Der demographische Wandel in Deutschland

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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 12:37

infojunglemaps » So 24. Jul 2011, 13:00 hat geschrieben:Das ist die monetäre Seite. Die Familien hinterlassen aber der Gesellschaft mit erwachsenen, arbeitsfähigen Kindern ein Humankapital, das man den monetären Transfers gegenüberstellen müsste.

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb bei uns so wenige Kinder geboren werden,
man betrachtet Kinder zunehmend als Humankapital
und rechnet sich den geldwerten Nutzen vorher aus?
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Brainiac » So 24. Jul 2011, 12:42

Herr Bert hat geschrieben:Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb bei uns so wenige Kinder geboren werden,
man betrachtet Kinder zunehmend als Humankapital
und rechnet sich den geldwerten Nutzen vorher aus?
Genau - das geht negativ aus, da meine Kinder ja später die bösen Kinderlosen alimentieren und bei mir kaum was davon ankommt. ;)
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 12:52

infojunglemaps » So 24. Jul 2011, 13:42 hat geschrieben:Genau - das geht negativ aus, da meine Kinder ja später die bösen Kinderlosen alimentieren und bei mir kaum was davon ankommt. ;)


Der verbale Humankapital-Missbrauch geschieht in der Öffentlichkeit
fast ausschließlich durch Familienlobbyisten und nicht durch Kinderlose.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Brainiac » So 24. Jul 2011, 13:07

Mag sein, dass mit Begriff "Humankapital" in der Öffentlichkeit seitens interessierter Lobbyisten einseitig, polemisch, irreführend umgegangen wird. Auch ist es ein Begriff, den man als menschenverachtend ansehen kann. Der aber bei einer rein önomomischen Betrachtungsweise, in der wir hier uns nach meinem Verständnis der Diskussion befinden, m.E. verwandt werden darf. :|

[...]Eine Generation, der es an Kindern fehlt, muß sparen, um ihre magere Rente durch eigene Ersparnisse aufbessern zu können. Das fehlende Humankapital muß durch Realkapital ersetzt werden[...]

Herr Sinn ist zumindest mir nicht als ausgesprochener Familienlobbyist bekannt.
Man beachte, dass auch die Contra-Seite in dem Link nicht gegen eine generelle Lastenverschiebung argumentiert, sondern nur ausführt, dass dieses nicht über das Rentensystem, sondern über Steuern erfolgen sollte.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 13:15


Herr Sinn ist eine öffentliche Person,
er ist verheiratet und hat drei Kinder.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 13:24

infojunglemaps » So 24. Jul 2011, 13:00 hat geschrieben:Das ist in der Tat eine Hausnummer – die Größenordnung war mir nicht so ganz bewusst. Wobei es dazu natürlich X unterschiedliche Rechenansätze gibt, die teilweise auch auf wesentlich niedrigere Summen kommen

Allein die kostenlose Familienmitversicherung für Kinder macht bereits mehr als 30 Mrd Euro im Jahr aus.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Brainiac » So 24. Jul 2011, 13:28

Interessant wäre jetzt mal irgendeine Modellrechnung, die diese Transfers dem erwähnten "Humankapital" gegenüberstellt - ich habe leider keine gefunden.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 14:07

infojunglemaps » So 24. Jul 2011, 14:28 hat geschrieben:Interessant wäre jetzt mal irgendeine Modellrechnung, die diese Transfers dem erwähnten "Humankapital" gegenüberstellt - ich habe leider keine gefunden.

Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung belaufen sich meines Wissens
auf eine jährliche Höhe von ca. 160 Mrd Euro (ohne Steuerzuschüsse). Du
erinnerst Dich noch an die Summe der Familienförderung vor 5 Jahren, die ich
erwähnte?

Das ist jedoch nur ein Teil der Rechnung.
Die Steuerausfälle, die durch Kindererziehung und geringere oder gar keine
Erwerbsarbeit eines Elternteils entstehen, lasse sich womöglich schwer
beziffern, müssen aber in der Praxis von anderen mit höheren Steuern
ausgeglichen werden.

