Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

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Shlabotnik
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Shlabotnik » So 9. Aug 2015, 00:44

Auffällig ist ja der Umstand, dass laut User "Welfenprinz" die früheren Studien angeblich "alle sehr eindeutig" gewesen seien. (was ich etwas bezweifle, aber sei`s drum...) Die neuen Ergebnisse lassen aber starke Zweifel aufkommen an der Harmlosigkeit von Glyphosat.

Das Problem ist ja - wie so oft - man macht Dutzende von Studien und ist nachher immer noch nicht wirklich schlauer.
Je mehr Studien (mit unterschiedlichen Resultaten) es gibt, umso mehr entwickelt sich die Sache zu einer subjektiven Glaubenssache (der eine glaubt an die Studie A, der andere an die Studie B).

Selbst riesige Datenmengen umfassende Metastudien machen nicht wirklich schlauer (selbst mit solchen Studien könnte man die Wirksamkeit von Homöopathie nachweisen). Und mit Metastudie A und Metastudie B hat man wieder dasselbe Problem.

In dubio pro reo, sagt man in der Justiz.
Im Zweifelsfall wäre ich für die Vorsicht.

S.
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Nudelholz
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Nudelholz » Mi 12. Aug 2015, 02:59

Das ist doch Roundup. Geiles Zeug, damit hab ich das Unkraut rund ums Haus gekillt. :p
Gabs im Baumarkt, war aber eingeschlossen.

Und wie stehts mit Alternativen? DDT ftw? :?
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Cat with a whip
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Aug 2015, 22:23

Shlabotnik » So 9. Aug 2015, 00:44 hat geschrieben:Das Problem ist ja - wie so oft - man macht Dutzende von Studien und ist nachher immer noch nicht wirklich schlauer.
Je mehr Studien (mit unterschiedlichen Resultaten) es gibt, umso mehr entwickelt sich die Sache zu einer subjektiven Glaubenssache (der eine glaubt an die Studie A, der andere an die Studie B).

Selbst riesige Datenmengen umfassende Metastudien machen nicht wirklich schlauer (selbst mit solchen Studien könnte man die Wirksamkeit von Homöopathie nachweisen). Und mit Metastudie A und Metastudie B hat man wieder dasselbe Problem.

Das Problem hat man nur wenn man keine Validierung macht.

Und umgekehrt, eher eine kleine Zahl von Studien lassen mehr Spielaum für Spekulation. Besonders schlecht ist es sein Urteil auch noch auf wenige aber umso gefälligere Studien zu stützen. Aber das hat man hier ja eben nicht gemacht. Gerade die umfangreiche Zahl der Studien und eine Bewertung ihrer methodischen Qualität liesen die Spielräume für subjektive Glaubensache schrumpfen. In der neuen Zusammenschau alter Studien ist die Mächtigkeit der Hinweise so erdrückend, dass eben nach wissenschaftlichen Kriterien die Aussage getroffen werden MUSS, dass Glyphosat warscheinlich kanzerogen ist.


Zur Beurteilung ob es wahr ist ob Homöopathie wirkt.
Nullhypothese: Homöopathie wirkt genau so wie Placebo.
Alternativhypothese: Homöopathie hat einen pysikalisch-physiologischen therapeutischen Nutzen jenseits des Placebo-Effekts.
Nun kann man so vorgehen wie die Apologeten der Homöopathie und sich wenige, dafür aber im Ergebnis gefällige Studien herauspicken und das auch noch ohne die wissenschaftliche Methodik einer Studie zu validieren. Die kommen wenig überraschend alle einhellig zum Befund, dass H. bei vielen Krankheiten auf wundersame Weise mehr als ein Placebo super Sahne wirkt ohne erklären zu können wie.

