des gerade noch erträglichen.

Das Problem ist - glaube ich - ein ganz anderes: Die Welt der Computer Games und Action Filme ist voll von schlimmster Gewalt, auch völlig sexualisierter Gewalt. Und auf der anderen Seite rief die an sich völlig harmlose Entblößung von Janet Jacksons Brust einen handfesten Skandal names "Nipplegate" hervor. Und in ähnlicher Weise können in modernen Unterhaltungsbranchen gern auch mal kleine Babys gebraten werden, wenn nur keine Hakenkreuze dabei gezeigt werden. Scheinheiligkeit.

Mit der Aufarbeitung oder Nichtaufarbeitung der Nazivergangenheit hat das überhaupt nix zu tun. Eher schon mit den Marktmechanismen der modernen Unterhaltungsindustrie und ganz sicher auch mit der speziellen Mischung aus protestantisch oder evangelikal geprägter Lebenskultur und schlichter Medien-Brutalität in den USA.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Calvadorius » Mi 26. Sep 2018, 22:57

Quatschki hat geschrieben:(26 Sep 2018, 09:00)

Ich denke, wir wollen die Nation und alles, was sie verkörpert, überwinden?
Wenn es aber kein deutsches Volk mehr gibt, sondern eine bunte Bevölkerung von Individuen in einer multikulturellen europäischen Bundesrepublik, dann ist das Label der Corporate Identity des Dritten Reiches nur noch ein historisches heraldisches Symbol.


Völlig losgelöst von der Frage, wie Du "deutsches Volk" definieren würdest, gibt es doch eine deutsche Nation, welche eben in dieser Verantwortung des dritten Reichs steht.
Überwinden wollen wir den Nationalismus.
Zuletzt geändert von Calvadorius am Mi 26. Sep 2018, 23:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Habt ihr auch das Hakenkreuz vermisst?

Beitragvon Calvadorius » Mi 26. Sep 2018, 23:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Sep 2018, 10:36)

Nee. Du verwechselst da was. Es gibt sowohl in seriösen Reportagen als auch in anspruchsvollen Filmen auch nicht die allermindeste Zurücknahme oder Verbergung faschistischer Symbole. Überhaupt nicht! Die Theater-Aufführung der Shoah-Groteske "Der Nazi und der Friseur" etwa geht bis zur äußersten Grenze des gerade noch erträglichen.

Das Problem ist - glaube ich - ein ganz anderes: Die Welt der Computer Games und Action Filme ist voll von schlimmster Gewalt, auch völlig sexualisierter Gewalt. Und auf der anderen Seite rief die an sich völlig harmlose Entblößung von Janet Jacksons Brust einen handfesten Skandal names "Nipplegate" hervor. Und in ähnlicher Weise können in modernen Unterhaltungsbranchen gern auch mal kleine Babys gebraten werden, wenn nur keine Hakenkreuze dabei gezeigt werden. Scheinheiligkeit.

Mit der Aufarbeitung oder Nichtaufarbeitung der Nazivergangenheit hat das überhaupt nix zu tun. Eher schon mit den Marktmechanismen der modernen Unterhaltungsindustrie und ganz sicher auch mit der speziellen Mischung aus protestantisch oder evangelikal geprägter Lebenskultur und schlichter Medien-Brutalität in den USA.


Schau, ich widersprach an keiner Stelle der verantwortlichen Verwendung dieses Symboles in Bildung, Kultur oder Kunst.
Sondern eben der Verharmlosung in der bagatellisierenden Darstellung zB.in Spielen / Spielzeug.
Die "Mechanismen moderner Unterhaltungsindustrie" sähe ich gerne da begrenzt, wo es um "gebratene Babys" geht, aber auch um dieses Zeichen millionenfachen systematischer Verfolgung und Ermordung.
Weder das Eine, noch das Andere müssen wir nämlich hinnehmen.
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