Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

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jack000
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Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon jack000 » Mo 18. Nov 2013, 18:39

Den Doktortitel, den höchsten akademischen Grad, den es in Deutschland zu vergeben gibt, erhält man nur an einer Universität. Das ist so, und das soll auch so bleiben - finden jedenfalls die Unis. Doch jetzt plant Schleswig-Holstein als erstes Bundesland, dieses eherne Gesetz zu Fall zu bringen.

Die dortige Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) will es den Fachhochschulen (FH) ihres Landes ermöglichen, Doktortitel zu verleihen. Das sieht ihre Vorlage für ein neues Hochschulgesetz vor. Bis Ende 2014 soll die Novellierung durch sein, dann sollen Fachhochschulabsolventen an ihrer FH promovieren dürfen.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 34133.html

Was spricht denn dagegen?
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Tantris
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Tantris » Mo 18. Nov 2013, 18:46



Naja... die wissenschaftlichen hochschulen bangen um dieses privileg.

Mir ist das eigentlich egal... wer auf einer fh studiert hat, hat ja die allgemeine hochschulreife und könnte auch quer in die uni einsteigen. Wenn eine FH ähnliches bietet, kann er sich das sparen.

Wichtiger finde ich, dass der Dr. im deutschen nicht mehr als teil des namens ist, damit unsere politiker einen grund weniger zum schwindeln haben.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon d'Artagnan » Mo 18. Nov 2013, 18:55



Aus Uni-Sicht bedeutet das einen weiteren Schritt in Richtung gesellschaftlichen Niedergang:
http://www.berliner-zeitung.de/newstick ... 69410.html

Die Unis haben einen kapitalen Fehler gemacht, als sie sich dem politischen Druck gebeugt und dem Bachelor/Master System angeschlossen haben. Die FHs sind für dieses System viel geeigneter - und wurden folgerichtig deutlich konkurrenzfähiger. Mit dem Wegfall des Promotionsprivilegs wären die Unis endgültig auf einem absteigenden Ast.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Tantris » Mo 18. Nov 2013, 18:57

Ist bei der ausbildung von menschen, bei forschung und lehre, das überleben einer bestimmten institution wirklich das wichtigste?
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Blickwinkel
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Blickwinkel » Mo 18. Nov 2013, 19:02

Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt. (Ludwig Erhard)
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon d'Artagnan » Mo 18. Nov 2013, 19:07

Tantris » Mo 18. Nov 2013, 19:57 hat geschrieben:Ist bei der ausbildung von menschen, bei forschung und lehre, das überleben einer bestimmten institution wirklich das wichtigste?

Also wenn man selbst Beschäftigter einer solchen Institution ist - dann Ja!!
:D ;)

Aber im Ernst: Meiner Meinung nach wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Politiker darauf kommen, dass es hier Parallelstrukturen gibt.
Und dann kommt unweigerlich der Roststift.
Folge: Lehre kommt wahrscheinlich vollständig zur FH.
An die Uni geht man dann als Master höchstens noch zum Promovieren. Und wie man sieht wird jetzt auch hier die Axt angelegt.
Überhaupt werden die Unis (außer in den geisteswissenschaftlichen Bereichen) schwer zu kämpfen haben um wenigstens die Forschung nicht völlig zu verlieren. Sie haben im Großen und Ganzen die deutlich schlechteren Karten.
Fast möchte ich sagen "Selbst schuld!".
Und besonders @LMU: haltet ruhig weiter die Schavan in eurem Hochschulrat, auf Grund ihrer großartigen Arbeit.
Ihr seid "Elite"! :x
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon John Galt » Mo 18. Nov 2013, 20:09



Noch mehr Doktorinflation.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Antisozialist » Mo 18. Nov 2013, 20:19



Kann man seinen Doktor demnächst auch an der Volkshochschule machen? :p
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon John Galt » Mo 18. Nov 2013, 20:22

Antisozialist » Mo 18. Nov 2013, 20:19 hat geschrieben:
Kann man seinen Doktor demnächst auch an der Volkshochschule machen? :p


Es sollte eine Stelle geben, wo jeder Hinz und Furz eine Doktorarbeit hinschicken kann. Das wäre dann ein gemeinsames Institut der Unis. Dort könnten dann auch die Fachhochschulenheinos ihre Arbeit hinschicken. Ob die Arbeit den Ansprüchen dann genügt steht auf einem anderen Blatt.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon jack000 » Mo 18. Nov 2013, 20:29

John Galt » Mo 18. Nov 2013, 20:09 hat geschrieben:
Noch mehr Doktorinflation.