Oder man wertet von unabhängier Stelle sehr viele, zum Beipiel 225 Studien aus, und bewertet sie zusätzlich hinsichtlicher ihrer wissenschaftlich-methodischen Mängel.
Das hat man kürzlich gamacht. Hier zeigte sich dann, dass die wissenschaftlich solide gemachten Studien keinen Hinweis auf einen therapeutischen Nutzeffekt jenseits eines Plazebos zeigen. Und es gab daneben eben auch diese Studien, die Hinweise auf einen Nutzen jenseits des Placebos hergaben, doch diese Studien wiesen wieder allesamt krasse methodische Mängel auf. So fehlten mal Kontrollgruppen oder die Probandenzahl war zu gering für eine belastbare Aussage oder die Versuchsgruppen nicht randomisiert usw.... Diese Studien werden dann eben mit wenig Aussagekraft bewertet und sogar zurecht verworfen. Auch nicht zuletzt daher kommt man dank der schieren Masse an Studien zu einem eindeutigen Ergebnis:
-> Die Nullhypothese ist sehr wahrscheinlich.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Sa 15. Aug 2015, 22:32, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Shlabotnik » Mo 17. Aug 2015, 19:49

Cat with a whip » Sa 15. Aug 2015, 22:23 hat geschrieben:Das Problem hat man nur wenn man keine Validierung macht.

Und umgekehrt, eher eine kleine Zahl von Studien lassen mehr Spielaum für Spekulation. Besonders schlecht ist es sein Urteil auch noch auf wenige aber umso gefälligere Studien zu stützen. Aber das hat man hier ja eben nicht gemacht. Gerade die umfangreiche Zahl der Studien und eine Bewertung ihrer methodischen Qualität liesen die Spielräume für subjektive Glaubensache schrumpfen. In der neuen Zusammenschau alter Studien ist die Mächtigkeit der Hinweise so erdrückend, dass eben nach wissenschaftlichen Kriterien die Aussage getroffen werden MUSS, dass Glyphosat warscheinlich kanzerogen ist.


Zur Beurteilung ob es wahr ist ob Homöopathie wirkt.
Nullhypothese: Homöopathie wirkt genau so wie Placebo.
Alternativhypothese: Homöopathie hat einen pysikalisch-physiologischen therapeutischen Nutzen jenseits des Placebo-Effekts.
Nun kann man so vorgehen wie die Apologeten der Homöopathie und sich wenige, dafür aber im Ergebnis gefällige Studien herauspicken und das auch noch ohne die wissenschaftliche Methodik einer Studie zu validieren. Die kommen wenig überraschend alle einhellig zum Befund, dass H. bei vielen Krankheiten auf wundersame Weise mehr als ein Placebo super Sahne wirkt ohne erklären zu können wie.

Oder man wertet von unabhängier Stelle sehr viele, zum Beipiel 225 Studien aus, und bewertet sie zusätzlich hinsichtlicher ihrer wissenschaftlich-methodischen Mängel.
Das hat man kürzlich gamacht. Hier zeigte sich dann, dass die wissenschaftlich solide gemachten Studien keinen Hinweis auf einen therapeutischen Nutzeffekt jenseits eines Plazebos zeigen. Und es gab daneben eben auch diese Studien, die Hinweise auf einen Nutzen jenseits des Placebos hergaben, doch diese Studien wiesen wieder allesamt krasse methodische Mängel auf. So fehlten mal Kontrollgruppen oder die Probandenzahl war zu gering für eine belastbare Aussage oder die Versuchsgruppen nicht randomisiert usw.... Diese Studien werden dann eben mit wenig Aussagekraft bewertet und sogar zurecht verworfen. Auch nicht zuletzt daher kommt man dank der schieren Masse an Studien zu einem eindeutigen Ergebnis:
-> Die Nullhypothese ist sehr wahrscheinlich.



Ja, ich bin da vollkommen deiner Meinung.

Es ist nur etwas "irritierend", wenn man immer wieder so etwas liest: es gäbe Studien (pro Homöopathie), die einen hohen wissenschaftlichen Standard hätten, und die die Wirksamkeit klar belegen (Patrick Krauth).
Das Problem ist ja, dass Otto Normaluser gar nicht die Zeit hat (und oft nicht die Quellen hat), das nachzuprüfen.

Oder er sagt noch "die meisten Meta-Analysen fallen positiv für die Homoöopathie aus" (Patrick Krauth)

Wie gesagt, ich glaub das ja auch nicht. Aber wenn man solche Sachen "stramm behauptet": wer von den Laien könnte ihn da widerlegen?

