befreit die Brüste

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Re: befreit die Brüste

Beitragvon think twice » So 9. Jul 2017, 10:18

Billie Holiday hat geschrieben:(09 Jul 2017, 10:05)

Ich bin offenbar Nazi, ich gucke mir viel lieber einen schlanken, sportlichen nackten Körper an als einen wabbeligen. Dabei bewerte ich in keinster Weise die inneren Werte dieses Menschen, die mir allerdings beim wildfremden, mit Sixpac bewehrten Schönling völlig wurscht sind.
Sich an einem schönen Anblick zu erfreuen würde ich jetzt auch nicht überbewerten, Schönheit liegt eh im Auge des Betrachters und ist Geschmackssache. Der Mann, der mich wirklich einfängt, darf durchaus Bauch haben, der hat weißgott mehr zu bieten als einen schönen Anblick.

Naja, den Mann mit Bauch , den du letztendlich vorziehen würdest, müsstest du ja auch irgendwann mal anschauen. Insofern passt diese Aussage nicht ganz zu dem ersten Satz deines Beitrages.
Und Nazi bist du erst, wenn der schlanke, sportliche Herr auch noch blond, blauäugig und gross ist und einen deutschen Arierpass vorlegt, um deine Sinne zu erfreuen. Mach dir also ( noch) keine Sorgen.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Billie Holiday » So 9. Jul 2017, 10:20

think twice hat geschrieben:(09 Jul 2017, 11:18)

Naja, den Mann mit Bauch , den du letztendlich vorziehen würdest, müsstest du ja auch irgendwann mal anschauen. Insofern passt diese Aussage nicht ganz zu dem ersten Satz deines Beitrages.
Und Nazi bist du erst, wenn der schlanke, sportliche Herr auch noch blond, blauäugig und gross ist und einen deutschen Arierpass vorlegt, um deine Sinne zu erfreuen. Mach dir also ( noch) keine Sorgen.


Ich unterscheide zwischen erfreulichen Anblicken ( auch bei Frauen) und echter Liebe zu einem optisch nicht perfekten Menschen, der mehr als den Sehsinn erfreut.
Was ist übrigens mit denen, die ihren Töchtern nur schwarzhaarige, schwarzäugige Ehemänner erlauben? :D :D
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon think twice » So 9. Jul 2017, 10:26

Billie Holiday hat geschrieben:(09 Jul 2017, 11:20)


Was ist übrigens mit denen, die ihren Töchtern nur schwarzhaarige, schwarzäugige Ehemänner erlauben? :D :D

Die gibt es nicht. Blauäugige Männer sind in einer schwarzaeugig dominierten Welt sehr begehrt.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » So 9. Jul 2017, 13:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jul 2017, 05:47)

Diese, ich nenne es mal "horizontale" Aufarbeitung jüngerer Vergangenheit: Nazideutschland, Stalinismus, Maoismus, um nur die markantesten Beispiele zu nennen, ist doch im Grunde mehr oder weniger durchexerziert. WIe wäre es - darüber hinaus - mal mit einer "vertikalen" Aufarbeitung. MIt einer Abrechnung mit dem 20. Jahrhundert sozusagen. Mit den Ideen an sich.

Wie weit zurück, willste denn mit deiner so genannten "vertikalen" Aufarbeitung der "Ideen an sich" gehen?
Was sind überhaupt "Ideen an sich"?
"Ideen" bauen immer auf "Ideen" auf, beruhen auf missverstandenen/missinterpretierten Erkenntnissen und Theorien etc.
Wo willst du da eine Trennlinie ziehen und/oder den Beginn von Zusammenhängen oder so geannten Affinitäten festmachen?
Du kannst nicht mal eben die "Ideen an sich" hernehmen und losgelöst von deren Entstehungskontext betrachten, kannst keine Linie ziehen und sagen "ab hier beginne ich und alles davor ignoriere ich".
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » So 9. Jul 2017, 16:23

Dark Angel hat geschrieben:(09 Jul 2017, 14:33)

Wie weit zurück, willste denn mit deiner so genannten "vertikalen" Aufarbeitung der "Ideen an sich" gehen?
Was sind überhaupt "Ideen an sich"?
"Ideen" bauen immer auf "Ideen" auf, beruhen auf missverstandenen/missinterpretierten Erkenntnissen und Theorien etc.
Wo willst du da eine Trennlinie ziehen und/oder den Beginn von Zusammenhängen oder so geannten Affinitäten festmachen?
Du kannst nicht mal eben die "Ideen an sich" hernehmen und losgelöst von deren Entstehungskontext betrachten, kannst keine Linie ziehen und sagen "ab hier beginne ich und alles davor ignoriere ich".

Der Begriff der Ideengeschichte ist durchaus etabliert:
Die Ideengeschichte befasst sich mit der Entstehung und Fortentwicklung sowie Wirkung epochentypischer Mentalitäten auf der einen Seite und wissenschaftlicher Ideen und Ansätze andererseits.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ideengeschichte
Auch wenn es sich als Wissenschaft von der Wissenschafts- und Kulturgeschichte um eine Metawissenschaft handelt. Den Epochenbegriff kann man natürlich nicht an den willkürlichen Jahrhundertgrenzen festmachen. Und der ist bis zu einem gewissen Grad natürlich willkürlich. Dennoch gibt es zahlreiche Versuche, das 20. Jahrhundert einigermaßen objektiv als Epoche zu charakterisieren.

Und eine der übergreifenden Linien ist der Versuch bzw. zumindest das Denkmodell der genetisch ausgerichteten Sozialoptimierung. Ich hatte weiter oben das Beispiel Schweden/Myrdal/Eugenik (bis in die 70er genannt). Ein mindestens ebenso einflussreicher Mensch war Alfred Grotjahn, Begründer der Theorie der Sozialhygiene Anfang der 10er Jahre des 20. Jahrhundert und später einflussreiches Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene. Und: Ebenso Sozialdemokrat. Es gab in jüngerer Zeit mehrere Beiträge, Feuilletons usw. die - anlässlich der Thesen und Bücher Sarrazins - von einem durchgängigen europäischen Pfad und einer durchgängigen europäischen Tradition sozialdemokratischer Eugenik sprechen.

Die Verbdindung von Körperästhetik, Ideologie, Natioanalismus, um beim Thema zu bleiben, ist gleichfalls kein nationalsozialistisches Privileg sondern hat - etwa mit der Traditionspflege der Turnvereine im Geiste Friedrich-Ludwig Jahns gleichfalls ein sozialdemokratisch-kommunistisches und gleichzeitig kaum weniger antisemitisches Pendant.

Ich habe zu diesen Themengebieten mehr Fragen als fertige Meinungen. Um das nochmal zu betonen. Aber ich bin mir sicher: Die Bereitschaft und Fähigkeit zum Perspektivenwechsel gehört zu den furchtbarsten Methoden der Erfassung gesellschaftlich-historischer Zusammenhänge.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mo 10. Jul 2017, 10:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jul 2017, 17:23)

Der Begriff der Ideengeschichte ist durchaus etabliert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ideengeschichte
Auch wenn es sich als Wissenschaft von der Wissenschafts- und Kulturgeschichte um eine Metawissenschaft handelt. Den Epochenbegriff kann man natürlich nicht an den willkürlichen Jahrhundertgrenzen festmachen. Und der ist bis zu einem gewissen Grad natürlich willkürlich. Dennoch gibt es zahlreiche Versuche, das 20. Jahrhundert einigermaßen objektiv als Epoche zu charakterisieren.

Und eine der übergreifenden Linien ist der Versuch bzw. zumindest das Denkmodell der genetisch ausgerichteten Sozialoptimierung. Ich hatte weiter oben das Beispiel Schweden/Myrdal/Eugenik (bis in die 70er genannt). Ein mindestens ebenso einflussreicher Mensch war Alfred Grotjahn, Begründer der Theorie der Sozialhygiene Anfang der 10er Jahre des 20. Jahrhundert und später einflussreiches Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene. Und: Ebenso Sozialdemokrat. Es gab in jüngerer Zeit mehrere Beiträge, Feuilletons usw. die - anlässlich der Thesen und Bücher Sarrazins - von einem durchgängigen europäischen Pfad und einer durchgängigen europäischen Tradition sozialdemokratischer Eugenik sprechen.

