Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

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frems
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Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon frems » Mo 25. Apr 2016, 23:52

In seinem Buch »Schantall, tu ma die Omma winken!« scheitert ein Sozialarbeiter damit, die Working-Class-Familie Pröllmann zu kultivieren. Ihre Welt scheint ein Schadensfall, den es zu beheben gilt. Nichts bei den Pröllmanns hat Wert, nichts gilt es zu schützen, nichts anzuerkennen. Sie machen alles falsch: rauchen, sind zu dick und haben ein zu intensives Verhältnis zu Sexualität. Und sie sind arm. Das Buch wirkt wie der Versuch, die Stern-Reportage von Walter Wüllenweber (2004) in einen Roman zu übersetzen. Wüllenweber hatte sich mit den Problemen der vermeintlichen Unterschicht in Essen-Katernberg beschäftigt und seinen Protagonisten durchaus Sympathie entgegengebracht. Bei Twilfer hingegen ist die Verachtung kaum kaschiert.

Alles, was gesellschaftliche Ächtung erfährt, wird dem (Sub-)Proletariat zugeschrieben. Sie arbeiten in Industrien, die man am liebsten nicht mehr im Land hätte. Sie bekommen viele Kinder, und die sind dann auch noch dumm. Urlaub machen sie an den falschen Orten, wo sie in Mengen auftreten, lärmen und sich schlecht benehmen. Der Klassenkampf wird von einer autoritär-ökologisch geprägten Mittel- und Oberschicht geführt. Der Neoprotestantismus duldet keinen Widerspruch, seine Waffe ist die Abwertung anderer Lebensweisen. Kulturkolonialismus! [...]

Die Zeiten, in denen Stadien auch als Orte von Exzessen Bedeutung hatten, gehen zu Ende. Glaubt man einem Anhänger des Alternativclubs Roter Stern Leipzig, ist das auch gut so. Der gibt es so zu Protokoll: »Für mich sind waschechte Proleten Typen, die am frühen Morgen gegen 7 Uhr auf Maloche stehen, sich jeden Tag die Titten von Seite eins in der Bild-Zeitung reinziehen und nach der Arbeit mal schnell über die Alte fleddern. Ich glaube, die können gar nicht anders, als deftig rumzuprollen und einem tristen Alltagstrott hinterher zu hecheln, auf der Suche nach dem vermeintlichen Glück, in Form von Autos, Einfamilienhäusern, Frau, Kind und dem obligaten deutschen Schäferhund.«

Tatsächlich stehen diese »Typen« oft morgens früh »auf Maloche« und wirken daran mit, den Wohlstand zu erarbeiten, den ihre Craft-Beer trinkenden Mitbürger durchaus schätzen. Doch auch die Zeit, da die Arbeiterklasse wirtschaftliche Bedeutung hatte, schwindet. [...]

Arbeiter –»Proll« – wurde in diesem Kulturkampf zum Schimpfwort. Wer sich so verhält, wie der es angeblich tut, wer sich nicht ökoautoritären Normen und Werten unterwirft, ist bestenfalls Objekt paternalistischen Handelns der Volkserzieher. Eigentlich ein Augenblick, um zu sagen: Ich bin Teil der Arbeiterklasse und stolz darauf.

http://www.kulturwest.de/kulturpolitik/ ... echterung/

Seht Ihr es tendenziell ähnlich wieder Autor, sprich, werden gewisse Verhaltensmuster heute eindeutiger verachtet und ganz klar sozialen Bevölkerungsgruppen zugeschrieben? Denkt man an den Hype um Sarrazin zurück, könnte man ja schon den Eindruck gewinnen, aber der Autor zielt mehr in Richtung der urbanen Mittelschicht ab, die stetig wächst mit all den positiven wie negativen Begleiterscheinungen, wie z.B. steigenden Mieten und Verdrängung der verachteten (?), ärmeren Bevölkerungsschichten.

