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Epigenetik

Verfasst: Fr 22. Sep 2017, 09:58
von schokoschendrezki
Gleich zweimal eine knappe Stunde "Hörsaal" auf Deutschlandfunk Nova zum Thema "Epigenetik" am 9. und 10. September

Wer den aktuellen Stand dieses höchst interessanten Forschungsgebiets erfahren will: https://www.deutschlandfunknova.de/hoersaal dringend empfohlen.

Es sind neben Fachleuten auch Wissenschaftsjournalisten dabei. Die einem den Fachkauderwelsch ("DNA-Methylierung", "Mikro-RNS" usw.) wenigstens einigermaßen verständlich machen.

Eine der faszinierendsten und interessentesten Aspekte für mich: Transgenerationelle Übertragungen unabhängig von direkten Gen-Veränderungen. Wird aber auch gleichzeitig als Beispiel dafür angeführt, dass die Epigenetik tatsächlich noch völlig am Anfang steht, und es erheblich mehr Fragen als Antworten gibt.

Es kommen unter anderem auch wissenschaftspolitische Dinge zur Sprache. Zum Beispiel die (aus Sicht der Epigenetiker) unverhältmismäßige Förderung der klassischen Genetik gegenüber der Epigenetik. Aber auch umgekehrt die Rolle neuer Wissenschaftsmedien (wie Open Access) bei der Verbreitung offensichtlichen Unsinns, die gerade beim Thema Epigenetik kritisch zu sehen ist. Nach dem Motto: Essen Sie Mikro-RNA und senken Sie damit das Krebsrisiko.

Ganz grundsätzlich und sozusagen systemisch und unabhängig von konkreter Molekularbiologie (die ich ohnehin nicht verstehe) begreife ich den Epigenetik-Ansatz so, dass es neben der "Statik" (den Genen) eben auch eine "Dynamik" (Epigenetik) gibt. Dass ein Lebewesen (egal ob Pflanze, Tier oder Mensch) nicht etwas einfach genetisch gegebenes ist sondern sich auch weiter und auch grundlegend und immer verändert. Also mal etwas übertrieben formuliert: Die klassische Genetik behauptet: Musik sei die Gesamtheit aller Musikinstrumente. Dass es Komponisten und Musiker gibt. Dass Musik erdacht, gespielt, gehört werde sei zwar richtig und nicht zu bestreiten. Trage aber zum Verständnis des Phänomens "Musik" nix Wesentliches bei. Kann man das in etwa so sehen?

Re: Epigenetik

Verfasst: Fr 22. Sep 2017, 10:54
von ThorsHamar
schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2017, 10:58)

... Also mal etwas übertrieben formuliert: Die klassische Genetik behauptet: Musik sei die Gesamtheit aller Musikinstrumente. Dass es Komponisten und Musiker gibt. Dass Musik erdacht, gespielt, gehört werde sei zwar richtig und nicht zu bestreiten. Trage aber zum Verständnis des Phänomens "Musik" nix Wesentliches bei. Kann man das in etwa so sehen?


Ich meine, ja.
Epigenetik wird insgesamt bislang etwas stiefmütterlich behandelt, denn wenn es wissenschaftlich bestätigtes Allgemeingut wird, dass ( etwas grob formuliert) Sozialisation vererbt werden kann, stellt das doch einen gewaltigen Umbruch in der sozio-politischen Weltsicht dar ....
Es heisst dann auch: Kultur ist praktisch vererbar, nämlich, weil epigenetische Veränderungen durch Lebensumstände vererbungstechnisch viel relevanter sind als genetische Mutationen.

Re: Epigenetik

Verfasst: Fr 22. Sep 2017, 11:08
von Provokateur
Der Unterschied ist ja der....Genetik sagt "Gen1 macht das, Gen2 macht jenes."

Epigenetik sagt, wann oder warum die Gene dies oder jenes machen.

Re: Epigenetik

Verfasst: Fr 22. Sep 2017, 11:19
von ThorsHamar
Provokateur hat geschrieben:(22 Sep 2017, 12:08)

Der Unterschied ist ja der....Genetik sagt "Gen1 macht das, Gen2 macht jenes."

Epigenetik sagt, wann oder warum die Gene dies oder jenes machen.


Ja, kann man so sagen. Mit gravierenden Auswirkungen auf sozio-kulturelle Narrative ...

Re: Epigenetik

Verfasst: Fr 6. Okt 2017, 14:27
von Cat with a whip
schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2017, 10:58)

Eine der faszinierendsten und interessentesten Aspekte für mich: Transgenerationelle Übertragungen unabhängig von direkten Gen-Veränderungen. Wird aber auch gleichzeitig als Beispiel dafür angeführt, dass die Epigenetik tatsächlich noch völlig am Anfang steht, und es erheblich mehr Fragen als Antworten gibt.



Oder eineiige Zwillinge mit gleichem Genom unterschiedliche Anfälligkeit für allerlei Krankheiten haben. Und das obwohl sie zusätzlich identischer Umgebung und Bedingungen während ihrer Reifung ausgesetzt waren.