Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

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Tom Bombadil
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Aug 2017, 08:40

Also ist das gelogen?
I was corresponding with 10 Antifa pseudonyms FB warriors, and felt I was actually engaging in a serious discussion with them, my case at the end of ends was, "Ok, you have a problem with what is going on, come to the event, write what you think, make a noise, but don't bully us, don't intimidate us, don't shame us, people should have the right to free speech, and come the fuck on, we are doing an actual intellectual event here, and nothing more than that". At 01:30 in the morning I went to sleep with a good feeling that the winds subsided and we've reached a sort of a argumentative saturation, but In the morning, I woke up to see that tens of people shared and shamed us with the "A Fascist Bookstore in the heart of Berlin" claim. I thought to myself, oh mighty gods, where am I living at?
Quelle: Eingangsbeitrag
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Flaschengeist » Mo 7. Aug 2017, 09:01

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Jul 2017, 21:42)

Vorweg, ich weiß auch nicht, ob ein anderes Subforum besser passt.

Das Topics in Berlin-Neukölln muss schließen. Nach monatelangen Kampagnen, Boykottaufrufen und Anfeindungen geben die Enkel von Holocaust-Überlebenden ihren einzigartigen Buchladen/Coffeeshop-Crossover auf. Mitten im liberalen Berlin, wo sich Hipster die Klinke in die Hand geben, geschieht, was man eher von ostdeutschen Provinzstädten oder Vierteln mit hohem Migrantenanteil vermuten würde: Ein jüdischer Laden wird in den Ruin boykottiert. "Nazis" und "Faschos" lautet der Vorwurf, der vorrangig aus Berlins linker Szene getragen wird. Die Eigentümer des Ladens betrachten sich selbst als Linke, der Anlass der Überreaktion: Eine literarische Veranstaltung über den italienischen Philosophen Julius Evola, der im Mussolinireich und danach in neofaschistischen Kreisen liberalismuskritische Texte verfasste und heute in der amerikanischen Alt-Right-Bewegung einige Fans hat. Es sollte gewiss keine Lobhymne werden. Nach massiven Online-Protesten wurde die für März geplante Veranstaltung abgesagt, doch die Vorwürfe und Kritiken gegen den Laden gewannen eine unglaubliche Eigendynamik. Das Topics war kein vordergründig politischer Laden, die Themen der Veranstaltungen reichten bis hin zur Analyse der Star-Wars-Rezeption.

https://www.facebook.com/topicsberlin/p ... 0709696833




Jetzt fragt vielleicht mancher, was ist hier das Thema? Das Thema ist eine gewisse Dünnhäutigkeit unserer Gesellschaft, was das Aushalten von Differenzen angeht. Haben wir verlernt, in den Sprechern hinter Meinungen, die wir ablehnen, ganze Personen zu sehen? Haben wir uns abgewöhnt, abweichende Meinungen auszuhalten, anzuhören und zu durchdenken, bevor wir sie - meistens - ablehnen, zurückweisen? Ich sehe einen gewissen Trend, Meinungsfragen zu Fragen des Anstandes zu verformen und politische Differenzen auf einer existenziellen Ebene auszutragen. Wir alle kennen die Forderung, linke Zentren zu schließen, weil sie die Quelle der Ideologie hinter linksradikalen Anschlägen seien. Wir kennen das Finanzverfahren gegen die NPD, für das eigens neue Gesetze geschaffen wurden. Wir blicken nach USA und reagieren befremdet auf die Nachrichten von Professoren, die kaum noch ihre Vorlesungen halten können und menschlich angefeindet haben, weil sie abweichende Privatmeinungen ausgesprochen haben. Jetzt also dieser Laden in Berlin, der sicher auch vor den Anfeindungen eher ein intellektuelles Hobby eines finanziell privilegierten Menschen gewesen ist, nach den Anfeindungen aber erst recht in die roten Zahlen geriet. Ist es richtig, den Austausch über Themen, die uns nicht behagen, einfach wegzudrücken? Propagandisten kein Forum bieten zu wollen, ist verständlich. Die Auseinandersetzung über ihre Thesen aber einfach abzusagen, könnte sich als Bumerang erweisen.



Das sind die Geister die wir riefen.

