Was ist eigentlich "Kultur"?

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Dark Angel
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Mo 20. Nov 2017, 17:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Nov 2017, 16:47)

Nein. Genau so ist es. Ich schreibe aus eigener Erfahrung. Und kann mich dabei auf kluge Köpfe berufen:

Eine der tiefliegendsten Erkenntnisse der letzten paar hundert Jahre. Genau so ist es. Und es ist nicht beruhigend sondern bestürzend in seiner einfachen, schlichten Wahrheit.

Eigene Erfahrung - kluge Köpfe?
Ändert nichts daran, dass das was du von dir gibst dumm und arrogant ist!
Dass Frauen in Deutschland erst seit etwa 100 Jahren auch Zugang zu "Höherer Bildung" (Universitäten) haben hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern war fremdbestimmt!
Dass Frauen bis vor etwa 100 Jahren vom passiven und aktiven Wahlrecht ausgeschlossen waren, hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern mit Fremdbestimmung.
Wenn sich Frauen gemäß religiöser Bekleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit vollständig zu verhüllen haben bzw mindestens Kopftuch tragen müssen, hat das nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern mit Fremdbestimmung.
Wenn Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung mit der Todesstrafe rechnen müssen, hat das nichts mit Selbstunterordnung, sondern mit Fremdbestimmung zu tun.
Wenn Menschen wegen einer kritischen Meinungsäußerung damit rechnen müssen, zur Zwangsarbeit verurteilt zu werden, hat das nichts mit Selbstunterordnung, sondern mit Fremdbestimmung zu tun.

Deine dämliche Arroganz, mit der du behauptest, es gäbe keine Fremdbestimmung, ist einzig der Tatsache geschuldet, dass du in einer Kultur aufgewachsen bist und durch geprägt wurdest, die dir individuelle Freiheiten gewährt, die aufgeklärt ist und zu deren wichtigsten Merkmalen, die Ideen des Humanismus gehören.
Die sind aber nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt, die müssen bewahrt und erhalten werden und das funktioniert NICHT, wenn kultureller Beliebigkeit das Wort geredet wird.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Nov 2017, 17:12

Dark Angel hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:06)

Eigene Erfahrung - kluge Köpfe?
Ändert nichts daran, dass das was du von dir gibst dumm und arrogant ist!
Dass Frauen in Deutschland erst seit etwa 100 Jahren auch Zugang zu "Höherer Bildung" (Universitäten) haben hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern war fremdbestimmt!
Dass Frauen bis vor etwa 100 Jahren vom passiven und aktiven Wahlrecht ausgeschlossen waren, hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern mit Fremdbestimmung.
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Deine dämliche Arroganz, mit der du behauptest, es gäbe keine Fremdbestimmung, ist einzig der Tatsache geschuldet, dass du in einer Kultur aufgewachsen bist und durch geprägt wurdest, die dir individuelle Freiheiten gewährt, die aufgeklärt ist und zu deren wichtigsten Merkmalen, die Ideen des Humanismus gehören.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Mo 20. Nov 2017, 17:19

Dark Angel hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:06)

Eigene Erfahrung - kluge Köpfe?
Ändert nichts daran, dass das was du von dir gibst dumm und arrogant ist!
Dass Frauen in Deutschland erst seit etwa 100 Jahren auch Zugang zu "Höherer Bildung" (Universitäten) haben hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern war fremdbestimmt!
Dass Frauen bis vor etwa 100 Jahren vom passiven und aktiven Wahlrecht ausgeschlossen waren, hat nichts mit Selbstunterordnung zu tun, sondern mit Fremdbestimmung.
Wenn sich Frauen gemäß religiöser Bekleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit vollständig zu verhüllen haben bzw mindestens Kopftuch tragen müssen, hat das nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern mit Fremdbestimmung.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Nov 2017, 17:27

Sextus Ironicus hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:03)

Ich seh's von der anderen Seite, oder besser gesagt: Über den Umweg über andere "Seiten" sprich über die Menschenbilder anderer Kulturen.

Dein Lebensmodell, das du über den Komparativ von "sinnvoll" darstellst, weist einfach auf einen funktionalen Vorteil hin, der wiederum nur zu einem stabileren Gesamtmodell führen soll. Aber für den "Sinn" gelten die gleichen Annahmen wie für Kultur, wobei "Sinn" dann im Gegensatz zu "Kultur" doch ein metaphysisches Konstrukt ist, wenn man es nicht materiell dahingehend versteht, dass Sinn nichts anderes ist als das, was einem im Leben begegnet, zu meistern. Das beginnt also ganz profan damit, dass sich Sinngefühle nicht einstellen, wenn man ein Ticket für 3 Euro am Fahrkartenautomaten ziehen möchte, aber der anzeigt, dass er kein Wechselgeld ausgibt und einem deshalb der 50er in der Hand nichts nützt. Spätestens wenn die Zugtüren sich schließen, und niemand einem den 50er gewechselt hat, man zu spät zum Vortellungsgespräch kommt, ist die kurzfristige materielle Sinnfrage negativ beantwortet. :D

Ich habe die Bemerkung vom "Warum" des Universums gesehen. Wenn sie sinnvoll zu stellen wäre, wäre sie auch nach ihrer endgültigen Beantwortung nicht geschlossen. Denn wenn dann noch etwas wäre, wäre es nichts mehr außer einem lähmenden Stillstand, dröhnend angefüllt mit der Frage, warum man es unbedingt wissen wollte. Oder aber, was wahrscheinlicher ist, das reine Nichts. Denn so, wie es keinen Anfang in der Zeit gibt, weil er schon in der Zeit läge (Blumenberg), so kann es auch keine letzte Antwort auf die Warum-Frage geben. Denn so lange sie in der Zeit läge, wäre es nicht die letzte. Und ohne Zeit wären wir nicht. :) Was alle Kulturfragen lösen würde.

Ja .... Das Universum ist das einzige Ding, das logischerweise nicht von außen betrachtbar und deshalb einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht zugänglich ist. Die Warum-Frage kann man dennoch stellen. Oder gibts da Denkverbote?

Ich kann mit oder ohne gültiges Ticket die S-Bahn benutzen. Und das entsprechende Risiko, ohne Ticket erwischt zu werden, versuchen abzuschätzen. Absolut niemand außer ich selbst darf im Falle dieses Erwischens beschuldigt werden.

Eine ganz andere Frage ist die, ob ein diktatorisches oder auch autokratisches System Menschen zwangsläufig fremdbestimmen kann. Ich sage: nein. Niemals! Sonst könnte man sich auch von Ikea-Werbung fremdbestimmt fühlen. Ist man aber nicht. Jeder Mensch hat immer und überall und unter allen Bedingungen, selbst noch in der Todeszelle kurz vor der Hinrichtung absolut die freie Wahl. Absolut die freie Wahl!
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 20. Nov 2017, 17:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:27)

Ja .... Das Universum ist das einzige Ding, das logischerweise nicht von außen betrachtbar und deshalb einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht zugänglich ist. Die Warum-Frage kann man dennoch stellen. Oder gibts da Denkverbote?

Ich kann mit oder ohne gültiges Ticket die S-Bahn benutzen. Und das entsprechende Risiko, ohne Ticket erwischt zu werden, versuchen abzuschätzen. Absolut niemand außer ich selbst darf im Falle dieses Erwischens beschuldigt werden.

Eine ganz andere Frage ist die, ob ein diktatorisches oder auch autokratisches System Menschen zwangsläufig fremdbestimmen kann. Ich sage: nein. Niemals! Sonst könnte man sich auch von Ikea-Werbung fremdbestimmt fühlen. Ist man aber nicht. Jeder Mensch hat immer und überall und unter allen Bedingungen, selbst noch in der Todeszelle kurz vor der Hinrichtung absolut die freie Wahl. Absolut die freie Wahl!


Dieses "Fremdbestimmen" ist als Begriff negativ konnotiert. In den östlichen Philosophien ist der Sachverhalt freundlicher ausgedrückt: Bedingtes Entstehen, Entstehen in Abhängigkeit. Diese Ausdrücke sind ohne den Kontext der Zwanges, den "Fremdbestimmung" hat. Es ist auch ein durch den Filter der Politik "versauter" Begriff. Und Entstehen in Abhängigkeit bildet für mich die Abhängigkeit von den kulturellen Prozessen ganz gut ab, und Thomas Fuchs' Diktum vom "Gehirn als Beziehungsorgan" weist auch in diese Richtung.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 20. Nov 2017, 17:52

Sextus Ironicus hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:40)

Dieses "Fremdbestimmen" ist als Begriff negativ konnotiert. In den östlichen Philosophien ist der Sachverhalt freundlicher ausgedrückt: Bedingtes Entstehen, Entstehen in Abhängigkeit. Diese Ausdrücke sind ohne den Kontext der Zwanges, den "Fremdbestimmung" hat. Es ist auch ein durch den Filter der Politik "versauter" Begriff. Und Entstehen in Abhängigkeit bildet für mich die Abhängigkeit von den kulturellen Prozessen ganz gut ab, und Thomas Fuchs' Diktum vom "Gehirn als Beziehungsorgan" weist auch in diese Richtung.

"Entstehen in Abhängigkeit" ist an sich eigentlich eine Trivialität. Ohne Lunge gibts keinen Sauerstoff. Und jedes "Ich will keine Lunge haben!" führt da nicht weiter. Ist es denn aber nicht trotzdem völlig klar, dass das Eingeständnis der Fremdbestimmtheit in einem autoritären System ein Eingeständnis der eigenen Widerstandsunfähigkeit ist? Ein Eingeständnis der Unfähigkeit, sich aus sozialen Eingebundenheiten im Namen und im Interesse der eigenen Selbstentfaltung zu lösen. Ja. Das ist ganz normaler bürgerlicher Individualismus und selbstbezogener Chauvinismus und Ignoranz gegenüber Gemeinschaftssinn. Ich habe absolut kein Problem damit.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Mo 20. Nov 2017, 18:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:52)

"Entstehen in Abhängigkeit" ist an sich eigentlich eine Trivialität. Ohne Lunge gibts keinen Sauerstoff. Und jedes "Ich will keine Lunge haben!" führt da nicht weiter. Ist es denn aber nicht trotzdem völlig klar, dass das Eingeständnis der Fremdbestimmtheit in einem autoritären System ein Eingeständnis der eigenen Widerstandsunfähigkeit ist? Ein Eingeständnis der Unfähigkeit, sich aus sozialen Eingebundenheiten im Namen und im Interesse der eigenen Selbstentfaltung zu lösen. Ja. Das ist ganz normaler bürgerlicher Individualismus und selbstbezogener Chauvinismus und Ignoranz gegenüber Gemeinschaftssinn. Ich habe absolut kein Problem damit.


Dann sollte man auch nicht in die Politik eingreifen, denn Politik ist die öffentliche, nicht die private Sache. Richard Rorty hat ja die Vorlage dafür geliefert: private Selbstvervollkommung und öffentliche Solidarität sind zwei unterschiedliche Bereiche - weshalb er Leute wie Derrida, Nietzsche, Nabokov oder Heidegger mit ihren Ansichten im Hinblick auf die öffentliche Sache als bestenfalls naiv bezeichnete. Und Sartre hat hier übrigens leuchtende Negativbeispile für die wilde Vermengung geliefert, im berücjtigten Vorwort zu Franz Fanon ebenso wie beim Besuch in Stammheim.

Zu deiner Frage: Nein. Wie ich sagte, du reduzierst den Begriff der "Fremdbestimmtheit" auf den reinen Zwang, aber darum geht es selbst hier unter rein westlichen Vorzeichen nicht. Ich hatte das im anderen Kulturthread schon einmal geschrieben: Um eine Erfindung oder eine Entdeckung zu machen, muss in einer Gesellschaft ein bestimmtes Maß an Wissen vorhanden sein, Neugier muss gefördert statt wie beispielsweise in China durch normativ vorgegebene Hierarchien zu behindern und es müssen die entsprechenden Institutionen der Wissensvermittlung vorhanden sein. Das ist immer schon kulturell und völlig unabhängig vom Individuum geregelt. Und noch einmal: Das Maß deines/r "ganz normalen bürgerlichen Individualismus' und selbstbezogenen Chauvinismus' und Ignoranz gegenüber Gemeinschaftssinn" bestimmt sich wesentlich in Abgrenzung gegenüber dem Sozialen in Abhängigkeit von den soziokulturellen Gegebenheiten. Deine individuelle Revolte ist vollkommen von dem bestimmt, wogegen du revoltierst.
Zuletzt geändert von Sextus Ironicus am Mo 20. Nov 2017, 22:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Mo 20. Nov 2017, 19:07

Selina hat geschrieben:(20 Nov 2017, 17:19)

Wie willst du jemals einen anderen User dazu bringen, auch nur eine halbe Minute über deine Worte nachzudenken, wenn du ihn so übel beschimpfst? Kleines Einmaleins der Kommunikation: Freundlichkeit, Gelassenheit, Augenhöhe.

Sorry, aber dein "kleines Einmaleins der Kommunikation" und deine Ermahnungen kannst du dir dahin schieben, wo die Sonne nicht hinscheint. Ich bin kein kleines Kind, dem man mit erhobenen Zeigefinger erklärt, wie es sich zu benehmen hat.
Das kannst du mit deinen Enkeln machen.
Ansonsten kehre erstmal vor deiner eigenen Türe, da hast du genug zu tun, deine eigenen Defizite aufzuarbeiten. :dead:
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Mo 20. Nov 2017, 21:55

Dark Angel hat geschrieben:(20 Nov 2017, 19:07)

Sorry, aber dein "kleines Einmaleins der Kommunikation" und deine Ermahnungen kannst du dir dahin schieben, wo die Sonne nicht hinscheint. Ich bin kein kleines Kind, dem man mit erhobenen Zeigefinger erklärt, wie es sich zu benehmen hat.
Das kannst du mit deinen Enkeln machen.
Ansonsten kehre erstmal vor deiner eigenen Türe, da hast du genug zu tun, deine eigenen Defizite aufzuarbeiten. :dead:
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Das ist also die "Kultur", die du vor "fremden Einflüssen" schützen willst? Na prost Mahlzeit.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon PeterK » Mo 20. Nov 2017, 22:14

Dark Angel hat geschrieben:(20 Nov 2017, 19:07)
Ich bin kein kleines Kind, dem man mit erhobenen Zeigefinger erklärt, wie es sich zu benehmen hat.

Dem Thread-Titel zufolge ist das Thema hier "Was ist eigentlich Kultur?".

Dass Du Dich wie ein schlecht erzogenes Kind benimmst, ist IMO nicht Thema des Threads. Dementsprechend solltest Du Dein Problem hier auch nicht zu thematisieren versuchen.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Di 21. Nov 2017, 07:51

Selina hat geschrieben:(20 Nov 2017, 21:55)

Das ist also die "Kultur", die du vor "fremden Einflüssen" schützen willst? Na prost Mahlzeit.

Ohne irgendwelche Falschbehauptungen und Unterstellungen geht's bei dir nicht? gelle
Aber andere darüber belehren (wollen) wie sie eine Diskussion zu führen haben.
Ich habe nirgendwo etwas darüber geschrieben, dass ich Kultur vor fremden Einflüssen schützen will, sondern immer (wieder):

Kulturen unterscheiden sich voneinander, sie nehmen externe Einflüsse auf und wechselwirken miteinander. Allerdings erfolgt die Aufnahme externer Einflüsse immer freiwillig und kann nicht erzwungen oder angeordnet werden.

Diese immer wieder gemachte Aussage straft deine obige Behauptung Lügen bzw führt sie ad absurdum.
Es ist nicht meine Schuld, wenn du nicht willens bist, dich inhaltlich mit Geschriebenem auseinander zu setzen, es dir stattdessen so zurecht biegst, wie es dir grade in den Kram passt.

Übrigens: deine komische "Warum-Frage" habe ich auch beantwortet und zwar auf Seite 16 dieses Threads:

"weil mich die Begriffststutzigkeit einiger User hier im Forum nervt, die den Unterschied zwischen "dekriptiv" und "normativ" nicht auf die Reihe kriegen und sich aller nur möglichen schlechten Argumente bedienen."
"irgendwann muss man sich doch mal inhaltlich mit den Antworten auseinander setzen und reflektieren, wo der (eigene) Fehler liegt."


Diese Antworten hast du ignoriert und stattdessen auf Seite 17 dieses Threads weiterhin, fälschlich behauptet, ich hätte deine Frage nicht beantwortet.
Aber anderen erklären wollen, wie sie zu diskutieren haben ...
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Di 21. Nov 2017, 07:57

PeterK hat geschrieben:(20 Nov 2017, 22:14)

Dem Thread-Titel zufolge ist das Thema hier "Was ist eigentlich Kultur?".

Dass Du Dich wie ein schlecht erzogenes Kind benimmst, ist IMO nicht Thema des Threads. Dementsprechend solltest Du Dein Problem hier auch nicht zu thematisieren versuchen.

Was ist Kultur habe ich bereits auf Seite 1 dieses Threads geschrieben:

"Kultur = das komplexe Ganze, die Gesamtheit des kummulierten Wissens, der Fähigkeiten, Fertigkeiten, Glaubensvorstellungen und Ethik/Moral (Gesetze) die Menschen als Teil [einer] Gesellschaft in sozialem Lernen erworben haben"

Diese Definition beschreibt, was Kultur ist. Es ist nicht meine Schuld, wenn User nicht in der Lage sind, den Unterschied zwischen dekriptiv und normativ zu unterscheiden und stattdessen einen (extrem) eingeschränkten normativen Kulturbegriff verwenden.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Bleibtreu » Di 21. Nov 2017, 08:16

PeterK hat geschrieben:(20 Nov 2017, 22:14)

Dem Thread-Titel zufolge ist das Thema hier "Was ist eigentlich Kultur?"

Meine Guete - Der Witz hat noch gefehlt! :x

Dann lies mal die gestrigen Beitraege von Selina & Schoko und halt denen deinen Vortrag. Beide haben nach Einwuerfen von mir mehrfach vehement erklaert, dass sie sich NICHT an das StrangThema halten und hier nach eigenem Gusto diskutieren wollen, weil ihnen das vorgegebene Thema angeblich zu simpel ist und sich gleichzeitig geweigert fuer ihre WunschDiskussion einen eigenen Strang zu eroeffnen. Sich also klar und deutlich GEGEN die bisherigen ModeratorenAnweisungen von MdW beim Thema zu bleiben + gegen die ebenso unmissverstaendlichen ForenRegeln gestellt. Hier macht doch jeder nur noch was er will. :dead:
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » Di 21. Nov 2017, 08:51

Bleibtreu hat geschrieben:(21 Nov 2017, 08:16)

Meine Guete - Der Witz hat noch gefehlt! :x

Dann lies mal die gestrigen Beitraege von Selina & Schoko und halt denen deinen Vortrag. Beide haben nach Einwuerfen von mir mehrfach vehement erklaert, dass sie sich NICHT an das StrangThema halten und hier nach eigenem Gusto diskutieren wollen, weil ihnen das vorgegebene Thema angeblich zu simpel ist und sich gleichzeitig geweigert fuer ihre WunschDiskussion einen eigenen Strang zu eroeffnen. Sich also klar und deutlich GEGEN die bisherigen ModeratorenAnweisungen von MdW beim Thema zu bleiben + gegen die ebenso unmissverstaendlichen ForenRegeln gestellt. Hier macht doch jeder nur noch was er will. :dead:


Hier geht es um solche Formulierungen von Dark Angel wie "Ändert nichts daran, dass das was du von dir gibst dumm und arrogant ist!", "Deine dämliche Arroganz, mit der du behauptest...", "dämlicher und arroganter gehts wirklich nicht" und viele weitere solche und ähnliche Ver­bal­in­ju­rien, die man tagaus und tagein bei Angel lesen kann. Das hat mit Kultur des Meinungsstreits nichts mehr zu tun. Und gerade, weil es hier um die alles einbeziehende und übergreifende, angeblich vor "fremden Einflüssen" zu schützende Kultur geht, sollte man ein Minimum davon auch selbst verinnerlicht haben. Weil du "Selina & Schoko" erwähntest: Du wirst weder bei schokoschendrezki noch bei mir solche Unflätigkeiten und verbalen Entgleisungen finden. Und ob diese Diskussion, die über die einfache Definition des Kulturbegriffes hinaus geht, nun noch hierher gehört oder bereits in einen neuen Thread, das ist halt die Frage. Ich sage eben, dass die mit dem Kulturbegriff zusammenhängenden Fragen, zum Beispiel, warum er gerade jetzt so vehement und vorrangig vor anderen existenziellen Themen diskutiert wird, schon haargenau hierher passen. Beteilige dich doch einfach an der Diskussion, statt hier den Schiedsrichter zu spielen.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Bleibtreu » Di 21. Nov 2017, 09:01

Die bisherigen ModerationsAnweisungen von MdW und das vorgegebene Thema sind EINDEUTIG - ebenso die ForenRegeln!

Wenn es euch Beiden nach einem anderen Thema geluestet, koennt ihr jederzeit einen Strang dazu eroeffnen, wenn angeblich ein so hoher Bedarf bei euch danach besteht. Da dies aber keiner von euch tut, scheint der Bedarf mitnichten zu bestehen. Es ist schlicht unverschaemt, was ihr euch hier leistet - ENDE! :dead:
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Di 21. Nov 2017, 10:15

Selina hat geschrieben:(21 Nov 2017, 08:51)

Hier geht es um solche Formulierungen von Dark Angel wie "Ändert nichts daran, dass das was du von dir gibst dumm und arrogant ist!", "Deine dämliche Arroganz, mit der du behauptest...", "dämlicher und arroganter gehts wirklich nicht" und viele weitere solche und ähnliche Ver­bal­in­ju­rien, die man tagaus und tagein bei Angel lesen kann. Das hat mit Kultur des Meinungsstreits nichts mehr zu tun. Und gerade, weil es hier um die alles einbeziehende und übergreifende, angeblich vor "fremden Einflüssen" zu schützende Kultur geht, sollte man ein Minimum davon auch selbst verinnerlicht haben. Weil du "Selina & Schoko" erwähntest: Du wirst weder bei schokoschendrezki noch bei mir solche Unflätigkeiten und verbalen Entgleisungen finden. Und ob diese Diskussion, die über die einfache Definition des Kulturbegriffes hinaus geht, nun noch hierher gehört oder bereits in einen neuen Thread, das ist halt die Frage. Ich sage eben, dass die mit dem Kulturbegriff zusammenhängenden Fragen, zum Beispiel, warum er gerade jetzt so vehement und vorrangig vor anderen existenziellen Themen diskutiert wird, schon haargenau hierher passen. Beteilige dich doch einfach an der Diskussion, statt hier den Schiedsrichter zu spielen.

Und schon wieder Ablenkungsmanöver und Unterstellungen. :mad:
Das Thema des Threads lautet: "Was ist eigentlich Kultur"
Das bedeutet es geht um eine Definition für Kultur - was Kultur ist, was sie ausmacht und ggf was zu Kultur alles (dazu) gehört.

Das Thema des Threads lautet NICHT - immer noch nicht - "Was ist ein Kulturbegriff?", lautet NICHT "wie wird der Kulturbegriff definiert?", lautet NICHT "welche Kulturbegriffe gibt es?"
Und noch weniger lautet das Thema des Threads "wie schützt man (eine) Kultur vor äußeren Einflüssen?"

Streng genommen ist das, was ihr beide - du und Schoko - macht, Threadschredderei und Spammerei, weil Ausweichen auf Nebenkriegsschauplätze, arbeiten mit Unterstellungen und bedienen/benutzen schlechter Argumente.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Di 21. Nov 2017, 10:31

Selina hat geschrieben:(21 Nov 2017, 08:51)

Ich sage eben, dass die mit dem Kulturbegriff zusammenhängenden Fragen, zum Beispiel, warum er gerade jetzt so vehement und vorrangig vor anderen existenziellen Themen diskutiert wird, schon haargenau hierher passen. Beteilige dich doch einfach an der Diskussion, statt hier den Schiedsrichter zu spielen.


Gut, dann senfe ich da auch etwas dazu: Die Frage, weswegen X diskutiert wird, ist für die Frage, was X ist, völlig irrelevant. Wenn es ein "existenzielles Thema" ist, warum das diskutiert wird, dann erfordert es dringend einen Thread, denn hier hat es nichts verloren. Andernfalls gibt es nur zwei Möglichkeiten: Es besteht ein Interesse, das Thema einfach zu hintertreiben, oder es fehlen die Voraussetzungen, das Thema zu begreifen.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon BlueMonday » Di 21. Nov 2017, 11:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Nov 2017, 15:02)

Nach Sartre: Nicht mal das geht irgendwie. Die Erfahrung habe ich zwar glücklicherweise nicht machen müssen. Aber ich verstehe perfekt, was mit seiner Existenzialismus-Philosophie eigentlich gemeint ist. Immer und überall vollkommen frei zu sein, ist nicht einfach eine erfreulich-erstaunliche Tatsache sondern ein zuweilen schwer zu ertragendes Schicksal. Eine Hineingeworfenheit. Eine anthropologische Grundkonstante.


Ja, letztlich lebt jeder unter vorgefundenen Bedingungen, Umständen. Wie er diese bewertet, wie er mit diesen umgeht, wie er handelt, das ist immer "selbstbestimmt". Der Radikalste wohl, der das bewusst gemacht hat, war Max Stirner (praktisch der radikalidealistische Gegenspieler zu Marx' Materialismus): "Mir geht nichts über Mich." "Mir gehört die Welt. " usw.
Und je mächtiger ein Mensch ist, desto mehr bestimmt er die Bedingungen und Umstände, in denen er lebt. Andersfalls sind die Umstände eben von anderen bestimmt, fremdbestimmt.

Wenn man sich Zwang als gesteigerste Form der Fremdbestimmung vergegenwärtigt, dann geht es ja den Zwingenden darum, in den Handlungsraum des anderen einzudringen, ihn dazu zu drängen, sich anders zu entscheiden, aber - es verbleibt ja immer eine wenn auch eingeengte Wahlsituation. "Geld oder Leben", damit zwingt der Räuber ... aber wenn einem das eigene Leben nichts wert ist, dann kann man auch damit nicht bedroht und gezwungen werden, dann riskiert man es, schießt zurück und wendet den Zwang ab. D.h. wer wenig zu verlieren hat oder gar nichts, ist ein Mensch, den man praktisch zu nichts zwingen kann. Das ganze gesellschaftliche Leben besteht aus diesem gegenseitigen Vordiewahlstellen. Kommunikation von möglichen Kosten letztlich. Bis hinein in die Ehe, Familie, Beziehung: Wenn du nicht dieses und jenes tust oder unterlässt, dann...

Anders gesagt: man kann in jeder Situation den Grad der Fremdbestimmung selbst verringern ... wenn man dazu das Bewusstsein hat.

Das ist ja eine durchaus erfeuliche Botschaft. Und was man dazu wohl noch braucht, ist Gelassenheit:
"God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference."
https://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet

Das geht vielen ab. Insbesonderne auch in politischen Foren. Man spricht über Dinge, die man kaum bis gar nicht ändern kann, sieht sich vor einem Gebirge aus "Fremdbestimmung", das Frustniveau steigt, ersatzweise liefert man sich dann Gefechte mit anderen Forenteilnehmern, um wenigstens irgendwas zu gewinnen. Aber man macht sich hingegen selten Gedanken über Dinge, die man wirklich in der Hand haben könnte. Die Weisheit zu unterscheiden fehlt.
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Sextus Ironicus
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » Di 21. Nov 2017, 13:01

BlueMonday hat geschrieben:(21 Nov 2017, 11:25)



Wenn man sich Zwang als gesteigerste Form der Fremdbestimmung vergegenwärtigt, dann geht es ja den Zwingenden darum, in den Handlungsraum des anderen einzudringen, ihn dazu zu drängen, sich anders zu entscheiden, aber - es verbleibt ja immer eine wenn auch eingeengte Wahlsituation. "


