germanische, ungarische und türkische runen

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watisdatdenn?
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germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon watisdatdenn? » Sa 18. Feb 2017, 23:38

Hier mal ein spezielleres Thema über interessante kulturelle Ähnlichkeiten die man so nicht vermuten würde.

die schrift der germanen vor der lateinischen war das futhark. -> runen
das jüngere futhark (auch germanische runen) hat sich in skandinavien als schrift bis ins späte mittelalter gehalten.
es gab auch interessante sprachveränderungen bei dem übergang von der rune "ᚦ" (=th) in das "y". so wurde z.B. im englischen aus dem altenglischen "ᚦou" (sprich: "thou"), das heutige "you".

hier ein interessantes video dazu:


soweit so gut.. alte germanen, eigene schrift (die sogar heute teilweise noch besser zur deutschen sprache passt. es gibt z.B. auch eine eigene rune für "ei" = ᛇ was häufig im deutschen vorkommt).

interessant ist jetzt, dass die türken auch eine runenschrift hatten, das "Alttürkische". und hier lassen sich schon parallelen mit den germanischen runen finden.
z.B. germanisch "ei" = ᛇ und türkisch "A" = ᛇ
oder germanisch "l" = ᛚ und türkisch "I" = ᛚ
oder germanisch "o" = ᛟ und türkisch "b" = ᛟ (findet man bisweilen noch auf den schultern von offizieren)
oder germanisch "z" = ᛉ und türkisch "itsch" = ᛉ
oder germanisch "s" = ᛊ und türkisch "ntsch" = ᛊ (allerdings gedreht)

es gibt noch einige weitere beispiele, aber kann ja jeder selber vergleichen.

ganz ähnliche symbole gibt es auch bei den "ungarischen runen" die in ungarn im mittelalter genutzt wurden.
auch merkwürdige parallelen zur lydischen schrift sind leicht zu erkennen. ich weiß noch wie es mich im museum in ankara gerissen hat, als ich da originale lydische "runen" gesehen habe.. da springt die ähnlichkeit schon sehr ins auge.

jetzt ein paar fragen und offen zur diskussion:
erkenne ich hier zusammenhänge, wo es gar keine gibt?
gibt es gemeinsame wurzeln dieser "runenschriften"? hatten diese kulturen (lyder, türken, ungarn, germanen, usw..) einen kulturellen austausch auch über schriftsysteme von denen wir heute nichts mehr wissen (ich mein, es war ja auch kein meer zwischen den völkern)?

jetzt eine sehr gewagte these: kommen einzelne runen noch aus den vinca-zeichen, welche vor über 5000 jahren gezeichnet wurden?
bei diesem bild von vinca-zeichen kommt mir das dritte zeichen links oben dann doch z.B. sehr bekannt vor.. ᛉ ist ein symbol, das es in allen vorhin genannten "runenschriften" auch gibt.. aber nicht z.B. im griechischen oder lateinischen alphabet. oder das symbol ganz rechts unten, das mich stark an das germanische "d" = ᛞ (nur gedreht) erinnert.


ich weiß es ist ein nerdiges thema und ich bin auch absoluter laie auf dem gebiet (das interesse hängt mit meinem heidnischen interesse zusammen) aber ich finde die fragen und anscheinenden paralellen spannend. kann mir aber bisher keinen reim darauf machen.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon immernoch_ratlos » So 19. Feb 2017, 17:42

Interessante Zusammenhänge :thumbup:

Korrekt "oder germanisch "o" = ᛟ und türkisch "b" = ᛟ (findet sich seit Gründung der dt. Bundeswehr auf den beiden Schulterklappen des "Hauptfeldwebels" - "Hauptbootsmann"( auf beiden Unterärmeln) einem Mitglied der Unteroffiziere mit Portepee bzw. "Oberfähnrich" einem Mitglied der Offiziersanwärter.

Ab "Hauptfeldwebel" ist auch der "Stabsfeldwebel" und der "Oberstabsfeldwebel" mit dieser "Rune" ausgestattet....

Zu den "Offizieren" gehören sie sicher nicht - auch im englischen mit "NCO" = "non-commissioned officer" der "Hauptfeldwebel" ist ein "senior non-commissioned officer" (Sergeant - Sgt) (staff sergeant, first sergeant and sergeant major)

In der türkischen Armee (Askeri) ein "Astsubay Kıdemli Üstçavuş (Staff Sergeant)" allerdings ohne Runen - nur "Germanen" im Rang eines Hauptfeldwebels (und darüber) werden so erkenntlich

Hier noch ein ein kleiner Werbefilm "Feldwebel bei der Bundeswehr" :?
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Jekyll
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Jekyll » So 19. Feb 2017, 19:19

"4000 Jahre alte Funde westlicher Stämme werfen ein neues Licht auf die Anfänge der chinesischen Kultur"
Der amerikanische Archäologe Victor Mair ist fest von der europäischen Herkunft der Wüsten-Mumien überzeugt. Nach seinen Untersuchungen entsprechen ihre Textilien frühen Funden in Österreich, Skandinavien und Deutschland. Erste genetische Tests weisen den Bestatteten mehr europide als asiatische Merkmale zu.
[...]
Der Heidelberger Sibirienforscher Karl Jettmar meint, dass nomadische Rinderzüchter aus dem Kaukasus in lang anhaltenden Wanderungen über Mesopotamien in den Nordwesten des heutigen China einfielen. Er behauptet: "Die Geschichte Zentralasiens wurde offenbar vorübergehend durch Zuwanderungen aus dem Westen bestimmt."

Beide Forscher sehen diese frühen Einwanderer als die Ahnen eines mächtigen Stammesverbandes, der im Tarimbecken südlich der Gobi dauerhaft siedelte. Diese "Tocharer", in den chinesischen Annalen als "Yuezhi" bekannt, sprachen ein indoeuropäisches Idiom mit Anklängen an das Keltische, Germanische und Italienische. Sie wanderten später nach Baktrien und Nordwestindien aus. Dort gründeten sie ein machtvolles Königreich, von dem wiederum die klassischen antiken Autoren zu berichten wussten und dessen Gebiet noch im Mittelalter Tocharistan hieß.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/4000-jahre-alte-funde-westlicher-staemme-werfen-ein-neues-licht-auf-die-anfaenge-der-chinesischen-kultur/110292.html

Vielleicht hat es da eine Einflussnahme gegeben auf Schrift und Kultur, die diese gemutmaßten Ähnlichkeiten erklären könnte.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Alexyessin » So 19. Feb 2017, 19:28

Jekyll hat geschrieben:(19 Feb 2017, 19:19)

"4000 Jahre alte Funde westlicher Stämme werfen ein neues Licht auf die Anfänge der chinesischen Kultur"
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/4000-jahre-alte-funde-westlicher-staemme-werfen-ein-neues-licht-auf-die-anfaenge-der-chinesischen-kultur/110292.html

Vielleicht hat es da eine Einflussnahme gegeben auf Schrift und Kultur, die diese gemutmaßten Ähnlichkeiten erklären könnte.


Da fehlen aber bei den Tocharern die Runen.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon watisdatdenn? » Di 21. Feb 2017, 06:59

Alexyessin hat geschrieben:(19 Feb 2017, 19:28)
Da fehlen aber bei den Tocharern die Runen.

stimmt die haben eine indische schrift..
hier ein interessantes gespräch zur vinca-kultur / Donauzivilisation (teilweise etwas seltsam, doch alles in allem schon interessant)


hm.. ich glaub ich muss da nen extra thread zur donauzivilisation machen.. die ist wirklich hochspannend!
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Alexyessin » Di 21. Feb 2017, 07:56

watisdatdenn? hat geschrieben:(21 Feb 2017, 06:59)

stimmt die haben eine indische schrift..
hier ein interessantes gespräch zur vinca-kultur / Donauzivilisation (teilweise etwas seltsam, doch alles in allem schon interessant)


hm.. ich glaub ich muss da nen extra thread zur donauzivilisation machen.. die ist wirklich hochspannend!


