Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Der Neandertaler
Beiträge: 1316
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 02:48
Benutzertitel: Experimentální králíci

Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Der Neandertaler » So 5. Nov 2017, 15:31

Hallo.
Die Berliner Alternative für Deutschland hat im Mai beim Verfassungsgerichtshof eine Organklage gegen Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) eingereicht. Darin beklagt sich der AfD-Landesverband Berlin bitterlich, daß zwei ihrer Kandidaten zur Bundestagswahl durch den Grünen-Politiker öffentlich diskriminiert wurden. Dabei hatte der Justizsenator lediglich angekündigt, die Aussagen von AfD-Wahlkämpfern im Wahlkampf zu beobachten. Anlaß dazu war für den Justizsenator Dirk Behrendt wohl auch eine Rede von AfD-Kandidat Reusch Ende Januar, mit der er sich bei der AfD als Kandidat für die Bundestagswahl empfahl:
    "Wenn die Blockparteien so weitermachen können wie bisher, dann hat unser Land in 20 Jahren fertig, wir wären wirtschaftlich ruiniert, von einer nicht-deutschen Mehrheit besiedelt und auf dem besten Weg in die islamische Republik."
Der Pressesprecher des Justizministeriums Sebastian Brux meinte dazu nur, daß ihn dieser Antrag, mit dem man Öffentlichkeit erzeugen wolle, um sich als Opfer darzustellen, eher an die Musikgruppe: "die Ärzte" mit ihrem Titel: "Stummer Schrei nach Liebe" erinnere. Der Berliner AfD-Landesvorsitzende, Georg Pazderski, erklärte dazu, daß man es nicht hinnehmen werde, wenn ihre Bundestagskandidaten "ohne Anlaß öffentlich diskriminiert" würden - er spielte damit auf die Richterin Birgit Malsack-Winkelmann und auf Roman Reusch, den Leitenden Oberstaatsanwalt in Berlin, der in Brandenburg auf Listenplatz 2 steht, an.

Diskriminierung wird weitgehend mit Verächtlichmachung und Demütigung, mit Stigmatisierung gleichgesetzt - also mit ungerechter Behandlung, aber auch mit Entehrung und Erniedrigung. Diese Entwürdigung, Herabsetzung und Herabwürdigung fand vergangenheitlich aber viel subtiler statt ... und bisher gesellschaftlich weitgehend unbeachtet und totgeschwiegen, findet aber nun immer öfter das Tageslicht.

Diesen "Stummen Schrei nach Liebe" nahm wohl seinerzeit auch der pensionierte Oberstleutnant Uwe Junge zum Anlaß?!?
Zu seiner aktiven Dienstzeit hatte er gegenüber einer Soldatin geäußert, daß "Ehe und Familie in Artikel 6 Grundgesetz besonders geschützt" seien - also: Mutter + Vater + Kinder und, daß "die Nation deutsche Kinder" brauche. Junge meinte zu seiner Verteidigung lediglich, daß dies "ein anonymer Hinweis" sei, "den Medien aufgegriffen haben" und er sich nicht zum Vorwurf äußern wolle, betonte aber sogleich:
    "Wir stehen für ein Familienbild von Vater, Mutter, Kind. Das ist ja nichts Neues."
Nebenbei:
    die Frau war lesbisch!
      ... der "Stumme Schrei nach Liebe" mußte Wohl oder Übel überhört werden
Eine kurze Diskussion gab es seinerzeit wegen der Zudringlichkeits-Vorwurf gegen Brüderle. Wobei der FDP-Fraktionschef gegenüber der "Stern"-Redakteurin Laura Himmelreich, mit Blick auf und in ihr Dekolleté gesagt hat: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Im Laufe des Gesprächs habe er nach ihrer Hand gegriffen und diese geküsst, berichet sie weiter.

Frauen, die Sexismus anklagen, werden oft als hysterisch oder unglaubwürdig dargestellt. Schon vor Harvey Weinstein gab es Vorwürfe gegen Woody Allen, Bill Cosby oder Roman Polanski. Die Anklägerinen wurden oft als Feministinen mit fragilem Selbstwertgefühl beschimpft, als privilegierte Frauen mit Luxusproblemen, als drama queen. Man gab ihnen den Ratschlag, der in abgewandelter Form in vielen Kommentaren zu lesen war, sie sollten nicht den Fehler machen, in die "Subjektivitäts- und Beschwerdefalle zu tappen". Oder ihnen wurde empfohlen, sich nicht zu wehren. Kölns Bürgermeisterin Reker formulierte im Kommentar zur Kölner Sylvesternacht, Frauen sei im Kontakt zu Fremden eine "Armlänge Abstand" zu empfehlen.
    ob diese "Armlänge Abstand" ihr auch bei dem ihr geschehenen Überfall das Leben gerettet hätte?
Erst als nachdem eine ganze Reihe prominenter Schauspielerinnen ihre Erlebnisse mit dem Filmproduzenten Harvey Weinstein erzählten - bisher waren es nur unbedeutende Mitarbeiterinnen, die anklagten, ... seitdem sorgten ausgerechnet ihre Schilderungen für weltweite Solidaritätsbekundungen.
    Warum? Warum erst jetzt?
Ist es so, daß eine Person ihre Beschwerde umso klüger vorbringen muß, je machtloser sie ist?
    ... daß sie sich abgesichert haben muß und umso mehr Statistiken, Unterstützerinnen und Argumente sie sammeln muß?
Diskriminierung ist aber weitgehend ein subjektives Empfinden! Was nun, wenn diese Debatte nicht nur Frauen verunsichert, sondern auch Männer. Daß sie etwa aus Angst, unbedacht etwas Falsches zu sagen, manches nicht sagen - etwas, was als Kompliment gedacht war. Etwa: ob und wann sie ihrer Kollegin sagen dürfen, daß ihr die neue Frisur gut steht, oder sie in dem Kleid super aussehe: "oh, du siehst jünger aus".
    Kompliment oder Unterdrückungsgeste? Wer entscheidet, wann etwas sexistisch ist?
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
Benutzeravatar
Sole.survivor@web.de
Beiträge: 5717
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Change Agent

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 7. Nov 2017, 09:33

Ich denke, das Thema ist ein Minenfeld. Es gibt viele berechtigte Anliegen, da sollte man keine Witzchen drüber machen. Ich sehe es aber auch mit Sorge, wenn das Thema zu sehr verrechtlicht wird. Meine Generation ist ja so erzogen, dass man mutig sein soll, ruhig mal einen Korb riskieren, wer nicht wagt der nicht gewinnt. Und auch nicht immer auf eine Einladung mit Worten warten. Natürlich gibt es Irrtümer, man sieht was man sehen will und hinterher ist man schlauer. Das hat überwiegend gut geklappt und bisher war noch jede Zurückweisung so, dass das Leben unbeschwert weiter gehen konnte. Ich weiß, dass das bei anderen teilweise anders läuft. Manche können oder wollen die Ansage nicht verstehen oder reden sich ein, sie seien Teil des Spiels. Manche sind auch nicht so gut im zurückweisen. Das ist ein Thema, in dem ich mich zugegeben nicht so oft üben musste wie jetzt, ich sag mal, so Frauen das vielleicht tun.

Jetzt gibt es aber Bemühungen, daraus einen Rechtsstandpunkt zu machen a la, strafbewährte Belästigung sei es, wenn es nicht gut ankam. Das klingt für mich schwierig. Das klingt nach einer Spielwiese für Anwälte und ein besonnener Mensch muss sich dann schon sehr fragen, was er riskiert, wenn er - oder sie - eine Lage falsch einschätzt.

Ich tue mich auch schwer mit Ideen vom Sprecherstandpunkt, wie sie der "critical whiteness" zugrunde liegen. Da wird mitunter unterstellt, was weder gesagt noch gemeint war und was wohl die wenigsten auch so verstehen würden.

Mode, Ageism, Lookism, Fat Shaming - wir dürfen nicht aus jedem Geschmacksurteil und jeder Meinung etwas machen, das man für sich behalten muss, weil es potentiell weh tun könnte. Wir sollten souveräner damit umgehen, dass sozialer Kontakt immer auch die Möglichkeit bietet, unangenehm zu sein. Wir sollten auch das Recht verteidigen, nicht nett zu sein. Die Welt ist keine Schaumstoffblase ohne Kanten, an denen man sich wehtun kann. Insbesondere aber muss es Platz geben für Auseinandersetzung. Wer interagiert, der kommuniziert. Wer sich wie eine Mülltonne anzieht, dem wird man im kleinen Kreis je nach sozialer Situation vielleicht nahelegen, nach vier Tagen doch mal den Pullover zu wechseln. Wer für die Arbeit unangemessen, sei es zu liederlich, zu sportlich oder auch zu freizügig, angezogen ist, dem sollte man das respektvoll und in angemessenem Umfeld sagen dürfen - und der darf es anders sehen. Muss ja nicht immer über Chef, Betriebsrat, Richter gehen.

Das eine Beispiel, das du bringst, ist ja sehr politisch. Gerade jene Kreise, die mit Pauschalurteilen über Islam, Linke, Freiheit und Umweltschutz nicht sparsam umgehen, müssen ihrerseits damit leben, dass sie kritisiert werden und dass ihre Handlungen und Worte auch konkrete Folgen haben, evtl Nachteile bringen. Das sollte ein Spielfeld der Gesellschaft bleiben, nur in extremen Ausnahmefällen sollten hier die Juristen zu Wort kommen.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity.
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2748
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Watchful_Eye » Mi 8. Nov 2017, 18:47

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Nov 2017, 09:33)

[...]

