"Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

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ThorsHamar
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon ThorsHamar » Mi 22. Nov 2017, 20:26

Adam Smith hat geschrieben:(22 Nov 2017, 20:25)

Salafisten predigen von 72 Jungfrauen und einer friedlichen Gemeinschaft. Das ist auch Kultur. Dann gibt es noch Kommunisten mit ihrer Lehre von der Verstaatlichung und der Abschaffung des Staates. Und seit 20 Jahren gibt es noch die Gemeinschaft der Blasenbilder. Das ist alles Kultur.


Stimmt ....
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Dark Angel » Mi 22. Nov 2017, 20:29

Arnd Uhle hat in seiner bedeutenden Münchner Habilitationsschrift Freiheitlicher Verfassungsstaat und kulturelle Identität
(2006) die folgende und überzeu-gende Definition gegeben: „Unter kultureller Identität wird die Gesamtheit der kulturell geprägten Werte samt der daraus resultierenden Weltsichten und Denkweisen sowie der ebenfalls kulturell geprägten Verhaltens- und Lebensweisen verstanden, die das Eigenbild einer Kulturgemeinschaft – namentlich einer Nation – prägen. Die so verstandene kulturelle Identität wird sowohl durch Elemente der Zugehörigkeit zu einem (übergeordneten) Kulturkreis als auch durch Elemente der Zugehörigkeit zu der individuellen Kultur der betreffenden Gemeinschaft bestimmt.“ In diesem Sinne stellt die kulturelle Identität, wie Uhle gleichfalls zutreffend dargelegt hat, „zunächst und grundsätzlich ein vor- und außerrechtliches Faktum dar, das indessen auch für Gestalt und Bestand des freiheitlichen Verfassungsstaates von Bedeutung ist, der diese kulturelle Identität vorfindet und typischerweise an sie anknüpft. Diese Relevanz der kulturellen Identität für den freiheitlichen Verfassungsstaat läßt sich sowohl aus verfassungstheoretischer wie auch aus verfassungsrechtlicher Perspektive erfassen und belegen.“
Quelle


So viel zum Thema kulturelle Identität habe habe etwas mit Kulturalismus zu tun, sei der neue Rassismus und bäääh, pfiu, phöse rääächts.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon think twice » Mi 22. Nov 2017, 20:41

Ich verstehe nur Wikipedia. und Wikipedia schreibt das:


Kulturelle Identität entsteht also aus der diskursiven Konstruktion des „Eigenen“, die durch den Gegensatz zu einem wirklichen oder bloß vorgestellten „Anderen“ hervorgerufen wird. Dieser Vorgang ist stark von Gefühlen geprägt, wobei das Eigene ein Sicherheits-, Geborgenheits- und Heimatgefühl vermittelt.

Gegenüber dem „Anderen“ oder dem „Fremden“, das oft erst im Prozess der Bildung von Identität als solches definiert wird („Othering“), kann sich Nichtwahrnehmung, Verunsicherung, Abneigung und sogar Hass entwickeln. Wenn eine Gruppe Unterdrückung, Ausbeutung, Ausgrenzung oder Diskriminierung erleidet, kann ihr die kollektive Identität ein Potenzial zur Selbstbehauptung verschaffen. Dagegen drückt sich vor allem in traditionalen Gesellschaften die kulturelle Identität in einer unhinterfragten Identifikation mit der bestehenden Ordnung aus.


Klingt einleuchtend.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon think twice » Mi 22. Nov 2017, 20:57

Dark Angel hat geschrieben:(22 Nov 2017, 20:29)


So viel zum Thema kulturelle Identität habe habe etwas mit Kulturalismus zu tun, sei der neue Rassismus und bäääh, pfiu, phöse rääächts.

Warum gebaerdest du dich eigentlich immer so, als fuehltest du dich ertappt?
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 22. Nov 2017, 21:02

think twice hat geschrieben:(22 Nov 2017, 20:41)

Ich verstehe nur Wikipedia. und Wikipedia schreibt das:


Kulturelle Identität entsteht also aus der diskursiven Konstruktion des „Eigenen“, die durch den Gegensatz zu einem wirklichen oder bloß vorgestellten „Anderen“ hervorgerufen wird. Dieser Vorgang ist stark von Gefühlen geprägt, wobei das Eigene ein Sicherheits-, Geborgenheits- und Heimatgefühl vermittelt.

Klingt einleuchtend.