Da ist dann auch Dark Angel gefragt. Ich kann mich an sehr gute, kontroverse Debatten bezüglich der Donau-Zivilisation und gerade Herrn Haarmann erinnern. :)
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon watisdatdenn? » Di 21. Feb 2017, 08:06

Alexyessin hat geschrieben:(21 Feb 2017, 07:56)
Da ist dann auch Dark Angel gefragt. Ich kann mich an sehr gute, kontroverse Debatten bezüglich der Donau-Zivilisation und gerade Herrn Haarmann erinnern. :)

Gibt es da schon einen Thread dazu?
Die Ideen von Herrn haarmann scheinen recht umstritten zu sein.

Ich sehe du hast schon einen Thread dazu
viewtopic.php?f=75&t=47981&p=2786591&hilit=donauzivilisation#p2783527

Hier ist wohl die Diskussion die du meintest
http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f ... vilisation
Muss ich mal in ruhe durchlesen
Zuletzt geändert von watisdatdenn? am Mi 22. Feb 2017, 06:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Alexyessin » Di 21. Feb 2017, 08:23

watisdatdenn? hat geschrieben:(21 Feb 2017, 08:06)

Gibt es da schon einen Thread dazu?
Die Ideen von Herrn haarmann scheinen recht umstritten zu sein.

Ich sehe du hast schon einen Thread dazu
viewtopic.php?f=75&t=47981&p=2786591&hilit=donauzivilisation#p2783527

Hier ist wohl die Diskussion die du meintest
viewtopic.php?f=75&t=47981&p=2786591&hilit=donauzivilisation#p2783527
Muss ich mal in ruhe durchlesen


Ja, aber da gabs noch was. Musst mal unter Talyessin schauen, ich kann mich an eine sehr lebhafte Diskussion bezüglich der Schrift erinnern.
Haarmann ist soweit umstritten, das er zwar sprachwissenschaftlich eine Koryphäe ist, aber soweit ich das noch im Kopf habe, archäologische Erkenntnisse, die seinen Theorien widersprechen, außer acht läßt.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Feb 2017, 10:22

Die Donauzivilisation-Thesen von Harald Haarmann werden in der Forschung weitgehend ignoriert. Die wenigen wissenschaftlichen Rezensionen seines Buches kritisieren einseitige Interpretationen, Vorspiegelung einer gesicherten Quellenlage, ein übertrieben positives Bild der Donauzivilisation, die Einordnung als angeblich „älteste Hochkultur Europas“, falsche Voraussetzungen für seine Schlüsse bezüglich der Besiedlungsgeschichte, falsche Behauptungen über das angeblich verbreitete Matriarchat und eine nicht richtig postulierte frühe Schriftlichkeit („Donauschrift“), sowie oft an der Datenlage vorbeigehende Ausführungen. Von einer „Donauzivilisation“ spricht man in der Forschung nicht. Es gab damals in dieser Region zwar miteinander verbundene Gemeinschaften, aber keine politisch geeinte Hochkultur.


Ich kann dazu mit Bezug auf Ungarn nur sagen, dass es seit vielen Jahrzehnten immer wieder rein kulturpolitisch-ideologisch motivierte Versuche gab, die offizielle Variante der Einordnung der ungarischen Sprache in die finno-ugrische Sprachfamilie zu leugnen. Die Ungarn sollten möglichst nicht von "irgendwo aus dem Ural" kommen sondern in irgendeiner Weise zum Völkerkreis der antiken Hochkulturen zählen. Diese kulturalistische Herangehensweise ist aus meiner Sicht völlig offensichtlich und völlig offensichtlich falsch oder verfälschend.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Alexyessin » Di 21. Feb 2017, 10:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 10:22)

Ich kann dazu mit Bezug auf Ungarn nur sagen, dass es seit vielen Jahrzehnten immer wieder rein kulturpolitisch-ideologisch motivierte Versuche gab, die offizielle Variante der Einordnung der ungarischen Sprache in die finno-ugrische Sprachfamilie zu leugnen. Die Ungarn sollten möglichst nicht von "irgendwo aus dem Ural" kommen sondern in irgendeiner Weise zum Völkerkreis der antiken Hochkulturen zählen. Diese kulturalistische Herangehensweise ist aus meiner Sicht völlig offensichtlich und völlig offensichtlich falsch oder verfälschend.