Was spricht gegen Dr.-Titel? Nach den Erfahrungen der letzten Zeit ist es doch eher so, das man genauer hinschaut bevor ein Dr.-Titel vergeben wird.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Sir Porthos » Mo 18. Nov 2013, 20:29

Tantris » Mo 18. Nov 2013, 18:46 hat geschrieben:
Naja... die wissenschaftlichen hochschulen bangen um dieses privileg.

Mir ist das eigentlich egal... wer auf einer fh studiert hat, hat ja die allgemeine hochschulreife und könnte auch quer in die uni einsteigen. Wenn eine FH ähnliches bietet, kann er sich das sparen.

Wichtiger finde ich, dass der Dr. im deutschen nicht mehr als teil des namens ist, damit unsere politiker einen grund weniger zum schwindeln haben.


Den sollte man öffentlich tragen dürfen, wenn man in der akademischen Lehre arbeitet. Sonst nicht.
Sir Porthos

Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Sir Porthos » Mo 18. Nov 2013, 20:29

jack000 » Mo 18. Nov 2013, 20:29 hat geschrieben:Was spricht gegen Dr.-Titel? Nach den Erfahrungen der letzten Zeit ist es doch eher so, das man genauer hinschaut bevor ein Dr.-Titel vergeben wird.


Nichts spricht dagegen.

Aber was soll er denn aussagen, wenn man nicht in der akademischen Lehre arbeitet ?

Als billige Wahlhilfe für Politiker um einfältige Menschen zu blenden ?
Zuletzt geändert von Sir Porthos am Mo 18. Nov 2013, 20:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon jack000 » Mo 18. Nov 2013, 20:33

Antisozialist » Mo 18. Nov 2013, 20:19 hat geschrieben:
Kann man seinen Doktor demnächst auch an der Volkshochschule machen? :p

FHler sind in der Privatwirtschaft sehr beliebt ... (Vor allem bevor es Bachelor/Master gab). Warum sollte das nach einer Promotion anders sein?
(Es wäre ja eh erst nach einem Master möglich zu promovieren).
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon jack000 » Mo 18. Nov 2013, 20:39

Sir Porthos » Mo 18. Nov 2013, 20:29 hat geschrieben:Aber was soll er denn aussagen, wenn man nicht in der akademischen Lehre arbeitet ?

Es macht einen guten Eindruck bei Bewerbungen auf Führungspositionen aber auch bei der Kommunikation innerhalb einer Firma.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Sir Porthos » Mo 18. Nov 2013, 20:45

jack000 » Mo 18. Nov 2013, 20:39 hat geschrieben:Es macht einen guten Eindruck bei Bewerbungen auf Führungspositionen aber auch bei der Kommunikation innerhalb einer Firma.


Ich gebe zu, dass ich auch mehr Einstiegsgehalt durch den Titel bekommen habe.

Aber wenn ich diese ganzen Skandale sehe, diese widerlichen Mogelpackungen....was soll das ?

Man kann den Titel gerne in Bewerbungen angeben.

Jedoch öffentlich tragen sollte man ihn nur, wenn man auch in der akademischen Lehre arbeitet.

Das würde vielen Blendern die Motivation nehmen, sich diesen Titel zu erschleichen.
victim

Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon victim » Di 19. Nov 2013, 19:29

Egal, wenn das intellektuelle level gewahrt bleibt.
Auch dort kanns doch wohl Doktorväter geben.
In Orchideenfächern könnten sowieso 90 % promovieren, so ab IQ 110 mit entsprechendem Einsatz.
So ab IQ 130 sollte man sich anspruchsvollen math.-naturwiss. Disziplinen zuwenden.
Leidet man unter sog. "Hochbegabung", ohne eine Ahnung davon gehabt zu haben, dann nimmt man ein Studium nur als nebenher laufenden Witz so einfach mit, ohne was dafür zu tun.
Vorlesungen sind da zu langweilig, man meidet sie, wo immer es geht.
Stattdessen hätte man sich natürlich in anspruchsvollsten Disziplinen mit dem höchstmöglichen Abschluss befassen sollen.
Aber weit über 90 % haben keine Ahnung von ihrem IQ und setzen ihn damit auch nicht adäquat ökonomisch um.
Das kann dazu führen, daß man sich für den absoluten Volltrottel in einer Irrenanstalt hält, hahaha ;-)
Dann aber eben wenigstens auf Familie und Reproduktion verzichten.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Tantris » Mi 20. Nov 2013, 01:22

Sir Porthos » Mo 18. Nov 2013, 21:45 hat geschrieben:
Ich gebe zu, dass ich auch mehr Einstiegsgehalt durch den Titel bekommen habe.

Aber wenn ich diese ganzen Skandale sehe, diese widerlichen Mogelpackungen....was soll das ?

Man kann den Titel gerne in Bewerbungen angeben.

Jedoch öffentlich tragen sollte man ihn nur, wenn man auch in der akademischen Lehre arbeitet.

Das würde vielen Blendern die Motivation nehmen, sich diesen Titel zu erschleichen.


Die deutsche titelsucht hat uns all die konservativen schwindel-doctores eingebracht. Weg damit!

Wer wissenschaft dazu missbraucht, sich über andere zu erheben, hat selbige eh nie kapiert!

Wer wirklich was drauf hat, der legt keinen wert auf titel! Schonmal was von "dr martin walser", "dr thor heyerdal" oder meinetwegen "dr. ratzinger" gehört?
Ein dr auf dem namensschild und visitenkarte ist etwas für kleine geister.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon palulu » Mi 20. Nov 2013, 01:24

Jeder FH-Studierende sollte die Möglichkeit dazu haben, zu promovieren - aber nicht an der FH.
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Antisozialist » Mi 20. Nov 2013, 21:59

palulu » Mi 20. Nov 2013, 01:24 hat geschrieben:Jeder FH-Studierende sollte die Möglichkeit dazu haben, zu promovieren - aber nicht an der FH.


Dieses Recht existiert bereits. In der Regel bekommen aber nur Einser-FH-Absolventen einen Promotionsplatz an den Universitäten ab.
Pudding: "Sollte ein Sklavenhalter versuchen bei uns in der Ferttigung Werbung für seine Sklavenhaltung zu machen würde er einen Unfall haben."
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Re: Fachhochschulen mit Promotionsrecht?

Beitragvon Antisozialist » Mi 20. Nov 2013, 22:01

victim » Di 19. Nov 2013, 19:29 hat geschrieben:Egal, wenn das intellektuelle level gewahrt bleibt.
Auch dort kanns doch wohl Doktorväter geben.
In Orchideenfächern könnten sowieso 90 % promovieren, so ab IQ 110 mit entsprechendem Einsatz.
So ab IQ 130 sollte man sich anspruchsvollen math.-naturwiss. Disziplinen zuwenden.
Leidet man unter sog. "Hochbegabung", ohne eine Ahnung davon gehabt zu haben, dann nimmt man ein Studium nur als nebenher laufenden Witz so einfach mit, ohne was dafür zu tun.
Vorlesungen sind da zu langweilig, man meidet sie, wo immer es geht.
Stattdessen hätte man sich natürlich in anspruchsvollsten Disziplinen mit dem höchstmöglichen Abschluss befassen sollen.
Aber weit über 90 % haben keine Ahnung von ihrem IQ und setzen ihn damit auch nicht adäquat ökonomisch um.
Das kann dazu führen, daß man sich für den absoluten Volltrottel in einer Irrenanstalt hält, hahaha ;-)
Dann aber eben wenigstens auf Familie und Reproduktion verzichten.


Mein IQ liegt bei etwa 120 und ich habe mich sinnvollerweise für Betriebswirtschaft entschieden.
Pudding: "Sollte ein Sklavenhalter versuchen bei uns in der Ferttigung Werbung für seine Sklavenhaltung zu machen würde er einen Unfall haben."

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