Ich möchte diesen Beitrag gerne liken. :thumbup:
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

Mod im Feedback- und Asienforum.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13403
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Dark Angel » Mi 29. Nov 2017, 14:18

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich den Thread nochmal aus der "Versenkung" hervor hole. Jetzt denke allerdings, dass es noch einiges zu sagen gibt:

Der Neandertaler hat geschrieben:(05 Nov 2017, 15:31)
Frauen, die Sexismus anklagen, werden oft als hysterisch oder unglaubwürdig dargestellt. Schon vor Harvey Weinstein gab es Vorwürfe gegen Woody Allen, Bill Cosby oder Roman Polanski.

Zunächst mal: Der Begriff Sexismus entstand im Zusammenhang mit der 2. Frauenbewegung in Anlehnung an den Rassismusbegriff. Bezeichnend ist, dass von Sexismus immer nur im Zusammenhang mit Frauen die Rede ist. So als gäbe es keinen Sexismus gegen bzw gegenüber Männern, so als würden Männer nie herab gewürigt und/oder diskriminiert. Dürfen Männer, Sexismus, der sich gegen sie wendet, nicht anklagen, dürfen sie sich nicht wehren?

Sicher gab und gibt es Männer, die ihre Machtpositionen oder Abhängigkeitsverhältnisse schamlos zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Das soll auch gar nicht relativiert werden.
Rechtfertigt derartiges Verhalten jedoch ein "Rückzahlen mit gleicher Münze"?

Ist Sexismus gegen Männer "besserer" Sexismus oder schlicht kein Sexismus?
Was ist mit solchen Äußerungen:
„Doch während die Frau sich ständig weiterentwickelt, [...] blieb der Mann auf seiner Entwicklungsstufe stehen. Als halbes Wesen. [...] Er ist weiterhin nur männlich und verschließt sich den weiblichen Eigenschaften wie Toleranz, Sensibilität und Emotionalität. Das heißt, er ist - strenggenommen - unfertig und wurde von der Evolution und dem weiblichen Geschlecht überholt.“ (Cornelia Pieper FDP 2007)

„Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen.“ (Ursula von der Leyen CDU 2006)


Der Neandertaler hat geschrieben:(05 Nov 2017, 15:31)Die Anklägerinen wurden oft als Feministinen mit fragilem Selbstwertgefühl beschimpft, als privilegierte Frauen mit Luxusproblemen, als drama queen. Man gab ihnen den Ratschlag, der in abgewandelter Form in vielen Kommentaren zu lesen war, sie sollten nicht den Fehler machen, in die "Subjektivitäts- und Beschwerdefalle zu tappen".

Und das zu Recht!
Die Anklägerinnen sind Feministinnen oder deren Trittbrettfahrerinnen und es sind subjektive Befindlichkeiten, die da hoch stilisiert werden. Sexismus ist heute doch bereits jedes misslungene Kompliment, jede "dusselige" oder unbeholfene Anmache, sind Äußerungen, über die meine Frauengeneration mit einem Schulterzucken oder einem ähnlich "dusseligen" Spruch Retour hinweg gegangen wäre.
Mag daran liegen, dass ich kein Kind des Feminismus oder gar Gender Maistreams bin, sondern eins der späten Flower-Power-Zeit. Bei uns war die Welt zwischen den Geschlechtern noch in Ordnung.

Der Neandertaler hat geschrieben:(05 Nov 2017, 15:31)Erst als nachdem eine ganze Reihe prominenter Schauspielerinnen ihre Erlebnisse mit dem Filmproduzenten Harvey Weinstein erzählten - bisher waren es nur unbedeutende Mitarbeiterinnen, die anklagten, ... seitdem sorgten ausgerechnet ihre Schilderungen für weltweite Solidaritätsbekundungen.
    Warum? Warum erst jetzt?[/list

Tjaa - warum jetzt erst? Weil es gerade jetzt in die neue political Correctness passt, die in den USA um sich greift und "über den großen Teich schwappt". Es geht dabei nicht mehr um objektives Fehlverhalten, nicht mehr um objektive Straftaten, sondern um gefühlte, es geht nicht mehr darum ob jemand tatsächlich beleidigt oder gedemütigt wurde, sondern darum ob er/sie sich beleidigt oder gedemütigt fühlen könnten.
Und deshalb gerade jetzt - deshalb werden gerade jetzt, teilweise Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse heraus gekramt und dieses Gefühl hinein interpretiert. Ob es sich tätsächlich so verhält, kann niemand mehr nachprüfen und prüft niemand mehr nach.
Und auch wenn ich jetzt verbal Prügel beziehe - diese neue political Correctness ist ein Ergebnis der so genannten 3. Frauenbewegung, des Gender Mainstreams.


Der Neandertaler hat geschrieben:(05 Nov 2017, 15:31)Ist es so, daß eine Person ihre Beschwerde umso klüger vorbringen muß, je machtloser sie ist?
    ... daß sie sich abgesichert haben muß und umso mehr Statistiken, Unterstützerinnen und Argumente sie sammeln muß?

Falsche Fragestellung!
Die Person, die eine Beschwerde vorbringt, sollte das zeitnah tun und vor allem sollte es sich um objektives Fehlverhalten sein, welches zur Beschwerde führt und kein, im Nachhinein gefühltes.


Der Neandertaler hat geschrieben:(05 Nov 2017, 15:31)Diskriminierung ist aber weitgehend ein subjektives Empfinden! Was nun, wenn diese Debatte nicht nur Frauen verunsichert, sondern auch Männer. Daß sie etwa aus Angst, unbedacht etwas Falsches zu sagen, manches nicht sagen - etwas, was als Kompliment gedacht war. Etwa: ob und wann sie ihrer Kollegin sagen dürfen, daß ihr die neue Frisur gut steht, oder sie in dem Kleid super aussehe: "oh, du siehst jünger aus".
    Kompliment oder Unterdrückungsgeste? Wer entscheidet, wann etwas sexistisch ist?

Nein - nicht "wenn". Genau DAS ist ja das Ziel dieser neuen political Correctness - die Dämonisierung aller Männer und die Kriminalisierung menschlicher Sexualität. Sie stellt einen massiven Eingriff in die ersönlichen Freiheitsrechte jedes Einzelnen dar, einen Eingriff - nicht nur - in die Privatsphäre jedes Einzelnen, sondern auch in die Intimsphäre jedes einzelnen.
Das Ziel ist grundsätzlich alles - bis hin zur Intimsphäre der Menschen - zu politisieren und rechtlich zu reglementieren:

"Sex ist gefährlich und bringt die Menschen buchstäblich an ihr Limit. Denn es gibt keinen Sex, wenn zwei Wesen, die sich aneinander freuen, nicht bereit sind, im entscheidenden Moment die Kontrolle zu verlieren. Plötzlich geben sie bedrohliche Laute von sich, sagen etwas Unpassendes, werden grob. Zweideutigkeit, Kontrollverlust, körperliche Intensität: All dies ist in der abgedämpften Welt der Political Correctness nicht mehr vorgesehen.
Der letzte kommerzielle Schrei in den USA ist das sogenannte «Affirmative Consent Kit», das online vom «Affirmative Consent Project» für zwei Dollar vertrieben wird: eine kleine Tasche mit einem Kondom, einem Stift, einigen Minzetabletten und einem einfachen Vertrag. Letzterer hält fest, dass beide Parteien darin übereinkommen, einvernehmlichen Sex zu haben.
Die zugrunde liegende Idee ist klar: Ein sexueller Akt soll im Voraus als Ergebnis eines freien, bewussten Entscheids der beiden involvierten Parteien deklariert werden, um jeden Verdacht einer Nötigung auszuräumen. Um es mit Jacques Lacan zu sagen: Der sexuelle Akt muss vom grossen Anderen anerkannt, muss mithin in die symbolische Ordnung eingeschrieben werden."
weiter lesen
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13403
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Dark Angel » Mi 29. Nov 2017, 14:20

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Nov 2017, 09:33)

Ich denke, das Thema ist ein Minenfeld. Es gibt viele berechtigte Anliegen, da sollte man keine Witzchen drüber machen. Ich sehe es aber auch mit Sorge, wenn das Thema zu sehr verrechtlicht wird. Meine Generation ist ja so erzogen, dass man mutig sein soll, ruhig mal einen Korb riskieren, wer nicht wagt der nicht gewinnt. Und auch nicht immer auf eine Einladung mit Worten warten. Natürlich gibt es Irrtümer, man sieht was man sehen will und hinterher ist man schlauer. Das hat überwiegend gut geklappt und bisher war noch jede Zurückweisung so, dass das Leben unbeschwert weiter gehen konnte. Ich weiß, dass das bei anderen teilweise anders läuft. Manche können oder wollen die Ansage nicht verstehen oder reden sich ein, sie seien Teil des Spiels. Manche sind auch nicht so gut im zurückweisen. Das ist ein Thema, in dem ich mich zugegeben nicht so oft üben musste wie jetzt, ich sag mal, so Frauen das vielleicht tun.

Jetzt gibt es aber Bemühungen, daraus einen Rechtsstandpunkt zu machen a la, strafbewährte Belästigung sei es, wenn es nicht gut ankam. Das klingt für mich schwierig. Das klingt nach einer Spielwiese für Anwälte und ein besonnener Mensch muss sich dann schon sehr fragen, was er riskiert, wenn er - oder sie - eine Lage falsch einschätzt.

Ich tue mich auch schwer mit Ideen vom Sprecherstandpunkt, wie sie der "critical whiteness" zugrunde liegen. Da wird mitunter unterstellt, was weder gesagt noch gemeint war und was wohl die wenigsten auch so verstehen würden.

Mode, Ageism, Lookism, Fat Shaming - wir dürfen nicht aus jedem Geschmacksurteil und jeder Meinung etwas machen, das man für sich behalten muss, weil es potentiell weh tun könnte. Wir sollten souveräner damit umgehen, dass sozialer Kontakt immer auch die Möglichkeit bietet, unangenehm zu sein. Wir sollten auch das Recht verteidigen, nicht nett zu sein. Die Welt ist keine Schaumstoffblase ohne Kanten, an denen man sich wehtun kann. Insbesondere aber muss es Platz geben für Auseinandersetzung. Wer interagiert, der kommuniziert. Wer sich wie eine Mülltonne anzieht, dem wird man im kleinen Kreis je nach sozialer Situation vielleicht nahelegen, nach vier Tagen doch mal den Pullover zu wechseln. Wer für die Arbeit unangemessen, sei es zu liederlich, zu sportlich oder auch zu freizügig, angezogen ist, dem sollte man das respektvoll und in angemessenem Umfeld sagen dürfen - und der darf es anders sehen. Muss ja nicht immer über Chef, Betriebsrat, Richter gehen.

Das eine Beispiel, das du bringst, ist ja sehr politisch. Gerade jene Kreise, die mit Pauschalurteilen über Islam, Linke, Freiheit und Umweltschutz nicht sparsam umgehen, müssen ihrerseits damit leben, dass sie kritisiert werden und dass ihre Handlungen und Worte auch konkrete Folgen haben, evtl Nachteile bringen. Das sollte ein Spielfeld der Gesellschaft bleiben, nur in extremen Ausnahmefällen sollten hier die Juristen zu Wort kommen.

Dein wunderbares Statement appeliert an die (menschliche) Vernunft, nur leider wird es nicht erhört werden, denn Vernunft ist nicht mehr gefragt, wo Ideologie die Oberhand gewonnen hat.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Sextus Ironicus
Beiträge: 737
Registriert: Mo 13. Nov 2017, 14:04
Benutzertitel: Normativer Minimalismus
Wohnort: Südwest

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 29. Nov 2017, 18:03

Dark Angel hat geschrieben:(29 Nov 2017, 14:18)

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich den Thread nochmal aus der "Versenkung" hervor hole. Jetzt denke allerdings, dass es noch einiges zu sagen gibt:


Zunächst mal: Der Begriff Sexismus entstand im Zusammenhang mit der 2. Frauenbewegung in Anlehnung an den Rassismusbegriff. Bezeichnend ist, dass von Sexismus immer nur im Zusammenhang mit Frauen die Rede ist. So als gäbe es keinen Sexismus gegen bzw gegenüber Männern, so als würden Männer nie herab gewürigt und/oder diskriminiert. Dürfen Männer, Sexismus, der sich gegen sie wendet, nicht anklagen, dürfen sie sich nicht wehren?


Zunächst: Der Begriff ist natürlich wieder einmal ein false friend - im Englischen hat sexism nichts mit Sex zu tun, und schon das macht ihn in seiner deutschen Version so unverdaulich, denn bei uns hat er wiederum nichts mit Geschlecht zu tun.

Was die Männer angeht: Hatte ich im Homophobie-Strang gestern schon einmal gesagt: Die Männergeneration so von 1945 bis 1965 hat in ihrer großen Mehrheit, behaupte ich, in ihrer Kindheit und Jugend (so 10 bis 16, würde ich sagen) schwer an sexueller Übergriffigkeit gelitten, wobei die Mehrzahl der Grapscher und Fummler adoleszent war. Männer gehen nur anders damit um.


Dark Angel hat geschrieben:(29 Nov 2017, 14:18)
Sicher gab und gibt es Männer, die ihre Machtpositionen oder Abhängigkeitsverhältnisse schamlos zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Das soll auch gar nicht relativiert werden.
Rechtfertigt derartiges Verhalten jedoch ein "Rückzahlen mit gleicher Münze"?

Ist Sexismus gegen Männer "besserer" Sexismus oder schlicht kein Sexismus?
Was ist mit solchen Äußerungen:
„Doch während die Frau sich ständig weiterentwickelt, [...] blieb der Mann auf seiner Entwicklungsstufe stehen. Als halbes Wesen. [...] Er ist weiterhin nur männlich und verschließt sich den weiblichen Eigenschaften wie Toleranz, Sensibilität und Emotionalität. Das heißt, er ist - strenggenommen - unfertig und wurde von der Evolution und dem weiblichen Geschlecht überholt.“ (Cornelia Pieper FDP 2007)

„Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen.“ (Ursula von der Leyen CDU 2006)



Und das zu Recht!
Die Anklägerinnen sind Feministinnen oder deren Trittbrettfahrerinnen und es sind subjektive Befindlichkeiten, die da hoch stilisiert werden. Sexismus ist heute doch bereits jedes misslungene Kompliment, jede "dusselige" oder unbeholfene Anmache, sind Äußerungen, über die meine Frauengeneration mit einem Schulterzucken oder einem ähnlich "dusseligen" Spruch Retour hinweg gegangen wäre.
Mag daran liegen, dass ich kein Kind des Feminismus oder gar Gender Maistreams bin, sondern eins der späten Flower-Power-Zeit. Bei uns war die Welt zwischen den Geschlechtern noch in Ordnung.


Tjaa - warum jetzt erst? Weil es gerade jetzt in die neue political Correctness passt, die in den USA um sich greift und "über den großen Teich schwappt". Es geht dabei nicht mehr um objektives Fehlverhalten, nicht mehr um objektive Straftaten, sondern um gefühlte, es geht nicht mehr darum ob jemand tatsächlich beleidigt oder gedemütigt wurde, sondern darum ob er/sie sich beleidigt oder gedemütigt fühlen könnten.
Und deshalb gerade jetzt - deshalb werden gerade jetzt, teilweise Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse heraus gekramt und dieses Gefühl hinein interpretiert. Ob es sich tätsächlich so verhält, kann niemand mehr nachprüfen und prüft niemand mehr nach.
Und auch wenn ich jetzt verbal Prügel beziehe - diese neue political Correctness ist ein Ergebnis der so genannten 3. Frauenbewegung, des Gender Mainstreams.



Es ist das Ergebnis von identity politics, von dem Gendermainstreaming nur ein Zweig ist. Als die Linke ihre Ausrichtung aufs Ökonomische verlor, hat sie sich auf die Minderheitenfrage konzentriert. Dabei kam es dann zu den bekannten Features, wie sie exemplarisch Charles Taylor (den ich sonst durchaus schätze) vertreten, die "politics of recognition", die das Konzept der positiven Diskriminierung philosophisch begründet und rechtfertigt. Dadurch wird halt der weiße Mann über 40 automatisch nicht mehr diskriminierungsfähig, während immer mehr minderheitsfähige Merkmale deklamiert wurden. All das kommt natürlich aus einer Welt, in der sozioökonomische Fragen immer schon gelöst sind.

Dark Angel hat geschrieben:(29 Nov 2017, 14:18)
Nein - nicht "wenn". Genau DAS ist ja das Ziel dieser neuen political Correctness - die Dämonisierung aller Männer und die Kriminalisierung menschlicher Sexualität. Sie stellt einen massiven Eingriff in die ersönlichen Freiheitsrechte jedes Einzelnen dar, einen Eingriff - nicht nur - in die Privatsphäre jedes Einzelnen, sondern auch in die Intimsphäre jedes einzelnen.
Das Ziel ist grundsätzlich alles - bis hin zur Intimsphäre der Menschen - zu politisieren und rechtlich zu reglementieren:

"Sex ist gefährlich und bringt die Menschen buchstäblich an ihr Limit. Denn es gibt keinen Sex, wenn zwei Wesen, die sich aneinander freuen, nicht bereit sind, im entscheidenden Moment die Kontrolle zu verlieren. Plötzlich geben sie bedrohliche Laute von sich, sagen etwas Unpassendes, werden grob. Zweideutigkeit, Kontrollverlust, körperliche Intensität: All dies ist in der abgedämpften Welt der Political Correctness nicht mehr vorgesehen.
Der letzte kommerzielle Schrei in den USA ist das sogenannte «Affirmative Consent Kit», das online vom «Affirmative Consent Project» für zwei Dollar vertrieben wird: eine kleine Tasche mit einem Kondom, einem Stift, einigen Minzetabletten und einem einfachen Vertrag. Letzterer hält fest, dass beide Parteien darin übereinkommen, einvernehmlichen Sex zu haben.
Die zugrunde liegende Idee ist klar: Ein sexueller Akt soll im Voraus als Ergebnis eines freien, bewussten Entscheids der beiden involvierten Parteien deklariert werden, um jeden Verdacht einer Nötigung auszuräumen. Um es mit Jacques Lacan zu sagen: Der sexuelle Akt muss vom grossen Anderen anerkannt, muss mithin in die symbolische Ordnung eingeschrieben werden."
weiter lesen


Die Vertragsidee vor Sex war neulich auch in epischer Breite in der ZEIT nachzulesen. Danke für den Zizek.

Vorletzten Sonntag war ich unterwegs und habe zufällig die hier verlinkte Diskussion zwischen Thea Dorn und Georg Diez gehört. Als Georg Diez sagte: "Das macht mich jetzt aber traurig", da waren sie wieder, die Achtzigerjahre, der Einstieg in die Befindlichkeitsdiskurse, der lichterkettensanfte Erzieherinnentonfall. Wobei das ja gemessen an der grassierenden Empörung, denn die medialen Emotionsteilchenbeschleuniger heute erzeugen, fast noch lustig war.

http://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-ueber-sexuelle-belaestigung-metoo-moralischer.2162.de.html?dram:article_id=400969
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13403
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Dark Angel » Mi 29. Nov 2017, 19:23

Sextus Ironicus hat geschrieben:(29 Nov 2017, 18:03)

Zunächst: Der Begriff ist natürlich wieder einmal ein false friend - im Englischen hat sexism nichts mit Sex zu tun, und schon das macht ihn in seiner deutschen Version so unverdaulich, denn bei uns hat er wiederum nichts mit Geschlecht zu tun.

Nun - mir dreht sich der Magen um, wenn ich lese:
"Als zentrale Dimension des modernen Sexismus wird die bewusste oder unbewusste Nicht-Anerkennung fortgesetzter Diskriminierung von Frauen verstanden."

Wo werden denn Frauen heute noch diskriminiert? Ich meine wirklich diskriminiert und nicht irgendwelche gefühlte Benachteiligung, irgendwelche ganz persönlichen Befindlichkeiten.
Ja klar - Genderfeministinnen phantasieren sich immer noch irgendwelche Diskriminierungen zusammen, die keinerlei empirische Basis haben, genauso wenig, wie ihre sonstigen Behauptungen irgend eine empirische Basis haben.
Ihnen geht es nicht um Abbau von Benachteiligung oder Diskriminierung - ihnen geht es einzig um Macht/Machtausübung und dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

Sextus Ironicus hat geschrieben:(29 Nov 2017, 18:03)Was die Männer angeht: Hatte ich im Homophobie-Strang gestern schon einmal gesagt: Die Männergeneration so von 1945 bis 1965 hat in ihrer großen Mehrheit, behaupte ich, in ihrer Kindheit und Jugend (so 10 bis 16, würde ich sagen) schwer an sexueller Übergriffigkeit gelitten, wobei die Mehrzahl der Grapscher und Fummler adoleszent war. Männer gehen nur anders damit um.

Das kann ich nicht beurteilen, kann es mir aber auch nur sehr schwer vorstellen.
Wie Mann oder Frau damit umgeht, ist auch eine Frage der Erziehung. Wer sich immer und überall als Opfer sieht, der ist im Endeffekt tatsächlich ein Opfer.
Womit wie wieder bei den Genderfeministinnen sind - die pflegen einen regelrechten Opferkult. Frau sind Opfer - immer und überall.


Sextus Ironicus hat geschrieben:(29 Nov 2017, 18:03)Es ist das Ergebnis von identity politics, von dem Gendermainstreaming nur ein Zweig ist. Als die Linke ihre Ausrichtung aufs Ökonomische verlor, hat sie sich auf die Minderheitenfrage konzentriert. Dabei kam es dann zu den bekannten Features, wie sie exemplarisch Charles Taylor (den ich sonst durchaus schätze) vertreten, die "politics of recognition", die das Konzept der positiven Diskriminierung philosophisch begründet und rechtfertigt. Dadurch wird halt der weiße Mann über 40 automatisch nicht mehr diskriminierungsfähig, während immer mehr minderheitsfähige Merkmale deklamiert wurden. All das kommt natürlich aus einer Welt, in der sozioökonomische Fragen immer schon gelöst sind.

Wie kann Diskriminierung positiv sein und wie kann man sowas rechtfertigen?



Sextus Ironicus hat geschrieben:(29 Nov 2017, 18:03)Vorletzten Sonntag war ich unterwegs und habe zufällig die hier verlinkte Diskussion zwischen Thea Dorn und Georg Diez gehört. Als Georg Diez sagte: "Das macht mich jetzt aber traurig", da waren sie wieder, die Achtzigerjahre, der Einstieg in die Befindlichkeitsdiskurse, der lichterkettensanfte Erzieherinnentonfall. Wobei das ja gemessen an der grassierenden Empörung, denn die medialen Emotionsteilchenbeschleuniger heute erzeugen, fast noch lustig war.

http://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-ueber-sexuelle-belaestigung-metoo-moralischer.2162.de.html?dram:article_id=400969

Ich habe mir deinen Link durchgelesen und kann nur sagen Thea Dorn hat recht, diese ganze "MeToo-Kampagne" ist Hysterie, ist geprägt von totalitärer moralischer Ideologie. So wie der ganze Genderwahn eine totalitäre Ideologie ist.
Es geht nicht - wie behauptet wird - um die Befreiung der Frau, geht nicht um Emanzipation und Beseitigung von Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen, sondern um Macht, um die Etablierung einer totalitären Minderheitendiktatur.
Frauen werden permanent und in jeder Situation als hilflose Opfer dargestellt, die unmündig und unfähig sich selbstbestimmt eigene Entscheidungen zu treffen, denen gesagt werden muss was sie zu tun und zu lassen haben und die immer und überall beschützt werden müssen. Frauen müssen aus dem phösen Patriarchat (welches es gar nicht gibt, sondern eine Erfindung von Friedrich Engels ist) befreit werden und sie müssen beschützt werden.
Früher mussten die armen hilflosen Frauen von den Männern vor den Risiken der bösen (Außen)Welt beschützt werden und heute müssen die - immer noch - unmündigen und hilflosen Frauen vor der "Bestie" Mann seiner Sexualität und vor allem vor der Zwangsheterosexualität beschützt werden.
Und von wem werden sie beschützt - von (fast ausschließlich lesbischen) Genderfeministinnen, die ja ganz genau wissen, dass jeder Koitus eine Vergewaltigung ist und der Penis die Waffe des Mannes zur Unterwerfung der Frau.
(sinngemäß Alice Schwarzer in "der kleine Unterschied")
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Sextus Ironicus
Beiträge: 737
Registriert: Mo 13. Nov 2017, 14:04
Benutzertitel: Normativer Minimalismus
Wohnort: Südwest

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 29. Nov 2017, 19:53

Dark Angel hat geschrieben:(29 Nov 2017, 19:23)

Wie kann Diskriminierung positiv sein und wie kann man sowas rechtfertigen?



Es ist einfach ein Konzept der positiven oder qualitativen Diskriminierung auf der Basis des Gedankens, dass der Staat mit seinen Individualrechten nicht in der Lage sei, Menschen einen Zusammenschluss zu ermöglichen, der es ihnen gestattet, ihre Unterschiedlichkeit zu bewahren, ohne auf Teile davon zu verzichten. Das wiederum verträgt sich nicht mit dem von ihm als absolut gesetzten Begriff der menschlichen Würde, denn indem man jemand für einen dieser Unterschiede die Wertschätzung verweigert, greift man ihn in seiner Menschenwürde an. Daher fordert er eben die Verrechtlichung solcher Beziehungen und rechtfertigt es mit diesem positiven Diskrimierungsgebot. Und da sind wir dann bei dieser totalen Politisierung zur Verrechtlichung menschlicher Alltagsbeziehungen. Wie hat Kenneth Minogue das in "The Servile Mind" so schön ausgedrückt: "We should never doubt that nationalizing the moral life is the first step toward totalitarianism." Dem schließe ich mich vollumfänglich an :)

Taylors Aufsatz kann man übrigens im Netz finden:

http://elplandehiram.org/documentos/JoustingNYC/Politics_of_Recognition.pdf
Zuletzt geändert von Sextus Ironicus am Mi 29. Nov 2017, 19:54, insgesamt 1-mal geändert.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 13668
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 29. Nov 2017, 19:54

:D Ich hab gelesen, ein unaufgefordert zugeschickter Blumenstrauß sei auch schon sexuelle Belästigung.
Also ich bekomme sämtliche Blumensträuße unaufgefordert und freue mich jedesmal. Sehe ich die Belästigung nur nicht?
:D :dead:
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Sextus Ironicus
Beiträge: 737
Registriert: Mo 13. Nov 2017, 14:04
Benutzertitel: Normativer Minimalismus
Wohnort: Südwest

Re: Diskriminierung - wer entscheidet: Kompliment oder Unterdrückungsgeste? ... Subjektivitäts- und Beschwerdefalle?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mi 29. Nov 2017, 19:55

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Nov 2017, 19:54)

:D Ich hab gelesen, ein unaufgefordert zugeschickter Blumenstrauß sei auch schon sexuelle Belästigung.
Also ich bekomme sämtliche Blumensträuße unaufgefordert und freue mich jedesmal. Sehe ich die Belästigung nur nicht?
:D :dead:


Es ist eine Diskriminierung derjenigen, deren Strahlkraft nicht ausreicht, unaufgeforderte Bluemnsträuße zu bekommen.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
Benutzeravatar
Umetarek
Moderator
Beiträge: 14598
Registriert: Di 3. Jun 2008, 06:24
Benutzertitel: auf dem Weg zur Wüste...
Wohnort: Pfalz

?

Beitragvon Umetarek » Mi 29. Nov 2017, 22:44

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Nov 2017, 19:54)

:D Ich hab gelesen, ein unaufgefordert zugeschickter Blumenstrauß sei auch schon sexuelle Belästigung.
Also ich bekomme sämtliche Blumensträuße unaufgefordert und freue mich jedesmal. Sehe ich die Belästigung nur nicht?
:D :dead:

Naja, ich hab mal einen Geldbeutel gefunden, Geld war weg, aber Goldkarte mit Geheimnummer :rolleyes: noch drin. Den Besitzer habe ich über seinen Fitnessclub erreicht, ein fuffi wär mir jetzt lieber gewesen...

Oder wie bei dem anderen Geldbeutel, den ich leergeräumt gefunden habe (als Vermesser kommt sowas schon mal häufiger vor), die Besitzerin war Metzgerin, das Paket konnte sich sehen lassen, aber dieser halbverwelkte Blumenstrauß? Ich weiß nicht...
Mutter des Wahnsinns und Harmoniebeauftragte des Forums, sowie geprüfte Völkermörderin!

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast