Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

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Wähler
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wähler » Mi 27. Apr 2016, 15:04

http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... ageIndex_2
FAZ 17 August 2011 Allensbach-Umfrage für die F.A.Z. - Produzieren wir eine Schicht sozialer Verlierer?
Die sozialen Schichten bewegen sich jedoch nicht nur in Bezug auf ihre materielle Lage auseinander, sondern auch in Bezug auf ihre Interessen, Lebensstile, Weltanschauungen und Alltagskultur. So ist beispielsweise die zunehmende Gesundheitsorientierung primär ein Oberschichtenphänomen.

Beunruhigend ist jedoch, dass insbesondere bei Jüngeren aus den unteren Sozialschichten das Interesse an Politik, Wirtschaft oder kulturellen Themen steil abgesunken ist.

Das Auseinanderdriften der sozialen Schichten ist keineswegs nur eine Frage der materiellen Ausstattung, sondern immer mehr auch der Entwicklung unterschiedlicher Kulturen. Ein besonders ernster Aspekt ist dabei, dass sich die Voraussetzungen, unter denen Kinder aufwachsen, die Impulse, Förderungen und Maximen für die Lebensführung, die sie erhalten, immer mehr unterscheiden.

Proletariat scheint mir ein veralteter Begriff zu sein. In der Diskussion um die Entstehung einer neuen Unterschicht in Deutschland wird auch gerne von Prekariat gesprochen oder von Vererbung der Armut.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo ... el_id=1232 (Zugang auch bundesweit)
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Billie Holiday
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 15:17

BingoBurner hat geschrieben:(27 Apr 2016, 16:02)

Liebe ?
Ziemlich großes Wort.
Ich sprach von Zusammengehörigkeit.

In den oberen sozialen Schichten kennt man das unter "Hire&Fire", noop.
Du verlässt mich weil Sie 19 Jahre alt ist ? Nein, weil es nicht mehr passt, noop.
Was hat er was ich nicht habe ? Einen besseren Kontoauszug, noop.

Die Unterschicht lernt von der Oberschicht, you see.
Manchmal frage ich wer hier die "Prolos" sind.


Ich bezweifle dieses riesige Zusammengehörigkeitsgefühl, freue mich aber, wenn ich im Irrtum bin. :)

Prolls gibt es in jeder Schicht, ein voller Geldbeutel macht doch keinen besseren Menschen, ebensowenig wie ein fast leerer Geldbeutel einen schlechten Menschen macht.

Ein Proll/Asi hat nichts mit einem Arbeiter aus den niedrigen Gehaltsklassen zu tun, ich habe große Wertschätzung für jeden, der sein Leben versucht selbst zu finanzieren und morgens früh aufsteht, um einen schlecht bezahlten, aber wichtigen Job zu machen und sich nicht von vorn herein auf Vater Staat besinnt.
Außerdem halte ich die Arbeit von Reinigungskräften, Müllmännern, Pflegekräften... für sehr wichtig. Im Leben würde ich nicht auf sie verächtlich blicken, auch nicht auf andere Berufe, die mies bezahlt werden und dem Beschäftigten kein luxuriöses Leben ermöglichen. Der Porschefahrer ist kein besserer Mensch. :x
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon bakunicus » Mi 27. Apr 2016, 15:27

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 16:17)

Ich bezweifle dieses riesige Zusammengehörigkeitsgefühl, freue mich aber, wenn ich im Irrtum bin. :)

Prolls gibt es in jeder Schicht, ein voller Geldbeutel macht doch keinen besseren Menschen, ebensowenig wie ein fast leerer Geldbeutel einen schlechten Menschen macht.

