Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

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schelm
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schelm » Fr 24. Feb 2017, 21:43

Jekyll hat geschrieben:(24 Feb 2017, 21:32)

Wobei die finale Reise zum Schwarzen Loch und die Darstellung der Mehrdimensionalität darin recht interessant war. Ich musste bei den ersten Meldungen zu dieser erstauntlichen Entdeckung an "Passengers" denken (ich glaube, im Film betrug die Entfernung zum erdähnlichen Planeten auch lediglich 30 Lj oder so).

Fand ich auch. Allerdings hab ich nicht verstanden, wenn er es selber war, der seiner Tochter mittels der Gravitationswellen das " Stay " durch die Dimensionen morste, wieso er dann überhaupt die Koordinaten der geheimen NASA- Zweigstelle durchgab, durchgeben konnte, die ihn zu dem interstellaren Trip führten ? Ich meine, er war doch nur einmal im Ereignishorizont dieser Singularität, oder ?
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 25. Feb 2017, 18:55

Perdedor hat geschrieben:(24 Feb 2017, 16:17)
Das ist ja meine Frage: Wieso solltest du sie nicht mehr begreifen (oder sie dich nicht mehr)?
Die bisherige technische Entwicklung hat ja auch nicht zu grundlegenden Verständnisproblemen geführt (höchstens bei technischen Themen). Ja, die technische Entwicklung verlief exponentiell (wie auch immer man es quantifiziert), aber was führt dich zu der Annahme, das dies irgendwann zu Kommunikationsproblemen führt?

Gut. "Kommunikationsprobleme" beschreibt auch nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist: Eine Entwicklung, die über zehntausende Jahre - wie gesagt - vielleicht grad mal von einer Steinschleuder zu einer etwas besseren Steinschleuder und dann aber in grad nur hundert Jahren von Glühbirne und Eisenbahn zu Raumschiff und Teilchenbeschleuniger führte, ist für die weitere Entwicklung auf der Zeitskala von Sternlebenszyklen, also in hunderttausenden, millionen Erdenjahren nicht extrapolierbar. In keinster Weise. Nun sind wir aber selbst schon im unmittelbaren Universums-Umrkeis von ein paar Dutzend Lichtjahren umgeben von Fixsternen, die vom Alter her auf dieser Sternlebenszyklusskala differieren. Auch bei der Annahme einer relativ geringen Entstehungswahrscheinlichkeit von intelligentem Leben bedeutet dies: Irgendwo in Milchstraßennachbarschaft befindet sich eine Zivilisation auf einer Stufe 10 000, 100 000, 1 000 000 Jahre nach einer Phase, in der man in 100 Jahren von Glühbirne zu Teilchenbeschleuniger gelangte. Für mich ist das ein Paradoxon, das einfach nicht auflösbar ist. Sie müssten jede denkbare technologische Schranke überwunden haben und wären garantiert nicht darauf angewiesen, die Zahl Pi in irgendwelche Funksignale zu kodieren und auszusenden, um sich bemerkbar zu machen.

An denkbaren Auflösungen fällt mir immer nur ein:
- Die Entstehung von Leben oder zumindest von intelligentem Leben in einem überschaubaren Raum-Zeit-Volumen ist eben doch so gut wie ausgeschlossen
- Intelligentes Leben zerstört sich aus systemischen Gründen in relativ kurzer Zeit gesetzmäßig selbst
- Intelligentes Leben ab einer gewissen Zivilationsstufe bemüht sich nicht etwa um Kommunikation mit intelligentem Leben auf einer niedrigeren Stufe sondern, im Gegenteil, setzt alle technologischen Mittel ein, um sich selbst vor anderen zu verbergen. Dafür gäbe es - gewissermaßen kultursoziologisch - möglicherweise auch gute Gründe.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Adlerauge » Sa 25. Feb 2017, 20:45

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horation, als deine Philosophie sich träumen läßt"

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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 25. Feb 2017, 21:31

Adlerauge hat geschrieben:(25 Feb 2017, 20:45)

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horation, als deine Philosophie sich träumen läßt"

Shakespeare


Richtig. Und das positive Erlebnis, diese Dinge zu entdecken, anderen Zivilisationen nicht zu nehmen, könnte ja möglicherweise so etwas wie eine interstellare politische Moral sein. Nochmal zurück zu dem Paradoxon dieser extrem unterschiedlichen Zeitskalen - 100 Jahre von der Eisenbahn zum Raumschiff hier, durchschnittliche Sternenaltersdifferenzen von (wenigstens) einigen Millionen Jahren selbst in kleineren galaktischen Regionen dort ... Was würde ein "Erkenntnisaustausch" zwischen zwei Zivilisationen, die zeitlich so extrem auseinanderliegen, bei der weniger entwickelten Zivilisation eigentlich bewirken? Wenn man das mal ganz psychologisch spekulativ durchdenkt. Gewiss nix gutes.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Corella » Sa 25. Feb 2017, 22:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(25 Feb 2017, 18:55)


An denkbaren Auflösungen fällt mir immer nur ein:
- Die Entstehung von Leben oder zumindest von intelligentem Leben in einem überschaubaren Raum-Zeit-Volumen ist eben doch so gut wie ausgeschlossen
- Intelligentes Leben zerstört sich aus systemischen Gründen in relativ kurzer Zeit gesetzmäßig selbst
- Intelligentes Leben ab einer gewissen Zivilationsstufe bemüht sich nicht etwa um Kommunikation mit intelligentem Leben auf einer niedrigeren Stufe sondern, im Gegenteil, setzt alle technologischen Mittel ein, um sich selbst vor anderen zu verbergen. Dafür gäbe es - gewissermaßen kultursoziologisch - möglicherweise auch gute Gründe.


Wie oben schon, glaube von Cat erwähnt, würde ein Steinzeitmenschenkind, würde es bei uns aufwachsen, nicht auffallen. Die rasante Entwicklung kam von Kooperation immer größerer Menschenmengen. Das ist das Schlüsselkriterium schlechthin. Und wollen wir unsere globalen Probleme lösen, müssen wir genau damit weiter machen, sonst überlebt die Zivilisation nicht. Das halte ich für hoch übertragbar. Über geologische Zeitmaßstäbe stabile Zivilisationen müssen hoch kooperativ sein. Dass wir keine Nachrichten oder Sonden herein bekommen, kann daher Indiz für Deine Auflösungen 1 und 2 sein. Wir sind wahrscheinlich weit und breit allein oder die ersten.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » So 26. Feb 2017, 01:33

schelm hat geschrieben:(24 Feb 2017, 21:43)

Fand ich auch. Allerdings hab ich nicht verstanden, wenn er es selber war, der seiner Tochter mittels der Gravitationswellen das " Stay " durch die Dimensionen morste, wieso er dann überhaupt die Koordinaten der geheimen NASA- Zweigstelle durchgab, durchgeben konnte, die ihn zu dem interstellaren Trip führten ? Ich meine, er war doch nur einmal im Ereignishorizont dieser Singularität, oder ?
Offen gesagt verstehe ich nicht ganz, was du meinst. Er gelangte durch das Schwarze Loch in diesen von höher entwickelten (im Film als ferne Nachfahren der Menschen vermuteten) Intelligenzen kreierten Hyperraum. An diesem dem Normalraum übergeordneten Ort hatte er Zugang zu jedem Ort (und zu jeder Zeit) des Normalraums und konnte deshalb die für das Überleben der Menschheit so wichtige Botschaft zielgenau übermitteln (in diesem Fall an seine Tochter). Nach getaner Arbeit wurde er in den Normalraum zurückversetzt und der künstliche Hyperraum, der damit seinen Zweck erfüllt hatte, wieder "geschlossen" (im Film schön dargestellt als eine Art Zusammenfalten).

Interessante Idee übrigens das mit den höheren Dimensionen. Eine weit fortschrittliche Zivilisation "wandert" ab einem bestimmten Punkt ihrer Entwicklung in höhere Dimensionen "ab" (was den Umstand erklären würde, warum wir es so schwer haben, in unserem (normalen) Universum hochentwickelte Zivilisationen zu finden).
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » So 26. Feb 2017, 05:14

Corella hat geschrieben:(25 Feb 2017, 22:35)
Wie oben schon, glaube von Cat erwähnt, würde ein Steinzeitmenschenkind, würde es bei uns aufwachsen, nicht auffallen.

Das ist sicher richtig. Hat aber nur wenig mit dem anderen Kernproblem zu tun: Den extrem unterschiedlichen Zeitskalen. Wie schon mehrfach erwähnt: 100 Jahre von der Glühbirne zum Teilchenbeschleuniger hier und eine durchschnittliche Altersdifferenz der uns umgebenden Sternsysteme (egal in welchem räumlichen Bereich), die zehnerpotenzmäßig höher liegt. SETI zum, Beispiel ist eine feine Sache, weil sie unter Umständen Vorgänge entdecken lässt, die scheinbar nicht natürlich entstehen können, es tatsächlich jedoch tun. Aber die Annahme, auf diese Art extraterrestrische Zivilisationen aufzuspüren, ist nach meiner Ansicht völlig naiv. Wenn überhaupt äußert sich die Existenz extraterrestrischer Zivilisationen gewissermaßen in ihrer konsequenten Abwesenheit oder in den Naturgesetzen selbst. In der (eben nicht zufälligen) Größe dimensionsloser physikalischer Größen wie der Feinstrukturkonstanten zum Beispiel.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schelm » So 26. Feb 2017, 08:44

Jekyll hat geschrieben:(26 Feb 2017, 01:33)

Offen gesagt verstehe ich nicht ganz, was du meinst. Er gelangte durch das Schwarze Loch in diesen von höher entwickelten (im Film als ferne Nachfahren der Menschen vermuteten) Intelligenzen kreierten Hyperraum. An diesem dem Normalraum übergeordneten Ort hatte er Zugang zu jedem Ort (und zu jeder Zeit) des Normalraums und konnte deshalb die für das Überleben der Menschheit so wichtige Botschaft zielgenau übermitteln (in diesem Fall an seine Tochter). Nach getaner Arbeit wurde er in den Normalraum zurückversetzt und der künstliche Hyperraum, der damit seinen Zweck erfüllt hatte, wieder "geschlossen" (im Film schön dargestellt als eine Art Zusammenfalten).

Interessante Idee übrigens das mit den höheren Dimensionen. Eine weit fortschrittliche Zivilisation "wandert" ab einem bestimmten Punkt ihrer Entwicklung in höhere Dimensionen "ab" (was den Umstand erklären würde, warum wir es so schwer haben, in unserem (normalen) Universum hochentwickelte Zivilisationen zu finden).

Na ja, er war ja nur einmal dort. Als er es war, sah er zuerst sich selbst, wie er sich von seiner Tochter verabschiedete, die ihn nicht gehen lassen wollte. Also sendete er die Botschaft " Stay ". Wozu eigentlich ? Er kann nachträglich seine Reise nicht verhindern, hätte dies Erfolg gehabt, wäre er nie in seine derzeitige Lage gekommen, um genau diese Lage zu verhindern. Ein Paradoxon.
Aber, ok, vielleicht nur die erste, irrationale Panikreaktion ? Dann wird ihm bewusst, seine Tochter braucht die Daten aus dem Ereignishorizont, die er binär übermittelt, auch die Koordinaten der NASA - Anlage und wohl mit Hilfe dieser Zivilisation zum jeweilig richtigen Zeitpunkt platziert. So in etwa ?

Paradox bleibt es trotzdem. Um überhaupt die Reise antreten zu können, die ihn letztlich in diesen höherdimensionalen Raum führt, muss er die Voraussetzungen dafür übermitteln nach dem er die Reise bereits gemacht hat.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Corella » So 26. Feb 2017, 18:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Feb 2017, 05:14)

Das ist sicher richtig. Hat aber nur wenig mit dem anderen Kernproblem zu tun: Den extrem unterschiedlichen Zeitskalen. Wie schon mehrfach erwähnt: 100 Jahre von der Glühbirne zum Teilchenbeschleuniger hier und eine durchschnittliche Altersdifferenz der uns umgebenden Sternsysteme (egal in welchem räumlichen Bereich), die zehnerpotenzmäßig höher liegt. SETI zum, Beispiel ist eine feine Sache, weil sie unter Umständen Vorgänge entdecken lässt, die scheinbar nicht natürlich entstehen können, es tatsächlich jedoch tun. Aber die Annahme, auf diese Art extraterrestrische Zivilisationen aufzuspüren, ist nach meiner Ansicht völlig naiv. Wenn überhaupt äußert sich die Existenz extraterrestrischer Zivilisationen gewissermaßen in ihrer konsequenten Abwesenheit oder in den Naturgesetzen selbst. In der (eben nicht zufälligen) Größe dimensionsloser physikalischer Größen wie der Feinstrukturkonstanten zum Beispiel.


Du meinst wohl "die oberste Direktive" (Nicht-Einmischung, Star treck) ;-)
Ich wollte einen Impuls dahin setzen, dass es Grund gibt, dass extraterrestrische Zivilisationen eher nicht feindselig oder ängstlich wären. Wenn man nur spekulieren kann, bleiben Occam s Rasiermesser und Aktualitätsprinzip (was noch?). Denn mit Feindseligkeit werden wir jedenfalls nicht dahin kommen, uns längerfristig zu stabilisieren.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » So 26. Feb 2017, 18:25

Corella hat geschrieben:(26 Feb 2017, 18:00)

Du meinst wohl "die oberste Direktive" (Nicht-Einmischung, Star treck) ;-)
Ich wollte einen Impuls dahin setzen, dass es Grund gibt, dass extraterrestrische Zivilisationen eher nicht feindselig oder ängstlich wären. Wenn man nur spekulieren kann, bleiben Occam s Rasiermesser und Aktualitätsprinzip (was noch?). Denn mit Feindseligkeit werden wir jedenfalls nicht dahin kommen, uns längerfristig zu stabilisieren.

Ich weiß von "Star Treck" kaum mehr, als dass es etwas unter diesem Namen gibt ...
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Mo 27. Feb 2017, 15:37

schokoschendrezki hat geschrieben:Auch bei der Annahme einer relativ geringen Entstehungswahrscheinlichkeit von intelligentem Leben bedeutet dies: Irgendwo in Milchstraßennachbarschaft befindet sich eine Zivilisation auf einer Stufe 10 000, 100 000, 1 000 000 Jahre nach einer Phase, in der man in 100 Jahren von Glühbirne zu Teilchenbeschleuniger gelangte.


Das kommt eben darauf an, wie groß die Entstehungswahrscheinlichkeit von intelligentem Leben tatsächlich ist. Wie oben erläutert sind die Beobachtungen konsistent mit der Annahme einer extrem geringen Wahrscheinlichkeit. So gering, dass es pro Galaxie, trotz einer großen Anzahl von Sternen nur eine einzige Zivilisation geben könnte.
Es ist eben nicht so, dass es auf der Erde nach ein paar tausend jahren bereits Mehrzeller gegeben hätte. Ebenso gibt es auf der Erde nicht viele intelligente Arten, sondern nur eine einzige. Es gibt also nichts, was für eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit spräche.

schokoschendrezki hat geschrieben:Sie müssten jede denkbare technologische Schranke überwunden haben und wären garantiert nicht darauf angewiesen, die Zahl Pi in irgendwelche Funksignale zu kodieren und auszusenden, um sich bemerkbar zu machen.


Die Kommunikation muss natürlich von der höher entwickelten Zivilisation ausgehen.

schokoschendrezki hat geschrieben:- Die Entstehung von Leben oder zumindest von intelligentem Leben in einem überschaubaren Raum-Zeit-Volumen ist eben doch so gut wie ausgeschlossen


Das ist plausibel.

schokoschendrezki hat geschrieben:- Intelligentes Leben zerstört sich aus systemischen Gründen in relativ kurzer Zeit gesetzmäßig selbst


Es ist nicht klar, wieso es "systemische Gründe" geben sollte. Selbst wenn eine solche Zerstörung eine hohe Wahrscheinlichkeit hätte, müsste bei einer ausreichend großen Startanzahl immernoch einige nicht zerstört sein.

schokoschendrezki hat geschrieben:- Intelligentes Leben ab einer gewissen Zivilationsstufe bemüht sich nicht etwa um Kommunikation mit intelligentem Leben auf einer niedrigeren Stufe sondern, im Gegenteil, setzt alle technologischen Mittel ein, um sich selbst vor anderen zu verbergen.


Halte ich ebenfalls für unplausibel. Der Mensch macht dies auch nicht. Und selbst wenn eine galaktische Regierung eine solche Direktive ausgeben würde, würde es ausreichen, wenn sich lediglich einer nicht daran hält, um diese Direktive wirkungslos zu machen.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Feb 2017, 12:23

Perdedor hat geschrieben:(27 Feb 2017, 15:37)
Das kommt eben darauf an, wie groß die Entstehungswahrscheinlichkeit von intelligentem Leben tatsächlich ist. Wie oben erläutert sind die Beobachtungen konsistent mit der Annahme einer extrem geringen Wahrscheinlichkeit. So gering, dass es pro Galaxie, trotz einer großen Anzahl von Sternen nur eine einzige Zivilisation geben könnte.
Es ist eben nicht so, dass es auf der Erde nach ein paar tausend jahren bereits Mehrzeller gegeben hätte. Ebenso gibt es auf der Erde nicht viele intelligente Arten, sondern nur eine einzige. Es gibt also nichts, was für eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit spräche.

Ich denke mal, dafür jedenfalls, dass es nicht grundsätzlich verschiedene intelligente Lebensformen nebeneinander auf einem Planeten geben kann, ließe sich eine abstrakte Erklärung finden.

Was ich so an Aussagen zur (natürlich doch eher spekulativen) Abschätzung der Existenzwahrscheinlichkeit von intelligentem Leben im Univsersum in jüngerer Zeit aufgeschnappt habe, geht in zwei gegensätzliche Richtungen. Einerseits ein Wandel von der Annahme, dass Lebensentstehung allgemein sehr sehr unwahrscheinlich sei hin eher zu der Annahme, dass es - umgekehrt - sehr unwahrscheinlich sei, dass die Entstehung von Leben verhindert werden könne. Auch unter sehr weitfgefassten physikalischen Bedingungen. Und dann andererseits ein Artikel über die allgemeine Wahrscheinlichkeit von extrem energiereichen und weitreichenden Gammastrahlenausbrüchen, Gammablitzen im Universum. Es sei so, als ob der Liebe Gott überall im Universum von Zeit zu Zeit den "Resetknopf" drücke und intelligentes Leben von vorn beginnen müsse, sich zu entwickeln.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Perdedor » Di 28. Feb 2017, 23:09

schokoschendrezki hat geschrieben:Einerseits ein Wandel von der Annahme, dass Lebensentstehung allgemein sehr sehr unwahrscheinlich sei hin eher zu der Annahme, dass es - umgekehrt - sehr unwahrscheinlich sei, dass die Entstehung von Leben verhindert werden könne.


Es ging ja um die Entstehung von höher entwickelten Leben. Da würde mich mal interessieren, wie man für diesen Prozess eine vergleichsweise hohe Wahtscheinlichkeit konstruieren könnte.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Mär 2017, 08:03

Perdedor hat geschrieben:(28 Feb 2017, 23:09)

Es ging ja um die Entstehung von höher entwickelten Leben. Da würde mich mal interessieren, wie man für diesen Prozess eine vergleichsweise hohe Wahtscheinlichkeit konstruieren könnte.


Der wichtigste Faktor dürfte auch hier eine Abschätzung der Anzahl erdähnlicher Planeten sein nehme ich mal an. Und der wird sich in naher Zukunft - wie es ja schon das Subject dieses Threads ausdrückt - sicher noch erhöhen.

Ich hab' mich auch erst ein wenig über das ganze Thema informiert. Das weiter oben diskutierte Paradoxon, dass - kurz gesagt - die Spuren außerirdischer Zivilisationen eigentlich sozusagen überall sichtbar sein müssten, ist eigentlich ein "alter Hut" und wird unter der Bezeichnung "Fermi-Paradoxon" seit zig Jahren hin- und herdiskutiert. Der Kern dieses Paradoxons besteht letztendlich in den extrem unterschiedlichen Zeitskalen zwischen Entwicklung technologischer Ziviiisationen (wenn sie denn erst mal begonnen hat) und der Streuung des Alters galaktischer Objekte.

Von dem was in dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag steht (https://de.wikipedia.org/wiki/Fermi-Paradoxon) überzeugt mich als Argument am ehesten die sogenannte Zoo-Hypothese (wie auch schon mal weiter oben angedeutet): Dass es diese hochentwickelten Zivilisationen tatsächlich und auch in großer Zahl gibt, sie aber eine Übereinkunft geschlossen hätten, sich in jüngere Zivilisationen (wie die der Erdlinge) strikt nicht einzumischen und sich konsequent verborgen zu halten. Das erscheint mir durchaus logisch und konsistent. Bestimmte grundlegende Erkenntnisse über die Welt, die Natur, das All müssen von einer Zivilisation selbst gemacht werden und dürfen nicht einfach "importiert" werden, wenn die Entwicklung einer Zivilisation bruchlos verlaufen soll.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Europa2050 » Mi 1. Mär 2017, 08:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Mar 2017, 08:03)

Von dem was in dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag steht (https://de.wikipedia.org/wiki/Fermi-Paradoxon) überzeugt mich als Argument am ehesten die sogenannte Zoo-Hypothese (wie auch schon mal weiter oben angedeutet): Dass es diese hochentwickelten Zivilisationen tatsächlich und auch in großer Zahl gibt, sie aber eine Übereinkunft geschlossen hätten, sich in jüngere Zivilisationen (wie die der Erdlinge) strikt nicht einzumischen und sich konsequent verborgen zu halten. Das erscheint mir durchaus logisch und konsistent. Bestimmte grundlegende Erkenntnisse über die Welt, die Natur, das All müssen von einer Zivilisation selbst gemacht werden und dürfen nicht einfach "importiert" werden, wenn die Entwicklung einer Zivilisation bruchlos verlaufen soll.


Wäre das dann das, was man gemeinhin als "Gott" bezeichnet und die bisherigen Erscheinungen in den verschiedenen Religionen (wenn Sie denn so stattgefunden haben) Verstöße gegen das Kommunikationsverbot?
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Mär 2017, 08:31

Europa2050 hat geschrieben:(01 Mar 2017, 08:08)

Wäre das dann das, was man gemeinhin als "Gott" bezeichnet und die bisherigen Erscheinungen in den verschiedenen Religionen (wenn Sie denn so stattgefunden haben) Verstöße gegen das Kommunikationsverbot?

Ich wüsste jetzt ehrlich gesagt von keinerlei "Erscheinungen", die sich bei gewissenhafter Prüfung als real erwiesen hätten.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Europa2050 » Mi 1. Mär 2017, 08:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Mar 2017, 08:31)

Ich wüsste jetzt ehrlich gesagt von keinerlei "Erscheinungen", die sich bei gewissenhafter Prüfung als real erwiesen hätten.


Ich hab mich damit jetzt noch nicht wirklich beschäftigt, aber dass der Beweis von Dingen, die 1000-5000 Jahre zurückliegen, kaum geführt werden kann ist klar.
Kann aber im Gegenzug immer der Beweis geführt werden, dass sie nicht stattfefunden haben?

Deswegen setzten die verschiedenen Religionen ja auf "Glauben".

Führt aber etwas ab vom Thema.
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... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Mär 2017, 09:07

Europa2050 hat geschrieben:(01 Mar 2017, 08:41)

Ich hab mich damit jetzt noch nicht wirklich beschäftigt, aber dass der Beweis von Dingen, die 1000-5000 Jahre zurückliegen, kaum geführt werden kann ist klar.
Kann aber im Gegenzug immer der Beweis geführt werden, dass sie nicht stattfefunden haben?

Deswegen setzten die verschiedenen Religionen ja auf "Glauben".

Führt aber etwas ab vom Thema.

Ich muss dabei sofort an diesen unsäglich bescheuerten Erich-von-Däniken-Film nach seinem nicht weniger bescheuerten Buch "Erinnerungen an die Zukunft" denken. Da gehts ja um Spekulationen zu solchen "Dingen". Der Film kam Anfang der 70er sogar in die DDR-Kinos. 2012 wurde Erich von Däniken verdienterweise für sein Lebenswerk mit dem "Goldenen Brett vorm Kopf" von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften ausgezeichnet. ;)
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » Do 2. Mär 2017, 22:25

Interessante Neuigkeiten aus Kanada:

"Gab es schon vor vier Milliarden Jahren Leben auf der Erde?"
Die Geschichte von der Entstehung des Lebens auf der Erde muss womöglich neu geschrieben werden: Ein Forscherteam verkündete am Mittwoch im den Fund der bislang ältesten Mikrofossilien der Erde, die es als "direkten Beweis" für Leben auf unserem Planeten vor bereits rund vier Milliarden Jahren wertet. Diese Entdeckung könnte auch die Theorien über mögliches Leben auf anderen Planeten verändern.
http://www.focus.de/wissen/mensch/fossilienfund-in-kanada-gab-es-schon-vor-vier-milliarden-jahren-leben-auf-der-erde_id_6727869.html

Falls sich diese Entdeckung als richtig erweisen sollte, wäre das ein Indiz für die extraterrestischen Ursprünge des Lebens. Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Leben auf anderen Himmelskörpern wäre damit auch größer geworden.
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Re: Milchstraße voller erdähnlicher Planeten

Beitragvon Jekyll » Do 2. Mär 2017, 22:50

schelm hat geschrieben:(26 Feb 2017, 08:44)
Paradox bleibt es trotzdem. Um überhaupt die Reise antreten zu können, die ihn letztlich in diesen höherdimensionalen Raum führt, muss er die Voraussetzungen dafür übermitteln nach dem er die Reise bereits gemacht hat.
Man kann ja die beiden Zeitpunkte in der Zeitlinie als Teile eines Ganzen betrachten, die sich gegenseitig bedingen. D. h. wenn wir annehmen, dass unser Raum- und Zeitfahrer in der Zukunft genau die Handlungen ausführen wird/muss (zum schwarzen Loch reisen, Daten übermitteln...), die genau zu den Ereignissen in der Vergangenhet passen, dann gäbe es das Problem mit dem Paradoxon nicht (dann allerdings auf Kosten eines nicht deterministischen Weltbildes).

Ich fand eher die Vorgänge auf dem Planeten in der Nähe des schwarzen Loches "Gargantua" für nicht schlüssig. Damit auf dem Planeten eine deutlich spürbare Zeitdilatation entstehen kann (Stunden entsprechen Jahren), muss dieser Planet einer immensen Schwerkraft ausgesetzt sein. Die Astronauten, die auf dem Planeten landeten, konnten sich aber erstaunlich leicht und frei bewegen, obwohl sie bei diesen gravitativen Bedingungen eigentlich Tonnen wiegen müssten oder so. Und wieso gibt es da einen festen Boden (das Wasser war ja nur wenige cm hoch), wenn über der Oberfläche des Planeten in schneller Folge berghohe Wellen rasen? Wie kann unter diesen Bedingungen ein fester Boden bestehen?

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