Rosetta und der Komet

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Lomond
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Rosetta und der Komet

Beitragvon Lomond » Mi 6. Aug 2014, 23:30

Geplante Kometenlandung:

"Rosetta" ist am Ziel: Nach zehnjähriger Reise hat die Raumsonde den Kometen Tschuri erreicht. Der schwierigste Teil der Mission steht noch bevor: Erstmals soll ein Mini-Labor auf einem Kometen abgesetzt werden.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/welt ... 84698.html

10 Jahre war die Sonde unterwegs!

In nächster Zeit werden wir noch mehr hören von ihr.

Verfolgen wir doch mal ihre Fahrt.
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John Galt
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon John Galt » Fr 14. Nov 2014, 17:41

Warum hat man keine vernünftige Radionuklidbatterie verwendet? :?: Die Dinger sollten doch viel länger halten als 60 Stunden.
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Perdedor
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Fr 14. Nov 2014, 20:30

John Galt hat geschrieben:Warum hat man keine vernünftige Radionuklidbatterie verwendet?


Nach Stephan Ulamec com DLR waren es tatsächlich politische Gründe.
http://www.faz.net/aktuell/wissen/weltr ... 60396.html
Letztendlich war dies sogar ein doppeltes Problem, da es auch der Grund dafür war, dass die Sonde 10 Jahre im sleep mode durchs All kreuzen musste und dies ein großes Risiko beim Wiederhochfahren der Systeme darstellte.
Letztendlich sollte man das aber auch nicht überbetonen, da die Mission auch so ein großer Erfolg war.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Enas Yorl » Fr 14. Nov 2014, 22:35

John Galt » Fr 14. Nov 2014, 17:41 hat geschrieben:Warum hat man keine vernünftige Radionuklidbatterie verwendet?

Momentan sind die USA der einzige Hersteller für Radionuklidbatterien, und auch das einzige Land das noch Vorräte an Pu-238 hat. Man hat Russland in den 90ern seine Vorräte abgekauft, und die amerikanische Produktion soll erst wieder anlaufen, nachdem der Bestand beträchtlich geschrumpft ist. Was den Zeitplan zukünftiger Deep-Space-Missionen gefährden kann.
Hinzu kommt das die USA nicht den Export von Radionuklidbatterien erlauben. Eine ESA-Sonde mit einer solchen müsste also in den USA erst damit ausgerüstet werden, und auch dort gestartet. Was für ein reines ESA-Projekt schon ziemlich blamabel wäre.
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Cat with a whip
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 00:28

John Galt » Fr 14. Nov 2014, 17:41 hat geschrieben:Warum hat man keine vernünftige Radionuklidbatterie verwendet? :?: Die Dinger sollten doch viel länger halten als 60 Stunden.


Einerseits weil die Technik in Europa nicht verfügbar ist/war. Andererseits aus Gewichtsgründen.
(Und ob etwas vernünftig ist, häng von besonderen Umständen ab. Man kann schlecht vorwegnehmend behaupten etwas wäre "vernünftig", wenn man nach den Gründen für die Einsatzkriterien fragt.)

Vernünftig ist dieser Typ Energieversorgung für Sonden auf Missionen weit von der Sonne entfernt, wenn die solare Strahlungsleistung zu gering wird. Die Saturn-Mission der NASA Cassini-Huygens hatte diesen Typ auch nur für den Orbiter Cassini, aber nicht für den Lander Huygens. Zukünftige Missionen der ESA zum Jupiter werden diese RTG besitzen.

Bei der Rosetta-Mission, die gerade zwischen Mars und Jupiter operiert, fand man jedoch inzwischen die damals neue Technik der Low-intensity Low Temperature Solarpanels mit 25% höherer Leistung inzwischen als noch ausreichend, und owohl die solare Strahlungsleistung an ihren sonnenfernsten Punkten nur noch 3-4% gegenüber der Erdbahn ist, bringen die noch 400 Watt. Und das liegt im Bereich der RTG. Das war ein Novum, dass man sich bei einer Mission jenseits des Asteroidengürtels komplett auf Solarpanels verlies.