Denk, ohne auf Ungarn zu kommen, das der Fehler hier liegt, das es keine politische Einigung gab und deswegen kann es sich um keine Hochkultur handeln. Haarmann beschreibt aber genau das nicht. Klingt wie eine hochwissenschaftliche Weiterführung des Männer gegen Frauenthemas.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 21. Feb 2017, 10:51

Die Theorien Haarmanns kenne ich nicht.

Was die neue Mode in Ungarn anbetrifft, Städteschilder mit den Städtenamen in Runenschrift aufzustellen, so ist sie jedenfalls politisch klar und eindeutig zu charakterisieren. In der Zeitung Pester Lloyd dazu:

Vom Steppenidyll zur Rassentheologie: Warum Ungarn nach Osten blickt

Erste Impulse zur "Neudefinition des Ungarntums" lieferte der "Geschichtslehrer" Gábor Vona, Parteichef der rechtsradikalen Partei Jobbik schon vor Jahren. In "intellektuellen Kreisen" der extremen Rechten kursierten Arbeiten, wonach die finno-ugrische Abstammungslehre nicht mehr zu halten sei, man müsse sich dagegen auf die alten Quellen beziehen. Dabei macht man sich den Umstand zu Nutze, dass die Ethnologie, die Erforschung der Völkerwanderungen und Abstammungslehren komplexe und fluide Wissenschaften sind. Durch überlieferte Irrtümer, wackelige Quellenlagen und immer neue Erkenntnisse durch Ausgrabungen gibt es keine endgültigen Anworten, kaum eindeutige Ergebnisse und - wie es die Natur der Wissenschaften ist - werden immer neue Fragen gestellt.
...
Der Ostmythos wird von der extremen Rechten als Gegenkultur zum dekadenten, judenverseuchten Westen entwickelt.

http://www.pesterlloyd.net/html/1221rassentheologie.html
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 22. Feb 2017, 08:22

Man muss natürlich noch mal deutlich unterscheiden zwischen den "Ungarn" als "Magyaren", als Volk, das (nach aktuellem Wissensstand) überhaupt erst um 500 nach Christus sein ursprüngliches Siedlungsgebiet im südlichen Ural Richtung Mitteleuropa verließ (wahrscheinlich wegen Klimaänderung) und allen möglichen Völkern, die den europäischen Donauraum bewohnten. Bei Haarmanns Donaukultur-Theorie gehts ja um viel viel frühere Zeiträume. So ganz "abseitig" scheint das ganze auch nicht zu sein. Siehe zum Beispiel diesen Beitrag auf dradio kultur: http://www.deutschlandradiokultur.de/die-spaet-entdeckte-fruehe-hochkultur.950.de.html?dram:article_id=140387.

Unabhängig davon ist die politische Instrumentalisierung dieser seltsamen "Wurzelsuche" (egal in welcher Richtung und von wem) noch mal ein Thema für sich.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Dark Angel » Do 23. Feb 2017, 17:54

watisdatdenn? hat geschrieben:(21 Feb 2017, 08:06)

Gibt es da schon einen Thread dazu?
Die Ideen von Herrn haarmann scheinen recht umstritten zu sein.