* kleine Ergänzung aus aktuellem Anlass:

Das Maß der Überheblichkeit, ja der Verachtung des Bürgertums gegenüber jenen, die es als Unterschicht ansieht, war seit dem zweiten Weltkrieg nie so groß wie heute, zwischen beiden Welten gibt es kaum noch Kontakte, sogar die räumliche Trennung ist durch die Gentrifizierung ganze Stadtteile so radikal wie nie.

Das Versagen der Sozialdemokraten besteht auch darin, Teil dieses Klassenkampfes von oben zu sein, die Interessen ihrer Kernklientel verraten zu haben, wie Forsa-Chef Güllner es beschrieben hat.

http://www.ruhrbarone.de/oesterreich-da ... lte/125946
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon firlefanz11 » Di 26. Apr 2016, 08:47

Ja, sehe ich ähnlich. Ist aber auch nicht verwunderlich... Mal ehrlich: Kann irgendjemand was positives and dne Verhaltensmustern der Prolos finden?
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon JJazzGold » Di 26. Apr 2016, 08:58

frems hat geschrieben:(26 Apr 2016, 00:52)

http://www.kulturwest.de/kulturpolitik/ ... echterung/

Seht Ihr es tendenziell ähnlich wieder Autor, sprich, werden gewisse Verhaltensmuster heute eindeutiger verachtet und ganz klar sozialen Bevölkerungsgruppen zugeschrieben? Denkt man an den Hype um Sarrazin zurück, könnte man ja schon den Eindruck gewinnen, aber der Autor zielt mehr in Richtung der urbanen Mittelschicht ab, die stetig wächst mit all den positiven wie negativen Begleiterscheinungen, wie z.B. steigenden Mieten und Verdrängung der verachteten (?), ärmeren Bevölkerungsschichten.

* kleine Ergänzung aus aktuellem Anlass:


http://www.ruhrbarone.de/oesterreich-da ... lte/125946


Ich fasse es ganz kurz zusammen, das Proletariat diente immer als scharfe Abgrenzung zur Mittelschicht. Jahrzehntelang gab es Bemühungen, sich vom Proletariat in die Mittelschicht hochzuarbeiten. Heute ist die Grenze nach unten durchlässiger geworden. Der untere Rand der Mittelschicht läuft heute umgekehrt leichter Gefahr ins Proletariat abzugleiten. Das ruft meines Erachtens u.a. die Verschärfung der Verachtung hervor.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Provokateur » Di 26. Apr 2016, 09:00

Ein richtiger Arbeiter ist ja etwas anderes als der "Proll". Der Proll ist an sich schon eher arbeitsscheu, Prollweibchen werden lieber dauerschwanger, als mal einen Finger krumm zu machen.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wildermuth » Di 26. Apr 2016, 09:04

Provokateur hat geschrieben:(26 Apr 2016, 10:00)

Ein richtiger Arbeiter ist ja etwas anderes als der "Proll". Der Proll ist an sich schon eher arbeitsscheu, Prollweibchen werden lieber dauerschwanger, als mal einen Finger krumm zu machen.


Richtig. Der threadtitel ist irreführend.

Dass das leben als mehrfache mutter so geruhsam, höre ich hier zum ersten mal. Brauchen wir einen thread zur mütter- und kinderverachtung?
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Milady de Winter » Di 26. Apr 2016, 09:07

Ich sehe das eher ambivalent. Das Wort "Unterschicht" wird meiner Beobachtung nach nicht einheitlich gebraucht. Manche setzen "Unterschicht" mit "Proleten" gleich. Das wiederum hat aber per se nichts mit dem finanziellen Status einer Person zu tun, denn sich wie ein "Prolet" zu benehmen ist vom Geldbeutel völlig unabhängig. Das gelingt auch vielen gut Betuchten.

Andere sehen in der "Unterschicht" diejenigen, die vom vermeintlichen Status her unter ihnen stehen. Das geht dann vom Arbeiter, der einfache Tätigkeiten verrichtet, bis hin zu denen, die gar nicht arbeiten. Also eher dauerhafte Transferleistungsbezieher.

Wieder andere sehen in der "Unterschicht" alle Kriterien vereint, die man sich selbst natürlich nicht zuschreibt: ungebildet, asozial, arm, faul.

Ein vermeintlich reicher "Prolet" würde sicher nicht der Unterschicht zugeordnet. Ergo wird das Wort "Unterschicht" weniger dem proletenhaften Auftreten als mehr dem Geldbeutel zugeordnet. Und das ist es, was mich persönlich schockiert. Denn von wenig bis gar keinem Einkommen wird in dem Moment automatisch auch auf den Bildungsstand, vor allem aber auf das Verhalten von Menschen geschlossen.

Es ist selbstredend eher die Regel als die Ausnahme, dass die Bildung direkten Einfluss auf die Beschäftigung hat. Aber reich gleich Niveau, arm gleich Prolet ist in meinen Augen eine völlig ignorante Betrachtungsweise.

Fazit: in meinen Augen ist das Wort "Unterschicht" ein oberflächlicher Begriff, der viel zu inflationär gebraucht wird, und mit dem man schlicht ausdrückt, dass jemand in allen Bereichen unter einem selbst steht. Egal, ob das stimmt oder nicht.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Provokateur » Di 26. Apr 2016, 09:35

Wildermuth hat geschrieben:(26 Apr 2016, 10:04)
Dass das leben als mehrfache mutter so geruhsam, höre ich hier zum ersten mal.


Kommt darauf an, wie man es macht.

Beispiel, selber erlebt:
Mutter,ca. 20, mit Kind betritt die S-Bahn. Der Junge ist so vier Jahre alt, stellt viele Fragen ("Warum fährt die Bahn?", Warum sind da Wolken?"), die Antwort der Mutter auf alles "Jeremy, ess deinen Schicken Naggez!"...
Bestens war dann noch (das Zugklo war ungefähr drei Schritt entfernt) die Aussage der Mutter auf den Ausruf "Mama, ich muss aufs Klo!" - nämlich "Du has ne Windel an!"

Da war das Smartphone wohl wichtiger.

Das ist für mich Proll, und zwar richtig weit drin.

Meine Mutter hingegen hat vier Jungs großbekommen, alle in Lohn und Brot, alle erfolgreich. Das bedeutete aber auch, die Nachmittage nicht vor dem Fernseher zu verbringen, sondern zu kochen, Hausaufgaben zu erledigen und mit uns zu üben, damit die Noten stimmten. Und wenn die Noten mal nicht stimmten, gabs Kasalla, da wurde geübt von zwei Uhr Nachmittag bis neun, damit der Stoff auch saß.

Jeremy hingegen macht mit vier in die Hose, weil die Mama das so will. Er und seine bemitleidenswerten Geschwister (da kommen noch welche - Pille vergessen, Kondom fühlt sich doof an) werden dumm, weil die Mutter Erziehung nicht hinbekommt.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Milady de Winter » Di 26. Apr 2016, 10:23

Wildermuth hat geschrieben:(26 Apr 2016, 10:04)

Richtig. Der threadtitel ist irreführend.

Dass das leben als mehrfache mutter so geruhsam, höre ich hier zum ersten mal. Brauchen wir einen thread zur mütter- und kinderverachtung?

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Darauf will Provo tendenziell hinaus. Und da gebe ich ihm recht. Mehrere Kinder in die Welt gesetzt zu haben ringt mir pauschal erst mal noch keinen Respekt ab. Für mich ist entscheidend, was dann mit diesen Kindern geschieht.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wildermuth » Di 26. Apr 2016, 10:31

Milady de Winter hat geschrieben:(26 Apr 2016, 11:23)

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Darauf will Provo tendenziell hinaus. Und da gebe ich ihm recht. Mehrere Kinder in die Welt gesetzt zu haben ringt mir pauschal erst mal noch keinen Respekt ab. Für mich ist entscheidend, was dann mit diesen Kindern geschieht.


Es geht mir auch nicht um respekt. Ausser vielleicht dem, den jeder mensch verdient hat, weil er mensch ist. Also, anstand.

Ich habe, auch bei provos beispielen, den deutlichen eindruck, selbst eine schlechte mutter hat mehr stress als die meisten berufstätigen in 40-stundenwoche mit gehalt, und rentenversicherung.

Es gab und gibt übrigens auch schlechte mütter in sehr bürgerlichen umfeld.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Milady de Winter » Di 26. Apr 2016, 10:42

Wildermuth hat geschrieben:(26 Apr 2016, 11:31)

Es geht mir auch nicht um respekt. Ausser vielleicht dem, den jeder mensch verdient hat, weil er mensch ist. Also, anstand.

Ich habe, auch bei provos beispielen, den deutlichen eindruck, selbst eine schlechte mutter hat mehr stress als die meisten berufstätigen in 40-stundenwoche mit gehalt, und rentenversicherung.

Es gab und gibt übrigens auch schlechte mütter in sehr bürgerlichen umfeld.

Dein erster Satz ist außen vor, ich behandle niemanden respektlos, solange er sich das nicht selbst verdient hat. Mir ging es nur um die Sache.

Deinen letzten Satz zweifle ich in keinster Weise an. Ich kenne genügend Beispiele. Auch hier greift in meinen Augen das, was ich oben schrieb: Liebe, Fürsorge und Erziehung sind nicht am Geldbeutel oder Status festzumachen.

Ich zweifle aber Deinen zweiten Satz an. Stress macht man sich zu einem großen Teil selbst. Und nicht selten entsteht er von innen - man hat sich selbst gegenüber einen Anspruch, dem man ggf. nicht gerecht wird. Diese Art Anspruch sehe ich bei dem speziellen Beispiel von Provo nicht. Ergo hat so eine Frau mit einem oder mehreren Kindern im Grunde keinen "Stress", sie ist bestenfalls "genervt", weil die Kids ihr Fragen stellen oder beschäftigt werden wollen. Diesem Generve entgeht man am besten, indem man die Kids mit Essen und Fernsehen ruhigstellt, um sie weitestgehend aus der eigenen Komfortzone fernzuhalten.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon denkmal » Mi 27. Apr 2016, 11:43

Proletarier war wohl im Industrialismus eine abwertende Bezeichnung der (Industrie)arbeiter durch die bürgerlichen Stände, die sich ja selbst als Mittelschicht wahrnahmen.
Positiv bewertet wurde der Proletarier einzig dann als Träger des Klassenkampfs - von den Klassenkampfproheten.

In neuerer Zeit, denke ich, rutschte die Bedeutung des Proleten eher in Richtung "Pöbel". Man sagt Prolet und meint Pöbel (wiki meint:
Mit dem Wort „Pöbel“ wird gewöhnlich ein Mangel an Kultur, Kultiviertheit, Intelligenz, Stil, Feingefühl oder „Sinn für Höheres“ unterstellt.
).

Unterschicht ist nach wie vor die Schicht mit der (in den Augen der anderen Schichten) geringsten gesellschaftlichen Bedeutung. Sie wird von diesen eher als Belastung (des Staates?) gesehen. Tragen in neoliberaler Weltanschauung nichts zum Erfolg der Gesellschaft bei, schmälern im Gegenteil den Erfolg oberer Schichten (oder 'Die leben auf Kosten der Gesellschaft').

Und so etwas in einer angeblich klassenlosen Gesellschaft. Aber es wird immer eine Unterschicht geben. Der gemeine Mensch braucht, scheint's, immer jemanden, der nicht so erfolgreich (auf welcher Skala auch immer) ist wie er selbst. Mir scheint nur die Abgrenzung immer deutlicher ans Tageslicht zu kommen.
Im Laufe ihres steinernen Daseins nehmen sogar manche Denkmäler menschliche Züge an.
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(*1949), Diplom-Bibliothekar und Autor
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon BingoBurner » Mi 27. Apr 2016, 13:26

firlefanz11 hat geschrieben:(26 Apr 2016, 09:47)

Ja, sehe ich ähnlich. Ist aber auch nicht verwunderlich... Mal ehrlich: Kann irgendjemand was positives and dne Verhaltensmustern der Prolos finden?



Ja, ein ziemlich ausgeprägtes Gemeinschafts und Zusammengehörigkeit -Gefühl innerhalb einer Gruppe.
Kommt natürlich drauf an wie man nun "Prolo" definiert.
Meine sportliche, steile Meta-These :

Fussball (Mannschaftssportarten) sind eher was für "Prolos".
Die Einzelkämpfer Sportarten ala Tennis, Golf, Formel 1, Schach, Pferdesport, Kampfsport und Tralala eher was für die "für die nicht Prolos.".

Mal in die Südkurve eines X-Vereines gehen. Das ist mehr als nur "Sozial-Romantik" an zutreffen.
Musst natürlich das richtige Trikot tragen, versteht sich.

Im Gegenzug werden "deine" neuen "Prolo"-Freunde, jeden anderem die Zähne einschlagen wenn es nur einer wagt dich schief anzuschauen.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Keoma » Mi 27. Apr 2016, 13:31

Prolls sind für mich z.B. die Blonde, die immer "ROOOOBERT!" kreischt oder die diversen Prinzen von Anhalt.
"Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust mit Idioten zu diskutieren." -Albert Einstein
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 27. Apr 2016, 13:48

In seinem Buch »Schantall, tu ma die Omma winken!« scheitert ein Sozialarbeiter damit, die Working-Class-Familie Pröllmann zu kultivieren. Ihre Welt scheint ein Schadensfall, den es zu beheben gilt. Nichts bei den Pröllmanns hat Wert, nichts gilt es zu schützen, nichts anzuerkennen. Sie machen alles falsch: rauchen, sind zu dick und haben ein zu intensives Verhältnis zu Sexualität. Und sie sind arm. Das Buch wirkt wie der Versuch, die Stern-Reportage von Walter Wüllenweber (2004) in einen Roman zu übersetzen. Wüllenweber hatte sich mit den Problemen der vermeintlichen Unterschicht in Essen-Katernberg beschäftigt und seinen Protagonisten durchaus Sympathie entgegengebracht. Bei Twilfer hingegen ist die Verachtung kaum kaschiert.

Wenn ich Sätze wie den Hervorgehobenen lese, fallen mir sofort die Appelle an Werte von Seiten der neuen europäischen Rechten ein. Nation, Tradition, Religion usw. Ein typisches Beispiel dafür wären da für mich (weil ich mich in der Region ganz gut auskenne) die ungarischen Jobbik ("Die Besseren" und gleichzeitig "Die Rechteren"). Bei denen handelt es sich eben gerade nicht um das, was man mit "Prolls" assoziiert. Sie kommen typischerweise aus dem (konservativen) akademischen Millieu (einschl. natürlich studentische Verbindungen) sowie aus (konservativen) Unternehmerkreisen. Und da muss ich sagen: Ehe ich mich mit einer Anti-Pröllmann-Haltung auf deren Seite gestellt sehe, will ich lieber selber ein Pröllmann sein ...
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon bakunicus » Mi 27. Apr 2016, 13:55

Provokateur hat geschrieben:(26 Apr 2016, 10:00)

Ein richtiger Arbeiter ist ja etwas anderes als der "Proll". Der Proll ist an sich schon eher arbeitsscheu, Prollweibchen werden lieber dauerschwanger, als mal einen Finger krumm zu machen.


nicht im sinne von frems.
im sinne von frems sind alle steuerfinanzierten und grundgesetzgarantierten sozialleistungen "etatisten-nazis" ...

ich frag mich daher, was dieser faden aus dieser feder mal wieder soll ?
provospam, oder totalverblödete selbsthinterfragung ?
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon bakunicus » Mi 27. Apr 2016, 14:02

ich formuliere das auch gerne noch mal krasser ...

das pf.eu hat mit zahlreichen usern wie adam smith, blue monday, realist 2014, 3xk, john galt, frems, fazer und thomas I, und und und ... , ein proletariatsfeindliches potential, dass ich mich frage was dieser thread da noch neues bringen soll ?

was soll da überhaupt noch die frage sein ...
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Marmelada » Mi 27. Apr 2016, 14:19

Das Buch »Schantall, tu ma die Omma winken!« habe ich gelesen und fand es sehr schlecht. Der Autor will krampfhaft witzig sein, tatsächlich prollt er selbst nur herum und das ganze ist nichts anderes als heftiges nach unten Treten. Hoffentlich ist der angebliche Hintergrund als Sozialarbeiter nur fiktiv (zB gibt es Beschreibungen des Urlaubs), denn es hilft diesen Leuten kein Stück weiter, von solch einem hohen Ross aus "betreut" zu werden. Damit stehe ich wohl nicht alleine, wenn man sich die mehrheitlich negativen Bewertungen ansieht.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 14:22

BingoBurner hat geschrieben:(27 Apr 2016, 14:26)

.........

Im Gegenzug werden "deine" neuen "Prolo"-Freunde, jeden anderem die Zähne einschlagen wenn es nur einer wagt dich schief anzuschauen.



Glaub nicht, dass das aus Liebe geschieht. Man nimmt nur gern aus Langeweile jeden sich bietenden Anlass, um Stunk zu machen. :x

Dass Du schief angeschaut wirst, ist doch denen wurscht. Die wollen kloppen, zufällig wirst Du angeglotzt und das ist der gern genommene Anlass.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 14:25

Marmelada hat geschrieben:(27 Apr 2016, 15:19)

Das Buch »Schantall, tu ma die Omma winken!« habe ich gelesen und fand es sehr schlecht. Der Autor will krampfhaft witzig sein, tatsächlich prollt er selbst nur herum und das ganze ist nichts anderes als heftiges nach unten Treten. Hoffentlich ist der angebliche Hintergrund als Sozialarbeiter nur fiktiv (zB gibt es Beschreibungen des Urlaubs), denn es hilft diesen Leuten kein Stück weiter, von solch einem hohen Ross aus "betreut" zu werden. Damit stehe ich wohl nicht alleine, wenn man sich die mehrheitlich negativen Bewertungen ansieht.


Ich habs mir aus der Bücherei mitgenommen und fand, es ist eine Aneinanderreihung von Klischees und ausgedachten Geschichten mit einem winzigen wahren Kern.
Ich hab die Story nicht geglaubt.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon BingoBurner » Mi 27. Apr 2016, 15:02

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 15:22)

Glaub nicht, dass das aus Liebe geschieht. Man nimmt nur gern aus Langeweile jeden sich bietenden Anlass, um Stunk zu machen. :x

Dass Du schief angeschaut wirst, ist doch denen wurscht. Die wollen kloppen, zufällig wirst Du angeglotzt und das ist der gern genommene Anlass.



Liebe ?
Ziemlich großes Wort.
Ich sprach von Zusammengehörigkeit.

In den oberen sozialen Schichten kennt man das unter "Hire&Fire", noop.
Du verlässt mich weil Sie 19 Jahre alt ist ? Nein, weil es nicht mehr passt, noop.
Was hat er was ich nicht habe ? Einen besseren Kontoauszug, noop.

Die Unterschicht lernt von der Oberschicht, you see.
Manchmal frage ich wer hier die "Prolos" sind.
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