Würde man den Gedanken einer Abkopplung Kinderloser von gesetzlichen
Rentenleistungen konsequent verfolgen und auch den anderen Part mit
umsetzen, nämlich die mittel- und unmittelbare Gegensubventionierung von
Famlilien, dann müsste man eigentlich die niedrigsten Steuersätze in der
LStKl 1 haben und nicht die höchsten, denn Kinderlose sind dann nur
verpflichtet, den Part an die Gesellschaft zurück zu zahlen, den sie selbst einst
erhalten haben, denselben Part wie Eltern von Kindern. Mehr aber auch nicht.

Die steuerliche und auch sonstige Abgabenbelastung von Familien würde im
Vergleich zu heute deutlich steigen, die entsprechene Belastung Kinderloser
würde deutlich sinken.

P.S.: Ich selbst bin übrigens nicht kinderlos.
Zuletzt geändert von Herr Bert am So 24. Jul 2011, 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Armstrong » So 24. Jul 2011, 14:18

Herr Bert » So 24. Jul 2011, 14:24 hat geschrieben:Allein die kostenlose Familienmitversicherung für Kinder macht bereits mehr als 30 Mrd Euro im Jahr aus.


Steuergelder, die für Kinder ausgegeben werden, sind Investitionen in die Zukunft. Ein gut erzogenes und gebildetes Kind erbringt einen Nutzen für die ganze Gesellschaft, die den Wert der Mitversicherung oder des Kindergeldes um ein Vielfaches übersteigt.

Wie ich bereits geschrieben habe, die Kinder von heute werden die Gesellschaft, die Infrastruktur und den Wohlstand von morgen tragen.

Kinderlose profitieren von den Kindern der anderen Leute ausgiebig, selbst wenn diese später nicht seine Rente zahlen müssen. Der kinderlose Rentner wird später von den Kindern der anderen Leute im Altenheim gepflegt, beim Arzt behandelt, im Restaurant bedient, vom Taxi gefahren etc. etc.

Insofern finde ich es auch gerecht, wenn Kinderlose sich finanziell an der Investition in Kinder beteiligen müssen, wenn sie schon selbst keinen eigenen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft leisten.
Zuletzt geändert von Armstrong am So 24. Jul 2011, 14:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 14:39

Armstrong » So 24. Jul 2011, 15:18 hat geschrieben:
Insofern finde ich es auch gerecht, wenn Kinderlose sich finanziell an der Investition in Kinder beteiligen müssen, wenn sie schon selbst keinen eigenen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft leisten.

Das sehe ich genauso wie Sie.
Nur sehe ich nicht, dass man Kinderlosen die Rentenansprüche streicht,
obwohl sie im Schnitt sehr viel mehr die Renten der Vorgängergeneration
finanziert haben als Familien mit Kindern.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Dampflok » So 24. Jul 2011, 15:41

Armstrong » So 24. Jul 2011, 15:18 hat geschrieben:
Steuergelder, die für Kinder ausgegeben werden, sind Investitionen in die Zukunft. Ein gut erzogenes und gebildetes Kind erbringt einen Nutzen für die ganze Gesellschaft, die den Wert der Mitversicherung oder des Kindergeldes um ein Vielfaches übersteigt.


NUR der Teil "Ein gut erzogenes Kind..." stimmt so weit. Wir aber verteilen wahllos Geld an Mütter mit Kindern. Ohne jegliche Bedingung. Bekanntlich sinkt das Bildungsniveau und die Zahl der sog. "Alleinerziehenden" (von der Gesellschaft ohne Not hauptalimentierten Frauen) steigt!

Vorherige Generationen konnten ihre Kinder besser erziehen und bekamen kein Kindergeld. Ein Zusammenhang zwischen pauschaler Mütteralimentierung und "unserer Zukunft" besteht überhaupt nicht, wie man in anderen Ländern sieht.

