Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

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Boraiel
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Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » Fr 17. Mär 2017, 18:40

Um oben genannte Frage soll es gehen.
"Memento mori" - Bedenke, dass du sterblich bist - ist ja ein noch heute bekannter Spruch aus der Römerzeit. Ja, man selbst wird sterben, aber das Sein - auch das menschliche Bewusstsein - auf der Erde kennt kein Ende. Es hat seine Existenz hier bis in alle Ewigkeit, es wird immer so weiter gehen nach den Regeln, die wir ganz überwiegend, kennen. Wir haben in den abrahamistischen Religionen mit dem "Tag des jüngsten Gerichts" etwas etabliert, was uns von Gegenteil überzeugen soll. Diese Welt hat ein Ende und da wird über die Menschen Gericht gehalten werden. Nur ist das "Jüngste Gericht" schon oft ausgefallen, natürlich ist das eher ein Herrschaftsinstrument und eine gewisse Achtsamkeit, sie daran zu nahmen, dass alles zu Ende gehen kann, ist ja auch nicht ganz verkehrt.
Auch der durch den Kapitalismus befeuerte Ruf nach Innovationen erzeugt eine Parallelrealität, in der vorgegeben wird, dass dem Menschen bisher Dinge entgangen sind. Dem ist aber nicht so, was nicht heißen soll, dass keine besseren Produkte möglich sind.
Auch der Umgang mit dem Thema Datenschutz in Deutschland zeigt mir, dass viele sich nicht klar sind, dass wir mit einer Ewigkeit menschliches Seins konfrontiert sind. Auch wenn ich viele Nachbarn gar nicht persönlich kenne, weiß ich nahezu alles über sie. Da kann man sowieso nichts verstecken. Wer die Welt und das menschliche Sein wirklich kennt, der kennt auch mich. Da ist nichts, was ich so jemanden vormachen könnte, oder er mir.
Wird in Deutschland (und wenn ja, wo) zum Ausdruck gebracht, dass wir (bzw. zumindest einige) über das menschliche Sein, den Gang der Welt zu allen, auch den kommenden Zeiten, Bescheid wissen? Oder fehlt es an einer Kultur über die Ewigkeit des Seins in dieser Welt?
"Die größte Strafe aber ist, von Schlechteren regiert zu werden, wenn einer nicht selbst regieren will; und aus Furcht vor dieser scheinen mir die Rechtschaffenen zu regieren, wenn sie regieren."
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Dampflok94 » Sa 18. Mär 2017, 13:25

Willst Du etwas sagen, die Menschheit würde in alle Ewigkeit existieren? Oder wie darf man deinen Beitrag interpretieren?
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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harry52
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon harry52 » Sa 18. Mär 2017, 13:57

Boraiel hat geschrieben:Ja, man selbst wird sterben, aber das Sein - auch das menschliche Bewusstsein - auf der Erde kennt kein Ende. Es hat seine Existenz hier bis in alle Ewigkeit,

Da stimmt was nicht, bzw. Du müsstest es präzisieren.

Soweit wir wissen, wird die Erde nicht ewig bestehen.
Die Sonne hat in einigen wenigen milliarden Jahren soviel Wasserstoff in Helium umgewandelt, dass sie ihre jetzige Form nicht mehr behält. Die Sonne ist ja nicht unendlich groß und ihr Brennstoff ist somit endlich. Sie wird zu einem "roten Riesen" anwachsen und die Erde vermutlich verbrennen und sich einverleiben.

Boraiel hat geschrieben:Auch der durch den Kapitalismus befeuerte Ruf nach Innovationen erzeugt eine Parallelrealität, in der vorgegeben wird, dass dem Menschen bisher Dinge entgangen sind. Dem ist aber nicht so, was nicht heißen soll, dass keine besseren Produkte möglich sind.

Und wo ist da der Zusammenhang mit dem Kapitalismus?
Auch in anderen Systemen werden wir auf Grenzen stoßen. Auch im Kommunismus wurde Kupfer, Öl, Kohle ... verbraucht. Und die Sonne verbrennt ihr Wasserstoff ganz unabhängig davon, wie wir hier wirtschaften.

Und was soll das mit den neuen Produkten, die uns was vorgeben?
Es gibt jetzt Smartphones und viele Kunden finden die einfach besser als die alten Handys. Oder nimm die heutigen PKW. Ich bin gerade mit meinen beiden Töchtern zur Oma gefahren und bin froh, dass mein Auto weit sicherer ist, als die aus den 70er Jahren. Damals starben 20000 Menschen im Straßenverkehr nur in Westdeutschland. Heute sind es "nur" noch 3000 und das trotz viel mehr Verkehr und trotz der deutschen Einheit.

