Sehr große Familien mit 5 und mehr Kindern

Moderator: Moderatoren Forum 8

immernoch_ratlos
Beiträge: 1683
Registriert: So 10. Apr 2016, 16:59

Re: Sehr große Familien mit 5 und mehr Kindern

Beitragvon immernoch_ratlos » So 15. Apr 2018, 19:39

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:Es ist eine reine verkopfte, menschenfeindlich-abstrakte Diskussion, die am Kern vorbeigeht: Wo Kinder sind, ist Familie. Ob die Weltbevölkerung zu groß, zu klein oder genau richtig sei, das entscheidet sich nicht an einer fünfstelligen Zahl Familien im kleinen Deutschland.


Hallo Einsamer,

in vielen Punkten hast Du sicher recht - in einigen bin ich durchaus und heftig anderer Meinung. Es ist aber schon mal ein Gewinn, wenn man auch teilweise sehr abweichende Meinungen ohne persönliche Feindschaft diskutieren kann. Auch, wenn ich ebenfalls nicht glaube D könne die Welt direkt retten, so wird D dennoch beispielhaft gesehen und kann wohl kaum nur auf andere zeigen und zugleich das Gegenteil tun.

Der sprunghafte Anstieg der Weltbevölkerung in den letzten 200 Jahren, ist definitiv eine Gefahr für alle und durch das was derzeit bereits 7,5 Milliarden Menschen (davon ein vergleichsweise kleiner Teil) tatsächlich bindend für alle folgenden Generationen anrichten, sollte man realistisch und nicht emotional verbrämt sehen. 750 Millionen Menschen in Europa sind eine ausreichende Bevölkerung - wenn wir das ernsthaft wollen - finden wir in diesem "Pool" auch genügend Möglichkeiten die notwendigen Fachkräfte "weiterzuentwickeln". Deutlich einfacher, als sie quasi wahllos unter den zufällig bis Europa kommenden Migranten auszusortieren. Die tatsächlich benötigten Fachkräfte sind Handwerker aller Sparten. Die anderen weitaus höher qualifizierten Kräfte bedürfen schon "von Anfang an" eine ganz andere "Hinwendung". Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht an die große Zahl, aus der man dann "„Ja, die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.“ frei nach Aschenputtel sortieren kann. Der Rest - soweit nicht im Handwerk untergekommen, wird Teil des "sozialen Rucksacks", der nur durch eine rundum funktionierende Wirtschaft "tragbar" ist. Schon kleinste Verwerfungen können in den komplexen Gebilden, die die meisten der 200 Staaten dieser Welt darstellen, sehr üble Folgen haben.

Die Zahl der bloßen Mitesser ist überall begrenzt. Also ist es gleichgültig, wie unerfreulich es auch sein mag, notwendig die Zahl wenigsten generell nicht weiter zu erhöhen. Das ist schlichte Mathematik, Menschheit vs. Ressourcen und die unvermeidlichen Nebenwirkungen die eine so große Zahl auf die gesamte Umwelt, ja sogar auf das Klima selbst inzwischen hat. OK ich müsste mich um mich selbst kaum noch sorgen, ich bin bereits auf dem Weg in die Urne. Eine Frage von (vermutlich) wenigen Jahren. Nur dieser Egoismus der auf alles andere scheißt, ist nicht mein Ding. Was - das ist die Frage, ist schlecht, an einem sanften allmählichen Rückgang der noch nie zuvor dagewesenen Zahl des Homo Sapiens ? Abertausende von Jahren, haben Menschen auch ohne Milliarden zu sein, überlebt und beachtliche Kulturen mit den Wenigen UND ohne die heute verfügbaren technischen Hilfsmittel geschaffen. Ein weiterer Beweis, es kommt nicht auf die Masse, sondern die Klasse an. Weniger Menschen können die Menschenwürde des Einzelnen wohl eher garantieren, als eine übermäßig große Zahl.

Also mir erscheint das sowohl logisch, als auch menschlich gedacht....
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
immernoch_ratlos
Beiträge: 1683
Registriert: So 10. Apr 2016, 16:59

Re: Sehr große Familien mit 5 und mehr Kindern

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 16. Apr 2018, 08:27

Sicher nicht weil es so schön ist, habe ich diesen Artikel : Quelle : DER TAGESSPIEGEL (07.07.2013)"Der Staat verdient an den Familien" passend zum Thema für euch ausgegraben :
Experten: Staat verdient an Kindern
TRIER. (wie) Kinder bringen dem Staat ein kleines Vermögen: Ein heute Sechsjähriger bezahlt bis zu seinem Lebensende 77 000 Euro mehr an Steuern und Beiträgen, als die öffentliche Hand für ihn ausgibt. Experten fordern daher eine radikale Reform der Sozialversicherung.

Familienpolitik wird in Deutschland vor allem unter dem Kostenfaktor diskutiert: Können wir uns leisten, Eltern noch mehr zu unterstützen? Vergessen wird dabei aber, dass der Staat nicht nur Geld für die Kinder ausgibt, sondern auch nicht unerheblich an ihnen verdient – durch Steuern und Beiträge für die Sozialversicherungen. Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo hat im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung die "fiskalische Bilanz" eines 2000 geborenen Kindes berechnet. Ergebnis: Jedes Kind beschert dem Staatshaushalt bis zu seinem Lebensende 76 900 Euro. Die Berechnung beruhen auf den im Jahr 2000 geltenden Steuer- und Beitragssätzen.

Vor allem Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung profitieren von den Familien. Ihnen bringt jedes Kind im Schnitt 240 500 Euro mehr an Beiträgen.

Auch die Steuern summieren sich: 227 400 Euro bezahlt ein Durchschnittsdeutscher bis zu seinem Tod, errechneten die Wissenschaftler.

Diesen Ausgaben an den Staat von 467 900 Euro stehen steuerfinanzierte staatliche Leistungen von 391 000 Euro gegenüber.

Dazu zählen staatliche Ausgaben für Kinderbetreuung, Bildung, Kindergeld und der Pro-Kopf-Anteil an der öffentlichen Verwaltung, an Sport, Freizeit oder Umweltschutz. Macht einen Überschuss von 76 900 Euro, die in die Staatskasse fließen. Aus Sicht der Wissenschaftler eine Strafsteuer für die Geburt eines Kindes.

Die hohe Nettobelastung von Familien und Kindern ist laut den Experten der Grund für den Geburtenrückgang. Menschen entschieden sich aus ökonomischen Gründen gegen Kinder. Solange diese Belastung nicht beseitigt sei, führten Diskussionen über mehr staatliche Unterstützung von Familien zu nichts.

Die Wissenschaftler fordern: Der Staat soll sich aus der Nachwuchsplanung heraushalten. Der Überschuss an Steuern und Beiträgen sei "Manövriermasse" für eine radikale Reform der Familien- und Sozialpolitik. Das ifo-Institut schlägt vor, Familien steuerlich deutlich zu entlasten und eine Rente, die von der Zahl der Kinder abhängig ist, einzuführen.
Nun darf jeder mal darüber nachsinnen, ob das so das "Gelbe vom Ei" ist oder ob das ganze Gejammere über "zu wenig Kinder" nicht durch eine komplett irre Politik verursacht wird.

So wird das nix mit der Aufzucht von "geeignetem Material" für die heute notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse die unsere lieben Kleinen beim Berufsantritt mitbringen sollen. Es müssen nicht unbedingt mehr Kinder werden, wenn die "Weichen für eine bessere Aufzucht des frischen Humankapitals" vom Staat - also von allen die davon profitieren - zur Abwechslung mal richtig gestellt würden. Da erscheint die Belohnung für rege Nachwuchsproduktion (über 2,1 hinaus) doch sofort im richtigen Licht - eine Augenwischerei und das auf einem Nebenkriegsschauplatz, der nur einen Bruchteil der Familien, welche sich überhaupt noch Kinder leisten wollen,betrifft....

Auch nicht ganz von der Hand zu weisen, wollen wirklich alle, das durch falschen Anreiz bestimmte Gruppen, sich in der archaischen Idee bestärkt fühlen, Frauen sind hauptsächlich Gebärmaschinen die eher zufällig auf zwei Füssen stehen:?: Das Gefassel von unserer "Leitkultur" enthält doch nun wirklich nicht die Idee, eine Familie "muss" wenigstens 5 Kinder haben, um die Anzahl der Geschwister so zu gestalten, dass "Außenkontakte" in Kindergärten vermieden werden können. Für eine frühe Sozialisation ist es sicher nicht verkehrt sich auch früh "mit der Welt da draußen" bekannt zu machen. Ganz gewiss wichtig für Neubürger, die es inzwischen ja reichlich gibt....

Die Idee nicht nur während kriegerischer Ereignisse die Frau "an die Werkbank" (gern auch an Schreibtische - Computer usw.) zu bringen, ist eine notwendige. Immerhin, das wird offensichtlich immer noch "vergessen" entsteht der sog. Mangel an Fachkräften, weil es "genderkonfom zu wenige Fachkräftinnen" gibt. Wer sich über Jahre nur in rascher Folge dem Kinderkriegen widmet, fällt komplett für solche Betätigung aus. Ein erheblicher Nachteil, weiß man doch inzwischen, wie gut es allen Bereichen tut, wenn es da auch Frauen gibt. Die nicht nur körperlich von Männern unterscheidbar sind (wie ich mich dunkel erinnere).

Was auch nicht so recht beachtete wird, weibliches Humankapital ist wesentlich billiger zu haben - schnell wegduck... :p
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
Vagnr
Beiträge: 3
Registriert: So 15. Apr 2018, 23:02

Re: Sehr große Familien mit 5 und mehr Kindern

Beitragvon Vagnr » Sa 21. Apr 2018, 18:10

Watchful_Eye hat geschrieben:(13 Apr 2018, 16:19)

Insgesamt liegt die Kinderzahl in Deutschland bei 1,59 Kindern pro Frau, was, langfristig gesehen, zu einem Bevölkerungsrückgang führt. Dennoch gibt es auch einzelne Familien mit sehr vielen Kindern. So gibt es laut einer Studie aus dem Jahre 2011 insgesamt 45000 Familien mit 5 Kindern und mehr. https://www.bmfsfj.de/blob/94312/0b8bf6 ... d-data.pdf

Im Anbetracht unseres kürzlichen Kinderbooms, der insbesondere auch imigrierte Familien betraf, dürfte die Anzahl jener Familien noch weiter angestiegen sein.

Nun frage ich mich, ob solche Familien nicht sehr problematisch für unsere Gesellschaft zu sehen sind. Wenn ein Kind in sehr großen Familien aufwächst, ist zu bezweifeln, dass es noch in den angemessenen Genuss elterlicher Aufmerksamkeit kommen kann. Das oben verlinkte Dossier zeigt auch, dass gerade in solchen Familien sogar etwas seltener Betreuungsangebote genutzt werden wie unter kleineren Familien (81% statt 89%).

Offen gesagt befürchte ich auch, dass ein überproportionaler Teil dieser sehr großen Familien radikalkonservativen bzw. radikalreligiösen Milieus entspringen (orthodox muslimisch oder christlich), da gerade dort ablehnende Einstellungen gegenüber sexueller Verhütung und Abtreibung besonders verbreitet sind. Kinder, die aus solchen Familien kommen, dürften es schwer haben, sich in eine offene Gesellschaft zu integrieren.

Kann und sollte unser Staat da in irgendeiner Form stärker als jetzt eingreifen? Wäre es eine verantwortungsvolle Option, dass der Staat zukünftigen Familien ab 5 Kindern zunehmend degressiv erhöht und Kinder ggf. einzieht, sofern die Versorgung dann nicht mehr gewährleistet werden kann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Kindern aus sehr großen und zugleich armen Familien nicht häufig in einem Heim besser ginge..


Ich meine einmal gelesen zu haben, dass Kinder aus großen Familien sich viel besser in Gesellschaften eingliedern können, als solche, die als Einzelkind aufgewachsen sind.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2734
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Sehr große Familien mit 5 und mehr Kindern

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 21. Apr 2018, 18:36

Ich hab unter Schimpf und Schande des Forums bereits eingesehen, dass diese Überlegung so wohl zu pauschal war. Aber wenn du dafür eine Quelle hättest, würde es mich trotzdem interessieren.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast