Was ist Rassismus?

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 6321
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Selina » So 24. Jun 2018, 18:51

Dark Angel hat geschrieben:(24 Jun 2018, 19:24)

Und was ist an meiner Aussage unzivilisiert?
Was ist unzivilisiert an der Aussage, dass Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gruppe/Sippe/Stamm - what ever - das Primat vor der Selbstdefinition/Selbstidentifikation hat.
Ethnie ist nicht etwas, wo Menschen gesagt haben "wir gehören jetzt zusammen, wir nennen uns jetzt ...", sondern Ethnien haben sich aus einzelnen Stämmen oder aus dem Zusammenschluss mehrerer Stämme über Jahrhunderte oder gar Jahtausende entwickelt, teilweise wurden auch Fremdzuschreibungen als Eigenbezeichnung übernommen.
Und wie ich im Beitrag an Userin Selina bereits schrieb - dieses Zugehörigkeitsgefühl ist vorhanden, ist Teil individueller Identität.
Heißt aber nicht, diese Identität wie eine Monstranz vor sich herzutragen.
Das Gefühl zusammen zu gehören, ist wieder eine andere Baustelle, hat per se auch nichts mit Ethnie zu tun.


Ich glaube, damit hast du odiug missverstanden. Er sprach nur davon, dass ihr beide als Moderatoren gewisse gleiche Funktionen wahrnehmt, zum Beispiel für ein zivilisiertes Miteinander im Forum zu sorgen. Er meinte aber auch, dass das wohl das Einzige ist, was euch verbindet. Politische und weltanschauliche Positionen und Einstellungen dagegen gehen bei euch beiden eher meilenweit auseinander. Also so hab ich sein Posting zumindest verstanden.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
JFK
Beiträge: 8713
Registriert: Di 13. Jan 2015, 16:19
Wohnort: München

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon JFK » So 24. Jun 2018, 19:06

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 19:36)

Nochmal: Ethnie und Identität sind nicht wichtig für das Menschsein. Wichtig sind solche Fragen wie: Wie denkt der Mensch, wie handelt er? Ist es ein großzügiger oder ein kleinlicher Mensch, welche Interessen hat er, welche Träume, welche Wünsche? Ist er empathisch, zeigt er sich solidarisch mit anderen, hilft er Schwächeren? Oder ist es ein aggressiver, egoistischer und selbstverliebter Mensch? Solche Fragen sind wirklich bedeutsam, nicht, woher einer kommt, welche Hautfarbe er hat und welche Religion.



Ich kann mir auch nicht vorstellen, anhand irgendwelcher Gene oder äußeren Merkmalen ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Noch deutscher zu sein, als der durchschnittliche Deutsche, dient vielmehr der Ausgrenzung als der Zugehörigkeit, Identitätsstiftend haben wir die Flagge, den Staat, und die Sprache, die alle in der deutschen Nation verbindet, alles was drüber hinnaus geht, hat das geschmäckerl einer selbsternannten Elite.
»Menschen, weigert euch, Feinde zu sein« (Römer 12)
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 6321
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Selina » So 24. Jun 2018, 19:10

JFK hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:06)

Ich kann mir auch nicht vorstellen, anhand irgendwelcher Gene oder äußeren Merkmalen ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Noch deutscher zu sein, als der durchschnittliche Deutsche, dient vielmehr der Ausgrenzung als der Zugehörigkeit, Identitätsstiftend haben wir die Flagge, den Staat, und die Sprache, die alle in der deutschen Nation verbindet, alles was drüber hinnaus geht, hat das geschmäckerl einer selbsternannten Elite.


Richtig. Ich finde es außerdem auch ziemlich langweilig, permanent über die deutsche Ethnie zu reden. Ich kann daran nichts sehen, was mich in irgendeiner Form vom Hocker reißen würde. Das ist eher was für solche seltsamen AfD-Chatgruppen :D
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13712
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Dark Angel » So 24. Jun 2018, 19:12

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 19:36)

Nochmal: Ethnie und Identität sind nicht wichtig für das Menschsein. Wichtig sind solche Fragen wie: Wie denkt der Mensch, wie handelt er? Ist es ein großzügiger oder ein kleinlicher Mensch, welche Interessen hat er, welche Träume, welche Wünsche? Ist er empathisch, zeigt er sich solidarisch mit anderen, hilft er Schwächeren? Oder ist es ein aggressiver, egoistischer und selbstverliebter Mensch? Solche Fragen sind wirklich bedeutsam, nicht, woher einer kommt, welche Hautfarbe er hat und welche Religion.

