Rosetta und der Komet

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Cat with a whip
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Mo 17. Nov 2014, 00:22

Perdedor » So 16. Nov 2014, 19:41 hat geschrieben:
Soso. Bist du mit deiner Rechnung zum Gravitationsfeld weitergekommen?


*seufz*

Geschwindigkeit:

Ihre Überlegungen sind nur für bestimmte Fälle zulässig aber nicht für die in diesem Fall vorherrschenden Bedingungen und Maßgaben. Man kann bei einer beschleunigten Bewegung die Anfangsgeschwindigkeit nicht linear verrechnen. Und auch keinen fixen Wert für eine Gravitationskraft in einem inhomogenen Gravitationsfeld annehmen. Philea flog aus 29 km Entfernung auf einen 10^13 kg Brocken mit einem mittleren Radius von 1,8 km. Und sie rechnen mit einem fixen Wert für die Gravitationskraft. Jessas. Schaun sie bitte nochmal in ihre Bücher.

Beispiel als Extremfall: Hätte man den Lander mit einer Relativgeschwindigkeit von 0 m/s zum Kometen ausgesetzt, wäre beim freien Fall die Aufprallgeschwindigkeit 0,83 m/s gewesen (die erreichte kin. Energie entspricht in diesem Fall 99,93% der eines Probekörpers im gesamten Potential des Kometen) Und die Zeit für den Abstieg wäre aufgrund der in 29km zunächst herrschenden unglaublich kleinen Gravitationsbeschleunigung mit einem dreiviertel Jahr erheblich länger als die tatsächlichen 7 h gewesen.
Energieerhaltungssatz:
v = sqr( 2MG(1/R2-1/R1)

Die zusammengesetzten Geschwindigkeiten können bei einem Beschleunigungsanteil auch nicht einfach linear addiert werden. Das geht nichtmal im einfachen Fall einer konstanten Beschleunigung. Und hier im speziellen Fall ist die Beschleunigung noch nichtmal konstant.

Bei kombinierter gleichmässig beschleunigter Bewegung mit konst. Gewindigkeitsanteil gilt nur zur Verdeutlichung:
v_res = sqr( v_0^2 + 2as)

Fall wenn v_0 klein: Am Anfang der Bewegung, 29km vom Kometen enfernt wenn die Beschleunigung gering ist, wird die Geschwindigkeit des Probekörpers weitestgehend noch von der Anfangsgeschwindigkeit bestimmt. Aber immer weniger mit Annäherung an den Kometen, da die Gravitationsbeschleunigung im inhomogenen Feld sich umgekehrt qudadratisch zur Entfernung verhält. Und bei Ankunft wird sie dominiert von der Auswirkung des Gravitationspotentials des Kometen. Über Reduzierung von v_0 kann man zwar die Landegeschwindigkeit beeinflussen, jedoch nur begrenzt. Im anderen Fall einer sehr hohen v_0 schon weitaus mehr. Doch gerade die Landegeschwindigkeit mußte möglichst gering gehalten werden. Die 0,83 m/s im Falle des freien Falls sind sichtlich mehr als die Anfangsgeschwindigkeit von 0,7 m/s, die dem Lander im realen Fall mitgegeben wurde, um vor allem die Abstiegszeit zu verkürzen. Und leicht nachvollziehbar ist daher im kombinierten Effekt mit der Gravitationsbeschleunigung später die Landung auch real mit ca. 1 m/s erfolgt. Selbst aus diesem Vergleich kann man sofort ersehen, dass hier nicht linear gerechnet werden kann und daß für die Aufprallgeschwindigkeit die Anfangsgeschwindigkeit an Relevanz verliert, sofern sie klein ist. Was man letztendlich mit der Auswurfgeschwindigkeit des Landers maßgeblich und deutlich beeinflussen konnte ist die Fallzeit, aber weniger die Aufprallgeschwindigkeit, sofern v_0 nicht v_res dominiert. Würde v_0 weit den Beschleunigungseffekt der Gravitation dominieren, könnte man ihre Rechnung durchaus verwenden. Aber das hätte ja genau den gegenteiligen Effekt, den sie erreichen wollten, nämlich den Impuls bei der Landung verringern. :s

Lander mit m=96kg und v_0=0,7 ms^-1:
v_res= sqr(0,7² +0,83²)= 1,08 ms^-1
p= 104 Ns
Lander mit 3/2 mehr Masse und v_0=0,7 ms^-1:
v_res= sqr(0,7² +0,83²)= 1,08 ms^-1
p= 156 Ns
Lander mit 3/2 mehr Masse und 2/3 v_0:
v_res= sqr(0,47² +0,83²)= 0,95 ms^-1
p= 137 Ns
Lander mit 3/2 mehr Masse und v_0=0 ms^-1:
v_res= 0,83 ms^-1
p= 119 Ns

Perdertor: Man hätte den Lander entsprechend mit 30% weniger v0 von Rosetta trennen können, dann wäre der Impuls beim Aufprall gleich gewesen


Der 50% schwerere Lander hätte selbst mit v_0=0 ms^-1 bei der Landung 14% mehr Impuls als der leichte. Mit 33% weniger als 0,7ms^-1 wär der Impuls 32% größer.

Letzlich war die Hauptsorge eher die Endgeschwindigkeit, je schneller er reindotzt, umso weiter dotzt er wieder raus, falls was schief geht. Ich glaub der ist sogar beim ersten Mal wieder 100 Meter hochgeschwebt und beim zweiten mal 7 m. :D

Ich bin weder Mathematicus, Physiker, noch Techniker der Raumfahrt, aber das Grundlegende krieg ich grob gedanklich mit meinem Schulwissen und den allgemein für Laien veröffentlichen Informatioen der Mission noch auf die Reihe. Irrtum vorbehalten. Am Internet-PC ohne genaue Kenntnisse mal schnell schlaue Verbesserungsvorschläge machen, das wäre mir etwas zu vermessen. Aber in einem bin ich mir sicher so wie ich das pf-eu kenne , der nächste Schlaumeier kommt bestimmt und krittelt an den Eingangswerten die ich verwendete herum und glaubt damit die grundsätzliche Richtigkeit widerlegt zu haben.

Für mich ist das der helle Wahnsinn was die Wissenschaftler da zustandebringen und bewunderswert. Dabei belasse ichs auch.


RTG:
Und bisher kenne ich keinen Beleg dafür, dass Philae ein RTG bekommen sollte. Nur ein nachträgliches Urteil Ulamecs im Konjunktiv. Sonst nix. Aber keine konkrete und direkte Aussage, dass für die in situ Probe ein RTG als Energieversorgung angedacht war. Aber Sie können natürlich weiterhin hier so tun als wäre der Kommentar Ulamecs ein Beleg für Ihre freie Behauptung. Wie auch immer, auf einen Beleg mit einem konkrete Hinweis auf Planungen für ein RTG des Landers Aussage würde ich mich freuen.


Diese Diskussionen hier in Foren schon wieder....urks. Wie hieß es noch auf H.M. Broders Webseite: Sie sind selbst Schuld wenn Sie antworten. Was schreibe ich Depp wieder für lange Aufsätze.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon X3Q » Mo 17. Nov 2014, 11:45

Das Gewichtsproblem bei Philae dürfte an anderer Stelle liegen, nämlich bei der Trennung von Philae von Rosetta.

Zum Zeitpunkt der Konstruktion war über den Kometen so gut wie nichts bekannt. Weder seine Zusammensetzung, Dichte, mechanische Stabilität, noch kannte man den genauen Wert seiner Masse und damit seiner Gravitation. Bei der Huygens-Cassini-Mission war dies anders. Dort konnte man auf bewehrte Mechanismen mittels vorgespannter Federn zurück greifen. Zum Abtrennen von Huygens wurde der Sperrmechanismus entriegelt und die vorgespannte Feder hat Huygens in Richtung Titan beschleuningt. Für Philae aber brauchte man ein Absetzsystem, mit dem man die Abstoßgeschwindigkeit um den Faktor 10 variieren konnte; weil man erst vor Ort genaue Daten zur Gravitation des Kometen hatte. Ein solch variables System ist mit mechanischen Federn nicht machbar. Deshalb hat man sich dafür entschieden Philae über 3 Spindeln mit Trapezgewinde zu beschleuningen, die von einem e-Motor angetrieben werden. Und da dieses Absetzsystem mit Größe des Landers ebenfalls größer und schwerer wird, gab es eine klare Begrenzung für sein Gewicht.

Philae wurde auch nicht von der ESA konstruiert. Aus Kostengründen hat man damals den Lander als PI-Projekt (ich glaube so heißt das) ausgeschrieben. Darauf konnten sich Arbeitsgruppen bewerben, die dann aber auch die Kosten für die Entwicklung tragen mußten. Und diese Leute haben sich gegen die schwere RTG entschieden, weil man statt dessen 2-3 Experimente mehr an Bord nehmen konnte.

So kenne ich die Geschichte ...

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Perdedor
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Mo 17. Nov 2014, 22:22

Cat with a whip hat geschrieben:Und auch keinen fixen Wert für eine Gravitationskraft in einem inhomogenen Gravitationsfeld annehmen.


Es ging um eine grobe Abschätzung. :roll:
Die angegebene Gewichtskraft (0,0001N) entsprach dem Maximum (auf der Oberfläche), was als Abschätzung nach oben zu gebrauchen ist.

Cat with a whip hat geschrieben:Philea flog aus 29 km Entfernung auf einen 10^13 kg Brocken mit einem mittleren Radius von 1,8 km.


Naja. Eher aus 22,5 km Entfernung auf einen Landeplatz der sich auf einer der Ausbuchtungen des Kometen befand (>2km), aber ok.
http://blogs.esa.int/rosetta/2014/10/31 ... -delivery/

Cat with a whip hat geschrieben:Beispiel als Extremfall: Hätte man den Lander mit einer Relativgeschwindigkeit von 0 m/s zum Kometen ausgesetzt, wäre beim freien Fall die Aufprallgeschwindigkeit 0,83 m/s gewesen


Gut. Ich komme mit den korrekten Zahlen auf 0,68 m/s. Kleiner als v0, aber von derselben Größenordnung.

Cat with a whip hat geschrieben:Bei kombinierter gleichmässig beschleunigter Bewegung mit konst. Gewindigkeitsanteil gilt nur zur Verdeutlichung:
v_res = sqr( v_0^2 + 2as)


Ja, und außerdem gilt
v_res = v_0 + at
Wir kennen die maximale Gewichtskraft, sowie die Zeit bis zur Landung.
Damit können wir eine obere Grenze für die durch die Gravitation zusätzlich verursachte Geschwindigkeit berechnen.

Aber schön, dass du es nun konkret nachgerechnet hast.
Wie wir sehen trägt die gravitative Beschleunigung nur einen kleinen Teil zur Geschwindigkeit bei.
Nochmal mit korrekten Zahlen:

Lander mit m=96kg und v_0=0,7 ms^-1:
v_res= sqr(0,7² +0,7²)= 0,99 ms^-1
p= 95 Ns
Lander mit 50% mehr Masse und v_0=0,7 ms^-1:
v_res= sqr(0,7² +0,7²)= 0,99 ms^-1
p= 142 Ns
Lander mit 50% mehr Masse und v_0=0 ms^-1:
v_res= 0,7 ms^-1
p= 100,8 Ns

Also gerade mal eine 5% höhere Belastung.
Das wird wohl kaum der Grund gewesen sein, auf den RNG zu verzichten.

Cat with a whip hat geschrieben:Der 50% schwerere Lander hätte selbst mit v_0=0 ms^-1 bei der Landung 14% mehr Impuls als der leichte. Mit 33% weniger als 0,7ms^-1 wär der Impuls 32% größer.


Ja. Die Aussage galt natürlich nur für die Abschätzung bei konstanter Kraft.
Aber dank dir haben wir ja nun eine präzisere Rechung, die die Grundaussage bestätigt.


Cat with a whip hat geschrieben:Am Internet-PC ohne genaue Kenntnisse mal schnell schlaue Verbesserungsvorschläge machen, das wäre mir etwas zu vermessen.


Naja. Immerhin implizierst du, dass der Projektleiter des Landers irgendwie Unsinn erzählt hätte als er sagte, man hätte aus politischen Gründen auf den RTG verzichtet. Und dafür erfindest du irgendetwas mit Belastungen bei der Landung, ohne es zu belegen.

Cat with a whip hat geschrieben:Für mich ist das der helle Wahnsinn was die Wissenschaftler da zustandebringen und bewunderswert.


Das auf jeden Fall.

Cat with a whip hat geschrieben:Was schreibe ich Depp wieder für lange Aufsätze.


Keine Sorge. Sie weden gelesen.


X3Q hat geschrieben:So kenne ich die Geschichte ...


Kann man das irgendwo nachlesen? Es würde ja Ulamec widersprechen (bzw dem Zitat).
Zuletzt geändert von Perdedor am Mo 17. Nov 2014, 22:35, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Mo 17. Nov 2014, 22:46

Danke für die Information XQ3. Ich habe noch vage in Erinnerung, der Auswurfmechanismus Rosettas hätte eine Korrekturmöglichkeit von 21 cm/s, die maßgebliche Geschwindigkeit für die Trajektorie Phileaes zum Kometen würde über Rosettas Schubdüsen selbst erzeugt. Ein Problem dabei wäre auch noch die weitere Trajektorie von Rosetta gewesen. Muß wieder auf Kurs kommen und darf nicht mit Komet kollidieren usw. Ich finds leider nicht mehr....werds aber verlinken wenn ichs wieder finde. Obs stimmt weiß ich nicht genau.



Meine Zahlen zum Impuls im vorigen Posting gelten übrigens nur für den Fall einer konstanten Beschleunigung, nicht für den realen Fall im inhomogenen Feld. Der wäre einerseits über Differenzialgleichungen zu rechnen, was meine Kenntnisse übersteigt. Man könnte dies aber leichter über eine Iteration mit ein paar Schleifen lösen.

Wer Lust auf die Umsetzung hat:
SET r=29000; M=10^13; G=6,67*10^-11;d_t=variables Zeitinkrement
g=M*G/r²
v=v+g*d_t
r=r-v*d_t
t=t+d_t
End IF r<1800

Hier mein Philae-Simulator für Basic:

Code: Alles auswählen

100 LET k=0.0000000000667
200 LET r=29000
300 LET t=10
400 LET M=10000000000000
500 LET v=0.7
600 LET p=96
1000 LET g=M*k/(r*r)
1100 LET v=v+(g*t)
1200 LET r=r-(v*t)
1250 LET z=z+t
1300 IF r>1800 THEN GOTO 1000 ELSE 2000

2000 PRINT "Geschwindigkeit in m/s"+"   " +v
3000 PRINT "Flugzeit in h"+"                       " +(z/3600)
4000 PRINT "Impuls in Ns"+"                       " +(p*v)


Die Zeilen kopieren und dort ins Feld einsetzen:

http://www.quitebasic.com/prj/basics/arrays/#

p = Masse Lander in kg
M = Masse Komet in kg
r = Entfernung der Separation vom Kometen in m
t = Zeitinkrement bzw. Rechenschritt in s (nicht kleiner als 10 Sekunden wählen, sonst rechnet das online Basic-Skrip unter Umständen ewig)
v = Geschwindigkeit (Anfangswert bei Zeile 500 setzen, Ausgabe erfolgt als Endgeschwindigkeit bei Kometenradius r=1800)

Man kann damit ja ein bischen Spielen und ausprobieren wie sich die Masse des Kometen noch auswirkt. :D

Für die v_ 0=0,7 m/s und Masse Lander 96kg bekommt man in der Iteration ähnliche Werte wie in der zeitbefreiten Gleichung von mir im vorigen Posting:

Geschwindigkeit in m/s 1.0877176029684708
Flugzeit in h 10.047222222222222
Impuls in Ns 104.42088988497319

für 144 kg und v_0= 0,466 m/s:

Geschwindigkeit in m/s 0.9542555494553298
Flugzeit in h 14.183333333333334
Impuls in Ns 137.41279912156747

Bei v_0 =0 wäre die Flugzeit übrigens 58h (also zweieinhalb Tage) und nicht 0,7 Jahre wie ich zuerst schätzte. Hier mit m=144 kg:

Geschwindigkeit in m/s 0.8395394150603781
Flugzeit in h 58.611111111111114
Impuls in Ns 120.89367576869445


Übrigens könnten wir jetzt jetzt über die tatsächliche Flugzeit und die wirkliche anfängliche Relativgeschwindigkeit Philaes die Masse des Kometen genauer ermitteln. Ich habe leider nicht die Daten. Kennt wer schon die tatsächlichen Daten (nicht die projektierten)?



Und hier nochmal die PK mit Ulamec:
https://www.youtube.com/watch?v=7Xm6y0LzlLo#t=50m08s
->Plutonium: Sicherheitsbedenken/politische Gründe die den Start betreffen und fehlende Entwicklung und Umgang mit der Technologie in Europa, die zum großen Teil auch politisch bedingt sind. Von einer konkreten ursprünglichen Planung sagte er nichts. Das wäre Spekulation.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Mo 17. Nov 2014, 23:02, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Mo 17. Nov 2014, 23:13

@Perdertor:
Ja, und außerdem gilt
v_res = v_0 + at


Ja, das hilft uns aber in dem Fall nix, da t wieder den Effekt von v0 beeinflusst und a selbst ortsabhängig ist. Wir benötigen eine zeitbefreite Gleichung und müssen über die festgelegte Strecke rechnen und nicht über die Zeit. Siehe meine Iteration. Die Maßgabe ist, dass das Integral im v-t-Diagramm immer gleich ist.
Und der Beschleunigungsanteil 2as=v² ist die Geschwindigkeit aus dem Energieerhaltungsatz E kin = E pot. So kann man das Problem von t und der variablen Ortsbeschreunigung umgehen. Das ist auch das was die Iteration liefert.
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Mo 17. Nov 2014, 23:53, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Di 18. Nov 2014, 01:00

Cat with a whip hat geschrieben:Ja, das hilft uns aber in dem Fall nix, da t wieder den Effekt von v0 beeinflusst und a selbst ortsabhängig ist.


Ja, wie gesagt: Es gilt natürlich nur für die Abschätzung bei konstanter Beschleunigung (welche eben nicht ortsabhängig ist).

Streng genommen ist die Rechnung sogar noch komplizierter, da Rosetta ja nicht "geo"stationär ist.

Cat with a whip hat geschrieben:Meine Zahlen zum Impuls im vorigen Posting gelten übrigens nur für den Fall einer konstanten Beschleunigung, nicht für den realen Fall im inhomogenen Feld.


Keine falsche Bescheidenheit. Durch Verwendung der Enregieerhaltung gilt deine obige Rechnung auch im inhomogenen (aber radialsymmetrischen, was streng genommen natürlich auch nicht gilt) Gravitationsfeld.
Der Impuls hängt dann nur von der Geschwindigkeit ab.
Für eine konstante Beschleunigung gilt die Rechnung in meiner Abschätzung (v=v0+at).

Cat with a whip hat geschrieben:Der wäre einerseits über Differenzialgleichungen zu rechnen, was meine Kenntnisse übersteigt.


Du hast die Lösung oben bereits angegeben.

Cat with a whip hat geschrieben:SET r=29000; M=10^13; G=6,67*10^-11;d_t=variables Zeitinkrement
[...]
End IF r<1800


Wenn schon, dann r=22500 bis ~2500.
Siehe obigen Link.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Di 18. Nov 2014, 01:56

Ah, ich habs gewusst, es wird an den Eingangswerten herumgekrittelt. r ist natürlich der Radius. Die 1800 m sind schon eine gute Näherung für den mittleren Radius. Ich hatte die Daten von der deutschen WIKI: Durchmesser 4 km × 3,5 km × 3,5 km. Ich habe davon das arithmetische Mittel genommen und kam so auf einen praktikablen Wert für den Radius des Kometenkerns. Die Distanz der Separation hatte ich nicht gewusst, Danke für den Hinweis. Dann passt das auch umso besser mit dem Wert der 7h Flugzeit, die herumgeistern.

Ok, es ist ja nun klar geworden, mit der Verkleinerung der v_0 lässt ich kaum mit Ihrer Milchmädchenrechnung linear auf die Landegeschwindigkeit schliessen. Das funktioniert deutlich nur, wenn die Anfangsgeschwindigkeit höher ist der Geschwindigkeitsanteil durch Gravitationsbeschleunigung. Nur hat das hier keine Bedeutung. Hier muß die Geschwindigkeit reduziert werden.

Wie ich sagte, macht auch hier eine Reduzierung immer weniger Effekt für die Landegeschwindigkeit aus, denn die wird überwiegend durch die Gravitation des Kometen bestimmt.

Spassenhalber habe ich die Simulation Graphisch dargestellt.

x-Achse Anfangsgeschwinditkeit
Y-Achse Flugdauer und Landegeschwindigkeit

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads ... di5gu7.jpg

Man sieht: Eine Reduzierung der v_0 von 0,7 m/s z.B. Faktor 1,75 auf nur 0,4 m/s hat für die Veränderung der Landegeschwindigkeit nur noch den Faktor 1,17.


Auffällig ist auch die Wahl der Angfangsgeschwindigkeit, es war vermutlich auch eine recht vernünftige Optimierung/Kompromiss aus möglichst geringer Fallzeit und geringer Aufprallgeschwindigkeit. Mann hätte den Aufprall nur noch um wenige Prozente sachter machen können um den Preis die Fallzeit zu vervielfachen.

Hier noch aus Schönheitagründen die Simulation für 22,5 km Entfernung:
http://img5.fotos-hochladen.net/uploads ... shw9x6.jpg
Zuletzt geändert von Cat with a whip am Di 18. Nov 2014, 03:01, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Perdedor » Di 18. Nov 2014, 02:18

Cat with a whip hat geschrieben:Ah, ich habs gewusst, es wird an den Eingangswerten herumgekrittelt.


Du hast doch oben selbst nach genauen Werten gefragt.

Cat with a whip hat geschrieben:Ok, es ist ja nun klar geworden, mit der Verkleinerung der v_0 lässt ich kaum mit Ihrer Milchmädchenrechnung linear auf die Landegeschwindigkeit schliessen.


Es war von Anfang an klar, dass die Annahme einer konstanten Beschleunigung (mit Maximalwert) eine Abschätzung der Endgeschwindigkeit nach oben liefert. Das war ja genau das, was wir wissen wollten.

Schön, dass wir nun auch eine präzisere Rechnung haben. Ändert freilich nichts an der ursprünglichen Aussage, dass die Belastung nur unwesentlich steigt (+5% bei v0=0 und Masse+50%).

Alles immer unter der Annahme, dass ein paar % mehr Belastung bei der Landung überhaupt ein Problem gewesen wäre.
Dafür fehlt immernoch jeder Beleg.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Di 18. Nov 2014, 09:47

Osiris-Bilder des Landeplatzes.
http://www.esa.int/spaceinimages/Images ... _the_comet
http://blogs.esa.int/rosetta/2014/11/16 ... t_landing/

Hier noch ein recht informativer Artikel auf englisch:
http://www.spaceflight101.com/play-by-p ... nding.html

Dort findet man auch das Seprationsmanöver beschrieben.
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon X3Q » Di 18. Nov 2014, 10:08

Perdedor » Mo 17. Nov 2014, 22:22 hat geschrieben:
Kann man das irgendwo nachlesen? Es würde ja Ulamec widersprechen (bzw dem Zitat).

Ich habe da nur meine "Aufzeichnungen" aus meiner Zeit als Astrobiologe von vor 5 Jahren - leider oftmals ohne Quellenvermerk. Einiges stammt aus Vorträgen, anderes von Internetseiten. Zum Trennmechanismus gab es in irgend einem Forum mal Bilder, aber ich weiß nicht mehr wo.

Ich würde jetzt nicht sagen, daß meine Ausführungen denen Ulamecs widersprechen. Die Verwendung von RTG bei Sonden ist schon sehr lange ein heißes Eisen und wurde innerhalb der NASA z.B. auch bei der Konzeption von Curiosity intensiv diskutiert. Es hat schon etwas seltsames an sich, wenn man ein Gerät zur Erforschung von Leben auf anderen Planeten baut und dabei eines der uns bekannten giftigsten Elemente verwendet. Unter vorgehaltener Hand wird dies gerne miit dem Einfluß des US-Militärs begründet.

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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » So 14. Jun 2015, 15:21

Die Sonde auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat sich offenbar schon seit geraumer Zeit reaktiviert, da die Energieversorgung wieder dauerhaften Betrieb erlaubt. Erst jetzt aber gelang die Kommunikation mit Rosetta.
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.as ... llery/2563
http://www.astronews.com/news/artikel/2 ... -021.shtml
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Mo 5. Sep 2016, 17:21

The-heeee, gefunden! Kein Wunder, in die Spalte in die es die Sonde gesemmelt hatte kommt kein Licht...

http://sci.esa.int/science-e-media/img/ ... eFound.jpg

http://sci.esa.int/rosetta/58220-philae-found/
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Re: Rosetta und der Komet

Beitragvon Cat with a whip » Do 29. Sep 2016, 17:12

Perfektion ist nicht alles, die Chance auf Erkenntnis liegt auch im Scheitern:
http://www.zeit.de/wissen/2016-09/roset ... rassimenko
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