Kündigung wegen Pornodreh?

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Hyde
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Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Hyde » Do 26. Jan 2017, 20:27

Habe von dem Fall eines angehenden Polizisten gelesen, der wegen eines Pornodrehs nun um seinen Job bangt:

Polizisten sollen Respektspersonen sein - und nicht Darsteller in einem Film, der "Pimmel-Bingo" heißt. Das ist eine Lektion, die derzeit ein Schüler der Polizeiakademie in Berlin-Spandau lernt.


Der Kurzfilm zeigt den angehenden Ordnungshüter beim Gruppensex. Bereits 2015 erschien der Streifen auf DVD, inzwischen kursiert er auch im Internet. Mitschüler wurden auf das Video aufmerksam und informierten ihre Vorgesetzten.

Der Spaß könnte den Polizeischüler nun den Job kosten. Die Berliner Polizei überprüft seine charakterliche Eignung. Bei der Bewertung spielen unter anderem seine bisherigen Noten und sein Verhalten während der Ausbildungszeit eine Rolle. Ein Sprecher der Polizei bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE entsprechende Medienberichte.

Aber ist so eine Nebenbeschäftigung nicht Privatsache - egal, wie schmuddelig das die Vorgesetzten finden? So einfach ist das nicht. Vor gut zwei Jahren verlor eine Erzieherin den Job, weil sie in ihrer Freizeit Pornofilme drehte. Alles, was die Glaubwürdigkeit des Arbeitgebers gefährden könnte, kann zum Problem werden. Und für den öffentlichen Dienst gelten nochmals strengere Maßstäbe.

"Das Ansehen der Polizei wird durch solche Aufnahmen geschädigt", heißt es von der Berliner Polizei über den aktuellen Fall - das verstoße gegen Beamtenrecht.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo ... 31879.html


In dem Artikel wird auch auf einen älteren Fall verwiesen, wo eine Erzieherin wegen Pornodrehs entlassen wurde.

Ihre Chefin, die Leiterin eines Behindertenheims der evangelischen Diakonie, hatte für Pinks Privatvergnügen kein Verständnis. Nachdem ein Kollege die Vorgesetzte auf eines der Pornovideos aufmerksam gemacht hatte, feuerte sie die Erzieherin - nach 17 Jahren.

[...]

Angestellte können in ihrer Freizeit grundsätzlich tun, was sie wollen. Das "Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit" ist vom Grundgesetz geschützt. "Der Arbeitgeber darf sich nicht zum Sittenwächter seiner Mitarbeiter aufspielen", sagt Arbeitsrechtsexperte Matthias Rauscher.


Dabei gibt es aber Ausnahmen. Kirchliche Einrichtungen etwa haben per Verfassung Sonderrechte: Sie können von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie ihre Glaubens- und Moralvorstellungen achten. Wie weit sie dabei gehen dürfen, ist umstritten.

http://www.spiegel.de/karriere/sex-vor- ... 82528.html


Was haltet ihr davon? Ist es gerechtfertigt, den Arbeitnehmer für solche privaten Tätigkeiten zu bestrafen?
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon jack000 » Do 26. Jan 2017, 20:45

Hyde hat geschrieben:(26 Jan 2017, 20:27)Was haltet ihr davon? Ist es gerechtfertigt, den Arbeitnehmer für solche privaten Tätigkeiten zu bestrafen?

Privat ist das ja nicht, denn Pornos sind es dann wenn diese auch veröffentlicht werden. Privat wäre es dann, wenn die betreffenden Personen sich z.B. in Swingerclubs aufhalten.

M.E. wird auch unterschieden zwischen Außenwirkung und Inneneinsatz. So kann eine Aldi-Kassiererin schon ihren Job verlieren, ein VW-Bandarbeiter aber nicht.