Identität ist sogar essenziell für das Menschsein, macht das Individuum überhaupt erst zum Individuum.
Alles was du beschreibst - die Summe der Erfahrungen, Interessen, Träume, Charakterstärken und -schwächen, Erziehung/Sozialisation, Zugehörigkeit - was immer man darunter verstehen mag, Familie, Verein, Ethnie und nicht zuletzt die Außenwahrnehmung - all das macht die Identität eines Individuums aus, macht es unterscheidbar von anderen Individuen.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 6321
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Selina » So 24. Jun 2018, 19:14

Die Identität - das Lebenselixier der Neuen Rechten.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
JFK
Beiträge: 8713
Registriert: Di 13. Jan 2015, 16:19
Wohnort: München

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon JFK » So 24. Jun 2018, 19:26

Dark Angel hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:12)

Identität ist sogar essenziell für das Menschsein, macht das Individuum überhaupt erst zum Individuum.
Alles was du beschreibst - die Summe der Erfahrungen, Interessen, Träume, Charakterstärken und -schwächen, Erziehung/Sozialisation, Zugehörigkeit - was immer man darunter verstehen mag, Familie, Verein, Ethnie und nicht zuletzt die Außenwahrnehmung - all das macht die Identität eines Individuums aus, macht es unterscheidbar von anderen Individuen.



Warum reicht dir Deutschland im Ganzen als identitätsstiftendes Konstrukt nicht aus ?
»Menschen, weigert euch, Feinde zu sein« (Römer 12)
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 13712
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Dark Angel » So 24. Jun 2018, 21:04

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:14)

Die Identität - das Lebenselixier der Neuen Rechten.

Na klar - alles räächts.

Identität ist das, was den Menschen - JEDEN Menschen - einzigartig und unverwechselbar macht.

"Identität im psychologischen Sinne beantwortet die Frage nach den Bedingungen, die eine lebensgeschichtliche und situationsübergreifende Gleichheit in der Wahrnehmung der eigenen Person möglich machen (innere Einheitlichkeit trotz äußerer Wandlungen). [...]
"Identität ist ein Akt sozialer Konstruktion: Die eigene Person oder eine andere Person wird in einem Bedeutungsnetz erfaßt. Die Frage nach der Identität hat eine universelle und eine kulturell-spezifische Dimensionierung. Es geht immer um die Herstellung einer Passung zwischen dem subjektiven "Innen" und dem gesellschaftlichen "Außen", also um die Produktion einer individuellen sozialen Verortung. Die Notwendigkeit zur individuellen Identitätskonstruktion verweist auf das menschliche Grundbedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Es soll dem anthropologisch als "Mängelwesen" bestimmbaren Subjekt eine Selbstverortung ermöglichen, liefert eine individuelle Sinnbestimmung, soll den individuellen Bedürfnissen sozial akzeptable Formen der Befriedigung eröffnen." [...]
"Für Erik Erikson besteht "das Kernproblem der Identität in der Fähigkeit des Ichs, angesichts des wechselnden Schicksals Gleichheit und Kontinuität aufrechtzuerhalten"
Dieses "Identitätsgefühl" ist die Basis für die Beantwortung der Frage: "Wer bin ich?". So einfach diese Frage klingen mag, so eröffnet sie darüber hinaus komplexe Fragen der inneren Strukturbildung der Person."
Quelle


"Identität (lateinisch īdem ‚derselbe‘, ĭdem ‚dasselbe‘) ist die Gesamtheit der eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnenden und als Individuum von allen anderen unterscheidenden Eigentümlichkeiten. Analog wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet. Psychologisch und soziologisch steht dabei im Vordergrund, welche Merkmale im Selbstverständnis von Individuen oder Gruppen als wesentlich erachtet werden."
Quelle


Identität - die Antwort auf die Frage "wer bin ich?" - als "das Lebenselixier der Neuen Rechten" zu bezeichnen, ist schlicht und ergreifend krank, ist paranoid
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Neandertaler
Beiträge: 578
Registriert: Mi 25. Mär 2009, 09:28
Benutzertitel: neoliberalerSteinzeitkommunist

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Neandertaler » So 24. Jun 2018, 21:08

JFK hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:06)

Ich kann mir auch nicht vorstellen, anhand irgendwelcher Gene oder äußeren Merkmalen ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Das gibt es aber siehe zB Black Community
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 3954
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Misterfritz » So 24. Jun 2018, 21:09

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:14)

Die Identität - das Lebenselixier der Neuen Rechten.
Du hast keine Idendität?
Benutzeravatar
X3Q
Beiträge: 3560
Registriert: So 7. Okt 2012, 07:46
Benutzertitel: Pro Gloria et Coetus

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon X3Q » So 24. Jun 2018, 21:11

Neandertaler hat geschrieben:(24 Jun 2018, 22:08)

Das gibt es aber siehe zB Black Community

Echt jetzt? Wie heißt denn der Marker, der ein Mitglieder der Black Community kennzeichnet?

--X
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 3954
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Misterfritz » So 24. Jun 2018, 21:22

X3Q hat geschrieben:(24 Jun 2018, 22:11)

Echt jetzt? Wie heißt denn der Marker, der ein Mitglieder der Black Community kennzeichnet?

--X
Ähem, es gibt keine Gene, die für eine schwarze/dunkle Hautfarbe zuständig sind?
Und Identitäten werden auch von aussen gebildet, in dem man Menschen mit bestimmten Merkmalen schlicht schlechter behandelt, ihnen weniger Rechte einräumt, etc.
Benutzeravatar
X3Q
Beiträge: 3560
Registriert: So 7. Okt 2012, 07:46
Benutzertitel: Pro Gloria et Coetus

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon X3Q » So 24. Jun 2018, 21:25

Misterfritz hat geschrieben:(24 Jun 2018, 22:22)

Ähem, es gibt keine Gene, die für eine schwarze/dunkle Hautfarbe zuständig sind?
Und Identitäten werden auch von aussen gebildet, in dem man Menschen mit bestimmten Merkmalen schlicht schlechter behandelt, ihnen weniger Rechte einräumt, etc.

Ich habe von "Markern" gesprochen. Marker sind nicht unbedingt Gene. Du verstehst?

--X
Benutzeravatar
Misterfritz
Moderator
Beiträge: 3954
Registriert: So 4. Sep 2016, 14:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sahelzone

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Misterfritz » So 24. Jun 2018, 21:26

X3Q hat geschrieben:(24 Jun 2018, 22:25)

Ich habe von "Markern" gesprochen. Marker sind nicht unbedingt Gene. Du verstehst?

--X
Es geht hier doch aber um Rassismus, oder stimmt der Thread-Titel nicht mehr?
Benutzeravatar
X3Q
Beiträge: 3560
Registriert: So 7. Okt 2012, 07:46
Benutzertitel: Pro Gloria et Coetus

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon X3Q » So 24. Jun 2018, 21:29

Misterfritz hat geschrieben:(24 Jun 2018, 22:26)

Es geht hier doch aber um Rassismus, oder stimmt der Thread-Titel nicht mehr?

Ich möchte einfach nur vom Neandertaler einen Beleg für seine Aussage haben. Ich möchte einfach nur wissen, welche DNA-Marker seine Aussage bestätigen.

--X
Benutzeravatar
Zunder
Beiträge: 5163
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 14:00

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Zunder » So 24. Jun 2018, 21:30

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 20:14)

Die Identität - das Lebenselixier der Neuen Rechten.

Man sollte schon unterscheiden können zwischen der persönlichen Identität, ohne die es so etwas wie ein Individuum überhaupt nicht geben kann, und der behaupteten völkischen Identität, mit der die Identitäre Bewegung ihre faschistoide bzw. tatsächlich faschistische Ideologie begründet.
Benutzeravatar
Neandertaler
Beiträge: 578
Registriert: Mi 25. Mär 2009, 09:28
Benutzertitel: neoliberalerSteinzeitkommunist

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Neandertaler » So 24. Jun 2018, 21:36

JFK hat geschrieben:(24 Jun 2018, 12:37)
Scheiss egal, darum geht es nicht,

Ich weiß das ist dir nicht darum ging ich fand denn Aspekt aber ziemlich interessant das du von äußeren Merkmalen auf Herkunft der Vorfahren schließt.
ich hätte genau so schreiben können, das es debatten darüber, ob Leute die so Aussehen wie Obama, die USA repräsentieren dürfen, und diese Debatten haben wenn überhaupt in KKK nahen kreißen stattgefunden, nicht in der Öffentlichkeit, das wäre ein denkbar schlechtes Argument für Politische Gegner in den USA.

Warum sollte das Aussehen wenn es auch ungewöhnlich ist so wichtig für ein politisches Amt sein :?:
Ich sehe ehrlich gesagt niemand in Deutschland der dies tut. Schließe aber leider nicht aus daß es sie irgendwo versprengt geben mag. Wiel wichtiger ist doch für was ein Politiker steht. Insofern glaube ich nicht das konservative oder rechte Kreise lieber von Claudia Roth repräsentiert werden als von einem dunkelhäutigen der ihre Meinung repräsentiert.

Klar Obama hat sicher einen Vorteil bei vielen schwarzen Wählern gehabt aber im Normalfall spielt sowas zurecht doch keine Rolle.

wenn wir ein Seriöses Einwanderungsland werden wollen.
ich wer sehr freuen wenn wir ein seriöses Einwanderungsland wie zB Kanada währen
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 6321
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Selina » So 24. Jun 2018, 22:38

Dass es eine persönliche und individuelle Identität gibt, ist ja nun ne Binsenweisheit. Die Frage ist (und die wurde schon oft gestellt): Warum wird hier im Thread über Rassismus die Identitätsfrage thematisiert? Na warum wohl? Weil behauptet wird, die gemeinsame Ethnie sei identitätsstiftend. Und genau das ist eben nicht der Fall. Und wie immer kann mir niemand erklären, wozu wir in der Debatte und im Alltag eine "ethnische Identität" überhaupt brauchen. Ich brauche keine Ethnie, um mich mit anderen zu identifizieren, um meine eigene Identität zu festigen und zu entwickeln. Persönliche Identität schöpft man aus Erfahrung, aus Erlerntem, Erlebten, aus Ratio und Gefühl. Und nochmal: Das Menschsein und das Menschwerden vollzieht sich immer konkret im Zusammenleben der Menschen. Wir leben nicht mit dem Abstraktum irgendeiner Ethnie zusammen, sondern mit einzelnen konkreten Menschen. Und die sind nun mal verschieden, freundlich, aggressiv, kämpferisch, zurückhaltend, empathisch, eiskalt, gefühlsbetont, gefühlsarm und so weiter und so fort. Und jeder ist mit denen zusammen, mit denen er sich gut versteht. Das geht weit über ethnische Grenzen hinaus. Menschsein in allen seinen Facetten ist universal.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
apartofme
Beiträge: 498
Registriert: Mo 15. Jun 2009, 18:24

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon apartofme » So 24. Jun 2018, 22:50

Kael hat geschrieben:(29 Oct 2015, 20:05)
Mein Fazit:
Viele der Dinge die letztlich als rassistisch wahrgenommen werden sind in erster Linie nicht mal Rassismus sondern es ist vor allem Neugier und Unhöflichkeit(gibt es das Wort überhaupt? o,o) welche entweder durch dei falsche Ausführung falsch verstanden werden oder aber bei der richtigen Ausführung von der betroffenen Person falsch verstanden werden. Echten Rassismus erkennt man vor allem daran das eben die Personen tatsächlich eine überlegene Haltung gegenüber andershautfarbigen Menschen besitzen.

Vielen dank für diesen interessanten Beitrag - auch wenn er schon ein paar Jahre alt ist.

Ich muss allerdings an dieser Stelle widersprechen, weil Rassismus leider doch etwas komplexer ist, als dass es sich dabei "nur" um eine Haltung handeln würde. Beim Rassismus handelt es sich nämlich zu einem nicht unerheblichen Teil um etwas, was ich gerne mit dem Begriff des "Grundrauschens" umschreiben würde. Damit meine ich, dass Rassismus etwas ist, was in der Tat allgegenwärtig ist, und weshalb auch das "In die Haare fassen" bei einem fremden Kind, unter bestimmten Umständen als eine rassistische Handlung aufgefasst werden kann - auch dann, wenn es die dahinter liegende Motivation lediglich Neugier ist. Wir müssen hier also unterscheiden zwischen einer faktisch rassistischen Handlung, d.h. einer Handlung, durch die gesellschaftlicher Rassismus reproduziert wird und eine rassistischen Haltung. Bei der Kritik von Rassismus darf man sich keineswegs lediglich auf die Haltung einschießen und dabei die gesellschaftliche Realität von Handlungen aus dem Auge verlieren.

Ich möchte zu diesem Zwecke ein vielleicht etwas extremes Beispiel wählen und mich schon mal dafür entschuldigen, dass ich gleich zu Beginn der Diskussion einen Nazivergleich bemühe. Der Vergleich dient in diesem Kontext lediglich dem besseren Verständnis dessen, was man in den USA gern als "Color blind racism" bezeichnet.

Nehmen wir einmal an, wir befänden uns in einem Konzentrationslager, in das jüdische Häftlinge deportiert wurden und versetzen wir uns in die Lage eines dortigen KZ-Wächters. Stellen wir uns die (zugegebenermaßen sehr unwahrscheinliche) Situation vor, dieser KZ-Wächter würde die KZ-Häftlinge einfach nur als Häftlinge betrachten und es interessierte ihn überhaupt nicht, welche Herkunft diese Häftlinge hätten. Er würde nun also alle Häftlinge gleich behandeln - und zwar eben nicht nach ihrer Herkunft oder "Rasse", sondern viel mehr eben nach ihrem Status als Häftlinge. Seiner Attitude nach wäre dieser Mann deiner obigen Definition nach eben kein Rassist. Wir könnten uns aber sicher sehr schnell darauf einigen, dass jegliche Handlungen des KZ-Wärters dennoch rassistisch sind.

Das Beispiel soll ledliglich dabei helfen, zu verstehen, dass man einer umfassenden Rassismusdefinition durch eine Momentaufnahme der Haltungen der involvierten Personen nicht gerecht wird. Bei der Bewertung von rassistischen Handlungen muss immer das gesamte soziale System betrachtet werden.

Um das vielleicht noch etwas besser zu verdeutlichen, möchte ich einmal ein zweites Beispiel geben, das schon um einiges kontroverser sein dürfte. Versetzen wir uns einmal kurz in die Lage eines Mitarbeiters einer Botschaft irgendwo in Namibia. Dort möchte dann ein namibischer Staatsangehöriger ein Visum für die Bundesrepublik Deutschland haben ohne die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu erfüllen (die bekanntlich relativ hoch gesteckt sind). Selbstverständlich wird ihm dieses Visum verwehrt. Nun stellen wir uns die Frage, ob die Handlung des Botschaftsmitarbeiteres, dem Nigerianer das Visum zu verwehren, nicht angesichts der gesamtgesellschaftlichen und historischen Umstände um eine rassistische Handlung ist. Wie gesagt dürfte diese Angelegenheit ziemlich kontrovers sein. Die Tatsache allein, dass der Botschaftsmitarbeiter den Namibier nicht aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert, sondern aufgrund der Tatsache, dass er nicht über einen deutschen Pass verfügt, reicht auf jeden Fall nicht aus, um zu konstatieren, dass die Handlung nicht rassistisch ist.

Nun wagen wir einen dritten Schritt, der diese ganze Angelegenheit noch viel komplizierter und gleichzeitig kontroverser machen dürfte, nämlich die ökonomischen Umstände. Wie wir alle wissen, müssen wir jeden Tag einkaufen. Durch diese Handlungen verfestigen wir stets gesellschaftliche Realität. Das wird vielleicht am deutlichsten, wenn wir uns einmal vorstellen, wir wären Aliens und wir würden auf diese Erde kommen, ohne eine Vorstellung davon, was Geld ist. Wir würden also sehen, wie die Menschen Arbeit, Waren und Güter austauschen, aber hätten keine Ahnung davon, warum sie dies in der Weise tun, in der sie es tun. Der Eindruck entstünde bei uns sehr schnell, dass es Menschen gibt, die sehr viel arbeiten aber dafür weniger bekommen. Der historische Rassismus als Haltung, der für diese gesellschaftliche Realität ursächlich ist, scheint zwar längst überwunden zu sein, aber die gesellschaftliche Realität des Rassismus bleibt dennoch bestehen. Ein Kassierer im Supermarkt verwehrt einem dunkelhäutigen Mann freilich nicht die Ware, weil er dunkelhäutig ist, sondern weil er zu wenig Geld in seiner Börse hat, ebensowenig - und man verzeihe mir die Polemik an dieser Stelle, die hier lediglich dazu dient, diesen kontroversen Sachverhalt plakativ darzustellen - wie der KZ-Wächter aus unserem Beispiel die Juden bestraft, weil sie Juden sind. Für ihn sind sie in ihrem Status als Häftlinge alle gleich
Benutzeravatar
Zunder
Beiträge: 5163
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 14:00

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Zunder » So 24. Jun 2018, 23:29

Selina hat geschrieben:(24 Jun 2018, 23:38)

Dass es eine persönliche und individuelle Identität gibt, ist ja nun ne Binsenweisheit. Die Frage ist (und die wurde schon oft gestellt): Warum wird hier im Thread über Rassismus die Identitätsfrage thematisiert? Na warum wohl? Weil behauptet wird, die gemeinsame Ethnie sei identitätsstiftend. Und genau das ist eben nicht der Fall. Und wie immer kann mir niemand erklären, wozu wir in der Debatte und im Alltag eine "ethnische Identität" überhaupt brauchen. Ich brauche keine Ethnie, um mich mit anderen zu identifizieren, um meine eigene Identität zu festigen und zu entwickeln. Persönliche Identität schöpft man aus Erfahrung, aus Erlerntem, Erlebten, aus Ratio und Gefühl. Und nochmal: Das Menschsein und das Menschwerden vollzieht sich immer konkret im Zusammenleben der Menschen. Wir leben nicht mit dem Abstraktum irgendeiner Ethnie zusammen, sondern mit einzelnen konkreten Menschen. Und die sind nun mal verschieden, freundlich, aggressiv, kämpferisch, zurückhaltend, empathisch, eiskalt, gefühlsbetont, gefühlsarm und so weiter und so fort. Und jeder ist mit denen zusammen, mit denen er sich gut versteht. Das geht weit über ethnische Grenzen hinaus. Menschsein in allen seinen Facetten ist universal.

Die Frage ist doch nicht, ob man eine ethnische Identität braucht, sondern ob man neben vielen anderen Faktoren eben auch eine ethnische Zugehörigkeit hat, die sich übrigens durchaus verändern läßt, was in Deutschland an den Beispielen der Hugenotten oder der eingewanderten Polen belegt werden kann.

Wenn, wie du vollkommen richtig darstellst, die Selbstwerdung des einzelnen Menschen notwendigerweise im Zusammenleben mit bestimmten Menschen stattfindet, läßt es sich überhaupt nicht vermeiden, daß ethnische Einflüsse eine Rolle spielen. Die kann sich niemand aussuchen.

Aus Gründen der politischen Korrektheit so zu tun, als sei es unerheblich, ob jemand als Deutscher oder als Molukke sozialisiert wird, ist einfach realitätsfremd.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 6321
Registriert: Do 29. Sep 2016, 14:33

Re: Was ist Rassismus?

Beitragvon Selina » So 24. Jun 2018, 23:43

Zunder hat geschrieben:(25 Jun 2018, 00:29)

Die Frage ist doch nicht, ob man eine ethnische Identität braucht, sondern ob man neben vielen anderen Faktoren eben auch eine ethnische Zugehörigkeit hat, die sich übrigens durchaus verändern läßt, was in Deutschland an den Beispielen der Hugenotten oder der eingewanderten Polen belegt werden kann.

Wenn, wie du vollkommen richtig darstellst, die Selbstwerdung des einzelnen Menschen notwendigerweise im Zusammenleben mit bestimmten Menschen stattfindet, läßt es sich überhaupt nicht vermeiden, daß ethnische Einflüsse eine Rolle spielen. Die kann sich niemand aussuchen.

Aus Gründen der politischen Korrektheit so zu tun, als sei es unerheblich, ob jemand als Deutscher oder als Molukke sozialisiert wird, ist einfach realitätsfremd.


Linke sind von Haus aus nie "politisch korrekt". Aber das führt hier zu weit; der Begriff "politische Korrektheit" wird oft sehr falsch verwendet, da müsste ich zu weit ausholen, um zu erklären, woher er kommt und wie er im Laufe der letzten Jahre "uminterpretiert" und verfälscht wurde. Aber das nur nebenbei. Ob jemand "als Deutscher oder als Molukke sozialisiert wird", ist wirklich unerheblich. Viel wichtiger sind die Lebensverhältnisse, wie er aufgewachsen ist, ob er wohlhabend oder weniger wohlhabend groß wurde, ob er geliebt oder nicht geliebt wurde, welche Freunde und Spielgefährten er hatte, was er gesungen und gelesen hat, ob er in Geborgenheit aufwuchs oder in menschlich kalten Verhältnissen etcpp. Die Ethnie spielt da keine Rolle. Im Gegenteil, wenn die Frage der Ethnie im einzelnen Menschenleben einen so großen Stellenwert hätte, wie es hier verschiedentlich behauptet wird, wäre das eher ein Grund, sich Sorgen zu machen. Denn warum wohl könnte es wichtig sein, etwa zur "deutschen Ethnie" zu gehören? Warum?
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz

Zurück zu „8. Gesellschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast