Was ist eigentlich "Kultur"?

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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Bleibtreu » Sa 18. Nov 2017, 20:55

Ich habe mich vor einiger Zeit aus diesem Thema ausgeklinkt und wie es scheint, wird sich immer noch fleissig im HamsterRad gedreht. Und ebenso offensichtlich begreifen einige immer noch nicht, dass Kultur ein beschreibender, KEIN wertender oder ideologischer Begriff ist. Also auch das sinnentleerte WertigkeitsGeschwurbel aus der sozialwissenschaftlichen Ecke ist fuer den Poppes. :p

krone hat geschrieben:(18 Nov 2017, 17:25)

Es ist ein ganzer Saal der den Song da schmettert und sichtlich Spass dran hat.

Kommt doch da überhaupt nicht auf die Qualität an.
Fakt ist,das findet man nicht im Islam.

Ich mach es kurz:
Der Islam ist eine Religion und damit so bekloppt, wie jede Religion, wobei er aktuell alle anderen wirren WeltAnschauungen in den Schatten stellt. :dead:
Was du meinst ist allerdings nicht der Islam, sondern islamisch und/oder arabisch gepraegte Kulturen. Und da muss ich dir mitteilen, dass du mit deiner pauschalen Aussage falsch liegst. Schau mal hier:



Es gibt sogar arabische PopMusik - uh! :D


Hier ein LiveAuftritt des von mir geschaetzten Wael Kfoury - mein LieblingsLied von ihm. Hoerst du das Publikum? :cool:
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » Sa 18. Nov 2017, 21:01

Selina hat geschrieben:(18 Nov 2017, 20:06)

Gute Frage. Die kann ich dir aber erst dann beantworten, wenn mir jemand meine Fragen beantwortet, die ich in meinem letzten Beitrag stellte. Also hier nochmal: Ich fragte, warum wird diese Diskussion um den Kulturbegriff überhaupt geführt, was soll sie bringen? Wer braucht sie? Wofür? Wenn mir das jemand überzeugend erklären und beantworten könnte, könnte ich meinerseits auch entscheiden, ob ich weiter mitdiskutiere oder eher nicht.

Auf deine "Warum-Frage" ist falsch!
Das Thema des Threads lautet "Was ist eigentlich Kultur?"
Das Thema des Threads lautet nicht "Was ist der Kulturbegriff?" oder "Welche Kulturbegriffe gibt es?"
Wenn du der Meinung bist, "Kultur" und "Kulturbegriff" seien das Gleiche, dann bist du in der Pflicht, zu erklären wie du auf diese Idee kommst, beides gleich zusetzen bzw miteinander zu verschwurbeln.
DU warst doch diejenige, Dinge/Erscheinungen, die IN einer Kultur entstehen, für die Kultur überhaupt erst Voraussetzung ist, mit Kultur (an sich) gleichzusetzen.
Du warst doch diejenigen, die die Diskussion überhaupt erst auf "Kulturbegriff" gelenkt hat, musst DU die Fragen nach den Warum der/ein Kulturbegriff diskutiert wird/werden soll, schon selbst beantworten.
Dir wurde von User Sextus Ironicus mehrfach erläutert, dass es einen deskriptiven und einen normativen Kulturbegriff gibt.
Diskutiert wurde eigentlich der deskriptive Kulturbegriff ==> "Was ist Kultur?"
Dir wurde vom selben User mehrfach erläutert, dass DU den Kulturbegriff normativ verwendest und damit einen Sein-Sollen-Fehlschluss begehst.
Auf die Reihe gekriegt, hast du das immer noch nicht.

Tut mir leid, aber du musst dir die Frage, Warum DU den (normativen) Kulturbegriff diskutieren willst (weil du ja ausschließlich diesen benutzt) schon selbst beantworten. Das können andere nicht für dich tun.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 05:53

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 16:18)