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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Zunder » Mo 7. Aug 2017, 10:40

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Aug 2017, 09:40)

Also ist das gelogen?
I was corresponding with 10 Antifa pseudonyms FB warriors, and felt I was actually engaging in a serious discussion with them, my case at the end of ends was, "Ok, you have a problem with what is going on, come to the event, write what you think, make a noise, but don't bully us, don't intimidate us, don't shame us, people should have the right to free speech, and come the fuck on, we are doing an actual intellectual event here, and nothing more than that". At 01:30 in the morning I went to sleep with a good feeling that the winds subsided and we've reached a sort of a argumentative saturation, but In the morning, I woke up to see that tens of people shared and shamed us with the "A Fascist Bookstore in the heart of Berlin" claim. I thought to myself, oh mighty gods, where am I living at?
Quelle: Eingangsbeitrag

Warum soll das gelogen sein?
Diesen Shitstorm mit teilweise inakzeptablen Kommentaren gab es tatsächlich. "Tens of people" sind aber nicht wirklich ein Hurrikan.

Antisemitische Ausfälligkeiten gab es aber nicht. Auch keinen Boykott-Aufruf. Daraus einen Boykott-Terror zu konstruieren und eine Analogie zu Nazimethoden zu behaupten wie Vera Lengsfeld das tut, ist völlig daneben.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Aug 2017, 11:03

Zunder hat geschrieben:(07 Aug 2017, 11:40)

Daraus einen Boykott-Terror zu konstruieren...

Der Betreiber schreibt selber, dass sein Umsatz nach dem Wirbel um den Vortrag drastisch eingebrochen ist und er den Laden deswegen schließt. Ich weiß nicht, ob man das Boykott-Terror nennen soll, der Betreiber ist ja anscheinend in der glücklichen Lage, vermögend genug zu sein, um nicht auf weitere Einkünfte angewiesen zu sein, anderenfalls wäre eben eine Existenz vernichtet worden.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Zunder » Mo 7. Aug 2017, 11:41

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Aug 2017, 12:03)

Der Betreiber schreibt selber, dass sein Umsatz nach dem Wirbel um den Vortrag drastisch eingebrochen ist und er den Laden deswegen schließt. Ich weiß nicht, ob man das Boykott-Terror nennen soll, der Betreiber ist ja anscheinend in der glücklichen Lage, vermögend genug zu sein, um nicht auf weitere Einkünfte angewiesen zu sein, anderenfalls wäre eben eine Existenz vernichtet worden.

Drastisch ist der Umsatz schon deshalb nicht eingebrochen, weil er auch vorher nicht so hoch war, daß die Betreiber vom Ertrag der Buchhandlung hätten leben können. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Shitstorm und dem Umsatzrückgang haben die Betreiber meines Wissens nicht behauptet.

Die Skandalisierung erfolgte durch Leute, die sich für den "israelischen" Buchladen offensichtlich erst interessierten, als seine Schließung angekündigt wurde.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Aug 2017, 12:16

Zunder hat geschrieben:(07 Aug 2017, 12:41)

Drastisch ist der Umsatz schon deshalb nicht eingebrochen, weil er auch vorher nicht so hoch war, daß die Betreiber vom Ertrag der Buchhandlung hätten leben können.

Aus dem FB-Link: "moreover, whether it is a coincidence or not, after the Evola incident out sales had dropped drastically"
Weiter vorne: "But to make things clear, I wasn't expecting Topics to be a gold mine, I knew I can live with it yielding a small profit every month, and you know what, the shop was doing ok, most months i wan't able to break even, once I made a profit, all in all, the business was stuttering..."

Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Shitstorm und dem Umsatzrückgang haben die Betreiber meines Wissens nicht behauptet.

Kann natürlich ein riesiger Zufall sein, dass ausgerechnet nach dem "Shitstorm" die Umsätze drastisch eingebrochen sind und es da keinerlei Zusammenhang gibt, für besonders wahrscheinlich halte ich das aber nicht.

Die Skandalisierung erfolgte durch Leute, die sich für den "israelischen" Buchladen offensichtlich erst interessierten, als seine Schließung angekündigt wurde.

Du findest die Vorgänge nicht skandalös? Business as usual, Zerstörung von Existenzen, weil sie der falschen Partei angehören oder vermeintlich falsche Meinungen äußern? Da klopft Weimar aber ganz laut an die Tür, wenn solche Zustände normal werden. Du wirst mich nicht davon überzeugen können, dass man Menschen einschüchtern und/oder wirtschaftlich schädigen darf, nur weil sie in den Augen einiger Radikaler etwas falsches gesagt oder getan haben.

