Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

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Negerkuss oder Schaumkuss?

Negerkuss
27
87%
Schaumkuss
2
6%
Kommt darauf an / eigene Meinung (Kommentar)
2
6%
 
Abstimmungen insgesamt: 31
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Provokateur
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Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Provokateur » So 5. Feb 2017, 14:13

Ich habe mit meiner Freundin eben eine Diskussion gehabt. Wir waren uns einig, dass man niemanden, weder im Gespräch noch in der Beschreibung, einen Neger nennt. Da waren wir uns einig. Problematisch wurde die Diskussion bei Bezeichnungen. Ich habe keine Probleme damit, eine mit Schokolade überzogene Schaumware "Negerkuss" zu nennen, andere sagen "Mohrenkopf". Auch "Negergeld" für Lakritzmünzen finde ich unproblematisch.
Sie sagt, dass geht gar nicht - wenn man Menschen nicht "Neger" nennen will, darf man auch keine traditionellen Begriffe für Gegenstände verwenden.

Nachdem die Diskussion im Nett-Werk Düsseldorf (Freundin ist Facebookjunkie) gelöscht wurde (Rassismus, lol), stellen wir die Frage nun an anderen Stellen.

Wie seht ihr das? Darf man "Negerkuss" sagen? Oder ist eine sprachpolizeiliche Maßnahme angebracht und man muss es "Schaumkuss" nennen?
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Gilmoregirl
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Gilmoregirl » So 5. Feb 2017, 14:21

Ob Negerkuss oder Zigeunerschnitzel---wer hier den politisch Überkorrekten spielen will, hat scheinbar nichts Besseres zu tun.

Ich schrieb es schonmal an anderer Stelle: Als ich meinen Kita- Kindern Schaumküsse anbot, wurde ich ausgelacht und belehrt, dass das Negerküsse wären. Kinder sind so herrlich unkompliziert. Einige von uns Erwachsenen sollten sich dieser Unbeschwertheit zurückbesinnen.
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Billie Holiday
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Billie Holiday » So 5. Feb 2017, 14:30

Ich finde den SCHOKOKUSS sehr passend. Aus Kindertagen kenne ich noch den Negerkuss ohne jemals rassistische Assoziationen gehabt zu haben. Neger sage ich nicht, erinnert mich an Nigger. Ich sage Schwarzer, wenn ich nicht gerade den Namen kenne. Oder ich unterstelle, es handelt sich um einen Afrikaner.

Da ich selbsternannte Sprachpolizisten sehr nervig finde, würde ich wohl in deren Anwesenheit das Wort Negerkuss ständig benutzen.
Als meine Freundin mal empört meinte, der Eskimo sei ein Schimpfwort, habe ich ihn in jedes unpassende Thema reingebracht, so lächerlich fand ich das ganze. Ich glaube, auch beim Thema Südseeurlaub fiel mir was zum Eskimo ein.

Der Negerkuss wird im Laufe der Zeit verschwinden, da bin ich mir sicher. Vermissen werde ich den Namen nicht, aber den Schokokuss esse ich sehr gern.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Ebiker
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Ebiker » So 5. Feb 2017, 14:30

Da gibts doch so Knallerketten die klingen wie MPi Feuer, im schäbischen gibts den Begriff Judenfürzle dafür. Darf man ?
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Misterfritz » So 5. Feb 2017, 14:53

Vielleicht passiert aber auch etwas ganz anderes, nämlich dass die Dinger schlicht nach dem grössten(?)/bekanntesten Hersteller benannt werden, nämlich Díckmanns - da weiss sogar ich, dass es sich um Negerküsse handelt, bei Schaumküssen muss ich erst nachdenken, was das sein soll ;)
Bei Tempotaschentüchern ist es auch so, dass man Tempo sagt, aber nicht zwingend notwendig die Dinger von Tempo meint.
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Ebiker
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Ebiker » So 5. Feb 2017, 15:01

Misterfritz hat geschrieben:(05 Feb 2017, 14:53)

Vielleicht passiert aber auch etwas ganz anderes, nämlich dass die Dinger schlicht nach dem grössten(?)/bekanntesten Hersteller benannt werden, nämlich Díckmanns


Dickmann ist ja doppelt diskriminierend :mad2:
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Dark Angel » So 5. Feb 2017, 16:03

Provokateur hat geschrieben:(05 Feb 2017, 14:13)

Ich habe mit meiner Freundin eben eine Diskussion gehabt. Wir waren uns einig, dass man niemanden, weder im Gespräch noch in der Beschreibung, einen Neger nennt. Da waren wir uns einig. Problematisch wurde die Diskussion bei Bezeichnungen. Ich habe keine Probleme damit, eine mit Schokolade überzogene Schaumware "Negerkuss" zu nennen, andere sagen "Mohrenkopf". Auch "Negergeld" für Lakritzmünzen finde ich unproblematisch.
Sie sagt, dass geht gar nicht - wenn man Menschen nicht "Neger" nennen will, darf man auch keine traditionellen Begriffe für Gegenstände verwenden.

Nachdem die Diskussion im Nett-Werk Düsseldorf (Freundin ist Facebookjunkie) gelöscht wurde (Rassismus, lol), stellen wir die Frage nun an anderen Stellen.

Wie seht ihr das? Darf man "Negerkuss" sagen? Oder ist eine sprachpolizeiliche Maßnahme angebracht und man muss es "Schaumkuss" nennen?

Ich bin mal ganz böse und sage Neger - abgeleitet aus franz. "nègre", span. "negro" und lat. "niger" bedeutet ganz einfach schwarz und schwarz ist eine Farbe.
Also bezeichnet Neger einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe.
Einfach ein Unterscheidungsmerkmal ohne jede Wertung oder doch Diskriminierung?
Ist es dann auch eine Diskriminierung einen "Weißen" als Weißen zu bezeichnen?
Abgesehen davon, sage ich "Schwarzer" oder "Dunkelhäutiger".
Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Anekdote ein, die im Film "Red Tails" (über die "332nd Fighter Group", in Tuskegee ausgebildete afromanerikanische Kampfpiloten im WK2, übrigens eine der besten Jägerstaffeln) - die Piloten wurden, trotz strikter Rassentrennung von Bomberpiloten in den Offiziersklub eingeladen und diese wollten den afroamerikanischen Offizieren gegenüber höflich sein und nannten sie "farbig", woraufhin sie "aufgeklärt" wurden: "ihr werdet rot vor Scham, gelb vor Neid und grün vor Wut - und ihr nennt uns farbig?"
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » So 5. Feb 2017, 16:30

Negerkuss ja, Neger nein.

Neger hat einfach eine negative Konnotation, egal wofür das Wort eigentlich steht.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Dark Angel » So 5. Feb 2017, 16:52

Wasteland hat geschrieben:(05 Feb 2017, 16:30)

Negerkuss ja, Neger nein.

Neger hat einfach eine negative Konnotation, egal wofür das Wort eigentlich steht.

Tja - ist negativ konnotiert oder wird negativ konnotiert?
Wird in Manches nicht mehr hinein interpretiert, als drin ist? - mal abgesehen von dem "N-Wort".
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Liegestuhl » So 5. Feb 2017, 17:26

Fragwürdig und abwertend empfinde ich auch den Begriff 'Putzlappen'
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Milady de Winter » So 5. Feb 2017, 17:28

Mohrenkopf.
- When he called me evil I just laughed -
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » So 5. Feb 2017, 17:59

Dark Angel hat geschrieben:(05 Feb 2017, 16:52)

Tja - ist negativ konnotiert oder wird negativ konnotiert?
Wird in Manches nicht mehr hinein interpretiert, als drin ist? - mal abgesehen von dem "N-Wort".


Wörter verändern halt ihre Bedeutung und heute wird es von den meisten als abwertend empfunden. Ich sehe darin kein Problem. Andere Wörter haben auch nichtmehr dieselbe Bedeutung die sie früher einmal hatten. So ist das eben.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Billabong » So 5. Feb 2017, 18:00

Provokateur hat geschrieben:(05 Feb 2017, 14:13)

Ich habe mit meiner Freundin eben eine Diskussion gehabt. Wir waren uns einig, dass man niemanden, weder im Gespräch noch in der Beschreibung, einen Neger nennt. Da waren wir uns einig. Problematisch wurde die Diskussion bei Bezeichnungen. Ich habe keine Probleme damit, eine mit Schokolade überzogene Schaumware "Negerkuss" zu nennen, andere sagen "Mohrenkopf". Auch "Negergeld" für Lakritzmünzen finde ich unproblematisch.
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Postsexuelle Beziehung.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Liegestuhl » So 5. Feb 2017, 18:02

Wasteland hat geschrieben:(05 Feb 2017, 17:59)

Wörter verändern halt ihre Bedeutung und heute wird es von den meisten als abwertend empfunden. Ich sehe darin kein Problem. Andere Wörter haben auch nichtmehr dieselbe Bedeutung die sie früher einmal hatten. So ist das eben.


Also sind negative Konnotationen lediglich sozial konstruiert.

Ähnlich wie Geschlechterrollen.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Wasteland » So 5. Feb 2017, 18:09

Liegestuhl hat geschrieben:(05 Feb 2017, 18:02)

Also sind negative Konnotationen lediglich sozial konstruiert.

Ähnlich wie Geschlechterrollen.


Sprache ist generell sozial konstruiert.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Ein Terraner » So 5. Feb 2017, 18:09

Mir gefällt es das auf bayerischen Speisekarten immer seltener der Neger (Cola Weißbier) auftaucht, manches muss einfach nicht sein nur weil es schon immer so war.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Zunder » So 5. Feb 2017, 18:19

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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Zunder » So 5. Feb 2017, 18:23

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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Dark Angel » So 5. Feb 2017, 19:09

Wasteland hat geschrieben:(05 Feb 2017, 17:59)

Wörter verändern halt ihre Bedeutung und heute wird es von den meisten als abwertend empfunden. Ich sehe darin kein Problem. Andere Wörter haben auch nichtmehr dieselbe Bedeutung die sie früher einmal hatten. So ist das eben.

Eben - das meinte ich, dass bestimmte Begriffe nicht ursprünglich eine negative Bedeutung haben, sondern ihnen später - subjektiv - eine negative Bedeutung beigemessen/zugesprochen wird, u.a. weil Ähnlichkeiten mit von vornherein abwertend gebrauchten Begriffen bestehen.
Ich sehe darin kein grundsätzliches Problem, frage mich aber dennoch, inwieweit es sinnvoll ist, Begriffe, die in keinerlei Zusammenhang stehen, zu ächten.
Wie im Falle "Negerkuss" für eine Süßspeise/Nascherei. Ist doch heute gar nicht mehr nachvollziehbar, in welchem Zusammenhang diese Bezeichnung gewählt wurde.
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Re: Sprachpolizeiliche Maßnahmen oder traditionelle Ausdrücke?

Beitragvon Dark Angel » So 5. Feb 2017, 19:12

Wasteland hat geschrieben:(05 Feb 2017, 18:09)

Sprache ist generell sozial konstruiert.

Ist sie das? Da hätte ich doch gerne mal einen Nachweis.
Ich habe da nämlich eine Quelle, die im Falle der Entstehung/Entwicklung Indoeuropäischen Sprachfamilie das Gegenteil belegt.
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