Ich persönlich hätte da kein Problem damit wenn ein Polizist in seiner Freizeit noch Pornos dreht, das aber die Regelung so ist wie sie ist, halte ich für gerechtfertigt.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Ger9374 » Do 26. Jan 2017, 21:02

Durchaus akzeptabel, diese Sichtweise.
Öffentlicher Dienst sollte strengere regeln haben.
Außerdem wurde das dem Arbeitgeber bei der Einstellung wohl verheimlicht.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Uffhausen » Fr 27. Jan 2017, 00:53

Hm. Also ich persönlich sehe nicht das Ansehen der Polizei insgesamt durch einen Porno-Dreh eines Einzelnen geschädigt, eher das Ansehen des Polizei-Schülers allein. Und selbiges wurde nicht durch die Veröffentlichung des Pornos an sich geschädigt, sondern durch das entsprechende Zutun seiner Mitschüler. Und wiederrum somit ensteht für mich erst Schaden für das Ansehen der Polizei, weil durch diese Geschichte offenbar wurde, dass der Polizei-Nachwuchs scheints gerne Pornos schaut. Peinliches Eigentor... :D :p
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Billie Holiday » Fr 27. Jan 2017, 05:08

Uffhausen hat geschrieben:(27 Jan 2017, 00:53)

Hm. Also ich persönlich sehe nicht das Ansehen der Polizei insgesamt durch einen Porno-Dreh eines Einzelnen geschädigt, eher das Ansehen des Polizei-Schülers allein. Und selbiges wurde nicht durch die Veröffentlichung des Pornos an sich geschädigt, sondern durch das entsprechende Zutun seiner Mitschüler. Und wiederrum somit ensteht für mich erst Schaden für das Ansehen der Polizei, weil durch diese Geschichte offenbar wurde, dass der Polizei-Nachwuchs scheints gerne Pornos schaut. Peinliches Eigentor... :D :p


Na und? Früher klammheimlich, heute stehen die Leute wenigstens dazu. Was ist denn daran verwerflich? :?:
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon watisdatdenn? » Fr 27. Jan 2017, 05:24

Das Ansehen der Polizei wird durch sowas nicht beschädigt.
Das Ansehen der Polizei wird z.b. durch die verbreiteten Lügen kurz nach Silvester 2015/2016 in Köln beschädigt.
Hier ist der verantwortliche Politiker, der die Zensur veranlasst hat, immer noch nicht entlassen!

Was Polizisten in ihrer Freizeit machen, ist mir sch*** egal und schadet auch dem ansehen der Polizei als staatliches Organ nicht.

Dass der Fokus in der Polizei anscheinend auf schmuddeligen filmen ist, anstatt bei der Aufklärung der volksbelügung stimmt mich aber nachdenklich.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Texas41 » Fr 27. Jan 2017, 07:06

Er ist halt Beamter und steht in einem besonderen Dienstverhältnis, das man nicht mit einem normalen Arbeitnehmer vergleichen kann! Da muß er sich auch in seiner Freizeit so verhalten, daß das Ansehen der Polizei nicht geschädigt wird. Pornos stehen in in weiten Teilen der Gesellschaft weiterhin in der Schmuddelecke, weshalb eine Kündigung im Rahmen des Beamtenrechts durchaus möglich sein könnte!

Auch wenn es viele nicht wissen, aber es hat eben auch Nachteile ein Beamter zu sein und nicht nur Vorteile!
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Mari » Fr 27. Jan 2017, 07:56

Scheint wohl hauptsächlich das Problem, dass er den Nebenjob nicht angemeldet hatte. Inwiefern der Nebenjob dem Ansehen der Polizei schadet sollte die Polizei erst mal darlegen.
LG Mari
Man kann ein ganzes Volk eine Zeit lang belügen, Teile eines Volkes dauernd betrügen, aber nicht das ganze Volk dauernd belügen und betrügen. (Abraham Lincoln)
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Dampflok94 » Fr 27. Jan 2017, 08:02

Mit ist eines unklar. Der Polizist ist in Ausbildung. Seit wann eigentlich? War er also zum Zeitpunkt des Filmdrehs bereits bei der Polizei?
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Provokateur » Fr 27. Jan 2017, 08:05

Es gab mal eine Soldatin, die unter dem Pseudonym "Pia Plastic/Plastik" (keine Ahnung) Pornos gedreht hat und diese unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Es handelte sich um eine Offizieranwärterin. Die wurde raus geworfen und hat sich wieder reingeklagt. So weit ich weiß kann jeder in seiner Freizeit machen, was er will, solange er dafür kein Geld bekommt.

Andere machen das geschickter. "Warum liegt hier Stroh rum?" "Und warum hast du eine Maske auf?" Die Maske hatte er auf, weil er in öffentlich wirksamer Position tätig war und nicht erkannt werden wollte. Das hat der Regisseur mal im Interview verraten.

Meine Meinung: Sex ist Sex. Wenn dabei eine Kamera läuft, ist es immer noch Sex. Nahezu jeder außer absoluten Omegas hat Sex. Ich kann da nur die Schultern heben.
Cynic, n.: A blackguard whose faulty vision sees things as they are, not as they ought to be.

Ambrose Bierce
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Keoma » Fr 27. Jan 2017, 08:31

Wenn er einen kleinen Pimmel hat, könnte das beim Andrehen schaden.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Moses » Fr 27. Jan 2017, 09:02

Hyde hat geschrieben:(26 Jan 2017, 20:27)

Was haltet ihr davon? Ist es gerechtfertigt, den Arbeitnehmer für solche privaten Tätigkeiten zu bestrafen?


hier liegt der Denkfehler!

Es handelt sich nicht um einen Arbeitnehmer. Einem Arbeitgeber kann es regelmäßig egal sein, was der AN in seiner Freizeit tut, der Arbeitsvertrag regelt nur Pflichten, die der Beruf mit sich bringt und gilt (grundsätzlich) nur in der Arbeitszeit.

Bei Beamten (und um die Statusgruppe handelt es sich hier) ist das anders. Der junge Mann steht in einem öffentlich rechtlichen Dienst- und Treuverhältnis. Die Pflichten eines Beamten gehen über die allgemeine Dienstleistungspflicht hinaus und beinhalten ebenfalls eine Verpflichtung, mit seinem Auftreten außerhalb des Dienstes das Ansehen des Dienstherren und das Ansehen der Statusgruppe nicht zu beschädigen.

Das hat zu Folge, dass auch außerdienstliches Verhalten gemaßregelt werden kann und muss.

So kann z.B. eine zivilgerichtliche Würdigung von außerdienstlichem Fehlverhalten zu einer disziplinarrechtlichen Würdigung seitens des Dienstherren führen - im Falle einer Verurteilung durch ein deutsches Gericht zu mehr als einem Jahr Freiheitsentzug auf Grund eines nachgewiesenen Verbrechens, bedarf es nicht mal einer Handlung des Dienstherren, mit Wirksamkeit des Urteils ist der Beamte dann - quasi automatisch - entlassen, sprich, das Dienstverhältnis endet mit Rechtwirksamkeit des Urteils.

Auch das ist ein Teil der viel gerühmten "Privilegien" der Beamten.

Zum Fall:

Ich sehe es durchaus so, dass dieses Verhalten angehalten ist, den Ruf und das Ansehen des Dienstherren und der Statusgruppe im ganzen zu schädigen, die Beendigung des Dienstverhältnisses ist - aus meiner Sicht - absolut gerechtfertigt.

@Provo, dass es immer wieder Richter gibt, die dies in Einzelfällen anders sehen und eine geringere disziplinare Würdigung für angemessen halten sehe ich eher als die Ausnahme, welche die Regel nur bestätigt.
PS: wäre mal ein interessanter Fall für eine Ausarbeitung im Studienfach Verwaltungs- oder Beamtenrecht! :thumbup:
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon relativ » Fr 27. Jan 2017, 09:18

Ger9374 hat geschrieben:(26 Jan 2017, 21:02)

Durchaus akzeptabel, diese Sichtweise.
Öffentlicher Dienst sollte strengere regeln haben.
Außerdem wurde das dem Arbeitgeber bei der Einstellung wohl verheimlicht.

Wenn dies nicht als Nebentätigkeit angegeben wurde, liegt ja noch ein anderer Abmahnungs-Kündigungsgrund vor, wenn er/sie damit auch Geld verdient hat
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Liegestuhl » Fr 27. Jan 2017, 09:21

Mir ist dieser Fall relativ Latte.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Hyde » Fr 27. Jan 2017, 10:11

Moses hat geschrieben:(27 Jan 2017, 09:02)
Ich sehe es durchaus so, dass dieses Verhalten angehalten ist, den Ruf und das Ansehen des Dienstherren und der Statusgruppe im ganzen zu schädigen, die Beendigung des Dienstverhältnisses ist - aus meiner Sicht - absolut gerechtfertigt.


Ich finde diese Sichtweise problematisch. Es gab ja auch mal eine Zeit, in der beispielsweise Homosexualität Tabu war. Dementsprechend hätte dann ein schwuler Polizist dem Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit geschadet und hätte nach dieser Argumentation in früheren Zeiten dann entlassen werden müssen.

Mag sein, dass es in Teilen der Bevölkerung immer noch große Vorbehalte gegen Pornos gibt. Das ist dann aber meiner Meinung nach das alleinige Problem jener Bevölkerungsgruppe, deren Ignoranz (man muss es so nennen) darf nicht dazu führen, dass ein rechtschaffener Polizist seinen Beruf & seine Existenz verliert.

Letztlich muss sich die Gesellschaft fragen, wie sie Sex sehen möchte. Ist Sex etwas moralisch verwerfliches? Wenn ja, dann sind Pornos etwas Schlechtes. Dann ist aber auch jeder Mensch schlecht, der Sex in seinem Schlafzimmer hat (also ziemlich jeder).
Wenn Sex nichts moralisch verwerfliches an sich hat, dann können auch Pornos nichts moralisch verwerfliches an sich haben, denn es spricht ja nichts dagegen, Filme zu verkaufen, in denen nichts moralisch falsches geschieht, in denen nur etwas geschieht, was jeder von uns im Alltag praktiziert.

Wer aber diesen Polizisten nun verurteilt und entlassen will und moralisch auf ihn hinabblickt, während man selbst auch seine Sexualität auslebt, der ist doppelmoralisch.

Genauso finde ich es falsch, dass diese Erzieherin entlassen wurde und die Kirchen da solche Sonderrechte haben.
Als ob sie den Beruf als Erzieherin nicht gut ausüben könnte, weil sie Sex hat.
Wenn überhaupt, dann spricht das eher für die Frau. Es gibt auch andere Menschen, die bestimmte Dinge gern tun würden, sich jedoch nicht trauen, sich gegen die gesellschaftlichen Konventionenen zu stellen, weil ihnen das Selbstbewusstsein fehlt. Diese Frau hingegen ist selbstbewusst genug, ihr Ding zu machen, auch gegen Druck und Widerstände und gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz. Was ist einem also lieber, eine Erzieherin die selbstbewusst ist oder eine, die duckmäuserisch ist? Ich weiß, wem ich mein Kind lieber anvertrauen würde.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 27. Jan 2017, 10:24

Moses hat geschrieben:(27 Jan 2017, 09:02)
Ich sehe es durchaus so, dass dieses Verhalten angehalten ist, den Ruf und das Ansehen des Dienstherren und der Statusgruppe im ganzen zu schädigen, die Beendigung des Dienstverhältnisses ist - aus meiner Sicht - absolut gerechtfertigt.

Da könnte man dagegenhalten, dass es in der Geschichte der Bundesrepublik nur sehr wenige Ereignisse gab, die das Ansehen des Landes und speziell der Bundeswehr so schwer beschädigten wie die Kießling-Affäre 1984. Also: Dreimal überlegen, ob man jemanden wegen tatsächlicher oder gerüchteweiser sexueller Handlungen vom Dienst suspendiert.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Moses » Fr 27. Jan 2017, 11:35

Hyde hat geschrieben:(27 Jan 2017, 10:11)

Ich finde diese Sichtweise problematisch. Es gab ja auch mal eine Zeit, in der beispielsweise Homosexualität Tabu war. Dementsprechend hätte dann ein schwuler Polizist dem Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit geschadet und hätte nach dieser Argumentation in früheren Zeiten dann entlassen werden müssen.

Mag sein, dass es in Teilen der Bevölkerung immer noch große Vorbehalte gegen Pornos gibt. Das ist dann aber meiner Meinung nach das alleinige Problem jener Bevölkerungsgruppe, deren Ignoranz (man muss es so nennen) darf nicht dazu führen, dass ein rechtschaffener Polizist seinen Beruf & seine Existenz verliert.

Letztlich muss sich die Gesellschaft fragen, wie sie Sex sehen möchte. Ist Sex etwas moralisch verwerfliches? Wenn ja, dann sind Pornos etwas Schlechtes. Dann ist aber auch jeder Mensch schlecht, der Sex in seinem Schlafzimmer hat (also ziemlich jeder).
Wenn Sex nichts moralisch verwerfliches an sich hat, dann können auch Pornos nichts moralisch verwerfliches an sich haben, denn es spricht ja nichts dagegen, Filme zu verkaufen, in denen nichts moralisch falsches geschieht, in denen nur etwas geschieht, was jeder von uns im Alltag praktiziert.

Wer aber diesen Polizisten nun verurteilt und entlassen will und moralisch auf ihn hinabblickt, während man selbst auch seine Sexualität auslebt, der ist doppelmoralisch.

Genauso finde ich es falsch, dass diese Erzieherin entlassen wurde und die Kirchen da solche Sonderrechte haben.
Als ob sie den Beruf als Erzieherin nicht gut ausüben könnte, weil sie Sex hat.
Wenn überhaupt, dann spricht das eher für die Frau. Es gibt auch andere Menschen, die bestimmte Dinge gern tun würden, sich jedoch nicht trauen, sich gegen die gesellschaftlichen Konventionenen zu stellen, weil ihnen das Selbstbewusstsein fehlt. Diese Frau hingegen ist selbstbewusst genug, ihr Ding zu machen, auch gegen Druck und Widerstände und gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz. Was ist einem also lieber, eine Erzieherin die selbstbewusst ist oder eine, die duckmäuserisch ist? Ich weiß, wem ich mein Kind lieber anvertrauen würde.


Es geht zum einen nicht "Tabus" und zum anderen wäre eine Maßregelung auf Grund sexueller Orientierung diskriminierend - wiederum falscher Ansatz!

Es geht hier auch nicht darum, ob der Beamte Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partner betreibt - es geht um die öffentlich Darstellung.
Zum Berufsbild einen Polizisten gehört eben nicht öffentlich Darstellung in Pornofilmen. Und daran muss er sich messen lassen.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Moses » Fr 27. Jan 2017, 11:38

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Jan 2017, 10:24)

Da könnte man dagegenhalten, dass es in der Geschichte der Bundesrepublik nur sehr wenige Ereignisse gab, die das Ansehen des Landes und speziell der Bundeswehr so schwer beschädigten wie die Kießling-Affäre 1984. Also: Dreimal überlegen, ob man jemanden wegen tatsächlicher oder gerüchteweiser sexueller Handlungen vom Dienst suspendiert.


Keine Ahnung, wie Du von einem Polizeibeamten auf die Bundeswehr kommst. Und der Möglichkeiten ansehensschädigenden Verhaltens sind viele und die Schwelle liegt weit unter Kießling - aber schön, dass DU uns mit Deinen Geschichtskenntnissen erfreut hast :|
Zuletzt geändert von Moses am Fr 27. Jan 2017, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon pikant » Fr 27. Jan 2017, 11:39

der oeffentliche Dienst sollte andere Sorgen haben, als aktiv zu werden, wenn man in der Freizeit einen Film dreht!
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Re: Kündigung wegen Pornodreh?

Beitragvon Moses » Fr 27. Jan 2017, 11:40

pikant hat geschrieben:(27 Jan 2017, 11:39)

der oeffentliche Dienst sollte andere Sorgen haben, als aktiv zu werden, wenn man in der Freizeit einen Film dreht!


Das darfst DU gerne so sehen. Der ÖD ist jedoch an Gesetze und Vorschriften gebunden und wenn diese ein Einschreiten gebieten das ist das sehr wohl Aufgabe des ÖD.
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