In dem Sinne, dass Gefühlsseligkeit im Verbund mit jener Annäherung von "gut" und "dumm", die Nietzsche für seinen »bonhomme« vermutete, tatsächlich ein Faktum darzustellen scheint, wie der Wikischreiber hier eindrucksvoll belegt, in diesem Sinne ist diese Vergefühlung von Identität durchaus einleuchtend. Einleuchtend ist auch, was ich im anderen Thread schon schrieb und nun doch hier wiederhole: Schön, dass hier so eifrig über Abseits diskutiert wird. Was Fußball ist, weiß man nicht, aber Abseits ist echt gemein. Man fühlt es. Doppelt und vierfach.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon think twice » Mi 22. Nov 2017, 21:09

Sextus Ironicus hat geschrieben:(22 Nov 2017, 21:02)


Einleuchtend ist auch, was ich im anderen Thread schon schrieb und nun doch hier wiederhole: Schön, dass hier so eifrig über Abseits diskutiert wird. Was Fußball ist, weiß man nicht, aber Abseits ist echt gemein. Man fühlt es. Doppelt und vierfach.

Dann leuchtet dir sicher auch ein, dass du hier beim gemeinen, dummen Volk verkehrt bist. Wenn dir die Beiträge Schmerzen bereiten, geh doch einfach woanders hin. Mach "parshipping für Akademiker" oder so. :p

Nachtrag: Vielleicht betreibt Schmidt-Salomon ja einen Blog, dann kannst du mit Leuten austauschen, die sich auf deinem geistigen Level befinden.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 22. Nov 2017, 21:18

Selina hat geschrieben:(22 Nov 2017, 19:34)

"Kulturelle Identität" gehört einfach zum Vokabular des kulturellen Rassismus. Das diskreditierte Wort "Rasse" wurde vor etlichen Jahren - als sich die Neue Rechte begann breitzumachen - durch den gefälligeren Begriff "Kultur" ersetzt. Ethnizität und Kultur sind quasi Ersatzbegriffe für den mit Recht verpönten und schlimme Folgen zeitigenden genetischen Rassismus der Altnazis. Mit diesem heutigen neurechten Pseudo-Kulturbegriff werden ganze Menschengruppen ausgegrenzt und ideologisch bekämpft. Und das in geballter Ladung. Nicht schön, aber relativ leicht zu durchschauen.


Stört dich das eigentlich nur bei Deutschen oder so allgemein bei allen Völkern? In Japan wärst du auf immer die Deutsche oder die Fremde, stört dich das? In Saudi Arabien wirst du mit Sicherheit schnell daran erinnert, dich anzupassen. Stört es dich da?

Nur mal so aus Neugierde.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 22. Nov 2017, 21:23

think twice hat geschrieben:(22 Nov 2017, 19:12)

Mir ist der Typ grundsaetzlich scheissegal. Aber wen gewisse User mit gewissen Einstellungen in fetter Schrift zitieren und anpreisen, die sind mir schon von Haus aus suspekt. Manchmal bin ich totaaaal intolerant. :)


Nun, du behauptest, seinen Charakter ganz genau zu kennen, obwohl du weder ihn noch seine Bücher kennst und gehst aus reinem Bauchgefühl davon aus, er sei nicht so lieb wie dein iranischer Hausmeister.
Das ist nicht intolerant, das ist dämlich.

Im übrigen gibt es gute Menschen, die nicht den ganzen Tag damit rumprahlen, sondern einfach etwas tun oder helfen, ohne das besonders erwähnenswert zu finden.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon think twice » Mi 22. Nov 2017, 21:29

Billie Holiday hat geschrieben:(22 Nov 2017, 21:23)

Nun, du behauptest, seinen Charakter ganz genau zu kennen, obwohl du weder ihn noch seine Bücher kennst und gehst aus reinem Bauchgefühl davon aus, er sei nicht so lieb wie dein iranischer Hausmeister.
Das ist nicht intolerant, das ist dämlich.

Im übrigen gibt es gute Menschen, die nicht den ganzen Tag damit rumprahlen, sondern einfach etwas tun oder helfen, ohne das besonders erwähnenswert zu finden.

Meine Güte [ModEdit]. Wenn du es brauchst.
Am Allerwenigsten tun übrigens Leute etwas Gutes, die von früh bis spät in einem Forum hocken.
Ach ja: Mein guter Freund Nazad ist Iraker und beim Sicherheitsdienst.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 22. Nov 2017, 21:38

think twice hat geschrieben:(22 Nov 2017, 21:29)

Meine Güte, [ModEdit]. Wenn du es brauchst.
Am Allerwenigsten tun übrigens Leute etwas Gutes, die von früh bis spät in einem Forum hocken.
Ach ja: Mein guter Freund Nazad ist Iraker und beim Sicherheitsdienst.


Nein, ich kenne ihn nicht persönlich. Im übrigen habe ich mich nicht dazu geäußert, wie ich ihn oder seine Bücher finde.
Das habe ich ja dir überlassen. Von meiner Seite kam keine Wertung.

Na, dann hast du ja auch wenig Zeit, Gutes zu tun, nicht wahr?

Mein Freund Mohammad Reza Nourroudi ist auch sehr nett, jedoch nicht bei einem Sicherheitsdienst. Und Arezo Rahmazadah ist super, hat ihre Ausbildung mit sehr gut gemacht. Noch mehr Namen gefällig? :x
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Adam Smith » Mi 22. Nov 2017, 21:40

Billie Holiday hat geschrieben:(22 Nov 2017, 21:18)

Stört dich das eigentlich nur bei Deutschen oder so allgemein bei allen Völkern? In Japan wärst du auf immer die Deutsche oder die Fremde, stört dich das? In Saudi Arabien wirst du mit Sicherheit schnell daran erinnert, dich anzupassen. Stört es dich da?

Nur mal so aus Neugierde.

Saudi-Arabien ist ein Land mit einer grossen kulturellen Identität. Es gibt hier viele Vorschriften besonders in Bezug auf die Geschlechtertrennung. Das ist auch Kultur.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Provokateur » Do 23. Nov 2017, 13:10

Nachdem sich alle hoffentlich beruhigt haben, ist hier wieder auf. Unter Vorbehalt. Wenn das ab jetzt nicht funktioniert, ist das Thema auf ewig zu. Ich bitte deswegen um Disziplin.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Selina » Do 23. Nov 2017, 14:10

Ein sehr interessanter und - wie ich finde - ausgewogener Beitrag unter dem Titel "Der Mythos von der kulturellen Identität":

http://www.deutschlandfunk.de/lebensges ... _id=377146
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Dark Angel » Do 23. Nov 2017, 15:09

Selina hat geschrieben:(23 Nov 2017, 14:10)

Ein sehr interessanter und - wie ich finde - ausgewogener Beitrag unter dem Titel "Der Mythos von der kulturellen Identität":

http://www.deutschlandfunk.de/lebensges ... _id=377146

Wie wäre es, wenn du dich mal mit etwas beschäftigst, was dein Weltbild NICHT stützt.
Ich habe weiter oben etwas zitiert und verlinkt.
Könntest dich ja ausnahmsweise mal da reinlesen, tut auch gar nicht weh.
Oder hast du so viel Angst davor, dein simpel gestricktes Weltbild mal reflektieren zu müssen.
Keine Sorge, dass du dich mit räächtem Gedankengut befassen musst. Der Autor ist Lehrstuhlinhaber für öffentliches Recht und Richter beim Verfassungsgericht ...
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Selina » Do 23. Nov 2017, 15:13

Dark Angel hat geschrieben:(23 Nov 2017, 15:09)

Wie wäre es, wenn du dich mal mit etwas beschäftigst, was dein Weltbild NICHT stützt.
Ich habe weiter oben etwas zitiert und verlinkt.
Könntest dich ja ausnahmsweise mal da reinlesen, tut auch gar nicht weh.
Oder hast du so viel Angst davor, dein simpel gestricktes Weltbild mal reflektieren zu müssen.
Keine Sorge, dass du dich mit räächtem Gedankengut befassen musst. Der Autor ist Lehrstuhlinhaber für öffentliches Recht und Richter beim Verfassungsgericht ...


Ein "simpel gestricktes Weltbild" sehe ich eher bei dir, siehe deine Einlassungen zu den bewahrenswerten "Leistungen" der deutschen Wehrmacht. Hut ab!
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Uffhausen » Do 23. Nov 2017, 17:19

Selina hat geschrieben:(22 Nov 2017, 19:34)

"Kulturelle Identität" gehört einfach zum Vokabular des kulturellen Rassismus. Das diskreditierte Wort "Rasse" wurde vor etlichen Jahren - als sich die Neue Rechte begann breitzumachen - durch den gefälligeren Begriff "Kultur" ersetzt. Ethnizität und Kultur sind quasi Ersatzbegriffe für den mit Recht verpönten und schlimme Folgen zeitigenden genetischen Rassismus der Altnazis. Mit diesem heutigen neurechten Pseudo-Kulturbegriff werden ganze Menschengruppen ausgegrenzt und ideologisch bekämpft. Und das in geballter Ladung. Nicht schön, aber relativ leicht zu durchschauen.


Ich will es nicht bestreiten, aber ich würde zu gerne wissen:

Wer bestimmt denn, dass u. a. die Umschreibung "Kulturelle Identität" neurecht, bzw. rassistisch zu verstehen ist? Und dass dadurch automatisch ganze Menschengruppen ausgegrenzt oder diffamiert werden? :?:

Und nur weil es irgendjemand so "festgelegt" hat - wahrscheinlich einer dieser gottesgleichen, allwissenden und schlaumeierischen Menschen, deren Zitate, Artikel und sonstigen Schmonzes ihr immer zitiert, wenn euch die Argumente auszugehen scheinen - ist es deshalb "Gesetz" und gesellschaftlich verbindlich? Sprich; darf (oder muss?) ich deshalb jetzt jeden, der die Begriffe "kulturelle Identität" in den Mund nimmt (oder schreibt) in die rechte Schublade stecken? :?:
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Selina » Do 23. Nov 2017, 17:36

Uffhausen hat geschrieben:(23 Nov 2017, 17:19)

Ich will es nicht bestreiten, aber ich würde zu gerne wissen:

Wer bestimmt denn, dass u. a. die Umschreibung "Kulturelle Identität" neurecht, bzw. rassistisch zu verstehen ist? Und dass dadurch automatisch ganze Menschengruppen ausgegrenzt oder diffamiert werden? :?:

Und nur weil es irgendjemand so "festgelegt" hat - wahrscheinlich einer dieser gottesgleichen, allwissenden und schlaumeierischen Menschen, deren Zitate, Artikel und sonstigen Schmonzes ihr immer zitiert, wenn euch die Argumente auszugehen scheinen - ist es deshalb "Gesetz" und gesellschaftlich verbindlich? Sprich; darf (oder muss?) ich deshalb jetzt jeden, der die Begriffe "kulturelle Identität" in den Mund nimmt (oder schreibt) in die rechte Schublade stecken? :?:


Nein, natürlich nicht. Kommt immer auf den Kontext an. Und seit sich die Neue Rechte so heftig um mehr Einfluss bemüht, haben solche "Vordenker" wie zum Beispiel in Deutschland dieser Götz Kubitschek für solche Begriffs-Verschiebungen und einen gewissen sprachlichen Bedeutungswandel gesorgt. Da ist viel Demagogie im Spiel. Man kann das hinterfragen oder kritiklos übernehmen. Ganz wie man will. Die Kombination der beiden Worte "kulturell" und "Identität" ist eine Mischung, die oft verwendet wird, wenn jemand sowas sagen will wie "Das ist meine kulturelle Identität, die lasse ich mir von niemandem wegnehmen oder madig machen, schon gar nicht von den muslimischen Flüchtlingen, die unsere Sitten nicht achten und sich nicht an unsere Regeln halten" oder so in etwa. Vermeintliche "Gruppenidentitäten", die es also gar nicht gibt, werden gegeneinander ausgespielt. Da weißt du dann schon ziemlich genau, mit wem du es zu tun hast.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Uffhausen » Do 23. Nov 2017, 17:53

Selina hat geschrieben:(23 Nov 2017, 17:36)
Die Kombination der beiden Worte "kulturell" und "Identität" ist eine Mischung, die oft verwendet wird, wenn jemand sowas sagen will wie "Das ist meine kulturelle Identität, die lasse ich mir von niemandem wegnehmen oder madig machen, schon gar nicht von den muslimischen Flüchtlingen, die unsere Sitten nicht achten und sich nicht an unsere Regeln halten" oder so in etwa. Vermeintliche "Gruppenidentitäten", die es also gar nicht gibt, werden gegeneinander ausgespielt. Da weißt du dann schon ziemlich genau, mit wem du es zu tun hast.

Ich weiß schon, wie "kulturelle Identität" zu verstehen sein dürfte, wenn bspw. ein Flüchtlingsgegner ganz verzweifelt versucht, überzeugend seine Position zu untermauern (und dabei oft seine/ihre tw. fragwürdige "kulturelle Identität" preisgibt! ;) )

Es gibt keine "Gruppenidentitäten"? Was meinst du genau damit? Dass es bspw. zwischen demokratisch geprägten Deutschen und religiös geprägten Muslimen, die nunmehr zahlreich als Flüchtlinge zu uns gekommen sind und Anpassungsschwierigkeiten haben, keine Unterschiedlichkeiten existieren? :?:
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon Dark Angel » Do 23. Nov 2017, 17:56

Selina hat geschrieben:(23 Nov 2017, 15:13)

Ein "simpel gestricktes Weltbild" sehe ich eher bei dir, siehe deine Einlassungen zu den bewahrenswerten "Leistungen" der deutschen Wehrmacht. Hut ab!

Unterlass bitte die Unterstellungen - ich habe nichts von "bewahrenswerten Leistungen der deutschen Wehrmacht" geschrieben, sondern "Traditionspflege bedeutet auch Bekenntnis zur (gemeinsamen) Geschichte und zu dieser Geschichte gehören auch die Traditionen der Deutschen Wehrmacht (im Guten und im Schlechten)"

und weiter habe ich geschrieben:
du scheinst nicht zu begreifen, dass Traditionspflege kein "suhlen in Althergebrachtem" ist, sondern aktive Auseinandersetzung mit Geschichte, aktive Aufarbeitung von Geschichte sowie kritisches Hinterfragen.
Bei Traditionspflege geht es auch um Ursachen, Hintergründe und Entwicklung(en).


Wo du da etwas von "bewahrenswert" heraus lesen kannst, ist mir ein Rätsel.
Wie wäre es übrigens, wenn du mal inhaltlich auf etwas eingehen könntes, was geschrieben wurde.
Ich zitiere und verlinke nochmal:

"Arnd Uhle hat in seiner bedeutenden Münchner Habilitationsschrift Freiheitlicher Verfassungsstaat und kulturelle Identität
(2006) die folgende und überzeu-gende Definition gegeben: „Unter kultureller Identität wird die Gesamtheit der kulturell geprägten Werte samt der daraus resultierenden Weltsichten und Denkweisen sowie der ebenfalls kulturell geprägten Verhaltens- und Lebensweisen verstanden, die das Eigenbild einer Kulturgemeinschaft – namentlich einer Nation – prägen. Die so verstandene kulturelle Identität wird sowohl durch Elemente der Zugehörigkeit zu einem (übergeordneten) Kulturkreis als auch durch Elemente der Zugehörigkeit zu der individuellen Kultur der betreffenden Gemeinschaft bestimmt.“ In diesem Sinne stellt die kulturelle Identität, wie Uhle gleichfalls zutreffend dargelegt hat, „zunächst und grundsätzlich ein vor- und außerrechtliches Faktum dar, das indessen auch für Gestalt und Bestand des freiheitlichen Verfassungsstaates von Bedeutung ist, der diese kulturelle Identität vorfindet und typischerweise an sie anknüpft. Diese Relevanz der kulturellen Identität für den freiheitlichen Verfassungsstaat läßt sich sowohl aus verfassungstheoretischer wie auch aus verfassungsrechtlicher Perspektive erfassen und belegen.“
Quelle


Wäre nett, wenn du dich mal inhaltlich mit dem Text auseinandersetzen und entsprechend antworten würdest.
Du wolltest Meinungen diskutieren und wenn man diskutieren will, muss man sich mit Inhalten beschäftigen.
Kann doch eigentlich nicht so schwer sein.
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Re: "Kulturelle Identität" - Was steckt dahinter?

Beitragvon think twice » Do 23. Nov 2017, 18:01

Uffhausen hat geschrieben:(23 Nov 2017, 17:53)

Es gibt keine "Gruppenidentitäten"? Was meinst du genau damit? Dass es bspw. zwischen demokratisch geprägten Deutschen und religiös geprägten Muslimen, die nunmehr zahlreich als Flüchtlinge zu und gekommen sind und Anpassungsschwierigkeiten haben, keine Unterschiedlichkeiten existieren? :?:

Jeder Mensch hat Anpassungsschwierigkeiten, wenn er sich in einer anderen Kultur zurecht finden muss. Oder würdest du dich in Japan sofort zu Hause fühlen?
Und allein den Unterschied machen zu wollen zwischen demokratischen Deutschen und religiösen Muslimen, zeigt, woher der Wind weht. Als ob das Eine das Andere ausschließt.
Stell dir vor, es gibt sogar deutsche, religiöse, demokratische Muslime.
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