das leben ist vollendet

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 08:24

vor einigen tagen hörte ich daß bei uns minister ein gesetztext entwerfen, wodurch menschen erlaubt wird bei einem »vollendeten« leben selbst ein mittel einzunehmen - unter medischen aufsicht - und damit ihr leben zu beenden.

in moment gibt es in beiden kammer des parlamentes eine mehrheit die dieses gesetz akzeptiert. ob das aber nach den neuen wahlen (nächstes jahr) noch so ist bezweifle ich. in einem halben jahr ist der gesetzentwurf noch kein gesetz geworden.
an sich verwillkomme ICH diese möglichkeit. ich möchte aussteigen wenn ICH finde »es reicht«.

das radio interviewte einen 93-jährigen mann. seine frau ist schon längst tot. eine tochter ist schon beerdigt. die kinder (geschweige von enkel) kommen nicht. seine auge sind so schlecht geworden daß er nicht mehr lesen kann. er sagte »wofür lebe ich eigentlich. daß ich mal in einer rollstuhl sitze«?
dennoch ist er nicht echt krank, was bei uns das kriterium ist um euthanasie bekommen zu können.

auch vor einigen tagen machten britische wissenschaftler bekannt, daß das maximale alter von menschen 115 jahre ist. die älteste bekannte person (eine frau) wurde 122 jahre alt. sie starb um 2000 und hatte vincent van gogh noch gekannt.

was eigentlich muß man davon denken? hat einer das recht um zu sagen »ich brauche nicht mehr zu leben«?
wenn ich an mich denke, sehr behindert, könnte ich theoretisch vllt ja sagen. ich habe aber noch soviel zu tun. finde das leben schön. auch wenn ich sehr oft krank bin.
wenn, ich betone WENN, aber je ein moment käme daß ich denke »es reicht. ich brauche so nicht weiter zu leben«, dann wäre ein derartiges gesetz vermutlich ein ansporn um weiter zu gehen. ich kann doch sagen »schluß«.

wie denkt ihr aber darüber.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
yogi61
Moderator
Beiträge: 48070
Registriert: So 1. Jun 2008, 10:00
Benutzertitel: Lupenreiner Demokrat
Wohnort: Bierstadt von Welt

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon yogi61 » Sa 15. Okt 2016, 08:32

Der Lebenswille an sich ist doch sehr ausgeprägt. Ich glaube nicht, dass ein Gesetz etwas daran ändert und ja, ich bin der festen Überzeugung, dass es einem Menschen erlaubt sein sollte zu sagen,ich mache jetzt Schluss.
So ein Gesetz kann eigentlich nur hilfreich sein, weil es in unseren Industrienationen eh eine gewisse Suizidrate gibt. Leider werden die Selbsttötungen aus Unkenntnis oft unter sehr grausamen Umständen durchgeführt, grausam für den Einzelnen und auch oft grausam für die Angehörigen.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 08:34

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 09:24)
wie denkt ihr aber darüber.

Furchtbar schwierig, das Thema. Ich würde mir für mich (hoffentlich in ferner Zukunft) die Option wünschen, sehe aber die Gefahr, dass alte bzw. kranke Menschen sich genötigt fühlen könnten, "die Pille" zu schlucken, um anderen nicht mehr "zur Last zu fallen". Da sehe ich das Hauptproblem.
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 26951
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 00:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon JJazzGold » Sa 15. Okt 2016, 08:40

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 09:24)

vor einigen tagen hörte ich daß bei uns minister ein gesetztext entwerfen, wodurch menschen erlaubt wird bei einem »vollendeten« leben selbst ein mittel einzunehmen - unter medischen aufsicht - und damit ihr leben zu beenden.

in moment gibt es in beiden kammer des parlamentes eine mehrheit die dieses gesetz akzeptiert. ob das aber nach den neuen wahlen (nächstes jahr) noch so ist bezweifle ich. in einem halben jahr ist der gesetzentwurf noch kein gesetz geworden.
an sich verwillkomme ICH diese möglichkeit. ich möchte aussteigen wenn ICH finde »es reicht«.

das radio interviewte einen 93-jährigen mann. seine frau ist schon längst tot. eine tochter ist schon beerdigt. die kinder (geschweige von enkel) kommen nicht. seine auge sind so schlecht geworden daß er nicht mehr lesen kann. er sagte »wofür lebe ich eigentlich. daß ich mal in einer rollstuhl sitze«?
dennoch ist er nicht echt krank, was bei uns das kriterium ist um euthanasie bekommen zu können.

auch vor einigen tagen machten britische wissenschaftler bekannt, daß das maximale alter von menschen 115 jahre ist. die älteste bekannte person (eine frau) wurde 122 jahre alt. sie starb um 2000 und hatte vincent van gogh noch gekannt.

was eigentlich muß man davon denken? hat einer das recht um zu sagen »ich brauche nicht mehr zu leben«?
wenn ich an mich denke, sehr behindert, könnte ich theoretisch vllt ja sagen. ich habe aber noch soviel zu tun. finde das leben schön. auch wenn ich sehr oft krank bin.
wenn, ich betone WENN, aber je ein moment käme daß ich denke »es reicht. ich brauche so nicht weiter zu leben«, dann wäre ein derartiges gesetz vermutlich ein ansporn um weiter zu gehen. ich kann doch sagen »schluß«.

wie denkt ihr aber darüber.


Ein interessantes Thema.

Nachdem mein Vater inzwischen 95 Jahre ist, unterhalten wir uns zwangsläufig öfter einmal über das Alter und das Sterben, wobei wir immer wieder auf meine Großmutter zurückkommen, die ab 86 das Altern nicht "mehr schön fand", ihre Umschreibung für die zunehmenden Gebrechen, und ihre Einstellung, dass es dem Menschen gegeben sein muss zu sagen, "so, das war es". Sie wurde knapp 87 Jahre alt. Sie wollte nicht mehr und hat das deutlich artikuliert. Sie ist eines Morgens einfach nicht mehr aufgewacht. Ein schöner Tod.

Ob es tatsächlich so ist, dass der Mensch im hohen Alter selbst mental beschließen kann, dass es reicht und dann stirbt, kann ich nicht beurteilen. Wenn, dann ist das anscheinend nicht jedem gegeben.

Insofern finde ich es richtig, zumindest laut darüber nachzudenken, ob man diesen alten Menschen die freie Wahl lassen soll. Dringend notwendig in einer Gesellschaft, die verlernt hat mit dem Tod umzugehen und sich dem bedingungslosen Erhalt des Lebens unter allen Umständen verschrieben hat.


God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.
Dinosaurs eat man. Woman inherits the earth.
Benutzeravatar
Welfenprinz
Beiträge: 8484
Registriert: So 6. Jul 2008, 18:55
Benutzertitel: Nec aspera terrent
Wohnort: wo eigentlich die marienburg stehen sollte

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Welfenprinz » Sa 15. Okt 2016, 09:03

Hartes Thema.
Mein Onkel und Tante sind im Herbst 2014 ins Pflegeheim gekommen,Jahrgang 20 und 25.
Bis dahin voll selbstständig gelebt.
Mein Onkel war definitiv nicht glücklich und zufrieden mit der Umstellung. Im Frühjahr dieses Jahres hat er sich definitiv “ich will nicht mehr“ hingelegt.
Dann ist irgendwas passiert -meine cousinen sind näher dran als ich und könnten es umschreibenn- und er hat sich nach eineinhalb Jahren mit der neuen Lebenssituation arrangiert.
Er ist jetzt zufrieden. Er lebt.

Es wäre definitiv falsch gewesen,wenn er im Frühjahr schluss gemacht hätte.

Für mich persönlich war das eine logischerweise sehr neue Erkenntnis und Umgang damit wie auch in sehr hohem Alter ein Mensch noch eine Bewusstseinsentwicklung erlebt.

Mein Respekt vor dem Leben ist definitiv gestiegen.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 09:13

PeterK hat geschrieben:(15 Oct 2016, 09:34)

Furchtbar schwierig, das Thema. Ich würde mir für mich (hoffentlich in ferner Zukunft) die Option wünschen, sehe aber die Gefahr, dass alte bzw. kranke Menschen sich genötigt fühlen könnten, "die Pille" zu schlucken, um anderen nicht mehr "zur Last zu fallen". Da sehe ich das Hauptproblem.

kranke menschen haben bei uns sowieso die möglichkeit euthanasie zu bekommen. und durch einen spruch unseres höchsten gericht haben menschen denen das leben so schwer fällt das sie mit suizid liebäugeln auch das recht. denn, so sagte das gericht, das ist laut experten eine unheilbare geistige krankheit.

daß alte leute sich fürchten einen last für die kinder zu sein, kommt im heutigen leben nicht mehr oft vor.
meine mutter nahm ihr vater bei uhns als meine großmutter starb. ich habe meine mutter ungefähr 16 jahre versorgt und gepflegt. ich bin aber ein mensch vom alten gepräge. es ist nicht mehr selbstverständlich.
die einzige möglichkeit die ich mich vorstellen kann, ist eine erbschaft. es könnte sein, daß dadurch kinder von problemen erlöst sind.

bei euch spielt das vllt mehr, weil n.m.m. der staat kinder verpflichten kann geld für eltern aufzuhusten. bei uns ist das nicht so.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 6959
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Quatschki » Sa 15. Okt 2016, 09:44

Solange ich mich erinnern kann, gab es regelmäßig Fälle, wo alte Leute Schlaftabletten genommen, den Gasherd aufgedreht haben (ging früher mit dem Stadtgas ganz gut) oder bei uns ganz klassisch in die Elbe gegangen sind.
Ich finde, das ist nichts, worüber man ein allgemeingültiges Gesetz machen müßte.
Wer will, der findet immer einen Weg,
wer aber Angst hat, dass es weh tun könnte oder weil er irgendwas Verbotenes tut, der muß halt in Gottes Namen die Suppe ganz bis zu Ende auslöffeln!
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 09:46

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:13)
die einzige möglichkeit die ich mich vorstellen kann, ist eine erbschaft. es könnte sein, daß dadurch kinder von problemen erlöst sind.

bei euch spielt das vllt mehr, weil n.m.m. der staat kinder verpflichten kann geld für eltern aufzuhusten. bei uns ist das nicht so.

Das sind die beiden Konstellationen an die ich denke; z.B. "böse" Erben, die der Oma schon mal die Suizid-Infobroschüre mitbringen.
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 09:50

PeterK hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:46)

Das sind die beiden Konstellationen an die ich denke; z.B. "böse" Erben, die der Oma schon mal die Suizid-Infobroschüre mitbringen.

suizid ist bei euch doch auch nicht gestattet ?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 09:55

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:50)
suizid ist bei euch doch auch nicht gestattet ?

Vielleicht habe ich mich unpräzise ausgedrückt. Hätten wir so ein Gesetz, wie Du es oben beschreibst, könnte es dazu kommen, dass potentielle Erben den alten Menschen bedrängen, doch mal langsam legal die Biege zu machen.
Benutzeravatar
yogi61
Moderator
Beiträge: 48070
Registriert: So 1. Jun 2008, 10:00
Benutzertitel: Lupenreiner Demokrat
Wohnort: Bierstadt von Welt

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon yogi61 » Sa 15. Okt 2016, 10:02

Quatschki hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:44)

Solange ich mich erinnern kann, gab es regelmäßig Fälle, wo alte Leute Schlaftabletten genommen, den Gasherd aufgedreht haben (ging früher mit dem Stadtgas ganz gut) oder bei uns ganz klassisch in die Elbe gegangen sind.
Ich finde, das ist nichts, worüber man ein allgemeingültiges Gesetz machen müßte.
Wer will, der findet immer einen Weg,
wer aber Angst hat, dass es weh tun könnte oder weil er irgendwas Verbotenes tut, der muß halt in Gottes Namen die Suppe ganz bis zu Ende auslöffeln!


Es geht darum in Würde einen Weg zu finden und sich nicht einem fünfminütigen Todeskampf an eine Strick aussetzen zu müssen, oder sich mit Rattengift unsäglichen Schmerzen ausliefern zu müssen. Es geht auch darum, Menschen die aus Mitleid dem Elend nicht mehr zuschauen können, nicht noch zusätzlich zu kriminalisieren.
In Deutschland gibt eine eine relativ hohe Suizidrate, oft sind es aber Menschen mitten im Leben, darüber sprechen wir hier nicht. Diese Menschen nehmen sich aus verschiedensten Gründen das Leben, auch weil sie es können. Alte Menschen können es oft einfach nicht mehr, das ist der Unterschied und wenn man das gesetzlich nicht regelt, gibt es für Ärzte und auch für Verwandte eine erhebliche Rechtsunsicherheit.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 10:05

Quatschki hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:44)

Wer will, der findet immer einen Weg,

und gerade dabei sollte man fragezeichen stellen. wenn einer sich von einem gebäude zu boden wirft, ist das eine gute lösung? oder die elbe. ich habe leiche gesehen die völlig verunstaltet waren.
denkst du daß das für einen ahnungslosen außenstehenden z.b. keine folgen hat? denk mal an kinder die an dem schrecklichen ende zurückdenken.
in meiner direkten nähe, familie und freunde/bekannten, habe ich ACHT suizidfälle erlebt. bei einem war ich so nah beteiligt, daß ich ein halbes jahr schwer depressiv war. ich war der letzte mit wem er sprach. er wollte wieder diskutieren und ich hatte dafür äh angst bekommen. ungefähr eine stunde später erhängete er sich.

ich weiß, ich bin eine ausnahme, denn die übergroße mehrheit wird damit nie konfrontiert. dennoch...
die frau meines damaligen bidgepartners trauert bis heute noch immer. mehr als 20 jahre später. ihr leben ist dadurch völlig geändert worden. sowas wünsche ich keinem menschen.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 10:07

PeterK hat geschrieben:(15 Oct 2016, 10:55)

Vielleicht habe ich mich unpräzise ausgedrückt. Hätten wir so ein Gesetz, wie Du es oben beschreibst, könnte es dazu kommen, dass potentielle Erben den alten Menschen bedrängen, doch mal langsam legal die Biege zu machen.

wieviel denkst du sind wirklich dazu fähig? solche habgierige leute haben sich meist früher entlarvt, vermute ich.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 10:15

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:07)
wieviel denkst du sind wirklich dazu fähig?

Wenige; ich weise aber trotzdem auf das Problem hin, denn auch wenige wären zu viele. Wie gesagt: Grundsätzlich halte ich die Regelung für richtig (in Belgien besteht sie IMO schon?), man sollte sich aber dessen bewusst sein, das Missbrauch möglich wäre und vielleicht darüber nachdenken, wie man den verhindern könnte.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 12603
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Billie Holiday » Sa 15. Okt 2016, 10:18

Grundsätzlich sollte man schon dem Leben den Vorzug geben und alle Möglichkeiten ausschöpfen, einem verzweifelten Menschen zu helfen und ihn zu ermuntern. Viele alte Menschen sind schlicht einsam und leiden allein an ihren Gebrechen. Oft würde regelmäßiger Besuch und gute Worte helfen, aber dazu fehlt Zeit und Geld. Es werden immer mehr Kinderlose alt und gebrechlich, andere sehen ihre Kinder und Enkel kaum. Entweder lebt man zu weit auseinander, oder Alter und Gebrechlichkeit und die damit verbundene Jammerei sind einfach lästig und man beläst es bei gelegentlichen kurzen Besuchen.
Einsamkeit ist ein genauso großes Problem wie Krankheit und Gebrechen.

Wenn ein Mensch durch Alter und lange Krankheit zermürbt ist und schlicht nicht mehr will, dann hat er das gute Recht, auch im Elend über seinen Körper zu bestimmen. Da würde ich mir wünschen, dass auch dieser Wunsch erfüllt wird und er die Möglichkeit hat, zuhause würdevoll ohne Schmerzen mit Fremdhilfe zu gehen. Strenge Regeln wären ja kein Problem, um zu verhindern, dass Erben sich die Hände reiben. Der Patient müßte zudem bei vollem Bewußtsein sein und dürfte nicht z.B. Alzheimer haben. Mutmaßungen sind abzulehnen.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 10:29

Billie Holiday hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:18)

Wenn ein Mensch durch Alter und lange Krankheit zermürbt ist und schlicht nicht mehr will, dann hat er das gute Recht, auch im Elend über seinen Körper zu bestimmen. Da würde ich mir wünschen, dass auch dieser Wunsch erfüllt wird und er die Möglichkeit hat, zuhause würdevoll ohne Schmerzen mit Fremdhilfe zu gehen. Strenge Regeln wären ja kein Problem, um zu verhindern, dass Erben sich die Hände reiben. Der Patient müßte zudem bei vollem Bewußtsein sein und dürfte nicht z.B. Alzheimer haben. Mutmaßungen sind abzulehnen.

du sagst ungefähr was ich auch finde. aber auch da sehe ich noch ein problem.
ein sehr guter freund von mir verstarb voriges jahr. er hatte sehr schwer alzheimer. erkannte mich z.b. am ende nicht mehr. er war - sozusagen - realitätsfremd. der hatte gar keine ahnung gehabt was euthanasie war. ich denke aber, daß er das bevorzugt hätte.
meine mutter bekam euthanasie als sie 92,5 jahre alt war. geistig 100 prozentig. körperlich aber ausgelaugt. immer behauptete sie »ich will 100 werden«. die schmerzen aber machten diesen wunsch ein ende.
ich muß nicht daran denken, daß sie nicht mehr compos mentis gewesen wäre. dann wäre sie gezwungen worden mit den schmerzen weiter zu leben.
Zuletzt geändert von Nomen Nescio am Sa 15. Okt 2016, 10:38, insgesamt 1-mal geändert.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Moderator
Beiträge: 10148
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 15. Okt 2016, 10:33

PeterK hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:15)

in Belgien besteht sie IMO schon?

ich dachte daß es in belgien anders ist. daß man da auch kinder das recht einräumte euthanasie zu verlangen. nicht aber was man bei uns einzuführen denkt.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 12603
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon Billie Holiday » Sa 15. Okt 2016, 10:43

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:29)

du sagst ungefähr was ich auch finde. aber auch da sehe ich noch ein problem.
ein sehr guter freund von mir verstarb voriges jahr. er hatte sehr schwer alzheimer. erkannte mich z.b. am ende nicht mehr. er war - sozusagen - realitätsfremd. der hatte gar keine ahnung gehabt was euthanasie war. ich denke aber, daß er das bevorzugt hätte.
meine mutter bekam euthanasie als sie 92,5 jahre alt war. geistig 100 prozentig. körperlich aber ausgelaugt. immer behauptete sie »ich will 100 werden«. die schmerzen aber machten dieser wunsch ein ende.
ich muß nicht daran denken, daß sie nicht mehr compos mentis gewesen wäre. dann wäre sie gezwungen worden mit den schmerzen weiter zu leben.


Ich bin gegen Mutmaßungen!
Mag daran liegen, weil ich selbst sehr gern lebe und miterlebt habe, wie meine Mutter, schwer MS -krank, so humorvoll und lebensbejahend war. Sie konnte zum Schluß sehr schlecht gucken und mußte den Rollstuhl verlassen, um im Bett zu liegen. Sie hat nie rumgejammert, sondern sich an jeder Kleinigkeit erfreut.
Nun denn, soviel Lebensmut bringt nicht jeder mit.
Hätte sie gelitten und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte Hilfe zur Selbsttötung erbeten, hätte ich vermutlich versucht, ihr das auszureden, letztendlich jedoch ihre Entscheidung akzeptieren müssen.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 10:44

Nomen Nescio hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:33)
ich dachte daß es in belgien anders ist. daß man da auch kinder das recht einräumte euthanasie zu verlangen. nicht aber was man bei uns einzuführen denkt.

Ja, ich meine, Du habest recht. Das Gesetz scheint so weit gefasst zu sein, dass auch ein Kind Euthanasie verlangen kann. Die Regelung wurde IMO erst einmal - im September dieses Jahres - angewandt.
PeterK
Beiträge: 3817
Registriert: Di 31. Mai 2016, 10:06

Re: das leben ist vollendet

Beitragvon PeterK » Sa 15. Okt 2016, 10:47

Billie Holiday hat geschrieben:(15 Oct 2016, 11:43)
Sie hat nie rumgejammert, sondern sich an jeder Kleinigkeit erfreut.

Das Glück hat auch mein Vater gehabt. Wir haben noch bis kurz vor seinem Tod viel zusammen gelacht und uns liebevoll voneinander verabschiedet. Aber das sind wohl eher Glücksfälle und ein Gesetz muss - oder sollte - allen Konstellationen gerecht werden.

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast