Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

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schokoschendrezki
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Feb 2017, 10:40

X3Q hat geschrieben:(23 Feb 2017, 10:14)

Es besteht schon ein Unterschied, ob man einfach nur Leben auf anderen Planeten nachweisen will. Oder ob man Leben nachweisen möchte, welches Technologien entwickelt hat. Zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte. Letzteres ließe sich heute schon nachweisen, wenn es die denn gibt und der zeitliche Horizont stimmt. Aber einfaches Leben nachweisen ist da schon eine ganz andere Aufgabe. Zwar kann man sich zig "Biomarker" vorstellen, doch hapert es derzeit an den meßtechnischen Möglichkeiten. Denn dazu bräuchte man sehr leistungsstarke Teleskope im Weltraum (oder auf dem Mond). Aber die Dinger werden kommen.

--X

An der Existenz von einfachem Leben, in welcher Form auch immer, selbst im näheren Umkreis des Sonnensystems habe ich nicht den mindesten Zweifel. Und dass dies andererseits über kosmische Distanzen hinweg sehr sehr schwierig ist, nachzuweisen, ist auch klar.

Ich bin nur sehr skeptisch, was mögliche Kommunikationsformen mit möglicherweise existierenden entwickelten, "intelligenten" Lebensformen angeht. Auf der einen Seite scheint - wenn man die biologische Evolution auf der Erde betrachtet - Höherentwicklung nicht nur kein Zufall sondern geradezu unaufhaltbar zu sein. Selbst unter extremsten und widrigsten Umständen findet sie statt. Auf der anderen Seite dürften selbst nur in unserer Galaxis - rein statistisch - die Chancen für das Einsetzen von solchen Höherentwicklungen gigantisch sein. Es meldet sich nur leider niemand, mal ganz dumm gesprochen. Und eine aus meiner Sicht logische Erklärung dafür lautet, dass die Entwicklung intelligenter Zivilisationen, wenn sie denn einmal einsetzt, hochgradig exponentiell verläuft und dass deswegen die Zeitfenster, in denen eine Kommunikation zwischen solchen Zivilisationen irgendwie sinnvoll möglich ist, so winzig klein sind, dass es eben so gut wie ausgeschlossen ist, dass sie überhaupt stattfindet.
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Ammianus
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Ammianus » Do 23. Feb 2017, 20:42

Wir brauchen uns nur unsere nähere Geschichte ansehen und wie viele Vernichtungsszenarien da schon möglich waren. In den 80ern stand einmal der große Knall kurz bevor. Und da waren die Potentiale beider Seiten so enorm, dass vielleicht die gesamte Erde verstrahlt worden wäre.
Dann die Kuba-Krise in den 60ern.
Doch Hitler hätte auch gegen die Sowjetunion gewinnen können. Dann hätten sowohl Deutschland als auch die USA die Bombe gehabt.

Wenn es wirklich ein Asteroid war, der für das Ende der Saurier und den Aufstieg der Säuger verantwortlich war, dann könnte ein Szenario wie damals auch heute unser Ende sein. Noch wären wir nicht in der Lage einen Himmelskörper dieser Größe abzuwehren.

Vielleicht kann man aber auch eine optimistische Spekulation nehmen. Danach gibt es eine interstellare Allianz der Zivilisationen. Feste Regel ist die absolute Nichteinmischung und Abschirmung aller Planeten, die noch nicht über die Technik der interstellaren Raumfahrt verfügen.
Kann ja sein ...
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Feb 2017, 21:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Feb 2017, 09:26)
Ja ... man muss einfach nur mal extrapolieren: Die technologische Entwicklung der menschlichen (Beispiel)Zivilisation von jetzt an auf die astronomische Zeitskala der Sternenlebenszyklen ... einen Augenblick später bereits müsste es Technologien geben, die jede denkbare messtechnische Nachweisbarkeitsschwelle auch im Umkreis von 100 Lichtjahren überschreiten. Es gibt sie nur offenbar nicht.

mit so einer aussage muss man vorsichtig sein.
siehe z.B. hier:
http://www.n-tv.de/wissen/Forscher-deut ... 40106.html
oder hier:
http://www.focus.de/wissen/videos/epic- ... 33898.html
oder das wow-signal von hier:
http://www.forschung-und-wissen.de/maga ... 7-13371956

es kann sein, dass wir (warscheinlich eher andere und wir sind zufällig beobachter) dauernd angefunkt werden.. aber es ist richtig darum keinen hype zu machen. das sollte man aufzeichnen und in aller ruhe analysieren (über machine learning methoden, muster erkennen?).
vielleicht sind das aber auch keine signale sondern einfach andere natürliche effekte, die man noch erklären/finden muss.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Do 23. Feb 2017, 22:12

schokoschendrezki hat geschrieben:Auf der einen Seite scheint - wenn man die biologische Evolution auf der Erde betrachtet - Höherentwicklung nicht nur kein Zufall sondern geradezu unaufhaltbar zu sein.


Naja. Vom Beginn des Lebens bis zu den ersten Vielzellern vergingen auf der Erde ca 3 Mrd Jahre. Wenn es so lange dauert, wird es in vielen Fällen womöglich gar nicht so weit kommen.
Und am Ende hat nur eine renzente Art Intelligenz entwickelt. Das ist sehr wenig, also offenbar auch sehr unwahrscheinlich.
Natürlich ist die Erde als einziges Beispiel nicht geeignet eine aussagekräftige Statistik zu begründen. Aber die Beobachtungen sind kompatibel mit der Annahme, dass die Entwicklung von intelligentem Leben sehr unwahrscheinlich ist, und damit auch möglicherweise sehr selten.

schokoschendrezki hat geschrieben:Und eine aus meiner Sicht logische Erklärung dafür lautet, dass die Entwicklung intelligenter Zivilisationen, wenn sie denn einmal einsetzt, hochgradig exponentiell verläuft und dass deswegen die Zeitfenster, in denen eine Kommunikation zwischen solchen Zivilisationen irgendwie sinnvoll möglich ist, so winzig klein sind, dass es eben so gut wie ausgeschlossen ist, dass sie überhaupt stattfindet.


Wieso sollte Kommunikation nicht mehr "sinnvoll möglich" sein? Auch ein Steinzeitmensch könnte sich mit einem Jetztmenschen sinnvoll unterhalten (zumindest über grundlegende Dinge).
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon harry52 » Do 23. Feb 2017, 22:20

Ammianus hat geschrieben:Wenn es wirklich ein Asteroid war, der für das Ende der Saurier und den Aufstieg der Säuger verantwortlich war, dann könnte ein Szenario wie damals auch heute unser Ende sein.

Ja, es war ein Asteroid und ja: Es könnte das Ende des Homo Sapiens sein.

Ammianus hat geschrieben:Noch wären wir nicht in der Lage einen Himmelskörper dieser Größe abzuwehren.

Ja und wir haben genug andere Probleme, so dass ich kaum glaube, dass wir jemals in der Lage sein werden, so einen Himmelskörper abzuwehren.

Ammianus hat geschrieben:Vielleicht kann man aber auch eine optimistische Spekulation nehmen. Danach gibt es eine interstellare Allianz der Zivilisationen. Feste Regel ist die absolute Nichteinmischung und Abschirmung aller Planeten, die noch nicht über die Technik der interstellaren Raumfahrt verfügen.
Kann ja sein ...

Nein, das glaube ich nicht, da wir schon ziemlich viel von Physik verstehen.
Ich sehe da nicht einmal eine winzige Möglichkeit, wie wir die gigantischen Entfernungen überwinden können innerhalb unserer Lebensspannen. Unsere Lebenserwartung müsste auf viele hunderttausende Jahre gesteigert werden und wie soll das gehen und wie viele Menschen mit so einer Lebenserwartung kann unser Planet verkraften?
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Feb 2017, 22:43

hier cooles video zu dem neu entdeckten system
https://www.youtube.com/watch?v=bnKFaAS30X8

hier allgemein eine gute seite zu exoplaneten:
https://exoplanets.nasa.gov/
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon frems » Do 23. Feb 2017, 22:49

Einfach nahezu Lichtgeschwindigkeit reisen (Zeitdilatation) und etwas "länger" leben oder den Raum krümmen. Da ist doch nichts bei. Schaut doch mal Spielfilme.
Labskaus!

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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon watisdatdenn? » Do 23. Feb 2017, 23:20

frems hat geschrieben:(23 Feb 2017, 22:49)
Einfach nahezu Lichtgeschwindigkeit reisen (Zeitdilatation) und etwas "länger" leben oder den Raum krümmen. Da ist doch nichts bei. Schaut doch mal Spielfilme.

stimmt: wenn man auf nahe lichtgeschwindigkeit beschleunigt kann man schon in lebenszeit da hin kommen, auch wenn es 200 lichtjahre entfernt ist.
man braucht halt erst mal (sehr!) viel energie und muss dann eine sehr strenge diät machen aufgrund der massezunahme :D.

@Perdedor bitte korrigiere mich wenn ich falsch liege, aber man krümmt den raum (raumzeit) ja bei jeder beschleunigung.
-> um in vertretbarer zeit auf nahezu lichtgeschwindigkeit zu kommen, muss man schon kräftig die raumzeit biegen (=beschleunigen) :D

hier der thread zu den gravitationswellen:
viewtopic.php?f=19&t=59721&p=3437456
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » Fr 24. Feb 2017, 00:38

Mehrere erdähnliche Planeten, gleich drei davon sogar in der habitablen Zone, dann auch noch "nur" in 40 Lj Entfernung...da haben wir wohl den Jackpot geknackt.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Adlerauge » Fr 24. Feb 2017, 00:45

Was wollte Shakespeare in seinem Hamlet mit folgendem Spruch zum Ausdruck bringen?
"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horation, als deine Philosophie sich träumen läßt"
Recht muss Recht bleiben, dem Unrecht muss das Recht entzogen werden!
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Fr 24. Feb 2017, 00:50

watisdatdenn? hat geschrieben:bitte korrigiere mich wenn ich falsch liege, aber man krümmt den raum (raumzeit) ja bei jeder beschleunigung.


Naja. Die Raumzeit ist bereits durch die bloße Anwesenheit der Masse, die du beschleunigen willst gekrümmt. Wenn du den Zustand der Masse änderst, ändert sich die Krümmung entsprechend.

GravitationsWELLEN (anderer Strang), entstehen aber nur bei Beschleunigung von Massen und auch nicht bei allen, sondern nur bei solchen mit nicht verschwindenden Quadrupolmoment.

watisdatdenn? hat geschrieben:-> um in vertretbarer zeit auf nahezu lichtgeschwindigkeit zu kommen, muss man schon kräftig die raumzeit biegen (=beschleunigen)


Das ist relativ. ;)
Je nachden was "vertretbar" ist und wie nahe "nahezu" ist.
Es gab in den 70er und 80er Jahren ja einige Studien, welche die Möglichkeiten ausloteten mit konventionellen (in diesem Zusammenhang = nuklearen) Methoden die näheren Sternensysteme zu erreichen (siehe "Project Daedalus" und "Project Longshot"). Resultat war, dass es möglich ist mit in absehbarer Zeit erreichbarer Technologie den nächsten Stern in 100 (mit abbremsen) bzw 50 Jahren (ohne) zu erreichen (Erdzeit). Dies implizierte Geschwindigkeiten von X-zig Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Sicherlich würde dies bedeutende Investitionen voraussetzen und noch viele Jahre Entwicklungszeit benötigen. Aber es gäbe keine grundlegenden physikalischen Probleme.
Raumkrümmung ist hierbei irrelevant. Es ging um schlichte nukleare Antriebe.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » Fr 24. Feb 2017, 00:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Feb 2017, 08:57)

So erdähnlich die gefunden Planeten (theoretisch) auch sein könnten, so wenig sonnenähnlich ist der Zwergstern, den sie umkreisen. Zum einen müssen diese Planeten auf so sternnahen Bahnen kreisen, dass sie nicht selbst rotieren und sie somit stets dieselbe Seite dem Zentralgestirn zuwenden.
Der Zentralgestirn des Systems ist allerdings sehr klein und hat eine relativ niedrige Oberflächentemperatur. Die Auswirkungen auf Atmosphäre und Klima der Planeten wären nicht so extrem.

Der Zwergstern Trappist-1 hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne und zwölf Prozent des Sonnendurchmessers. Er ist nicht einmal halb so heiß wie unsere Sonne - gerade noch heiß genug, damit sein Sonnenfeuer nicht erlischt.

Dadurch können auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen. Die inneren sechs Trabanten umrunden Trappist-1 in 1,5 bis 12 Tagen, die Umlaufzeit des äußersten Planeten ließ sich noch nicht genau bestimmen und liegt zwischen zwei und fünf Wochen.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/exoplaneten-sieben-erdaehnliche-planeten-auf-einmal-entdeckt-a-1135823.html
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schelm » Fr 24. Feb 2017, 01:32

Zur Feier des Tages habe ich mir den Film " Interstellar " reingezogen, ich mag den, sehr episch, wenn auch mit einigen logischen Schwächen. ;)
Jeder Kaiser hat das Recht nackt vor sein Volk zu treten, aber dafür bedarf es eines Volkes, das nicht blind ist.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Feb 2017, 09:01

Perdedor hat geschrieben:(23 Feb 2017, 22:12)
Naja. Vom Beginn des Lebens bis zu den ersten Vielzellern vergingen auf der Erde ca 3 Mrd Jahre. Wenn es so lange dauert, wird es in vielen Fällen womöglich gar nicht so weit kommen.

Die Dauer der anfänglichen chemischen Evolution ist in der Tat schon beträchtlich. Aber dem stehen jüngere Erkenntnisse entgegen, dass sich selbst in irgendwelchen kochenden Geysiren und untermeerischen Schwefelquellen Lebensräume entwickeln können. Oder dass Mikroben selbst auf der Außenhaut von Raumschiffen einen Flug ins All überleben. Es wurden Szenarien entwickelt, dass selbst in der extrem unwirtlichen Welt des Saturnmonds Titan (methanbasierte) Lebensformen möglich wären. Auch wenn das jetzt sehr unwissenschaftlich und sehr vage formuliert ist: Einerseits ist "Materie" tot und unbeseelt und verhält sich einfach nur stoisch nach gewissen physikalischen Gesetzen. Andererseits scheint ihr irgendein Wille innezuwohnen, sich irgendwie höher zu organsieren und komplexer zu werden.
Wieso sollte Kommunikation nicht mehr "sinnvoll möglich" sein? Auch ein Steinzeitmensch könnte sich mit einem Jetztmenschen sinnvoll unterhalten (zumindest über grundlegende Dinge).

Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Nicht mit Einsetzen von "Intelligenz" an sich beginnt eine hochgradig exponentiell verlaufende Entwicklung sondern mit Beginn dessen, was man irgendwie mit "Neuzeit" oder auch "kopernikanische Wende" umschreibt. Irgendwann zwischen Kopernikus und Newton gelten auf einmal radikal und völlig andere Fortschrittsprinzipien als zwischen Donnerkeil und Eisenpflug. Und heute liegt unser vorstellbarer technologischer und wissenschaftlicher Zeithorizont grad mal ein paar Jahre oder maximal Jahrzehnte vor uns. Und das ist nun mal auf der kosmischen Zeitskala gar nix. Ich habe nicht die mindeste Ahnung, wie ich diese momentan ablaufende technologische Fortschrittskurve, bei der sich in wenigen Jahrzehnten so gut wie alles ändert, nun auf eine Zeitskala von Hunderttausenden, oder gar hunderten von Millionen Jahren extrapolieren soll. Schon Begriffe wie "Intelligenz", "Leben", "Zivilisation", "Kultur" sind vom zeitlich eng begrenzten menschlichen Ameisenblickfeld begrenzt. Man sollte wahrscheinlich davon ausgehen, dass für "etwas", was irgendwann einmal der humanen Zivilisation auf der Erde ähnelte, bereits in 100 000 Jahren diese Begriffe und Vorstellungen einfach nicht mehr zulässig sein können. Und selbst 100 000 Jahre sind im Lebenszyklus eines Zwergsterns gar nix. Oder eben, dass "Zivilisationen" auf einer solchen Zeitskala nicht im entferntesten überhaupt beständig sein können.

Das für mich instinktiv wahrscheinlichste Szenarium des Lebens im All und auf der ganzen kosmischen Zeitskala würde ich am ehesten als eine Art Funkenblitzen beschreiben. Leben und auch Zivilisationen entstehen beständig und überall, aber ihre Lebensdauer ist - im Verhältnis gesehen - nicht länger aus das Aufblitzen eines Funkens.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Feb 2017, 09:27

watisdatdenn? hat geschrieben:(23 Feb 2017, 21:58)

mit so einer aussage muss man vorsichtig sein.
siehe z.B. hier:
http://www.n-tv.de/wissen/Forscher-deut ... 40106.html
oder hier:
http://www.focus.de/wissen/videos/epic- ... 33898.html
oder das wow-signal von hier:
http://www.forschung-und-wissen.de/maga ... 7-13371956

es kann sein, dass wir (warscheinlich eher andere und wir sind zufällig beobachter) dauernd angefunkt werden.. aber es ist richtig darum keinen hype zu machen. das sollte man aufzeichnen und in aller ruhe analysieren (über machine learning methoden, muster erkennen?).
vielleicht sind das aber auch keine signale sondern einfach andere natürliche effekte, die man noch erklären/finden muss.


Ich weiß ja, mit wieviel Enthusiasmus nach diesen Signalen mit allen möglichen Mustererkennungsverfahren gesucht wird. Was mich dabei so überaus skeptisch macht: Die Zahl pi oder e oder irgendetwas anderes universell gültiges in ein Wellenpaket zu kodieren und loszuschicken, damit es irgendwo anders im Universum empfangen wird ... das ist viel zu sehr in in den geistigen Schemen der Erdenmenschheit zwischen Aufklärung und Gegenwart gedacht. Selbst wenn man eine extrem hohe Zivilisationsdichte in unserem Milchstraßensystem annimmt, wäre es nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung nahezu ausgeschlossen, dass es zwei Sterne (deren Lebenszyklus sich im Milliarden-Jahre-Bereich abspielt) gibt, deren Zivilisationen vom Entwicklungsstand her im Jahrhunderte-Maßstab synchron sind.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Fr 24. Feb 2017, 13:54

schokoschendrezki hat geschrieben:Die Dauer der anfänglichen chemischen Evolution ist in der Tat schon beträchtlich. Aber dem stehen jüngere Erkenntnisse entgegen, dass sich selbst in irgendwelchen kochenden Geysiren und untermeerischen Schwefelquellen Lebensräume entwickeln können.


Inwiefern stehen diese Erkenntnisse dem Erstgesagten entgegen?
Es bleibt die Beobachtung, dass ein wichtiger Schritt der "Höherentwicklung" auf der Erde viele Milliarden Jahre benötigt hat. Wenn wir nun nicht davon ausgehen wollen, dass die Erde ein sehr seltener Einzelfall ist bei dem es so lange gedauert hat, können wir festellen, dass diese Höherentwicklung also üblicherweise nicht in lediglich Tausenden Jahren möglich ist, sondern eben Milliarden. Jahrmillarden ist allerdings auch die typische Lebensdauer eines sonnenähnlichen Sterns. Es ist also nicht unplausibel anzunehmen, dass diese Höherentwicklung aus mangelnder Zeit nur sehr selten erfolgreich ist.
Wie gesagt: Die Daten reichen nicht aus um die Wahrscheinlichkeit zu quantifizieren, aber aktuell ist die Annahme des extrem seltenen höher entwickelten Lebens kompatibel mit den Beobachtungen.

schokoschendrezki hat geschrieben:Einerseits ist "Materie" tot und unbeseelt und verhält sich einfach nur stoisch nach gewissen physikalischen Gesetzen. Andererseits scheint ihr irgendein Wille innezuwohnen, sich irgendwie höher zu organsieren und komplexer zu werden.


