Was ist eigentlich "Kultur"?

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Selina
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 14:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 08:01)

Ich hoffe vor allem nicht, dass es einen totalen kulturellen Niedergang geben wird, wenn sich Leute wie D.A. durchsetzen und anstelle von kosmopolitischer Literatur, experimentellem Theater, Jazz und Indiepop, moderner Kunst usw. dann Trachtenfeste, Historienspiele und Feuerwehrbälle angesagt sind.

Wirds aber nicht. Ich weiß ziemlich genau, dass es genügend kosmopolitisch eingestellte Intellektuelle und Künstler gibt, die sich mit Zähnen und Klauen dagegen wehren werden.


Ich muss bei diesen Diskussionen immer an die berühmte Gartenlokal-Szene aus dem US-amerikanischen Filmmusical "Cabaret" von 1972 denken, das in der Zeit kurz vor der Machtergreifung der Nazis in Berlin spielt. Regie: Bob Fosse. In den Hauptrollen Liza Minnelli, Michael York, Helmut Griem und Fritz Wepper, acht Oscars. Denn ab und zu gibt es ja - wenn auch selten - sogar unter Hollywood-Ägide anspruchsvolle Filme. Kennst du doch bestimmt oder? Die Szene sollte man sich allerdings bis zum Schluss anschauen, dauert nur knapp drei Minuten.

https://www.youtube.com/watch?v=fQyGBinRB04
Zuletzt geändert von Selina am Fr 24. Nov 2017, 14:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Bleibtreu » Fr 24. Nov 2017, 14:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 12:47)

Ist es. Ja. Und selbstverständlich gibt es auch nicht-jüdische Kosmopoliten.

Gut, eine TeilAnwort. Nochmal: Warum schreibst du dann "kosmopolitisch-juedisch gepraegte Szene Osteuropas"? Wieso nicht schlicht kosmopolitisch. Warum die staendige Betonung darauf X ist Jude, Y hat juedische Wurzeln? Warum der Zusatz juedisch, wenn es in OstEuropa ebenso nicht-juedische Kosmopoliten gibt? Erklaer mir das bitte. Oder sind juedische Kosmopoliten [die sich selbst gar nicht als juedisch sehen duerften] eine separate Gruppe? Oder liegt es moeglicherweise daran, dass gar nicht jeder Kosmopolit gegen kulturelle Zugehoerigkeit ist; dass das nur DEINE persoenliche Sparte ist?

Oftmals philosemitisch ausgerichtet.

Habe ich erst mal kein Problem mit, solange sich Philosemiten nicht als die besseren Juden aufspielen. Mir klappen sich die FussNaegel hoch, wenn Philosemiten sich einbilden, weil sie vorgeben uns toll zu finden, deswegen herausnehmen uns ordentlich Eizes zu geben. Mehr oder weniger durch die Blume "Du weisst doch dass ich euch Juden/ juedische Kultur so sehr schaetze, deswegen meine ich es doch nur gut, wenn ich euch [Juden/Israel] tuechtig ans Bein pinkel muss. Ich mach's doch grad wegen meiner grossen Sympathie zu euch! Unter guten Freunden muss man das doch sagen koennen!" :dead:

Obendrein ein weiterer Widerspruch zur KernAussage, identitaere Gruppen abzulehnen. Hier wird eine kulturelle Identitaet nicht abgelehnt, sondern im Gegenteil noch besondere Sympathie fuer unser Voelkchen & unserer Kultur bekundet. Entschuldige bitte, aber diese Art von Kosmopoliten haben fuer mich nicht alle Latten am Zaun - Das ist RealSatire pur! :D

Was soll ich dazu weiter sagen? Menschen sind halt, anders als mathematische Sätze, niemals widerspruchsfrei.

Es geht in diesem Fall nicht um eine unbeutende Kleinigkeit, sondern um einen eklatanten Widerspruch zu eurer kosmopolitisch-ideologischen KernAussage:
"identitaere Gemeinschaften" und damit kulturelle Zugehoerigkeit strikt abzulehnen." Entweder lehne ich identitaere Gemeinschaften und Zugehoerigkeit dazu ab und damit auch Juedischsein und den Ausdrueck juedisch auch noch explizit zu verwenden oder in meiner Ideologie steckt im Kern schon der faule Wurm drin. So meschugge kann man doch gar nicht sein, dass man sich nicht mit diesem starken Widerspruch auseinandersetzt und stattdessen das Heil in einem duennen "was ist schon widerspruchsfrei" sucht.

Na. Nun mal langsam. Zwischen "Identität ablehnen" und "in Schutt und Asche legen wollen" besteht schon noch ein kleiner Unterschied. Ich habe ein ganz normales Verhältnis zu meinem Land. Dieses Verhältnis hat die Form einer Reihe von Verträgen zwischen Bürger und Staat. Ich zahle Steuern und Krankenkassenbeiträge (und zwar nicht gerade wenig, ist aber völlig ok), achte die Gesetze und der Staat sorgt für Polizei, Schule, öffentlichen Verkehr und noch ein paar andere Sachen. Wunderbar, sage ich mal. Ich habe nicht den mindesten Grund, mich an diese Verträge nicht zu halten. Ich habe aber auch nicht den kleinsten, nicht den allerallerkleinsten Grund, darüberhinaus irgendein emotionales Verhältnis, ein Zugehörigkeits-Mehr in dieser Hinsicht vorzulegen. Werde ich nicht. Ich bleibe - im Gegenteil -absolut kritisch und auf Distanz.

Ich meinte damit nicht, im wahrsten Sinne des Wortes Frankreich abzureissen. :cool:

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 13:35)
[...] Die Lehre daraus kann nur sein: Hinweg mit diesem ganzen Identitätszeug!

Also auch hinweg mi der juedischen Identitaet. ;)
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon pikant » Fr 24. Nov 2017, 14:43

Dark Angel hat geschrieben:(24 Nov 2017, 14:32)

Dein ÖNPV ist kein Allheilmittel. Der mag innerhalb von Stadtgebieten funktionieren, versagt aber bereits an deren Peripherie, ganz zu schweigen von Gebieten/Orten, die weiter entfernt sind. Vor allem übersiehst du a) den Kostenfaktor ÖNPV und b) den Zeitfaktor, der damit verbunden ist.


ja Zeitfaktor ist bei Bussen und Bahnen mit ein Grund, warum man immer mehr das Auto zu Hause laesst - Busse sind einfach schneller in den Staedten und auch im Land mit eigeneen Busspuren und dass man im Zug beim Schnellverkehr schneller als das Auto ist, ist ja auch bekannt.
in Grossstaedten ist das Auto nur noch Hinderniss und in Paris verzichten zB. 60% ganz auf das Auto.
der oeffentliche Nahverkehr funktioniert nicht nur in Stadtgebieten, sondern in fast jeder etwas groesseren Stadt, wo man auf den Ausbau setzt.

bei Zeit und Kosten hat in der Stadt und bei groesseren Reisen fast immer Busse und Bahn ein riesigen Vorteil - sind halt billiger und schneller.
das Auto ist in vielen Staedten allein schon bei den Parkgebuehren teurer als eine Buskarte :D
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 14:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 11:11)

:) Alle Achtung! Ich bin wirklich nur auf dem Bereich Lyrik kompetent und aktuell auch mit entsprechenden Projekten vollkommen ausgelastet.

Der in Budapest lebende Germanist Wilhelm Droste (den ich leider nur flüchtig kennengelernt habe) und der gute Freund der Familie, der leider vor kurzem verstorbene Berliner Schrifsteller Hans Skirecki haben einiges von Béla Hamvas übersetzt. Aber ich will beim Thema bleiben:

Bitterer und bewegender kann man dem Mangel an Zukunft, die ganz in der patriotischen Selbstberauschung aufgeht, nicht ins Auge sehe. Zugleich kann man nicht entschlossener feststellen, dass es an jedem Einzelnen liegt, diese Zukunft herzustellen. Es ist richtig, wie Droste die „Irrationalität und Hysterie“ der Lage zu beschreiben: „Schuld sind immer die anderen, der Nachbar, die Kommunisten und Kosmopoliten, die Zigeuner, die Flüchtlinge, die Fremden, die Juden, Brüssel und die Liberalen, die Muslime oder vielleicht doch lieber die Griechen.“ Es ist aber auch wichtig, eben dem standzuhalten. In den Worten der 1984 geborenen Dichterin Timea Turi: „Alle gehen weg, ich derweil / versperre mir die Flügeltüren / dieses Landes.“

Das ist der Geist dieser kosmopolitisch-jüdisch geprägten Szene Osteuropas. Ekel vor "patriotischer Selbsberauschung" und auf der anderen Seite ein Setzen "auf jeden Einzelnen" und nicht auf irgendwelche identitären Gemeinschaften. Die Bewunderung dafür ist, zugegebenermaßen, natürlich wegen ihrer leider feststellbaren Nichtgegenwärtigkeit natürlich auch auf eine gewisse Art eine Rückwärtsgewandtheit und Nostalgie.


Gute, treffende Worte, die aus dem Droste/Turi-Zitat und ebenso dein Kommentar dazu.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 14:59

Sextus Ironicus hat geschrieben:(24 Nov 2017, 08:28)

Und vor allem hoffe ich, dass man irgendwann das ganze sozialkonstruktivistische Pack des gehobenen Geschwätzes, die Hohepriester der universitären Genderrhoe mal aus den akademischen Tempeln vertreibt, um wieder Wissenschaft und keine Theologie zu betreiben.


Das ist ja mal ne klare Ansage. Da weiß man doch sofort, woher der Wind weht.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Zunder » Fr 24. Nov 2017, 15:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 13:35)

Die letzten grausamen Kriege in Europa, die Jugoslawien-Kriege nämlich, wurden keineswegs, überhaupt nicht um "Wohlstand" geführt. Sondern - eben grade und so gut wie nur! - um Identität. Die Lehre daraus kann nur sein: Hinweg mit diesem ganzen Identitätszeug!

Genau.
Es gab gar keine Wirtschaftskrise und keine ökonomisch bedingten Spannungen zwischen den reicheren Teilrepubliken und der serbischen Zentralregierung.

"Obwohl die wirtschaftlich-soziale Krise national konnotiert war, waren die transnationalen Beziehungen in Jugoslawien bis in die 1980er Jahre hinein nicht konfliktreicher als in anderen Vielvölkerstaaten. Die These, dass die multinationale Gemeinschaft Jugoslawiens nur eine der politischen Unterdrückung durch das kommunistische Regime geschuldete Chimäre gewesen sei, ist höchst unwahrscheinlich. Beweisen lässt sie sich nicht. Untersuchungen zur "ethnischen Distanz" zwischen den verschiedenen Volksnationen in Jugoslawien zeigen unzweifelhaft, dass diese weniger ausgeprägt war als in manchen höher entwickelten Ländern und deutlich geringer als z.B. in den USA. Zahlreiche Umfragen belegen, dass die interethnischen Beziehungen (etwa am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft) von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung Jugoslawiens noch bis Ende der 1980er Jahre als gut oder zumindest befriedigend und nur von einem kleinen Teil der Befragten als schlecht beurteilt wurden. Die einzige Ausnahme betraf das Verhältnis zwischen Albanern auf der einen und Serben, Mazedoniern und Montenegrinern auf der anderen Seite; hier bestanden sowohl auf albanischer wie auf südslawischer Seite massive (mitunter rassistisch geprägte) Vorurteile.[6] Doch bis in das Jahr 1990 hinein rangierte die jugoslawische Zugehörigkeit bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger des Landes an erster Stelle (bei Albanern, Slowenen und Kroaten weniger ausgeprägt als beim Rest der Bevölkerung). Es folgten die Zugehörigkeit zu Europa und erst an dritter Stelle die Zugehörigkeit zur jeweiligen Republik oder Region.[7] Fasst man die Ergebnisse der verschiedenen Umfragen zusammen, so bleibt nur eine Schlussfolgerung übrig: Die ethnischen Spannungen waren nicht Ursache für, sondern Folge von Krise und Zerfall Jugoslawiens.[8]"
http://www.bpb.de/apuz/31042/der-zerfal ... lgen?p=all