Wie ich bereits geschrieben habe, die Kinder von heute werden die Gesellschaft, die Infrastruktur und den Wohlstand von morgen tragen.
Und Du kannst das noch zehnmal schreiben; es wird erst richtig wenn Du erkennst daß der Wohlstand immer wieder erarbeitet werden muß.

Vollsubventionierte Kinder von vollsubventionierten Eltern führen nachweislich zu einer "Das-steht-mir-zu"-Mentalität die nur die aufgehaltene Hand kennt, aber nicht die Frage, was ich für mein eigenes Fortkommen tun kann oder muß. Solche Kinder nutzen niemandem sondern kosten ihr Leben lang anderer Leute Geld.

Kinderlose profitieren von den Kindern der anderen Leute ausgiebig
Übrigens, die meisten Menschen sind die meiste Zeit "kinderlos" in dem sie keine Kinder erziehen. Und die Erziehenden sind - wie ich nun schon mehrmals schrieb, was aber auch jeder Überprüfung standhält - nicht pauschal gute Eltern.
Insofern finde ich es auch gerecht, wenn Kinderlose sich finanziell an der Investition in Kinder beteiligen müssen, wenn sie schon selbst keinen eigenen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft leisten.
Der Staat finanziert die teuerste Kindersubvention der Welt, dennoch machen deutsche Familien zu wenige Kinder. Am Geld liegt es also nicht, wenn fast alle Staaten der Erde mit viel weniger Kindersubvention viel mehr Kinder machen.

Ich würde wie in Frankreich erst mal das Kindergeld für das erste Kind drastisch reduzieren, um sicherzugehen daß die Kinder nicht in H4 hineingeboren werden, damit Madame sich mehr Fluppen kaufen kann. Kinder "für social" darf sich nicht rechnen.

Dann würde ich den nachehelichen Unterhalt auf Null setzen, damit kein Scheidungsanreiz wegen des Geldes gegeben ist - und damit geschiedene Menschen sich eine neue Familie leisten können.

Dann würde ich grundsätzlich für alle Kinder das Aufenthaltungsbestimmungsrecht 50/50 aufteilen, sodaß das Kind nicht zum Spielball für Unterhaltsstreitigkeiten werden kann, weil es immer Zugang zu beiden Eltern hat auch wenn es der Mutter nicht paßt.

Daraus resultiert Null Anspruch auf Ehegatten/Mutterunterhalt; jeder hat das Kind zu 50% und finanziert es zu 50%, es fließt also kein Geld mehr von einem zum anderen Partner.

Dieser Systemwechsel im Familienrecht würde dazu führen, daß sich Frauen, die mit dem Kind nur Kohle machen wollen, sich diese Denke nicht mehr leisten können - und also verhüten oder Nein sagen. Das spart der Gesellschaft viel Geld für Sozialhilfe.

Zweitens wären richtige Familien besser gesichert, da kein finanzieller Anreiz mehr zur Trennung besteht. Wer heiratet und Kinder macht, tut es aus Liebe und Überzeugung. Und solche Paare bleiben dann auch zusammen und haben mehr als nur ein einzelnes "Seht-her-ich-bin-ganz-Frau"-Kind.

Milliarden gespart, höhere Geburtenrate, Kinder die tatsächlich unsere Zukunft sind. So gehts.


.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 16:42

Dampflok » So 24. Jul 2011, 16:41 hat geschrieben:
Der Staat finanziert die teuerste Kindersubvention der Welt, dennoch machen deutsche Familien zu wenige Kinder. Am Geld liegt es also nicht, wenn fast alle Staaten der Erde mit viel weniger Kindersubvention viel mehr Kinder machen.

Doch.
Es liegt auch daran, dass hierzulande die Versorgung der Kinder primär
als eine Aufgabe der Gesellschaft betrachtet wird.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Brainiac » So 24. Jul 2011, 17:12

Herr Bert hat geschrieben:Nur sehe ich nicht, dass man Kinderlosen die Rentenansprüche streicht,
obwohl sie im Schnitt sehr viel mehr die Renten der Vorgängergeneration
finanziert haben als Familien mit Kindern.
Stimme zu. Aber zwischen "streichen" und "alles so lassen" gibt es ja noch Zwischenstufen.

Herr Bert hat geschrieben:Dampflok » So 24. Jul 2011, 16:41 hat geschrieben:

Der Staat finanziert die teuerste Kindersubvention der Welt, dennoch machen deutsche Familien zu wenige Kinder. Am Geld liegt es also nicht, wenn fast alle Staaten der Erde mit viel weniger Kindersubvention viel mehr Kinder machen.

Doch.
Es liegt auch daran, dass hierzulande die Versorgung der Kinder primär
als eine Aufgabe der Gesellschaft betrachtet wird.
Diese Logik verstehe ich nicht ganz...
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Armstrong » So 24. Jul 2011, 20:05

Herr Bert » So 24. Jul 2011, 15:39 hat geschrieben:Das sehe ich genauso wie Sie.
Nur sehe ich nicht, dass man Kinderlosen die Rentenansprüche streicht,
obwohl sie im Schnitt sehr viel mehr die Renten der Vorgängergeneration
finanziert haben als Familien mit Kindern.


Wir müssen die Sache auch nicht so kompliziert machen. Fakt ist, dass das umlagefinanzierte Rentensystem aufgrund des demographischen Wandels in absehbarer Zeit nicht mehr funktionieren wird und nun allmählich abgewickelt werden muss. Es funktioniert ja de facto schon heute nicht mehr und muss mit riesigen Summen aus dem Steuersäckel am Leben erhalten werden.

Es gibt für meine Generation nun verschiedene Möglichkeiten. Entweder man versucht eigenes Geld fürs Alter anzulegen und hofft, dass man damit irgendwie auskommt. Oder man gründet eine Familie, zieht 3, 4 Kinder gross und wird von denen im Alter unterhalten. Oder man kombiniert beides, je nach Möglichkeiten.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Armstrong » So 24. Jul 2011, 20:18

@Dampflok

Es geht mir nicht um Alimentierung von Familien oder alleinerziehenden Müttern. Natürlich steigert sowas nicht die Geburtenrate und garantiert erstrecht keine gut erzogenen und gebildeten Kinder.

Ich finde es aber richtig, dass Familien gewisse Privilegien durch die Allgemeinheit geniessen, weil in der Regel die Allgemeinheit aus der Initiative von Paaren, Kinder zu bekommen und zu erziehen, einen grossen Nutzen zieht.

Die Allgemeinheit finanziert z.b. die Schulen, weil die Allgemeinheit ein Interesse daran hat, dass Kinder ausgebildet werden und später dann die Gesellschaft aufrecht zu erhalten und unseren allgemeinen Wohlstand zu sichern und zu mehren.

Ich finde es in diesem Zusammenhang auch richtig, wenn ein Familienvater von 3 Kindern anders besteuert wird als ein kinderloser Single. Oder dass der Familienvater von 3 Kindern durch die kostenlose Mitversicherung nicht noch mit zusätzlichen Krankenkassenbeiträgen belastet wird.

Wie gesagt, Kinder sind eine Investition in die Zukunft der ganzen Gesellschaft und wir alle, auch die Kinderlosen, werden in Zukunft auf die Kinder von heute angewiesen sein. Deshalb sollte die Allgemeinheit sich auch verpflichten, Eltern zu entlasten und ihnen zumindest ein paar angemessene Privilegien zu gewähren.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Herr Bert » So 24. Jul 2011, 20:34

Armstrong » So 24. Jul 2011, 21:05 hat geschrieben:
Fakt ist, dass das umlagefinanzierte Rentensystem aufgrund des demographischen Wandels in absehbarer Zeit nicht mehr funktionieren wird

wenn Mütter, die nie einen Cent eingezahlt haben, im Vorgriff auf noch nicht erbrachte Leistungen ihrer Kinder Rentenansprüche erwerben, sie ihren Kindern somit eine Schuld mit auf den Weg geben (werde nur nicht selbständig oder Beamter!), das ist die wahre Kinderfeindlichkeit.
Die Rentenversicherungsträger wissen bereits heute, dass der größte Topf an versicherungsfremden Leistungen schon sehr bald die Anrechnung der Erziehungszeiten sein wird. :D

Die versicherungsfremden Leistungen sind das eigentliche Problem der gesetzlichen Rente.
Zuletzt geändert von Herr Bert am So 24. Jul 2011, 20:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Brainiac » So 24. Jul 2011, 21:31

Herr Bert hat geschrieben:wenn Mütter, die nie einen Cent eingezahlt haben, im Vorgriff auf noch nicht erbrachte Leistungen ihrer Kinder Rentenansprüche erwerben, sie ihren Kindern somit eine Schuld mit auf den Weg geben (werde nur nicht selbständig oder Beamter!), das ist die wahre Kinderfeindlichkeit.
Ich will ja nicht nerven, wollte mich eigentlich hier so langsam zurückziehen, aber über diesen Satz bin ich gestolpert. Vielleicht liegt hier der Grund unseres Aneinander-Vorbeiredens.

Also erstmal ist das verdammt wenig: Für Kinder nach 92 geboren werden meines Wissens 3 Jahre Durchschnitts-EK angerechnet (vor 92 nur 1 Jahr). Nichts im Vergleich zu jemandem, der sein ganzes Leben lang eingezahlt hat.

Aber eigentlich geht es mir um den Begriff "Schuld", den du verwendest. Ich sehe das so: Wenn ich von meinen Eltern oder vonwemauchimmermitwelchenMittelnetcetc aufgezogen werde und erwachsen und arbeitsfähig bin, wurde da, von wem auch immer, eine Menge in mich investiert, ein Geschenk, für das ich bislang nichts getan habe. Also ist die Aufgabe ab jetzt, dies irgendwie zurückzugeben - über Zahlungen in die Rentenkasse, Kinder oder wie auch immer. Also habe ich, bevor ich angefangen habe zu arbeiten, tatsächlich eine "Schuld", wenn man bei diesem Begriff bleiben will. Eine Gesellschaft in dem die Menschen in Summe mehr kosten, als sie leisten, kann nicht funktionieren.

Vielleicht mache ich ja einen Denkfehler - sag's mir.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon jack000 » So 24. Jul 2011, 21:44

Dampflok » So 24. Jul 2011, 16:41 hat geschrieben:Vollsubventionierte Kinder von vollsubventionierten Eltern führen nachweislich zu einer "Das-steht-mir-zu"-Mentalität die nur die aufgehaltene Hand kennt, aber nicht die Frage, was ich für mein eigenes Fortkommen tun kann oder muß. Solche Kinder nutzen niemandem sondern kosten ihr Leben lang anderer Leute Geld.

...
Ich würde wie in Frankreich erst mal das Kindergeld für das erste Kind drastisch reduzieren, um sicherzugehen daß die Kinder nicht in H4 hineingeboren werden, damit Madame sich mehr Fluppen kaufen kann. Kinder "für social" darf sich nicht rechnen.


Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass Kinderlose Eltern unterstützen. Aber wie du richtig anmerkst besteht die Gefahr von Daueralimentierung. Daher sollte aber nicht das Kindergeld gekürzt , sondern H4 bei Geburten (Nicht wenn H4 nach einer Geburt eintritt) durch zweckgebundene Gutscheine ersetzt werden.
=> So ist eher sichergestellt, dass zusätzliches Haushaltseinkommen nicht gegen die Interessen der Kinder zweckentfremdet wird.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Claud » So 24. Jul 2011, 22:22

jack » So 24. Jul 2011, 22:44 hat geschrieben:
Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass Kinderlose Eltern unterstützen. Aber wie du richtig anmerkst besteht die Gefahr von Daueralimentierung. Daher sollte aber nicht das Kindergeld gekürzt , sondern H4 bei Geburten (Nicht wenn H4 nach einer Geburt eintritt) durch zweckgebundene Gutscheine ersetzt werden.
=> So ist eher sichergestellt, dass zusätzliches Haushaltseinkommen nicht gegen die Interessen der Kinder zweckentfremdet wird.


Zuerst sollte erst mal sicher nachgewiesen werden, dass es überhaupt einen bedeutsamen Anteil an Eltern in Hartz 4 gibt, die so handeln, wie ihr es ihnen gerne unterstellt. Hier irgendwas zu fordern, was eher auf eigenen Klischeevorstellungen heraus basiert und gleichzeitig auch eher unpraktikabel ist, ist dann doch irgendwie öde.
Zuletzt geändert von Claud am So 24. Jul 2011, 22:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der demographische Wandel in Deutschland

Beitragvon Dampflok » So 24. Jul 2011, 22:25

Armstrong » So 24. Jul 2011, 21:18 hat geschrieben:@Dampflok

Es geht mir nicht um Alimentierung von Familien oder alleinerziehenden Müttern. Natürlich steigert sowas nicht die Geburtenrate und garantiert erstrecht keine gut erzogenen und gebildeten Kinder.

Ich finde es aber richtig, dass Familien gewisse Privilegien durch die Allgemeinheit geniessen, weil in der Regel die Allgemeinheit aus der Initiative von Paaren, Kinder zu bekommen und zu erziehen, einen grossen Nutzen zieht.

Die Allgemeinheit finanziert z.b. die Schulen, weil die Allgemeinheit ein Interesse daran hat, dass Kinder ausgebildet werden und später dann die Gesellschaft aufrecht zu erhalten und unseren allgemeinen Wohlstand zu sichern und zu mehren.

Ich finde es in diesem Zusammenhang auch richtig, wenn ein Familienvater von 3 Kindern anders besteuert wird als ein kinderloser Single. Oder dass der Familienvater von 3 Kindern durch die kostenlose Mitversicherung nicht noch mit zusätzlichen Krankenkassenbeiträgen belastet wird.


All das passiert bereits seit Jahrzehnten. Es ist nicht das Problem, daß Eltern bestimmte Entlastungen bekommen, sondern daß aufgrund schief gelaufener feministischer Familienzerstörung, resultierendem Geburtenrückgang und entsprechender Kassenlage nunmehr ausgerechnet den Rentnern, die nie eine Wahl des Rentensystems hatten, offenbar ihre durch jahrzentelange zwangsweisen Abgaben erarbeiteten Ansprüche streitig gemacht werden. Das ist schlicht Enteignung.

Wie gesagt, Kinder sind eine Investition in die Zukunft der ganzen Gesellschaft und wir alle, auch die Kinderlosen, werden in Zukunft auf die Kinder von heute angewiesen sein. Deshalb sollte die Allgemeinheit sich auch verpflichten, Eltern zu entlasten und ihnen zumindest ein paar angemessene Privilegien zu gewähren.


Kinder gibts genug, es müssen ohnehin keine deutschen sein, wo die Grenzen bereits auf sind. Wir sind offenbar gerade aktuell in Deutschland an dem Punkt wo die Geburtenrate, wie in einigen anderen Staaten, wieder langsam steigt. Das sind aber nicht deutsche Eltern, deutsche Kinder, sondern jetzt macht sich die höhere Geburtenrate der vor über einer Generation zugewanderten Ausländer bemerkbar! In England war schon letztes Jahr der beliebteste Jungenname Mohammed.

Wenn wir aber sowieso von Ausländerkindern sprechen, so ist es dann ja wohl auch egal, ob sie hier teuer großgefüttert werden (und sich womöglich an die Dauer-Alimentierung gewöhnen und das Arbeiten später erst gar nicht aufnmehmen) oder ob sie im arbeitsfähigen Alter hier als Pfleger importiert werden. Letzteres sparte uns eine Menge Geld, wenn der Altenpfleger und seine Herkunft Dein einziges Problem sein sollte. Zumal könnte über Zuwanderungsbeschränkungen wie sie jedes erwachsene Land hat, auch sichergestellt werden daß Leute zum Arbeiten und nicht ins soziale Netz kommen.

Wieder Milliarden gespart. Man muß die Sache nur richtig angehen.


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