Harvey Weinstein-Skandal

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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 2. Nov 2017, 15:28


Also kennst du keinen.

Ohne Empörung wäre Wendt kein Rassist wegen seiner Vorliebe für racial profiling und dergleichen, sondern die Praxis offiziell etabliert.

Die Praxis ist etabliert und ein Rassist er auch, wenn sich die allgemeinen Aufreger eher über die Ausladung aufregen als über ihn.

Politik auf Kosten sich nicht oder schlecht wehren Könnender bringt einfach billige Punkte ohne Risiko.
Die AfNPD lebt von der öffentlichen Empörung. Als NSAfD hat sie naturgemäß kein Verständnis für Schicklichkeit. Wie Harvey Weinstein.

Und wenn du dich aufregst, hören die auf?

Eben. Persönliche Integrität kann ein krasses Hindernis sein. Auch wenn Empörung oder öffentliche Thematisierung keinen Bruch mit pervertierten Leistungsansprüchen bedeutet, so hieße Schweigen Akzeptanz. Das gilt eigentlich besonders für jene, die sich solchen Ansinnen verweigern und deswegen Nachteile in Kauf nehmen.

Man kann niemanden zwingen, sich öffentlich zu positionieren und das ist auch gut so für alle.

Ob sich groß was ändert - ich weiß es nicht. Aber es trägt zur Bewusstseinsbildung bei. Und ohne das wird es keinesfalls eine Änderung geben.

Ich denke nicht, dass es so funktioniert. Gesellschaftliche Veränderungen beginnen nicht durch "Bewusstseinsbildung". Dass Juden Menschen sind und man Menschen nicht einfach so umbringen soll, wussten auch 1933-45 alle. Das hat sie nicht aufgehalten.

Was meinst du?

Ich meine, wie es dasteht: Wer den Ansatz hinterfragt, wird hingestellt als freue er sich über die Zustände.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Unité 1 » Do 2. Nov 2017, 15:50

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(02 Nov 2017, 15:28)

Also kennst du keinen.
Ist für dein Argument unerheblich. Das funktioniert ohne persönliche Bekanntschaften und redet dem Status Quo das Wort.


Die Praxis ist etabliert
Offiziell nicht. Die Kontrolle aufgrund der Hautfarbe ist verboten. Gäbe es darüber keine Empörung von Nichtbetroffenen, gäbe es das auch offiziell aus den genannten Gründen.


Und wenn du dich aufregst, hören die auf?
Ich rege mich nicht auf, die Schwachmaten verspotte ich. Ist auch viel wirkungsvoller als Empörung. Basiert aber auf der gleichen Einsicht, dass öffentliche Thematisierung als Problem notwendig ist. Gibt es keine, wenn das Thema aufkommt, dann bedeutet das Akzeptanz der Positionen. Und weil es anscheinend falsch ankam: Das bedeutet weder Zwang zur öffentlichen Äußerung noch Zustimmung von Schweigenden zum betreffenden Problem. Das betrifft öffentliche Thematisierung allgemein. Liegt doch auch auf der Hand.
Wendt so: Wir müssen Neger kontrollieren für die Sicherheit. Öffentlichkeit so: ... Politik so: Fein, damit wird es zur bewährten Praxis. Es gibt Menschen, die so denken und öffentliche Gegenstimmen sind keine zu vernehmen. Wir verärgern niemanden, aber gewinnen ein paar Pluspunkte, die wir anderswo verbraten können.

Gründe für Schweigen sind vielfältig. Ich verstehe nur nicht so ganz die Verspottung bzw. Verächtlichmachung der öffentlichen Thematisierung.

Man kann niemanden zwingen, sich öffentlich zu positionieren und das ist auch gut so für alle.
Hab auch nicht das Gegenteil behauptet.


Ich denke nicht, dass es so funktioniert. Gesellschaftliche Veränderungen beginnen nicht durch "Bewusstseinsbildung". Dass Juden Menschen sind und man Menschen nicht einfach so umbringen soll, wussten auch 1933-45 alle. Das hat sie nicht aufgehalten.

Vom falschen Ende aus gedacht. Den Nazis gelang die Etablierung des Bewusstsein, dass Juden minderwertige, falls überhaupt Menschen sind, was keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung für den Holocaust darstellte.

Ich meine, wie es dasteht: Wer den Ansatz hinterfragt, wird hingestellt als freue er sich über die Zustände.

Dieter Winter bezeichnet Schauspieler als Huren. Womit er offensichtlich die Zustände als gerechtfertigt identifiziert. Dir gegenüber habe ich mich nicht so geäußert. Dein Argument der Unwägbarkeit solcher Anschuldigungen und dass man ja auch woanders arbeiten könne ist nicht von der Hand zu weisen, begründet auch die Beibehaltung des Istzustandes. Dass der dir gefällt, glaube ich hingegen nicht.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Dieter Winter » Do 2. Nov 2017, 16:02

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 15:50)


Dieter Winter bezeichnet Schauspieler als Huren. Womit er offensichtlich die Zustände als gerechtfertigt identifiziert.


Ich sage, dass der Unterschied nicht groß ist. Beide verkaufen mit Ihrem Körper etwas, was reine Fiktion ist. Eine Wertung, gerechtfertigt oder nicht, nahm ich nicht vor. Das machst lediglich Du. Mir ist es schlicht egal.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 2. Nov 2017, 16:08

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 15:50)
Offiziell nicht. Die Kontrolle aufgrund der Hautfarbe ist verboten. Gäbe es darüber keine Empörung von Nichtbetroffenen, gäbe es das auch offiziell aus den genannten Gründen.

Es wäre immer noch illegal und im Widerspruch zu diversen internationalen Verträgen. Natürlich findet es trotzdem statt und das weiß auch jeder, ob sich nun irgendwelche Minderheiten aufkoffern oder nicht. Die meisten finden's gut so. Ich nicht, falls du das denkst.


Ich rege mich nicht auf, die Schwachmaten verspotte ich. Ist auch viel wirkungsvoller als Empörung. Basiert aber auf der gleichen Einsicht, dass öffentliche Thematisierung als Problem notwendig ist. Gibt es keine, wenn das Thema aufkommt, dann bedeutet das Akzeptanz der Positionen. Und weil es anscheinend falsch ankam: Das bedeutet weder Zwang zur öffentlichen Äußerung noch Zustimmung von Schweigenden zum betreffenden Problem. Das betrifft öffentliche Thematisierung allgemein.

Die Präzisierung ist gut. Jedoch sind das Erscheinungen an der Oberfläche. Das ist, als wolle man durch bewusste Veränderung von gebrauchten Vokabeln die dahinter liegenden Zustände ändern.

Wendt so: Wir müssen Neger kontrollieren für die Sicherheit. Öffentlichkeit so: ... Politik so: Fein, damit wird es zur bewährten Praxis.

Nein, Praxis und Alltag ist es nicht, weil die Öffentlichkeit sich jetzt nicht dafür interessiert. Das war auch vorher schon so. Wenn jetzt viele über Wendt schimpfen, ändert sich an der Praxis auch nichts.

Gründe für Schweigen sind vielfältig. Ich verstehe nur nicht so ganz die Verspottung bzw. Verächtlichmachung der öffentlichen Thematisierung.

Ich möchte nicht verspotten, dass das Thema öffentlich diskutiert wird. Ich möchte nicht einmal die Sprecherposition der Schauspielerin weiter hinterfragen. Jedoch möchte ich für eine nüchterne Erwartungshaltung bezüglich irgendwelcher Folgen werben. Deshalb zeige ich gern mal auf, warum manches zur Story wird und anderes nicht. Wer da entscheidet und warum so. Was sind die Motivationen? Was ist der absehbare Verlauf. Und da sehe ich viel professionelles Interesse. Sex, Crime, Celebrity, Bingo. Kann man gar nicht falsch liegen, darüber zu berichten, einen Meinungsartikel hinterher zu schieben, die Community und das social network damit zu betanken, ein Akkordeon mit verwandten Fällen als Baustein in alle möglichen Artikel einzubinden, ein paar O-Töne und Meinungen der üblichen Verdächtigen ranzuholen: Der Mitfühlende, der Zweifelnde, der Hinterfragende, der Experte, der Kritiker, der Moralische, die Kollegen, die has-beens, der Vergleich mit "früher". Dann noch Blick auf verwandte Berufe, zwei-drei Follow-Ups. Nächste Woche ist dann wieder toter Latino und können wir wirklich Muslime einfach so ohne Handschellen in Flugzeuge lassen? Ist Trumps Haarfarbe echt? So läuft das nun mal. Für echte Aktivisten natürlich eine große Einladung, sich erst zu täuschen und dann enttäuscht zu sein.


Hab auch nicht das Gegenteil behauptet.



Vom falschen Ende aus gedacht. Den Nazis gelang die Etablierung des Bewusstsein, dass Juden minderwertige, falls überhaupt Menschen sind, was keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung für den Holocaust darstellte.

Das müssen wir vielleicht auslagern, nur als Idee noch: Die zahlreichen Verbrämungen der realen Maßnahmen an der Ostfront, im Hinterland, in den KZ, den Ghettos und daheim in deutschen Städten sind für mich ein Indiz, dass es mit der Überzeugung nicht so weit her war.

Ich habe für mich entschieden, nicht nutzlosen Vorgehensweisen (oder was ich dafür halte) das Wort zu reden, bloß weil mir keine bessere einfällt. Gerade, wenn man die Welt gern verändern möchte, ist maximale Tätigkeit ohne absehbare Wirkung oft Gift. Das kann man ruhig für bequem oder mutlos halten, ich sehe mich leider an vielen historischen und aktuellen Beispielen bestätigt.

Ob Dieter das so meint, wie es sich liest, soll er am Besten selbst erklären. Ich persönlich sehe zwischen Unterhaltungsberufen und Prostitution doch Abgrenzungen.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Unité 1 » Do 2. Nov 2017, 16:11

Dieter Winter hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:02)

Ich sage, dass der Unterschied nicht groß ist. Beide verkaufen mit Ihrem Körper etwas, was reine Fiktion ist.

Nein, eine Prostituierte verkauft Sex als Dienstleistung - sie vermietet ihren Körper, er bleibt aber ihr Eigentum. Eine Schauspielerin verkörpert eine Rolle. Ihr Körper ist dabei nur von untergeordneter Bedeutung und Sex ist in der Regel dabei außen vor. Durch die Gleichsetzung, beide verkauften ihren Körper,
Eine Wertung, gerechtfertigt oder nicht, nahm ich nicht vor. Das machst lediglich Du. Mir ist es schlicht egal.

unterstellst ein gleiches Anforderungs- und Motivationsprofil. Ob dir Nutten schnuppe sind oder nicht, ist dafür unerheblich. Deine Einlassung rechtfertigt Weinsteins Handeln, denn er konnte ja nur davon ausgehen, es mit Nutten zu tun gehabt zu haben.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Dieter Winter » Do 2. Nov 2017, 16:37

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:11)

Nein, eine Prostituierte verkauft Sex als Dienstleistung - sie vermietet ihren Körper, er bleibt aber ihr Eigentum. Eine Schauspielerin verkörpert eine Rolle.


Eine Nutte auch...

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:11)
Ihr Körper ist dabei nur von untergeordneter Bedeutung


So ein Schmarrn. Wäre dem so, bräuchte man keine Filme sondern wäre bei den Hörspielen geblieben.

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:11)
und Sex ist in der Regel dabei außen vor.


Ich rede von Hollywood und nicht von Dokus über Geologie. Wenn bei den Hollywoodproduktionen Sex außen vor ist, dann ist Pamela Anderson Jungfrau...

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:11)
Durch die Gleichsetzung, beide verkauften ihren Körper,
unterstellst ein gleiches Anforderungs- und Motivationsprofil.


Natürlich. Beide wollen Kohle ohne besonders viel dafür zu leisten.

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:11)
Ob dir Nutten schnuppe sind oder nicht, ist dafür unerheblich. Deine Einlassung rechtfertigt Weinsteins Handeln, denn er konnte ja nur davon ausgehen, es mit Nutten zu tun gehabt zu haben.


Das wird wohl auch seiner Erfahrung mit den Filmsternchen geschuldet sein.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Unité 1 » Do 2. Nov 2017, 16:53

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(02 Nov 2017, 16:08)

Es wäre immer noch illegal und im Widerspruch zu diversen internationalen Verträgen. Natürlich findet es trotzdem statt und das weiß auch jeder, ob sich nun irgendwelche Minderheiten aufkoffern oder nicht. Die meisten finden's gut so. Ich nicht, falls du das denkst.
Welche Verträge meinst du? Soweit ich weiß, wird es offiziell in vielen Ländern geächtet (auch wenn es trotzdem traurige Alltäglichkeit ist), von Verträgen ist mir nichs bekannt. Oder meinst du AEMR und co?
Gesetze lassen sich ändern, auch solche, die als selbstverständlich galten, wenn die Aufassungen über die zugrunde liegendenden Werte sich ändern. Wenn sich niemand ernsthaft öffentlich dagegen positioniert, sehe ich die Gefahr der Legitimierung solcher nach Anerkennung strebenden Forderungen etwa durch im rechten Spektrum vertretenen Parteien qua Gesetzgebung. Die Einsicht in die Gleichwertigkeit von Menschen ist leider anscheinend nicht sehr tief verankert. Empörung macht zumindest deutlich, dass es sich um einen (antizipierten) Tabubruch handelt und nicht nur um unterschiedliche Auffassungen zu racial profiling handelt. Wobei Empörung natürlich kein Allheilmittel ist und auch schnell das Gegenteil bewirken kann. Der Nachteil der Affekte - sie können ins Lächerliche umschlagen.



Die Präzisierung ist gut. Jedoch sind das Erscheinungen an der Oberfläche. Das ist, als wolle man durch bewusste Veränderung von gebrauchten Vokabeln die dahinter liegenden Zustände ändern.
Die Veränderung von Alltagssprache löst alleine nichts und kann maximal ein Problemfeld aufhellen.
Mir geht es nicht um die Artikulation, sondern um die Öffentlichkeit. Das ist geprägt von meiner Beobachtung des sich weit nach rechts verschiebenden Diskurses. Allein die Frage, ob racial profiling angemessen sei, verdient schon Verachtung. Dass sie zumindest hörbar diskutiert wird, zeugt von einer Werteverschiebung. Deswegen denke ich, dass dem öffentlich entgegnet werden muss. Wie der Methode Weinstein. Allerdings hast du nicht ganz Unrecht - zumindest lese ich das aus deinem Beitrag raus -, es hat etwas ohnmächtiges und beruht stark auf Einsichtsfähigkeit von Menschen, die den Mangel schon des Öfteren offenbart haben. *seufz*


Nein, Praxis und Alltag ist es nicht, weil die Öffentlichkeit sich jetzt nicht dafür interessiert. Das war auch vorher schon so. Wenn jetzt viele über Wendt schimpfen, ändert sich an der Praxis auch nichts.
Tschuldigung, war nachlässig formuliert. Ich meinte legitimiert statt bewährt. Das ändert für die Praxis selbst nichts, aber für weitergehende Forderungen, die auf dem gleichen Wertgerüst (der Ungleichwertigkeit) beruhen.
Ich möchte nicht verspotten, dass das Thema öffentlich diskutiert wird. Ich möchte nicht einmal die Sprecherposition der Schauspielerin weiter hinterfragen. Jedoch möchte ich für eine nüchterne Erwartungshaltung bezüglich irgendwelcher Folgen werben. Deshalb zeige ich gern mal auf, warum manches zur Story wird und anderes nicht. Wer da entscheidet und warum so. Was sind die Motivationen? Was ist der absehbare Verlauf. Und da sehe ich viel professionelles Interesse. Sex, Crime, Celebrity, Bingo. Kann man gar nicht falsch liegen, darüber zu berichten, einen Meinungsartikel hinterher zu schieben, die Community und das social network damit zu betanken, ein Akkordeon mit verwandten Fällen als Baustein in alle möglichen Artikel einzubinden, ein paar O-Töne und Meinungen der üblichen Verdächtigen ranzuholen: Der Mitfühlende, der Zweifelnde, der Hinterfragende, der Experte, der Kritiker, der Moralische, die Kollegen, die has-beens, der Vergleich mit "früher". Dann noch Blick auf verwandte Berufe, zwei-drei Follow-Ups. Nächste Woche ist dann wieder toter Latino und können wir wirklich Muslime einfach so ohne Handschellen in Flugzeuge lassen? Ist Trumps Haarfarbe echt? So läuft das nun mal. Für echte Aktivisten natürlich eine große Einladung, sich erst zu täuschen und dann enttäuscht zu sein.
Ja, es ist eine beschissene Dynamik. Öffentlichkeit spielt sich aber auch subtiler ab und ist nicht nur am Newstrend abzulesen. Um mal eine ganz schiefe Analogie zu bemühen: Hätte die RAF auch ohne wahrgenommene öffentliche Unterstützung bzw. Werteähnlichkeit sich gegründet und den Kampf aufgenommen? Über die Methoden brauchen wir nicht zu diskutieren, die waren falsch.


Das müssen wir vielleicht auslagern, nur als Idee noch: Die zahlreichen Verbrämungen der realen Maßnahmen an der Ostfront, im Hinterland, in den KZ, den Ghettos und daheim in deutschen Städten sind für mich ein Indiz, dass es mit der Überzeugung nicht so weit her war.
Meinst du, Mord um Raubzüge zu decken?

Ich habe für mich entschieden, nicht nutzlosen Vorgehensweisen (oder was ich dafür halte) das Wort zu reden, bloß weil mir keine bessere einfällt. Gerade, wenn man die Welt gern verändern möchte, ist maximale Tätigkeit ohne absehbare Wirkung oft Gift. Das kann man ruhig für bequem oder mutlos halten, ich sehe mich leider an vielen historischen und aktuellen Beispielen bestätigt.
Das ist bedenkenswert. Wann hat man sich mit Zuständen arrangiert, wann schweigt man aus Weisheit? Was ist sinnloser, gar schädlicher Aktionismus, was notwendig? Gerade öffentliche Empörung ist da sehr zwiespältig mMn. Sie kann Nutzen haben, aber auch ins Gegenteil umschlagen und ein tatsächliches Problem als banal erscheinen lassen.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Misterfritz » Do 2. Nov 2017, 22:12

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 13:09)

Nicht? Wenn es schon immer so gewesen sei, dann wurde es doch allerhöchste Zeit, das öffentlich anzuprangern. Schlimm genug, dass die Übergriffigkeiten zur Normalität gehören, kann das kein Grund zum Schweigen sein.

Was für ein Bullshit. Wer Schauspielerin werden möchte, aber ohne sexuelle Gefälligkeiten keine Rolle bekommt, ist offensichtlich dazu gezwungen. Klar, statt Schauspielerin geht auch immer Metzgerin. Wer also nicht Fleischreste in Därme drücken will, gibt sich freiwillig den Weinsteins hin. Was für ein erbärmliches Schauspiel hier.
Es ist erbärmlich,
allerdings wird sich durch diese "Skandale" NICHTS ändern. Die Empörung schwappt hoch, ein paar Männer werden ihren Job verlieren. Dann beruhigt sich alles wieder und es geht so weiter wie immer. Und das ist das eigentlich erschreckende - es ändert sich nichts.
Diese Weinstein-Sache ist doch nicht die erste, die die Gemüter - kurzfristig - in Wallung bringt
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Provokateur » Do 2. Nov 2017, 23:42

Misterfritz hat geschrieben:(02 Nov 2017, 22:12)

Es ist erbärmlich,
allerdings wird sich durch diese "Skandale" NICHTS ändern. Die Empörung schwappt hoch, ein paar Männer werden ihren Job verlieren. Dann beruhigt sich alles wieder und es geht so weiter wie immer. Und das ist das eigentlich erschreckende - es ändert sich nichts.
Diese Weinstein-Sache ist doch nicht die erste, die die Gemüter - kurzfristig - in Wallung bringt


Darüber, dass Woody Allen eine sexuelle Beziehung mit seiner Adoptivtochter angefangen und diese dann auch geheiratet hat, redet heute ja auch keiner mehr.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Fr 3. Nov 2017, 00:34

Provokateur hat geschrieben:(02 Nov 2017, 23:42)

Darüber, dass Woody Allen eine sexuelle Beziehung mit seiner Adoptivtochter angefangen und diese dann auch geheiratet hat, redet heute ja auch keiner mehr.
sorry, ich widerspreche dir ungern, aber was allen getan hat, ist in weiten kreisen der geschäftsleute ein absolutes no-go. woody allen wurde dadurch gebrannt markt als perverser und als unzuverlässig. das hat ihm schwer geschadet. nur alte seilschaften haben ihm letztendlich geschäftlich am leben erhalten und da fragt man sich auch wieso...-
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Mahmoud » Fr 3. Nov 2017, 08:48

Natürlich ist diese Aufregung gekünstelt und verlogen.
Wenn ich mit einem Regisseur ins Bett steige, um eine Rolle zu bekommen, und mich Jahre später darüber beschwere...was sollte das sonst sein? Ich wusste doch damals, was Ich tat. Ausserdem wäre es mal interessant zu wissen, wieviele Frauen von sich aus dem Regisseur ein "entsprechendes" Angebot unterbreitet haben. Wird man natürlich nie herausfinden. Und einem Regisseur, der Selbiges behaupten würde, würde man nicht glauben, weil der politisch korrekte Zeitgeist nunmal gegen Ihn ist.
Sophia Thomalla finde ich übrigens gut. Weil sie mit Ihrer Aktion ( http://www.brigitte.de/aktuell/stars-tv ... 74060.html ) dieser gekünstelten Empörung einen Spiegel vorhält. Das die Presse daraus eine "Verhöhnung der Opfer" macht, war abzusehen. Das wirkt doch gleich so wunderbar mitfühlend und moralisch überlegen und betroffen.... :cool:
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Provokateur » Fr 3. Nov 2017, 09:00

Mahmoud hat geschrieben:(03 Nov 2017, 08:48)

Natürlich ist diese Aufregung gekünstelt und verlogen.
Wenn ich mit einem Regisseur ins Bett steige, um eine Rolle zu bekommen, und mich Jahre später darüber beschwere...was sollte das sonst sein? Ich wusste doch damals, was Ich tat. Ausserdem wäre es mal interessant zu wissen, wieviele Frauen von sich aus dem Regisseur ein "entsprechendes" Angebot unterbreitet haben. Wird man natürlich nie herausfinden. Und einem Regisseur, der Selbiges behaupten würde, würde man nicht glauben, weil der politisch korrekte Zeitgeist nunmal gegen Ihn ist.


Weinstein war aber nie Regisseur, sondern immer Chef einer Produktionsfirma.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Dieter Winter » Fr 3. Nov 2017, 09:01

Mahmoud hat geschrieben:(03 Nov 2017, 08:48)

Ausserdem wäre es mal interessant zu wissen, wieviele Frauen von sich aus dem Regisseur ein "entsprechendes" Angebot unterbreitet haben.


Ich schätze mal, dass es in 90% der Fälle so rum läuft. Und es betrifft ganz sicher nicht nur Frauen.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Dieter Winter » Fr 3. Nov 2017, 09:02

Provokateur hat geschrieben:(03 Nov 2017, 09:00)

Weinstein war aber nie Regisseur, sondern immer Chef einer Produktionsfirma.


Producer haben bei der Besetzung ggf. schon auch ein Wörtchen mitzureden. Es ist klar, worauf Mahmoud hinaus will, oder?
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon relativ » Fr 3. Nov 2017, 09:03

Provokateur hat geschrieben:(02 Nov 2017, 23:42)

Darüber, dass Woody Allen eine sexuelle Beziehung mit seiner Adoptivtochter angefangen und diese dann auch geheiratet hat, redet heute ja auch keiner mehr.

Dafür ist der Woody Allen aber Gesellschaflich gebrandmarkt und das trifft diese Herren dann doch. Evt. noch mehr als eine Strafe selber.
Ausserdem gibt es eben auch starke Unterschiede zwischen sexueller Belästigung und einer verbotenen/geächteten sexuellen Beziehung.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Provokateur » Fr 3. Nov 2017, 09:04

Dieter Winter hat geschrieben:(03 Nov 2017, 09:02)

Producer haben bei der Besetzung ggf. schon auch ein Wörtchen mitzureden. Es ist klar, worauf Mahmoud hinaus will, oder?


Es ist dennoch falsch, den Eindruck zu erwecken, Weinstein sei ein Regisseur gewesen. Mit der Meinung des Diskutanten kann ich leben.
Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Mahmoud » Fr 3. Nov 2017, 09:08

Provokateur hat geschrieben:(03 Nov 2017, 09:04)

Es ist dennoch falsch, den Eindruck zu erwecken, Weinstein sei ein Regisseur gewesen.


Wer hat das eigentlich behauptet? :cool:
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon relativ » Fr 3. Nov 2017, 09:08

Mahmoud hat geschrieben:(03 Nov 2017, 08:48)

Natürlich ist diese Aufregung gekünstelt und verlogen.
Wenn ich mit einem Regisseur ins Bett steige, um eine Rolle zu bekommen, und mich Jahre später darüber beschwere...was sollte das sonst sein? Ich wusste doch damals, was Ich tat. Ausserdem wäre es mal interessant zu wissen, wieviele Frauen von sich aus dem Regisseur ein "entsprechendes" Angebot unterbreitet haben. Wird man natürlich nie herausfinden. Und einem Regisseur, der Selbiges behaupten würde, würde man nicht glauben, weil der politisch korrekte Zeitgeist nunmal gegen Ihn ist.
Sophia Thomalla finde ich übrigens gut. Weil sie mit Ihrer Aktion ( http://www.brigitte.de/aktuell/stars-tv ... 74060.html ) dieser gekünstelten Empörung einen Spiegel vorhält. Das die Presse daraus eine "Verhöhnung der Opfer" macht, war abzusehen. Das wirkt doch gleich so wunderbar mitfühlend und moralisch überlegen und betroffen.... :cool:

Sorry aber wer freiwilligkeit mit erzwungen gleichsetzt, hat einen an der Schüssel , aber nicht zu knapp.
Die Kritik an Frauen die sich so einen Risiko bewusst aussetzen, weil sie unbedingt Karriere machen wollen ist eine Sache, aber den geilen Böcken deswegen einen Persilschein auszustellen, geht nun mal gar nicht.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Dieter Winter » Fr 3. Nov 2017, 09:13

relativ hat geschrieben:(03 Nov 2017, 09:08)

Sorry aber wer freiwilligkeit mit erzwungen gleichsetzt, hat einen an der Schüssel , aber nicht zu knapp.
Die Kritik an Frauen die sich so einen Risiko bewusst aussetzen, weil sie unbedingt Karriere machen wollen ist eine Sache, aber den geilen Böcken deswegen einen Persilschein auszustellen, geht nun mal gar nicht.


Es geht ja nicht um einen Persilschein, sondern um die geheuchelte Empörung. Schauspieler lügen notorisch - das ist nun mal ihr Job.
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Re: Harvey Weinstein-Skandal

Beitragvon Mahmoud » Fr 3. Nov 2017, 09:25

Unité 1 hat geschrieben:(02 Nov 2017, 13:09)

Nicht? Wenn es schon immer so gewesen sei, dann wurde es doch allerhöchste Zeit, das öffentlich anzuprangern. Schlimm genug, dass die Übergriffigkeiten zur Normalität gehören, kann das kein Grund zum Schweigen sein.

Was für ein Bullshit. Wer Schauspielerin werden möchte, aber ohne sexuelle Gefälligkeiten keine Rolle bekommt, ist offensichtlich dazu gezwungen. Klar, statt Schauspielerin geht auch immer Metzgerin. Wer also nicht Fleischreste in Därme drücken will, gibt sich freiwillig den Weinsteins hin. Was für ein erbärmliches Schauspiel hier.


Wer keine Fleischreste in "Därme drücken will" muss das nicht. Er oder Sie kann auch Einzelhandelskaufmann, Kindergärtner, Soldatin, Ärztin oder Anwalt werden. Möglichkeiten gibt es Viele. Wer sich aber einen besonders attraktiven Beruf auswählt, muss damit rechnen, daß die Konkurrenz groß ist. Und daß man evtl. gezwungen sein wird, diese Konkurrenz auszuschalten. Alles Andere ist naives Gutmenschen-Gequatsche....
Political correctness: Nein, Danke. Ich bevorzuge die Wahrheit!

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