Schlußwort:
As for any claims of Boycott. I am unable to say anything, I did hear, from hearsay only, about people who are saying that we are a "Nazi recruitment centre", that we were a "dangerous shop who was giving platform to dangerous people", but I didn't take that seriously because of how far away from the truth this thing is, I don't even know where to start. but this is actually the frightening thing here, that without me knowing it I became for some or maybe many people an enemy of the people, and this is how things work today, or maybe they always worked like this, in Germany especially.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Zunder » Mo 7. Aug 2017, 13:05

"Zerstörung von Existenzen"
Alles klar.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 14. Aug 2017, 06:22

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Aug 2017, 13:16)
Du findest die Vorgänge nicht skandalös? Business as usual, Zerstörung von Existenzen, weil sie der falschen Partei angehören oder vermeintlich falsche Meinungen äußern? Da klopft Weimar aber ganz laut an die Tür, wenn solche Zustände normal werden. Du wirst mich nicht davon überzeugen können, dass man Menschen einschüchtern und/oder wirtschaftlich schädigen darf, nur weil sie in den Augen einiger Radikaler etwas falsches gesagt oder getan haben.

Das ist schon länger ein Thema. Darf man, soll man Menschen mit abweichenden politischen Meinungen wirtschaftlich benachteiligen? Soll das eine Rolle spielen bei Einstellungen, Beförderungen, Aufträgen? Wo ist die Grenze? Warum?
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Billie Holiday » Mo 14. Aug 2017, 07:40

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(14 Aug 2017, 07:22)

Das ist schon länger ein Thema. Darf man, soll man Menschen mit abweichenden politischen Meinungen wirtschaftlich benachteiligen? Soll das eine Rolle spielen bei Einstellungen, Beförderungen, Aufträgen? Wo ist die Grenze? Warum?


Im alten Forum wurde mal die Frage diskutiert, ob man sein Auto in eine Werkstatt bringen sollte, dessen Inhaber rechts ist und in einer rechten Partei engagiert.
Ich machte das vom Preis-/Leistungsverhältnis und von Fachkompetenz abhängig, da ich nicht zum Diskutieren zu einer Werkstatt fahre. Ganz schlimm. :|
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 14. Aug 2017, 08:04

Billie Holiday hat geschrieben:(14 Aug 2017, 08:40)

Im alten Forum wurde mal die Frage diskutiert, ob man sein Auto in eine Werkstatt bringen sollte, dessen Inhaber rechts ist und in einer rechten Partei engagiert.
Ich machte das vom Preis-/Leistungsverhältnis und von Fachkompetenz abhängig, da ich nicht zum Diskutieren zu einer Werkstatt fahre. Ganz schlimm. :|

Ja gut, wenn der Besitzer links wäre, müsstest du dir Sorgen um das Vehikel machen. Wäre er rechts, um die Insassen. Soweit der Boulevard. Aber das mal beiseite, die normale Einstellung zum Einkauf von Waren und Diensten ist ja, dass man gute Leistung kriegt zu einem vernünftigen Preis. Tertiär gibt es dann noch so eine Art Wohlfühlkomponente. Je nach Einschlag kann das sein "gesund", "öko", "regional", "deutsches Produkt" oder "fair gehandelt". Bei Babynahrung "ohne Kämie" kennt man wie beim Friseur "schonend zur Haarwurzel". Jetzt ist also noch die politische Dimension dazugekommen. Kauft nicht beim. Offenbar geht es uns gut genug für solche Fragen.

Wenn man das umdreht, ist es aber gar nicht neu. Bevorzugt und oft überteuert kaufen wir den Kuchen beim Basar der Kirche, das klobige Holzspielzeug aus der Behindertenwerkstatt oder die Postkarten von irgendeinem Integrationsprojekt. Was passiert, wenn staatenlose Postkartenmaler arbeitslos sind und zu viel Freizeit haben, kennen wir ja aus der deutschen Geschichte. Support your local dealer statt Amazon, Wochenmarkt statt Wellness-Kiwi.

Bei den beiden Neuköllnern mit ihrem Laden ging es um Menschen von hier, die sich erlaubt haben, etwas anstößiges zu diskutieren. Sie haben nicht Partei ergriffen, sie haben nicht gehetzt. Sie haben Reich-Ranicki gespielt, wenn man so will. Dass einige hier das mit dem der Entfernung eines Hetzbuchs von einer Spiegel-Liste in eins setzen, ist unbegreiflich.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 14. Aug 2017, 10:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Aug 2017, 13:16)
but this is actually the frightening thing here, that without me knowing it I became for some or maybe many people an enemy of the people, and this is how things work today, or maybe they always worked like this, in Germany especially.

Dit is Berlin, wa?
Es ist eben leider typisch deutsch und die hässliche Seite Deutschlands: Nicht-Konformität wird bestraft.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Zunder » Mo 14. Aug 2017, 10:41

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(14 Aug 2017, 09:04)
Dass einige hier das mit dem der Entfernung eines Hetzbuchs von einer Spiegel-Liste in eins setzen, ist unbegreiflich.

Kann man das irgendwo nachlesen?
Ich habe den Thread nochmal überflogen und nirgends eine solche Gleichsetzung gefunden.

Zu diesem Thema habe ich im Netz übrigens auch keinen Nachweis für den angeblichen Boykott-Terror gefunden. Für die Zerstörung von Existenzen auch nicht. Genauso wenig für die Anwendung von Nazimethoden. Und um Antisemitismus ging es nicht einmal andeutungsweise.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 14. Aug 2017, 10:45

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Aug 2017, 11:28)

Dit is Berlin, wa?
Es ist eben leider typisch deutsch und die hässliche Seite Deutschlands: Nicht-Konformität wird bestraft.

Ob das nun mehr deutsch ist als es amerikanisch, jüdisch, muslimisch oder typisch Mann ist, müsste man nochmal hinterfragen.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 14. Aug 2017, 12:52

Zunder hat geschrieben:(14 Aug 2017, 11:41)
Zu diesem Thema habe ich im Netz übrigens auch keinen Nachweis für den angeblichen Boykott-Terror gefunden. Für die Zerstörung von Existenzen auch nicht. Genauso wenig für die Anwendung von Nazimethoden. Und um Antisemitismus ging es nicht einmal andeutungsweise.

Unter anderem in diesem ZEIT-Artikel, der zusammenfassend die Ereignisse reflektiert, ist eigentlich alles enthalten: Boykott, wenn nicht "Zerstörung von Existenzen" so doch schlicht und einfach "Pleite", Nazimethoden und (vermeintlicher) Philosemitismus, der sich realiter als Antisemitismus entpuppt:
Dass eine jüdische Buchhandlung in Neukölln nun wegen der Machttrunkenheit, Sturheit und Humorlosigkeit selbstgerechter Nachfahren der Täter pleiteging, löste keine empörte Debatte in der Politik, den Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den Kolumnen besorgter Deutscher aus. ...

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-07/topics-berlin-neukoelln-juden-israelischer-buchladen-schliessung
Der Autor, Armin Langer, ehemaliger Rabbiner-Student berichtet bemerkenswerterweise aus Berlin gleichzeitig und parallel über wachsende Islamophobie wie auch über wachsenden Antisemitismus ...
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 14. Aug 2017, 14:17

Dem Betreiber des Buchladens wurde natürlich nicht die Existenz zerstört, weil er einigermaßen wohlhabend zu sein scheint. Anders sieht es aber bei dem Italiener in München aus, der hat jetzt kein Einkommen mehr, weil er an Pegidaleute Essen und Getränke verkauft hat. Wo soll sowas eigentlich enden?
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Zunder » Di 15. Aug 2017, 00:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Aug 2017, 13:52)

Unter anderem in diesem ZEIT-Artikel, der zusammenfassend die Ereignisse reflektiert, ist eigentlich alles enthalten: Boykott, wenn nicht "Zerstörung von Existenzen" so doch schlicht und einfach "Pleite", Nazimethoden und (vermeintlicher) Philosemitismus, der sich realiter als Antisemitismus entpuppt:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-07/topics-berlin-neukoelln-juden-israelischer-buchladen-schliessung
Der Autor, Armin Langer, ehemaliger Rabbiner-Student berichtet bemerkenswerterweise aus Berlin gleichzeitig und parallel über wachsende Islamophobie wie auch über wachsenden Antisemitismus ...

Der Autor hat keine Ereignisse reflektiert, er hat Ereignisse erfunden.

ARMIN LANGER:
"Nun starren sich diese Israelis fassungslos auf deutschem Boden an, denn ihre von zwei Israelis betriebene Lieblingsbuchhandlung muss wegen Drohungen schließen."

Wegen Drohungen mußte der Laden schließen? Warum wissen das die (ehemaligen) Betreiber nicht?

Topics Berlin:

"So to sum up, THE REASON FOR CLOSING TOPICS IS FIRST AND FOREMOST FINANCIAL. moreover, whether it is a coincidence or not, after the Evola incident out sales had dropped drastically, and our willingness to create an interesting cultural program had dwindled, we, or maybe I should I, could have go on, "fight" back or act as if nothing happened, but I was reluctant to do so, and of course the financial aspect of thing was a major reason for that."
https://www.facebook.com/topicsberlin/p ... 0709696833

ARMIN LANGER:
"Amir und Doron, beide Enkelkinder von Holocaustüberlebenden, wurden von Linken als Nazis beschimpft und monatelang bedroht."

Sie wurden monatelang bedroht? Woher hat er nur diese "Information"?

"Laut Zeitungsberichten stammen die meisten Randalierer aus der antideutschen Szene."

Randaliert haben sie auch? Wo denn?
Und wenn in Zeitungsberichten von Antideutschen die Rede ist, muß das zwangsläufig stimmen.

"Dass eine jüdische Buchhandlung in Neukölln nun wegen der Machttrunkenheit, Sturheit und Humorlosigkeit selbstgerechter Nachfahren der Täter pleiteging, löste keine empörte Debatte in der Politik, den Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den Kolumnen besorgter Deutscher aus. Es ist deswegen an der Zeit, über den destruktiven Philosemitismus in der deutschen Gesellschaft und besonders innerhalb der antideutschen Linken zu reden."

Es ging in dieser Sache nie um Juden oder um Israel. Die Fantasie von Armin Langer ist schon beeindruckend.

Topics Berlin:

"I've made it clear, time and again, the shop was in a financial struggle, not a sort of trouble that I couldn't go on and dealt with, but the recurrent events, and the Evola incident in particular, drastically brought sales down, took the will for us to build and create an interesting and controversial literary program, and to top it, made me feel that it is one thing to carry on with a struggling business, but it is a whole other thing when you r business is falsely accused and smeared with lies, that was my sign to take leave.
as for the controversy of being jewish and reading an antisemitic writer, two things- first: we never waived the jewish flag before this whole shitstorm started, and we started waving it it was for the sake of the irony here. this incident has no realtion to our jewishness and no antisemitic flavour to it, the articles and german media loves it of course, to tie these things together, but it's just fake stupid news, the story here is about freedom of speech."

https://www.facebook.com/topicsberlin/?fref=mentions

Aber wie schreibt Armin Langer so treffend:

"Die Erfahrungen echter Juden sind nicht mehr relevant."

Daß er sich damit beschrieben hat, merkt er offensichtlich nicht.
Für Julius Evola und D.C. Miller, um die es eigentlich ging, interessiert er sich ohnehin nicht.

Noch ein Schmankerl:

" Der Linken-Abgeordnete Oliver Höfinghoff griff im Sommer 2016 beim Berliner Christopher Street Day (CSD) zusammen mit einigen Genossen Mitglieder der Gruppe Berlin Against Pinkwashing an. Den Protest von israelischen Juden und einigen Arabern, die zusammen gegen den israelischen Botschafter demonstrieren wollten, konnte der Abgeordnete nicht aushalten, er musste zuschlagen."

"Er mußte zuschlagen." Dieser Brutalo.



Tatsächlich hat er in einer wahnsinnigen Gewalteruption ein Styroporplakat zerhauen, auf dem Israel als Apartheidsstaat verunglimpft wird. Von Queers. Das sind Leute, die in Tel Aviv unbehelligt leben können, aber schwerlich in Gaza oder Ramallah. Was für ein Hohn!

Wenn du ein bißchen realitätsnäher informiert werden möchtest, kann ich dir den Artikel aus der Süddeutschen empfehlen:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/strei ... -1.3605653

Und etwas von links:
http://hate-mag.com/2017/07/zur-verteid ... nlos-sein/
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 15. Aug 2017, 06:50

Zunder hat geschrieben:(15 Aug 2017, 01:51)

Der Autor hat keine Ereignisse reflektiert, er hat Ereignisse erfunden. ...

Ja, besten Dank erstmal für die Fülle an Hintergrundinformationen. Der SZ-Artikel war tatsächlich erheblich informativer und sachlicher als der in der ZEIT. Du wirst allerdings zugeben müssen, dass die Rollen von SZ und ZEIT in der deutschen Medienlandschaft nicht so sehr weit auseinanderliegen. Und es keinen Grund gibt, ad hoc dem einen Blatt mehr zu vertrauen als dem anderen. Mit einem etwas stärkeren Gewicht auf Reflexion bei der ZEIT (klar, als Wochenzeitung) und einem etwas stärkeren Gewicht auf Berichterstattung bei der SZ (klar, als überregionaleTageszeitung). Sie gelten als Wettbewerber.

Und die Tatsache, dass die zitierten Facebookeinträge von den Betreibern des topics selbst kommen, heißt nicht automatisch, dass damit deren Authentizität garantiert ist. Es kann sich durchaus auch (mindestens zum Teil) um ein "Zurechtrücken" der eigenen Rolle nach außen handeln.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 15. Aug 2017, 17:10

Auch wieder ein Kopfschüttelfall. Ein schweizer Hotel hat ein in der Formulierung unerträgliches Schild aufgehängt. Statt die Besitzerin mal anzusprechen geht die große social media Welle los, Forderungen nach Schließungen und schwarzen Listen. Dabei lag nach allem, was man hört, eher Unbedarftheit als böse Absicht vor. http://m.spiegel.de/panorama/gesellscha ... 62990.html Die Leut erregen sich zu gern.
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon hafenwirt » Do 17. Aug 2017, 23:41

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(15 Aug 2017, 18:10)

Auch wieder ein Kopfschüttelfall. Ein schweizer Hotel hat ein in der Formulierung unerträgliches Schild aufgehängt. Statt die Besitzerin mal anzusprechen geht die große social media Welle los, Forderungen nach Schließungen und schwarzen Listen. Dabei lag nach allem, was man hört, eher Unbedarftheit als böse Absicht vor. http://m.spiegel.de/panorama/gesellscha ... 62990.html Die Leut erregen sich zu gern.


Mich wundern da eher die Nachbarn/Wohnungseigentümern. 1. Wieso interessiert es diejenigen, was im Pool des ansässigen Hotels geschieht? Haben die nix besseres zu tun als sich Gäste im Pool anzugucken? 2. Woher wissen die Nachbarn, dass es Juden waren, welche die dreckigen T-Shirts getragen haben? 3. Wieso rennt man dann zur Hotelleitung und beschwert sich darüber, dass da jemand mit dreckigen Shirts im Pool schwimmt?
...
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Re: Boykott-Terror zwingt Topics Neukölln zum Schließen

Beitragvon Milady de Winter » Fr 18. Aug 2017, 08:25

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(15 Aug 2017, 18:10)

Auch wieder ein Kopfschüttelfall. Ein schweizer Hotel hat ein in der Formulierung unerträgliches Schild aufgehängt. Statt die Besitzerin mal anzusprechen geht die große social media Welle los, Forderungen nach Schließungen und schwarzen Listen. Dabei lag nach allem, was man hört, eher Unbedarftheit als böse Absicht vor. http://m.spiegel.de/panorama/gesellscha ... 62990.html Die Leut erregen sich zu gern.

Also ganz ehrlich: ich persönlich frage mich, wie man so eine Formulierung überhaupt in Erwägung zieht. Und zwar nicht, weil es sich um jüdische Gäste handelt, sondern weil es schlicht ein Unding ist, eine allgemeingültige - valide - Forderung auf eine spezielle Gruppe von Gästen zu beschränken. Wenn darum gebeten wird, vor Benutzung des Schwimmbades zu duschen, dann muss diese Bitte an ALLE Benutzer des Beckens erfolgen, egal ob Gast, Angestellter oder sonstwer. Das Wort "jüdische Gäste" hat in dem Kontext in meinen Augen natürlich eine ganz besondere Brisanz, aber man kann es durch jede x-beliebige Gruppe ersetzten: wir bitten unsere deutschen/indischen/muslimischen/über 60-jährigen/dunkelhäutigen Gäste...". Es ist und bleibt völlig absurd in meinen Augen. Und ich nenne das ehrlich gesagt nicht Unbedarftheit, sondern Dummheit.

Zeigt aber, dass so ein kapitaler Fehler nicht ohne Folgen bleibt. Dafür ist die Social Media Welt zu stark und zu präsent. Auch das sollte jedem - spätestens nach so einem Fall - bewusst sein.
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