Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 15:35

@D.A. Der amerikanische Historiker Fredrickson (und viele andere) verstehen "Kulturalismus" als Vorstellung, in der Kultur „in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden“, dass Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs wird“.

Es ist im Prinzip ganz einfach. Die Verrechtlichung von Prinzipien wie Gleichberechtigung, Menschenrechte usw. in Grundgesetz, Strafgesetzbuch usw. befreit uns von dem, was der Wiener Philosoph Rudolf Burger Das Elend des Kulturalismus nennt. Er hat ein ganzes Buch mit diesem Titel geschrieben.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Julian » Di 28. Feb 2017, 15:38

Provokateur hat geschrieben:(28 Feb 2017, 14:22)

Grundrechte sind zu aller erst einmal Schutzrechte des Einzelnen im Angesicht des Staates. Natürlich ist es absolut wünschenswert, dass sich alle Deutschen im Sinne des Verfassungspatriotismus zu diesen Werten bekennen - es bleibt aber straffrei, das nicht zu tun. Nur wer den Verdacht erweckt, aktiv daran zu arbeiten, eine Gesellschaftsform zu errichten, die diese Grundwerte nicht anerkennt, wird vom Staat genau beobachtet, zumeist durch Verfassungs- und Staatsschutz.

Defizite bestehen also nicht nur bei Flüchtlingen. Auch vielen Deutschen fehlt der Verfassungspatriotismus. Schade eigentlich. Hier muss an allen Enden nachgebessert werden.


Ich finde es einfach ausgesprochen dumm, massenhaft Menschen ins Land zu lassen, von denen man weiß, dass viele von ihnen eben nichts mit unseren westlichen Werten anfangen können. Es ist naiv zu glauben, die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundrechte hätten eine abstrakte, unabänderliche Existenz, unabhängig von den in der Bevölkerung verbreiteten Mentalitäten.

Ja, es gibt auch viele Deutsche, die nicht viel von Gleichberechtigung, Grundrechten und Demokratie halten. Für die sind wir aber verantwortlich; wir können sie nirgendwo hin ausweisen. Sie sind unser Problem. Leute aus Bürgerkriegsländern mit primitiven religiösen Vorstellungen dagegen sind nicht unser Problem; wir machen sie künstlich zu unserem Problem und gefährden damit unsere Gesellschaftsordnung.

Ich werde nie verstehen, wie es zu dieser Suizidalität des Westens kommen konnte. Wir haben hier jetzt massenhaft Menschen, die Frauen verachten und ihnen die Gleichstellung verwehren, die ihre primitive Befehlsreligion über Aufklärung und Verfassung stellen, und die nichts so sehr hassen wie den Westen, die USA, die Juden und deren Werte.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 15:39

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:19)
Wie bereits gesagt, mir geht es nicht um Verfassungspatriotismus, sondern um ganz konkrete Missachtung gesellschaftlicher Werte.
Und ich verstehe - ehrlich gesagt nicht - warum User schokoschendreztki diese Errungenschaften (Werte) unserer Gesellschaft negiert bzw als irrelevant abwertet ("persönliche Geschmack von Tante Emma und Onkel Herbert") und Integration als "Luxusproblem" betrachtet, welche wir uns sparen können.
Man könnte aus user schokoschendretzkis Äußerungen betreffs unserer Werte glatt schlussfolgend unterstellen, dass er die Meinung vertritt, Frauen sollten sich gefälligst nicht so haben, wenn ihre (Grund)Rechte verletzt und sie belästigt, begrapscht und vergewaltigt werden, wenn sie insbesondere von Muslimen, als ihnen zu freien Vefügung stehend, betrachtet werden. Ist ja nur die ganz persönliche Sichtweise von "mittelalterlichen Kulturalisten". :mad:

Schlechter Diskussionsstil. Wenn etwa Frauenrechte in einklagbaren Paragraphen vor Gerichten und in letzter Instanz vorm Verfassungsgericht gefasst sind, entscheidet nicht mehr Tante Emma und Onkel Herbert, was frauengerecht ist und was nicht. Sie sind damit in ihrer Relevanz sogar erheblich gestiegen. Nur: Sie sind primär nicht einfach "Teil unserer Kultur" sondern, eben: Recht.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 28. Feb 2017, 15:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon JFK » Di 28. Feb 2017, 15:41

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:19)

Sorry - mir geht es hier weniger um Verfassungspatriotismus, sondern darum, dass Grundrechte (Menschenrechte) "zufällig" die wichtigsten Werte des Humanismus darstellen, dem sich unsere Gesellschaft/Kultur verpflichtet fühlt.
Ich habe auch nur ein Beispiel ganz bewusst heraus gegriffen - die Gleichberechtigung der Frau - welches nicht mal eben "vom Himmel gefallen", sondern erkämpft worden ist. Die Gleichberechtigung der Frau ist für uns/unsere Gesellschaft inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. In islamisch geprägten Staaten ist dies nicht der Fall, dort hat sich die Frau immer noch dem Mann unterzuordnen, wird als Besitz des Mannes betrachtet.
Und hier sehe ich einen Antagonismus, der mit unserer Kultur unvereinbar ist, der jedoch in eine Missachtung unserer Werte (Humanismus) mündet.
Die Nichtachtung/das Nichtanerkennen der Frau als gleichberechtigtes Mitglied unserer Gesellschaft bleibt eben nicht straffrei, weil a) Missachtung gleich zweier Grundrechte und b) strafrechtlich relevant.


Wie bereits gesagt, mir geht es nicht um Verfassungspatriotismus, sondern um ganz konkrete Missachtung gesellschaftlicher Werte.
Und ich verstehe - ehrlich gesagt nicht - warum User schokoschendreztki diese Errungenschaften (Werte) unserer Gesellschaft negiert bzw als irrelevant abwertet ("persönliche Geschmack von Tante Emma und Onkel Herbert") und Integration als "Luxusproblem" betrachtet, welche wir uns sparen können.


Er hat doch recht, die handfesten Gesetze stehen über den Werten, und wenn die Frauen sich Lieber unterdrücken lassen, so ist das jedem das seine, wo keiner kläger da kein richter.


Die Werte können nicht verteidigt werden, indem es Menschen aufgedrückt wird, wir können den Weg ebnen, gehen müssen sie schon selber.


Aber eigentlich ist das so eine Phantom Diskussion, gibt mehr als genug Muslimische Frauen die Gleichberechtigt sind, auch viele die sich scheiden lassen, was ja als "Besitz" nicht funktionieren dürfte.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Julian » Di 28. Feb 2017, 15:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:35)

@D.A. Der amerikanische Historiker Fredrickson (und viele andere) verstehen "Kulturalismus" als Vorstellung, in der Kultur „in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden“, dass Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs wird“.

Es ist im Prinzip ganz einfach. Die Verrechtlichung von Prinzipien wie Gleichberechtigung, Menschenrechte usw. in Grundgesetz, Strafgesetzbuch usw. befreit uns von dem, was der Wiener Philosoph Rudolf Burger Das Elend des Kulturalismus nennt. Er hat ein ganzes Buch mit diesem Titel geschrieben.


Du meinst wirklich, Grund- und Menschenrechte existierten unabhängig vom Staatsvolk und dessen Mentalität? Wie steht es denn um diese Rechte in, sagen wir, gewissen Banlieues von Paris oder Stadtvierteln von Brüssel? Es ist doch schon sichtbar, dass in jenen Enklaven andere, ungeschriebene Gesetze gelten. Ich fürchte, irgendwann einmal wird auch in Deutschland ein ganz böses Erwachen erfolgen, wenn die entsprechende Klientel einmal lokale oder gar regionale Mehrheiten stellt. Das Grundgesetz wird dann nichts weiter sein als ein Stück Papier, das schon längst seine reale Geltung eingebüßt haben wird.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 15:47

Julian hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:38)

Ich finde es einfach ausgesprochen dumm, massenhaft Menschen ins Land zu lassen, von denen man weiß, dass viele von ihnen eben nichts mit unseren westlichen Werten anfangen können. Es ist naiv zu glauben, die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundrechte hätten eine abstrakte, unabänderliche Existenz, unabhängig von den in der Bevölkerung verbreiteten Mentalitäten.


Es gibt auch noch das Strafrecht. Und es gibt nicht zuletzt eine Ordnungsmacht des Staats, es durchzusetzen. All dies zusammen. Das ganze System macht die FUnktionsfähigkeit unserer Gesellschaft aus. "Kultur" ist damit wieder auf der Ebene des Individuums zurück, wo sie hingehört. "Kultur" auf der Gesellschaftsebene - das ist typischerweise so etwas wie die höfische Kultur im Mittelalter oder das Gewohnheitsrecht.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 15:52

Julian hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:44)

Du meinst wirklich, Grund- und Menschenrechte existierten unabhängig vom Staatsvolk und dessen Mentalität? Wie steht es denn um diese Rechte in, sagen wir, gewissen Banlieues von Paris oder Stadtvierteln von Brüssel? Es ist doch schon sichtbar, dass in jenen Enklaven andere, ungeschriebene Gesetze gelten.

Die Zustände in einigen Stadtvierteln von Brüssel ist ein Problem nicht durchgesetzter Ordnungsmacht. Wenn man Benimmregeln wieder entformalisiert, "entrechtlicht" und als "Kulturpraxis" zu etablieren versucht, dann werden sie nicht mehr nur persönlich auslegbar werden können sondern es garantiert auch (wieder) sein. Dann wird es wieder Blockwartsysteme geben.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 16:09

Dieser eklatante Widerspruch, der sich im "Elend des Kulturalismus" ausdrückt, ist in zig (berechtigten) Kritiken speziell an den Büchern Sarrazins immer wieder herausgestellt worden. Die Sorge um "unsere Kultur" wegen uns fremder Gesellschaften, die sich aber eben gerade dadurch auszeichnen, dass in ihnen "Kultur" die Rolle spielt, die bei uns das "Recht" spielt. Jedes iranische Religionsgericht ist ein Beispiel für eine durch und durch kultuuralistische Gesellschaft.
Sarrazin graut vor der anderen Kultur aus Sorge um die eigene. ... In den Debatten um sein Buch spielt die Idee, dass moderne Gesellschaften nicht einfach mehr in ihrer "Kultur" leben, keine Rolle. Diese Idee nannte sich Säkularisierung.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Dark Angel » Di 28. Feb 2017, 16:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:35)

@D.A. Der amerikanische Historiker Fredrickson (und viele andere) verstehen "Kulturalismus" als Vorstellung, in der Kultur „in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden“, dass Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs wird“.

Es ist im Prinzip ganz einfach. Die Verrechtlichung von Prinzipien wie Gleichberechtigung, Menschenrechte usw. in Grundgesetz, Strafgesetzbuch usw. befreit uns von dem, was der Wiener Philosoph Rudolf Burger Das Elend des Kulturalismus nennt. Er hat ein ganzes Buch mit diesem Titel geschrieben.

Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass DU den Begriff Kultur grunsätzlich ablehnst und alle, die in Kultur etwas sehen, dass eine Gesellschaft prägt, als "Kulturalisten" diffamierst, das ändert jedoch nichts an der Tatsachen, dass unser heutiges, modernes Rechtssystem eine Errungeschaft unserer westlichen Kultur ist und keiner anderen, es ändert auch nichts an der Tatsache, dass in dieses Rechtssystem die Ideen/Prinzipien des Humanismus - welcher wiederum eine Errungenschaft unserer Kultur ist und keiner anderen! Dass AUS diesen Ideen/Prinzipien des Humanismus Rechte (Grund-/Menschrechte) formuliert wurden, stellt diese eben NICHT außerhalb unserer (westlichen) Kultur, sondern macht sie zum wichtigen Bestandteil derselben, weil sich daraus eben jener Wertekanon ableitet, zu dem u.a. die Gleichberechtigung der Frau gehört, zu dem die Unantastbarkeit der Menschenwürde UND das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört.
Und egal, wie sehr du diesen Wertekanon auch ablehnen und/oder diffamieren magst, das ändert nichts daran, dass es der Wertekanon unserer Gesellschaft ist, den jeder Zuwanderer zu achten und zu respektieren hat. Jede Missachtung dieses Wertekanons ist gleichbedeutend mit der Missachtung unserer Gesellschaft.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 16:21

Julian hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:38)

Ich finde es einfach ausgesprochen dumm, massenhaft Menschen ins Land zu lassen, von denen man weiß, dass viele von ihnen eben nichts mit unseren westlichen Werten anfangen können. Es ist naiv zu glauben, die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundrechte hätten eine abstrakte, unabänderliche Existenz, unabhängig von den in der Bevölkerung verbreiteten Mentalitäten.

Ja, es gibt auch viele Deutsche, die nicht viel von Gleichberechtigung, Grundrechten und Demokratie halten. Für die sind wir aber verantwortlich; wir können sie nirgendwo hin ausweisen. Sie sind unser Problem. Leute aus Bürgerkriegsländern mit primitiven religiösen Vorstellungen dagegen sind nicht unser Problem; wir machen sie künstlich zu unserem Problem und gefährden damit unsere Gesellschaftsordnung.

Ich werde nie verstehen, wie es zu dieser Suizidalität des Westens kommen konnte. Wir haben hier jetzt massenhaft Menschen, die Frauen verachten und ihnen die Gleichstellung verwehren, die ihre primitive Befehlsreligion über Aufklärung und Verfassung stellen, und die nichts so sehr hassen wie den Westen, die USA, die Juden und deren Werte.


Die "Suizidalität" des Westens, ja, die würde ich auch gern mal verstehen. Es ist ja kein Zufall, dass man die Form der Staatlichkeit westlicher Länder mit dem Begriff "Rechtsstaat" - und nicht "Kulturstaat" - kennzeichnet. Wir leben (noch) in einem Rechtstaat. Dass was in Ländern wie Ungarn (etwas), Russland (mehr), Türkei (ziemlich viel) gerade abläuft an suizidalem Verhalten, kann man als beginnenden Umbau von "Rechtsstaaten" in "Kulturstaaten" charakterisieren. Am Ende dieser Entwicklung stehen totale, völlige Kulturstaaten wie der Iran.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 16:25

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:13)

Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass DU den Begriff Kultur grunsätzlich ablehnst und alle, die in Kultur etwas sehen, dass eine Gesellschaft prägt, als "Kulturalisten" diffamierst, das ändert jedoch nichts an der Tatsachen, dass unser heutiges, modernes Rechtssystem eine Errungeschaft unserer westlichen Kultur ist und keiner anderen, es ändert auch nichts an der Tatsache, dass in dieses Rechtssystem die Ideen/Prinzipien des Humanismus - welcher wiederum eine Errungenschaft unserer Kultur ist und keiner anderen! Dass AUS diesen Ideen/Prinzipien des Humanismus Rechte (Grund-/Menschrechte) formuliert wurden, stellt diese eben NICHT außerhalb unserer (westlichen) Kultur, sondern macht sie zum wichtigen Bestandteil derselben, weil sich daraus eben jener Wertekanon ableitet, zu dem u.a. die Gleichberechtigung der Frau gehört, zu dem die Unantastbarkeit der Menschenwürde UND das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört.

Die Vergesellschaftung des Rechts und die Privatisierung von Kultur in westlichen, d.h. säkularen Gesellschaften entwertet weder den einen noch den anderen Begriff sondern stellt ihn nur auf die richtige Ebene.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Dark Angel » Di 28. Feb 2017, 16:27

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:39)

Schlechter Diskussionsstil. Wenn etwa Frauenrechte in einklagbaren Paragraphen vor Gerichten und in letzter Instanz vorm Verfassungsgericht gefasst sind, entscheidet nicht mehr Tante Emma und Onkel Herbert, was frauengerecht ist und was nicht. Sie sind damit in ihrer Relevanz sogar erheblich gestiegen. Nur: Sie sind primär nicht einfach "Teil unserer Kultur" sondern, eben: Recht.

Es geht nicht um Frauenrechte - es geht um Grundrechte, die u.a. strafrechtlich sanktioniert werden und nicht verfassungsrechtlich!
Sie sind primär Teil unserer Kultur, weil auch unser Rechtssystem - welches seinen Ursprung im römischen Recht, genauer im Corpus iuris civilis - Teil unserer (westlichen) Kultur ist.
Alles - ausnahmlos alles - was der Mensch geschaffen hat, IST Kultur und jede Kultur hat ihre Besonderheiten, die sie von anderen Kulturen unterscheidet. Diese Besonderheiten können sich antagonistisch gegenüber stehen und genau das ist beim Frauenbild unserer Kultur, im Gegensatz zum Frauenbild des Islam, der Fall.
Also nichts mit schlechter Diskussionstil! :mad:
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Julian » Di 28. Feb 2017, 16:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:52)

Die Zustände in einigen Stadtvierteln von Brüssel ist ein Problem nicht durchgesetzter Ordnungsmacht. Wenn man Benimmregeln wieder entformalisiert, "entrechtlicht" und als "Kulturpraxis" zu etablieren versucht, dann werden sie nicht mehr nur persönlich auslegbar werden können sondern es garantiert auch (wieder) sein. Dann wird es wieder Blockwartsysteme geben.


Mir ist es wichtig, in einer Gesellschaft zu leben, in der gewisse Regeln gelten, die über unsere Gesetze hinausgehen. Ich mag es, andere zu grüßen und zurückgegrüßt zu werden; ich mag es nicht, wegen meines Atheismus verachtet oder wegen meines Schweinefleischkonsums als unrein angesehen zu werden. Von daher bin ich wohl ein ganz übler Kulturalist, was ja, wie von dir ausgeführt, fast das Gleiche ist wie ein Rassist. Denn ich kann darauf verzichten, ja, wehre mich sogar dagegen, Leute zu importieren, die mich und meine Kultur - also etwa die Aufklärung, aber auch die Errungenschaften der deutschen Kultur - verachten. Und dies tue ich, selbst wenn diese Leute unsere Gesetze achten. Was haben sie hier verloren, wenn sie mit Deutschland und seiner Kultur nicht nur nichts anfangen können, sondern sie verachten?
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Dark Angel » Di 28. Feb 2017, 16:34

JFK hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:41)

Er hat doch recht, die handfesten Gesetze stehen über den Werten, und wenn die Frauen sich Lieber unterdrücken lassen, so ist das jedem das seine, wo keiner kläger da kein richter.

Falsch! Grundrechte sind Ausschlussrechte gegeüber dem Staat, sie stehen somit über dem "handfesten Gesetz", weil der Staat diese Grundrechte zu garantieren hat. Gleichzeitig bilden die Grundrechte/Menschenrechte die wichtigsten Werte unserer Gesellschaft.
Wer in unserer Gesellschaft leben will, hat diese Werte anzuerkennen und zu respektieren.
In unserer Gesellschaft lassen sich Frauen nämlich nicht "lieber unterdrücken".

JFK hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:41)]Die Werte können nicht verteidigt werden, indem es Menschen aufgedrückt wird, wir können den Weg ebnen, gehen müssen sie schon selber.

Wer hier - in unserer Gesellschaft - leben will, dauerhaft leben will, der hat diese Werte - unsere Werte - anzuerkennen und zu respektieren. Ende!

JFK hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:41)Aber eigentlich ist das so eine Phantom Diskussion, gibt mehr als genug Muslimische Frauen die Gleichberechtigt sind, auch viele die sich scheiden lassen, was ja als "Besitz" nicht funktionieren dürfte.

Ach - weil sich muslimische Frauen scheiden lassen (dürfen), sind sie gleichberechtigt? Du hast aber eine seltsame Vorstellung von Gleichberechtigung. :s
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Umetarek » Di 28. Feb 2017, 16:39

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:34)

Wer hier - in unserer Gesellschaft - leben will, dauerhaft leben will, der hat diese Werte - unsere Werte - anzuerkennen und zu respektieren. Ende!

:D Da müßten wir uns erst mal auf welche einigen, das wird schwierig.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Zunder » Di 28. Feb 2017, 16:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:21)

Am Ende dieser Entwicklung stehen totale, völlige Kulturstaaten wie der Iran.

Der Iran ist kein "Kulturstaat", sondern ein islamischer Staat, in dem das staatliche Recht auf dem islamischen Recht basiert.
Recht ist nicht das Gegenteil von Kultur, sondern ein Bestandteil. Daß unterschiedliche Kulturen verschiedene Rechtssysteme entwickeln, ist nicht ungewöhnlich.
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Dark Angel » Di 28. Feb 2017, 16:48

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 15:47)

Es gibt auch noch das Strafrecht. Und es gibt nicht zuletzt eine Ordnungsmacht des Staats, es durchzusetzen. All dies zusammen. Das ganze System macht die FUnktionsfähigkeit unserer Gesellschaft aus. "Kultur" ist damit wieder auf der Ebene des Individuums zurück, wo sie hingehört. "Kultur" auf der Gesellschaftsebene - das ist typischerweise so etwas wie die höfische Kultur im Mittelalter oder das Gewohnheitsrecht.

Sag mal, gehts noch dämlicher?
Kultur hat nichts mit "individueller Ebene" zu tun, Kultur ist immer ein gesamtgesellschaftliches Produkt.
Schon mal was von kultureller Evolution gehört? - offensichtlich nicht, sonst würdest du nicht solchen Dummsinn von dir geben.
Kultur bedeutet immer noch "das komplexe Ganze" = die Gesamtheit kummulierten Wissens, Erfahrungen, Fähigkeiten und Gewohnheiten, die Menschen als Mitglied der Gesellschaft, durch soziales Lernen erworben hat und über Generationen weiter gibt.
Gesamtheit kummulierten Wissens funktioniert nur und ausschließlich auf gesellschaftlicher Ebene und NICHT auf individueller Ebene.
Was DU unter Kultur zu verstehen beliebst, hat nichts mit dem zu tun, als was bzw wie Kultur definiert wird!
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon JFK » Di 28. Feb 2017, 16:51

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:34)

Falsch! Grundrechte sind Ausschlussrechte gegeüber dem Staat, sie stehen somit über dem "handfesten Gesetz", weil der Staat diese Grundrechte zu garantieren hat. Gleichzeitig bilden die Grundrechte/Menschenrechte die wichtigsten Werte unserer Gesellschaft.
Wer in unserer Gesellschaft leben will, hat diese Werte anzuerkennen und zu respektieren.
In unserer Gesellschaft lassen sich Frauen nämlich nicht "lieber unterdrücken".


Wer hier - in unserer Gesellschaft - leben will, dauerhaft leben will, der hat diese Werte - unsere Werte - anzuerkennen und zu respektieren. Ende!


Ach - weil sich muslimische Frauen scheiden lassen (dürfen), sind sie gleichberechtigt? Du hast aber eine seltsame Vorstellung von Gleichberechtigung. :s


Achja deswegen schreibe ich nicht mit dir, wegen dem Künstlichen Missverstehen.
Die Grundrechte, Menschenrechte gehören auch zu dem Handfesten Regeln die es zu respektieren gilt.

Es gilt aber auch diejenigen zu respektieren, die nicht gebrauch von diesen Rechten machen, um einfach die Harmonie nicht zu gefährden (lieber unterdrücken lassen) oder den mann zu überfordern, sie wird die Werte die sie für so toll erachtet, aber niemals in den Genuss dieser Kommen wird, ihren nachkommen weitergeben.
Du willst einfach die etwas rückständigen Menschen "beleidigen"
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon Dark Angel » Di 28. Feb 2017, 16:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:25)

Die Vergesellschaftung des Rechts und die Privatisierung von Kultur in westlichen, d.h. säkularen Gesellschaften entwertet weder den einen noch den anderen Begriff sondern stellt ihn nur auf die richtige Ebene.

Du redest Dummsinn - siehe meinen vorigen Beitrag!
Kultur kann NICHT und wird NICHT "privatisiert und sie wird auch nicht entwertet.
Kultur ist IMMER gesellschaftliches Produkt und Recht/Rechtssystem ist IMMER Bestandteil von Kultur.
Extra für dich - die Definition des Kulturbegriffs durch die UNESCO:
„Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen"
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Re: Flüchtlingsbefürworter - Was sind das für Leute?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 18:49

Dark Angel hat geschrieben:(28 Feb 2017, 16:53)

Du redest Dummsinn - siehe meinen vorigen Beitrag!
Kultur kann NICHT und wird NICHT "privatisiert und sie wird auch nicht entwertet.
Kultur ist IMMER gesellschaftliches Produkt und Recht/Rechtssystem ist IMMER Bestandteil von Kultur.
Extra für dich - die Definition des Kulturbegriffs durch die UNESCO:
„Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen"

Natürlich bildet die Gesamtheit der kulturellen Leistungen etwas, das für eine ganze Gesellschaft steht. Deshalb findet Theater dennoch im kleinen Rahmen statt und Bücher werden von Privatmenschen geschrieben, ohne dass ein Kulturministerium Richtlinienm dafür vorgibt. Das hatten wir in Deutschland schon ein paarmal. Es ist übrigens interessant und bezeichnend, dass in der UNESCO-Definition von "Eigenschaften" statt von "Leistungen" die Rede ist. Aber anderes Thema.

Man kann die lange Reihe der Auseinandersetzungen mit den Thesen und Büchern Sarrazins, die sich inzwischen gewissermaßen "bereinigt" hat, was die Gegenseite anbelangt, tatsächlich auf eine relativ kurze Formel bringen: Der "Rechtsstaat" ist das zentrale Instrument der westlichen Welt für die Verteidigung seiner Werte. Wenn man diesen Rechtsstaat jedoch als "Kulturleistung" verkaufen will, beginnt man, ihn zwangsläufig aufzulösen, Man kann natürlich die Gegenposition, die Sarrazins einnehmen und Staaten wie die Bundesrepublik und den Iran als Inkarnationen von "Kulturen" - nur eben sehr unterschiedlicher oder sogar gegensätzlicher Art ansehen - und nicht als Rechtstaat hier und Gottesstaat dort.
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