Das ist ein Wahrnehmungsfehler. Der mit weitem Abstand größte Teil der Materie in unserem Universum lebt NICHT. Allein aufgrund statistischer Fluktuationen ist zu erwarten, dass ein sehr kleiner Teil aber doch komplexer organisiert ist ("lebt"). Nur weil beim Würfeln gelegendlich eine Sechs fällt, welche es deiner Figur beim Mensch-ärger-dich-nicht ermöglicht sich weiter zu entwicklen, bedeutet das nicht, dass dem ein Wille innewohnt.
Vergleiche die Idee mit den Boltzmann-Gehirnen
https://en.wikipedia.org/wiki/Boltzmann_brain
Bei dem Gedankenspiel geht es darum, dass sich ein selbstbewusstes Gehirn allein aus Zufall aus einem chaotischen System entwicklen kann. Mit genügend Zeit hat dies sogar eine gewissen Wahrscheinlichkeit.

schokoschendrezki hat geschrieben:Man sollte wahrscheinlich davon ausgehen, dass für "etwas", was irgendwann einmal der humanen Zivilisation auf der Erde ähnelte, bereits in 100 000 Jahren diese Begriffe und Vorstellungen einfach nicht mehr zulässig sein können.


Warum?
Weder die Entwicklung des Menschens in den letzten 100000 Jahren, noch der technologische Fortschritt der letzten Jahrhunderte haben dazu geführt, dass es ein grundlegendes Kommunikationsproblem gäbe. Natürlich wäre es schwierig einem Steinzeitmenschen das Internet zu erklären, aber i.A. wäre Kommunikation möglich und Interesse bestünde ebenso.

schokoschendrezki hat geschrieben:Oder eben, dass "Zivilisationen" auf einer solchen Zeitskala nicht im entferntesten überhaupt beständig sein können.


Das wäre natürlich möglich, aber wenn die Entwicklung einer Zivilisation halbwegs wahrscheinlich ist, reicht es ja aus, wenn nur eine von vielen die Zeit überdauert. Aber auch das wird nicht beobachtet.
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Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Feb 2017, 14:27

Perdedor hat geschrieben:(24 Feb 2017, 13:54)

Inwiefern stehen diese Erkenntnisse dem Erstgesagten entgegen?
Es bleibt die Beobachtung, dass ein wichtiger Schritt der "Höherentwicklung" auf der Erde viele Milliarden Jahre benötigt hat. Wenn wir nun nicht davon ausgehen wollen, dass die Erde ein sehr seltener Einzelfall ist bei dem es so lange gedauert hat, können wir festellen, dass diese Höherentwicklung also üblicherweise nicht in lediglich Tausenden Jahren möglich ist, sondern eben Milliarden. Jahrmillarden ist allerdings auch die typische Lebensdauer eines sonnenähnlichen Sterns. Es ist also nicht unplausibel anzunehmen, dass diese Höherentwicklung aus mangelnder Zeit nur sehr selten erfolgreich ist.
Wie gesagt: Die Daten reichen nicht aus um die Wahrscheinlichkeit zu quantifizieren, aber aktuell ist die Annahme des extrem seltenen höher entwickelten Lebens kompatibel mit den Beobachtungen.



In diese Abschätzung muss allerdings noch die Anzahl der sonnenähnlichen Sterne mit ungefähr gleicher "Startzeit" eingehen. Ich sag mal so: Ein Marathonlauf ist auch ganz schön lang, und es müssen auch einige unterwegs aufgeben, aber beim Berlin-Marathon etwa kommen am Ende trotzdem ganze Völkerschaften am Ziel an. Die Zahl sonnenähnlicher Sterne liegt allein in unserer Galaxis ebenfalls im Milliardenbereich.

Weder die Entwicklung des Menschens in den letzten 100000 Jahren, noch der technologische Fortschritt der letzten Jahrhunderte haben dazu geführt, dass es ein grundlegendes Kommunikationsproblem gäbe. Natürlich wäre es schwierig einem Steinzeitmenschen das Internet zu erklären, aber i.A. wäre Kommunikation möglich und Interesse bestünde ebenso.


Der eigentliche Punkt ist nicht die absolute Dauer sondern die extreme Nichtlinearität. Vielen zehntausend Jahren Steinschleuder der gleichen Art stehen den gerade etwa mal zirka 100 Jahren von der ersten Glühbirne bis zum ersten Raumschiff gegenüber. Natürlich lassen sich kulturelle, wissenschaftliche, gesellschaftliche Entwicklungen nur schwer quantifizieren. Aber ich bin dennoch davon überzeugt: In zehntausend Jahren gibt es entweder überhaupt keine Menschheit mehr oder in Form von Exemplaren, die ich absolut nicht mehr begreife. Wo nicht einmal klar ist, ob sie überhaupt aus so etwas wie "Exemplaren" oder "Individuen" besteht. Aber selbst wenn wir in Kontakt treten könnten mit einer hypothetischen Zivilisation auf trappist-1: Es wäre ein schier unglaublicher Zufall Wenn die Entwicklungsdifferenz zur Menschheit lediglich im Bereich von lächerlichen 10 000 Jahren läge.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Fr 24. Feb 2017, 16:17

schokoschendrezki hat geschrieben:In diese Abschätzung muss allerdings noch die Anzahl der sonnenähnlichen Sterne mit ungefähr gleicher "Startzeit" eingehen.


Klar, daher ist es so, dass wir uns mit unseren Beobachtungen gewissermaßen in der ungünstigsten Position befinden.
Hätte das Leben sich in ein paar Jahrtausenden auf der Erde fortentwicklet könnte man angesichts der Milliarden Sonnen davon ausgehen, dass die Existenz von Leben innerhalb der Galaxis sehr wahrscheinlich ist (zumindest, wenn wir andere notwendige Voraussetzungen mal ignorieren).
Gäbe es nur eine Handvoll Sonnen könnte man angesichts der langen Entwicklungszeit davon ausgehen, dass die Existenz von Leben innerhalb der Galaxis sehr UNwahrscheinlich ist.
So sind wir nun in der Mitte und aus Mangel an präzisen quantitativen Argumenten können beide Positionen eingenommen werden. Für die Auflösung des Fermi Paradoxons ist die Annahme der extrem seltenen Entstehung forgeschrittenen Lebens also geeignet, d.h. kompatibel mit den Beobachtungen.

schokoschendrezki hat geschrieben:In zehntausend Jahren gibt es entweder überhaupt keine Menschheit mehr oder in Form von Exemplaren, die ich absolut nicht mehr begreife.


Das ist ja meine Frage: Wieso solltest du sie nicht mehr begreifen (oder sie dich nicht mehr)?
Die bisherige technische Entwicklung hat ja auch nicht zu grundlegenden Verständnisproblemen geführt (höchstens bei technischen Themen). Ja, die technische Entwicklung verlief exponentiell (wie auch immer man es quantifiziert), aber was führt dich zu der Annahme, das dies irgendwann zu Kommunikationsproblemen führt?
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Re:

Beitragvon Boracay » Fr 24. Feb 2017, 19:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Feb 2017, 14:27)
ie Zahl sonnenähnlicher Sterne liegt allein in unserer Galaxis ebenfalls im Milliardenbereich


Das Sterne sonnenähnlich sind ist in keinster Weise notwendig. Auch wesentlich kleinere Sterne eigenen sich für Leben. Der Stern im jetzt entdeckten System hat nur 8% der Sonnenmasse.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » Fr 24. Feb 2017, 21:32

schelm hat geschrieben:(24 Feb 2017, 01:32)

Zur Feier des Tages habe ich mir den Film " Interstellar " reingezogen, ich mag den, sehr episch, wenn auch mit einigen logischen Schwächen. ;)

Wobei die finale Reise zum Schwarzen Loch und die Darstellung der Mehrdimensionalität darin recht interessant war. Ich musste bei den ersten Meldungen zu dieser erstauntlichen Entdeckung an "Passengers" denken (ich glaube, im Film betrug die Entfernung zum erdähnlichen Planeten auch lediglich 30 Lj oder so).

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