Da wird mir nichts vorgegeben.
Ich bin selber klug genug, ein modernes Auto mit Airbag, Gurten, Seitenaufprallschutz, modernen Bremsen ... zu benutzen. Oder nimm die neuen Medikamente gegen Krebs bei Kindern. Heute ist die Sterblichkeit bei Krebs bei Kindern viermal geringer als noch vor 40 Jahren. Warum wird mir da was vorgegeben und was ist daran so schlecht?

Präzisier mal halbwegs verständlich, was Du überhaupt meinst. Ich bin mir aber leider relativ sicher, dass Du Schwierigkeiten hast, logisch und geordnet zu denken. Dein Beitrag ist jedenfalls sehr wirr.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon odiug » Sa 18. Mär 2017, 14:11


Mehr gibt es zum Sein als Dasein in all seiner Ewigkeit nicht zu sagen :p
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Boraiel
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » Sa 18. Mär 2017, 21:06

Dampflok94 hat geschrieben:Willst Du etwas sagen, die Menschheit würde in alle Ewigkeit existieren? Oder wie darf man deinen Beitrag interpretieren?

Dabei ist immer die Frage, was ein Mensch denn genau ist und zu was sich die Menschheit dann zusammenfasst.
Aber im Prinzip sage ich genau das. Die menschliche Existenz hier wird ewig sein. Es gibt keine ernsthaften Gefahren für die Menschheit (natürlich wohl für einzelne Menschen). Auch wenn man die Milliarden Jahre, die die Sonne noch scheinen wird, aus Menschheits-Perspektive mit der Ewigkeit durchaus gleichsetzen kann, wird die Menschheit schon weit vor Ende dieser Zeit ihre eigenen Sonnen betreiben und wahrscheinlich auch das Ende unserer Sonne überleben.
Alle Bewegungen, die der einzelne Mensch machen kann, sind uns (bzw. einigen) vollauf bekannt, die Bahnen, in denen sich ein menschliches Leben vollzieht, sind ebenso vollauf bekannt. Es gibt dort keine Ausnahmen, keine Flucht und kein Versteck davor, sondern nach diesen Regeln und Mustern wird es sich immer abspielen.

Wann und wo machen wir uns in dieser Gesellschaft eigentlich gegenseitig bewusst, dass wir doch all das über die Ewigkeit des menschlichen Seins wissen?
Ich mein, ich tue das ja gerade, aber sollte das nicht mehr den Menschen klar sein? Oder würdet ihr sagen, dass ist den Meisten gar nicht unklar?
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » Sa 18. Mär 2017, 21:28

harry52 hat geschrieben:Da stimmt was nicht, bzw. Du müsstest es präzisieren.

Soweit wir wissen, wird die Erde nicht ewig bestehen.
Die Sonne hat in einigen wenigen milliarden Jahren soviel Wasserstoff in Helium umgewandelt, dass sie ihre jetzige Form nicht mehr behält. Die Sonne ist ja nicht unendlich groß und ihr Brennstoff ist somit endlich. Sie wird zu einem "roten Riesen" anwachsen und die Erde vermutlich verbrennen und sich einverleiben.

Das ist richtig, aber die Zeit bis dahin ist für die Menschheit praktisch die Ewigkeit.
harry52 hat geschrieben:Und wo ist da der Zusammenhang mit dem Kapitalismus?
Auch in anderen Systemen werden wir auf Grenzen stoßen. Auch im Kommunismus wurde Kupfer, Öl, Kohle ... verbraucht. Und die Sonne verbrennt ihr Wasserstoff ganz unabhängig davon, wie wir hier wirtschaften.

Kupfer wird nicht verbraucht und Öl und Kohle kann wieder entstehen. Selbst Wasserstoff kann durch Kernspaltung wieder hergestellt werden, insgesamt geht aber immer ein Mini-Teil der potenziell nutzbaren Energie als Wärme verloren. Nebenbei bin auch kein Gegner des Kapitalismus.
harry52 hat geschrieben:Und was soll das mit den neuen Produkten, die uns was vorgeben?
Es gibt jetzt Smartphones und viele Kunden finden die einfach besser als die alten Handys. Oder nimm die heutigen PKW. Ich bin gerade mit meinen beiden Töchtern zur Oma gefahren und bin froh, dass mein Auto weit sicherer ist, als die aus den 70er Jahren. Damals starben 20000 Menschen im Straßenverkehr nur in Westdeutschland. Heute sind es "nur" noch 3000 und das trotz viel mehr Verkehr und trotz der deutschen Einheit.

Heutige Autos sind zweifellos weitgehend besser als 1970, aber wenn man mal das Wesentliche sieht: Seit 1492 haben die Europäer einen Weg nach Amerika, heutige Flugzeuge können einen auch nur dahin bringen.
harry52 hat geschrieben:Da wird mir nichts vorgegeben.
Ich bin selber klug genug, ein modernes Auto mit Airbag, Gurten, Seitenaufprallschutz, modernen Bremsen ... zu benutzen. Oder nimm die neuen Medikamente gegen Krebs bei Kindern. Heute ist die Sterblichkeit bei Krebs bei Kindern viermal geringer als noch vor 40 Jahren. Warum wird mir da was vorgegeben und was ist daran so schlecht?

Daran ist nichts verkehrt.
harry52 hat geschrieben:Präzisier mal halbwegs verständlich, was Du überhaupt meinst. Ich bin mir aber leider relativ sicher, dass Du Schwierigkeiten hast, logisch und geordnet zu denken. Dein Beitrag ist jedenfalls sehr wirr.

Ich habe gewiss keine Schwierigkeiten logisch und geordnet zu denken, nein da bin ich sehr gut drin im Vergleich zu den meisten anderen (Mitdiskutanten natürlich ausgenommen! ;) ). Wie jeder Beitrag kann und konnte auch dieser bzw. ich gebe zu, insbesondere dieser erste hier, anders ausfallen; ich denke, er hat das Thema trotzdem irgendwie vorgestellt und angestoßen.
Zuletzt geändert von Boraiel am Sa 18. Mär 2017, 21:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » Sa 18. Mär 2017, 21:34

odiug hat geschrieben:(18 Mar 2017, 14:11)


Mehr gibt es zum Sein als Dasein in all seiner Ewigkeit nicht zu sagen :p

Fand das Video ganz amüsant, dein Kommentar ist allerdings weit weg von der Wahrheit. Auch trifft der Song das hiesige Thema nur stellenweise, über den Sinn des Daseins soll es nun nicht gehen.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Teeernte » Sa 18. Mär 2017, 21:47

Boraiel hat geschrieben:(17 Mar 2017, 18:40)

Bescheid wissen?


Muss dazu nicht SEIN.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » Sa 18. Mär 2017, 21:56

Teeernte hat geschrieben:(18 Mar 2017, 21:47)

Muss dazu nicht SEIN.

Sollte es denn nicht so sein?
Ich würde auch sehr klar sagen, dass wenn das Wissen um Genanntes nicht innerhalb dieser Gesellschaft weitergeben wird, dann sind die Menschen hier einfacher zu beherrschen.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Ger9374 » Sa 18. Mär 2017, 22:11

Hier wird die Frage nach einer Kultur der Ewigkeit des Seins gestellt!

Nietzsche, schoppenhauer das könnte das richtige für euch sein. Zu speziell für die Mehrheit meine ich.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 18. Mär 2017, 22:18

Boraiel hat geschrieben:(17 Mar 2017, 18:40)
"Memento mori" - Bedenke, dass du sterblich bist - ist ja ein noch heute bekannter Spruch aus der Römerzeit. Ja, man selbst wird sterben, aber das Sein - auch das menschliche Bewusstsein - auf der Erde kennt kein Ende. Es hat seine Existenz hier bis in alle Ewigkeit, es wird immer so weiter gehen nach den Regeln, die wir ganz überwiegend, kennen.

Es spricht sehr vieles dafür, dass das Universum oder zumindest der Teil, der den Erdenmenschen zugänglich ist, nicht seit Ewigkeiten sondern seit einer bestimmten Zeit existiert. Von daher ist es nicht auszuschließen, dass auch die zukünftige Existenz dieses Universums zeitlich begrenzt ist. Von den Menschen und der Erde mal ganz abgesehen. Der Gedanke der Ewigkeit des menschlichen Bewusstseins ist eine metaphysische Sicht, die in der Regel religiös ausbuchstabiert wird. Für sehr viele Menschen ist klar und völlig evident, dass die Erde einfach nur ein winziges Staubkörnchen im All mit Wesen ist, denen ein normaler zeitlich begrenzter Entwicklungsbogen bevorsteht. Schon ein nächster Gammastrahlenausbruch in der Nähe unseres Sonnensystems kann das Menschengeschlecht samt seinem Bewusstsein für immer auslöschen.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon odiug » So 19. Mär 2017, 08:48

Boraiel hat geschrieben:(18 Mar 2017, 21:34)

Fand das Video ganz amüsant, dein Kommentar ist allerdings weit weg von der Wahrheit. Auch trifft der Song das hiesige Thema nur stellenweise, über den Sinn des Daseins soll es nun nicht gehen.

Die Frage nach dem Wesen des Seins ist ein sehr deutsches Problem ... :p
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Antonius » So 19. Mär 2017, 10:48

odiug hat geschrieben:(19 Mar 2017, 08:48)

Die Frage nach dem Wesen des Seins ist ein sehr deutsches Problem ... :p
Dennoch ist diese Frage für den heutigen 3. Fastensonntag, genannt OCULI, sehr angemessen:

Oculi mei semper ad Dominum. (Meine Augen schauen stets auf den Herrn).
(Ps 25, 15)
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant (1724-1804)
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Julian » So 19. Mär 2017, 10:50

Boraiel hat geschrieben:(17 Mar 2017, 18:40)

Um oben genannte Frage soll es gehen.
"Memento mori" - Bedenke, dass du sterblich bist - ist ja ein noch heute bekannter Spruch aus der Römerzeit. Ja, man selbst wird sterben, aber das Sein - auch das menschliche Bewusstsein - auf der Erde kennt kein Ende. Es hat seine Existenz hier bis in alle Ewigkeit, es wird immer so weiter gehen nach den Regeln, die wir ganz überwiegend, kennen.


Viele Menschen teilen deine Prämisse, dass die Existenz hier bis in alle Ewigkeit weitergeht, nicht, und auch nicht, dass wir die Regeln ganz überwiegend kennen.

Bevor man aber darüber reden kann, ob es in Deutschland (warum eigentlich Deutschland? Die Beschränkung auf ein Land wirkt in diesem philosophischen Kontext deplaziert) an einer "Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt" fehlt, müsste man erst klären, ob es solch eine Ewigkeit des Seins überhaupt gibt. Du kannst die hier versammelten Antworten natürlich auch so werten, dass es eine solche Kultur in Deutschland nicht gibt, offenbar, weil viele Leute deine Prämisse für falsch halten.

Boraiel hat geschrieben:(17 Mar 2017, 18:40)
Wir haben in den abrahamistischen Religionen mit dem "Tag des jüngsten Gerichts" etwas etabliert, was uns von Gegenteil überzeugen soll. Diese Welt hat ein Ende und da wird über die Menschen Gericht gehalten werden. Nur ist das "Jüngste Gericht" schon oft ausgefallen, natürlich ist das eher ein Herrschaftsinstrument und eine gewisse Achtsamkeit, sie daran zu nahmen, dass alles zu Ende gehen kann, ist ja auch nicht ganz verkehrt.


Das war sicher im Mittelalter ein Herrschaftsinstrument - wobei man nicht davon ausgehen sollte, dass die Elite das schon immer für Kokolores gehalten hat. Nein, die haben wohl auch selbst daran geglaubt, wenn auch auf differenziertere Weise als das gemeine Volk. Im beginnenden 21. Jahrhundert erkenne ich in der deutschen Kultur aber immer weniger Religiosität, vor allem auch immer weniger organisierte Religion; gerade deswegen ist der Kontrast zu den vielen religiösen Eiferern, die zu uns kommen, ja so beeindruckend. Von daher eignet sich Religion immer weniger als Herrschaftsinstrument für Menschen, die in der deutschen Kultur sozialisiert worden sind.

Boraiel hat geschrieben:(17 Mar 2017, 18:40)
Auch der durch den Kapitalismus befeuerte Ruf nach Innovationen erzeugt eine Parallelrealität, in der vorgegeben wird, dass dem Menschen bisher Dinge entgangen sind. Dem ist aber nicht so, was nicht heißen soll, dass keine besseren Produkte möglich sind.


Das Innovationstempo hat in der Tat Ausmaße angenommen, die einen auch erschrecken können. Allerdings gibt es dadurch eben auch sehr viele positive Neuerungen, und zwar ganz reale, praktische, die mitnichten in einer Parallelrealität angesiedelt sind.

Im Gegensatz zu dir glaube ich auch sehr wohl, dass uns bisher viel entgangen ist. Man kann sich das an zwei Beispielen verdeutlichen: So hat ja eine Ameise auch ein Verständnis ihrer Realität und kann sich wohl nicht vorstellen, was es jenseits dieser Realität gibt. Und Steinzeitmenschen konnten sich nicht vorstellen, dass es einmal so etwas wie das Internet gibt. Warum aber sollten wir annehmen, dass wir gegenwärtigen Menschen evolutionär und menschheitsgeschichtlich ausgerechnet an dem Punkt angekommen sind, an dem es keine höhere Entwicklung mehr geben könne? Das halte ich für naiv.

Unsere Welt ist durch Emergenz geprägt, d.h. es entwickeln sich immer wieder grundlegend neue Dinge, die aus den bereits vorhandenen nicht vorhersehbar waren. Hätte man alle Gesetze der Physik zusammen, wäre es dennoch unmöglich, daraus so etwas wie Leben notwendiger- und hinreichenderweise schlusszufolgern, und schon gar nicht, darauf zu kommen, dass sich einmal so etwas wie Bewusstsein entwickeln würde.

Man kann dies auch auf die menschliche Geschichte, insbesondere die Wissenschaftsgeschichte und Geistesgeschichte, übertragen. Es wird immer wieder grundlegend neue Erkenntnisse geben, die man vorher für unmöglich gehalten hätte; ja, sogar Erkenntnisse über Dinge, von deren Existenz man vorher gar nicht wusste (das unbekannte Unbekannte, im Gegensatz zum bekannten Unbekannten). Auch glaube ich, dass sich unser Denken rasend schnell verändert. Wäre es möglich, mit Menschen aus anderen historischen Epochen zu sprechen, hätten wir nicht nur ein Sprachproblem, sondern ein viel größeres Verständigungsproblem, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen.

Mit der Wissenschaft haben wir prinzipiell ein sehr scharfes Instrument an der Hand und damit eine Erkenntnis, wie man zu Erkenntnissen kommt. Aber selbst diese verändert sich; man schaue sich nur einmal an, wie neu eigentlich doch selbstverständliche Methoden sind, wie beispielsweise die kontrollierte randomisierte Studie in der klinischen Medizin.

Selbst die Welt des Moralischen ist nicht absolut zu sehen, sondern ist Veränderungen unterworfen. Es mag prinzipielle Dinge geben, die einen gewissen Ewigkeitswert haben, aber vieles ist eben Wandlungen unterworfen, von der Todesstrafe über Homosexualität bis hin zu Abtreibung und Tierversuchen. Es ist naiv zu glauben, wir hätten hier einen Endpunkt erreicht.
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » So 19. Mär 2017, 13:08

Antonius hat geschrieben:(19 Mar 2017, 10:48)

Dennoch ist diese Frage für den heutigen 3. Fastensonntag, genannt OCULI, sehr angemessen:

Oculi mei semper ad Dominum. (Meine Augen schauen stets auf den Herrn).
(Ps 25, 15)

Was ich mich schon seit Erstellung des ersten Beitrages frage, ist, wie dieses Thema von den christlichen Kirchen behandelt wird. Ich mein, ja gut, wir haben mit dem jüngsten Gericht die Möglichkeit ausgedrückt, dass diese Welt zu Ende gehen kann, wird an anderer Stelle denn dann gar nicht die Ewigkeit des Seins in dieser Welt behandelt?
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Jekyll » So 19. Mär 2017, 13:18

Der Alltags-Mensch hat einfach nicht die Muße, sich mit solchen Dingen zu befassen. Es muss alles schnell gehen, immer schneller und schneller.
Kahn hat es begriffen => https://youtu.be/GMnBOQAxe4c
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Zunder » So 19. Mär 2017, 13:27

odiug hat geschrieben:(19 Mar 2017, 08:48)

Die Frage nach dem Wesen des Seins ist ein sehr deutsches Problem ... :p

Diese Frage hat Hegel in der Wissenschaft der Logik längst beantwortet:

"Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts, sondern daß das Sein in Nichts und das Nichts in Sein – nicht übergeht, sondern übergegangen ist. Aber ebensosehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen: das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat."
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Jekyll » So 19. Mär 2017, 13:49

Würde ich jetzt mit Vorsicht und unter Vorbehalt genießen. Wir haben keine endgültigen Gewissheiten darüber, wie es um den Geisteszustand Hegels bestellt war.
Kahn hat es begriffen => https://youtu.be/GMnBOQAxe4c
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Quatschki » So 19. Mär 2017, 13:52

Man sollte auch nie vergessen - So unkaputtbar ist die Menschheit nicht...
Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!
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Re: Fehlt es in Deutschland an einer Kultur der Ewigkeit des Seins in dieser Welt?

Beitragvon Boraiel » So 19. Mär 2017, 13:52

Jekyll hat geschrieben:(19 Mar 2017, 13:18)

Der Alltags-Mensch hat einfach nicht die Muße, sich mit solchen Dingen zu befassen. Es muss alles schnell gehen, immer schneller und schneller.

Nö, muss es nicht. Es sind heute weniger Handgriffe erforderlich, um das eigene Überleben zu sichern, insofern kann man sich für diese im Allgemeinen mehr Zeit lassen.
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