"Die Bedeutung der Hymne hängt vom Zeitgeist ab"

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aleph
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"Die Bedeutung der Hymne hängt vom Zeitgeist ab"

Beitragvon aleph » Mo 18. Jun 2018, 17:47

Bei SPON gab es ein interessantes Interview zum Thema Mitsingen der Nationalhymne.

Auszüge:

SPIEGEL ONLINE: Herr Schmidt-Denter, wozu braucht man eigentlich Nationalhymnen?

Ulrich Schmidt-Denter: Der Nationalstaat repräsentiert sich ja wie eine Familie: Man gehört zusammen. Um diese sinnbildliche Verwandtschaft herzustellen, braucht man gewisse Symbole wie die Flagge oder eben die Nationalhymne. Sie hat einen besonders hohen Stellenwert, weil Musik stärker an die Emotionen heranreicht als etwa die Verfassung.


SPIEGEL ONLINE: Das heißt: Die Nachfrage ist da, aber das Angebot der Deutschen ist nicht attraktiv genug?

Schmidt-Denter: Jedenfalls stößt die deutsche Art der nationalen Identitätsvermittlung viele ausländische Jugendliche ab. Sie macht es ihnen schwer, sich mit Deutschland zu identifizieren. Und insbesondere junge Türken wenden sich von daher eher einer türkischen Identität zu. Die sie stark idealisieren, klar. Aber wenn es bei Erdogan Nationalstolz zu kaufen gibt und bei den Deutschen nur Schuld, Scham und Befangenheit, dann muss man sich nicht wundern, wenn beim ersten Kiosk die Schlange länger ist als beim zweiten.


Worum es mir hier geht, ist weniger, warum Özil die Nationalhymne nicht mit singt (wenn der mehr Emotionen haben möchte, dann würde er doch gerne mitsingen), sondern, ob unsere Gesellschaft mehr Dinge für das Gemüt braucht, Dinge, die gemeinschaftliche Emotionen, gemeinsames Erleben schafft.

Übrigens ist die Argumentationskette des Wissenschaftlers auch für die Religion gültig: Die allermeisten Menschen, die religiös sind, sind es, weil religiöse Handlungen die zu positiven Gemeinschaftserlebnissen führen.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
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Tom Bombadil
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Re: "Die Bedeutung der Hymne hängt vom Zeitgeist ab"

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 18. Jun 2018, 17:56

Bei der WM 1974 hat mW. kein einziger Spieler bei der Hymne mitgesungen, zu der Zeit wurde aber auch bei Auswärtsspielen der DFB-Elf die deutsche Hymne gnadenlos zusammen gepfiffen.
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H2O
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Re: "Die Bedeutung der Hymne hängt vom Zeitgeist ab"

Beitragvon H2O » Mo 18. Jun 2018, 18:31

Tom Bombadil hat geschrieben:(18 Jun 2018, 18:56)

Bei der WM 1974 hat mW. kein einziger Spieler bei der Hymne mitgesungen, zu der Zeit wurde aber auch bei Auswärtsspielen der DFB-Elf die deutsche Hymne gnadenlos zusammen gepfiffen.


An die WM erinnere ich mich noch, weil ich an der Atlantikküste Südfrankreichs auf dem Zeltplatz eingekeilt war in eine muntere Schar von siegestrunkenen Niederländern. Die wollten mir sogar eine Art Trikot von Ajax Amsterdam überziehen. Aber von Pfeifkonzert während der Hymnen ist mir nichts in Erinnerung geblieben... wohl aber die betretenen Mienen meiner Nachbarn am nächsten Tag. :p
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Teeernte
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Re: "Die Bedeutung der Hymne hängt vom Zeitgeist ab"

Beitragvon Teeernte » Mo 18. Jun 2018, 19:03

aleph hat geschrieben:(18 Jun 2018, 18:47)

Bei [url=http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-2018-interview-ulrich-schmidt-denter-zu-nationalhymnen-a-1213054.html]SPON[ :D /url] gab es ein interessantes Interview zum Thema Mitsingen der Nationalhymne.
.


Die wollen doch auch nur "REICH ins HEIM". :D :D :D

National. Stolz ??? ist das ne Biersorte oder ein Brühwürfel ? (Braun - kein Zweifel..)
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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