Mhm, ich würde das nicht rundum als vor ideologischen Karren spannen bezeichnen. Gruppen sind erst einmal schlicht eine anthropologische Geschichte, oder nicht? Das menschliche Erfolgsmodell basiert ja auf Kooperation (die Tomasello als Ursprung für die Moral setzt). Und im innersten Zirkel braucht man für die hierzu erforderliche Loyalität (mir gefällt dieser Begriff Michael Walzers besser als Moral) wenig ideologiefähige Beschreibung. Je weiter wir uns nach außen bewegen in dieser konzentrischen Anordnung, desto dichter werden die Beschreibungen (nach Walzers Modell), und je dichter die Beschreibungen desto stärker spielen Machtfragen (und damit Ideologiefragen) für die Durchsetzung/Erzwingung von Loyalität eine Rolle. Aber umgekehrt scheint es mir auch so, als würde die Ausmerzung von Gruppenzugehörigkeit aufgrund des Umstands ihrer Abgrenzungsbedürfnisse nicht nur alle Loyalitäten auflösen, sondern auch das größte Kapital zerstören, das erfolgreiche Gesellschaften/Gruppen aufweisen, nämlich das Vertrauen. Was man auch daran ablesen kann, dass Vertreter von sehr universalistischen Modellen eine umfassende Verrechtlichung von gesellschaftlichen Beziehungen anstreben, wobei, wie Rorty vor 25 Jahren schon festgestellt hat mit Blick auf seine Gesellschaft, nur noch Identitätspolitik betrieben wird, aber die sozialen, die ökonomischen Aspekte außen vor bleiben. Was kein Wunder ist angesichts derjenigen, die da zugange sind. Würde man Marx alte Lumpenproletariatsdefinition aufgreifen und modifizieren, müsste man diese Identitätspolitiker dem oberen Lumpenproletariat zuordnen. :D

Was die Ausfüllung individualistischer Positionen mit humanistischen Inhalten angeht, so hab ich mir neulich mal notiert: Einem Gedanken der Aufklärung zufolge ist der Mensch von Natur aus dumm und roh, aber erziehbar. Man braucht, selbst als möglicher Zweifler oder notorischer Pessimist, diese Vorstellung nicht in Bausch und Bogen zu verdammen, sie nicht grundsätzlich als Ammenmärchen abtun. Jedoch ließe sich die rein behavioristische Pointe der Hoffnung präzisieren und wieder auf ihre anthropologische Ebene stellen, indem man »erziehbar« durch »korrumpierbar« ersetzt.

Nach dem Ende des Wohlstands kehrt der Mensch wieder zu seinen Ursprüngen zurück.

Dann wird also entleert werden :D

Alles richtig. Loyalität zu Gruppen, die sich aus den eigenen Lebenszusammenhängen ergeben, sind nicht nur einfach wichtig sondern bilden - eben - den eigentlichen Lebenszusammenhang. Gegen die dichter beschreibbar werdenden, benennbaren, ideologisch aufladbaren Großgruppen-Zugehörigkeiten ("deutsch", "evangelisch", "proletarisch", "bayernmünchen-fan" usw.) besteht aus meiner Sicht eine Pflicht, ein Imperativ sich zu wehren. Nicht mitzumachen. Sich ganz bewusst zu verweigern.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 06:12

Dark Angel hat geschrieben:(18 Nov 2017, 09:37)

Alles was du beschreibst IST Kultur. Ist Bestandteil einer ganz bestimmten Kultur.

Ersteres ist so richtig wie zweiteres unannehmbar, abweisungspflichtig ist.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 06:34

Selina hat geschrieben:Gute Frage. Die kann ich dir aber erst dann beantworten, wenn mir jemand meine Fragen beantwortet, die ich in meinem letzten Beitrag stellte. Also hier nochmal: Ich fragte, warum wird diese Diskussion um den Kulturbegriff überhaupt geführt, was soll sie bringen? Wer braucht sie? Wofür? Wenn mir das jemand überzeugend erklären und beantworten könnte, könnte ich meinerseits auch entscheiden, ob ich weiter mitdiskutiere oder eher nicht.

Dark Angel hat geschrieben:(18 Nov 2017, 21:01)
Auf deine "Warum-Frage" ist falsch!

Nee. Die ist genau richtig, Exakt die richtige Frage zur Analyse der gegenwärtigen politischen Entwicklung. Entgegen aller Annahmen im Modell des Homo Oeconomicus, des persönlichen Nutzensmaximierers läuft die Entwicklung anders. Die letzte Bundestagswahl wie auch die Entwicklung in verschiedenen anderen Ländern rückt genau diese Frage ins Scheinwerferlicht: Warum ist die "Kultur"-Frage derartig dominant gegenüber allen anderen sozuagen normalen aber auch existenziellen sozialen Alltagsfragen wie Einkommen, Steuern, Renten, Straßenbau, Klimapolitik, Kindergartenplätze, Insektensterben, Fußballkorruption, Friedenssicherung usw. usf. Den Kern der gegenwärtigen politischen Weltentwicklung werden wir genau dann erfasst haben, wenn wir diese Frage beantworten können.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am So 19. Nov 2017, 06:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 06:48

krone hat geschrieben:(18 Nov 2017, 14:15)

Das ist z.b. ein Teil unserer westlichen Kultur.