Das mag richtig oder falsch sein - aber jeder verhält sich entsprechend dem, was ihm im Horizont seiner Kultur vermittelt wurde. Handlungsfreiheit und Wahlfreiheit - beide Begriffe sind nur unter Rückbezug auf die eigene Kultur und die dort geltenden Normen, Regeln, Sitten etc. zu verstehen.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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BlueMonday
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon BlueMonday » Di 21. Nov 2017, 13:51

Sextus Ironicus hat geschrieben:(21 Nov 2017, 13:01)

Das mag richtig oder falsch sein - aber jeder verhält sich entsprechend dem, was ihm im Horizont seiner Kultur vermittelt wurde. Handlungsfreiheit und Wahlfreiheit - beide Begriffe sind nur unter Rückbezug auf die eigene Kultur und die dort geltenden Normen, Regeln, Sitten etc. zu verstehen.


Nun, es ist ja nicht zuerst die Sitte oder Norm oder Sprache da, sondern chronologisch unvermeidlich gibt es eine Zeit ohne diese Sitte, die sich letztlich aus einer Vielzahl von Einzelentscheidungen und Wertungen erst entfaltet.
Die Norm oder Sitte ... bis hin zur Kodifizierung/Gesetzgebung ist allenfalls für eine Verfestigung oder Konservierung von etwas verantwortlich, dessen eigentlicher Gehalt aber nicht durch dieses Konservieren und Festhalten erklärt werden kann.
Der gehaltvolle Keim für jede Kreation oder Veränderung des Bestehenden muss von "außerhalb" dieser Kultur oder Sitte kommen.

Dazu gibt es von Thomas Schelling das Konzept des "Fokalpunktes". Einfach gesagt geht es da um Koordinierung ohne direkte Kommunikationsmöglichkeit.
Und das ist ja nun immer der eigentlich Ausgangspunkt. Eine Sprache gibt es noch nicht zu Beginn. Auch keine Sitten, keine Regel, Gebräuche. Die Sprache, die Sprachkultur kann nicht die eigentliche Ursache ihrer selbst sein. Jegliche soziale Struktur muss also ohne Sprache/Kultur beginnen. Und wo soll der Keim dafür liegen? Doch nur in den einzelnen Akteuren. In ihrer ähnlichen *inneren* Struktur, die eben nicht kulturell geprägt sein kann, weil ... es zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine Kultur/Sprache/äußere Struktur gibt. Also: die innere Ähnlichkeit ist der Ausgangspunkt. Diese führt dann bspw. zu einer ähnlichen Perzeption der Umwelt. Die ähnlichen Augen sehen Ähnlches in der vorgefundenen Umwelt ... den Wahrnehmenden fallen die gleichen Besonderheiten in der Umwelt auf. Also bspw. eine Erhebung in der sonst flachen Landschaft, ein Berg, ein Fels ... Der eine deutet auf diesen "Fokalpunkt", in der Hoffnung oder Erwartung, dass der Mensch neben ihm ihn auch wahrnimmt als etwas Besonderes, und dass der Fingerzeig von ihm durch den anderen als solcher gedeutet wird. Dann wird vielleicht irgendein - besonderer - Laut dazu erzeugt... das erste "Wort" entsteht. Und dies ohne zuvor bereits eine Sprache zur Verfügung zu haben. Das ist das Erstaunliche. Letztlich entsteht die Koordination über diese Perturbationen in der Umwelt, auf die gemeinsam geblickt wird, und man eine Erwartung dahingehend entwickelt, dass diese Besonderheit dem anderen ebenso auffällt. Und dass der andere wiederum auch so über einen selbst denkt... Und dies kann man hoffen, wenn man den anderen als ein ähnliches Wesen erkennt, das vermutlich innerlich ähnlich tickt wie man selbst.

Kurz gesagt: der Keim der Gesellschaft liegt im Einzelnen

Ergänzung:
Ein Fokalpunkt ist eine Erwartung einer Person "of what the other expects him to expect to be expected to do." (Thomas Schelling, "The Strategy of Conflict")
So ein Fokalpunkt ist im Grunde der kleinste Teil einer Kultur. Ein Kulturpartikel
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