Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

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Marmelada
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Marmelada » Do 28. Apr 2016, 11:27

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Apr 2016, 20:21)

Bei einem Buchtitel wie diesem, bin ich mir eigentlich sicher, Kauf und Lesemissvergnügen sparen zu können ... Er ist noch phantasieloser und klischeehafter als das Millieu, das das Buch (vorgeblich) zu denunzieren versucht.
Gekauft hätte ich es auch nicht, aber ich hatte die Gelegenheit, es zu lesen. Der Titel ist gar nicht mal so unrealistisch. Im Gegenteil, bei Ansprachen von "Schantall-Kindern" höre ich sogar viel unschönere Ansagen, zumeist eben Geschimpfe. Zum Autor:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Twilfer
Kai Twilfer studierte Wirtschaftswissenschaften in Bochum. Während des Studiums gründete er eine Produktionsfirma für Werbefilme. Außerdem arbeitete er beim Westdeutschen Rundfunk. Im Jahr 2002 gründete er ein Großhandelsunternehmen für Regionalia aus dem Ruhrgebiet und ist Geschäftsführer der Industriekult-Verlags GmbH.[1]
Gut, so hat er mit seinem Machwerk alle Klischees eines eingebildeten, sozialdarwinistischen, unempathischen BWL/Werbefuffis erfüllt. Ein sehr schönes Eigentor.
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Provokateur
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Provokateur » Do 28. Apr 2016, 11:56

Ich allerdings hatte bei der Lektüre meinen Spaß und habe auch vieles, was mir bei der Bundeswehr und außerhalb begegnet ist, wieder erkannt.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon steve1974 » So 15. Mai 2016, 14:08

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Apr 2016, 21:01)

Die Erfahrung zeigt es.

Die Verachtung gegen über dem Proletariat hält so lange an, bis man einen Arbeiter oder Handwerker braucht.

Ein Haus, eine Maschine usw. baut sich nicht von alleine. Und ein Auto repariert sich auch nicht von selbst.


Davon abgesehen, verdienen viele Arbeiter recht ordentlich.

-
Ich habe noch keinen der vielen hier im Hochhaus tätigen Handwerker gesehen,
der sich echt prollmäßig verhalten hätte .

( brennende Zigarette und Bierdose in der Hand, übelriechend, schmutzig, unrasiert,
Leute anpöbelnd, Oberarme demonstrativ frei und martialisch tätowiert, in Badelatschen und Jogginghose, möglicherweise auf dem Hemd irgendwelche Symbole der dunklen Welt,
dazu die Baseball - Kappe verkehrt herum auf wie ein ewiger Teenie ... etc. etc. )

Prolls allerdings kann man in fast allen Stadtteilen und auf allen S-Bahn-Linien
in HH im Überfluß sehen.
Hierbei sind dem Erscheinungsbild der Prolls keine altersmäßigen,
geschlechtsspezifischen, ethnischen oder nationalen Grenzen gesetzt.
Ich schätzte sie in HH zahlenmäßig - ganz grob - auf gut ein Viertel der Einwohner .
Der Clou :
Neulich war eine Gruppe angetrunkener Reisender in schwarzen Hosen und weißen
Hemden, sichtlich gut rasiert und gut gekleidet, im Metronom, ( RE Bremen - HH ),
wo eigentlich absolutes Alkoholverbot gilt, und grölte was das Zeug hielt ...

Ich könnte auch von so manchem Fahrer einer Oberklassen - Limousine berichten,
dessen Verhalten im Strassenverkehr dem Gehabe eines pubertierenden Prolls in nichts nachsteht.

Darüber hinaus halte ich das Anbringen von Deutschlandflaggen am Aussenspiegel und am
Kofferraumdeckel für sehr prollgrenzwertig, das Gegröhle nach einem Tor ebenso.
-
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon jellobiafra » Di 14. Jun 2016, 13:04

In Deutschland sind derzeitig die Babyboomer kulturell hegemonial und deren Lebensphilosophie ist ein latenter Sozialdarwinismus. Dadurch ist die Verachtung des "Proletariats"
in Deutschland tatsächlich gestiegen.

Das wird sich aber bald ändern, da die Babyboomer scheiße sind, noch tausendmal unerträglicher als die 68er, und die waren schon unter aller Sau.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 17. Jun 2016, 13:32

Das Proletariat war doch schon seit Auftreten eine verächtliche Art, das Leben zu fristen. Nicht schlimm, das zu sagen. Schlimm, dass es so ist.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon pikant » Fr 17. Jun 2016, 13:34

ich finde Arbeitnehmer haben unseren Respekt verdient!
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon HugoBettauer » Fr 17. Jun 2016, 13:36

Die Empirie zeigt, dass das kein allgemeines Empfinden ist.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon cleopatra » Sa 18. Jun 2016, 15:29

Alucard hat geschrieben:(27 Apr 2016, 23:16)

Abends an der Supermarktkasse sehe ich mich regelmäßig von sauber gekleideten Menschen mit frisch geputzten Schuhen umgeben, während ich mit meinen farbbekleckerten Alltagsklamotten wie ein Paria erscheine, den man naserümpfend ignoriert. Zumal ich das Wechselgeld schon mal mit braungefärbten Fingern entgegennehme, weil ich als Restaurator auch mit Ölfarben, Beizen und Anilinfarben hantiere, die man nicht mal eben abwaschen kann. Jedenfalls sind diese sauber Angezogen meist kleine Angestellte, Rentner und Arbeitslose, die penibelst auf ihr Äußeres achten und entsprechend duften, während ich mir schon als Lehrling angewöhnt hatte, in meiner Arbeitskleidung nach Hause zu fahren. Früher fühlte ich mich allerdings noch eher akzeptiert, aber seitdem die Punks und alten Zausel auch in Kreuzberg aussterben und durch modebewusste Hipster ersetzt werden, ist es vorbei mit dem Laissez faire in Sachen äußere Erscheinung. Und manchmal fühle ich mich tatsächlich verachtet von Leuten, die keinen Pinsel richtig herum halten und keinen Nagel in die Wand hauen können, während ich mich an kostbarsten Kunstwerken zu schaffen mache, die diese Menschen in ihrer einmal unterstellten Kulturferne wahrscheinlich nie zu sehen bekommen. Aber egal, mit denen möchte ich auch nichts zu tun haben... >ß´)


Wäre ich die Kassiererin oder Nebenkundin, tät ich auch mit Stirnrunzeln auf deine eingesauten Klamotten sowie ungereinigten Finger schauen. Das ist schlicht unappetitlich in einem Supermarkt. Ich hoffe sehr, du pilgerst in dieser Montur nicht auch noch in einen Fresstempel und bist hochbeleigt, weil du komisch angeguckt wirst :D
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon zollagent » Sa 18. Jun 2016, 15:41

Beim Goldenen M eher nicht. Aus dem Adlon würde er hinauskomplimentiert werden.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 18. Jun 2016, 16:31

cleopatra hat geschrieben:(18 Jun 2016, 16:29)

Wäre ich die Kassiererin oder Nebenkundin, tät ich auch mit Stirnrunzeln auf deine eingesauten Klamotten sowie ungereinigten Finger schauen. Das ist schlicht unappetitlich in einem Supermarkt. Ich hoffe sehr, du pilgerst in dieser Montur nicht auch noch in einen Fresstempel und bist hochbeleigt, weil du komisch angeguckt wirst :D


Nicht unbedingt. Hier ist es üblich, dass der eine oder andere Handwerker in der Mittagspause oder nach Feierabend schnell was aus dem Laden holt. Niemand guckt hier abwertend auf jemanden, der augenscheinlich sein Geld mit körperlicher oder dreckiger Arbeit verdient.

Was ätzend ist, wenn jemand, der den ganzen Tag Zeit hat, kurz vor 22 Uhr seinen Großeinkauf macht, den lieben die Kassiererinnen, auch wenn dessen Hände vom Nichtstun schön sauber sind.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 18. Jun 2016, 16:38

zollagent hat geschrieben:(18 Jun 2016, 16:41)

Beim Goldenen M eher nicht. Aus dem Adlon würde er hinauskomplimentiert werden.


Der Künstler, der fleckige Finger hat, nicht. Hauptsache, das Portemonnaie ist prall.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon cleopatra » Sa 18. Jun 2016, 18:44

Billie Holiday hat geschrieben:(18 Jun 2016, 17:31)

Nicht unbedingt. Hier ist es üblich, dass der eine oder andere Handwerker in der Mittagspause oder nach Feierabend schnell was aus dem Laden holt. Niemand guckt hier abwertend auf jemanden, der augenscheinlich sein Geld mit körperlicher oder dreckiger Arbeit verdient.

Was ätzend ist, wenn jemand, der den ganzen Tag Zeit hat, kurz vor 22 Uhr seinen Großeinkauf macht, den lieben die Kassiererinnen, auch wenn dessen Hände vom Nichtstun schön sauber sind.


Woher wissen die Kassiereninnen, dass der kurz vor 22 Uhr Kunde den ganzen Tag Zeit hatte? Von wenigen Ausnahmen in einem Dorfladen mal abgesehen....

Außerdem spricht gar nichts dagegen, kurz vor Ladenschluss noch einkaufen zu gehen, selbst wenn man auch zwei Stunden früher Zeit gehabt hätte. Hab ich auch schon gemacht, einfach weil ich genau um die Zeit noch ne Radtour gemacht und das damit verband. Auch wenn denen das nicht passt, wenn kurz vor Schluss noch so etwas nerviges wie ein Kunde auftaucht, der auch noch einkaufen möchte, solange das Geschäft geöffnet ist, hat ein Kunde dort die gleiche Freundlichkeit zu erwarten wie morgens um 7 Uhr. Was vielen Verkaufsangestellten übrigens auch nicht passt, denn dann sind sie mit Ausräumen und Sortierarbeiten beschäftigt und herumstreunende Kunden stören nur.

Es ist wohl ein Unterschied, ob ein beliebiger Handwerker mit Arbeitskleidng mal schnell mittags was zu essen holt oder jemand aus reiner Faulheit und Bequemlichkeit in regelmäßig eingeschmutzter öliger Kleidung ohne Händereinigung öffentliche Verkehrsmittel benutzt.... ohne Rücksicht auf andere Menschen, die sich womöglich als Geringverdiener ihre wertvolle Kleidung durch Nutzung derselben Sitzplätze ruinieren (könnten), um mal in deinen sozialen Klischees zu bleiben.

Ich hab auch schon Drecktätigkeiten ausgeführt, u.a. auch Malerei, mache mir vor dem Zusammentreffen mit Anderen dann doch die Mühe und reinige die Hände und Fingernägel. Auch wenn ich das dreimal am Tag machen muss.... das ist ja wohl selbstverständlich!
Ich musste mal mit fettölverdreckten Fingern in unsere Bank, da mir unterwegs die Fahrradkette abgesprungen war und ich es eilig hatte und nicht wirklich was zum Säubern dabei (außer Tempos), das war mir schon sehr unangenehm.
So hat eben jeder seine Ansprüche an sich selbst!
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 18. Jun 2016, 21:25

cleopatra hat geschrieben:(18 Jun 2016, 19:44)

Woher wissen die Kassiereninnen, dass der kurz vor 22 Uhr Kunde den ganzen Tag Zeit hatte? Von wenigen Ausnahmen in einem Dorfladen mal abgesehen....

Außerdem spricht gar nichts dagegen, kurz vor Ladenschluss noch einkaufen zu gehen, selbst wenn man auch zwei Stunden früher Zeit gehabt hätte. Hab ich auch schon gemacht, einfach weil ich genau um die Zeit noch ne Radtour gemacht und das damit verband. Auch wenn denen das nicht passt, wenn kurz vor Schluss noch so etwas nerviges wie ein Kunde auftaucht, der auch noch einkaufen möchte, solange das Geschäft geöffnet ist, hat ein Kunde dort die gleiche Freundlichkeit zu erwarten wie morgens um 7 Uhr. Was vielen Verkaufsangestellten übrigens auch nicht passt, denn dann sind sie mit Ausräumen und Sortierarbeiten beschäftigt und herumstreunende Kunden stören nur.

Es ist wohl ein Unterschied, ob ein beliebiger Handwerker mit Arbeitskleidng mal schnell mittags was zu essen holt oder jemand aus reiner Faulheit und Bequemlichkeit in regelmäßig eingeschmutzter öliger Kleidung ohne Händereinigung öffentliche Verkehrsmittel benutzt.... ohne Rücksicht auf andere Menschen, die sich womöglich als Geringverdiener ihre wertvolle Kleidung durch Nutzung derselben Sitzplätze ruinieren (könnten), um mal in deinen sozialen Klischees zu bleiben.

Ich hab auch schon Drecktätigkeiten ausgeführt, u.a. auch Malerei, mache mir vor dem Zusammentreffen mit Anderen dann doch die Mühe und reinige die Hände und Fingernägel. Auch wenn ich das dreimal am Tag machen muss.... das ist ja wohl selbstverständlich!
Ich musste mal mit fettölverdreckten Fingern in unsere Bank, da mir unterwegs die Fahrradkette abgesprungen war und ich es eilig hatte und nicht wirklich was zum Säubern dabei (außer Tempos), das war mir schon sehr unangenehm.
So hat eben jeder seine Ansprüche an sich selbst!


Ja ja ist ja gut :D

Ich wollt nur festhalten, dass in meiner Kleinstadt zum einen die Pappenheimer bekannt sind und zum anderen der dreckige Handwerker nicht abwertend angeguckt wird. Drecksäcke, die immer und grundsätzlich verdreckt sind, kenne ich nicht. Mit denen hast Du natürlich recht, also ganz ruhig. :cool:
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Cat with a whip
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Cat with a whip » So 19. Jun 2016, 18:34

JJazzGold hat geschrieben:(26 Apr 2016, 09:58)

Ich fasse es ganz kurz zusammen, das Proletariat diente immer als scharfe Abgrenzung zur Mittelschicht. Jahrzehntelang gab es Bemühungen, sich vom Proletariat in die Mittelschicht hochzuarbeiten. Heute ist die Grenze nach unten durchlässiger geworden. Der untere Rand der Mittelschicht läuft heute umgekehrt leichter Gefahr ins Proletariat abzugleiten. Das ruft meines Erachtens u.a. die Verschärfung der Verachtung hervor.


Oder auch anders zusammengefasst:

Bezeichnend ist es alleine ja schon den Begriff "Proletariat" pejorativ zu benutzen um Einkommensunterschiede zu definieren, wie auch die eigentlich absurde Gegenüberstellung zum Begriff Mittelschicht. In Ihrem Beispiel spiegelt sich die Absicht eine gefühlte Grenze der relativen Armut in einer Gesellschaft neu definieren zu wollen.

Wollen nur die wenigsten heute wissen: Tatsächlich ist ja heute im wesentlichen auch die Mittelschicht Proletariat. Sie hats über die Jahzehnte vergessen und verdrängt, weil die poltitsche Hauptströmung in Deutschland auf Sicherung der einmal erreichten Einkommen abzielte. Und das recht erfolgreich.

Dieses Paradigma wurde schon in der Ära Kohl mit zunehmenden Druck auf das Proletariat verlassen, indem statt nunmehr Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosen selbst bekämpft wurden und der Sozialneid gezielt und nachhaltig propagandisitsch geschürt wurde. Dahinter stand natürlich die Oberschicht in Deutschland und die Interessen des Kapitals. Mit der Regierung Schröder kam kein politischer Wandel, sondern ab da wurden die wahren Akteure nur immer ungenierter. Staatliche Sicherungssysteme wurden umgebaut und privatisiert und parallel Arbeitgeber entlastet, der Staat zog sich immer weiter zurück und das weiter anwachsende Prekariat wurde hinter Statistiken verschleiert.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Fuerst_48 » So 19. Jun 2016, 18:38

Cat with a whip hat geschrieben:(19 Jun 2016, 19:34)

Oder auch anders zusammengefasst:

Bezeichnend ist es alleine ja schon den Begriff "Proletariat" pejorativ zu benutzen um Einkommensunterschiede zu definieren, wie auch die eigentlich absurde Gegenüberstellung zum Begriff Mittelschicht. In Ihrem Beispiel spiegelt sich die Absicht eine gefühlte Grenze der relativen Armut in einer Gesellschaft neu definieren zu wollen.

Wollen nur die wenigsten heute wissen: Tatsächlich ist ja heute im wesentlichen auch die Mittelschicht Proletariat. Sie hats über die Jahzehnte vergessen und verdrängt, weil die poltitsche Hauptströmung in Deutschland auf Sicherung der einmal erreichten Einkommen abzielte. Und das recht erfolgreich.

Dieses Paradigma wurde schon in der Ära Kohl mit zunehmenden Druck auf das Proletariat verlassen, indem statt nunmehr Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosen selbst bekämpft wurden und der Sozialneid gezielt und nachhaltig propagandisitsch geschürt wurde. Dahinter stand natürlich die Oberschicht in Deutschland und die Interessen des Kapitals. Mit der Regierung Schröder kam kein politischer Wandel, sondern ab da wurden die wahren Akteure nur immer ungenierter. Staatliche Sicherungssysteme wurden umgebaut und privatisiert und parallel Arbeitgeber entlastet, der Staat zog sich immer weiter zurück und das weiter anwachsende Prekariat wurde hinter Statistiken verschleiert.

Gibt es im reichen Deutschland überhaupt ein "Proletariat" ?? :mad2: :mad2:
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wildermuth » So 19. Jun 2016, 19:54

Fuerst_48 hat geschrieben:(19 Jun 2016, 19:38)

Gibt es im reichen Deutschland überhaupt ein "Proletariat" ?? :mad2: :mad2:


Es gibt sogar noch einiges darunter: echte armut.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Darkfire » So 19. Jun 2016, 20:09

Billie Holiday hat geschrieben:(18 Jun 2016, 22:25)

und zum anderen der dreckige Handwerker nicht abwertend angeguckt wird.


Im Gegenteil, dem sieht man ja wenigstens an das er Arbeit hat :thumbup:
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Bielefeld09 » So 19. Jun 2016, 20:13

Wildermuth hat geschrieben:(19 Jun 2016, 20:54)

Es gibt sogar noch einiges darunter: echte armut.

Wer will das wissen?
Es gibt in Deutschland Poor Persons.
Im fast reichsten Land der Welt.
Wir reden darüber erst mal gar nicht.
Wir verachten nicht,
wir verschweigen!
Easy going!
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Jun 2016, 22:42

Fuerst_48 hat geschrieben:(19 Jun 2016, 19:38)

Gibt es im reichen Deutschland überhaupt ein "Proletariat" ?? :mad2: :mad2:

Proletarier im engeren Sinne ist zunächst formal unabhängig von der Frage arm oder reich, Ein Proletarier ist jemand, der objektiv gezwungen ist, seine Arbeitskraft zu verkaufen. Wenn Arbeitskraft ein teures Produkt ist, sind Proletarier potenziell wohlhabend. Der wesentliche Punkt ist, dass "Arbeitskraft" inzwischen ein so völlig undifferenzierter Begriff in einer zunehmend differenzierten Welt ist wie "Waschpulver" oder "Seife" in der Welt der Drogeriemärkte.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Fazer » So 19. Jun 2016, 22:51

Wildermuth hat geschrieben:(19 Jun 2016, 20:54)

Es gibt sogar noch einiges darunter: echte armut.


Sehr wenig.
Freiheit bedeutet Verantwortung; das ist der Grund, weshalb sich die meisten vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)

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