Kritik der DDR

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Rote_Galaxie
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Kritik der DDR

Beitragvon Rote_Galaxie » Di 19. Jun 2018, 19:54

Grundlegende Kritik an der DDR sind wesentliche Punkte.
Eine Oligarchie von Funktionären.
Ein nicht funktionierendes Wirtschaftssystem.
Keine freien Wahlen.
Zwang zur Verwirklichung des Sozialismus.

Was wollte Marx wirklich?

Marx wollte eine Gesellschaft in der kein Leid mehr existiert und jeder Mensch sich individuell entwickeln kann.
Dies ist die Wahrheit über das sozialistische Bildungswesen.

Was ist das Grundproblem?

Marx wurde falsch interpretiert.
Anstatt einer "Diktatur des Proletariats" wurde eine "Diktatur der Partei des Proletariats".
Das eine ist demokratisch das andere diktatorisch.

Es ist nicht entschuldbar dass Menschen beim verlassen der DDR erschossen wurden.
Wahre Freiheit bedeutet zu entscheiden in welchem System man leben will.

Ohne Freiheit ist kein System lebensfähig.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Realist2014
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Realist2014 » Di 19. Jun 2018, 19:57

Rote_Galaxie hat geschrieben:(19 Jun 2018, 20:54)



Marx wurde falsch interpretiert.
Anstatt einer "Diktatur des Proletariats" wurde eine "Diktatur der Partei des Proletariats".
Das eine ist demokratisch das andere diktatorisch.

.



Eine DIKTATUR ist "demokratisch".....

:D :dead:

Wahre Freiheit bedeutet zu entscheiden in welchem System man leben will.


In D kann das jeder entscheiden und Systeme fern der Marktwirtschaft AUSSERHALB von D suchen...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Quatschki
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Quatschki » Di 19. Jun 2018, 20:16

Vor allem war die DDR kein souveränes Land, da die Richtlinienkompetenz vom Kreml ausgeübt wurde
und alles, was die Berliner Regierung auskasperte, durch einen einfachen Anruf oder eine Anweisung des "großen Bruders" nullifiziert werden konnte.

Diese Abhängigkeit von Moskau bestand auch schon bei der KPD der zwanziger Jahre und war eine wesentliche Ursache für die verfehlte Taktik beim Kampf um den deutschen Arbeiter und gegen das Erstarken der NSDAP.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Kölner1302 » Di 19. Jun 2018, 20:46

Ein soziologischer Versuch, künstlich eine heile Welt zu erschaffen. Leider gescheitert.
Nicht nur in der DDR. Es gab viele Testgebiete, und das Experiment hat überall das gleiche Ergebnis gezeigt: Mangelwirtschaft und Verschwendung von Resourcen, wissenschaftlicher und witrschaftlicher Stillstand, Verfall und Unzufriedenheit. kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Ein enormer Sicherheitsapparat, der bei massiver Unzufriedenheit Unruhen und Flucht verhindern soll. Folge: Unfreiheit und Unterdrückung. Eine alternde geschlossene Führungsclique lässt kaum Änderungen zu und lässt sich evtl. feiern.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Kölner1302 » Di 19. Jun 2018, 20:53

... vielleicht... würde aber heute eine Planwirtschaft mit der Hilfe von Prozessoren funktionieren... Man drückt auf die App, der Bedarf wird registreiert und das Material geliefert. Die Klicks ersetzen das Geld... Mit mehr wirtschaftlicher Zufriedenheit wären auch keine Unruhen oder die Flucht der Bevölerung zu befürchten und man bräuchte keinen enormen Sicherheitapparat. ...
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Realist2014 » Di 19. Jun 2018, 20:55

Kölner1302 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 21:53)

... vielleicht... würde aber heute eine Planwirtschaft mit der Hilfe von Prozessoren funktionieren... ..


nicht in D

da steht der Artikel 14 unserer Verfassung dazwischen

aber auf dem Mond könnten die Verfechter das ja mal ausprobieren...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Kölner1302 » Di 19. Jun 2018, 21:04

Realist2014 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 21:55)

nicht in D

da steht der Artikel 14 unserer Verfassung dazwischen.


Im Kommunismus wäre ein Art 14 nicht so wichtig.
Privateigentum ist durch Gemeinschaftseigentum ersetzt, gutes Beispiel: Car-sharing.
Die Autos gehören vielen, und die Nutzung wird geteilt und durch Apps geordnet. Kein eigenes Auto, aber Nutzungsmöglichkeit für viele verschiedene Autos, vom Smart bis zum Kleinbus oder Transporter...

Geschützt wird nicht mehr das Privateigentum, sondern das Gemeinschaftseigentum.

Dabei war das Volkseigentum der DDR zwar Gemeinschaftseigentum, aber anders: es wurde von einer klienen Führungsclique beherrscht und quasi wie ihr eigenes Eigentum behandelt.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Quatschki » Di 19. Jun 2018, 21:30

Kölner1302 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 22:04)

Dabei war das Volkseigentum der DDR zwar Gemeinschaftseigentum, aber anders: es wurde von einer klienen Führungsclique beherrscht und quasi wie ihr eigenes Eigentum behandelt.

Das stimmt doch garnicht!
Keiner hat sich wirklich bereichern können. Da haben die anderen schon aufgepasst!

Volkseigentum war letzlich herrenloses Eigentum,
für das sich keiner zuständig fühlte, wenn es kaputt war
und keiner dafür verantwortlich war, dass es wieder ganzgemacht wird.
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Rote_Galaxie
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Rote_Galaxie » Di 19. Jun 2018, 21:43

Realist2014 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 20:57)

Eine DIKTATUR ist "demokratisch".....

:D :dead:



In D kann das jeder entscheiden und Systeme fern der Marktwirtschaft AUSSERHALB von D suchen...









was heißt denn "Diktatur"?
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Kölner1302 » Di 19. Jun 2018, 21:49

Quatschki hat geschrieben:(19 Jun 2018, 22:30)

Das stimmt doch garnicht!
Keiner hat sich wirklich bereichern können. Da haben die anderen schon aufgepasst!

Volkseigentum war letzlich herrenloses Eigentum,
für das sich keiner zuständig fühlte, wenn es kaputt war
und keiner dafür verantwortlich war, dass es wieder ganzgemacht wird.


Ich muss zugeben, dass ich nie in der DDR gewohnt habe.

Ich habe nur von Ex-DDRlern gehört, dass sich die örtlichen Kommunisten das Leben angenehm gemacht haben, in dem sie sich gegenseitig die schönen Gründerzeitvillen zuteilten oder sich die Genehmigung für den einzigen Laden im Ort erteilten...

Und wer hat denn wirklich das Sagen gehabt im VEB?
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Quatschki » Di 19. Jun 2018, 22:17

Kölner1302 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 22:49)

Ich muss zugeben, dass ich nie in der DDR gewohnt habe.

Dafür mußt Du dich nicht schämen.

Ich habe nur von Ex-DDRlern gehört, dass sich die örtlichen Kommunisten das Leben angenehm gemacht haben, in dem sie sich gegenseitig die schönen Gründerzeitvillen zuteilten oder sich die Genehmigung für den einzigen Laden im Ort erteilten...

Die örtlichen Kommunisten haben garantiert keinen Laden betrieben, da die letzten kleinen Privatläden unter dem staatlichen Handelsmonopol von Konsum und HO als Auslaufmodell nur geduldet waren.

Und wer hat denn wirklich das Sagen gehabt im VEB?

Der VEB unterstand dem Kombinat und das dem jeweiligen Fachministerium in Berlin.
Der Direktor bekam von der staatlichen Planbehörde gesagt, was er zu welchem Preis herzustellen hatte und welche Ressourcen er dafür zugewiesen bekommt.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Teeernte » Di 19. Jun 2018, 23:54

Rote_Galaxie hat geschrieben:(19 Jun 2018, 22:43)

was heißt denn "Diktatur"?


Sagmal - hast Du Deinen Parteitag nicht gelesen ? 19558 ??

„Die Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist auf die allseitige Stärkung des sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern als einer Form der Diktatur des Proletariats gerichtet. (...) Die Diktatur des Proletariats (...) wird zum ersten Mal Demokratie für das Volk bringen (...) jeglicher Einsatz von Gewalt ebenso wie sämtliche demokratische Rechte und Freiheiten, beispielsweise Presse- und Versammlungsfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung (...) dienen im Sozialismus den Werktätigen.


Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Teeernte » Mi 20. Jun 2018, 00:20

Quatschki hat geschrieben:(19 Jun 2018, 23:17)

Dafür mußt Du dich nicht schämen.


Die örtlichen Kommunisten haben garantiert keinen Laden betrieben, da die letzten kleinen Privatläden unter dem staatlichen Handelsmonopol von Konsum und HO als Auslaufmodell nur geduldet waren.


Der VEB unterstand dem Kombinat und das dem jeweiligen Fachministerium in Berlin.
Der Direktor bekam von der staatlichen Planbehörde gesagt, was er zu welchem Preis herzustellen hatte und welche Ressourcen er dafür zugewiesen bekommt.


Die Bonzen hatten "Fettlebe"....wie heute ein Hartz4er. :D

Für heutige Verhältnisse recht ärmlich. Natürlich muss man wissen - das die Preise (WTB. Waren täglichen Bedarfs) in der DDR sehr niedrig waren.

Meine Fachdirektoren (KRF - Kombinatsleitung Rundfunk und Fernsehen) haben im Neubaublock gewohnt - 80qm ... - die aus Radeberg übergesiedelt sind....und die aus Stassfurt in der AWG (Arbeiterwohngenossenschaft) mit Eigenanteilen (Geld) und Arbeitsstunden .

10-12 Stunden Arbeit am. Tag. .....und Wochenenddiensten. Hin und wieder mal ein Kasten Radeberger.


DDR-Luxus musste Westdeutsche enttäuschen

Viele DDR-Bürger hätten in der Waldsiedlung goldene Wasserhähne und märchenhafte Verhältnisse vermutet. Nach der Wende kam aber schnell Ernüchterung auf: „Für DDR-Verhältnisse war das schon Luxus, hatte mit westlichem Lebensstil aber nur wenig zu tun.“
. https://www.tagesspiegel.de/berlin/sed- ... 47610.html
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon zollagent » Mi 20. Jun 2018, 07:00

Quatschki hat geschrieben:(19 Jun 2018, 21:16)

Vor allem war die DDR kein souveränes Land, da die Richtlinienkompetenz vom Kreml ausgeübt wurde
und alles, was die Berliner Regierung auskasperte, durch einen einfachen Anruf oder eine Anweisung des "großen Bruders" nullifiziert werden konnte.

Diese Abhängigkeit von Moskau bestand auch schon bei der KPD der zwanziger Jahre und war eine wesentliche Ursache für die verfehlte Taktik beim Kampf um den deutschen Arbeiter und gegen das Erstarken der NSDAP.

Ein ähnliches Verhältnis besteht ja heute noch zwischen Russland und den Linken. Wobei Letztere offenbar nicht mehr die Mutation des Großen Bruders erkannt haben.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon zollagent » Mi 20. Jun 2018, 07:01

Kölner1302 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 21:53)

... vielleicht... würde aber heute eine Planwirtschaft mit der Hilfe von Prozessoren funktionieren... Man drückt auf die App, der Bedarf wird registreiert und das Material geliefert. Die Klicks ersetzen das Geld... Mit mehr wirtschaftlicher Zufriedenheit wären auch keine Unruhen oder die Flucht der Bevölerung zu befürchten und man bräuchte keinen enormen Sicherheitapparat. ...

Nein, das würde nur die Überwachung perfektionieren. Den Willen der Bevölkerung, die Wünsche der Menschen, das können Prozessoren nicht erfassen.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon zollagent » Mi 20. Jun 2018, 07:02

Rote_Galaxie hat geschrieben:(19 Jun 2018, 22:43)

was heißt denn "Diktatur"?

Diktatur heißt Unfreiheit und fehlende Selbstbestimmung.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon zollagent » Mi 20. Jun 2018, 07:08

Quatschki hat geschrieben:(19 Jun 2018, 23:17)

Dafür mußt Du dich nicht schämen.


Die örtlichen Kommunisten haben garantiert keinen Laden betrieben, da die letzten kleinen Privatläden unter dem staatlichen Handelsmonopol von Konsum und HO als Auslaufmodell nur geduldet waren.


Der VEB unterstand dem Kombinat und das dem jeweiligen Fachministerium in Berlin.
Der Direktor bekam von der staatlichen Planbehörde gesagt, was er zu welchem Preis herzustellen hatte und welche Ressourcen er dafür zugewiesen bekommt.

Nun, ich hatte einen Großonkel in einem kleinen Ort in der Nähe von Magdeburg. Bei dem habe ich bis zum fünfzehnten Lebensjahr fast jedes Jahr einige Wochen verbracht. Er war selbständiger Schmied und sollte mit vielerlei Mitteln dazu gebracht werden, in die örtliche LPG einzutreten. Ich kann dir da sagen, was die örtlichen Kommunisten waren: ein kleiner Staat im Staate, der Rückhalt vom "großen System" hatte. Sie bestimmten, wer sich "richtig benahm", wer Annehmlichkeiten hatte und wer Schwierigkeiten. Nur bei dem pommerschen Querschädel bissen sie auf Granit. Und da es weit und breit keinen anderen Schmied gab, mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten, mußten sie ihn halt zähneknirschend hinnehmen. Dieses ganze kommunistische System war eine Ansammlung von kleinen Seilschaften und Dorfbanden, die schalten und walten konnten, wie sie wollten, so lange sie den Verbänden in den großen Städten nicht in die Quere kamen und immer genug Jubelpublikum zur Verfügung stellen konnten.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Europa2050 » Mi 20. Jun 2018, 07:26

Rote_Galaxie hat geschrieben:(19 Jun 2018, 20:54)

Grundlegende Kritik an der DDR sind wesentliche Punkte.
Eine Oligarchie von Funktionären.
Ein nicht funktionierendes Wirtschaftssystem.
Keine freien Wahlen.
Zwang zur Verwirklichung des Sozialismus.

Was wollte Marx wirklich?

Marx wollte eine Gesellschaft in der kein Leid mehr existiert und jeder Mensch sich individuell entwickeln kann.
Dies ist die Wahrheit über das sozialistische Bildungswesen.

Was ist das Grundproblem?

Marx wurde falsch interpretiert.
Anstatt einer "Diktatur des Proletariats" wurde eine "Diktatur der Partei des Proletariats".
Das eine ist demokratisch das andere diktatorisch.

Es ist nicht entschuldbar dass Menschen beim verlassen der DDR erschossen wurden.
Wahre Freiheit bedeutet zu entscheiden in welchem System man leben will.

Ohne Freiheit ist kein System lebensfähig.


Da hast Du schon ein paar wesentliche Punkte beleuchtet.

Für mich ist das Hauptproblem im gesellschaftlichen Sozialismus die benötigte Machtanhäufung, die für das Funktionieren zentraler Steuerung benötigt wird (Hier sind wir wieder mal bei den Analogien zum Faschismus, da ist das Ganze noch extremer, da nicht auf eine Partei sondern auf einen Führer/Erlöser zugeschnitten).

Dies scheint mir auch ein systemimmanenter Fehler zu sein, und nicht ein Scheitern von Experimenten, die ja in manchen Köpfen „nie so wirklich sozialistisch“ waren.

Wenn Menschen in Verantwortung sich mehr mit dem Machterhalt beschäftigen, als mit der Weiterentwicklung des Staates, gerät eine Gesellschaft ins Hintertreffen.

Marx als Wirtschaftswissenschaftler hat eine bemerkenswerte Analyse der Wirtschaft seiner Zeit abgeliefert und eine Utopie, wie die wirtschaftlichen Problem seiner Zeit lösbar sein könnten. So weit mir bekannt ist, hat er sich zu Gesellschaftssystem und Machtfrage eher schwammig geäußert.

Gemeinschaftseigentum/Arbeit kann funktionieren, das genannte Car-Sharing, GPL-Entwicklung oder mancher erfolgreiche Verein oder Nachbarschaftskreis beweisen das.

Aber eben nur als (wertvolle) Ergänzung zu rechtsstaatlichen Strukturen und nicht als Ersatz. Sonst kommen eben wieder die sich selbst nicht regulierenden Machtkonzentrationen a la „Die Partei hat immer recht“ raus.

Letztlich ist die DDR wie fast alle sozialistischen Experimente daran gescheitert, dass eher unterdurchschnittliche Eliten, deren einziges Ziel der Machterhalt war, ohne Regulativ die Ressourcen verwurstelten.

Nun ist die Frage: Kann Sozialismus unter kompetenter Führung gedeihen (geht in die Richtung des „guten Fürsten“ aus der Aufklärung)?
Im Prinzip ja, China und Belarus sind aktuelle Beispiele, nur ist das Einparteiensystem eher so angelegt, dass die skrupellosesten Figuren sich durchsetzen und dann das Land im besten Fall totverwalten. Ein Regulativ wie Abwählen (bzw. in der Wirtschaft Konkurs) ist nicht vorgesehen. Und dann geht’s dahin, wie unter Breschenew und Co.

Richtig ist auch, dass die Souveränität in Moskau lag, sonst wäre schon 1953 1989 gewesen.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon Dieter Winter » Mi 20. Jun 2018, 08:26

Realist2014 hat geschrieben:(19 Jun 2018, 20:57)

Eine DIKTATUR ist "demokratisch".....

:D :dead:





Nun ja, umgekehrt wird auch ein demokratischer Beschluss letztlich zum Diktat... :cool:
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Re: Kritik der DDR

Beitragvon zollagent » Mi 20. Jun 2018, 09:06

Dieter Winter hat geschrieben:(20 Jun 2018, 09:26)

Nun ja, umgekehrt wird auch ein demokratischer Beschluss letztlich zum Diktat... :cool:

Nein, wird er nicht. Denn er ist legitimiert. Die permanenten Versuche der Gleichsetzung von Diktaturen und ihren Handlungen mit denen von Demokratien können nicht unwidersprochen bleiben.

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