S.
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Cat with a whip » Mi 19. Aug 2015, 00:39

Bei der Homöopathie kann eigentlich ein Laie im Prinzip schon erkennen, dass es Humbug ist, weil kein Wirkstoff nach den Verdünnungsschritten mehr drin ist.

Es geht eher los in den Fällen wo eine Behauptung von Laien IM PRINZIP nicht mehr ohne weiteres auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden kann. Dann gibt es immerhin noch einen kritischen Prozess zur Qualitätssicherung in der Wissenschaft selbst.

Doch auch hier schleichen sich Probleme ein, wenn er umgangen wird.
Siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A9ralini-Aff%C3%A4re

Selektive öffentliche Perzeption und das Schubladenproblem....
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Shlabotnik » Do 20. Aug 2015, 21:22

Ja, es ist (bei den Hochpotenzen) kein Wirkungsstoff mehr drin, aber das hindert ja die folgende Aussage nicht "heute weiß man noch nicht, warum Homöopathie wirken kann, aber vielleicht wird man es in Zukunft mal herausfinden". Die Aussage beruht darauf, dass der Sprecher von der Wirksamkeit ausgeht, und nur den Wirkmechanismus für Sache der zukünftigen Wissenschaft hält.

Ich denke nicht, dass diese Aussage berechtigt ist, aber die Leute, die solche Aussagen treffen, haben auch recht viel Datenmaterial im Hinterkopf, das sie bei Bedarf (wenn ein wissenschaftlicher Beleg gefordert wird) abrufen können.

Zudem ist es ja auch nicht ganz so simpel, D4 Verdünnungen haben durchaus noch Mengen drin, die bei bestimmten Substanzen durchaus auch in der evidenzbasierten Medizin noch helfen könnten. Bei "Meditonsin" riecht und schmeckt man, dass das nicht nur Wasser ist. Da ist schon noch was drin, auch wenn es als Homöopathikum durchgeht.
Das wird aber meist bei Erkältungen angewendet, die ohnehin nach einer Weile von alleine verschwinden.


S.
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Cat with a whip » Fr 21. Aug 2015, 02:17

Und wenns hier eine Moderation gäbe wären Ihre Beiträge bereits im Mülleimer, denn hier gehts nicht um Homöopathie.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Fr 21. Aug 2015, 02:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Welfenprinz » Fr 4. Sep 2015, 19:26

Nudelholz » Mi 12. Aug 2015, 02:59 hat geschrieben:Das ist doch Roundup. Geiles Zeug, damit hab ich das Unkraut rund ums Haus gekillt. :p
Gabs im Baumarkt, war aber eingeschlossen.

Und wie stehts mit Alternativen? DDT ftw? :?


zum glück wird der Einsatz für diese Einsatzbereiche jetzt stark eingeschränkt oder ganz verboten. ;)
Und dann ist auch gut so. ;)
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Rheinland-Pfalz verbietet Glyphosat wegen Gesundheitsris

Beitragvon Welfenprinz » Fr 4. Sep 2015, 19:30

Shlabotnik » So 9. Aug 2015, 00:44 hat geschrieben:Auffällig ist ja der Umstand, dass laut User "Welfenprinz" die früheren Studien angeblich "alle sehr eindeutig" gewesen seien. (was ich etwas bezweifle, aber sei`s drum...) Die neuen Ergebnisse lassen aber starke Zweifel aufkommen an der Harmlosigkeit von Glyphosat.



S.

Nichts ist harmlos. ;)
An dieser ganzen Glyphosatgeschichte ist eben auffällig, dass für einen Stoff, der seit 1973 als Pflanzenschutzmittel zugelassen ist und in -fast- allen Ländern der Welt geprüft und zugelassen ist, seit ca. 2008 eine Häufung von Ergebnissen "produziert" wird, die es vorher nicht gegeben hat. und es ist wahrlich nciht so, dass "früher" Pflanzenschutzmittel nicht eingehend geprüft worden sind.

Btw: es hat eine Landwirtschaft vor Glyphosat gegeben und es wird eine nach Glyphosat geben, da hängt die Glückseligkeit nicht dran. Nur was da die letzten jahre rundherum abläuft ist nicht ernsthaft zu akzeptieren.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon frems » Mi 23. Sep 2015, 13:59

Ich hab mal die Überschrift geändert, da es nun kein rheinland-pfälzisches Thema mehr ist:

Grüne wollen Glyphosat verbieten

Aus Sicht der Grünen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung gezielt die Gefahren von Glyphosat heruntergespielt. Dort zeigt man sich dagegen unbeeindruckt.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/gesun ... 54744.html
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon Cat with a whip » Do 29. Okt 2015, 16:51

Neues zum Bundesinstitut für "Risikobewertung":

Zitat auf Webseite des BfR:
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

„Risiken erkennen - Gesundheit schützen“ - so hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seine Arbeit für den gesundheitlichen Verbraucherschutz überschrieben.

Das Institut wurde im November 2002 errichtet, um den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken. Es ist die wissenschaftliche Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland, die Gutachten und Stellungnahmen zu Fragen der Lebens- und Futtermittelsicherheit sowie zur Sicherheit von Chemikalien und Produkten erarbeitet. Das Institut nimmt damit eine wichtige Aufgabe bei der Verbesserung des Verbraucherschutzes und der Lebensmittelsicherheit wahr.

Das BfR gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). In seiner wissenschaftlichen Bewertung und Forschung ist es unabhängig.


Es untersteht aktuell dem CSU-Politiker https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Schmidt
Das ist der Mann, der hinter der Plagiatsaffäre Guttenbergs eine kommunistische Kampagnie witterte.

Zu seinem Motiv, das ihn in bei der Erfüllung seines Amtes leitet schreib er:
Für den Respekt vor der Schöpfung zu arbeiten, ist mir ein besonderes Anliegen.

http://www.christian-schmidt.de/index.php

Und nun zur "Unabhängigkeit" des BfR:

In dem neuen Bericht des BfR, den das ARD-Magazin "Fakt" auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, räumt das Amt ein, dass sich in allen fünf ausgewerteten Langzeitstudien an Mäusen signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten zeigten.

Wie kann es sein, dass solch wichtige Tatsachen übersehen wurden? Kritiker vermuten schon lange, dass sich die deutschen Aufseher, die bereits Ende der Neunzigerjahre die EU-Erstbewertung des Stoffs übernahmen, zu sehr auf Informationen der Hersteller verlassen haben. Offenbar zu Recht. Denn als Begründung, warum die Krebsforscher der WHO eine Reihe signifikanter Tumorhäufungen feststellten, das BfR aber nicht, schreibt die Behörde, sie habe sich anfangs auf die statistischen Auswertungen der Studienreporte verlassen - also auf die Angaben der Industrie. Und diese Reporte der Industrie hätten einen von den Krebsforschern der WHO angewendeten statistischen Test, einen sogenannten Trendtest, nicht verwendet.

Solche Trendtests gehören eigentlich zum Standard bei der Beurteilung von Tierversuchen zu Krebs. Sie geben Auskunft darüber, ob die Effekte über alle Tiergruppen hinweg mit der Dosis ansteigen, also ein signifikanter Trend erkennbar ist. Der Toxikologe Peter Clausing, der für das pestizidkritische Netzwerk PAN arbeitet, hält es für ein Versäumnis, dass diese Tests nicht angewendet wurden: "Der Trendtest ist der von der OECD vorgegebene Standard zur Auswertung von Karzinogenitätsstudien. Ich kann nicht verstehen, warum das BfR diesen Standard nicht anwendet und sich damit zufriedengibt, was die Industrie ihr präsentiert." Tatsächlich hebt die OECD-Richtlinie zur Durchführung von Krebsstudien an Tieren genau diesen von der WHO angewendeten Trendtest besonders hervor.


http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/p ... -1.2711906
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Do 29. Okt 2015, 16:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon Cat with a whip » Mo 18. Apr 2016, 08:44

Der Gesundheitsminister Gröhe (CDU) schweigt derzeit auf Anfragen zum weiteren Verfahren mit Glyphosat.

Nummer 1: „Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation halten den Unkrautvernichter Glyphosat für ‚ wahrscheinlich krebserregend ‘ . Die Bundesregierung will trotzdem für die weitere Zulassung in der EU stimmen. Welche Rolle spielen Sie als Gesundheitsminister dabei?“ Eine große. Eigentlich keine. Verschiedene Antworten sind denkbar, die zeigen könnten, wie wichtig Gröhe sich und seinen Auftrag nimmt, sich um den Schutz der menschlichen Gesundheit zu kümmern.