Ich sehe du hast schon einen Thread dazu
viewtopic.php?f=75&t=47981&p=2786591&hilit=donauzivilisation#p2783527

Hier ist wohl die Diskussion die du meintest
http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f ... vilisation
Muss ich mal in ruhe durchlesen

Jupp - sind die. Harmann lässt sich zu sehr von Marija Gimbutas inspirieren, nimmt deren - doch sehr gewagte - Thesen als archäologisch belegte Fakten an. Inzwischen konnte aber nachgewiesen werden, dass Gimbutas sehr unsauber gearbeitet hat und Funde aus unterschiedlichen archäologischen Horizonten einer Kultur zugordnet hat und diese zur Untermauerung ihrer Thesen heran zog.
Gimbutas' Thesen sind nicht nur umstritten, sie sind zum großen Teil widerlegt.
Harmanns These von einer Donau-Zivilisation ist (so) nicht haltbar.
Harmann ist kein Archäologe, sondern Linguist.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Feb 2017, 19:05

Dark Angel hat geschrieben:(23 Feb 2017, 17:54)
Jupp - sind die. Harmann lässt sich zu sehr von Marija Gimbutas inspirieren, nimmt deren - doch sehr gewagte - Thesen als archäologisch belegte Fakten an. Inzwischen konnte aber nachgewiesen werden, dass Gimbutas sehr unsauber gearbeitet hat und Funde aus unterschiedlichen archäologischen Horizonten einer Kultur zugordnet hat und diese zur Untermauerung ihrer Thesen heran zog.
Gimbutas' Thesen sind nicht nur umstritten, sie sind zum großen Teil widerlegt.
Harmanns These von einer Donau-Zivilisation ist (so) nicht haltbar.
Harmann ist kein Archäologe, sondern Linguist.

was hältst du von den gemeinsamkeiten der runenschriften?
meinst du die haben auch einflüsse aus einem anderen schriftsystem als dem griechischen und griechischstämmigen?

mich verwirren diese ähnlichkeiten. ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die runen allein aus dem etruskischen entstanden sind. dafür gibt es zu viele unpassende zeichen, wie z.B. das ᛇ oder ᛟ oder ᛃ oder ᛞ

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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Feb 2017, 19:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Feb 2017, 10:51)
Was die neue Mode in Ungarn anbetrifft, Städteschilder mit den Städtenamen in Runenschrift aufzustellen

.. finde ich klasse!

wir sollten mehr in runen schreiben :)
ᚹᛁᚱ ᛊᛟᛚᛚᛏᛖᚾ ᛗᛖᚺᚱ ᛁᚾ ᚱᚢᚾᛖᚾ ᛊᚺᚱᛇᛒᛖᚾ :)

weil das meist auch die zeilen enger macht
ᚹᛇᛚ ᛞᚨᛊ ᛗᛇᛊᛏ ᚨᚢᚲᚺ ᛞᛁᛖ ᛉᛇᛚᛖᚾ ᛖᛜᛖᚱ ᛗᚨᚲᚺᛏ

meine tochter wird das auf jeden fall als zweites alphabet (hier halt dann futhark) lernen. da hat man dann auch gleich eine geheimschrift :D
ᛗᛇᚾᛖ ᛏᛟᚲᚺᛏᛖᚱ ᚹᛁᚱᛞ ᛞᚨᛊ ᚨᚢᚠ ᛃᛖᛞᛖᚾ ᚠᚨᛚᛚ ᚨᛚᛊ ᛉᚹᛇᛏᛖᛊ ᚨᛚᚠᚨᛒᛖᛏ (ᚺᛁᛖᚱ ᚺᚨᛚᛏ ᛞᚨᚾᚾ ᚠᚢᚦᚨᚱᚲ) ᛚᛖᚱᚾᛖᚾ. ᛞᚨ ᚺᚨᛏ ᛗᚨᚾ ᛞᚨᚾᚾ ᚨᚢᚲᚺ ᚷᛚᛇᚲᚺ ᛇᚾᛖ ᚷᛖᚺᛇᛗᛊᚺᚱᛁᚠᛏ :D
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Dark Angel » Do 23. Feb 2017, 19:38

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Feb 2017, 19:05)

was hältst du von den gemeinsamkeiten der runenschriften?
meinst du die haben auch einflüsse aus einem anderen schriftsystem als dem griechischen und griechischstämmigen?

mich verwirren diese ähnlichkeiten. ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die runen allein aus dem etruskischen entstanden sind. dafür gibt es zu viele unpassende zeichen, wie z.B. das ᛇ oder ᛟ oder ᛃ oder ᛞ

viele fragen und kein plan :(

Dazu kann ich nichts sagen, habe mich nicht damit beschäftigt
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Helmuth_123 » Do 23. Feb 2017, 20:31

Ich bin zwar kein Experte, habe aber vor kurzen einen Artikel (Pressemitteilung des MPI für Menschheitsgeschichte Jena aus dem Jahre 2016) gelesen, in dem auf dem darauf hingewiesen wird, dass in nicht verwandten Sprachen die selben Vokale gebraucht werden um gleiche Bedeutung auszudrücken. Damit möchte ich darauf hinweisen, dass man nicht zwingend bei Gleichheit oder Ähnlichkeit auf Verwandtschaft schließen kann. Ich denke das gilt auch für Schriftsysteme.

Hier der besagte Artikel: http://www.shh.mpg.de/238937/soundsymbolism
„Nu da machd doch eiern Drägg alleene!“-Friedrich August III. zugeschrieben
„Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.“-Arthur Moeller van den Bruck
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Feb 2017, 09:43

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Feb 2017, 19:21)

.. finde ich klasse!

wir sollten mehr in runen schreiben :)

... und dabei hoffentlich nicht vergessen, dass das ganze neopaganistische Revival (zumindest in Ungarn) durch und durch von völkisch-nationalistisch-rassistischen Politikern und Fanatikern inszeniert wird.
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Alexyessin » Fr 24. Feb 2017, 10:49

Dark Angel hat geschrieben:(23 Feb 2017, 17:54)

Jupp - sind die. Harmann lässt sich zu sehr von Marija Gimbutas inspirieren, nimmt deren - doch sehr gewagte - Thesen als archäologisch belegte Fakten an. Inzwischen konnte aber nachgewiesen werden, dass Gimbutas sehr unsauber gearbeitet hat und Funde aus unterschiedlichen archäologischen Horizonten einer Kultur zugordnet hat und diese zur Untermauerung ihrer Thesen heran zog.
Gimbutas' Thesen sind nicht nur umstritten, sie sind zum großen Teil widerlegt.
Harmanns These von einer Donau-Zivilisation ist (so) nicht haltbar.
Harmann ist kein Archäologe, sondern Linguist.


Gimbutas war doch die Kurgangeschichte. Warum ist damit Haarmann dann widerlegt, der ja um einiges früher ansätzt als die Indeuropäischen Wanderungen. :?: :?:
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Re: germanische, ungarische und türkische runen

Beitragvon Dark Angel » Fr 24. Feb 2017, 16:43

Alexyessin hat geschrieben:(24 Feb 2017, 10:49)

Gimbutas war doch die Kurgangeschichte. Warum ist damit Haarmann dann widerlegt, der ja um einiges früher ansätzt als die Indeuropäischen Wanderungen. :?: :?:

Gimbutas ist nicht nur die mit der Kurgangeschichte, sondern auch die mit der "Vinca-Kultur", die sie als matrifokale Kultur (proto-indoeuropäische Kultur) definiert, welche durch die Invasion "patriarchaler Kurganvölker" zerstört wurde.
Haarmann setzt seine "Donauzivilisation" bis zu einem gewissen Grad mit der "Vinca-Kultur" gleich und folgt vollständig Gimbutas' Thesen der "patriarchalen" Invasion und damit der Zerstörung der matrifokalen [gerechtigkeitsorientierten, auf "Gleichberechtigung der Geschlechter basierenden" egalitäten Kultur, mit teilweiser Tendenz zur weiblichen Dominanz (Gimbutas)]. Den Widerspruch in Gimbutas' Aussagen übernimmt Haarmann.
Haarmann postuliert mit seinem vollständigen Bezug auf Gimbutas, deren Thesen und Postulate als einzig haltbare Theorie und glaubt damit die Hypothese des britischen Archäologen Colin Renfrew widerlegt zu haben.
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