Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Moderator: Moderatoren Forum 8

Negerkuss oder Schaumkuss?

Negerkuss
21
88%
Schaumkuss
2
8%
Kommt darauf an / eigene Meinung (Kommentar)
1
4%
 
Abstimmungen insgesamt: 24
Benutzeravatar
Adlerauge
Beiträge: 2927
Registriert: Sa 4. Feb 2012, 20:46

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Adlerauge » Mo 6. Feb 2017, 18:28

Die Angeberei ist wohl auch eine andere Wissenschaft.
Ich habe das Wort Nigger noch nie gebraucht,ich glaube, das wird nichteinmal bei Karl May gebraucht.
Nigger war immer ein Schimpfwort!
Früher war das Wort Neger gebräuchlich und niemand hat sich aufgeregt.
Jetzt sagt man Schwarzafrikaner ist auch gut.
Recht muss Recht bleiben, dem Unrecht muss das Recht entzogen werden!
Benutzeravatar
Keoma
Beiträge: 8587
Registriert: Mi 25. Jun 2008, 12:27
Benutzertitel: Drum Legend
Wohnort: Österreich

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Keoma » Di 7. Feb 2017, 08:05

Adlerauge hat geschrieben:(06 Feb 2017, 18:28)

Die Angeberei ist wohl auch eine andere Wissenschaft.
Ich habe das Wort Nigger noch nie gebraucht,ich glaube, das wird nichteinmal bei Karl May gebraucht.
Nigger war immer ein Schimpfwort!
Früher war das Wort Neger gebräuchlich und niemand hat sich aufgeregt.
Jetzt sagt man Schwarzafrikaner ist auch gut.


Von einem gebürtigen Steirer als Schwarzafrikaner zu sprechen, ist auch dämlich.
"Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust mit Idioten zu diskutieren." -Albert Einstein
Benutzeravatar
Amun Ra
Beiträge: 8775
Registriert: Di 3. Jun 2008, 23:52
Benutzertitel: Fortuna favet fortibus.

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Amun Ra » Do 9. Feb 2017, 08:03

Ger9374 hat geschrieben:(06 Feb 2017, 00:35)

Nie gehört , klingt schon wegen Juden bedenklich.
Mit unserer Vergangenheit wohl belastet.
Wie wäre es mit Schwabenfurz?
Da kann keiner was, halt die Schwaben!

Die Dinger heißen tatsächlich 'Judenfürzle'. Und jeder im Ländle, der kein Reigschmeckter ist, versteht auch was damit gemeint ist. Schaumküsse werden hier auch immer noch als 'Mohraköpf' bezeichnet und Kinder basteln sich aus eben diesen ganz gerne mal einen 'Mohrendatsch' (ein oder zwei Mohrenköpfe im Weckchen), ganz ohne dabei irgendwelche rassistischen Hintergedanken zu haben.

Im übrigen: wer bei 'Judenfurz' als Bezeichnung für einen Silvesterknaller Schnappatmung bekommt, aber kein Problem damit hätte die Dinger 'Schwabenfurz' zu nennen, der sollte sich mal Gedanken über seinen inhärenten Rassismus und Antisemitismus machen und sich erkundigen, was man in der Psychologie als 'Projektion' bezeichnet. Derjenige hat nämlich bei weitem mehr moralische Defizite als jemand der jene Begriffe völlig frei von negativen Hintergedanken verwendet.
'I find that offensive.' has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I am offended by that.' Well, so fucking what? - Stephen Fry
Benutzeravatar
Liegestuhl
Beiträge: 34620
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 11:04
Benutzertitel: Herzls Helfer
Wohnort: אולדנבורג

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Liegestuhl » Do 9. Feb 2017, 09:50

Amun Ra hat geschrieben:(09 Feb 2017, 08:03)
Schaumküsse werden hier auch immer noch als 'Mohraköpf' bezeichnet und Kinder basteln sich aus eben diesen ganz gerne mal einen 'Mohrendatsch' (ein oder zwei Mohrenköpfe im Weckchen), ganz ohne dabei irgendwelche rassistischen Hintergedanken zu haben.