Die Verbdindung von Körperästhetik, Ideologie, Natioanalismus, um beim Thema zu bleiben, ist gleichfalls kein nationalsozialistisches Privileg sondern hat - etwa mit der Traditionspflege der Turnvereine im Geiste Friedrich-Ludwig Jahns gleichfalls ein sozialdemokratisch-kommunistisches und gleichzeitig kaum weniger antisemitisches Pendant.

Ich habe zu diesen Themengebieten mehr Fragen als fertige Meinungen. Um das nochmal zu betonen. Aber ich bin mir sicher: Die Bereitschaft und Fähigkeit zum Perspektivenwechsel gehört zu den furchtbarsten Methoden der Erfassung gesellschaftlich-historischer Zusammenhänge.

Du schwatzt wieder viel und sagst gar nichts, vor allem beantwortest du meine Fragen nicht.
Meine Frage lautete: Was sind "Ideen an sich"?
Weiterhin habe ich gefragt Wo du Trennlinien ziehen willst und/oder den Beginn von Zusammenhängen und so genanten Affinitäten ziehen willst?
Statt meine Fragen zu beantworten schhwafelst du irgendwas von "Wissenschafts- und Kulturgeschichte", von "Epochenbegriff" etc.
Stell dir vor, ich weiß, dass der "Epochenbegriff" nicht an bestimmten Jahrhunderten festmachen kann und auch nicht festmacht. Ein Epochenbegriff ist z.B. "Moderne", die i.d.R. als der Aufklärung folgend im Zusammenhang mit der Industrialisierung/industriellen Revolution Mitte des 19.Jh bis etwa Beginn der dreißiger Jahre des 20.Jh verwendet wird oder der Begriff "Postmoderne" = die Epoche in der wir uns gegenwärtig befinden.
Und nein - es gibt keine Versuche "das 20. Jahrhundert einigermaßen objektiv als Epoche zu charakterisieren", sondern als Übergangsphase von der Moderne zur Postmoderne zu beschreiben und zu analysieren.
Um eine Epoche - ihre Erscheinungen, Ideen etc - zu analysieren, muss man diese in ihrer Gesamtheit betrachten, deren Grundlagen und Tendenzen analysieren und kann eben nicht selektiv nur einzelne Aspekte/Faktoren oder gar nur einzelne Vertreter bestimmter "Denkrichtungen" heraus picken und meinen, anhand derer eine Analyse einer zeitgeschichtlichen Epoche erstellen zu können.
Und nochmals nein ein "Perspektivenwechsel" bringt gar nichts bei der "Erfassung gesellschaftlich-historischer Zusammenhänge", sondern führt zu einseitiger Betrachtung unter Ausblendung relevanter Aspekte des historischen Gesamtkontextes.
Wissenschaft hat neutral zu sein und sich nicht aus einer bestimmten Perspektive zu betrachten.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon gödelchen » Mo 10. Jul 2017, 10:39

Dark Angel hat geschrieben:(10 Jul 2017, 11:14)


Und nochmals nein ein "Perspektivenwechsel" bringt gar nichts bei der "Erfassung gesellschaftlich-historischer Zusammenhänge", sondern führt zu einseitiger Betrachtung unter Ausblendung relevanter Aspekte des historischen Gesamtkontextes.
Wissenschaft hat neutral zu sein und sich nicht aus einer bestimmten Perspektive zu betrachten.


Zustimmung . Nur..........um die eigene Einstellung zu den Dingen hin, die das eigene Leben beeinflussen ist die Perspektive nun mal das entscheidende. Das, was die Wissenschaft liefert, kann meinen Horizont erweitern, meine Perspektive bleibt aber und mein Bestreben, meine Welt und meinen Einfluss nach den Dingen,wie sie ich aus meiner Perspektive sehe, gestalten zu wollen, bleibt eibenfalls.

So ist das in the real life...:-)
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Anderus » Mo 10. Jul 2017, 12:11

Fragt sich allerdings nur, was das mit befreiten Brüsten zu tun hat?
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon gödelchen » Mo 10. Jul 2017, 15:56

Anderus hat geschrieben:(10 Jul 2017, 13:11)

Fragt sich allerdings nur, was das mit befreiten Brüsten zu tun hat?


Eine unheimliche Menge. Zeigt die Debatte doch, dass wir hier in der emanzipierten und liberalen Gesellschaft viele Perspektiven auf das Weibliche und Natürliche haben ( können/dürfen). Deine Perspektive ist nach deinen Einträge ziemlich eingleisig und eingeschränkt.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Anderus » Mo 10. Jul 2017, 19:12

gödelchen hat geschrieben:(10 Jul 2017, 16:56)
Eine unheimliche Menge.

Klar, insbesondere die Diskussion, ob FKK eine faschistische Veranstaltung war.

Zeigt die Debatte doch, dass wir hier in der emanzipierten und liberalen Gesellschaft.....

Emanzipiert? Was denn, die Brüste? Liberal? Wobei denn? bei befreiten Brüsten?

...viele Perspektiven auf das Weibliche und Natürliche haben ( können/dürfen).

Ach? welche denn? Vogelperspektive? Gefällt mir bei Brüsten am besten. Froschperspektive? Habe ich lieber bei anderen natürlichen Weiblichkeiten.

Deine Perspektive ist nach deinen Einträge ziemlich eingleisig und eingeschränkt.

Diese Perspektive, kenne ich noch gar nicht. Kannst Du mehr dazu schreiben? (Aber bitte nur, wenn es was mit befreiten Brüsten zu tun hat.) Was gefällt Dir an meiner Einstellung zu befreiten Brüsten denn nicht? Warum findest Du das eingleisig und eingeschränkt?
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 10. Jul 2017, 20:50

Dark Angel hat geschrieben:(10 Jul 2017, 11:14)

Du schwatzt wieder viel und sagst gar nichts, vor allem beantwortest du meine Fragen nicht.
Meine Frage lautete: Was sind "Ideen an sich"?

Gedankengebäude, die nicht oder nicht nur oder jedenfalls nicht vorrangig aus empirischen Betrachtungen hervorgehen. Sondern, die erdacht sind und in sich konsistent und logisch sein müssen oder sein sollten und dann von daher als Instrument auf reale Vorgänge anwendbar sind oder sein sollten. Es gibt positive und negative Ideen dieser Art.

Ich sehe mich in politischen Diskussionen in jüngerer Zeit (natürlich nicht nur hier) als Mathematiker (und von daher: als Nicht-Naturwissenschaftler, dem aber die Türen zu den Naturwissenschaften relativ offen stehen) immer häufiger in diese Position des Verteidigers der Geisteswissenschaften und der Philosophie nicht nur gedrängt sondern persönlich sogar angezogen. In politischen Diskussionen wohlgemerkt. Im normalen Wissenschaftsbetrieb gibts eher klare Vorgaben und abrechenbare Ergebnisse.

"Eugenik" ist für mich das Paradebeispiel einer solchen (negativen) Idee. Um deren Negativität zu entlarven, muss man keine Experimente machen und keine empirischen Resultate belegen oder wiederlegen. Sondern deren Negativität in einem geisteswissenschaftlichen kulturellen Sinn belegen.

Ein tatsächlicher sehr negativer Epochenbruch wird eintreten, wenn alle Menschen gemeinschaftlich der Meinung sind, es mache nur Sinn, Mäusespeichel zu analysieren und Vogelflugrouten zu katalogisieren und nicht mehr, über den Sinn des Daseins als solches nachzudenken.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mo 10. Jul 2017, 22:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jul 2017, 21:50)

Gedankengebäude, die nicht oder nicht nur oder jedenfalls nicht vorrangig aus empirischen Betrachtungen hervorgehen. Sondern, die erdacht sind und in sich konsistent und logisch sein müssen oder sein sollten und dann von daher als Instrument auf reale Vorgänge anwendbar sind oder sein sollten. Es gibt positive und negative Ideen dieser Art.

Ich sehe mich in politischen Diskussionen in jüngerer Zeit (natürlich nicht nur hier) als Mathematiker (und von daher: als Nicht-Naturwissenschaftler, dem aber die Türen zu den Naturwissenschaften relativ offen stehen) immer häufiger in diese Position des Verteidigers der Geisteswissenschaften und der Philosophie nicht nur gedrängt sondern persönlich sogar angezogen. In politischen Diskussionen wohlgemerkt. Im normalen Wissenschaftsbetrieb gibts eher klare Vorgaben und abrechenbare Ergebnisse.

"Eugenik" ist für mich das Paradebeispiel einer solchen (negativen) Idee. Um deren Negativität zu entlarven, muss man keine Experimente machen und keine empirischen Resultate belegen oder wiederlegen. Sondern deren Negativität in einem geisteswissenschaftlichen kulturellen Sinn belegen.

Ein tatsächlicher sehr negativer Epochenbruch wird eintreten, wenn alle Menschen gemeinschaftlich der Meinung sind, es mache nur Sinn, Mäusespeichel zu analysieren und Vogelflugrouten zu katalogisieren und nicht mehr, über den Sinn des Daseins als solches nachzudenken.

Dumm nur dass auch Sozial-, Kultur- und Geschichtsswissenschafler ihre Hypothesen und Theorien so zu formulieren haben, dass sie falsifizierbar sind.
Sichtweisen von Philosophen sind weder verifizierbar noch falsifizierbar.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Di 11. Jul 2017, 05:24

Dark Angel hat geschrieben:(10 Jul 2017, 23:52)

Dumm nur dass auch Sozial-, Kultur- und Geschichtsswissenschafler ihre Hypothesen und Theorien so zu formulieren haben, dass sie falsifizierbar sind.
Sichtweisen von Philosophen sind weder verifizierbar noch falsifizierbar.

Gut. Damit kommen wir endgültig auf Wissenschaftstheorie, Rationalismus, Popper, Falsifikationalismus etc. ... das ist hochinteressant und diskussionswürdig, hat mit "befreiten Brüsten" aber kaum noch was zu tun. Für mich persönlich, und ich gebe zu, dass das eine ziemlich subjetkive Sicht ist, ist die ästhetische (natürlich nicht: erotische) Überhöhung des nackten, starken Körpers aufs engste mit der nationalsozialistischen Ideologie und Kultur verknüpft. Es ist eine subjektive Sicht. Ich kann sie aber sehr wohl mit Beispielen, Namen, konkreten Entgleisungen belegen und zumindest streckenweise objektivieren.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon gödelchen » Di 11. Jul 2017, 06:24

Dark Angel hat geschrieben:(10 Jul 2017, 23:52)

Dumm nur dass auch Sozial-, Kultur- und Geschichtsswissenschafler ihre Hypothesen und Theorien so zu formulieren haben, dass sie falsifizierbar sind.
Sichtweisen von Philosophen sind weder verifizierbar noch falsifizierbar.


Genau..und das ist eine gute Beschreibung des Dilemmas ....nicht nur das Dilemma der Philosophie :-)
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Di 11. Jul 2017, 14:27

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2017, 06:24)

Gut. Damit kommen wir endgültig auf Wissenschaftstheorie, Rationalismus, Popper, Falsifikationalismus etc. ... das ist hochinteressant und diskussionswürdig, hat mit "befreiten Brüsten" aber kaum noch was zu tun. Für mich persönlich, und ich gebe zu, dass das eine ziemlich subjetkive Sicht ist, ist die ästhetische (natürlich nicht: erotische) Überhöhung des nackten, starken Körpers aufs engste mit der nationalsozialistischen Ideologie und Kultur verknüpft. Es ist eine subjektive Sicht. Ich kann sie aber sehr wohl mit Beispielen, Namen, konkreten Entgleisungen belegen und zumindest streckenweise objektivieren.

Nee wir kommen nirgendwohin, wir sind immer noch beim Threadthema und deinem Ablenkungsmanöver "Lebensreformbewegung". Da magst du gerne deine subjektive Sicht vertreten, verallgemeinern kannst du die nicht und noch weniger kannst du die Deutungshoheit über FKK, Nacktheit und oder "Körperästhetik" beanspruchen.
Überhöhung/Idealisierung des nackten (durchtrainierten) menschlichen Körpers ist mitnichten "aufs engste mit der nationalsozialistischen Ideologie und Kultur verknüpft" - das ist Unsinn.
Die Überhöhung/Idealisierung des nackten (zumindest aber halbnackten) durchtrainierten menschlichen Körpers findet sich bereits in allen antiken Hochkulturen - ganz besonders ausgeprägt bei Griechen und Römern.
Folgte man deiner, sehr seltsamen, Sichtweise dann hätte es bereits in der Antike "Affinitäten" zur nationalsozialistischen "Ideologie und Kultur" gegeben.
Nein - du kannst gar nichts belegen, weil du alle Aspekte und Faktoren, die gegen deine These sprechen, geeignet sind, diese zu widerlegen, von vornherein ausblendest.
Du kannst ja nicht einmal begründen, was an der Idealisierung des durchtrainierten nackten menschlichen Körpers explizit "nationalsozialistisch" sein soll.
Du stellst willkürlich eine Verbindung her, weil einige Vertreter der Lebensreformbewegung den Nationalsozialisten nahe standen und du begründest den Zusammenhang, die "Affinität" der Lebensreformbewegung damit, dass einige Vertreter den Nationalsozialisten nahe standen. Ein klassischer Zirkelschluss!
Die gleiche Vorgehensweise zeigst du beim Thema Eugenik.
Nur mal nebenbei - der Trans- und Posthumanismus sind Eugenik in Reinkultur ==> Stichwort Designerbaby
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Di 11. Jul 2017, 15:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2017, 06:24)

Gut. Damit kommen wir endgültig auf Wissenschaftstheorie, Rationalismus, Popper, Falsifikationalismus etc. ... das ist hochinteressant und diskussionswürdig, hat mit "befreiten Brüsten" aber kaum noch was zu tun. Für mich persönlich, und ich gebe zu, dass das eine ziemlich subjetkive Sicht ist, ist die ästhetische (natürlich nicht: erotische) Überhöhung des nackten, starken Körpers aufs engste mit der nationalsozialistischen Ideologie und Kultur verknüpft. Es ist eine subjektive Sicht. Ich kann sie aber sehr wohl mit Beispielen, Namen, konkreten Entgleisungen belegen und zumindest streckenweise objektivieren.


Nachtrag:
Das musst mir mal näher erklären:
WAS ist an der Idealisierung des meschlichen Körpers, ist an der ästhetischen Darstellung des nackten, durchtrainierten menschlichen Körpers "typisch nationalsozialistisch"? Was hat die Darstellung und Idealisierung des nackten menschlichen Körpers mit Ideologie - insbesondere nationalsozialistischer Ideologie zu tun?
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Anderus » Di 11. Jul 2017, 17:49

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jul 2017, 16:17)

Nachtrag:
Das musst mir mal näher erklären:
WAS ist an der Idealisierung des meschlichen Körpers, ist an der ästhetischen Darstellung des nackten, durchtrainierten menschlichen Körpers "typisch nationalsozialistisch"? Was hat die Darstellung und Idealisierung des nackten menschlichen Körpers mit Ideologie - insbesondere nationalsozialistischer Ideologie zu tun?


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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dieter Winter » Di 11. Jul 2017, 21:43

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jul 2017, 16:17)

Nachtrag:
Das musst mir mal näher erklären:
WAS ist an der Idealisierung des meschlichen Körpers, ist an der ästhetischen Darstellung des nackten, durchtrainierten menschlichen Körpers "typisch nationalsozialistisch"? Was hat die Darstellung und Idealisierung des nackten menschlichen Körpers mit Ideologie - insbesondere nationalsozialistischer Ideologie zu tun?


Die Nazis hatten halt ein Faible dafür. Schließlich war der ideale Deutsche blond wie Adolf, groß wie Josef und schlank wie Herrmann... :D

Aus heutiger Betrachtung sehen die martialischen Gestalten, die für so viel Entzücken bei den Nazis sorgten, reichlich schwul aus, würde ich sagen. :cool:

Insgesamt ist es aber schon verblüffend, was in blanke Titten so alles hinein interpretiert wird.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Vongole » Mi 12. Jul 2017, 00:04

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jul 2017, 16:17)

Nachtrag:
Das musst mir mal näher erklären:
WAS ist an der Idealisierung des meschlichen Körpers, ist an der ästhetischen Darstellung des nackten, durchtrainierten menschlichen Körpers "typisch nationalsozialistisch"? Was hat die Darstellung und Idealisierung des nackten menschlichen Körpers mit Ideologie - insbesondere nationalsozialistischer Ideologie zu tun?


Frag doch nicht sowas!
Bald werden wir über die antiken Römer und Griechen über Michelangeo und bis hin zu Helmut Newton feststellen müssen, dass die alle einer nationalsozialistischen Ideologie angehörten.
Bedenke, der Begriff "Faschismus" kommt von "facses", und schon sind wir wieder im alten Rom. Und wer war Michelangeo? Eben. ;)
Und vergleichst du viele der Thesen und Organisationen der Nazis mit denen der Führung der DDR, wird schon wieder ein Schuh daraus.
Fazit: Der nackte Körper, öffentlich präsentiert, ist immer idiologisch.
Ich werde mich folgemäßig mit einem entsprechenden Spruchband versehen, sollte ich wieder nackt an meinem kleinen See baden gehen.
Hoffentlich können die Frösche lesen.
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Beitragvon schokoschendrezki » Mi 12. Jul 2017, 05:24

Dark Angel hat geschrieben:(11 Jul 2017, 16:17)

Nachtrag:
Das musst mir mal näher erklären:
WAS ist an der Idealisierung des meschlichen Körpers, ist an der ästhetischen Darstellung des nackten, durchtrainierten menschlichen Körpers "typisch nationalsozialistisch"? Was hat die Darstellung und Idealisierung des nackten menschlichen Körpers mit Ideologie - insbesondere nationalsozialistischer Ideologie zu tun?

Der entscheidende Punkt ist nicht der "Körper" oder die "Nacktheit" sondern die Reduktion und deren Losgelöstheit von Kultur, Geist, Moral und nicht zuletzt auch von Erotik. Hitler hat es einmal sinngemäß so formuliert, dass er eine Jugend heranziehen wolle, schön wie Tigerjungen: Gewandt, kräftig und grausam.

Und zum Antike-Bezug:
Während die Darstellung idealisierender Nacktheit in der Antike nicht die Wirklichkeit, dafür aber reale Eigenschaften widerspiegelte, orientierten sich entsprechende Bildnisse seit der Renaissance nicht mehr an der Natur, sondern an einer idealisierenden Vorstellungs- und Gedankenwelt. Damit unterscheiden sich ihre Grundlagen in Antike und Neuzeit – trotz optischer Überschneidungen und neuzeitlicher Rückgriffe auf antike Kunst – in diametraler Weise.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ideale_Nacktheit

Hab' mir gestern einige Passagen des berühmten "Triumph des Willens"-Films von Riefenstahl bezüglich dieser Aspekte noch mal angeschaut. Nicht nur Alice Schwarzer waren oder sind in neuerer Zeit wieder davon fasziniert. Ich hab' absolut kein Problem damit, die Abneigung gegen diese faschistische Körper-Ästhetik als meine ganz persönliche Macke ausgewiesen zu bekommen ... ist schon o.k.
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