Ein Chor ,ein Saal der "because the night " singt .

Findet man nicht im Islam .
Der Islam ist einfach nur dunkler Irrsinn .
Mag mich damit nicht identifizieren


..at heart, i am a muslim, at heart, i am an american, at heart, i am a muslim, at heart, i am an american artist, and i have no guilt...

Aus Patti Smith: "Rock'n Roll Nigger"

Du hast Patti Smith nicht verstanden. Um das Mindeste zu sagen. Wenn irgendwas "westliche Kultur" ist, dann, nicht "dazugehören" zu wollen.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am So 19. Nov 2017, 07:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 07:16

James T. Kirk hat geschrieben:(18 Nov 2017, 13:11)
Kultur ist nichts anderes als die Identität einer Gesellschaft.

Margaret Thatcher hat geschrieben:They are casting their problems at society. And, you know, there's no such thing as society. There are individual men and women and there are families. And no government can do anything except through people, and people must look after themselves first. It is our duty to look after ourselves and then, also, to look after our neighbours.

Es gibt so ein Ding wie "Gesellschaft" gar nicht, Ist eine Fiktion. Es gibt nur Individuen und ihre unmittelbare soziale Nachbarschaft. Ich bringe dieses eine mitberühmteste Thatcher-Zitat nicht, weil ich die Politik dieser Frau besonders schätze, sondern um zu zeigen, wie weit diese konsequente Ablehnung von Großgruppenzugehörigkeiten auch bei populären, weil gewählten, Persönlichkeiten gehen kann.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon unity in diversity » So 19. Nov 2017, 08:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Nov 2017, 07:16)

Es gibt so ein Ding wie "Gesellschaft" gar nicht, Ist eine Fiktion. Es gibt nur Individuen und ihre unmittelbare soziale Nachbarschaft. Ich bringe dieses eine mitberühmteste Thatcher-Zitat nicht, weil ich die Politik dieser Frau besonders schätze, sondern um zu zeigen, wie weit diese konsequente Ablehnung von Großgruppenzugehörigkeiten auch bei populären, weil gewählten, Persönlichkeiten gehen kann.

Robinson wurde es auf seiner Insel zu langweilig, also mußte Daniel Defoe einen Freitag hinzugesellen, um den Fortgang der Handlung zu gewährleisten.
Ich habe mich gefragt, warum es keine Freitagin sein durfte?
Vielleicht hätten sie dann ihr Paradies und ihre Kinder mit Waffengewalt gegen britische Rettungsschiffe verteidigt?
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Den Falschen und den Unsrigen."
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » So 19. Nov 2017, 10:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Nov 2017, 06:34)

Gegen die dichter beschreibbar werdenden, benennbaren, ideologisch aufladbaren Großgruppen-Zugehörigkeiten ("deutsch", "evangelisch", "proletarisch", "bayernmünchen-fan" usw.) besteht aus meiner Sicht eine Pflicht, ein Imperativ sich zu wehren. Nicht mitzumachen. Sich ganz bewusst zu verweigern.


Eine Rebellion um der Rebellion willen wäre reine Egozentrik. In der Praxis liefe das aus meiner Sicht auf drei Modelle hinaus. Entweder es besteht noch eine übergreifende staatliche Gewalt, dann liegt das Vorbild für diese Art Dauerrebellion in der chinesischen Kulturrevolution (der "Verderber der Jugend" argumentiert wohl in diese Richtung), oder diese übergreifende Macht besteht nicht mehr, dann käme es wohl zu einer Art Retribalisierung und es gälte wieder das Recht des Stärkeren. Das dritte Modell (das Ideal der Vertreter von identity politics) wäre eine reine Nomokratie, in der jeder Aspekt (zwischen)menschlicher Beziehungen rechtlich gelöst ist, das aber nur funktioniert, wenn breiter Wohlstand herrscht.

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Nov 2017, 06:34)
Entgegen aller Annahmen im Modell des Homo Oeconomicus, des persönlichen Nutzensmaximierers läuft die Entwicklung anders. Die letzte Bundestagswahl wie auch die Entwicklung in verschiedenen anderen Ländern rückt genau diese Frage ins Scheinwerferlicht: Warum ist die "Kultur"-Frage derartig dominant gegenüber allen anderen sozuagen normalen aber auch existenziellen sozialen Alltagsfragen wie Einkommen, Steuern, Renten, Straßenbau, Klimapolitik, Kindergartenplätze, Insektensterben, Fußballkorruption, Friedenssicherung usw. usf. Den Kern der gegenwärtigen politischen Weltentwicklung werden wir genau dann erfasst haben, wenn wir diese Frage beantworten können.


Da es nur noch temporäre, interessengeleitete politische oder subpolitische, ständig sich umformierenden Gruppen gibt, ist Kultur derzeit noch das letzte Phänomen, das sich der totalen Entgrenzung und den rein interessengeleiten temporären Zweckidentitäten entzieht. Gerade dein Modell des Imperativs der Verweigerung führt das ja auch vor Augen - weil das so ist, ist häufig schon keine breite Basis mehr vorhanden, die sich solidarisch mit den Punkten beschäftigen könnte, die du aufgezählt hast. Völlig frei schwenbende Individuen werden alle Fragen im Sinne ihrer vollkommenen Freiheit von allen Bindungen lösen. Also interessenorientiert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » So 19. Nov 2017, 12:10

Mich interessiert eher die Frage, welche Gefahren diese "Gruppenidentitäten" und "Gruppenzugehörigkeiten" in sich bergen. Und es deshalb nur gut sein kann, sich dem konsequent zu entziehen. In solchen "kulturellen Zusammenschlüssen" gibt es meines Erachtens ein immenses Potenzial der Verführbarkeit und Manipulation des Einzelnen. Die krassesten aktuellen Beispiele findet man bei solchen Gruppen wie Pegida. Nur mal als Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich meine. In der grauen, relativ anonymen Masse fühlen sich die ansonsten relativ unbedeutenden Kaffeehaus-Rebellen stark. Man denke nur an das begeisterte Klatschen und Mitbrüllen, wenn es um die Verachtung für das so genannte Establishment geht. Siehe der berühmt-berüchtigte Vorfall zum Tag der Einheit 2016 in Dresden, wo Merkel und andere deutsche und internationale Politiker Spießruten laufen mussten. Peinliche Geschichte auch für die Außenwirkung. Da werden Kräfte freigesetzt im negativen Sinne, da gebärden sich ganz durchschnittliche Bäckersfrauen und Taxifahrer wie Wilde. Sie reißen ihre Münder zu unschönen Grimassen auf, stoßen üble Beschimpfungen aus, pöbeln unflätig, setzen den ganzen Körper ein, um ihren Widerwillen zu zeigen. Diese animalischen Kräfte, die da wirken, kann man auch bei anderen Ereignissen, etwa bei bestimmten Fußball-Begegnungen, beobachten. Da verliert der Einzelne sein Gesicht, geht auf in einer pulsierenden, wutschäumenden, aufgestachelten Masse. Die Gemeinschafts-Glücksgefühle sorgen dann dafür, dass sich diese Leute immer wieder solchen Gruppen-Zusammengehörigkeits-Erlebnissen aussetzen. In Ermangelung anderer Möglichkeiten, Endorphine freizusetzen. Ein unheimlicher beängstigender Kreislauf.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » So 19. Nov 2017, 12:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Nov 2017, 06:34)

Nee. Die ist genau richtig, Exakt die richtige Frage zur Analyse der gegenwärtigen politischen Entwicklung. Entgegen aller Annahmen im Modell des Homo Oeconomicus, des persönlichen Nutzensmaximierers läuft die Entwicklung anders. Die letzte Bundestagswahl wie auch die Entwicklung in verschiedenen anderen Ländern rückt genau diese Frage ins Scheinwerferlicht: Warum ist die "Kultur"-Frage derartig dominant gegenüber allen anderen sozuagen normalen aber auch existenziellen sozialen Alltagsfragen wie Einkommen, Steuern, Renten, Straßenbau, Klimapolitik, Kindergartenplätze, Insektensterben, Fußballkorruption, Friedenssicherung usw. usf. Den Kern der gegenwärtigen politischen Weltentwicklung werden wir genau dann erfasst haben, wenn wir diese Frage beantworten können.

"Warum-Fragen" sind unsinnige Fragen - sollte dir klar sein.
Auf "Warum-Fragen" gibt es keine erschöpfende Antwort, weil jede Antwort auf eine "Warum-Frage" eine neue Frage nach dem "Warum" generiert und letztendlich ins Münchhausen-Trilemma führt.

Deine extrem eingeengte (vor allem falsche) Sicht auf Kultur, zeigt übrigens, wie sinnlos "Warum-Fragen" sind.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » So 19. Nov 2017, 12:41

Selina hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:10)

Mich interessiert eher die Frage, welche Gefahren diese "Gruppenidentitäten" und "Gruppenzugehörigkeiten" in sich bergen. Und es deshalb nur gut sein kann, sich dem konsequent zu entziehen.

Im Grunde gar keine Gefahr, wenn man Gruppenidentität/Gruppenzugehörigkeit wertneutral betrachtet und nicht zwanghaft politisch bzw ideologisch auflädt.
Als Mitglied eines Chores, einer Theatergruppe oder irgendeines Vereines fühlst man sich dieser Gruppe zugehörig und schon ist da Gruppenzugehörigkeit. Mit der Anerkennung der Statuten des Vereines, den Regeln die im Chor oder der Theatergruppe gelten identifziert man sich mit dieser Gruppe.
Der Begriff "Gruppe" bezeichnt nicht mehr und nicht weniger als eine - nicht näher definierte - Anzahl von Menschen, die über einen längeren Zeitraum in engerem Kontakt stehen und gemeinsame Ziele verfolgen.
Ausnahmslos jeder Mensch gehört dauerhaft oder temporär einer bestimmten sozialen Gruppe an, fühlt sich dieser Gruppe zugehörig und identifiziert sich mit ihr.

Den Rest, den du geschrieben hast, kann man in die Tonne treten, weil du (wieder mal) deskriptiv mit normativ verschwurbelst und Wertungen vornimmst.
Auch hier wieder das (schlechte) Argument des Berufens auf Folgen:

"Beim Berufen auf die Folgen argumentiert man für oder gegen die Gültigkeit einer Aussage, indem man sich auf die Folgen das Akzeptierens oder Ablehnens derselben beruft. Nur weil eine Aussage zu einem ungünstigen Ergebnis führt, bedeutet dies aber nicht, dass sie falsch ist"

Für dich sind Gruppenidentität/Gruppenzugehörigkeit per se nur aus dem Grund schlecht, weil es Gruppen gibt, deren Handlungen negative Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben haben könnten.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Sextus Ironicus » So 19. Nov 2017, 12:45

Selina hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:10)

Mich interessiert eher die Frage, welche Gefahren diese "Gruppenidentitäten" und "Gruppenzugehörigkeiten" in sich bergen. Und es deshalb nur gut sein kann, sich dem konsequent zu entziehen. In solchen "kulturellen Zusammenschlüssen" gibt es meines Erachtens ein immenses Potenzial der Verführbarkeit und Manipulation des Einzelnen. Die krassesten aktuellen Beispiele findet man bei solchen Gruppen wie Pegida. Nur mal als Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich meine. In der grauen, relativ anonymen Masse fühlen sich die ansonsten relativ unbedeutenden Kaffeehaus-Rebellen stark. Man denke nur an das begeisterte Klatschen und Mitbrüllen, wenn es um die Verachtung für das so genannte Establishment geht. Siehe der berühmt-berüchtigte Vorfall zum Tag der Einheit 2016 in Dresden, wo Merkel und andere deutsche und internationale Politiker Spießruten laufen mussten. Peinliche Geschichte auch für die Außenwirkung. Da werden Kräfte freigesetzt im negativen Sinne, da gebärden sich ganz durchschnittliche Bäckersfrauen und Taxifahrer wie Wilde. Sie reißen ihre Münder zu unschönen Grimassen auf, stoßen üble Beschimpfungen aus, pöbeln unflätig, setzen den ganzen Körper ein, um ihren Widerwillen zu zeigen. Diese animalischen Kräfte, die da wirken, kann man auch bei anderen Ereignissen, etwa bei bestimmten Fußball-Begegnungen, beobachten. Da verliert der Einzelne sein Gesicht, geht auf in einer pulsierenden, wutschäumenden, aufgestachelten Masse. Die Gemeinschafts-Glücksgefühle sorgen dann dafür, dass sich diese Leute immer wieder solchen Gruppen-Zusammengehörigkeits-Erlebnissen aussetzen. In Ermangelung anderer Möglichkeiten, Endorphine freizusetzen. Ein unheimlicher beängstigender Kreislauf.


Am besten gefällt mir "durchschnittliche Bäckersfrau und Taxifahrer", als exemplarische Gruppenvertreter für die Animalischen.

Meine erste (versehentliche) öffentliche Politveranstaltung war ein Auftritt von Franz-Josef Strauß auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt. Das sah man auch im Fernsehen, da standen ganz durchschnittliche Studenten und führten ihr ganzes Schaumvokabular vor. Ähnliche Erfahrungen hatte übrigens auch Helmut Kohl einmal in Erfurt gemacht, allerdings noch zu einer Zeit, in der das wechselweise sich erzeugende und stützende Empörungsspiel der medialen Blödmaschinerie noch nicht so allumfassend funktionierte.

Ob Hooligans oder Politrandalierer: Menschliche Verhaltensweisen sind, was sie sind, ebenso wie die Möglichkeiten, daran zu arbeiten. Aber die Abschaffung von Gruppen hebt die den gruppengeschuldeten Negationen zugrunde liegenden Aggressionen nicht auf. Sie leitet sie um. Die totale Negation der Negation, so meine Meinung, führt in die Totalitäre. Am Ende der Auflösung aller auch symbolischen Vermittlungen steht aus meiner Sicht nicht die Aufhebung von anthropologischen Konstanten, sondern andere Formen der Gewalt (siehe meine Antwort weiter oben). Negation ist für mich persönlich aufs Ganze betrachtet eine Art Nullsummenspiel. Auch wenn manche Heilsgeschicht des postmodernen Zeitalters anderes verheißt.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » So 19. Nov 2017, 12:53

Dark Angel hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:24)

"Warum-Fragen" sind unsinnige Fragen - sollte dir klar sein.


Nein, sind sie natürlich nicht. Warum-Fragen sind Fragen nach den Motiven für etwas. So wie bei der schreibenden Zunft die sechs oder sieben W-Fragen unerlässlich sind für eine gute Hintergrundrecherche, sind sie das auch in jeder Internet-Diskussion. Warum über Kultur gerade intensiver und vorrangig gestritten wird (oder werden soll) als zum Beispiel über solche existenziellen Fragen wie Armut oder Klimawandel und dergleichen mehr ist schon spannend. Nicht nur die Frage, was wird diskutiert, ist wichtig fürs Verständnis, sondern auch die nach dem Warum. Die Motive von einigen Leuten, immer und immer wieder die Kulturfrage zu stellen, sind schon interessant. Und meine eigenen Antworten darauf habe ich natürlich. Mich interessieren aber gerade die der anderen.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » So 19. Nov 2017, 13:09

Sextus Ironicus hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:45)

Am besten gefällt mir "durchschnittliche Bäckersfrau und Taxifahrer", als exemplarische Gruppenvertreter für die Animalischen.

Meine erste (versehentliche) öffentliche Politveranstaltung war ein Auftritt von Franz-Josef Strauß auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt. Das sah man auch im Fernsehen, da standen ganz durchschnittliche Studenten und führten ihr ganzes Schaumvokabular vor. Ähnliche Erfahrungen hatte übrigens auch Helmut Kohl einmal in Erfurt gemacht, allerdings noch zu einer Zeit, in der das wechselweise sich erzeugende und stützende Empörungsspiel der medialen Blödmaschinerie noch nicht so allumfassend funktionierte.

Ob Hooligans oder Politrandalierer: Menschliche Verhaltensweisen sind, was sie sind, ebenso wie die Möglichkeiten, daran zu arbeiten. Aber die Abschaffung von Gruppen hebt die den gruppengeschuldeten Negationen zugrunde liegenden Aggressionen nicht auf. Sie leitet sie um. Die totale Negation der Negation, so meine Meinung, führt in die Totalitäre. Am Ende der Auflösung aller auch symbolischen Vermittlungen steht aus meiner Sicht nicht die Aufhebung von anthropologischen Konstanten, sondern andere Formen der Gewalt (siehe meine Antwort weiter oben). Negation ist für mich persönlich aufs Ganze betrachtet eine Art Nullsummenspiel. Auch wenn manche Heilsgeschicht des postmodernen Zeitalters anderes verheißt.


Niemand redet von "Abschaffung von Gruppen" oder gar von Chören (wie von Dark Angel erwähnt) und Klöppelzirkeln oder dergleichen mehr. Es geht nicht um Abschaffung. Es geht darum, auf Gefahren größerer Zusammenschlüsse (Verführbarkeit, Manipulation) aufmerksam zu machen. Ich weiß nicht, ob du das preisgekrönte amerikanische Filmmusical "Cabaret" von 1972 kennst. Da gibt es eine Szene in einem Biergarten, wo sehr deutlich wird, was ich meine. Vielleicht finde ich sie auf Youtube.
Zuletzt geändert von Selina am So 19. Nov 2017, 13:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » So 19. Nov 2017, 13:10

Selina hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:53)

Nein, sind sie natürlich nicht. Warum-Fragen sind Fragen nach den Motiven für etwas. So wie bei der schreibenden Zunft die sechs oder sieben W-Fragen unerlässlich sind für eine gute Hintergrundrecherche, sind sie das auch in jeder Internet-Diskussion. Warum über Kultur gerade intensiver und vorrangig gestritten wird (oder werden soll) als zum Beispiel über solche existenziellen Fragen wie Armut oder Klimawandel und dergleichen mehr ist schon spannend. Nicht nur die Frage, was wird diskutiert, ist wichtig fürs Verständnis, sondern auch die nach dem Warum. Die Motive von einigen Leuten, immer und immer wieder die Kulturfrage zu stellen, sind schon interessant. Und meine eigenen Antworten darauf habe ich natürlich. Mich interessieren aber gerade die der anderen.

Antworten auf "Warum-Fragen" fühen immer zu neuen "Warum-Fragen" - unendlich und damit zum infiten Regress.
In deinem Fall führt die Antwort auf die Frage "nach dem Motiv" zur "Frage nach dem Motiv für das Motiv" und das unendlich - endet im infiniten Regress. Und zwar deshalb, weil es keine Letztbegündung gibt.
Andere Möglichkeit: Die "warum-Fragerei" endet im logischen Zirkel, mit einem Zirkelschluss oder
dritte Möglichkeit: Die Frage nach dem "Warum" wird an irgend einer Stelle ohne erschöpfende Antwort abgebrochen und nicht weiter hinterfragt. ==> Dogma
Das ganze nennt sich Münchhausen-Trilemma und aus genau diesem Grund sind Fragen nach den "Warum" sinnlos - sie führen zu keiner abschließend gültigen Antwort.
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » So 19. Nov 2017, 13:15

Du eierst herum, Engelchen. Beantworte doch einfach mal meine Frage: Warum interessiert dich die Diskussion über Kultur so besonders? Warum wird diese Diskussion überhaupt geführt? Eigentlich ganz einfach zu verstehen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Dark Angel » So 19. Nov 2017, 13:36

Selina hat geschrieben:(19 Nov 2017, 13:15)

Du eierst herum, Engelchen. Beantworte doch einfach mal meine Frage: Warum interessiert dich die Diskussion über Kultur so besonders? Warum wird diese Diskussion überhaupt geführt? Eigentlich ganz einfach zu verstehen.

Ich eiere gar nicht herum, ich habe dir lediglich erläutert, dass "Warum-Fragen" sinnlose Fragen sind, weil sie im Münchhausen-Trilemma enden.
Deine Frage kann ich NICHT benatworten, eben WEIL die Antwort, eine neue "Warum-Frage" nach sich zieht!
Ich könnte antworten, "weil mich die Begriffststutzigkeit einiger User hier im Forum nervt, die den Unterschied zwischen "dekriptiv" und "normativ" nicht auf die Reihe kriegen und sich aller nur möglichen schlechten Argumente bedienen.

Diese Antwort zieht aber die nächste Frage nach dem "warum" nach sich - nämlich "warum nervt dich diese Begriffsstutzigkeit?"
Antwort: "irgendwann muss man sich doch mal inhaltlich mit den Antworten auseinander setzen und reflektieren, wo der (eigene) Fehler liegt.

Führt zur nächsten Frage: "Warum sollte man das tun?" usw usf
Merkste was?

Und genau aus diesem Grund sind Fragen nach dem "Warum" sinnlos.
Hinzu kommt, dass du deine "Warum-Frage" an jedes einzelen Mitglied der jeweiligen Gruppe richten müsstest, um etwas über das jeweilige Motiv zu erfahren, ansonsten bist du ganz schnell beim schlechten Argument der "vorschnellen Verallgemeinerung".

Wenn du fragst: "WIE konnte es dazu kommen, dass sich Gruppen wie Pegida bilden und an Einfluss gewinnen, WIE konnte zur Gründung eine Partei wie der AfD kommen und WIE konnte sie so viel Einfluss erlangen?"
Dann und nur dann, wirst du eine hinreichend genaue Antwort/Erklärung bekommen, aber nicht mit der Frage nach dem "Warum".
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Selina
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon Selina » So 19. Nov 2017, 14:26

Dark Angel hat geschrieben:(19 Nov 2017, 13:36)

Ich eiere gar nicht herum, ich habe dir lediglich erläutert, dass "Warum-Fragen" sinnlose Fragen sind, weil sie im Münchhausen-Trilemma enden.
Deine Frage kann ich NICHT benatworten, eben WEIL die Antwort, eine neue "Warum-Frage" nach sich zieht!
Ich könnte antworten, "weil mich die Begriffststutzigkeit einiger User hier im Forum nervt, die den Unterschied zwischen "dekriptiv" und "normativ" nicht auf die Reihe kriegen und sich aller nur möglichen schlechten Argumente bedienen.

Diese Antwort zieht aber die nächste Frage nach dem "warum" nach sich - nämlich "warum nervt dich diese Begriffsstutzigkeit?"
Antwort: "irgendwann muss man sich doch mal inhaltlich mit den Antworten auseinander setzen und reflektieren, wo der (eigene) Fehler liegt.

Führt zur nächsten Frage: "Warum sollte man das tun?" usw usf
Merkste was?

Und genau aus diesem Grund sind Fragen nach dem "Warum" sinnlos.
Hinzu kommt, dass du deine "Warum-Frage" an jedes einzelen Mitglied der jeweiligen Gruppe richten müsstest, um etwas über das jeweilige Motiv zu erfahren, ansonsten bist du ganz schnell beim schlechten Argument der "vorschnellen Verallgemeinerung".

Wenn du fragst: "WIE konnte es dazu kommen, dass sich Gruppen wie Pegida bilden und an Einfluss gewinnen, WIE konnte zur Gründung eine Partei wie der AfD kommen und WIE konnte sie so viel Einfluss erlangen?"
Dann und nur dann, wirst du eine hinreichend genaue Antwort/Erklärung bekommen, aber nicht mit der Frage nach dem "Warum".


Ja, man kann fragen, wie konnte sich die und die Gruppierung bilden. Und man kann fragen, warum, weshalb konnte sie sich bilden. Ob wie oder warum, ist hier Haarspalterei. Was ich mit meiner Warum-Frage meinte, hat selbstverständlich nix mit den typischen Klein-Kinder-Warum-Fragen zu tun, wo auf eine Warum-Frage nach der Beantwortung immer sofort die nächste folgt. Da hast du was gründlich missverstanden. Ich meine mit dem Warum immer das Motiv, warum jemand gerade etwas Bestimmtes thematisiert und nichts anderes. Ich biete mal ein mögliches Motiv für die verstärkte Zuwendung zur Kulturfrage an: Da geht es einigen Leuten zum Beispiel um "die kulturelle Reinhaltung der Gesellschaft" von "fremden" Einflüssen. Daher müsse man, sagen sie, unbedingt gegen einen „kulturellen Einheitsbrei“ vorgehen. Jedes Volk habe eine eigene "verbindende" Kultur, die es zu bewahren und zu schützen gelte, heißt es in diesen Kreisen. Nur mal so als Angebot eines ganz bestimmten Motivs. Na, kommt dir das bekannt vor?
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Re: Was ist eigentlich "Kultur"?

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Nov 2017, 18:02

Dark Angel hat geschrieben:(19 Nov 2017, 12:24)

"Warum-Fragen" sind unsinnige Fragen - sollte dir klar sein.
Auf "Warum-Fragen" gibt es keine erschöpfende Antwort, weil jede Antwort auf eine "Warum-Frage" eine neue Frage nach dem "Warum" generiert und letztendlich ins Münchhausen-Trilemma führt.

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