Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

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Orwellhatterecht
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Orwellhatterecht » Mo 9. Okt 2017, 13:41

Billie Holiday hat geschrieben:(05 Oct 2017, 11:16)

Meinst Du, Magersucht wird außerhalb der Modebranche honoriert? :?:




Ich hatte mal eine Freundin, die magersüchtig war. Zunächst gefiel mir natürlich ihr geradezu püppchenhaftes Aussehen, allerdings kam ich bald dahinter, dass irgendwas nicht mit ihr stimmte, das Thema Magersucht stand damals noch nicht auf der Agenda.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 9. Okt 2017, 20:36

Orwellhatterecht hat geschrieben:(09 Oct 2017, 14:41)

Ich hatte mal eine Freundin, die magersüchtig war. Zunächst gefiel mir natürlich ihr geradezu püppchenhaftes Aussehen, allerdings kam ich bald dahinter, dass irgendwas nicht mit ihr stimmte, das Thema Magersucht stand damals noch nicht auf der Agenda.

Jeder hat seinen eigenen Geschmack.
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schokoschendrezki
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon schokoschendrezki » Di 10. Okt 2017, 09:12

Selina hat geschrieben:(06 Oct 2017, 13:26)

Nicht uninteressant deine Betrachtungsweise. Und ja, die gesellschaftliche Komponente im Suchtgeschehen interessiert mich besonders, schon weil ich glaube, dass die Sucht ganz und gar nicht nur ein individuelles, von den Umständen/Verhältnissen abgekoppeltes Geschehen ist, aber oft so betrachtet wird. Und ich hätte sogar auch Beispiele für suchtverstärkende Momente aus der Nachwendezeit. Denn neben denjenigen, die du beschreibst, gab es auch die Verlierer, die realen oder die, die so bezeichnet wurden bzw. sich selbst so sahen. Unter diesen Menschen gab es damals ein rasant ansteigendes Suchtverhalten.

Ich denke mal, das eine ist die andere Seite des anderen. Sich als "Verlierer" fühlen kann man nur, wenn es Menschen gibt, die sich als "Gewinner" sehen. Und umgekehrt.

Dennoch: Laut einer IBM-Studie von 1995 blickten 95 Prozent der westdeutschen und 85 Prozent der ostdeutschen Jugendlichen optimistisch in die eigene Zukunft und gleichzeitig überwiegend pessimistisch in die Zukunft der Welt und der Geselllschaft. Beschreibt beides zusammengenommen nicht irgendwie ziemlich genau diese Zockermentalität der "Volksaktionäre". Und der Absturz in Form der Finanzkrisen kam ja dann auch.

Das hat jetzt allerdings wahrscheinlich wenig mit dem hier thematisierten aktuellen Anstieg der Verhaltenssüchte zu tun.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 10. Okt 2017, 09:20

Alpha Centauri hat geschrieben:(29 Sep 2017, 13:12)

Hi, laut einigen Hirnforschern sind in unserer modernen Gesellschaft auch zunehmend stoffungebunde Süchte als Verhaltenssüchte weit verbreitet.

Bei den Männern vor allem.die Spiel- und Pornofilm Sucht.

Bei Frauen vor allem die Social Media- und Kauf Sucht

Sport und Internet Sucht sind an nährend geschlechtlich gleich verteilt.

Was sagt dieser Befund eigentlich über unserer heutige Gesellschaft aus?


Immerhin ist die Nikotinsucht auf dem Rückmarsch. Immerhin etwas. Manche Dinge sind auch dem Zeitgeist geschuldet.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Selina » Di 10. Okt 2017, 10:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Oct 2017, 10:12)

Ich denke mal, das eine ist die andere Seite des anderen. Sich als "Verlierer" fühlen kann man nur, wenn es Menschen gibt, die sich als "Gewinner" sehen. Und umgekehrt.

Dennoch: Laut einer IBM-Studie von 1995 blickten 95 Prozent der westdeutschen und 85 Prozent der ostdeutschen Jugendlichen optimistisch in die eigene Zukunft und gleichzeitig überwiegend pessimistisch in die Zukunft der Welt und der Geselllschaft. Beschreibt beides zusammengenommen nicht irgendwie ziemlich genau diese Zockermentalität der "Volksaktionäre". Und der Absturz in Form der Finanzkrisen kam ja dann auch.

Das hat jetzt allerdings wahrscheinlich wenig mit dem hier thematisierten aktuellen Anstieg der Verhaltenssüchte zu tun.


Da sehe ich hier genauso, wie ich es im Gender-Thread auch sehe: Nichts, was mit dem Verhalten des Menschen zu tun hat (auch Süchte), sollte losgelöst von den jeweiligen Verhältnissen betrachtet werden, in denen sich der Mensch befindet. Und da ist es völlig egal, ob es sich um stoffliche oder Verhaltenssüchte handelt. Jegliche menschliche Erscheinung immer nur aus sich selbst heraus, losgelöst von den Umständen und Verhältnissen, in denen Menschen agieren, zu betrachten, ist einseitig und ebenfalls biologistisch (was ich dir natürlich keinesfalls unterstelle). Daher hat dieser soziale Aspekt auch durchaus etwas mit dem hier thematisierten Anstieg der Verhaltenssüchte zu tun. In den diversen Suchttherapien ist dieser Punkt allerdings genauso umstritten, wie er das hier auch ist. Da gibt es soziale Ansätze zu Verhaltensänderung ebenso wie solche, die nur auf das betroffene Individuum selbst bezogen sind, ohne Einbeziehung der Außenfaktoren. Übrigens: Erstere soziale Variante (Kopplung von Gruppen- und Einzeltherapie, alltagsnahe therapeutische Behandlung, Einbeziehung von Kollegen und Familienangehörigen des Süchtigen) hat eine niedrigere Rückfallquote zur Folge.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Orwellhatterecht » Mi 11. Okt 2017, 06:57

Alter Stubentiger hat geschrieben:(10 Oct 2017, 10:20)

Immerhin ist die Nikotinsucht auf dem Rückmarsch. Immerhin etwas. Manche Dinge sind auch dem Zeitgeist geschuldet.




Vorsicht, es ist aber bekannt, dass Süchte gerne verlagert werden, denn das dahinter stehende Verhalten ist stets identisch. Gar mancher ist (zu Recht) stolz darauf, sich beispielsweise das Rauchen abgewöhnt zu haben, die zunehmende Körperfülle sieht er und andere natürlich im Zusammenhang mit der Einstellung des Rauchens. Erst viel später kommt er darauf, dass er den fehlenden "Schnuller" (Zigarette) nunmehr durch vermehrten Konsum z.B. von Süßigkeiten ausgleicht oder einfach allgemein dazu übergeht. fortan riesige Mengen zu essen.

Sein Suchtverhalten ist geblieben, anstatt Nikotin süchtig zu geniessen, wird es auf andere Süchte verlagert, wahrhaft ein Teufelskreis, den zu durchbrechen und aufzulösen, sehr viel Aufmerksamkeit, Einsicht und Geduld erforderlich ist !
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 11. Okt 2017, 08:31

Selina hat geschrieben:(10 Oct 2017, 11:55)

Da sehe ich hier genauso, wie ich es im Gender-Thread auch sehe: Nichts, was mit dem Verhalten des Menschen zu tun hat (auch Süchte), sollte losgelöst von den jeweiligen Verhältnissen betrachtet werden, in denen sich der Mensch befindet. Und da ist es völlig egal, ob es sich um stoffliche oder Verhaltenssüchte handelt. Jegliche menschliche Erscheinung immer nur aus sich selbst heraus, losgelöst von den Umständen und Verhältnissen, in denen Menschen agieren, zu betrachten, ist einseitig und ebenfalls biologistisch (was ich dir natürlich keinesfalls unterstelle). Daher hat dieser soziale Aspekt auch durchaus etwas mit dem hier thematisierten Anstieg der Verhaltenssüchte zu tun. In den diversen Suchttherapien ist dieser Punkt allerdings genauso umstritten, wie er das hier auch ist. Da gibt es soziale Ansätze zu Verhaltensänderung ebenso wie solche, die nur auf das betroffene Individuum selbst bezogen sind, ohne Einbeziehung der Außenfaktoren. Übrigens: Erstere soziale Variante (Kopplung von Gruppen- und Einzeltherapie, alltagsnahe therapeutische Behandlung, Einbeziehung von Kollegen und Familienangehörigen des Süchtigen) hat eine niedrigere Rückfallquote zur Folge.


Ich meinte mit dem letzten Satz, dass das wenig mit dem aktuellen Thema zu tun habe, auch nicht, dass die soziologische Situation keinen Einfluss habe, sondern dass diese Situation Mitte der 90er doch schon eine andere ist als heute, Mitte der 10er. Also nach den großen Finanzkrisen (Ich hab' jemanden im Bekanntenkreis, der zu mindestens einem Dutzend von Leuten gehört, die durch Spekulationen einer Einzelperson im Zuge der Lehmann-Pleite in eine wirklich existenzbedrohende Situation kam). Nach den Umwälzungen im Bereich Digitaltechnik/Kommunikation/Netzwerke. Nach den politischen Umbrüchen in der Welt samt ihren Folgen usw. usf. Es ist vermutlich ziemlich schwierig und komplex, diesen festgestellten aktuellen Anstieg von Verhaltenssüchten (gegenüber stofflichen Süchten) mit den gesellschaftlichen, politischen und nicht zuletzt auch technologischen Umbrüchen in Beziehung zu setzen. Aber nichtsdestotrotz ungemein interessant.

Genauso wie auch andere soziologische und sozusagen "psychosoziale" Veränderungen. Herausragend und vor allem in Deutschland beobachtbar: Ein enormer Anstieg der Bedeutung von "Sicherheit" (in allen möglichen Varianten) vor sonstigen persönlichen Zielen wie Wohlstand, Ansehen, Glück usw. Sicherheit hat alleralleroberste Priorität. Der Teil der Wirtschaft, der sich (in Form von technischen Produkten oder auch in Form von Dienstleistungen) "Sicherheit" anbietet, verzeichnet exorbitante Zuwächse. Das Paradoxe daran ist (erstens): Niemals zuvor war das Leben in Deutschland so sicher wie heute. Wenn man objektiv herangeht, Statistiken anstelle "gefühlter Unsicherheit" und medialer Panikmache beachtet und vor allem das Gesamtspektrum betrachtet. Noch paradoxer ist die Tatsache, dass man zunehmend bereit ist und befürwortet, dass "Freiheit" zugunsten von "Sicherheit" einzuschränken ist. Als etwas überspitztes Beispiel: Massen von Autofahrern hören im Autoradio (oder meinetwegen auch im Car-HiFi-Entertainment-System), dass Bahnhöfe umfassend mit Videokameras ausgestattet werden sollen und denkt sich: "o.k. es muss überwacht werden und dafür ist Freiheitsbeschränkung durch Anonymitätsverlust eben hinzunehmen), ohne daran zu denken, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er in ebenjenem Moment, wo er das hört, durch einen Unfall stirbt zig mal höher ist als auf einem Bahnhof von einem Terroranschlag betroffen zu sein. Und dass er eben gerade durch persönliche Freiheit (zum Beispiel die der Wahl, andere Verkehrssysteme zu nutzen) zu einer höheren Sicherheit gelangen kann.

Ich würde für beides, also den Anstieg von Verhaltenssüchten wie auch dem Anstieg von Sicherheitsbedürfnis folgende These aufstellen: Ursache (oder wenigstens wichtige Mit-Ursache) ist das diffuse Gefühl des Wegbruchs von Lebenssinngebungen. Verhaltenssüchte dienen der Überdeckung oder der vermeintlichen Ersatz-Sinngebung und Sicherheit der Kompensation dieses diffusen Gefühls. Früher ergaben sich diese Sinngebungen einfach aus vorgefundenen und quasi kaum abweisbaren sozialen Gegebenheiten und den sich daraus ergebenden vorgezeichneten Biographien. Ein großer Teil der Menschen heute kommt mit dieser zunehmenden Wahlfreiheit nicht klar. Sie werden vor die Aufgabe gestellt, zunehmend selbst ihre Biographie zu bestimmen und kapitulieren davor.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Bielefeld09 » Do 26. Okt 2017, 20:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Oct 2017, 09:31)

Ich meinte mit dem letzten Satz, dass das wenig mit dem aktuellen Thema zu tun habe, auch nicht, dass die soziologische Situation keinen Einfluss habe, sondern dass diese Situation Mitte der 90er doch schon eine andere ist als heute, Mitte der 10er. Also nach den großen Finanzkrisen (Ich hab' jemanden im Bekanntenkreis, der zu mindestens einem Dutzend von Leuten gehört, die durch Spekulationen einer Einzelperson im Zuge der Lehmann-Pleite in eine wirklich existenzbedrohende Situation kam). Nach den Umwälzungen im Bereich Digitaltechnik/Kommunikation/Netzwerke. Nach den politischen Umbrüchen in der Welt samt ihren Folgen usw. usf. Es ist vermutlich ziemlich schwierig und komplex, diesen festgestellten aktuellen Anstieg von Verhaltenssüchten (gegenüber stofflichen Süchten) mit den gesellschaftlichen, politischen und nicht zuletzt auch technologischen Umbrüchen in Beziehung zu setzen. Aber nichtsdestotrotz ungemein interessant.

Genauso wie auch andere soziologische und sozusagen "psychosoziale" Veränderungen. Herausragend und vor allem in Deutschland beobachtbar: Ein enormer Anstieg der Bedeutung von "Sicherheit" (in allen möglichen Varianten) vor sonstigen persönlichen Zielen wie Wohlstand, Ansehen, Glück usw. Sicherheit hat alleralleroberste Priorität. Der Teil der Wirtschaft, der sich (in Form von technischen Produkten oder auch in Form von Dienstleistungen) "Sicherheit" anbietet, verzeichnet exorbitante Zuwächse. Das Paradoxe daran ist (erstens): Niemals zuvor war das Leben in Deutschland so sicher wie heute. Wenn man objektiv herangeht, Statistiken anstelle "gefühlter Unsicherheit" und medialer Panikmache beachtet und vor allem das Gesamtspektrum betrachtet. Noch paradoxer ist die Tatsache, dass man zunehmend bereit ist und befürwortet, dass "Freiheit" zugunsten von "Sicherheit" einzuschränken ist. Als etwas überspitztes Beispiel: Massen von Autofahrern hören im Autoradio (oder meinetwegen auch im Car-HiFi-Entertainment-System), dass Bahnhöfe umfassend mit Videokameras ausgestattet werden sollen und denkt sich: "o.k. es muss überwacht werden und dafür ist Freiheitsbeschränkung durch Anonymitätsverlust eben hinzunehmen), ohne daran zu denken, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er in ebenjenem Moment, wo er das hört, durch einen Unfall stirbt zig mal höher ist als auf einem Bahnhof von einem Terroranschlag betroffen zu sein. Und dass er eben gerade durch persönliche Freiheit (zum Beispiel die der Wahl, andere Verkehrssysteme zu nutzen) zu einer höheren Sicherheit gelangen kann.

Ich würde für beides, also den Anstieg von Verhaltenssüchten wie auch dem Anstieg von Sicherheitsbedürfnis folgende These aufstellen: Ursache (oder wenigstens wichtige Mit-Ursache) ist das diffuse Gefühl des Wegbruchs von Lebenssinngebungen. Verhaltenssüchte dienen der Überdeckung oder der vermeintlichen Ersatz-Sinngebung und Sicherheit der Kompensation dieses diffusen Gefühls. Früher ergaben sich diese Sinngebungen einfach aus vorgefundenen und quasi kaum abweisbaren sozialen Gegebenheiten und den sich daraus ergebenden vorgezeichneten Biographien. Ein großer Teil der Menschen heute kommt mit dieser zunehmenden Wahlfreiheit nicht klar. Sie werden vor die Aufgabe gestellt, zunehmend selbst ihre Biographie zu bestimmen und kapitulieren davor.

Darf ich mit deinen Thesen öffentlich arbeiten?
Wir haben nämlich ein Riesenproblem mit Drogen.
Alle sehen es,
aber nur wenige haben antworten.
Du bist einer davon.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 28. Okt 2017, 23:42

Bielefeld09 hat geschrieben:(26 Oct 2017, 21:57)

Darf ich mit deinen Thesen öffentlich arbeiten?
Wir haben nämlich ein Riesenproblem mit Drogen.
Alle sehen es,
aber nur wenige haben antworten.
Du bist einer davon.

Nun ja. Der Threadersteller hat ja gar nicht danach gefragt, wie mit Drogenabhängigkeit umzugehen ist. Sondern danach, warum - wenn es denn stimmt - Verhaltenssüchte gegenüber Drogenproblemen zunehmen. Im Verhältnis wohlgemerkt. Und ebenfalls wohlgemerkt: Im Verhältnis der Zunahmeraten und nicht im Verhältnis der Relevanz. Wenn diese Verhaltenssüchte schneller zunehmen als Drogensüchte, können Drogensüchte immer noch wachsend und an sich ein Problem sein. Das wird gar nicht bestritten.
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Teeernte » So 29. Okt 2017, 10:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Oct 2017, 09:31)

Ich würde für beides, also den Anstieg von Verhaltenssüchten wie auch dem Anstieg von Sicherheitsbedürfnis folgende These aufstellen: Ursache (oder wenigstens wichtige Mit-Ursache) ist das diffuse Gefühl des Wegbruchs von Lebenssinngebungen. Verhaltenssüchte dienen der Überdeckung oder der vermeintlichen Ersatz-Sinngebung und Sicherheit der Kompensation dieses diffusen Gefühls. Früher ergaben sich diese Sinngebungen einfach aus vorgefundenen und quasi kaum abweisbaren sozialen Gegebenheiten und den sich daraus ergebenden vorgezeichneten Biographien. Ein großer Teil der Menschen heute kommt mit dieser zunehmenden Wahlfreiheit nicht klar. Sie werden vor die Aufgabe gestellt, zunehmend selbst ihre Biographie zu bestimmen und kapitulieren davor.


Fakten, Fakten..Fakten.

Vor 150 Jahren haben die meisten körperlich gearbeitet - in grossen Gemeinschaften. In Ermangelung von sauberem Wasser wurde Bier und von den Arbeitsstellen Malzkaffe gestellt. Die "Leute" hatten geringen Besitz ... geackert wurde für Kaiser, Volk und Vaterland. Statt dem "Irrenarzt" gab es Tipps durch die Arbeits- und Saufgemeinschaften.... Ältere Arbeiter haben Erfahrung und die Aufsicht über die Arbeitsrotten - Arbeit wird nach Können und langjähriger Leistung vergeben.Es wird - innerhalb gewisser Grenzen - gegenseitig Rücksicht genommen (Krankheiten/Persönliche Umstände....Krankschreibung gab es nur selten)


Nun haben wir mehr "geistige" Arbeit - Ellenbogengesellschaft - , man erzählt "SICH" auf Arbeit keine kompromittierende Dinge mehr, um "MIT zu halten" müssen einige zum Psychologen/Psychiater/Gesprächskreis/Selbsthilfegruppe - manche nehmen Drogen ....andere haben das "RENNEN" aufgegeben.


Die GUTEN Jobs (mehr Geld) wird denen gegeben - die IMMER belastbar sind - vermeintlich Schwache werden aussortiert, der Wandel kann innerhalb weniger Tage //Wochen vollzogen werden (Schnell - lebige Zeit) ....
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Bielefeld09 » So 29. Okt 2017, 19:01

Teeernte hat geschrieben:(29 Oct 2017, 10:36)

Fakten, Fakten..Fakten.

Vor 150 Jahren haben die meisten körperlich gearbeitet - in grossen Gemeinschaften. In Ermangelung von sauberem Wasser wurde Bier und von den Arbeitsstellen Malzkaffe gestellt. Die "Leute" hatten geringen Besitz ... geackert wurde für Kaiser, Volk und Vaterland. Statt dem "Irrenarzt" gab es Tipps durch die Arbeits- und Saufgemeinschaften.... Ältere Arbeiter haben Erfahrung und die Aufsicht über die Arbeitsrotten - Arbeit wird nach Können und langjähriger Leistung vergeben.Es wird - innerhalb gewisser Grenzen - gegenseitig Rücksicht genommen (Krankheiten/Persönliche Umstände....Krankschreibung gab es nur selten)


Nun haben wir mehr "geistige" Arbeit - Ellenbogengesellschaft - , man erzählt "SICH" auf Arbeit keine kompromittierende Dinge mehr, um "MIT zu halten" müssen einige zum Psychologen/Psychiater/Gesprächskreis/Selbsthilfegruppe - manche nehmen Drogen ....andere haben das "RENNEN" aufgegeben.


Die GUTEN Jobs (mehr Geld) wird denen gegeben - die IMMER belastbar sind - vermeintlich Schwache werden aussortiert, der Wandel kann innerhalb weniger Tage //Wochen vollzogen werden (Schnell - lebige Zeit) ....

Es steigen mittlerweile Menschenen aus,
die wurden noch gar nicht einsortiert!
Denen fehlt Orientierung.
Ist das auch eine Sucht?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Teeernte » So 29. Okt 2017, 19:13

Bielefeld09 hat geschrieben:(29 Oct 2017, 19:01)

Es steigen mittlerweile Menschenen aus,
die wurden noch gar nicht einsortiert!
Denen fehlt Orientierung.
Ist das auch eine Sucht?


Man hat sich nicht einsortieren LASSEN.

Orientierung fehlt denen ? Das werden DIE selbst anders sehen.

Sucht hat einen Negativen Touch. Irgendwie haben die Meisten die SUCHT am leben zu bleiben.... Atmung/Ernährung...?? :D :D
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Bielefeld09 » So 29. Okt 2017, 19:31

Teeernte hat geschrieben:(29 Oct 2017, 19:13)

Man hat sich nicht einsortieren LASSEN.

Orientierung fehlt denen ? Das werden DIE selbst anders sehen.

Sucht hat einen Negativen Touch. Irgendwie haben die Meisten die SUCHT am leben zu bleiben.... Atmung/Ernährung...?? :D :D

Es ist schön das du feststellst, das alle Menschen süchtig am Leben festhalten.
Meinst du, Atmung und Ernährung hätten was mit Sucht zu tun?
Eher nicht.
Aber das warum, ist dir doch bekannt.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Teeernte » So 29. Okt 2017, 19:51

Bielefeld09 hat geschrieben:(29 Oct 2017, 19:31)

Es ist schön das du feststellst, das alle Menschen süchtig am Leben festhalten.
Meinst du, Atmung und Ernährung hätten was mit Sucht zu tun?
Eher nicht.
Aber das warum, ist dir doch bekannt.


Süss und Fett schmeckt - es scheint EINGEBAUT zu sein..... Soweit zu >> eher nicht...
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon Bielefeld09 » So 29. Okt 2017, 20:06

Teeernte hat geschrieben:(29 Oct 2017, 19:51)

Süss und Fett schmeckt - es scheint EINGEBAUT zu sein..... Soweit zu >> eher nicht...

Schreib doch mal in ganzen Sätzen,
das gibt dem geneigtem Leser auch die Möglichkeit,
sich mit dir ersnsthaft auseinanderzusetzen. :)
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Verhaltenssüchte auf dem Vormarsch

Beitragvon schokoschendrezki » Di 31. Okt 2017, 08:04

Teeernte hat geschrieben:(29 Oct 2017, 10:36)

Fakten, Fakten..Fakten.

Vor 150 Jahren haben die meisten körperlich gearbeitet - in grossen Gemeinschaften. In Ermangelung von sauberem Wasser wurde Bier und von den Arbeitsstellen Malzkaffe gestellt. Die "Leute" hatten geringen Besitz ... geackert wurde für Kaiser, Volk und Vaterland. Statt dem "Irrenarzt" gab es Tipps durch die Arbeits- und Saufgemeinschaften.... Ältere Arbeiter haben Erfahrung und die Aufsicht über die Arbeitsrotten - Arbeit wird nach Können und langjähriger Leistung vergeben.Es wird - innerhalb gewisser Grenzen - gegenseitig Rücksicht genommen (Krankheiten/Persönliche Umstände....Krankschreibung gab es nur selten)


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Die GUTEN Jobs (mehr Geld) wird denen gegeben - die IMMER belastbar sind - vermeintlich Schwache werden aussortiert, der Wandel kann innerhalb weniger Tage //Wochen vollzogen werden (Schnell - lebige Zeit) ....

Den ersten Teil sehe ich ähnlich. Dass die Vergabe von guten Jobs lediglich an Belastbarkeit gekoppelt ist, stimmt definitiv nicht. Bei Fachkompetenz, vor allem in gesuchten, gebrauchten Richtungen wird nicht nur Belastbarkeit gefordert sondern es werden sogar alle möglichen persönlichen Macken akzeptiert.
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