Mit deinem ideologische Geschwätz stellst du realen Verhältnisse mal wieder auf den Kopf.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon think twice » Fr 24. Nov 2017, 15:02

Ich finde den Ausdruck Wurzeln mit Flügeln sehr schön. Das beinhaltet irgendwie beides. Die Sehnsucht nach Vertrautem und auch dem Bedürfnis, sich manchmal aus der Geborgenheit zu befreien.
Sei nie zu den Bescheidenen überheblich und zu den Überheblichen bescheiden.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon pikant » Fr 24. Nov 2017, 15:04

Sextus Ironicus hat geschrieben:(24 Nov 2017, 08:28)
Und vor allem hoffe ich, dass man irgendwann das ganze sozialkonstruktivistische Pack des gehobenen Geschwätzes, die Hohepriester der universitären Genderrhoe mal aus den akademischen Tempeln vertreibt, um wieder Wissenschaft und keine Theologie zu betreiben.


endlich mal Klartext mit 'Pack des gehobenen Geschwaetzes', das aus den akademischen Tempeln zu vetbreiben ist.
diese Wortwohl hoere ich meist von Rechtsradikalen des gehobenen Geschwaetzes, dieser neuen reichten Bewegung.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Zunder » Fr 24. Nov 2017, 15:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Nov 2017, 13:58)
Nicht nur wegen der Wohltat von weniger Autos und vielleicht doch etwas mehr ÖPNV: Sondern auch, weil dann vielleicht ein paar qualifizierte Leute mehr verfügbar sind. Was glaubst Du, wie händeringend in meiner Umgebung Leute gesucht werden. Und wie gering die Chancen sind, sie zu finden.

Was glaubst du eigentlich wie händeringend z.B. BMW qualifizierte Leute sucht?
Man könnte das Ansinnen, den Laden zu schließen, auch auf deine Umgebung richten, um qualifiziertes Personal für den Bereich freizusetzen, wo der Wohlstand entsteht.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 15:09

think twice hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:02)

Ich finde den Ausdruck Wurzeln mit Flügeln sehr schön. Das beinhaltet irgendwie beides. Die Sehnsucht nach Vertrautem und auch dem Bedürfnis, sich manchmal aus der Geborgenheit zu befreien.


Ja, schöne Formulierung :)
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon think twice » Fr 24. Nov 2017, 15:10

Selina hat geschrieben:(24 Nov 2017, 14:59)

Das ist ja mal ne klare Ansage. Da weiß man doch sofort, woher der Wind weht.

War doch klar, dass er seine Gesinnung nur mit pseudo- intellektuellem Geschwätz verschleiern wollte.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Bleibtreu » Fr 24. Nov 2017, 15:12

think twice hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:02)

Ich finde den Ausdruck Wurzeln mit Flügeln sehr schön. Das beinhaltet irgendwie beides. Die Sehnsucht nach Vertrautem und auch dem Bedürfnis, sich manchmal aus der Geborgenheit zu befreien.

Da stimme ich dir zu - nur steht das im Widerspruch dazu eine kulturelle Identitaet abzulehnen. Entweder akzeptiere ich meine Wurzeln oder ich lehne sie ab, weil ich ein "wurzelloser Kosmopolit" sein will. Beides, mit und ohne Wurzeln, geht schlecht. :)
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Fr 24. Nov 2017, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 15:14

think twice hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:10)

War doch klar, dass er seine Gesinnung nur mit pseudo- intellektuellem Geschwätz verschleiern wollte.


Genau. Hat aber ne ganze Weile gedauert, bisser mal rausplatzte damit :D
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 15:16

Ich akzeptiere meine Wurzeln voll und ganz und ich habe auch ab und an sowas wie Heimatgefühle in einer ganz bestimmten Umgebung. Und vor allem im Kreis von Freunden. Das ist völlig normal. Nur ist es hier wie mit allem: Die Dosis machts :)
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon pikant » Fr 24. Nov 2017, 15:18

Selina hat geschrieben:(24 Nov 2017, 14:59)

Das ist ja mal ne klare Ansage. Da weiß man doch sofort, woher der Wind weht.


jetzt ist nur noch die Frage zu klaern, ob man dieses Pack mit rausmobben oder mit Gewalt vertreiben will.
mir war aber von Anfang an die Intension dieses Users klar und irgendwann legt man dann seine Hemmingen ab und spricht Klartext.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon pikant » Fr 24. Nov 2017, 15:22

Zunder hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:09)

Was glaubst du eigentlich wie händeringend z.B. BMW qualifizierte Leute sucht?


das hat was mit Wettbewerb und Marktwirtschaft zu tun - ich wuerde da mal an der Stelle von BMW die Stellen finanziell besser gestalten - das bewirkt manchmal Wunder.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Fr 24. Nov 2017, 15:23

pikant hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:18)

jetzt ist nur noch die Frage zu klaern, ob man dieses Pack mit rausmobben oder mit Gewalt vertreiben will.
mir war aber von Anfang an die Intension dieses Users klar und irgendwann legt man dann seine Hemmingen ab und spricht Klartext.


Och nö, lass ihn nur reden. Die "Rechtsintellektuellen" (is ja eigentlich ein Oxymoron) sollen sich nur immer schön äußern. Reden ist besser als zum Beispiel sowas wie "atmende Deckel" (Ausdruck für neue Obergrenze) oder so :D
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 24. Nov 2017, 15:24

think twice hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:10)

War doch klar, dass er seine Gesinnung nur mit pseudo- intellektuellem Geschwätz verschleiern wollte.


:rofl :rofl

Auch inhaltlich mal was beizutragen? Oder rein im gesinnungspolizeilichen Modus unterwegs? Siehe oben: "Nur nicht gleich sachlich werden! Es geht ja auch persönlich."
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon think twice » Fr 24. Nov 2017, 15:24

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:12)

Da stimme ich dir zu - nur steht das im Widerspruch dazu eine kulturelle Identitaet abzulehnen. Entweder akzeptiere ich meine Wurzeln oder ich lehne sie ab, weil ich ein "wurzelloser Kosmopolit" sein will. Beides, mit und ohne Wurzeln, geht schlecht. :)

Zur Geburt meines Sohnes habe ich ein wunderschönes Gedicht von Khalil Gibran geschenkt bekommen. Irgendwie meine ich, es könnte gerade hierher passen:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
Sei nie zu den Bescheidenen überheblich und zu den Überheblichen bescheiden.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 24. Nov 2017, 15:28

Bleibtreu hat geschrieben:(24 Nov 2017, 15:12)

Da stimme ich dir zu - nur steht das im Widerspruch dazu eine kulturelle Identitaet abzulehnen. Entweder akzeptiere ich meine Wurzeln oder ich lehne sie ab, weil ich ein "wurzelloser Kosmopolit" sein will. Beides, mit und ohne Wurzeln, geht schlecht. :)


Stefan Zweig hat das am Ende wohl erlebt, nur dass er keine Wahl mehr hatte und am Ende vermutlich ohne Wurzeln und ohne Flügel dastand.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)

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