Ein Grund liegt wie zuvor genannt auch am schlechten Masse-Enerige-Verhältnis. Und transportierte Masse ist bei Raummissionen teuer. Hätte der kleine Kometenlander (96 kg) seinen eigenen RTG (kleinste etwa 56 kg) auf den Kometen mitnehmen müssen, hätte das bei begrenzter Payload andere Experimente verringert, bzw. insgesamt die Startmasse bzw. Aufwand oder Masse des Landers erhöht. Und sicher musste man den Lander so leicht wie möglich halten. Wäre er mit einem RTG schwerer geworden, wäre die Landung vermutlich noch schwieriger zu handeln gewesen.

Grundsätzlich zur Wertung: Der Erfolg einer Mission wird an den erfüllten Vorgaben gemessen und die haben ihre Grenzen im vertretbaren und auch bezahlbaren Aufwand. Jedes Extrabonbon darüber hinaus nimmt man mit. D.h. die kleine Teilmission des Landers, war von vornherein für die Datengewinnung auf 3 Tage angesetzt. Wäre der Landeplatz mit etwas mehr Sonne, dann hätte man eben etwas länger Daten als beabsichtigt. Und diese Teilmission ist trotz eines Schönheitsfehlers bisher jedenfalls ein überwiegender Erfolg. Denn man muß auch bedenken, dass die Landung ein Novum war. Man hatte keine Erfahrungswerte für so etwas. Erschwerend kam hinzu, dass man auch die ganze Mission zeitlich wie auch technisch umplanen musste. Ursprünglich sollte es zuerst zum viel kleineren Kometen 46P/Wirtanen gehen. Dies zerschlug sich jedoch durch die Unzuverlässigkeit der eingeplanten Trägerrakete Ariane 5 G+. Danach entschied man sich erst für den massereicheren 67P/T-G, für den zudem auch der Lander umkonstruiert wurde und die etwas schwächere Ariane 5 Anwendung fand. Vor diesen Hintergrund ist das Erreichte ok. Man sammelt nun 3 Tage wissenschaftliche Daten mit dem Lander, der nur eine Teilmission von Rosetta ist und mehr war auch nicht Ziel. Ziel war keine Schönheitswertung für eine brilliante Landung mit 10 Punkten, sondern dass der Lander wissenschaftliche Daten über den Kometen ab der Landung ausspuckt. Und das macht der Lander auch weiterhin. Wenn auch jetzt nicht vom ursprünglich ausgesuchten Landepunkt und vermutlich auch nicht mit allen Experimenten.

Und nicht vergessen werden sollte die eigentliche etwas über die Jahre des langen Flugs vergessene Sonde Rosetta, die natürlich jetzt parallel auch weiter läuft und massig Instrumente an Bord hat. Rosetta wurde auch auf ihrem Flug mehrfach eingesetzt, wie zur Spektroskopie des Aufschlags von Deep Impact in 9P/Tempel 1, wo sie sich als das beste Instrument dazu überhaupt auszeichnete.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon John Galt » Sa 15. Nov 2014, 02:54

OK macht halbwegs Sinn. ;)
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 03:12

Cat with a whip hat geschrieben:Einerseits weil die Technik in Europa nicht verfügbar ist/war. Andererseits aus Gewichtsgründen.


Es WAR ursprünglich geplant Rosetta mit Radionuklid-Batterien auszustatten. Das Gewicht war also nicht der Grund.
Als die NASA dann ausstieg, konnten/wollten die Europäer keine eigene Radionuklid-Batterie entwickeln (wie gesagt: "politische Gründe").
Zuletzt geändert von Perdedor am Sa 15. Nov 2014, 03:14, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 04:06

Ohne die Bohrung waren bereits 70-80% der Aufgaben erledigt. Nun wurde gemeldet SD2 hat Proben gebohrt, die auch in Ptolemy analysiert wurden und Datenpakete sind übermittelt. Noch bevor der Lander planmässig in den Ruhezustand ging. Mission accomplished. Eine Zugabe ist drin, wenn der Komet den Philae in die Sonne dreht.

Farewell Philae, wer ihm zuwinken möchte, tut dies morgen beim Sonnenuntergang. Da steht er im Sternbild Schütze links unterhalb vom Mars tief im Süden am Horizont. Und wenns wieder bewölkt ist und nebel hat ists auch wurst. Denn hier gibts schöne Bilder:

https://www.flickr.com/photos/europeans ... 315605535/
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 04:17

Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 03:12 hat geschrieben:
Es WAR ursprünglich geplant Rosetta mit Radionuklid-Batterien auszustatten. Das Gewicht war also nicht der Grund.
Als die NASA dann ausstieg, konnten/wollten die Europäer keine eigene Radionuklid-Batterie entwickeln (wie gesagt: "politische Gründe").


Mag ja alles sein, aber die Anfrage des Users war eindeutig auf die begrenzte Kapazität Philaes bezogen, nicht auf Rosetta, siehe "60 h". Und hier wurden nie welche geplant. Aus Gewichtsgründen.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 15. Nov 2014, 10:58

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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon John Galt » Sa 15. Nov 2014, 11:11

Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 04:17 hat geschrieben:
Mag ja alles sein, aber die Anfrage des Users war eindeutig auf die begrenzte Kapazität Philaes bezogen, nicht auf Rosetta, siehe "60 h". Und hier wurden nie welche geplant. Aus Gewichtsgründen.


Naja ob die ~15kg den Braten fett gemacht hätten? Da hätte man sich die Solarteile sparen können.

Ohne Radionuklidbatterien sieht es aber schlecht aus für die ESA bei zukünftigen Missionen.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 14:18

Cat with a whip hat geschrieben:Und hier wurden nie welche geplant. Aus Gewichtsgründen.


Hat das irgendwer so gesagt?
Der "Philae Lander Manager" Dr.rer.nat. Stephan Ulamec sagte auf Nachfrage, dass nur aus politischen Gründen auf den RNG verzichtet wurde (s.o. 14. 14:56). Also explizit bezogen auf Philae.

Es ist auch nicht ganz klar, wieso es so ein großes Problem darstellen sollte, wenn der Lander etwas schwerer gewesen wäre. Die Gewichtskraft auf dem Kometen betrug ohnehin nur der von 1g auf der Erde. Was, wenn es nun 1,5g gewesen wäre? Verglichen mit den Maneuvern auf dem Weg zum Kometen, waren die kleinen Impulsänderungen bei der Landung wohl auch wenig relevant.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 17:28

John Galt » Sa 15. Nov 2014, 11:11 hat geschrieben:
Naja ob die ~15kg den Braten fett gemacht hätten? Da hätte man sich die Solarteile sparen können.


Beim Lander galt die Maxime: Nur kein Gramm zuviel. Die Panele unterstützten ja auch bereits schon beim Abstieg die autonome Energieversorgung, als Philae bereits von Rosetta separiert und aktiv war.

@Perdertor:
Der "Philae Lander Manager" Dr.rer.nat. Stephan Ulamec sagte auf Nachfrage, dass nur aus politischen Gründen auf den RNG verzichtet wurde (s.o. 14. 14:56). Also explizit bezogen auf Philae.


Ich finde diese Quelle nicht. Schade. Was meinen sie mit (s.o. 14. 14:56)

Es ist auch nicht ganz klar, wieso es so ein großes Problem darstellen sollte, wenn der Lander etwas schwerer gewesen wäre. Die Gewichtskraft auf dem Kometen betrug ohnehin nur der von 1g auf der Erde. Was, wenn es nun 1,5g gewesen wäre?


Gravitation ist aber nicht der alleinige Aspekt. Auch wenn dies in vereinfachender Weise in den Medien so dargestellt wurde.

Und wenn es so wäre, dann wäre der Lander 50% massereicher und es wirkt die zusätzliche Massenträgheit von 50 kg. Und diese erhöhte Schwungmasse muß beim Aufsetzen beachtet werden und sie hätte auch dem Harpunen-System als zusätzliche Kraft wieder entgegengewirkt. Offenbar ist das alles nicht so einfach.
Daneben muß diese Masse auch von der Erde weg, bzw. geht dann von Experimenten ab.

Und dass zusätzliche Masse über den Aspekt der Gravitation hinaus bei dynamischen Abläufen relevant ist, dazu geben zum Beispiel die alten Aufnahmen der Apollo EVA sehr anschaulich Aufschluss. Die Apollo-Astronauten mussten zwar aufgrund der geringeren Oberflächenbeschleunigung zusammen mit dem 83kg A7L Schutzanzug beim EVA auf dem Mond nur 1/3 der Kraft zum Stehen gegenüber der Erdeoberfläche aufwenden, aber sie mussten zusätzlich die Masse ihres eigenen Körpergewichts (ein Teil davon noch auf dem Rücken) umherwuchten und blancieren. Daher auch die komische Forbewegungsweise aus entweder kleinen Trippelschritten beim arbeiten an einer Stelle und den lustigen Känguruhhopsern beim Überwinden von Distanzen, bei denen selbst die durchaus sportlichen und trainierten Astronauten sichtbar in die Knie gingen um jedesmal die Schwungmasse von gut 3 Zentnern (Körpemasse und EVA-Schutzanzug) abzufedern.

http://www.youtube.com/watch?v=uKHwJmzoEiw
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Sa 15. Nov 2014, 17:33, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 17:42

Cat with a whip hat geschrieben:Ich finde diese Quelle nicht. Schade. Was meinen sie mit (s.o. 14. 14:56)


Ich habs oben verlinkt. Man muss noch auf die richtige Seite blättern, zum Eintrag vom 14. 14:56.

Cat with a whip hat geschrieben:Und wenn es so wäre, dann wäre der Lander 50% massereicher und es wirkt die zusätzliche Massenträgheit von 50 kg.


Deswegen sagte ich ja: Verglichen mit den Impulsänderungen bei der Reise macht dies einen kleinen Unterschied. Man hätte den Lander entsprechend mit 30% weniger v0 von Rosetta trennen können, dann wäre der Impuls beim Aufprall gleich gewesen.
Daher meine Frage: Hast du die Informationen irgendwoher, dass die Harpunen bei 50% mehr Gewicht nicht mehr ausgereicht hätten oder ist dies nur Spekulation?

Wenn überhaupt scheint mir Interferenz bei Spektrometern ein gewichtigeres Argument gegen RNGs zu sein.

Cat with a whip hat geschrieben:Daneben muß diese Masse auch von der Erde weg, bzw. geht dann von Experimenten ab.


Wie gesagt: Es SOLLTE ursprünglich ein RNG verwendet werden. Die Startmasse war also nicht das Problem.
Zuletzt geändert von Perdedor am Sa 15. Nov 2014, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Sa 15. Nov 2014, 18:42

Oberflächenbeschaffeneheit ist wohl fester als gedacht.

Zumindest eines stellte Churyumov-Gerasimenko bei dieser Landung gleich unter Beweis: seine Festigkeit. Nach dem ersten Aufsetzen prallte Philae von dem Kometen ab und schwebte mehrere hundert Meter zurück ins All. "Die Oberfläche kann also nicht besonders weich sein, sonst hätte der Lander keinen so großen Hüpfer gemacht", erläutert DLR-Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt, der die wissenschaftliche Beteiligungen des DLR an der Rosetta-Mission leitet.

http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.as ... lery/17198

Auch COSAC hat neben PTOLEMY Daten geliefert. 100% Erfolg.
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.as ... lery/17198
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » So 16. Nov 2014, 01:23

Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 17:42 hat geschrieben:
Man hätte den Lander entsprechend mit 30% weniger v0 von Rosetta trennen können, dann wäre der Impuls beim Aufprall gleich gewesen.

Jaja. Das gilt in einem homogenen Feld, wenn v0 ungleich höher ist. Aber in diesem Fall ist das dumerweise nicht so einfach. Damit erhöht man die Fallzeit, d.h. der Körper befindet sich länger im Gravitationspotential, und dann wäre die Impulsübertragung im Gravitationsfeld des Kometen entsprechend länger gewesen. Die Landegeschwindigkeit wär dann nur unwesentlich niedriger gewesen. Die Landegeschwindigkeit wurde zu einem großen Teil vom Potential des Kometen selbst beeinflusst. Bei 46P/Wirtanen wäre die Aufsetzgeschwindigkeit nur weniger als die Hälfte gewesen.

Aber auch das ändert nichts an der trägen Masse, die am Lander dann höher wäre und insgesamt die dynamischen Belastungen erhöht. Man hat ja auch gesehen, dass der Lander nach dem Aufdotzen in Rotation geriet. Man weiß ja nie so genau wie der Untergrund beschaffen ist. Da ist dann insgesamt mehr mechanische Energie im System, die natürlich wieder über stabilere Konstruktionen beherrscht werden muß. Und Plus Argument Startmasse. Das ist wichtig und keine Lapalie.

Ich bleib bei meiner These, dass die Masse sinnvollerweise bei Raumfahrtunternehmungen zu reduzieren ist. Warum hat man wohl bei der NASA-Mission Cassini-Huygens für das Abstiegsmodul zum Titan keine RTG verwendet? Hm? Auf Cassini waren selbst 3 RTG verbaut aber keine auf Huygens. Auf Titans Oberfläche ist die solare Einstrahlung nur 1 Prozent im Vergleich zum Kometen 67P/C-G jetzt. Da wärs doch dann auch sinnvoll gewesen, wenn die "Fachleute" recht hätten. Und dann hätte die NASA den Europäern auf ihrem Huygens das bestimmt eingebaut. Die Trägerrakete startete ja auch in den Staaten. Wäre beim Embargo politisch kein Problem gewesen. Tja....Und? Das Logikwölkchen macht *puff* Aber eins ist gewiss, die "Fachleute" wissen immer alles auf Teufel komm raus besser als die Projektplaner. Und vor allem im nachhinein, was ja dabei die ganz besondere Würze ist. Hat man damals eigentlich bei Huygens genölt, "Hey. Warum hat man bei Huygens keinen vernünftigen Radioisotopen-Thermoelement-Generator benutzt?". :) Nö. Und warum? Weil die Medien den Punkt damals zur Sensationsmache und Spannungssteigerung nicht künstlich dramatisiert haben. Damas sendete Huygens nur 72 Minuten lang Daten. :D Obwohl die Mission mit 3 RTG ausgerüstet war.

Perdedor » Sa 15. Nov 2014, 17:42 hat geschrieben:
Wie gesagt: Es SOLLTE ursprünglich ein RNG verwendet werden.


Hab ihren oninösen Bezug endlich gefunden. Dort bei der FAZ gibt lediglich ein Journalist in indirekter Rede Ulamec wieder, dass man mit RTG dieses Problem nicht gehabt hätte. Ja und? Dem ist wohl so. Da steht aber nirgendwo, dass Ulamec ausdrücklich meinte, dass insbesondere für den Lander ursprünglich RTG geplant gewesen wären. Wenn Sie mir aber diesen Satz konkret zeigen würden, wo Ulamex sagte, dass für die Kometen-Sonde selbst ursprünglich RTG beabsichtigt waren, dann glaub ichs. Aber vielleicht finden Sie ja noch eine Quelle, die Ihre Version belegt.

Ich habe auch bereits selbst gesucht, aber finde nirgendwo im Netz eine technische Konzeptbeschreibung für ESAs Horizon 2000 Projekt, wo KONKRET in den 90er Jahren eine Radionuklidbatterie als Stromversorgung für das Abstiegsmodul zu einer in situ Kometenkernuntersuchung geplant wurde. Nur Beschreibungen des Polytecnico di Milano für die Stromversorgung von Philae mit Solarpanelen und Stromspeichern. Das mag vielleicht evtl. daran liegen, dass die Entscheidung schon früher fiel, als die Planungen schon Gestalt annahmen. Aber denoch fehlt der Beleg. Sorry.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am So 16. Nov 2014, 01:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » So 16. Nov 2014, 14:24

Cat with a whip hat geschrieben:Damit erhöht man die Fallzeit, d.h. der Körper befindet sich länger im Gravitationspotential, und dann wäre die Impulsübertragung im Gravitationsfeld des Kometen entsprechend länger gewesen.


Kannst ja ausrechnen wieviel das bei einer Gravitationskraft von ~0,0001N ausmacht. Fast nichts.

Cat with a whip hat geschrieben:Die Landegeschwindigkeit wurde zu einem großen Teil vom Potential des Kometen selbst beeinflusst.


Nein. Der Wesentliche Teil ist v0.
"Rosetta will eject Philae with an initial velocity of approximately 2 1/2 kilometers per hour. Because the comet is so small, its gravity will add little additional speed to Philae as it falls to the surface."
http://www.universetoday.com/114873/esa ... or-philae/
Bitte such doch erstmal selber nach Quellen, bevor du anfängst zu spekulieren.

Cat with a whip hat geschrieben:Aber auch das ändert nichts an der trägen Masse, die am Lander dann höher wäre und insgesamt die dynamischen Belastungen erhöht.


Die Belastung hängt vom Impuls ab und nicht von der Masse.
p=m*v also kann die erhöhte Masse durch verringerte Geschwindigkeit kompensiert werden.
FALLS die Belastung überhaupt ein Problem gewesen sein sollte. Hast du ja immer noch nicht belegt.

Cat with a whip hat geschrieben:Warum hat man wohl bei der NASA-Mission Cassini-Huygens für das Abstiegsmodul zum Titan keine RTG verwendet?


1. Weil sie auch von der ESA gebaut wurde?
2. Weil Titan ein wesentlich stärkeres Schwerefeld hat?
3. Weil die Mission eh kürzer ausgelegt war?
4. Interferenzen mit den Spektrometern?

Cat with a whip hat geschrieben:Hab ihren oninösen Bezug endlich gefunden.


Ich habe nie an dir gezweifelt! :thumbup:

Cat with a whip hat geschrieben:Dort bei der FAZ gibt lediglich ein Journalist in indirekter Rede Ulamec wieder, dass man mit RTG dieses Problem nicht gehabt hätte. Ja und?


Und dass es politische Gründe hatte ihn nicht zu verwenden.
Ulamec IST übrigens der Projektleiter.

Cat with a whip hat geschrieben:Da steht aber nirgendwo, dass Ulamec ausdrücklich meinte, dass insbesondere für den Lander ursprünglich RTG geplant gewesen wären.


Er sagte dass aus politischen Gründen keiner verwendet wurde. Was willst du da noch belegt haben?
Zuletzt geändert von Perdedor am So 16. Nov 2014, 14:34, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » So 16. Nov 2014, 18:14

Wenn Sie an Ihre irrigen Schlussfolgerungen glauben möchten. Verstanden haben Sie jedoch wenig.

Bis auf weiteres ist auch Ihre freie Behauptung, dass für Philae ursprünglich RTG geplant waren nicht belegt. Ich freue mich aber über einen Beleg dafür.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am So 16. Nov 2014, 18:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » So 16. Nov 2014, 19:41

Cat with a whip hat geschrieben:Verstanden haben Sie jedoch wenig.


Soso. Bist du mit deiner Rechnung zum Gravitationsfeld weitergekommen?

Cat with a whip hat geschrieben:Bis auf weiteres ist auch Ihre freie Behauptung, dass für Philae ursprünglich RTG geplant waren nicht belegt.


Habe ich doch gar nicht behauptet.
Ich zitiere lediglich den Projektleiter des Landers, der sagte, dass aus politischen Gründen auf einen RNG verzichtet wurde.
Und außerdem, dass das Projekt, als die NASA noch dabei war mit RNG geplant wurde. Wo genau der angebracht werden sollte, weiß ich nicht, aber das ist an dieser Stelle ja auch irrelevant, da ich damit nur die angebliche Startgewichtproblematik relativieren will.
Zuletzt geändert von Perdedor am So 16. Nov 2014, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Enas Yorl » So 16. Nov 2014, 21:18

Perdedor » So 16. Nov 2014, 19:41 hat geschrieben:Ich zitiere lediglich den Projektleiter des Landers, der sagte, dass aus politischen Gründen auf einen RNG verzichtet wurde.

Er erklärt aber nicht was für politische Gründe das waren. Damit könnte auch die Weigerung der USA gemeint sein, RTGs zu exportieren, oder der mangelnde politische Wille selbst Pu-238 zu gewinnen.
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