Negerkussbrötchen: Ein Negerkuss im aufgeschnittenen Brötchen.

Und das Wort "Negerkuss" hätte sich wohl kaum für eine beliebte Süßspeise durchgesetzt, wenn das Wort "Neger" für die Konsumenten negativ konnotiert wäre.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
DRAM
Beiträge: 18
Registriert: Sa 12. Sep 2015, 10:02

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon DRAM » Sa 11. Feb 2017, 09:39

Negerkussbrötchen....muss ich hier, in der tiefsten schwäbischen Provinz, auch mal bestellen. Allerdings muss ich dann damit rechnen von den Herren mit den körperumwindenden Ärmeln abgeführt zu werden. :D

Mohrakopfweckle, 's gibt nix besseres. :cool:
Benutzeravatar
NMA
Beiträge: 10952
Registriert: Mo 24. Mai 2010, 14:40
Benutzertitel: mit Augenmaß
Wohnort: Franken

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon NMA » Sa 11. Feb 2017, 10:04

Wer ist eigentlich diese ominöse "Sprachpolizei"?
Angst ist ein schlechter Ratgeber
Benutzeravatar
Zinnamon
Beiträge: 1232
Registriert: Di 16. Jul 2013, 07:03

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Zinnamon » Sa 11. Feb 2017, 10:17

NMA hat geschrieben:(11 Feb 2017, 10:04)

Wer ist eigentlich diese ominöse "Sprachpolizei"?


Wäre lomond noch hier, müssest du das nicht fragen. :x
Benutzeravatar
Joker
Beiträge: 11841
Registriert: Mo 18. Mai 2009, 18:40

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Joker » Sa 11. Feb 2017, 10:21

NMA hat geschrieben:(11 Feb 2017, 10:04)

Wer ist eigentlich diese ominöse "Sprachpolizei"?

Wie man an den fall im Limburg sieht

http://m.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Die-Glockenspiel-Debatte-in-Limburg-Reaktionen-aus-der-Bevoelkerung;art680,2468479


Immer eine durchgeknallte , fanatische Minderheit die es aber mit Hilfe aus der Politik irgendwie immer schafft sich gegenüber der Mehrheit durchzusetzen
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 24334
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon JJazzGold » Sa 11. Feb 2017, 10:27

Amun Ra hat geschrieben:(09 Feb 2017, 08:03)

Die Dinger heißen tatsächlich 'Judenfürzle'. Und jeder im Ländle, der kein Reigschmeckter ist, versteht auch was damit gemeint ist. Schaumküsse werden hier auch immer noch als 'Mohraköpf' bezeichnet und Kinder basteln sich aus eben diesen ganz gerne mal einen 'Mohrendatsch' (ein oder zwei Mohrenköpfe im Weckchen), ganz ohne dabei irgendwelche rassistischen Hintergedanken zu haben.

Im übrigen: wer bei 'Judenfurz' als Bezeichnung für einen Silvesterknaller Schnappatmung bekommt, aber kein Problem damit hätte die Dinger 'Schwabenfurz' zu nennen, der sollte sich mal Gedanken über seinen inhärenten Rassismus und Antisemitismus machen und sich erkundigen, was man in der Psychologie als 'Projektion' bezeichnet. Derjenige hat nämlich bei weitem mehr moralische Defizite als jemand der jene Begriffe völlig frei von negativen Hintergedanken verwendet.


Jedem sei Fürzle. ;) Im Allgäu gibt es Nonnenfürzle, ein Schmalzgebäck, kalorienreich, aber lecker. Na ja, wie alles, was kalorienreich ist.
Dass diese Bezeichnung diskriminierend wäre, habe ich noch nicht gehört.

Da wir gerade umbauen, auf dem Speicher liegt noch eine Negerpuppe, damals heiß und innig geliebt, völlig frei von jeglicher Art von Rassismus, sowohl von den schenkenden Eltern, als auch vom beschenkten Kind.
God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.
Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11419
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 11. Feb 2017, 10:54

JJazzGold hat geschrieben:(11 Feb 2017, 10:27)

Jedem sei Fürzle. ;) Im Allgäu gibt es Nonnenfürzle, ein Schmalzgebäck, kalorienreich, aber lecker. Na ja, wie alles, was kalorienreich ist.
Dass diese Bezeichnung diskriminierend wäre, habe ich noch nicht gehört.

Da wir gerade umbauen, auf dem Speicher liegt noch eine Negerpuppe, damals heiß und innig geliebt, völlig frei von jeglicher Art von Rassismus, sowohl von den schenkenden Eltern, als auch vom beschenkten Kind.


Als Kind hatte ich eine der damals so begehrten Kullertränchen-Puppen, die, mit Wasser gefüllt, in der Lage waren, ein paar Tränchen zu vergießen. Es gab sie auch in maximal-pigmentiert, und meine Oma ließ mir die Wahl.
Damals kam es mir unlogisch vor, in Anbetracht meiner eigenen Hautfarbe, ein dunkles Baby zu haben. Und als 4jährige machte ich mir keine Gedanken um potentielle Erzeuger. :| Ich weiß jetzt nicht, ob das Rassismus ist, aber ich habe mich dann für die hellhäutige Kullertränchen entschieden, was damals kommentarlos hingenommen wurde, heute im Geschäft vielleicht einen Eklat ausgelöst hätte, ich weiß es nicht. :cool:
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 24334
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon JJazzGold » Sa 11. Feb 2017, 11:16

Billie Holiday hat geschrieben:(11 Feb 2017, 10:54)

Als Kind hatte ich eine der damals so begehrten Kullertränchen-Puppen, die, mit Wasser gefüllt, in der Lage waren, ein paar Tränchen zu vergießen. Es gab sie auch in maximal-pigmentiert, und meine Oma ließ mir die Wahl.
Damals kam es mir unlogisch vor, in Anbetracht meiner eigenen Hautfarbe, ein dunkles Baby zu haben. Und als 4jährige machte ich mir keine Gedanken um potentielle Erzeuger. :| Ich weiß jetzt nicht, ob das Rassismus ist, aber ich habe mich dann für die hellhäutige Kullertränchen entschieden, was damals kommentarlos hingenommen wurde, heute im Geschäft vielleicht einen Eklat ausgelöst hätte, ich weiß es nicht. :cool:


Schön beschrieben. ;)

Mal zwischen uns beiden, Billy, es ist doch bekloppt, was wir uns in Deutschland zurzeit per Sprachgesetz antun, nur um korrekter als korrekt zu sein.
Mir ist kein einziges damaliges Kind in meinem Umfeld bekannt, dass mit irgendwelchen Hintergedanken eine Negerpuppe wollte. Die Freundin hatte eine, die sah so süß aus, da wollte man auch eine und mit dem Wunsch wurden die Eltern belagert, bis es eine gab.

Ich denke, dass Du auch heute noch problemlos eine Puppe, egal welcher Hautfarbe, in einem Geschäft oder im online Handel erstehen kannst. Und das ist auch gut so. ;)
God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.
Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11419
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 11. Feb 2017, 11:22

JJazzGold hat geschrieben:(11 Feb 2017, 11:16)

Schön beschrieben. ;)

Mal zwischen uns beiden, Billy, es ist doch bekloppt, was wir uns in Deutschland zurzeit per Sprachgesetz antun, nur um korrekter als korrekt zu sein.
Mir ist kein einziges damaliges Kind in meinem Umfeld bekannt, dass mit irgendwelchen Hintergedanken eine Negerpuppe wollte. Die Freundin hatte eine, die sah so süß aus, da wollte man auch eine und mit dem Wunsch wurden die Eltern belagert, bis es eine gab.

Ich denke, dass Du auch heute noch problemlos eine Puppe, egal welcher Hautfarbe, in einem Geschäft oder im online Handel erstehen kannst. Und das ist auch gut so. ;)


Das denke ich auch. Das mit dem Eklat war auch nicht bierernst gemeint.
Bei 18- und 20jährigen Töchtern besteht gerade auch nicht die Notwendigkeit, :D und zukünftige Enkel bekommen selbstverständlich das, was sie sich wünschen. :thumbup: :cool:
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Wasteland
Beiträge: 15871
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » Sa 11. Feb 2017, 21:12

Liegestuhl hat geschrieben:(06 Feb 2017, 15:50)

Hälst du es für möglich, dass es Menschen gibt, bei denen das Wort nicht negativ belegt ist?

Ich bin zum Beispiel mit diesem Wort aufgewachsen und habe nie etwas abwertendes dabei gedacht.


Keine Ahnung, möglich ist alles. In meiner Erfahrung ist es so, dass jeder der das Wort Neger benutzt hat den ich je erlebt habe jemand war, der sehr negative Stereotypen von Schwarzen hatte.
So wie Rothaut oder Langnase auch keine objektive Konnotation haben, obwohl wir lange Nasen haben im Vergleich zu vielen anderen Völkern.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11419
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 11. Feb 2017, 21:17

Wasteland hat geschrieben:(11 Feb 2017, 21:12)

Keine Ahnung, möglich ist alles. In meiner Erfahrung ist es so, dass jeder der das Wort Neger benutzt hat den ich je erlebt habe jemand war, der sehr negative Stereotypen von Schwarzen hatte.
So wie Rothaut oder Langnase auch keine objektive Konnotation haben, obwohl wir lange Nasen haben im Vergleich zu vielen anderen Völkern.


"An der Nase eines Mannes...." wird dort nicht mit Begeisterung aufgenommen werden. :p
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Wasteland
Beiträge: 15871
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » Sa 11. Feb 2017, 22:58

Billie Holiday hat geschrieben:(11 Feb 2017, 21:17)

"An der Nase eines Mannes...." wird dort nicht mit Begeisterung aufgenommen werden. :p


Daher bauen die immer so hohe Hochhäuser, um das zu kompensieren. :p
Benutzeravatar
Amun Ra
Beiträge: 8775
Registriert: Di 3. Jun 2008, 23:52
Benutzertitel: Fortuna favet fortibus.

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Amun Ra » So 12. Feb 2017, 07:48

JJazzGold hat geschrieben:(11 Feb 2017, 10:27)

Jedem sei Fürzle. ;) Im Allgäu gibt es Nonnenfürzle, ein Schmalzgebäck, kalorienreich, aber lecker. Na ja, wie alles, was kalorienreich ist.
Dass diese Bezeichnung diskriminierend wäre, habe ich noch nicht gehört.

Da wir gerade umbauen, auf dem Speicher liegt noch eine Negerpuppe, damals heiß und innig geliebt, völlig frei von jeglicher Art von Rassismus, sowohl von den schenkenden Eltern, als auch vom beschenkten Kind.

Nonnafürzla gibt es bei uns auch immer um Fasching herum. Also quasi jetzt. :D Verdammt lecker das Zeug. Und so einfach selber gemacht.
'I find that offensive.' has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I am offended by that.' Well, so fucking what? - Stephen Fry
Uffhausen
Beiträge: 84
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Uffhausen » Mo 13. Feb 2017, 16:28

Wasteland hat geschrieben:(11 Feb 2017, 21:12)

In meiner Erfahrung ist es so, dass jeder der das Wort Neger benutzt hat den ich je erlebt habe jemand war, der sehr negative Stereotypen von Schwarzen hatte.


Ich arbeite in der Altenpflege, meine Damen und Herren sind alle durchschnittlich in den 1930/40ern geboren - seit einigen Jahren haben wir eine schwarzafrikanische Pflegefachkraft, die bei den Bewohnern außerordentlich beliebt ist. Viele Bewohner unserer Station sind aufgrund ihrer dementiellen Erkrankung u. a. nicht mehr in der Lage, sich Namen merken zu können - eben jene farbige Mitarbieterin wird deswegen von vielen liebevoll " 's Negerle" gerufen.

Ich habe einige Bewohner mal darauf angesprochen, ob "Negerle", also jemanden aufgrund seiner dunklen Hautfarbe als "Neger" zu bezeichnen, nicht etwa rassistisch oder sonstwie negativierend wäre. Die Runde war sich schnell einig, dass "Neger" ein vollkommen neutraler Ausruck sei, der lediglich einen Menschen anhand seiner Hautfarbe benennt. Rassistisch o. ä. würde es erst werden, wenn man bspw. "Scheiß-Neger" sagen würde, also ein eindeutiges Negativum hinzufügte. Ich wollte dann wissen, ob hinsichtlich Neutralität der Begriff "Schwarze" nicht besser wäre - nein hieß es da, wenn bspw. eine Frau als "die Schwarze" bezeichnet wird, meint mensch die Haarfarbe ("die Blonde"/"die Brünette"/"die Rote" - weiß- oder grauhaarige wären "die Alte"). Freilich würde "die Schwarze" auf " 's Negerle" auch zutreffen, aber es könnte sich ja auch eine Frau mit lediglich schwarzen Haaren angesprochen fühlen. Unterscheidungskriterium ist dann eben die Hautfarbe.
Die Bewohner sind sich aber durchaus bewusst, dass "Neger" allgemein eher als Beleidigung und weniger als harmlose "Typisierung" aufgefasst wird. So sieht es übrigens auch betroffene Mitarbeiterin. Sie meint, jemand der dich "Negerle" ruft und dir dabei vertrauensvoll ins Gesicht schaut und dir bspw. hilfesuchend die Hände entgegenstreckt oder einfach deine Gesellschaft sucht, kann "Negerle" nicht böse meinen. Und wenn sogar Süßigkeiten "Negerkuss" heißen, kann der Begriff "Neger" ursprünglich nicht negativ sein.
Es würde aber keiner meiner Damen ud Herren einen wildfremden Menschen auf der Straße in Anbetracht seiner Hautfarbe mit "Neger" ansprechen; also bspw. "Entschuldigung Herr Neger, können sie mir sagen, wie spät es ist?". "Neger" ist eine private Bezeichnungs-, keine allgemeine Anspracheform. Außerdem verböte es der Anstand; man möchte ja auch nicht von wildfremden Menschen auf der Straße als "Oma" oder "Opa" angesprochen werden, nur weil man alt ist.
"Die/Der Farbige" käme als alternative Bezeichnung auch nicht in Betracht, dann wäre die oder der Betroffene ja "ein bunter Hund". ;)

Anbei: Ich bin der einzigste männliche Mitarbeiter auf unserer Station; mich nennen die Bewohner vielmals " 's Bubele" - obgleich ich mit meinen 31 Jahren, meiner Größe von 1,85 m und meinem Bart ganz und gar nichts mehr mit einem Buben gemein habe. Aber ich bin im Gegensatz zu den Bewohern halt jung, deswegen bin ich vergleichsweise noch ein Bub. Da steckt nichts böses dahinter, also bspw. jung = dumm. Hier würde auch keiner auf die Idee kommen, die Bezeichnung "Bubele" zu ersetzen mit "Junger Mann".

Noch was - da bereits "Nonnenfürzle" genannt wurden: Ich arbeite in einer kirchlichen (katholischen) Pflegeeinrichtung und wenn es Maultaschen oder Schupfnudeln zum Essen gibt, bekommen unsere Nonnen statt einem Herzkasper eher einen Lachanfall, bzw. niemand steigt die Schamesröte aufgrund sexueller Anzüglichkeiten ins Gesicht, wenn die bei uns in Schwaben ebenfalls gebräuchlichen Zweitnamen "Herrgottsbescheißerle" für Maultaschen (entsprechend der Erfindung durch Mönche im Kloster Maulbronn) oder "Bubenspitzle" für Schupfnudeln (entsprechend deren Aussehen/Größe wie Penisse kleiner Jungen) fallen. :)
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Wasteland
Beiträge: 15871
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » Mo 13. Feb 2017, 18:06

Uffhausen hat geschrieben:(13 Feb 2017, 16:28)

Ich arbeite in der Altenpflege, meine Damen und Herren sind alle durchschnittlich in den 1930/40ern geboren - seit einigen Jahren haben wir eine schwarzafrikanische Pflegefachkraft, die bei den Bewohnern außerordentlich beliebt ist. Viele Bewohner unserer Station sind aufgrund ihrer dementiellen Erkrankung u. a. nicht mehr in der Lage, sich Namen merken zu können - eben jene farbige Mitarbieterin wird deswegen von vielen liebevoll " 's Negerle" gerufen.

Ich habe einige Bewohner mal darauf angesprochen, ob "Negerle", also jemanden aufgrund seiner dunklen Hautfarbe als "Neger" zu bezeichnen, nicht etwa rassistisch oder sonstwie negativierend wäre. Die Runde war sich schnell einig, dass "Neger" ein vollkommen neutraler Ausruck sei, der lediglich einen Menschen anhand seiner Hautfarbe benennt. Rassistisch o. ä. würde es erst werden, wenn man bspw. "Scheiß-Neger" sagen würde, also ein eindeutiges Negativum hinzufügte. Ich wollte dann wissen, ob hinsichtlich Neutralität der Begriff "Schwarze" nicht besser wäre - nein hieß es da, wenn bspw. eine Frau als "die Schwarze" bezeichnet wird, meint mensch die Haarfarbe ("die Blonde"/"die Brünette"/"die Rote" - weiß- oder grauhaarige wären "die Alte"). Freilich würde "die Schwarze" auf " 's Negerle" auch zutreffen, aber es könnte sich ja auch eine Frau mit lediglich schwarzen Haaren angesprochen fühlen. Unterscheidungskriterium ist dann eben die Hautfarbe.
Die Bewohner sind sich aber durchaus bewusst, dass "Neger" allgemein eher als Beleidigung und weniger als harmlose "Typisierung" aufgefasst wird. So sieht es übrigens auch betroffene Mitarbeiterin. Sie meint, jemand der dich "Negerle" ruft und dir dabei vertrauensvoll ins Gesicht schaut und dir bspw. hilfesuchend die Hände entgegenstreckt oder einfach deine Gesellschaft sucht, kann "Negerle" nicht böse meinen. Und wenn sogar Süßigkeiten "Negerkuss" heißen, kann der Begriff "Neger" ursprünglich nicht negativ sein.
Es würde aber keiner meiner Damen ud Herren einen wildfremden Menschen auf der Straße in Anbetracht seiner Hautfarbe mit "Neger" ansprechen; also bspw. "Entschuldigung Herr Neger, können sie mir sagen, wie spät es ist?". "Neger" ist eine private Bezeichnungs-, keine allgemeine Anspracheform. Außerdem verböte es der Anstand; man möchte ja auch nicht von wildfremden Menschen auf der Straße als "Oma" oder "Opa" angesprochen werden, nur weil man alt ist.
"Die/Der Farbige" käme als alternative Bezeichnung auch nicht in Betracht, dann wäre die oder der Betroffene ja "ein bunter Hund". ;)

Anbei: Ich bin der einzigste männliche Mitarbeiter auf unserer Station; mich nennen die Bewohner vielmals " 's Bubele" - obgleich ich mit meinen 31 Jahren, meiner Größe von 1,85 m und meinem Bart ganz und gar nichts mehr mit einem Buben gemein habe. Aber ich bin im Gegensatz zu den Bewohern halt jung, deswegen bin ich vergleichsweise noch ein Bub. Da steckt nichts böses dahinter, also bspw. jung = dumm. Hier würde auch keiner auf die Idee kommen, die Bezeichnung "Bubele" zu ersetzen mit "Junger Mann".

Noch was - da bereits "Nonnenfürzle" genannt wurden: Ich arbeite in einer kirchlichen (katholischen) Pflegeeinrichtung und wenn es Maultaschen oder Schupfnudeln zum Essen gibt, bekommen unsere Nonnen statt einem Herzkasper eher einen Lachanfall, bzw. niemand steigt die Schamesröte aufgrund sexueller Anzüglichkeiten ins Gesicht, wenn die bei uns in Schwaben ebenfalls gebräuchlichen Zweitnamen "Herrgottsbescheißerle" für Maultaschen (entsprechend der Erfindung durch Mönche im Kloster Maulbronn) oder "Bubenspitzle" für Schupfnudeln (entsprechend deren Aussehen/Größe wie Penisse kleiner Jungen) fallen. :)



Dazu passt das hier ganz gut.

Wissen ältere Menschen seltener, dass "Neger" ein herabwürdigendes Wort ist?

Das müsste ebenfalls untersucht werden, um stichfeste Aussagen darüber machen zu können. Es ist aber schon so, dass ältere Menschen als Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, in der das noch kein Thema war. Besonders alte Menschen sind noch in der Zeit des Nationalsozialismus aufgewachsen, in der dieser Begriff bewusst abwertend verwendet wurde.

Seit wann gilt "Neger" in Österreich als Schimpfwort? Und warum?

Dieser Begriff hat bereits in Zeiten des Kolonialismus begonnen, negativ behaftet zu sein. Der Kontext des Sklavenhandels hat sich im 18. Jahrhundert mit der fragwürdigen Rassenlehre vermischt. Damals wurde gelehrt, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe "anders" sind. Spätestens im 19. Jahrhundert wurde "Neger" als Begriff abwertend verwendet. Es war ja gewissermaßen Lehrmeinung, dass Menschen dunkler Hautfarbe "anders" - oft im Sinne von zweitklassig - sind. Spätestens mit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre in den USA und der Emanzipation der schwarzen Menschen war jedoch klar, dass es sich tatsächlich um ein Schimpfwort handelt und dass die überkommenen Rassentheorien nicht haltbar sind. Von da an hätte ein Umdenken passieren müssen. Das Wort "Neger" hat eine fragwürdige Geschichte. Für uns ist heute klar, dass man es nicht verwendet. Und mit "uns" meine ich informierte Menschen beziehungsweise Menschen mit einem Zugang zu diesen Informationen.


http://www.wienerzeitung.at/themen_chan ... -sagt.html
Uffhausen
Beiträge: 84
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Uffhausen » Mo 13. Feb 2017, 19:01

Wasteland hat geschrieben:(13 Feb 2017, 18:06)

Dazu passt das hier ganz gut.

http://www.wienerzeitung.at/themen_chan ... -sagt.html


Unter strikt einseitiger Betrachtungs- und Urteilsweise: Defintiv JA. :|
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Wasteland
Beiträge: 15871
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » Mo 13. Feb 2017, 19:43

Uffhausen hat geschrieben:(13 Feb 2017, 19:01)

Unter strikt einseitiger Betrachtungs- und Urteilsweise: Defintiv JA. :|


Neger stammt etymologisch aus der Kolonialzeit und wurde als eng mit abwertenden Rassentheorien in Zusammenhang stehender Begriff etabliert.
Das das vielen älteren Leuten nicht bewusst ist glaube ich sogar, schliesslich gab es darüber früher zu deren Zeiten überhaupt keine Diskussion, sondern diese Theorien galten als allgemein anerkannt.

Ich würde niemandem verbieten die Worte zu benutzen die er will, ich bin gegen solche Sprachregelungen. Ich bin selber nicht besonders politisch korrekt. Aber ich denke mir halt immer meinen Teil.

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast