Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

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Hyde
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Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Hyde » Mo 14. Nov 2016, 00:31

Das Jahr 2016 wurde geprägt von 2 politischen Großereignissen, dem Brexit und der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. In beiden Fällen konnte das populistische Lager Bevölkerungsmehrheiten erringen, die beiden Ereignisse reihen sich dabei ein in eine schon seit einigen Jahren zu beobachtende Entwicklung von Aufkommen populistischer Parteien und Politiker überall in der westlichen Welt. Länder wie Österreich und Frankreich werden möglicherweise die nächsten in der Kette sein. Auffällig ist dabei, dass sich vor allem bildungsferne, männliche sowie ältere Bevölkerungsschichten offenbar von diesem populistischen Zeitgeist angezogen fühlen.


Leben wir in einem neuen Zeitalter des Populismus?

Und was sind die politischen und gesellschaftlichen Ursachen dieses aufstrebenden modernen Populismus? Identitätsverlust aufgrund immer schnellerer Globalisierung? Spätfolgen der weltweiten Finanzkrise? Terrorismus-Ängste? Soziale Abstiegsängste (aber gab es die nicht schon immer)? Eine Folge der vernetzten Welt und des daraus folgenden 24/7 Krisenjournalismus? Propagandaaffinität von sozialen Medien? Verachtung der politischen Elite und "des Systems" (aber warum genau)? Demokratie-Müdigkeit? EU-Skepsis? Folgen von denographischen Entwicklungen ("Diktatur der Alten") oder von Bildungsversäumnissen?

Und warum haben wir es hier mit einem überregionalen Phänomen zu tun? D.h. ein Phänomen, das nicht nur in einigen wenigen Staaten zu beobachten ist, sondern aktuell Aufwind in mehr oder minder jedem Land des liberalen Westens erfährt?
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watisdatdenn?
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon watisdatdenn? » Mo 14. Nov 2016, 14:59

Wenn man auf die Leute hören würde, gäbe es diese populistischen Strömungen nicht.

Beispiele: "vorläufiges" CETA \ dublin abkommen wird ignoriert \ deutsches militär in Syrien \ NSA \ drohnenangriffe aus Rammstein \ alleiniges gesetzesinitiativrech eu-kommission \ kein ausweisen abgelehnter flüchtlinge \ falsches messen der autoabgase...
Ich könnte hier noch länger weitermachen..

Es ist einfach:
Wenn die Politik weniger scheiß baut, gibt es weniger Populismus.
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Dampflok94 » Di 15. Nov 2016, 13:27

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Nov 2016, 14:59)

Wenn man auf die Leute hören würde, gäbe es diese populistischen Strömungen nicht.

Wer sind denn bitte DIE Leute? Muß man sich irgendwo anmelden, damit man dazu gehört? Oder muß man eine bestimmte Meinung vertreten und gehört sonst nicht dazu?
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
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watisdatdenn?
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon watisdatdenn? » Di 15. Nov 2016, 16:54

Nun ich meine natürlich die Mehrheit der Leute.
Wenn die Mehrheit gegen massenhafte asylmigration ist, sollte man das berücksichtigen.
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Ein Terraner
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Ein Terraner » Di 15. Nov 2016, 16:57

Hyde hat geschrieben:(14 Nov 2016, 00:31)

In beiden Fällen konnte das populistische Lager Bevölkerungsmehrheiten erringen,


Das waren keine Bevölkerungsmehrheiten!
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Progressiver
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Progressiver » Sa 19. Nov 2016, 01:09

Die Fehler liegen ganz klar bei den herrschenden Politikern bzw. Eliten. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus hatte Francis Fukuyama 1992 schon das "Ende der Geschichte" postuliert, da die liberale Demokratie und der Kapitalismus die Sieger der Geschichte wären. Anstatt auf eine stetige Verbesserung oder auf sozialen Ausgleich aufgrund der Globalisierung zu achten, beschworen die regierenden Politiker vor allem die Macht der Märkte als universales Allheilmittel.

Was Fukuyama betrifft, so irrte er sich schon mit der Vorgehensweise, wie er auf seine These kam. So wie Marx auf eine hegelsche Dialektik in der Geschichtswissenschaft setzte, tat dies auch dieser Politikwissenschaftler. Bei ihm waren aber das Endprodukt nicht die kommunistische Gesellschaft, sondern die liberale Demokratie. Wie man sieht, irrte er. Und dies tat Fukuyama auch, weil es keine Gesetze in der Geschichte gibt. Im Übrigen hätte ein Blick in die entferntere Geschichte genügt, um zu sehen, dass auch frühere Demokratien wie die beispielsweise die Römische Republik nicht immer welche blieben.

Diese Denke halte ich für symptomatisch für das Denken der westlichen Eliten und Politiker. Anstatt die sozialen und demokratischen Systeme zu verbessern, sonnte man sich im Glanze des Sieges über das Sowjetsystem. Man begab sich folglich aufs Glatteis, indem man die Märkte deregulierte wie seit der Großen Depression nicht mehr. Und man glaubte nur allzu gerne den Irrlehren neoliberaler Ideologen, die munter ihre "Trickle-Down-Theorie" verkündeten, nach der man angeblich nur die Steuern für die Reichen und Superreichen drastisch senken müsse, damit auch die Ärmsten etwas abbekommen würden.

Sie haben sich allerdings geirrt. Heutzutage ist die Schere zwischen den Reichen und Superreichen einerseits und dem Rest andererseits größer, als es erträglich wäre. Durch staatliche Deckelungen der Löhne für Arbeitrnehmer sank das Reallohneinkommen vieler Menschen. Einige wenige profitierten von diesem Prozess. Aber während man in den Sozialwissenschaften früher von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft sprach, bildeten sich wieder richtig sichtbar verschiedene Schichten.

In dieser "schönen" neuen Welt haben wir es also mit einer neuen globalen Oberschicht zu tun, die in Saus und Braus leben kann. Ganz unten existiert ein Lumpenproletariat, dem das Wasser bis zum Hals steht. Diese Wutbürger sind dann der Stoff, aus dem die Trump-Wähler, AfD-Fans etc. besteht. Sie wollen vor allem zurück in Zeiten, in denen es ihnen vermeintlich besser ging. Die Mittelschichten dagegen haben Abstiegsängste und kriechen in ihrer Furcht lieber den Eliten in den Allerwertesten, passen sich der neoliberalen Herrschaftsideologie bis zur Selbstverleugnung an, weil sie glauben, ansonsten genau so wie das Lumpenproletariat zu enden. Und, last but not least, gibt es die Immigranten.

In früheren Dekaden, als die westlichen Eliten noch Angst vor dem Kommunismus hatten, mussten diese Geld abgeben, um selbst diese in die Gesellschaft zu integrieren. Jetzt, wo die kommunistische Bedrohung verschwunden ist, wollen sie das nicht mehr. Die Konsequenz ist eine totale Schleifung des Sozialstaates bei dem gerade die Unterschichten kaputt gehen. Während aber die jeweiligen einheimischen Verlierer unter den Bevölkerungen zusehends den Rechtspopulismus anhimmeln, besinnen sich die islamischen Verlierer lieber auf ihre eigenen kulturellen Wurzeln. Reaktionär sind aber sowohl die Rechtspopulisten als auch die Islamisten.

Die Lösung könnte also in einer mutigen und progressiven Politik bestehen, die die Gewinner der letzten neoliberalen Dekaden schröpft, um das Geld für soziale Projekte sowohl für Rechtspopulisten als auch für potentielle Islamisten auszugeben, damit diese besser in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Aber dazu müsste sich zunächst einmal das Bewusstsein der Masse der Bevölkerung ändern. Stattdessen bekämpfen sich die Mittelschicht, die rechtspopulistische und islamistische Unterschicht bis aufs Blut. Das mag zwar für alle dieser drei Gruppen letztendlich schädlich sein. Die Superreichen dagegen spielen mit den ihnen untergebenen Schichten ganz klar "Teile und herrsche"). Denn solange sich diese lieber gegenseitig bekämpfen als die wahren Ursachen ihrer Misere zu erkennen, werden die kapitalistischen Gewinner immer reicher werden, während der Rest der Bevölkerung in die Röhre glotzen darf.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
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Bielefeld09
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 19. Nov 2016, 01:21

Progressiver hat geschrieben:(19 Nov 2016, 01:09)

Die Fehler liegen ganz klar bei den herrschenden Politikern bzw. Eliten. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus hatte Francis Fukuyama 1992 schon das "Ende der Geschichte" postuliert, da die liberale Demokratie und der Kapitalismus die Sieger der Geschichte wären. Anstatt auf eine stetige Verbesserung oder auf sozialen Ausgleich aufgrund der Globalisierung zu achten, beschworen die regierenden Politiker vor allem die Macht der Märkte als universales Allheilmittel.

Was Fukuyama betrifft, so irrte er sich schon mit der Vorgehensweise, wie er auf seine These kam. So wie Marx auf eine hegelsche Dialektik in der Geschichtswissenschaft setzte, tat dies auch dieser Politikwissenschaftler. Bei ihm waren aber das Endprodukt nicht die kommunistische Gesellschaft, sondern die liberale Demokratie. Wie man sieht, irrte er. Und dies tat Fukuyama auch, weil es keine Gesetze in der Geschichte gibt. Im Übrigen hätte ein Blick in die entferntere Geschichte genügt, um zu sehen, dass auch frühere Demokratien wie die beispielsweise die Römische Republik nicht immer welche blieben.

Diese Denke halte ich für symptomatisch für das Denken der westlichen Eliten und Politiker. Anstatt die sozialen und demokratischen Systeme zu verbessern, sonnte man sich im Glanze des Sieges über das Sowjetsystem. Man begab sich folglich aufs Glatteis, indem man die Märkte deregulierte wie seit der Großen Depression nicht mehr. Und man glaubte nur allzu gerne den Irrlehren neoliberaler Ideologen, die munter ihre "Trickle-Down-Theorie" verkündeten, nach der man angeblich nur die Steuern für die Reichen und Superreichen drastisch senken müsse, damit auch die Ärmsten etwas abbekommen würden.

Sie haben sich allerdings geirrt. Heutzutage ist die Schere zwischen den Reichen und Superreichen einerseits und dem Rest andererseits größer, als es erträglich wäre. Durch staatliche Deckelungen der Löhne für Arbeitrnehmer sank das Reallohneinkommen vieler Menschen. Einige wenige profitierten von diesem Prozess. Aber während man in den Sozialwissenschaften früher von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft sprach, bildeten sich wieder richtig sichtbar verschiedene Schichten.

In dieser "schönen" neuen Welt haben wir es also mit einer neuen globalen Oberschicht zu tun, die in Saus und Braus leben kann. Ganz unten existiert ein Lumpenproletariat, dem das Wasser bis zum Hals steht. Diese Wutbürger sind dann der Stoff, aus dem die Trump-Wähler, AfD-Fans etc. besteht. Sie wollen vor allem zurück in Zeiten, in denen es ihnen vermeintlich besser ging. Die Mittelschichten dagegen haben Abstiegsängste und kriechen in ihrer Furcht lieber den Eliten in den Allerwertesten, passen sich der neoliberalen Herrschaftsideologie bis zur Selbstverleugnung an, weil sie glauben, ansonsten genau so wie das Lumpenproletariat zu enden. Und, last but not least, gibt es die Immigranten.

In früheren Dekaden, als die westlichen Eliten noch Angst vor dem Kommunismus hatten, mussten diese Geld abgeben, um selbst diese in die Gesellschaft zu integrieren. Jetzt, wo die kommunistische Bedrohung verschwunden ist, wollen sie das nicht mehr. Die Konsequenz ist eine totale Schleifung des Sozialstaates bei dem gerade die Unterschichten kaputt gehen. Während aber die jeweiligen einheimischen Verlierer unter den Bevölkerungen zusehends den Rechtspopulismus anhimmeln, besinnen sich die islamischen Verlierer lieber auf ihre eigenen kulturellen Wurzeln. Reaktionär sind aber sowohl die Rechtspopulisten als auch die Islamisten.

Die Lösung könnte also in einer mutigen und progressiven Politik bestehen, die die Gewinner der letzten neoliberalen Dekaden schröpft, um das Geld für soziale Projekte sowohl für Rechtspopulisten als auch für potentielle Islamisten auszugeben, damit diese besser in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Aber dazu müsste sich zunächst einmal das Bewusstsein der Masse der Bevölkerung ändern. Stattdessen bekämpfen sich die Mittelschicht, die rechtspopulistische und islamistische Unterschicht bis aufs Blut. Das mag zwar für alle dieser drei Gruppen letztendlich schädlich sein. Die Superreichen dagegen spielen mit den ihnen untergebenen Schichten ganz klar "Teile und herrsche"). Denn solange sich diese lieber gegenseitig bekämpfen als die wahren Ursachen ihrer Misere zu erkennen, werden die kapitalistischen Gewinner immer reicher werden, während der Rest der Bevölkerung in die Röhre glotzen darf.

Und weiter?
Analyse ist die eine Seite,
und dann?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
Christian12

Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Christian12 » So 20. Nov 2016, 11:50

Hyde hat geschrieben:(14 Nov 2016, 00:31)

Das Jahr 2016 wurde geprägt von 2 politischen Großereignissen, dem Brexit und der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. In beiden Fällen konnte das populistische Lager Bevölkerungsmehrheiten erringen, die beiden Ereignisse reihen sich dabei ein in eine schon seit einigen Jahren zu beobachtende Entwicklung von Aufkommen populistischer Parteien und Politiker überall in der westlichen Welt. Länder wie Österreich und Frankreich werden möglicherweise die nächsten in der Kette sein. Auffällig ist dabei, dass sich vor allem bildungsferne, männliche sowie ältere Bevölkerungsschichten offenbar von diesem populistischen Zeitgeist angezogen fühlen.


Leben wir in einem neuen Zeitalter des Populismus?

Und was sind die politischen und gesellschaftlichen Ursachen dieses aufstrebenden modernen Populismus? Identitätsverlust aufgrund immer schnellerer Globalisierung? Spätfolgen der weltweiten Finanzkrise? Terrorismus-Ängste? Soziale Abstiegsängste (aber gab es die nicht schon immer)? Eine Folge der vernetzten Welt und des daraus folgenden 24/7 Krisenjournalismus? Propagandaaffinität von sozialen Medien? Verachtung der politischen Elite und "des Systems" (aber warum genau)? Demokratie-Müdigkeit? EU-Skepsis? Folgen von denographischen Entwicklungen ("Diktatur der Alten") oder von Bildungsversäumnissen?

Und warum haben wir es hier mit einem überregionalen Phänomen zu tun? D.h. ein Phänomen, das nicht nur in einigen wenigen Staaten zu beobachten ist, sondern aktuell Aufwind in mehr oder minder jedem Land des liberalen Westens erfährt?

Vielleicht ist der Westen gar nicht mehr so liberal als er sich vormacht?
Diese extremen Auswüchse dessen, was Du Populismus nennst,
die in fast der gesamten westlichen Welt zurzeit sichtbar werden,
sind meines Erachtens nur Warnschüsse an ein sich auflösendes System der Scheinheiligkeit
und der Dekadenz, das extrem reformbedürftig ist.
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Adam Smith
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Adam Smith » So 20. Nov 2016, 12:30

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Nov 2016, 01:21)

Und weiter?
Analyse ist die eine Seite,
und dann?

Das würde mich auch interessieren. Die Staatsverschuldung ist sowohl in den USA als auch in Grossbritannien seit dem Jahr 2008 stark angestiegen. Der Brexit und die Wahl von Trump dürfte für eine noch höhere Staatsverschuldung in diesen Ländern sorgen. Was wird denn nun vorgeschlagen?
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Ein Terraner
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Ein Terraner » So 20. Nov 2016, 13:55

Bielefeld09 hat geschrieben:(19 Nov 2016, 01:21)

und dann?


Kommt die Utopie. :D
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harry52
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon harry52 » Fr 16. Dez 2016, 09:06

Die Fehler liegen ganz klar bei den herrschenden Politikern bzw. Eliten.

Ist das so?
Wenn die Waschmaschine aus Deutschland dreimal so viel kostet, wie die aus China und nicht einmal viel besser ist, dann haben nur die Eliten Schuld? Liegt es nicht auch daran, dass die Kosten bei uns viel höher sind? Bitte weiter lesen.

Anderes Beispiel:
Ich kenne noch die 70er Jahre. Damals kamen die Schuhe von Salamander in Kornwestheim. Dort wurden millionen Schuhe jedes Jahr produziert und die Firma war sehr bekannt, sponserte auch einen bekannten Sportverein. Aber so ein paar Schuhe für die Kinder für den Winter kosteten ein kleines Vermögen.

Wegen der Eliten? Nein.
Es ist unpopulär, aber ich sage es trotzdem, weil linke und rechte Populisten bei dem Thema immer lügen. Es ist doch so: Wenn man etwas mehr verdienen will, als der Rest der Welt, oder man einen besseren Umweltschutz haben möchte, oder Arbeitsschutz, bessere Schulen, bessere Krankenhäuser, bessere Feuerwehr, bessere Klärwerke ... dann kostet das auch etwas mehr.

Wenn man da schnell fortschreitet wie bei rot/rot/grünen Weltverbesserern,
dann kostet das logischerweise auch schnell viel mehr. Da freuen sich viele anfangs, aber die millionen Kunden in Deutschland und der Welt, die die Schuhe kaufen sollen, zwingt man dazu, woanders die Schuhe zu kaufen. Und dann ist die Freude schnell vorbei, weil man arbeitslos wird.

Das ist Mathe und quasi ein Naturgesetz
und die Politik und die Eliten können gegen Mathe auch nicht anregieren. Und linke und rechte Populisten denken über so etwas nicht nach, bzw. sagen das nie. Sie belügen euch. Wenn sie dann doch mal regieren, sieht man auch, dass sie es meist nicht besser machen als die CDU/CSU/FDP, sondern meist noch schlechter.

Also mein Tip, wählt die Vernunft
und wählt auch vernünftige und kompromissbereite Gewerkschafter und dann steigt der Wohlstand auch und es kommt aber nicht zu Massenarbeitslosigkeit und Massenabwanderung der Industrie.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon pikant » Fr 16. Dez 2016, 09:17

Hyde hat geschrieben:(14 Nov 2016, 00:31)

Das Jahr 2016 wurde geprägt von 2 politischen Großereignissen, dem Brexit und der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. In beiden Fällen konnte das populistische Lager Bevölkerungsmehrheiten erringen, die beiden Ereignisse reihen sich dabei ein in eine schon seit einigen Jahren zu beobachtende Entwicklung von Aufkommen populistischer Parteien und Politiker überall in der westlichen Welt. Länder wie Österreich und Frankreich werden möglicherweise die nächsten in der Kette sein. Auffällig ist dabei, dass sich vor allem bildungsferne, männliche sowie ältere Bevölkerungsschichten offenbar von diesem populistischen Zeitgeist angezogen fühlen.


Leben wir in einem neuen Zeitalter des Populismus?

Und was sind die politischen und gesellschaftlichen Ursachen dieses aufstrebenden modernen Populismus? Identitätsverlust aufgrund immer schnellerer Globalisierung? Spätfolgen der weltweiten Finanzkrise? Terrorismus-Ängste? Soziale Abstiegsängste (aber gab es die nicht schon immer)? Eine Folge der vernetzten Welt und des daraus folgenden 24/7 Krisenjournalismus? Propagandaaffinität von sozialen Medien? Verachtung der politischen Elite und "des Systems" (aber warum genau)? Demokratie-Müdigkeit? EU-Skepsis? Folgen von denographischen Entwicklungen ("Diktatur der Alten") oder von Bildungsversäumnissen?

Und warum haben wir es hier mit einem überregionalen Phänomen zu tun? D.h. ein Phänomen, das nicht nur in einigen wenigen Staaten zu beobachten ist, sondern aktuell Aufwind in mehr oder minder jedem Land des liberalen Westens erfährt?


Du hast es doch schon sehr gut beschrieben - ich sehe folgende Punkte als wichtig an, die Populisten erstarken lassen

1. Identitaetsverlust aufgrund der Globalisierung

2. realer Aengste vor Terrorismus und dahingehend die Angst dass unter den Fluechtlingen Moerder, Terroristen und Co. sich befinden

3. damit einhergehend soziale Abstiegsaengste durch Globalisierung, Rationalisierung und Angst vor Fluechtlingen, die einem diesen Arbeitsplatz dann auch noch wegnehmen

4. man glaubt den Medien nicht mehr - angeblich Luegenpresse

5. Aufstand gegen das Etablissement und Aufstand gegen die Politiker da oben, die uns nicht mehr verstehen und ernst nehmen


dann kommt noch die reale eigene Situation hinzu, wo man EU, der Regierung, dem scheiss Arbeitsmarkt, den raffgierigen Unternehmen die Schuld geibt, aber nie bei sich selbst mal Versauemnisse sucht.
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 16. Dez 2016, 10:41

Hyde hat geschrieben:(14 Nov 2016, 00:31)
Und warum haben wir es hier mit einem überregionalen Phänomen zu tun? D.h. ein Phänomen, das nicht nur in einigen wenigen Staaten zu beobachten ist, sondern aktuell Aufwind in mehr oder minder jedem Land des liberalen Westens erfährt?

Nicht nur des "liberalen Westens". Möglicherweise erfährt man gerade dann etwas über die tieferen Ursachen des Aufstiegs von (Rechts)Populismus, wenn man die Länder des klassischen liberalen Westens mit etwas weiter entfernteren Beispielen (Türkei, Indien, Russland) vergleicht. Ich sehe mindestens eine Gemeinsamkeit, und der "Progressive" hat es in seinem Beitrag ja auch schon angesprochen: Populisten brauchen einen Feind. Keinen abstrakten oder fernen (wie etwa "der Kommunismus" in Zeiten des Kalten Kriegs) sondern einen greifbaren, eine sichtbare Gruppe im eigenen Land. Und das sind dann: "das Altparteienkartell", "die Flüchtlinge", "die Schwulen und Lesben", diese und jene nationale Minderheit usw. usf. Es läuft auch tatsächlich realiter darauf hinaus, dass die kleinen Einkommens- und Machteliten gestärkt werden und die Mittelschicht gemeinsam mit der Unterschicht sich in einen Verteilungs- und Verleumdungskampf aufreibt. Auch wenn ich nicht glaube, dass dies von seiten der Populisten absichtlich so eingefädelt wird. Die wissen nur - bewusst oder instinktiv - wie sie immer mehr Popularität durch Hassentfachung einheimsen können.
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Uffhausen » Fr 16. Dez 2016, 19:32

AfD-Wähler handeln aus Protest

Nachwahlbefragungen zeigen die Motivation der AfD-Wähler, sich von all dem abzuwenden: Sie wollen ein Zeichen setzen. Sie glauben mehrheitlich nicht, dass die AfD etwas zur Lösung der Probleme im Land anzubieten haben. In Baden-Württemberg stimmten 93 Prozent der AfD-Wähler in einer Befragung von Infratest dimap folgender Aussage zu: "Die AfD löst zwar keine Probleme, nennt die Dinge aber beim Namen." In Rheinland-Pfalz sagen das 90, in Sachsen-Anhalt immerhin noch 64 Prozent der AfD-Wähler.

http://www.n-tv.de/politik/Wer-waehlt-eigentlich-die-AfD-article17215441.html


Ist hinsichtlich solcher Werte (Rechts-)Populismus überhaupt ernstzunehmen? Ich persönlich denke, es gilt zu unterscheiden zwischen Überzeugung (von Populismus) und Prostest (via Populismus). Überzeugt von der AfD und ihren politischen Visionen sind scheints nur herzlich wenig. Zöge man die "Proteststimmen" ab, käme die AfD wohl überall nicht mal über die 5%-Hürde. Im Grunde müssten sich CDU, SPD & Co gar nicht sorgen. Und "naiv-blöde Gutmenschen, die in einer grün-linken Traumwelt leben" (den tollen Titel bekam ich letztens von einer AfDlerin an den Kopf geknallt, obwohl er in keinsterweise auf mich zutrifft) - wie ich - auch nicht. Ist das eigentliche Problem vielleicht gar nicht Populismus direkt - den gab es ja schon immer und wird es auch immer geben werden - sondern dieses (mMn) tw. "verantwortungslose" Protestverhalten/-denken via Populismus? Und eben nur, weil dieser sich zufällig gerade anbietet, aufgrund Flüchtlings- und EU-Krise? Würden wir ohne diese und weiteren Krisen und Kriselchen vielleicht gar nicht in Populismus ein Problem sehen? Oder uns mit "Lügenpresse" beschäftigen müssen? Hätten wir über eine Million Flüchtlinge aufgenommen - und uns dabei nicht vor radikalen Islamismus und Muslimen allgemein gefüchtet - wenn es in Syrien & Co statt Krieg einfach nur eine unvorstellbare Naturgewalt mit Tod, Zerstörung und Flucht gen Europa gegeben hätte? Wäre alles interessant zu wissen.
Betrachenswert sei auch, dass bspw. nach dem hefigen Erdbeben in Nepal u. a. aus Deuschland zig Millionen an Spendengeldern überwiesen wurden - später war zu erfahren, dass die nepalesische Regierung das Geld insgesamt nur schleppend bis gar nicht für den Wiederaufbau abgibt, sondern lieber drauf sitzend bleibt und die Bevölkerung sich selbst überlässt (Aktueller Stand: Keine Ahnung.). Kein gesellschaftlicher, politischer oder medialer Aufschrei seinerzeit; hat scheinbar niemanden so wirklich ineressiert. Aber wehe, das Leid oder die Hilfesuchenden stehen wie nunmehr quasi direkt und leibhaftig vor der Haustür, dann ist das Geplärre riesengroß, das Geld auf einmal wichtig, Politik und Presse/Medien plötzlich Feindbild weil reaktionschwach.
Vergleichsbeispiel: Ich war diese Woche mit meiner Oma in der Stadt zum einkaufen, ein große Gruppe Kindergartenkinder zog lärmend an uns vorbei - meine Oma war total entzückt ("Einfach herzig!", "Die lieben Kleinen!" usw.). Später, bei ihr zuhause, als wir die Einkäufe verräumten, lärmten draußen auf der großen Wiese vor ihrer Wohnung ein paar Nachbarskinder beim Fußballspielen - meine Oma war total erbost ("Freche Bälger!", "So ein Krach!" usw.). Ist meine Oma nun populistisch oder einfach nur widersprüchlich?

Bemerkenswert finde ich auch, dass die Wahlbeteiligungen in Deutschland zugenommen haben - aufgrund der sog. Protestwähler? Die Jahre (Jahrzehnte? Ich bin erst 31 Jahre auf dieser Welt) zurvor ging der "Protest-Trend" ja eher hin zum nicht-wählen (= sinkende Wahlbeteiligungen). Ich weiß nicht mehr wo - aber ich meine gelesen oder gehört zu haben, dass die Beteiligung letztens bei der US-Präsidentschaftswahl einen neuen Tiefstwert erreicht hat. Das würde ja dann vielleicht beides entkräften; Protest via Populismus und Populismus an sich. Aber die USA hat auch andere, eigene Krisen und Kriselchen (oder meint es, weil Trump es getwittert hat) und nicht von unseren aktuellen, europäischen betroffen. Vielleicht liegt wiederrum hier der Unterschied.
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Teeernte » Fr 16. Dez 2016, 23:25

Die Leute merken - dass sie nur belogen werden.

Erneuerbare Energien ? >> Muss der Sie bezahlen der VIEL verbraucht ? - Natürlich NICHT ! - der kleine Mann blecht !

Auto-AbgasBetrug - ..... gehts dem Porsche/Bentleyfahrer/ oder gar dem HERSTELLER an die Tasche ? .....dem kleinen sparsamen Dieselnutzer !! (NICHT den LKW Nutzer)

Hat der Fahrer mit dem Programm betrogen ? Hat der Fahrer den PKW gebaut ?

Wer bekommt das Geld der Krankenversicherung ?? Der Arbeitende Versicherte NICHT dazu hat der gar keine ZEIT. Ärzte - die 78 Jahre alte Demenzkranke noch einmal durchs MRT jagen....und schnell noch eine Herzkathederuntersuchung abkassieren....

Populismus ?

Früher war das gute Grüne Politik.... :D :D :D
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 17. Dez 2016, 07:03

Uffhausen hat geschrieben:(16 Dec 2016, 19:32)
Ist hinsichtlich solcher Werte (Rechts-)Populismus überhaupt ernstzunehmen? Ich persönlich denke, es gilt zu unterscheiden zwischen Überzeugung (von Populismus) und Prostest (via Populismus). Überzeugt von der AfD und ihren politischen Visionen sind scheints nur herzlich wenig. Zöge man die "Proteststimmen" ab, käme die AfD wohl überall nicht mal über die 5%-Hürde.

Doch. Sie sind ernst zu nehmen. Man kann das sehr gut an der Entwicklung der ungarischen Partei Fidesz von Viktor Orbán erkennen. Urpsrünglich eine bunte Truppe ausgesprochen wirtschaftsliberal ausgerichteter junger Leute, wandelte sie sich in eine ausgesprochen rechts- bzw. nationalkonservative Partei. Wichtig ist: Sie reagierte damit nicht etwa auf eine Rechtstendenz in der Bevölkerung sondern lieferte irgendwann Ende der 90er Anfang der 00er gewissermaßen Frage und Antwort (nach nationaler Orientierung) gleichzeitig. Es gab kein besonderes Bedürfnis nach kollektiver nationaler Identität. Jedenfalls keines, das nicht durch normale außerpolitische kulturelle Bezüge und Aktivitäten nicht ohnehin befriedigt wurde. Das Programm der Partei lieferte den Ruf nach "Rückkehr zum Ungarntum" und die politischen Angebote dafür gleichzeitig. Wie ein schlaues Pharma-Unternehmen, das ein vorher gar nicht vorhandenes Bedürfnis und das Medikament zu seiner Befriedigung zugleich produziert. An dem Erfolg der Fidesz der letzten Jahre sieht man aber, dass dergleichen eben doch ernst zu nehmen ist.
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Odin1506 » Sa 17. Dez 2016, 10:07

harry52 hat geschrieben:(16 Dec 2016, 09:06)

Ist das so?
Wenn die Waschmaschine aus Deutschland dreimal so viel kostet, wie die aus China und nicht einmal viel besser ist, dann haben nur die Eliten Schuld? Liegt es nicht auch daran, dass die Kosten bei uns viel höher sind? Bitte weiter lesen.

Anderes Beispiel:
Ich kenne noch die 70er Jahre. Damals kamen die Schuhe von Salamander in Kornwestheim. Dort wurden millionen Schuhe jedes Jahr produziert und die Firma war sehr bekannt, sponserte auch einen bekannten Sportverein. Aber so ein paar Schuhe für die Kinder für den Winter kosteten ein kleines Vermögen.

Wegen der Eliten? Nein.
Es ist unpopulär, aber ich sage es trotzdem, weil linke und rechte Populisten bei dem Thema immer lügen. Es ist doch so: Wenn man etwas mehr verdienen will, als der Rest der Welt, oder man einen besseren Umweltschutz haben möchte, oder Arbeitsschutz, bessere Schulen, bessere Krankenhäuser, bessere Feuerwehr, bessere Klärwerke ... dann kostet das auch etwas mehr.

Wenn man da schnell fortschreitet wie bei rot/rot/grünen Weltverbesserern,
dann kostet das logischerweise auch schnell viel mehr. Da freuen sich viele anfangs, aber die millionen Kunden in Deutschland und der Welt, die die Schuhe kaufen sollen, zwingt man dazu, woanders die Schuhe zu kaufen. Und dann ist die Freude schnell vorbei, weil man arbeitslos wird.

Das ist Mathe und quasi ein Naturgesetz
und die Politik und die Eliten können gegen Mathe auch nicht anregieren. Und linke und rechte Populisten denken über so etwas nicht nach, bzw. sagen das nie. Sie belügen euch. Wenn sie dann doch mal regieren, sieht man auch, dass sie es meist nicht besser machen als die CDU/CSU/FDP, sondern meist noch schlechter.

Also mein Tip, wählt die Vernunft
und wählt auch vernünftige und kompromissbereite Gewerkschafter und dann steigt der Wohlstand auch und es kommt aber nicht zu Massenarbeitslosigkeit und Massenabwanderung der Industrie.


In welcher Partei ist denn die Vernunft?
Bestimmt nicht in der SPD/FDP/CDU/CSU/GRÜNE/AfD, dort wurde die Vernunft schon längst aus den Reihen gejagt.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
Uffhausen
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Uffhausen » Sa 17. Dez 2016, 16:43

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 Dec 2016, 07:03)

Doch. Sie sind ernst zu nehmen. Man kann das sehr gut an der Entwicklung der ungarischen Partei Fidesz von Viktor Orbán erkennen. Urpsrünglich eine bunte Truppe ausgesprochen wirtschaftsliberal ausgerichteter junger Leute, wandelte sie sich in eine ausgesprochen rechts- bzw. nationalkonservative Partei. Wichtig ist: Sie reagierte damit nicht etwa auf eine Rechtstendenz in der Bevölkerung sondern lieferte irgendwann Ende der 90er Anfang der 00er gewissermaßen Frage und Antwort (nach nationaler Orientierung) gleichzeitig. Es gab kein besonderes Bedürfnis nach kollektiver nationaler Identität. Jedenfalls keines, das nicht durch normale außerpolitische kulturelle Bezüge und Aktivitäten nicht ohnehin befriedigt wurde. Das Programm der Partei lieferte den Ruf nach "Rückkehr zum Ungarntum" und die politischen Angebote dafür gleichzeitig. Wie ein schlaues Pharma-Unternehmen, das ein vorher gar nicht vorhandenes Bedürfnis und das Medikament zu seiner Befriedigung zugleich produziert. An dem Erfolg der Fidesz der letzten Jahre sieht man aber, dass dergleichen eben doch ernst zu nehmen ist.

Naja, Ungarn ist Ungarn, Deutschland ist Deutschland. So wie Sie es beschreiben, sind die Umstände und Entwicklungen in Ungarn ja kaum mit selbigen in Deutschland zu vergleichen - aktuell herrscht vielleicht eine gewisse Gleichschaltung vor, aber wohl nur "aus gegebenem Anlass" (u. a. Flüchtlingskrise). Wie ist es denn in Ungarn; haben die insgesamt was gegen Ausländer, oder wie die hiesige AfD "nur" gegen Flüchtlinge/Muslime? Oder wie ist es genau in Grossbritannien; haben die insgesamt was gegen Ausländer oder "nur" gegen EU-Ausländer (Brexit)?

Ich möchte den populistischen Rechtsruck in Deutschland ganz bestimmt nicht kleinreden, aber zumindest gezielt hinterfragen. Der in meinem obigen Beitrag verlinkte Artikel erwähnt eben, bei Nachwahbefragungen sei herausgekommen, dass die überdeutliche Mehrheit der AfD-Wähler der Aufassung ist, dass die AfD "zwar keine Probleme löst, aber die Dinge beim Namen nennt" - wenn sie Praxis wünschen (würden), warum wählen sie dann Theorie? Dazu passend wurde mir mal erzählt, AfD-Vize Gauland hätte in einem Interview dieses Jahr mal verlauten lassen, dass die AfD Regierungsarbeit ablehne, sondern sich viel eher als politischer Richtungsweiser für die Altparteien verstünde (Stimmt das? Hat mir jemand eine Quelle?). Wenn das zutrifft, finde ich persönlich, macht die AfD ja im Grunde auch nichts anderes als "Protest via Populismus" und will nichts anderes, als Merkel, Gabriel & Co mal so richtig triezen. Obgleich nicht von der Hand zuweisen ist, dass einige AfDler von dem überzeugt und noch mehr sind, was sie so alles vom Stapel lassen.

Freilich muss man die aktuellen rechtspopulistischen Entwicklungen auch sehr ernstnehmen, z. B. hinsichtlich der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte usw. in folge dessen. Genauso aber auch den Unfrieden von Rechtspopulisten aufgrund Reaktionschwäche der Regierung (z. B. merkelsches "Aussitzen") oder Flüchtlingskriminalität (z. B. Köln oder aktueller Freiburg). Andererseits fällt letzteres zunehmend schwer. Ich sag' nur Schubladendenken. Wenn ein Flüchtling kriminell ist, sind alle Flüchtlinge kriminell - wenn man AfD-Sympathisanten diese/deren Denke um den Latz knallt (z. B.: Wenn ein AfDler rechtsradikal ist, dann sind alle in der AfD rechtsradikal), ist die Empörung ungeheuerlich. Oder dieser Fakten-Wahn. Ich habe von einem rechtspopulistisch Denkenden noch nie Fakten bekommen, entweder wurde dann von was ganz anderem geredet oder gleich die ausweichende "Gutmenschen-Keule" geschwungen. Oder diese Sucht nach Objektivität. Betrifft vornehmlich die "Lügenpresse" - ganz ehrlich: Wenn Presse und Medien "schon immer" von der Politik gesteuert worden sein sollen, warum haben die sich nicht schon früher (oder "schon immer" :rolleyes: ) darüber aufgeregt; warum erst seit der Flüchtlings- und folgender EU-Krise? Und: Wieso diese plötzliche Abhängigkeit vom Meinungsbild in Presse und Medien - eigene Meinung bilden! Oder diese AfDsche Widersprüchlichkeit - bspw. die AfD kritisiert die aktuellen politischen Entwicklungen in der Türkei, huldigt aber selbst einen Putin, der (mMn) nichts anderes ist, ein "leiserer" Erdogan.

Ich bleibe dabei, gerade im deutschen Rechtspopulismus kann ich persönlich nicht viel Ernsthaftigkeit/Glaubwürdigkeit erkennen - also im Sinne von "bescheuert", nicht von "belustigend"! :s
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Teeernte » Sa 17. Dez 2016, 17:32

Uffhausen hat geschrieben:(17 Dec 2016, 16:43)


Ich möchte den populistischen Rechtsruck in Deutschland ganz bestimmt nicht kleinreden, aber zumindest gezielt hinterfragen. Der in meinem obigen Beitrag verlinkte Artikel erwähnt eben, bei Nachwahbefragungen sei herausgekommen, dass die überdeutliche Mehrheit der AfD-Wähler der Aufassung ist, dass die AfD "zwar keine Probleme löst, aber die Dinge beim Namen nennt" - wenn sie Praxis wünschen (würden), warum wählen sie dann Theorie? Dazu passend wurde mir mal erzählt, AfD-Vize Gauland hätte in einem Interview dieses Jahr mal verlauten lassen, dass die AfD Regierungsarbeit ablehne, sondern sich viel eher als politischer Richtungsweiser für die Altparteien verstünde (Stimmt das? Hat mir jemand eine Quelle?). Wenn das zutrifft, finde ich persönlich, macht die AfD ja im Grunde auch nichts anderes als "Protest via Populismus" und will nichts anderes, als Merkel, Gabriel & Co mal so richtig triezen. Obgleich nicht von der Hand zuweisen ist, dass einige AfDler von dem überzeugt und noch mehr sind, was sie so alles vom Stapel lassen.


Meine Auffassung dazu ... (hab ich auch mehrfach geschrieben)

Die AfD hat den VORTEIL genutzt - dass die Regierung (vor allem im Osten) - mit "Dekreten" / Weisungen die Leute vor den Kopf gestossen hat.

Örtliche Presse Freitag - am Samstag findet eine Infomationsveranstaltung zu Flüchtlingen statt....

Informationsveranstaltung am Samstag (15:00Uhr) : Am Sonntag (also in 23 Stunden) 14:00 Uhr kommen in Euer Kleckernest 300 Flüchtlinge in das Objekt XYZ - davon informieren "wir" (Polizei) Sie (Bewohner) hiermit.....

Wenden Sie sich zu Rückfragen an IHREN GEWÄHLTEN Volksvertreter....

Tschüss.


Mitwirkung ? Null.Null - Bürgermeister hat die WEISUNG auch seit Sonnabend 09:00 Uhr.....immerhin 6 Stunden früher.

Genau so MUSS man die Leute behandeln.....damit sie AfD wählen !

Am besten dann noch Rückwirkend (10 Jahre) den Strassenbeitrag erheben (10 - 20.000 Eu je EFH...) entgegen der Zusage (Kostenfrei).
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Re: Zeitgeist Populismus - Ursachen und Ausbreitung

Beitragvon Uffhausen » Sa 17. Dez 2016, 18:39

Teeernte hat geschrieben:(17 Dec 2016, 17:32)

Meine Auffassung dazu ... (hab ich auch mehrfach geschrieben)

Die AfD hat den VORTEIL genutzt [...]


Was meinen Sie jetzt genau mit Vorteil? Nur den Zustand, dass Leute amtlich und/oder behördlich vor den Kopf gestoßen werden? Sind die Flüchtlinge also gar kein Problem, sondern nur rein zufällig zum Spielball geworden?
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