Dann Frage Nummer 2: „Selbst wenn die Federführung bei einem anderen Ministerium liegt, können Sie immer eine Position einbringen. Wie ernst sind aus Ihrer Sicht Warnungen der Weltgesundheitsorganisationen zu nehmen?“ Immerhin haben das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR, und die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, die EFSA, Glyphosat im Gegensatz zu den Experten der Weltgesundheitsorganisation für unbedenklich erklärt. Die wissenschaftliche Kontroverse, ob der Unkrautvernichter Krebs fördert oder nicht, ist noch nicht ausgestanden.
Krebs-Bedenken plötzlich weg

Das führt zu Frage Nummer 3 an Gröhe: „Die Bekämpfung von Krebs sei eine Herausforderung ‚ ersten Ranges ‘ , sagen Sie sonst. Wieso greift bei Glyphosat nicht das Vorsorgeprinzip?“ Mancher fordert, mit der Neuzulassung des Stoffs so lange zu warten, bis die offenen Fragen geklärt sind. Bleibt Frage Nummer 4: „Wann wird ein Stoff, der sich wie Glyphosat auch im Urin des Menschen wiederfindet, zur Sache eines Gesundheitsministers?“

http://www.taz.de/Zulassung-von-Glyphosat/!5292966/
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon frems » Di 17. Mai 2016, 14:07

Aus gegebenem Anlass:

Die SPD ignoriert die Glyphosat-Studie

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist wahrscheinlich nicht krebserregend, sagen die Vereinten Nationen. Die SPD-Minister lehnen das Mittel trotzdem ab. Vielleicht wird sein Einsatz bald verboten.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 37439.html
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon William » Di 17. Mai 2016, 17:22

Für den Privatmann wurde es ohnehin schon verboten, deswegen wäre der Schritt es für Gewebliche ebenfalls zu verbieten der einzig richtige. Immerhin bringt er es tonnenweise auf den Feldern aus.
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon zollagent » Di 17. Mai 2016, 18:28

Könnte so ein Verbot vielleicht sogar mal ein Fall für ein Schiedsgericht nach TTIP werden?
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon Cat with a whip » Mi 18. Mai 2016, 12:02

frems hat geschrieben:(17 May 2016, 15:07)

Aus gegebenem Anlass:

"Die SPD ignoriert die Glyphosat-Studie"

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 37439.html


"Die" Glyphosatstudie? Welchen denn? Da gibt es einige. :p Die umfangreichste Bewertung dieser Studien unternahm die Internationale Behörde für die Krebsforschung (IARC), die in Lyon ansässig ist und zur WHO gehört. Die IARC hatte Glyphosat als wahrscheinlichen Krebserreger eingestuft. Ignoriert die SPD nun doch nicht die WHO? Hm...?

Na aber gut dass Sie es mal brachten, da haben wir ja wieder ein Glanzstück an Springerscher Volksverdummung präsentiert. Liest man weiter räumt der Schmierling (wegen journalistischer Sorgfaltspflicht und so) noch ein, dass es ja keine neue Studie gibt, sondern dass es um eine weitere Bewertung geht. Gemeint sind Gruppen innerhalb der WHO, die wohl gerade zur dort gewünschten Beeinflussung der Öffentlichkeit eine Meldung lancieren.

Man erfährt dabei gar nichts über die fachlichen Kompetenzen der Mitglieder dieser Gruppen in der WHO. Wer sind die Köpfe dieser Gruppen? Wem stehen sie nahe? Wie ist so eine taktisch zeitnah plazierte Meldung im Verbotsverfahren der EU wohl zu bewerten?

Kam von Gröhe schon was?

Nummer 1: „Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation halten den Unkrautvernichter Glyphosat für ‚ wahrscheinlich krebserregend ‘ . Die Bundesregierung will trotzdem für die weitere Zulassung in der EU stimmen. Welche Rolle spielen Sie als Gesundheitsminister dabei?“ Eine große. Eigentlich keine. Verschiedene Antworten sind denkbar, die zeigen könnten, wie wichtig Gröhe sich und seinen Auftrag nimmt, sich um den Schutz der menschlichen Gesundheit zu kümmern.

Dann Frage Nummer 2: „Selbst wenn die Federführung bei einem anderen Ministerium liegt, können Sie immer eine Position einbringen. Wie ernst sind aus Ihrer Sicht Warnungen der Weltgesundheitsorganisationen zu nehmen?“ Immerhin haben das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR, und die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, die EFSA, Glyphosat im Gegensatz zu den Experten der Weltgesundheitsorganisation für unbedenklich erklärt. Die wissenschaftliche Kontroverse, ob der Unkrautvernichter Krebs fördert oder nicht, ist noch nicht ausgestanden.
Krebs-Bedenken plötzlich weg

Das führt zu Frage Nummer 3 an Gröhe: „Die Bekämpfung von Krebs sei eine Herausforderung ‚ ersten Ranges ‘ , sagen Sie sonst. Wieso greift bei Glyphosat nicht das Vorsorgeprinzip?“ Mancher fordert, mit der Neuzulassung des Stoffs so lange zu warten, bis die offenen Fragen geklärt sind. Bleibt Frage Nummer 4: „Wann wird ein Stoff, der sich wie Glyphosat auch im Urin des Menschen wiederfindet, zur Sache eines Gesundheitsministers?“

Vier Fragen, keine Antwort. Natürlich habe es Abstimmungen gegeben, aber die seien intern und nicht öffentlich, erklärt die Pressereferentin noch am Telefon. Ob sie das kurz als Antwort schreiben könne? Nein. Das nicht.


http://www.taz.de/!5292966/
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon Cat with a whip » Mi 18. Mai 2016, 16:01

Cat with a whip hat geschrieben:(18 May 2016, 13:02)
Man erfährt dabei gar nichts über die fachlichen Kompetenzen der Mitglieder dieser Gruppen in der WHO. Wer sind die Köpfe dieser Gruppen? Wem stehen sie nahe? Wie ist so eine taktisch zeitnah plazierte Meldung im Verbotsverfahren der EU wohl zu bewerten?


Die ZEIT ist ja schnell.

Nun wurde bekannt: Sowohl der Vorsitzende als auch der stellvertretende Vorsitzende von JMPR sollen führende Positionen für das International Life Science Institute (ILSI) bekleiden. Der JMPR-Vorsitzende Alan Boobis ist Vize-Präsident des ILSI Europe. Angelo Moretto, Vorstandsmitglied eines zu ILSI gehörenden Instituts, war laut Aktivisten Co-Vorsitzender der Sitzung über Glyphosat. Bei der WHO wird er als Mitglied in dem Gremium geführt.

ILSI wird von Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie finanziert. Darunter waren Veröffentlichungen von Aktivisten zufolge auch Hersteller von Glyphosat. Demnach erhielt das Netzwerk im Jahr 2012 von Monsanto eine Spende von rund 500.000 US-Dollar. Zudem sind weitere Zuwendungen von mehr als 528.500 US-Dollar vom Verband Croplife International aufgeführt. Zu der Gruppe gehören die Hersteller Monsanto, Dow und Syngenta. Auf dem von den Aktivisten veröffentlichten Papier stehen zudem Zahlungen von Nahrungsmittelherstellern wie Coca Cola, Mars und Kraft Foods. Monsanto wird von ILSI als Mitglied geführt.


http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-0 ... her-studie
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon H2O » Mi 18. Mai 2016, 18:20

Das Ergebnis der Studien kann also politisch angezweifelt werden, weil sie von Unternehmen gefördert wurden, die der industriell betriebenen Landwirtschaft nahe stehen. Vernünftigerweise müßte nun die Bundesregierung diese Studien auf Methodik und Ergebnis wissenschaftlich überprüfen lassen, um zu einem Beschluß nach bestem Wissen und Gewissen zu gelangen.

Aber ich meine, daß wir als Gesellschaft vor viel grundlegenderen Fragen stehen. Wie sich nun zeigt, verdrängt die industrialisierte Landwirtschaft infolge der vordergründig preisgünstigeren Anbau und Erzeugungsverfahren die herkömmlichen Familienbetriebe vom Markt... jetzt auch besonders auffällig bei der Milcherzeugung in Massenviehhaltung von vielen hundert Kühen. Eine Überproduktion führt zu Preisen unter 20 ct/ltr. Da kann ein herkömmlicher Betrieb nicht mehr mithalten.

Die Frage ist also, ob wir unsere Ernährung auf industrialisierte Landwirtschaft umstellen wollen, und ob wir bereit sind, deren bekannte Nachteile zu ertragen. Dann wird der ländliche Raum weiter veröden, weil bäuerliche Familienbetriebe aufgeben müssen und das Land von kapitalstarken landwirtschaftlichen Unternehmen bewirtschaftet wird, mitsamt "Industrie 4.0" im Programm. Diese Entwicklung ist im vollen Schwung, und fast könnte es schon zu spät sein, hier politisch ein Ende zu setzen, etwa durch eine ökologische Landwirtschaft in Klein- und Mittelbetrieben als Maß aller Dinge. Damit ergäben sich auch außenpolitische Reibereien, weil nur noch ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Erzeugnisse zum inländischen Wettbewerb zugelassen werden könnten. Das muß also gut überlegt sein!

Damit wäre auch das Thema Glyphosat vom Tisch, denn in der ökologischen Erzeugung von Nahrungsmitteln hat dieses Pflanzengift nichts verloren. Die Frage bleibt, ob sich unser Land neben der Energiewende auch eine derartige Agrarwende leisten kann, politisch und wirtschaftlich.
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon Cat with a whip » Mi 18. Mai 2016, 19:15

Das Ergebnis wird nicht deswegen angezweifelt, es wird eine neuerliche "Bewertung" durch Lobbyistengruppen angezweifelt die warscheinlich politisch gefallen ist. Die bisher umfangreichste Bewertung wurde letztes Jahr von der Internationalen Behörde für die Krebsforschung vorgenommen.

Unsere Ernährungsversorgung ist längst auf industrielle Landwirtschaft umgestellt und sie wird auch industrialisiert bleiben, weil sie effizient ist. Das ist nicht die Frage.

Die entscheidene Frage ist ob unsere Regierung in Sachen Vorsorgeprinzip verantwortlich handelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsorgeprinzip

Tut das ein Gesundheitsminister Gröhe (CDU) in Deutschland?
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Re: Mögliche Gesundheitsrisiken: Glyphosat verbieten?

Beitragvon H2O » Mi 18. Mai 2016, 20:01

Cat with a whip hat geschrieben:(18 May 2016, 20:15)

Das Ergebnis wird nicht deswegen angezweifelt, es wird eine neuerliche "Bewertung" durch Lobbyistengruppen angezweifelt die warscheinlich politisch gefallen ist. Die bisher umfangreichste Bewertung wurde letztes Jahr von der Internationalen Behörde für die Krebsforschung vorgenommen.

Unsere Ernährungsversorgung ist längst auf industrielle Landwirtschaft umgestellt und sie wird auch industrialisiert bleiben, weil sie effizient ist. Das ist nicht die Frage.

Die entscheidene Frage ist ob unsere Regierung in Sachen Vorsorgeprinzip verantwortlich handelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsorgeprinzip

Tut das ein Gesundheitsminister Gröhe (CDU) in Deutschland?


Dazu habe ich aber doch zwei Fragen:

1.
Ist es zu vertreten, daß industrielle Landwirtschaft hocheffizient unsere Lebensgrundlagen durch Überdüngung mit Gülle vernichtet (Eintrag von Dünger und Tiermedikamenten in das Grundwasser, Zerstörung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch Abtöten der Kleinlebewesen im Boden). Wie soll aber diese Massenproduktion anders arbeiten können? Warum nutzt sie nicht den Wüstenboden als Pflanzensubstrat?

2.
Auf welcher Grundlage soll der Minister entscheiden, wenn ihm keine neutrale wissenschaftliche Empfehlung vorliegt? Wäre ich Minister, dann würde ich mich um Gerechtigkeit gegen jedermann bemühen... auch gegen den Hersteller von Glyphosat. Ich hoffe, daß dieser Minister das auch so tut.

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