Ein Proll/Asi hat nichts mit einem Arbeiter aus den niedrigen Gehaltsklassen zu tun, ich habe große Wertschätzung für jeden, der sein Leben versucht selbst zu finanzieren und morgens früh aufsteht, um einen schlecht bezahlten, aber wichtigen Job zu machen und sich nicht von vorn herein auf Vater Staat besinnt.
Außerdem halte ich die Arbeit von Reinigungskräften, Müllmännern, Pflegekräften... für sehr wichtig. Im Leben würde ich nicht auf sie verächtlich blicken, auch nicht auf andere Berufe, die mies bezahlt werden und dem Beschäftigten kein luxuriöses Leben ermöglichen. Der Porschefahrer ist kein besserer Mensch. :x


mhh ... nicht schlecht.
das könnte ich fast genau so unterschreiben
leider meinen das weder duden noch frems so ...

das meinen nur wirklich freie geister und menschen ...
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Milady de Winter » Mi 27. Apr 2016, 15:28

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 16:17)

Der Porschefahrer ist kein besserer Mensch. :x

Zumindest nicht wegen seines Porsches.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 15:34

Milady de Winter hat geschrieben:(27 Apr 2016, 16:28)

Zumindest nicht wegen seines Porsches.


Nein, der Porsche hindert nicht daran, ein guter, empathischer, großzügiger Mensch zu sein.
Ich wollte auch nicht neidisch oder mißgünstig klingen, ich gönne jedem sein Steckenpferd.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon nichtkorrekt » Mi 27. Apr 2016, 16:36

Bei dem Buchtitel »Schantall, tu ma die Omma winken!« hab ich das Gefühl, dass hier ein wenig Dialektsprecher stigmatisiert werden. Natürlich gibt es Dialekte die einem näher sind und andere die einem weniger gefallen, aber als Schwabe wäre es irgendwie heuchlerisch andere wegen ihres Dialekts zu verspotten, aber genau das scheint hier etwas durchzudringen, oder täusche ich mich da?

Dass Arbeitslose stigmatisiert und als eine Art Untermensch gegenüber dem kosmopolitischen Weltbürger und Globalisierungsgewinner dargestellt werden, klingt finde ich auch in den Pegidathreads durch.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 16:46

nichtkorrekt hat geschrieben:(27 Apr 2016, 17:36)

Bei dem Buchtitel »Schantall, tu ma die Omma winken!« hab ich das Gefühl, dass hier ein wenig Dialektsprecher stigmatisiert werden. Natürlich gibt es Dialekte die einem näher sind und andere die einem weniger gefallen, aber als Schwabe wäre es irgendwie heuchlerisch andere wegen ihres Dialekts zu verspotten, aber genau das scheint hier etwas durchzudringen, oder täusche ich mich da?

Dass Arbeitslose stigmatisiert und als eine Art Untermensch gegenüber dem kosmopolitischen Weltbürger und Globalisierungsgewinner dargestellt werden, klingt finde ich auch in den Pegidathreads durch.


Ist "tu ma winken" denn ein Dialekt? Ich halte das schlicht für falsches Deutsch. :?:
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon nichtkorrekt » Mi 27. Apr 2016, 16:54

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 17:46)

Ist "tu ma winken" denn ein Dialekt? Ich halte das schlicht für falsches Deutsch. :?:


Ich denke schon, irgendwo im Ruhrpott oder so bestimmt, sondern würden sie ja nicht so reden, gerade diese "tu mal die Oma winken", sowas denkt sich ja kein Muttersprachler aus.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 27. Apr 2016, 19:21

Marmelada hat geschrieben:(27 Apr 2016, 15:19)

Das Buch »Schantall, tu ma die Omma winken!« habe ich gelesen und fand es sehr schlecht. Der Autor will krampfhaft witzig sein, tatsächlich prollt er selbst nur herum und das ganze ist nichts anderes als heftiges nach unten Treten. Hoffentlich ist der angebliche Hintergrund als Sozialarbeiter nur fiktiv (zB gibt es Beschreibungen des Urlaubs), denn es hilft diesen Leuten kein Stück weiter, von solch einem hohen Ross aus "betreut" zu werden. Damit stehe ich wohl nicht alleine, wenn man sich die mehrheitlich negativen Bewertungen ansieht.

Bei einem Buchtitel wie diesem, bin ich mir eigentlich sicher, Kauf und Lesemissvergnügen sparen zu können ... Er ist noch phantasieloser und klischeehafter als das Millieu, das das Buch (vorgeblich) zu denunzieren versucht.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon BingoBurner » Mi 27. Apr 2016, 19:49

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 16:17)

Ich bezweifle dieses riesige Zusammengehörigkeitsgefühl, freue mich aber, wenn ich im Irrtum bin. :)

Prolls gibt es in jeder Schicht, ein voller Geldbeutel macht doch keinen besseren Menschen, ebensowenig wie ein fast leerer Geldbeutel einen schlechten Menschen macht.

Ein Proll/Asi hat nichts mit einem Arbeiter aus den niedrigen Gehaltsklassen zu tun, ich habe große Wertschätzung für jeden, der sein Leben versucht selbst zu finanzieren und morgens früh aufsteht, um einen schlecht bezahlten, aber wichtigen Job zu machen und sich nicht von vorn herein auf Vater Staat besinnt.
Außerdem halte ich die Arbeit von Reinigungskräften, Müllmännern, Pflegekräften... für sehr wichtig. Im Leben würde ich nicht auf sie verächtlich blicken, auch nicht auf andere Berufe, die mies bezahlt werden und dem Beschäftigten kein luxuriöses Leben ermöglichen. Der Porschefahrer ist kein besserer Mensch. :x


Drogenhandel, Menschenhandel, Prostitution, Schutzgelderpressung. Recht des Stärkeren.....
Nun, ich könnte ich mir eine Kutte anziehen und das als Motorradclub verkaufen. Wegen der Bruderschaft. Wegen der Zugehörigkeit.
Dann ist natürlich was faul. Gelinde gesagt.

Ich wehre mich aber gegen den Begriff "Prolo".
Und als Fussball-Fan ist man schon einiges gewohnt.

Ist aber letztlich Banane weil die Grenzen sowieso woanders gezogen werden.
Muss man sich halt nicht wundern wenn Menschen Islamisten, Aluhüte, Rechtsradikale werden wenn da nur ein :

"Außerdem halte ich die Arbeit von Reinigungskräften, Müllmännern, Pflegekräften... für sehr wichtig" kommt.

Sorry
Vielleicht sollten die Müllmänner mal 5 Wochen streiken ?

Wie wäre es dann mit Boni......?
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BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Flaschengeist » Mi 27. Apr 2016, 20:01

Die Erfahrung zeigt es.

Die Verachtung gegen über dem Proletariat hält so lange an, bis man einen Arbeiter oder Handwerker braucht.

Ein Haus, eine Maschine usw. baut sich nicht von alleine. Und ein Auto repariert sich auch nicht von selbst.


Davon abgesehen, verdienen viele Arbeiter recht ordentlich.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon nichtkorrekt » Mi 27. Apr 2016, 20:36

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Apr 2016, 21:01)

Die Erfahrung zeigt es.

Die Verachtung gegen über dem Proletariat hält so lange an, bis man einen Arbeiter oder Handwerker braucht.

Ein Haus, eine Maschine usw. baut sich nicht von alleine. Und ein Auto repariert sich auch nicht von selbst.


Davon abgesehen, verdienen viele Arbeiter recht ordentlich.


Ich halte den Begriff Proletarier oder Arbeiter sowieso für überkommen, der Malermeister dürfte wohlhabender sein als mancher Studierter und Automechaniker ist der Traumjob vieler männlicher Jugendlicher, ein Automechaniker dürfte auch mehr verdienen als ein Bürokaufmann und der klassische Bandarbeiter bei VW oder Daimler sowieso. Klassische Arbeiter stellen heute nicht mehr die "Unterschicht", sondern das Dienstleistungsgewerbe, von der Pflegekraft bis zum Burger-Brater, die man wiederum aber schlecht als "Arbeiter" betiteln kann, es sind Begriffe von vor 100 Jahren die Gesellschaftsschichten beschreiben die es in der Form garnicht mehr gibt, auch das könnte den Abstieg der Sozialdemokratie erklären.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon BingoBurner » Mi 27. Apr 2016, 21:29

Flaschengeist hat geschrieben:(27 Apr 2016, 21:01)

Die Erfahrung zeigt es.

Die Verachtung gegen über dem Proletariat hält so lange an, bis man einen Arbeiter oder Handwerker braucht.

Ein Haus, eine Maschine usw. baut sich nicht von alleine. Und ein Auto repariert sich auch nicht von selbst.


Davon abgesehen, verdienen viele Arbeiter recht ordentlich.


Wieso, sie haben ein warmes, ich respektiere was für die "Prolos" übrig.
Während sie was von, ich komme auch von unten und habe hart gearbeitet heucheln.
Zuletzt geändert von BingoBurner am Mi 27. Apr 2016, 21:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Boracay » Mi 27. Apr 2016, 21:32

nichtkorrekt hat geschrieben:Ich halte den Begriff Proletarier oder Arbeiter sowieso für überkommen, der Malermeister dürfte wohlhabender sein als mancher Studierter und Automechaniker ist der Traumjob vieler männlicher Jugendlicher, ein Automechaniker dürfte auch mehr verdienen als ein Bürokaufmann und der klassische Bandarbeiter bei VW oder Daimler sowieso. Klassische Arbeiter stellen heute nicht mehr die "Unterschicht", sondern das Dienstleistungsgewerbe, von der Pflegekraft bis zum Burger-Brater, die man wiederum aber schlecht als "Arbeiter" betiteln kann, es sind Begriffe von vor 100 Jahren die Gesellschaftsschichten beschreiben die es in der Form garnicht mehr gibt, auch das könnte den Abstieg der Sozialdemokratie erklären.


Die Arbeiter stellen heute natürlich wiete die Unterschicht, auch wenn sich das heute allgemein nicht mehr in Einkommen ausdrückt. Die meisten Bandarbeiter haben einen niedrigen Bildungsabschluss, oft Migrationshintergrund, taufen ihre Kinder Chantal oder Justin, machen All-Inclusive Ferien, ernähren sich ungesunder oder machen Bodybuilding......
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 21:38

Boracay hat geschrieben:(27 Apr 2016, 22:32)

Die Arbeiter stellen heute natürlich wiete die Unterschicht, auch wenn sich das heute allgemein nicht mehr in Einkommen ausdrückt. Die meisten Bandarbeiter haben einen niedrigen Bildungsabschluss, oft Migrationshintergrund, taufen ihre Kinder Chantal oder Justin, machen All-Inclusive Ferien, ernähren sich ungesunder oder machen Bodybuilding......


Toll, dass Du die alle persönlich kennst. :thumbup:
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Alucard » Mi 27. Apr 2016, 22:16

frems hat geschrieben:(26 Apr 2016, 00:52) Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?


Abends an der Supermarktkasse sehe ich mich regelmäßig von sauber gekleideten Menschen mit frisch geputzten Schuhen umgeben, während ich mit meinen farbbekleckerten Alltagsklamotten wie ein Paria erscheine, den man naserümpfend ignoriert. Zumal ich das Wechselgeld schon mal mit braungefärbten Fingern entgegennehme, weil ich als Restaurator auch mit Ölfarben, Beizen und Anilinfarben hantiere, die man nicht mal eben abwaschen kann. Jedenfalls sind diese sauber Angezogen meist kleine Angestellte, Rentner und Arbeitslose, die penibelst auf ihr Äußeres achten und entsprechend duften, während ich mir schon als Lehrling angewöhnt hatte, in meiner Arbeitskleidung nach Hause zu fahren. Früher fühlte ich mich allerdings noch eher akzeptiert, aber seitdem die Punks und alten Zausel auch in Kreuzberg aussterben und durch modebewusste Hipster ersetzt werden, ist es vorbei mit dem Laissez faire in Sachen äußere Erscheinung. Und manchmal fühle ich mich tatsächlich verachtet von Leuten, die keinen Pinsel richtig herum halten und keinen Nagel in die Wand hauen können, während ich mich an kostbarsten Kunstwerken zu schaffen mache, die diese Menschen in ihrer einmal unterstellten Kulturferne wahrscheinlich nie zu sehen bekommen. Aber egal, mit denen möchte ich auch nichts zu tun haben... >ß´)
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wildermuth » Mi 27. Apr 2016, 22:22

nichtkorrekt hat geschrieben:(27 Apr 2016, 17:54)

Ich denke schon, irgendwo im Ruhrpott oder so bestimmt, sondern würden sie ja nicht so reden, gerade diese "tu mal die Oma winken", sowas denkt sich ja kein Muttersprachler aus.


Wäre es ein dialekt, wäre es ja nicht mehr lustig, ausserdem hätte der autor dann eine heerschar beleidigter, übelnehmender trachtenvereine auf den zehen stehen.

Dass sich ein lehrer öffentlich gegen dialekte ausspricht, gibts schon lange nicht mehr. Es hat ja auch kein biologe was gegen tiere oder pflanzen.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Billie Holiday » Mi 27. Apr 2016, 22:26

Alucard hat geschrieben:(27 Apr 2016, 23:16)

Abends an der Supermarktkasse sehe ich mich regelmäßig von sauber gekleideten Menschen mit frisch geputzten Schuhen umgeben, während ich mit meinen farbbekleckerten Alltagsklamotten wie ein Paria erscheine, den man naserümpfend ignoriert. Zumal ich das Wechselgeld schon mal mit braungefärbten Fingern entgegennehme, weil ich als Restaurator auch mit Ölfarben, Beizen und Anilinfarben hantiere, die man nicht mal eben abwaschen kann. Jedenfalls sind diese sauber Angezogen meist kleine Angestellte, Rentner und Arbeitslose, die penibelst auf ihr Äußeres achten und entsprechend duften, während ich mir schon als Lehrling angewöhnt hatte, in meiner Arbeitskleidung nach Hause zu fahren. Früher fühlte ich mich allerdings noch eher akzeptiert, aber seitdem die Punks und alten Zausel auch in Kreuzberg aussterben und durch modebewusste Hipster ersetzt werden, ist es vorbei mit dem Laissez faire in Sachen äußere Erscheinung. Und manchmal fühle ich mich tatsächlich verachtet von Leuten, die keinen Pinsel richtig herum halten und keinen Nagel in die Wand hauen können, während ich mich an kostbarsten Kunstwerken zu schaffen mache, die diese Menschen in ihrer einmal unterstellten Kulturferne wahrscheinlich nie zu sehen bekommen. Aber egal, mit denen möchte ich auch nichts zu tun haben... >ß´)


Ach ja, sind die Berliner so bescheuert?

Ich habe hier noch nicht die Erfahrung gemacht, dass jemand, der nach Arbeit aussieht, verächtlich angeguckt wird.
Vor Jahren während meiner Ausbildung war ich auf dem Bau. Immer, wenn ich besonders dreckig war, Mörtel oder Rost der Bewehrungsmatten in den Klamotten hatte, hat der Busfahrer gelacht und mich umsonst mitgenommen. :)
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Wildermuth » Mi 27. Apr 2016, 22:51

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 23:26)

Ach ja, sind die Berliner so bescheuert?

Ich habe hier noch nicht die Erfahrung gemacht, dass jemand, der nach Arbeit aussieht, verächtlich angeguckt wird.
Vor Jahren während meiner Ausbildung war ich auf dem Bau. Immer, wenn ich besonders dreckig war, Mörtel oder Rost der Bewehrungsmatten in den Klamotten hatte, hat der Busfahrer gelacht und mich umsonst mitgenommen. :)


Gerade in B würde ich das am wenigsten erwarten.
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Re: Ist die Verachtung des "Proletariats" in Deutschland gestiegen?

Beitragvon Alucard » Mi 27. Apr 2016, 23:06

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Apr 2016, 23:26)

Ach ja, sind die Berliner so bescheuert?

Ich habe hier noch nicht die Erfahrung gemacht, dass jemand, der nach Arbeit aussieht, verächtlich angeguckt wird.
Vor Jahren während meiner Ausbildung war ich auf dem Bau. Immer, wenn ich besonders dreckig war, Mörtel oder Rost der Bewehrungsmatten in den Klamotten hatte, hat der Busfahrer gelacht und mich umsonst mitgenommen. :)


Von "den Berlinern" würde ich nicht unbedingt reden. Der genannte Supermarkt steht inmitten von sozialistischen Plattenbauten in direkter Nähe zum ehemaligen "antifaschistischen Schutzwall". Direkt angemacht wurde ich aber zuletzt Mitte der 80er, als ich in Kudamm-Nähe U-Bahn-fahrend von einer mit Einkaufstüten bepackten Dame der "besseren" Gesellschaft aufgefordert wurde, ich solle mir doch mal die Schuhe putzen. Ich fand´s lustig, zumal man damals in Kreuzberg noch unangenehm auffiel mit geputzten Schuhen. Heute eher nicht, im Gegenteil.. >x´(

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